Christine Lémieux: Gewitternacht

11.05.2012 by

«Gewitternacht» ist ein Bilderbuch der ganz besonderen Art. Ein Mädchen agiert als Hauptfigur. Ein Mädchen, das während einer Gewitternacht im Bett liegt und keine Ruhe findet. In dieser schlaflosen Nacht kommen all die Fragen, die uns alle, nicht nur dieses Mädchen allein in seinem Zimmer, immer wieder beschäftigen. Was wäre wenn? Wie wird es sein? Weshalb ist die Welt so, wie sie ist und was macht das Leben lebenswert? Der Text des Buches ist auf solch wichtige Fragen reduziert, genauso wie auch die feinen Tuschzeichnungen auf das Nötigste reduziert sind. Aber wie so oft ist auch hier weniger mehr: Die an sich kargen Bilder erweitern die kurzen Fragen, helfen beim Verstehen und lassen doch Raum für eigene Bilder, für ganz persönliche Gedanken und Fragen. Eines der schönsten Bilderbücher, die je geschaffen wurden, zum «Immer-wieder-anschauen», für kleine und grosse Betrachtende gleichermassen faszinierend.

Rezension: Maria Riss

Christine Lémieux: Gewitternacht. Beltz, 1996. Neuauflage 2007.

Gioconda Belli / Wolf Erlbruch: Die Werkstatt der Schmetterlinge

11.05.2012 by

Vor langer Zeit gab es noch keine Schmetterlinge. Auch viele andere Pflanzen und Tiere warteten noch darauf, geschaffen zu werden. In zahlreichen Ateliers arbeiteten Gestalter, unter ihnen auch Rodolfo. Rodolfo hat schon seit Jahren einen Traum: Er will ein Tier schaffen, das aussieht wie eine Blume. Die meisten der andern Gestalter finden eine solche Idee aberwitzig und lachen Rodolfo aus. Rodolfo lässt sich davon aber nicht beirren. Schon damals, als sein Grossvater den Regenbogen erschuf, wurde dieser anfangs ausgelacht. Träume sind wichtig, Träume darf man nicht einfach aufgeben, Träume können manchmal Wirklichkeit werden, wenn man dafür etwas tut. Und zum grossen Erstaunen aller gelingt es Rodolfo tatsächlich, ein Wesen zu schaffen, das gleich den Farben des Regenbogens schimmert, sich wiegt wie eine Blume und sich doch verhält wie ein Tier. Das Bilderbuch «Die Werkstatt der Schmetterlinge» ist mittlerweile zum Klassiker avanciert und dies zu Recht. Ein Buch, das man immer wieder lesen und anschauen kann, das einlädt zum Nachdenken, zum Schmunzeln und zur Verinnerlichung der Botschaft über Träume von Gioconda Belli. Die Bilder von Wolf Erlbruch sind schlichtumwerfend, verträumt, ausdrucksstark und komisch zugleich.

Rezension: Maria Riss

Gioconda Belli und Wolf Erlbruch: Die Werkstatt der Schmetterlinge. Hammer, 6. Auflage 2002