Bernadette Russell: Der Club der Weltverbesserer

04.09.2017 by

besserEinen Tag lang alle Menschen anlächeln, die einem begegnen, Klebezettel mit aufmunternden Botschaften hinterlassen, Dinge spenden, die man nicht mehr braucht oder jemandem etwas beibringen, das man selber gut kann. Dies sind nur vier von insgesamt 77 Vorschlägen, was man im Alltag tun kann, um die Welt ein kleines Stück zu verbessern. Einige Vorschläge sind ganz einfach umzusetzen, andere brauchen etwas Mut, wie beispielsweise der «umgekehrte Diebstahl», bei welchem jemandem eine nette Botschaft in die Tasche geschmuggelt wird. Der «Club der Weltverbesserer» hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Welt durch freundliche Taten zu verändern. Freundliche Taten machen Menschen glücklich und glückliche Menschen sind meist nett zueinander. Leserinnen und Leser werden aufgefordert, bei der geheimen Mission «Club der Weltverbesserer» mitzumachen. Jede Seite im Buch beschreibt einen neuen Vorschlag, was man seinen Mitmenschen Gutes tun könnte. Am Ende jeder Seite gibt es ein Kästchen zum Abhäkeln der Mission und freie Zeilen für Notizen. Zudem enthält der Buchumschlag Buttons zum Ausschneiden und Aufkleben. Die Gestaltung der Seiten ist bunt und es werden oft Beispiele aufgezeigt, wie die Vorschläge umgesetzt werden könnten. Die verwendeten Schrifttypen sind sehr unterschiedlich, was ungeübten Leserinnen und Lesern die Lektüre etwas erschweren kann. Eine vielseitige Ideensammlung für Kinder ab etwa 10 Jahren .

Bernadette Russell: Der Club der Weltverbesserer, 77 Ideen für heimliche Heldentaten. Aus dem Englischen von Steffi Arnold. Knesebeck 2014. ISBN: 978-3-86873-770-7

Rezension: Jolanda Zimmerli

Die Autorin Bernadette Russell verfasste dieses Buch im Jahr 2011 nach einer Reihe gewalttätiger Unruhen in England und gründete den «Club der Weltverbesserer». «www.fuereinebesserewelt.info/der-club-der-weltverbesserer/» ist eine Seite, auf der sich viele, sehr interessante Artikel und Vorschläge finden, was man im Alltag für eine bessere Welt tun kann. Die Informationen und Texte dieser Seite sind anspruchsvoll und eignen sich für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe.

Lynne Rae Perkins: Die Nussknacker-Bande

02.09.2017 by

nussWer kennt sie nicht, die Geschichte vom Kind, das immer «Achtung!» ruft, auch wenn die Situation gar nicht gefährlich ist. Die Geschichte in der Welt der Eichhörnchen beginnt genauso. Jip schreit dauernd «Wolf», sodass ihm mit der Zeit keiner mehr Beachtung schenkt. Auch dann nicht, als sich tatsächlich Gefahr aus der Luft nähert und Jip die anderen warnen will. Und so passiert es, dass sein Cousin Jed von einem Habicht entführt wird. Doch die mutigen Eichhörnchen machen sich sofort auf die Suche nach ihrem Freund. Unterwegs lernen sie andere Eichhörnchen kennen, die im Gegensatz zu ihnen ein graues Fell tragen. Auch diese grauen Eichhörnchen helfen beim nun Suchen. Von ihnen erfahren die Freunde auch von der grossen Gefahr, die ihren Wald bedroht. Es stellt sich sogar heraus, dass die Suche nach Jed das kleinere Problem darstellt als die Bedrohung ihres Lebensraums. Nachdem die Freunde Jed gefunden haben, müssen sie einen Plan schmieden, wie sie den Wald vor den Menschen mit ihren grossen Sägen und den verführerischen Erdnussbutterbroten retten können. Cleverness und Mut sind nun gefragt.

Eine eindrückliche Geschichte über Freundschaft, Abenteuer und Mut. Verschiedene soziale Themen werden in der Geschichte aufgenommen, so beispielsweise der Umgang mit Artgenossen, die sich in Aussehen und Herkunft von den Hauptfiguren unterscheiden. Obwohl sich das Buch mit durchaus ernsten und immer wieder aktuellen Themen befasst, ist es spannend und wirkt nicht belehrend. Das Buch eignet sich für Leserinnen und Leser ab etwa 9 Jahren. Die rund 180 Seiten sind in kurze Kapitel unterteilt. Das Buch eignet sich auch hervorragend zum Vorlesen.

Lynne Rae Perkins: Die Nussknacker-Bande. Mit Bildern von Philip Waechter. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Aladin 2016. ISBN: 978-3-8489-2081-5

Rezension: Jolanda Zimmerli

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete

18.06.2017 by

bienenWolf ist gut zwölf Jahre alt. Er ist ein angepasster Junge, fleissig, eher still, und er kümmert sich überaus liebevoll um seine kleinen Zwillingsschwestern. Wolfs Mom ist überzeugt, dass die Welt bald untergehen wird, weil sich niemand wirklich für die Umwelt, das Klima und all die bedrohten Tierarten einsetzt. Sie ist sich sicher, dass ihre Kinder keine Zukunft haben werden. Irgendwo muss man anfangen, meint sie, warum nicht mit Bienen, die für das Überleben der Menschheit absolut zentral sind? Wolfs Eltern beschliessen deshalb, mit der ganzen Familie eine Tour durch die Staaten zu machen. Ein alter Van wird gekauft, Mom näht Bienenkostüme für ihre Kinder, druckt Flyer und grosse Plakate und bereitet eine eindrückliche Präsentation vor. Früher als geplant, wird das Haus weitervermietet und die Reise geht los. Wolf will nicht fahren, sein Zuhause und all seine Schulfreunde zu verlassen, das ist so schwer. Dazu kommt, dass er absolut keine Lust hat, vor fremden Leuten aufzutreten, er ist eher scheu und dieses absolut dämliche Bienenkostüm zu tragen, ist ihm so was von peinlich. Aber Mom, die hört einfach nicht hin, zu wichtig ist ihr diese Fahrt. Auch Whisper, eine der kleinen Zwillingsschwestern, scheint diese Reise nicht zu gefallen. Sie spricht seit der Abfahrt kein einziges Wort mehr. Erst als Whisper auch kaum mehr isst, erst als Wolfs ältere Schwester einfach abhaut und der alte Van endgültig den Geist aufgibt, hört Mom endlich zu. Wolf macht ihr klar, dass sie mit ihrem Vorhaben zwar einen Beitrag zur Rettung der Welt leistet, dass sie dabei aber die Bedürfnisse ihrer Kinder vollkommen ignoriert hat. «Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete» ist nicht nur ein spannendes Buch, es sind auch die Figuren, deren Beschreibung der Autorin sehr treffend und differenziert gelungen ist. Es ist vor allem Wolf, dem man beim Lesen sehr nahe kommt. Man versteht seine Gedanken und Konflikte und man sorgt sich mit ihm um seine kleine Schwester, die an dieser Reise und den ständigen Auftritten vor Publikum zu zerbrechen droht. Durch diese Innensichten gewinnt die Geschichte nicht nur an Spannung und Dynamik, sondern es werden auch verschiedene Perspektiven rund um die Thematik eindrücklich geschildert und nachvollziehbar: Wo liegen die Grenzen zwischen den eigenen Zielen, den Bedürfnissen anderer und dem Engagement für eine gute Sache? Das Buch bietet neben der sehr eindrücklichen Handlung viel Gesprächs- und Diskussionsstoff und zwingt dazu, über eigene Haltungen und Handlungsweisen nachzudenken. Ein wunderschöner Roman, dem man viele jugendliche Leserinnen und Leser wünscht.

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete. Aus dem Englischen von Bettina Münch. Rowohlt 2017. ISBN: 978-3-499-21782-1

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats März 2016

01.04.2016 by

sturmMats Wahl: Sturmland. Die Reiter

Die Geschichte spielt im Jahr 2060 in Schweden. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Schnee gibt es schon lange nicht mehr, dafür werden die Menschen von heftigen Stürmen geplagt, roter Sand bedeckt immer wieder die Landschaft. Elin ist etwa 16 Jahre alt. Sie und ihre Familie haben der Regierung getrotzt, sind nicht in die grossen Städte gezogen und leben auf einem der verstreuten Höfe. Tag und Nacht müssen die Überwachungskameras laufen, ständig sind sie unter der Kontrolle der Mächtigen. Und dann passiert es: Auf dem Ritt nach Hause werden Elin und ihr Bruder überfallen. Elin hat ihre Armbrust dabei und kann sich wehren. Ihr Bruder Vagn aber wird entführt. Sofort macht sich Elin auf die Suche nach ihrem geliebten Bruder. Dies ist lebensgefährlich. Nicht nur die Entführer, eine verfeindete Familie, machen ihr zu schaffen, es ist auch die Armee und die Polizei und das Gefühl, niemandem wirklich trauen zu können.

Mats Wahl hat ein absolut spannendes, packendes Buch geschrieben, das Jugendliche beider Geschlechter gleichermassen begeistern wird. Und dies bereits ab der ersten Seite. Das Buch besticht nicht nur durch die enorme Spannung, besonders beeindruckend ist auch die Zeichnung der Figuren gelungen. Elin und Vagn könnten nebenan wohnen, so glaubhaft und nachvollziehbar sind ihre Handlungsweisen. Obwohl die Geschichte in ferner Zukunft spielt und vieles fremd erscheint, stellt der Autor beklemmende Bezüge zu unserer heutigen Welt her. Das Buch ist aus diesem Grund sehr viel mehr als bloss ein Abenteuerbuch oder Fantasy Roman. Mats Wahl gehört zu den wichtigsten Autoren der modernen Jugendliteratur. Mit diesem Buch, das unbedingt in jede Bibliothek gehört, beweist er dies einmal mehr. Bereits ist der zweite Band erschienen: Sturmland. Die Kämpferin. Hanser.

Mats Wahl: Sturmland. Die Reiter. Aus dem Schwedischen von Gesa Kunter. Hanser 2016. ISBN: 978-3-446-24936-3

Rezension: Maria Riss