Audrey Couloumbis: Max, mein Grossvater und ich

03.12.2012 von

Jake ist zehn Jahre alt. Sein Vater ist verunfallt, als er noch ein kleines Baby war, deshalb lebt Jake alleine mit seiner Mutter. Jake und seine Mama, das ist ein starkes Team! Kurz vor Weihnachten machen die beiden Grosseinkauf und da passiert es: Mama rutscht auf dem harten Eis aus und muss sofort ins Spital. Eine komplizierte Operation steht an. Für Jake ist das Spital und all die fremden Gerüche und Gesichter eine ganz schlimme Erfahrung. Er fühlt sich so alleine und verlassen. Die schreckliche Angst um seine Mutter macht ihn wehrlos, er fühlt sich ausgeliefert und völlig überfordert. Aber dann taucht Grossvater auf, dieser eher griesgrämige Mann mit seinem mürrischen Hund Max. Jake kennt seinen Grossvater kaum und anfangs weiss er gar nicht recht, was er mit dem alten Mann reden soll und vor diesem Hund hat er vor allem Angst. Ganz allmählich taut aber Grossvater auf und mit ihm sein Hund. Auch Jake traut sich endlich etwas zu sagen und zu guter Letzt feiern die drei, zusammen mit Nachbarn und Freunden, ein Weihnachtsfest, das Jake niemals mehr vergessen wird.

«Max, mein Grossvater und ich» ist ein wunderschönes und leises Buch. Besonders beeindruckend ist der Autorin die Schilderung der inneren «Abenteuer» und Sichtweisen des Protagonisten Jake gelungen. Er ist es, der diese Geschichte erzählt, er lässt Lesende ganz unverblümt teilhaben an seinen Gedanken, seinen Ängsten, seiner langsamen Annäherung an den rauen Grossvater, einer Art «Alpöhi». Ebenso berührend ist es nachzulesen, wie der alte Mann sich verändert, wie es Jake schafft, Grossvaters dicke Schutzhaut zu durchbrechen. Das Buch eignet sich zum Vorlesen für kleinere Gruppen und zum Selberlesen für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Audrey Couloumbis: Max, mein Grossvater und ich. Cbj, 2012.

Sabine Ludwig: Wer hustet da im Weihnachtsbaum?

03.12.2012 von

Bei Hannes daheim herrscht grosse Aufregung. Nicht nur, weil Weihnachten vor der Tür steht, sondern vor allem deshalb, weil Tante Traudl krank im Bett liegt und die aufwendige Weihnachtsfeier mit ihr verschoben werden muss. Hannes selber hat zudem ein weiteres Problem: Er hält in der Wohnung der Nachbarin, die über Weihnachten verreist ist, einen Wellensittich versteckt. Mama und Papa wollen kein Haustier, aber Hannes kann diesen äusserst lustigen und sprechbegabten Vogel einfach nicht weggeben. So schleicht er sich immer wieder heimlich in die Nachbarwohnung, gibt sein ganzes Taschengeld für Vogelfutter aus und muss seine Eltern dauernd anschwindeln. Nur Luzie weiss Bescheid, die kleine Schwester von Hannes, die kann aber dummerweise ganz schlecht lügen. Und so kommt am Schluss dann doch alles heraus und die ganze Familie ist sich einig: Wenn sie mehr aufeinander gehört hätten, wäre ihnen viel Aufregung erspart geblieben. Aber um solche Einsichten zu gewinnen, braucht es wohl auch in den besten Familien ab und an ein paar Turbulenzen.

Nicht nur wegen der humorvollen Handlung und den frechen, so passenden Illustrationen von Ute Krause eignet sich dieses Buch sehr gut zum Vorlesen. Es ist auch die klare Gliederung in einzelne Kapitel, die das Buch in sinnvolle Leseportionen aufteilt. Ein unterhaltsames, unbeschwertes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Sabine Ludwig: Wer hustet da im Weihnachtsbaum? rororo Rotfuchs, 2012.

Hilke Rosenboom: Wenn das kein Weihnachten ist!

03.12.2012 von

Eddie ist schon viel zu alt, um noch an den Weihnachtsmann zu glauben. Da zieht im Dezember eine neue Familie ins Haus ein. Alles ist so normal wie immer und doch herrscht irgendwie eine andere Stimmung im Haus seither. Eddie freundet sich schnell mit der etwa gleichaltrigen Tochter Roswitha an. Als Eddie zum ersten Mal die Wohnung der neuen Nachbarn betritt, bleibt ihm der Mund offen stehen: Roswithas Vater sieht genauso aus wie der Weihnachtsmann, er hat einen weissen Bart und an der Garderobe hängt ein langer roter Mantel. Dazu kommt, dass es so gut riecht und dass die ganze Wohnung voll von kleinen Paketen mit bunten Schleifen ist. Eddie ist total verwirrt – und Roswitha? Für die ist das alles einfach normal, dass Päckchen rumliegen, dass man ab und zu Glöckchen hört oder dass plötzlich ganz viele Glitzersterne im Treppenhaus rumliegen.

Was Hilke Rosenboom in ihrer Geschichte beschreibt, das werden die meisten Kinder in diesem Alter kennen: Diese Unsicherheit zwischen kindlichem Glauben und der Wirklichkeit. Eddie mit seinen acht Jahren ist genau an diesem Punkt, auch Lesende werden sich verunsichern lassen und nie genau wissen, welchem Genre diese Geschichte nun zugeordnet werden soll. Ein unterhaltsames, unbeschwertes Bändchen mit humorvollen farbigen Bildern, das sich vor allem zum Vorlesen eignet. Für Kinder ab etwa 6 Jahren. Als Hardcover 2009 erschienen.

Rezension: Maria Riss

Hilke Rosenboom: Wenn das kein Weihnachten ist! Fischer Schatzinsel, 2012.

Otfried Preussler: Winterzeit tief verschneit

03.12.2012 von

Für diesen wunderschön gestalteten Band hat Regine Stigloher über ein Dutzend Winter- und Weihnachtsgeschichten des bekanntes Kinderbuchautors Otfried Preussler zusammengestellt. Da gibt es eine Geschichte vom kleinen Wassermann oder von der kleinen Hexe, da treffen Lesende auf Zwottel oder auf Wanja. Es gibt aber auch neue, unbekannte Figuren und Geschehnisse, in denen von Weihnachten und der kalten Winterzeit berichtet wird. Auf die Frage, ob all diese Geschichten wirklich wahr sind, meint Otfried Preussler: «Wer mir meine Geschichten glaubt, für den sind sie wahr. Und wer sie nicht glaubt, für den sind sie eben nicht wahr – aber er tut mir ein bissl leid». Für die meisten Kinder werden diese Geschichten wahr sein und sie werden begeistert zuhören. Ein ganz besonderes Erzähl- und Vorlesebuch für Kinder ab etwa 6 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Otfried Preussler: Winterzeit tief verschneit. Thienemann, 2012.

Salah Naoura: Herr Rot in Not

17.09.2012 von

In der Vorweihnachtszeit sprechen alle von Nächstenliebe. Der 9-jährige Denni findet das gut, den andern, wenn immer möglich, zu helfen. Als er eines Abends einen alten, frierenden Mann auf einer Parkbank entdeckt, nimmt er ihn gleich mit nach Hause. Nicht mal richtige Kleider trägt der Mann. Er hat vergessen, wo er herkommt und wie er heisst. Da ist Denni froh, dass Mama für ihren neuen Freund einen chicen roten Bademantel gekauft hat. Der passt dem alten Mann wie angegossen. Denni nennt ihn Herr Rot, weil er doch keinen Namen hat, und lässt den alten Mann im kleinen Kabuff am Ende des Flurs schlafen. Herr Rot lässt sich allerdings auf die Dauer nicht einfach verstecken und Mama findet, der alte Mann müsse in ein Heim. Dabei verstehen sich Denni und Herr Rot so gut! Schliesslich kommt dann aber doch alles genauso, wie es sein muss, und Denni hat einen neuen, sehr aussergewöhnlichen und einmaligen Freund gefunden.

Vielen Kindern macht es grossen Spass, ein bisschen klüger als die handelnden Personen einer Geschichte zu sein. Schon bald beginnt man beim Lesen zu ahnen, wer dieser geheimnisvolle Herr Rot sein könnte und wo er wohl herkommt. Die Vermutungen werden sich bestätigen, bis dahin passiert allerdings ziemlich viel Aufregendes: eine gefährliche Torpedo-Schlittenfahrt, eine kaputte Kaffeemaschine, eine Flucht aus dem Altenheim und eine aufregende Fahrt im Einkaufswagen. Eine humorvolle und doch liebevolle Adventsgeschichte – zwischen Realität und Fantasie – passend für diese Zeit. Für Kinder ab etwa 9 Jahren. Zum Vorlesen auch für Jüngere geeignet.

Rezension: Maria Riss

Salah Naoura: Herr Rot in Not. Dressler, 2010.

Kirsten Boie: Und dann ist wirklich Weihnachten

17.09.2012 von

Weihnachten ist mit Abstand die spannendste Zeit im Jahr. Darüber sind sich alle Kinder in den 15 Geschichten der bekannten Autorin einig. Aber die Zeit rund ums Fest ist auch in allen Familien mit sehr viel Unruhe, mit genervten Eltern, mit verunglückten Basteleien und verbrannten Plätzchen verbunden – mit kleinen Lügen, mit Geheimnissen, aufgeregter Freude und grossem Staunen. Viele bekannte Figuren tauchen in den Geschichten auf: Linnea oder Paule, Lena oder King-Kong, das Meerschweinchen. Kirsten Boie beschreibt all die Sorgen, Nöte und Freuden so, wie nur sie es kann. Das sind Geschichten ganz nah am Kinderalltag, in der passenden Sprache verfasst, die zwar kindlich, aber nie kindisch wirkt. Dieses Geschichtenbuch sei allen Familien oder Schulklassen mit Kindern zwischen 5 und 9 Jahren wärmstens empfohlen. Da kann man lachen, schmunzeln, da erinnert man sich als erwachsene Leserin oder erwachsener Leser auch wieder, wie das war, damals, als man selbst vor lauter Vorfreude ganz aus dem Häuschen geriet.

Rezension: Maria Riss

Kirsten Boie: Und dann ist wirklich Weihnachten. Oetinger, 2010.

Nina Petrick / Regina Kehn: Anna, Max und das Schneewunder

17.09.2012 von

Anna und Max träumen vom Schnee, der will in diesem Jahr aber einfach nicht kommen. Da liest Max in einem Buch, wie die Indianer früher den Regengott beschworen und ihm Opfer gebracht haben. Weshalb sollte das beim Schnee nicht ähnlich funktionieren? Die beiden vergraben also umgehend eine weisse Opfergabe im Garten – und warten. Einen Tag später schon beginnt es tatsächlich zu schneien und es hört überhaupt nicht mehr auf. Es schneit so lange, bis das ganze Dorf von der Umwelt abgeschnitten ist und alle Bewohnerinnen und Bewohner Weihnachten gemeinsam in der Pension verbringen müssen. Das Schneewunder von Anna und Max bewirkt, dass alle Menschen des Dorfes zum ersten Mal gemeinsam Weihnachten feiern und dieses Fest wird so einzigartig, dass wohl niemand es vergessen wird. Eine leicht zu lesende ABC-Geschichte für Kinder, die das Lesen gerade erst gelernt haben. Mit stimmungsvollen und wunderschönen Illustrationen von Regina Kehn.

Rezension: Maria Riss

Nina Petrick / Regina Kehn: Anna, Max und das Schneewunder. Tulipan, 2010.

Jutta Richter / Jacky Gleich: Als ich Maria war

11.05.2012 von

Das Mädchen ist neu im Dorf. Als Neue hat man keine Chance beim Krippenspiel eine Hauptrolle zu kriegen, schon gar nicht, wenn man eine braune Hautfarbe und kurze Haare hat. Das weiss das Mädchen längst und so spielt sie widerspruchslos ein Schaf. Mit viel Hingabe. Aber dann ist die Aufführung und Brigitte mit den langen Haaren, die eigentlich die heilige Maria spielen sollte, ist krank. Es trifft sich ausgezeichnet, dass das Mädchen den Text längst auswendig hersagen kann. Sie darf deshalb an der Seite von Fiese Horstkötter das Christkind im Arm halten. Jutta Richter hat eine traditionelle, aber wunderschöne und tröstliche Weihnachtsgeschichte geschrieben, wie immer in einer Sprache, die das Geschehen auf wundersame Weise erlebbar macht. Jacky Gleich tat das Seine dazu, damit aus diesem Bilderbuch ein Lieblingsbuch für viele Kinder werden kann. Ab etwa 4 Jahren. 

Rezension: Maria Riss

Jutta Richter und Jacky Gleich: Als ich Maria war. Hanser, 2010.

 

 

 

 

Cornelia Franz: Luis & ich und der berühmteste Mann der Welt

30.03.2012 von

Carlotta und Luis sind sich nicht sicher, ob der Weihnachtsmann ihre neue Adresse kennt. Die Familie ist nämlich eben erst in ein grösseres Haus umgezogen, weil ein Geschwisterchen unterwegs ist und sie mehr Platz brauchen. So schleichen sich die siebenjährige Carlotta und ihr kleiner Bruder eines Nachmittags aus dem Haus, um den Weihnachtsmann zu suchen. Aber Hamburg ist gross, und bald haben sich die beiden hoffnungslos verlaufen. Es ist gut, dass Carlotta zuvor ihr Sparschwein geplündert hat und sie jetzt mehr als drei Euro zur Verfügung haben. So setzen sie sich in ein Café, bestellen Mandelhörnchen und heisse Schokolade. Und dann passiert doch tatsächlich ein Wunder: Der Weihnachtsmann kommt zur Tür herein. Er heisst Henry,  ist nett, sehr nett und hilft den beiden schliesslich, wieder nach Hause zu kommen. Drei Tage später ist Weihnachten, alle sind schrecklich aufgeregt, die Kerzen brennen –  und es klopft an die Tür. Der Weihnachtsmann Henry hat den Weg zum neuen Haus gefunden. Als alle gemeinsam ein Lied singen,  stöhnt Mama plötzlich laut auf. Jetzt will auch Mamas Christkind zur Welt kommen und zwar schnell. Beim Lesen dieser wunderschönen Geschichte kann man lachen, schmunzeln. Da erinnert man sich als erwachsene Leserin oder Leser auch wieder, wie das war, damals, als man selbst nicht sicher war, wer denn nun all die Geschenke unter den Baum gelegt hat. Eine berührende Geschichte zum Erzählen und Vorlesen für Kinder ab dem Kindergartenalter, zum Selberlesen ab etwa 8 Jahren.
Rezension: Maria Riss

Cornelia Franz: Luis & ich und der berühmteste Mann der Welt. Rotfuchs, 2011. Kindergeschichte

Kirsten Boie: King Kong, das Weihnachtsschwein

30.03.2012 von

Viele Leserinnen und Leser werden Jan-Arne und sein Meerschweinchen King Kong aus den bereits erschienenen Büchern kennen. Einmal mehr gerät Jan-Arne auch in diesem neuen Band wegen seinem Meerschweinchen in Schwierigkeiten. Es ist Advent, Mama hat Plätzchen gebacken und Weihnachtsgestecke für die Kegelclub-Feier gebastelt. Alles liegt wunderschön und duftend in der Küche bereit.  Und da passiert es: Jan-Arne lässt King Kong aus dem Käfig  und in der Küche rumschnuppern – obwohl dies strengstens verboten ist – es klingelt an der Tür und Jan-Arne flitzt mit seinem Freund Michi los. Schliesslich liegt der erste Schnee draussen. Kein Wunder, dass Mama am Abend beim Anblick der angeknabberten Plätzchen  gar nicht mehr aufhören will mit schimpfen. Aber wie immer in den Büchern der so beliebten Kinderbuchautorin  handeln die kindlichen Protagonisten autonom, sie wehren sich und lassen sich nicht unterkriegen. So lässt sich auch Jan-Arne etwas einfallen, damit sich die Laune seiner Mutter bessert. Eine unbeschwerte Adventsgeschichte, ganz nah am Kinderalltag für Leserinnen und Leser ab etwa der 2. Klasse, zum Vorlesen oder Erzählen eignet sich das Buch auch für kleinere Kinder. Dieses Buch ist auch als Hörbuch lieferbar.

Rezension: Maria Riss.

Kirsten Boie: King Kong, das Weihnachtsschwein. Oetinger, 2011. Reihe: Sonne, Mond und Sterne.