Angela Sommer-Bodenburg: Anna von Schlottersteins Nächtebuch.

20.11.2012 by

Die Serie „Der kleine Vampir“ von Angela Sommer-Bodenburg gibt es schon seit mehr als 30 Jahren, sie wurde in über 30 Sprachen übersetzt sowie für TV und Kino verfilmt. Somit gehört sie nicht zu den zahlreichen im Fahrwasser von Twilight erschienen Vampir-Geschichten und zielt auch auf ein jüngeres Lesepublikum.
Im neusten Band steht Anna von Schlotterstein im Zentrum. Die jüngere Schwester des kleinen Vampirs Rüdiger hat ein Tagebuch, pardon, ein Nächtebuch gefunden. Nacht für Nacht hält sie darin die Geschichte ihrer Familie aus ihrer Perspektive fest – ein wagemutiges Unterfangen, denn persönliche Aufzeichnungen sind Vampiren eigentlich untersagt. Und Anna steht ohnehin unter scharfer Beobachtung ihrer Verwandten, ist doch ihre Transformation zum Vampir noch nicht abgeschlossen: Es fehlen ihr richtig scharfe Vampirzähne und sie trinkt nur Milch! Doch am verhängnisvollsten ist Annas Sehnsucht nach Freunden, vor allem menschlichen Freunden, und natürlich auch nach der grossen Liebe, die sie in Anton findet, dem Menschenjungen und Freund ihres Bruders Rüdiger. Doch Rüdigers Freundschaft mit einem Menschen wird entdeckt …
Der Vampir-Roman besticht nicht unbedingt durch einen spannenden Plot und unerwartete Wendungen, einige der Episoden sind auch schon aus früheren Bänden bekannt. Vielmehr fokussiert Sommer-Bodenburg ihre Geschichte auf Annas Suche nach einer eigenen Identität inner- und ausserhalb der Familie, die sich zwischen dem Wunsch nach Anpassung und Geborgenheit und dem Wunsch nach Abgrenzung und Eigenständigkeit abspielt. Dieses Spannungsfeld skizziert die Autorin mit einer Portion Humor und ohne die Geschichte psychologisch zu überfrachten. Heranwachsenden sind diese widersprüchlichen Gefühle bestens vertraut, sie werden sich aus diesem Grund sehr leicht mit Anna identifizieren können. Eine unterhaltsame Lektüre, die vor allem Mädchen ab 10 Jahren faszinieren wird.

Rezension: Mirjam Weder

Angela Sommer-Bodenburg: Anna von Schlottersteins Nächte-Buch. Rowohlt, 2012.

Annette Herzog / Gergely Kiss: Harte Zeiten für Mister Vam

24.09.2012 by

250 Jahre lang hat Mister Vam geschlafen. Als er endlich aufwacht, hat er riesigen Appetit – versteht sich. Nur, erstens wackeln seine beiden Eckzähne und zweitens steht die Villa mit all den wunderbar appetitlichen Bewohnern nicht mehr neben dem Friedhof. Zu allem Unglück läuft er bald darauf einem gerissenen Kater in die Arme, der ihn unbedingt für einen neuen Vampirfilm unter Vertrag nehmen will. Mister Vam weiss weder aus noch ein, die Welt hat sich so schrecklich verändert! Und da passiert es: Die morsche Tür der Gruft fällt aus ihren Angeln und begräbt den Kater unter sich. So landen Kater und Mister Vam auf der Notfallstation. Mister Vams Blutwerte sind sehr schlecht, da muss eine Bluttransfusion her und zwar schnell. Für Mister Vam ist dies ein Wunder, er bekommt Blut, so viel er will, und dies, ohne dass er zubeissen muss (unterdessen sind seine Eckzähne nämlich rausgefallen).«Harte Zeiten für Mister Vam» wird viele Kinder begeistern, weil die Geschichte so rasant, voller Ironie erzählt wird, weil der Plot viele Überraschungen bereithält und weil die Illustrationen das witzige Geschehen wunderschön und gekonnt unterstreichen. Das Buch eignet sich hervorragend für schöngruslige Vollmondnächte, zum Vorlesen oder zur selbständigen Lektüre. Für Kinder ab etwa acht Jahren.

Rezension: Maria Riss

Annette Herzog / Gergely Kiss: Harte Zeiten für Mister Vam. Moritz, 2010.