Buch des Monats Dezember 2016

30.11.2016 by

niklasMatt Haig: Ein Junge namens Weihnacht
Nikolas lebt mit seinem Vater, einem mausarmen Holzfäller, hoch oben im Norden Finnlands. Die beiden sind dermassen arm, dass manchmal gar das Geld für eine wärmende Suppe fehlt. Da bricht der Vater auf, er will zusammen mit ein paar Männern einen Beweis finden, dass es im nördlichsten Zipfel des Landes tatsächlich Wichtel gibt. Der König hat einen hohen Geldpreis für einen solchen Beweis versprochen. Tante Carlotta soll unterdessen auf Nikolas aufpassen. Aber Tante Carlotta ist so schrecklich böse, dass Nikolas es einfach nicht mehr aushält und sich aufmacht, seinen Vater zu suchen. Hätte er sich unterwegs nicht ein Rentier zum Freund gemacht, er wäre mit Sicherheit in der eisigen Kälte erfroren und verhungert. Und dann, als er am Ende seiner Kräfte ist, als er eigentlich beschlossen hat, umzukehren, entdeckt er dieses wunderbare Leuchten am Himmel. Nikolas ist einer, der nicht nur an Wunder, sondern auch an das Gute glaubt, vielleicht auch deshalb kann er in der Ferne das Wichteldorf ausmachen. Die Wichtel nehmen den halb verhungerten Jungen zwar auf, geben ihm zu essen, stecken ihn aber sofort ins Gefängnis. Sie wollen keine Menschen hier haben, zu viel Schlechtes haben sie von ihnen gehört. Wie es Nikolas trotzdem gelingt, sich mit den Wichteln anzufreunden, wie er gar zum Wichtelvorsitzenden gewählt wird und zum Schluss zum ersten richtigen Weihnachtsmann, das ist einmalig spannend nachzulesen.
Selten ist wohl ein Weihnachtsbuch erschienen, bei dessen Lektüre man sich schon ab der ersten Seite so gut unterhalten kann. Matt Haig hat ein Buch geschrieben, das alle Kriterien für ein wirklich gutes Kinderbuch erfüllt: Eine überaus packende Handlung mit vielen unvorhersehbaren Wendungen, die richtige Prise Humor und einen Protagonisten, den man gleich zu Beginn schon ins Herz schliesst. Die Geschichte ist an manchen Stellen tiefsinnig und voll von wichtigen Wahrheiten, dann wiederum kann man beim Lesen herzhaft lachen. Die pointierten, ausdrucksstarken schwarzweissen Zeichnungen von Chris Mould oder die handschriftlichen Bestimmungen des Wichtelrates laden zusätzlich zum Schmunzeln ein. Ein wunderbares Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Matt Haig: Ein Junge namens Weihnacht. dtv Hardcover. ISBN: 978-3-423-28088-4

Rezension: Maria Riss

 

Skandinavische Weihnachten

09.11.2016 by

weihIm Norden Europas gibt es ganz besonders viele Weihnachtsbräuche. Autorinnen und Autoren, die für Kinder wunderschöne Geschichten geschrieben haben, die gibt es dort oben auch besonders zahlreich. In diesem neuen Band sind sie fast alle mit einer Geschichte vertreten. Das Spektrum reicht von Hans Christian Andersen über Selma Lagerlöf, von Sven Nordqvist bis hin zu Astrid Lindgren oder Mauri Kunnas. Zu jeder Geschichte wird zudem ein wichtiger Brauch des entsprechenden Landes erklärt. Besonders wertvoll machen diesen Band auch die vielen stimmungsvollen Bilder von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Eine Anthologie, die sich durch die Qualität der Geschichten und die spezielle Aufmachung von andern abhebt. Für Kinder jeden Alters.

Skandinavische Weihnachten. Oetinger, 2016. ISBN: 978-3-7891-0415-2

Rezension: Maria Riss

Markus Osterwalder: Fröhliche Weihnachten, Bobo Siebenschläfer!

09.11.2016 by

bobBobo Siebenschläfer geht es wie den meisten Kindern: Er wartet sehnlichst auf das Weihnachtsfest. Bis es allerdings soweit ist, gibt es noch viel zu tun. Da müssen «Guezli» gebacken werden, da müssen im Wald Tannzapfen und Zweige gesammelt werden, da steht auch ein Besuch im Kindertheater an. Und so vergeht die Zeit doch viel schneller als erwartet. Am Ende aller vier Bobo Siebenschläfer-Geschichten schläft Bobo, seinen Stoffhasen im Arm, wie gewohnt zufrieden ein.
Von Bobo Siebenschläfer gibt es mehrere Bände. Was den Reiz aller Bobo-Geschichten ausmacht, ist wohl, dass schon ganz kleine Kinder der Handlung folgen können. Zum einen, weil die Geschichten linear erzählt sind und sich ganz nah am Kinderalltag abspielen, zum andern auch, weil jeder Handlungsschritt durch ein Bild illustriert wird. Liebevoll und voller Details hat Dorothée Böhlke die Erlebnisse des Siebenschläfers gezeichnet. Das Buch eignet sich für Kinder ab etwa 4 Jahren, aber auch für jene, die eben das Lesen lernen. Die einfachen kurzen Sätze lassen sich recht einfach erschliessen und auch hier helfen die vielen Bilder beim Verstehen.

Markus Osterwalder: Fröhliche Weihnachten, Bobo Siebenschläfer! rororo Rotfuchs, 2016. ISBN: 978-3-499-21762-3

Rezension: Maria Riss

 

Rudolf Herfurtner/Maren Briswalter: Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium

16.10.2016 by

bachEs ist Weihnachten 1734 in Leipzig. Der kleine Thomas Torst hört heimlich den Proben des Thomaner Chors zu. Ach, wie gerne würde er bei dieser wundervollen Musik mitsingen! Wenn er die Klänge des Weihnachtsoratoriums hört, vergisst er die Kälte und auch den Hunger, der ihn immerzu plagt. Da lädt ihn ein junger Tenor aus dem Chor ein, er solle doch mit in die Kirche kommen, man könne ihn gut als Kerzenjunge brauchen. Thomas ist überglücklich und begleitet den Chor über die Feiertage zu allen Messen. Am Morgen singen sie in der Nikolaikirche, am Nachmittag in der Thomaskirche. Und zwischendurch, da wird immer wieder geprobt, Johann Sebastian Bach ist ein sehr strenger Kantor! Und ganz zum Schluss, als Bach hört, wie Thomas heimlich mitsingt, da lädt er ihn ein, sich doch bei der Thomas Schule zu melden. Gute Sänger würden da immer gebraucht.
Das Bilderbuch mit der Hör-CD gibt einen guten Einblick in die Verhältnisse jener Zeit. Parallel zu der Geschichte des kleinen Thomas wird auch die Weihnachtsgeschichte erzählt und zwar so fokussiert, dass man die Musik besser verstehen kann. Auf der CD wird nicht nur der Text vorgelesen, selbstverständlich ist auch Musik zu hören, Auszüge aus den wichtigsten Teilen des Oratoriums. Zuhörende werden angeleitet, die musikalische Sprache dieser wunderbaren Komposition besser zu verstehen. Vielleicht will dieses Bilderbuch etwas viel auf einmal: einen Einblick in die Lebensverhältnisse jener Zeit bieten und gleichzeitig in diese einmalige Musik einführen. Aus diesem Grund braucht es vor allem bei jüngeren Kindern wohl erwachsene Vermittler, am besten Eltern oder Lehrpersonen, welche diese Musik selber hoch schätzen und beim Verstehen helfen. So können diese Geschichte und die spannenden Hörbeispiele Kindern vielleicht die Ohren öffnen und sie zum Staunen bringen. Und wer weiss, vielleicht geht es ihnen bald so wie der Schreibenden: Weihnachten beginnt erst so richtig nach den fünf Paukenschlägen und dem Chorstück «Jauchzet, frohlocket» des Weihnachtsoratoriums. Für Kinder ab dem Schulalter.

Rudolf Herfurtner/Maren Briswalter: Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium. Aus der Reihe «Musikbilderbuch», Annette Betz, 2016. ISBN: 978-3-219-11689-2

Rezension: Maria Riss

Hermann Schulz: Die Reise nach Ägypten

16.10.2016 by

schulzDoktor Fernando ist Arzt in einem Kinderspital in einem Armenviertel in Nicaragua. Doktor Fernando ist nicht nur ein sehr guter Arzt, der seine kleinen Patienten über alles liebt, er ist vor allem auch ein begnadeter Geschichtenerzähler. Und so kommt es, dass er jedes Jahr am Weihnachtsabend alle Krankensäle des Hospitals besucht, dort seinen Patienten die Weihnachtsgeschichte erzählt und allen kleine Geschenke überreicht. Als er in diesem Jahr nach seiner Runde das Spital verlässt, steht plötzlich der kleine schwerkranke Filemon vor ihm. Filemon möchte sein Geschenk, ein T-Shirt, in eine Busfahrkarte nach Ägypten umtauschen. In Ägypten, so hat Filemon soeben vom Doktor gehört, da retten sie Kinder. Und so macht sich der alte Arzt mit dem kleinen Filemon auf, um ihn nach Ägypten zu bringen. Hoch oben auf dem Hügel über der Hauptstadt muss dieses Ägypten sein. Und dort oben passiert auch eines jener Wunder, die manchmal an Weihnachten geschehen können.
Hermann Schulz hat eine Geschichte geschrieben, die man nach der Lektüre nicht gleich wieder vergisst. Berührend, aber niemals kitschig, erzählt er von jenen Kindern, denen es nicht gut geht, deren Lebensumstände sich so sehr von den unseren unterscheiden. Ob die Geschichte wahr ist, das spielt überhaupt rein gar keine Rolle. Es geht um Beziehungen, um Vertrauen, das gegenseitige «Ernstnehmen» und um die Kraft, die sich daraus entwickeln kann. Das Buch ist wunderschön farbig illustriert und man hat es schnell gelesen, auch deshalb eignet es sich hervorragend zum Vorlesen an einem Winterabend. Für Schulkinder und Erwachsene jeden Alters.

Hermann Schulz: Die Reise nach Ägypten. dtv Hardcover, 2016. ISBN: 978-3-423-64022-0

Rezension: Maria Riss

Sabine Städing: 13 Weihnachtstrolle machen Ärger

16.10.2016 by

13Mila und Jonas beobachten abends im dunklen Zimmer, wie ein Wichtel seinen Kopf aus dem Türchen Nr. 24 ihres Adventskalenders steckt. Sofort schauen sie nach, öffnen das Türchen und sind schwupps darin verschwunden. Hinter dem Türchen gelangen die beiden in eine tief verschneite, ganz wunderbare Weihnachtswelt. Im Weihnachtsdorf werden sie von verschiedenen Weihnachtsmännern aus der ganzen Welt empfangen. Da ist Befana, die Weihnachtshexe aus Italien, da ist Père Noël aus Frankreich, Julenissen aus dem hohen Norden, Sinterklaas aus Holland oder Knecht Ruprecht aus Deutschland. Mila und Jonas kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Im Weihnachtsland geht es so kurz vor Weihnachten sowieso schon hektisch zu und her, aber heuer sind fast alle Rentiere erkrankt und Väterchen Frost, der die richtigen Heilkräuter hätte, ist plötzlich spurlos verschwunden. Zudem gibt es Zank mit den Weihnachtstrollen, die sind so verärgert, dass sie dauernd Streiche spielen und Sachen verschwinden lassen. Wenn das so weitergeht, werden all die Wichtel und Engel mit ihrer grossen Arbeit bis Weihnachten niemals fertig! Mila und Jonas helfen sofort mit, ihnen gelingt es schliesslich auch, die aufsässigen Weihnachtstrolle zur Raison zu bringen und Väterchen Frost zu finden. So kann Weihnachten auch in diesem Jahr auf der ganzen Welt pünktlich und genau so, wie es sich alle gewohnt sind, stattfinden. Bis dies aber soweit ist, müssen die beiden mutigen Kinder in 24 Kapiteln eine ganze Menge Abenteuer bestehen.
Dieses Weihnachtsbuch zu lesen macht grossen Spass. Einerseits wegen der wirklich spannenden Handlung mit den vielen phantastischen Begebenheiten, andrerseits kann man beim Lesen auch all die verschiedenen Weihnachtsfiguren und Bräuche aus verschiedenen Ländern kennenlernen. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil die einzelnen Kapitel so aufgeteilt sind, dass man die Lektüre gut unterbrechen kann. Die vielen humorvollen Bilder helfen mit, dass auch kleinere Kinder beim Zuhören der Handlung folgen können. Zum Vorlesen für Kinder ab etwa 7 Jahren, zum Selberlesen ab 9.

Sabine Städing: 13 Weihnachtstrolle machen Ärger. Boje, Bastei Lübbe 2016. ISBN: 978-3414824349

Rezension: Maria Riss

Ulf Stark: Was wir uns wünschen

16.10.2016 by

ulf«Meine Eltern gaben mir den Namen Fred – das heisst Frieden». So beginnt Fred seine Erzählung. Fred ist etwa 10 Jahre alt, als der Krieg ausbricht und sein Vater plötzlich in einer Uniform vor ihm steht. Freds Papa muss weg, die Grenze von Schweden bewachen. Das ist schlimm für Fred, er vermisst seinen Papa so stark. Manchmal, wenn ihn die Sorgen zu sehr plagen, dann schleicht sich Fred unters Dach, dort fühlt er sich seinem Papa so nah, dass er mit ihm reden kann, obwohl der doch so weit weg ist. Sorgen hat Fred in der Schule, dort bekommt er vom Rektor einen Verweis, weil er dem Schul-Skelett im Glasschrank mit Isolierband einen «Hitlerschnauz» angeklebt hat. Schwierig ist auch die Sache mit Elsa, der er endlich sagen will, wie sehr er sie lieb hat. Es tut gut, Papa all diese Geheimnisse anvertrauen zu können. Und dann kommt Weihnachten. Ein feines Essen wird es nicht geben, da alles rationiert ist. Aber für Fred sind Essen und Geschenke in diesem Jahr nicht wichtig, er hat nur einen riesig grossen Wunsch: Dass sein Papa an Weihnachten heimkommt.
Dieser Weihnachtsgeschichte wünscht man ganz viele Leserinnen und Leser. So berührend und warmherzig hat der Autor die Sorgen und Nöte des kleinen Fred in Worte gefasst. Auch wenn die Geschichte von einem Krieg berichtet, der schon lange vorbei ist, aktuell sind all die Themen allemal. Das kleine Bändchen lässt sich sehr gut vorlesen und hebt sich wohltuend von all den so niedlichen Weihnachtsgeschichten ab. Für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Ulf Stark: Was wir uns wünschen. Urachhaus, 2016. ISBN: 978-3-8251-7984-7

Rezension: Maria Riss

Barbara van den Speulhof: 13 wilde Weihnachtskerle

16.10.2016 by

kerleDie 13 wilden kleinen Weihnachtskerle wohnen in Island. Island ist ja bekannt für Trolle, Feen und andere Fabelwesen. Und wer schon mal dort war, weiss, dass es in Island kaum Bäume gibt, Weihnachtstannen schon gar nicht. Die beiden Kinder Smilla und Snorre wohnen in Island und die beiden wünschen sich nichts sehnlicher, als endlich einen richtigen Weihnachtsbaum in der Stube bewundern zu können. Die 13 Weihnachtskerle haben ihnen für dieses Jahr eine richtige Tanne versprochen. Diese Kerle sind zwar ziemlich frech, aber wenn sie etwas versprechen, dann halten sie dieses Versprechen auch, koste es, was es wolle. Knut, der kleinste der Kerle, weiss auch, wie dieses Land heisst, wo alle Weihnachtsbäume herkommen, das ist Hamburg! Und so machen sich die kleinen frechen Kerle auf, um nach Hamburg zu kommen. Eine äusserst turbulente Reise wird das, obwohl die Kerle für Erwachsene ja unsichtbar sind. In Hamburg sehen sie aber erstmal überhaupt keine Bäume, sondern nur riesengrosse Container. Da ist es ein Glück, dass sie bald auf zwei Kinder stossen, die ihnen bei ihrem schwierigen Vorhaben, einen echten Weihnachtsbaum nach Island zu bekommen, behilflich sind.
Die Autorin schreibt viele Drehbücher und Hörspiele, das spürt man beim Lesen: Die Handlung schreitet rasch voran, die Geschichte ist voll von schier unglaublichen Zwischenfällen und dies alles ist gespickt mit einer grossen Portion Sprachwitz, vor allem in den Dialogen. Die 13 Weihnachtskerle sind wirklich ungezogen und frech, richtige Lausbuben eben, aber mit einem grossen Herz. Das Buch eignet sich hervorragend zum Vorlesen, weil es dank der 24 Kapitel in überschaubare Leseportionen aufgeteilt ist. Wer eine witzig-freche und unbeschwerte Weihnachtslektüre sucht, wird dieses Buch lieben. Zum Vorlesen für Kinder ab etwa 6 Jahren, zum Selberlesen ab 9.
Und wer es noch nicht weiss: In Island gibt es tatsächlich 13 Weihnachtsmänner, allerdings sind es eher Weihnachtstrolle. Man gebe in der Suchmaschine einfach die Begriffe «13, Island, Weihnachtsmann» ein, dann erfährt man ganz Erstaunliches über diese 13 Brüder.

Barbara van den Speulhof: 13 wilde Weihnachtskerle. Fischer Kinderbuch, 2016. ISBN: 978-3-7373-4067-0

Rezension: Maria Riss

Feridun Oral: An einem kalten Wintermorgen

16.10.2016 by

oralAn einem kalten Wintermorgen erwacht die kleine Maus, weil sie friert. Brennholz muss her und zwar schnell und möglichst viel. Die kleine Maus sammelt wie wild, alles, was rumliegt, liest sie auf. Bald hat sie einen riesigen Turm von Ästen und Holz gestapelt. So gross und schwer ist dieser Turm, dass die kleine Maus keine Chance hat, ihn nach Hause zu befördern. Da kommt ein Hase angehoppelt und hilft. Das nützt aber alles nichts, der Stapel ist einfach viel zu schwer und hoch. Auch als ein Rabe und ein Fuchs mit anpacken, klappt es nicht. Erst als die Waldtiere den alten Bären wecken, um beim Ziehen und Stossen zu helfen, bewegt sich der Stapel. Aber da passiert es: Alle Zweige und Äste krachen zu Boden und eine ganze Ladung Schnee ebenfalls. Als die Tiere aus dem Holz- und Schneehaufen endlich wieder hervorkrabbeln, wird allen klar: Das Holz muss aufgeteilt werden. Kurz darauf stapft jedes der Waldtiere mit einem überschaubaren Stapel Holz heimwärts. Und so kommt es, dass in diesem so schrecklich kalten Winter keines von ihnen mehr frieren muss.
Dieses Bilderbuch lebt, nebst der sehr einfachen, linear erzählten Geschichte, vor allem von den wunderschönen stimmungsvollen Bildern. Die Doppelseiten zeigen in überwiegend Weiss- und Brauntönen den tief verschneiten Winterwald. Umso besser kommen dadurch die sehr realistisch gemalten Tiere zur Geltung, selbst die Fellstruktur lässt sich beim genauen Hinschauen erkennen. Das wunderschön gestaltete Bilderbuch des türkischen Künstlers, mit dieser so leicht verständlichen Geschichte, eignet sich schon für ganz kleine Kinder ab etwa 4 Jahren.

Feridun Oral: An einem kalten Wintermorgen. Edition Michael Neugebauer, 2016. ISBN: 978-386566-304-7

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Dezember 2015

01.12.2015 by

kometFranz Hohler/ Kathrin Schärer: Die Nacht des Kometen

Mona und Jona verbringen ihr Ferien wie in jedem Jahr in einem abgelegenen, wunderschönen Bergtal. Sie bauen am Bach Steinmännchen und denken sich Tiernamen für all die grossen Steine aus. Im Tal lebt auch der alte Hirte Samuel, der erzählt den beiden Kindern alte Sagen und Mären und dass sich im Tal schon viel Unerklärliches zugetragen hat. Am liebsten sitzen Mona und Jona auf dem grossen Stein, der wie ein Kamel aussieht. Einmal dürfen die Kinder nachts dahin, weil ein Komet ganz besonders nahe an der Erde vorbeifliegen wird. Als die beiden den Kometen entdecken, steht das Kamel plötzlich auf und rennt los. Nichts kann es aufhalten, weder Monas Schreie noch Jonas Fusstritte. So lange rennt das Kamel, bis es in einer völlig fremden Gegend endlich von einem Mann aufgehalten wird. Yussuf heisst dieser Mann und seine Frau, Mirjam, ist hochschwanger. Mona und Jona verstehen zwar kein Wort, aber dass sie ihr dringend Kamel gebraucht wird, das wird schnell klar. Mona und Jona warten mit Yussuf vor dem Stall, als Mirjam ihr Kind zur Welt bringt. Yussuf ist ein bisschen schlecht, deshalb holt Jona seine Plastikflasche mit Tee aus dem Rucksack und gibt dem armen jungen Vater zu trinken. Als die Hebamme aus dem Stall kommt, dürfen alle das Kindlein endlich sehen und bestaunen. Und es kommen Hirten und weise Männer, es singen Leute und es riecht plötzlich nicht mehr nach Mist, sondern ein süsser Rauchduft macht sich im Stall breit.
Franz Hohler hat ein einmalig schönes, berührendes und heiteres Lese- und Vorlesebuch geschrieben. Gekonnt verwebt er reale Figuren mit Sagen aus dem Tal und der biblischen Geschichte. Weil er das grosse Wunder im Stall konsequent aus der Sicht der der beiden Kinder beschreibt, lässt er die Leserinnen und Leser unmittelbar am Geschehen teilhaben. Unbeschwert geht Franz Hohler mit der Sprache um, treffsicher baut er Helvetismen ein, die Erwachsene zum Schmunzeln bringen werden. Kathrin Schärer hat faszinierende und stimmungsvolle Bilder zu dieser Geschichte gemalt. Mal greift sie Details auf, mal sind es die faszinierenden, anderen Perspektiven, die helfen, die Sprache zu erweitern und sich das Geschehen besser vorzustellen. Franz Hohler und Kathrin Schärer haben mit diesem Buch sehr vielen Kindern und Erwachsenen ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht, die stimmungsvolle, humorvolle Erzählung, wird Gross und Klein nicht nur bestens unterhalten, sondern immer wieder auch berühren.

Franz Hohler/ Kathrin Schärer: Die Nacht des Kometen. Hanser 2015. ISBN:978-3-446-24927-1

Rezension: Maria Riss