Michelle Knudsen / Kevin Hawkes: Ein Löwe in der Bibliothek!

18.11.2017 by

löweWenn man eine Bibliothek nutzt, muss man sich an die Regeln halten. Darauf achtet die Leiterin Miss Pepper ganz besonders. Als nun eines Tages ein Löwe den wunderbaren Ort der Bücher betritt, darf er bleiben, wenn er sich nur an die Regeln hält. Und das macht der Löwe auch. Er kommt jetzt sogar jeden Tag, hält sich brav an die Regeln und hilft manchmal sogar mit. Für Frau Pepper und auch die Kinder gehört der nette Löwe bald ganz einfach dazu. Aber dann passiert ein Unglück und der Löwe brüllt so laut, wie er noch nie gebrüllt hat. Das ist eindeutig gegen die Regeln und wer das tut, der muss gehen. Traurig schleicht sich der Löwe deshalb davon. Bald schon merken alle, wie sehr der Löwe ihnen fehlt. Er muss unbedingt wiederkommen. Und das tut er zu guter Letzt auch. Ab sofort gibt es in der Bibliothek nämlich eine neue Regel: Wenn ein Unglück passiert, dann darf man brüllen und zwar so laut man kann!
Bestechend an diesem Bilderbuch sind vor allem die Aufmachung und die wunderschönen, in zarten Farben gezeichneten Bilder. Eine solche Bibliothek würde man selbst gerne nutzen, ein bisschen altertümlich vielleicht, aber voller Wärme, Behaglichkeit und mit einer riesigen Auswahl an Lesestoff. Die Geschichte lässt sich sehr gut erzählen und Kinder werden mit Sicherheit an der ruhigen, aber doch spannenden Handlung und all den Details, die sich in den Bildern entdecken lassen, ihren Spass haben. Für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Michelle Knudsen / Kevin Hawkes: Ein Löwe in der Bibliothek! Orell Füssli 2017. ISBN: 978-3-280-03542-9

Rezension: Maria Riss

Sebastian Meschenmoser: Die verflixten sieben Geisslein

31.10.2017 by

geissWolf hat Hunger. Mama Geiss geht einkaufen. Also gilt für Wolf: blitzschnell Kleider überziehen und als Mama Geiss verkleiden! Wolf reisst bald danach die Tür des Geissenhauses auf, aber kein einziges Geisslein ist in diesem schrecklichen Durcheinander in der Stube zu entdecken. Wolf beginnt mit Aufräumen, damit sich die Geisslein nicht mehr so gut verstecken können. Nach seiner grossartigen Aufräum-Aktion ist aber immer noch kein Geisslein weit und breit zu sehen. Die sind sicher alle in der Küche! Auch dort herrscht ein riesiges Durcheinander, nichts ist an seinem Platz, so dass sich die Geisslein auch hier problemlos verstecken können. Wieder räumt der Wolf alles ordentlich auf. Im Obergeschoss geht es ihm nicht besser. Und als er endlich das ganze Haus aufgeräumt hat, da entdeckt er diese verflixten Geisslein endlich. Im selben Moment aber geht die Türe auf. Die riesengrosse Mama Geiss packt den Wolf und vermittelt ihn gleich, als aussergewöhnlich talentierte Haushaltshilfe, an Nachbar Schwein weiter.
Natürlich bleiben die verflixten kleinen Geissen nur dem blöden Wolf verborgen. Kinder werden die Verstecke in diesem Durcheinander mit Sicherheit schnell finden. Sie werden alle Geisslein zählen und sich über einen so doofen Wolf amüsieren. Das Bilderbuch lebt von den wunderschönen detailreichen Illustrationen, es ist eine Art Wimmelbuch mit einer wirklich lustigen Geschichte. Kinder ab etwa 4 Jahren werden begeistert sein, weil es sehr viel zu entdecken gibt und weil sie so viel klüger sind, als dieser sonst so grimmige Wolf.

Sebastian Meschenmoser: Die verflixten sieben Geisslein. Thienemann Esllinger 2017. ISBN: 978-3-522-45857-3

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats November 2017

31.10.2017 by

tiereKatharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere
Tiere haben sehr verschiedene Liebesweisen das ist uns zwar bekannt, aber was sich da genau abspielt, das wissen die wenigsten. Dass die Paarung beim Marienkäfer bis zu 18 Stunden dauern kann beispielsweise oder dass es bei Rennechsen gar keine Männchen gibt. Dass Straussenväter nicht nur eine Mulde ausbuddeln, in die alle Weibchen der Gruppe ihre Eier legen, sondern dass diese emanzipierten Männchen all diese Eier auch ausbrüten oder dass Mehlkäfer auch schon mal ihre männlichen Artgenossen begatten, weiss kaum jemand. Im Buch geht es um unterschiedlichste Verführungskünste, um die Paarung, die Entstehung und das Wachstum von Tierkindern und um die Geburt. Egal, auf welcher Seite man das Buch aufschlägt: Man kommt aus dem Staunen einfach nicht heraus! Der Text ist in kurze, leicht verständliche Leseportionen unterteilt, so dass man im Buch auch einfach ein bisschen Stöbern kann. Und immer wieder darf über die wunderbaren, klaren und aberwitzigen Illustrationen von Anke Kuhl gelacht werden. Wenn man beim Thema Liebe und Sex immer wieder schmunzeln, lachen und staunen kann, dann fallen meist auch Hemmungen weg.  Das Buch fordert geradezu heraus, Gelesenes weiter zu erzählen, kurze Abschnitte andern vorzulesen oder besonders eindrückliche Bilder gemeinsam zu betrachten. Katharina von der Gathen und Anke Kuhl, beide bestens bekannt durch das erfolgreiche Aufklärungsbuch «Klär mich auf», haben ein ganz wundervolles, lehrreiches und humorvolles Sachbuch für Kinder geschaffen. Es sei Kindern ab etwa 8 Jahren genauso empfohlen wie allen Erwachsenen und gehört unbedingt in jede Bibliothek.

Katharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere. Klett Kinderbuch 2017. ISBN: 978-3-95470-169-8

Rezension: Maria Riss

 

 

Buch des Monats Oktober 2017

09.10.2017 by

pinguinJory John, Lane Smith: Paule Pinguin allein am Pol

Das Wetter ist zu kalt, das Wasser salzig und zu nass. Alle Pinguine sehen gleich aus. Die Berge sind hoch und düster. Das Wetter zu kalt. «Und überhaupt, ich sehe schrecklich aus, kann nur watscheln und nicht mal fliegen», schwafelt Pinguin Paule vor sich hin. Da taucht ein Walross auf, tippt dem kleinen Pinguin auf die Schulter und hält ihm eine Predigt über die Schönheit des Lebens, die sich gewaschen hat. Und danach? Pinguin Paule sieht die Welt wirklich nicht mehr gar so düster und das Meer ist eigentlich schon ganz nett, die Berge auch und all diese Pinguine. Aber es ist immer noch zu kalt und zu früh dunkel wird es auch da am Südpol.
Pinguin Paule geht es so, wie wir uns alle an manchen Tagen fühlen. Da hilft gutes Zureden schon, aber eben nicht ganz so richtig. Dieses Bilderbuch besticht durch die grossartigen, auf ein absolutes Minimum reduzierten Bilder und durch die knappe Sprache des kleinen Protagonisten. Nur das Walross, das bekommt Zeit zum Reden und Quatschen und ganz so Unrecht hat es ja wirklich nicht. Das Bilderbuch wird schon ganz kleine Kinder ansprechen und zwar genauso, wie es Erwachsene gefallen kann, weil es so direkt am Alltag spielt, weil wir, egal wie alt wir sind, diese Jammergefühle nur zu gut kennen.

Jory John, Lane Smith: Paule Pinguin allein am Pol. Deutsch von Andreas Steinhöfel. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-51854-5

Rezension: Maria Riss

Lynne Rae Perkins: Die Nussknacker-Bande

02.09.2017 by

nussWer kennt sie nicht, die Geschichte vom Kind, das immer «Achtung!» ruft, auch wenn die Situation gar nicht gefährlich ist. Die Geschichte in der Welt der Eichhörnchen beginnt genauso. Jip schreit dauernd «Wolf», sodass ihm mit der Zeit keiner mehr Beachtung schenkt. Auch dann nicht, als sich tatsächlich Gefahr aus der Luft nähert und Jip die anderen warnen will. Und so passiert es, dass sein Cousin Jed von einem Habicht entführt wird. Doch die mutigen Eichhörnchen machen sich sofort auf die Suche nach ihrem Freund. Unterwegs lernen sie andere Eichhörnchen kennen, die im Gegensatz zu ihnen ein graues Fell tragen. Auch diese grauen Eichhörnchen helfen beim nun Suchen. Von ihnen erfahren die Freunde auch von der grossen Gefahr, die ihren Wald bedroht. Es stellt sich sogar heraus, dass die Suche nach Jed das kleinere Problem darstellt als die Bedrohung ihres Lebensraums. Nachdem die Freunde Jed gefunden haben, müssen sie einen Plan schmieden, wie sie den Wald vor den Menschen mit ihren grossen Sägen und den verführerischen Erdnussbutterbroten retten können. Cleverness und Mut sind nun gefragt.

Eine eindrückliche Geschichte über Freundschaft, Abenteuer und Mut. Verschiedene soziale Themen werden in der Geschichte aufgenommen, so beispielsweise der Umgang mit Artgenossen, die sich in Aussehen und Herkunft von den Hauptfiguren unterscheiden. Obwohl sich das Buch mit durchaus ernsten und immer wieder aktuellen Themen befasst, ist es spannend und wirkt nicht belehrend. Das Buch eignet sich für Leserinnen und Leser ab etwa 9 Jahren. Die rund 180 Seiten sind in kurze Kapitel unterteilt. Das Buch eignet sich auch hervorragend zum Vorlesen.

Lynne Rae Perkins: Die Nussknacker-Bande. Mit Bildern von Philip Waechter. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Aladin 2016. ISBN: 978-3-8489-2081-5

Rezension: Jolanda Zimmerli

Bettina Obrecht: P.F.O.T.E – Ein (fast) perfekter Hund.

02.09.2017 by

hundP.F.O.T.E fühlt sich furchtbar einsam im Labor, in dem er gefangen ist. Bei Pet-o-Lab wollen sie perfekte Hunde wie P.F.O.T.E züchten (Perfekt Funktionierendes Objekt mit Tierischen Eigenschaften). Gerade treffen sich in der Stadt Forscher aus aller Welt, der erste perfekte, vollkommene Hund P.F.O.T.E soll endlich präsentiert werden. Um den Hals trägt P.F.O.T.E ein Sprachhalsband, das es den hellblau gekleideten Labormenschen ermöglicht, sich mit dem kleinen Hund in der Menschensprache zu verständigen. Aber P.F.O.T.E ist unglücklich, es ist niemand da, der mit ihm spielt oder ihm den Bauch krault. Bei der erstbesten Gelegenheit flüchtet P.F.O.T.E aus dem Labor, obwohl er Angst hat vor der Freiheit, er kennt ja nur die sterile Atmosphäre der Versuchsstation. Draussen wird P.F.O.T.E von den Geschwistern Janne und Flip gefunden, die sich schon lange sehnsüchtig einen eigenen Hund wünschen. Da P.F.O.T.E keinesfalls angebunden werden will und die Kinder nicht wissen, was ihre Eltern zu einem Hund meinen, lassen sie P.F.O.T.E vorerst alleine am Fluss zurück. Am nächsten Tag finden Janne und Flip den kleinen Hund nach langer Suche in der hintersten Ecke des Parks. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lange, denn plötzlich taucht ein Mann in einem hellblauen Kittel auf. Er arbeitet zweifelsfrei im Labor Pet-o-Lab und will P.F.O.T.E unbedingt sofort einfangen. Zum Glück ist P.F.O.T.E schneller und entwischt. P.F.O.T.E ist in grosser Not, er wird verfolgt und Hunger hat er auch. Schliesslich trifft er auf einen Mops, bei dem er sein Sprachhalsband gegen Essen eintauschen kann. So kommt es, dass die Verfolger aus dem Labor den falschen Hund einfangen und das Chaos an der Konferenz perfekt wird.
P.F.O.T.E ist eine Mischung aus Tiergeschichte, Krimi und Abenteuerbuch, die Kinder begeistern wird. Temporeich, turbulent und voll versteckter Anspielungen auf das Unverständnis vieler Erwachsenerer erzählt die bekannte Autorin dieses spannende Hundeabenteuer. Zum Zuhören für Unterstufenkinder, zum Selberlesen für Kinder ab der Mittelstufe. Bei Youtube gibt es nicht nur einen Trailer zum Buch, sondern auch eine Lesung mit der Autorin. Einfach die Stichworte «Obrecht Hund Pfote» eingeben.

Bettina Obrecht: P.F.O.T.E – Ein (fast) perfekter Hund. Mit Bildern von Barbara Scholz. cjb 2017. ISBN: 978-3-570-17418-0

Rezension: Anita Fehr

Mario Ramos: Nur Mut, kleiner Luis

01.09.2017 by

Der kleine Wolf Luis wird in die Schweinchenklasse eingeteilt, ausgerechnet! Klar, dass er da dauernd gehänselt und ausgelacht wird und in der Pause niemand mit ihm spielen will. Ohne Jojo würde Luis völlig verzweifeln. Schweinchenkind Jojo hält nämlich zu ihm und macht gar einen Krankenbesuch, als Luis mit einer fiesen Grippe im Bett liegt. Da erfährt Jojo auch, dass Luis von drei Schweinchen auf dem Schulweg richtiggehend fertig gemacht wird und dass sich Luis deshalb kaum mehr zur Schule traut. «Jetzt reicht’s», meint Jojo und entwickelt einen fabelhaft klugen Plan, um seinem Freund zu helfen.
Der leider verstorbene Mario Ramos hat Bilderbücher geschaffen, die allesamt das Zeug zum Klassiker haben. Sie liegen in vielen Kinderzimmern und den meisten Kindergärten zum Anschauen bereit. Die Bücher sind wohl deshalb so stimmig, weil Mario Ramos seine Geschichten selber geschrieben und gleich auch auf so spezielle Art in Bilder umgesetzt hat. Man muss ihn beim Lesen und Betrachten einfach lieb gewinnen, diesen kleinen Luis, obwohl er doch eigentlich ein Wolf ist. Von der Länge und vom Schwierigkeitsgrad des Textes her, eignet sich das Buch hervorragend für Kinder, die lesen lernen. «Nur Mut, kleiner Luis» ist eine Erzählung, die sich ganz nah am Kinderalltag abspielt, deshalb werden auch kleinere Kinder beim Vorlesen begeistert zuhören.

Mario Ramos: Nur Mut, kleiner Luis. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Moritz 2012. ISBN: 978-3-89565-252-3

Rezension: Maria Riss und Anita Fehr

 

Jane Chapman, Tim Warnes: Das grosse Buch vom Mutigsein.

30.08.2017 by

Drei Bilderbuchgeschichtenmut

Erste Geschichte: W-w-wer hat schon Angst im Dunkeln
Ein Frosch ist gerade dabei am späten Abend ins Wasser zu hüpfen, als er ein Teichmonster auf der anderen Seite des Teiches entdeckt. Schnell holt er seine Freunde, doch mit jedem Freund, der dazu kommt, wird das Teichmonster riesiger und noch unheimlicher. Bis nach langem Bangen und Zittern der Wind ihr Laternenlicht auslöscht und die kleine Haselmaus Tinchen ihnen im schwachen Licht ihres Laternchens von der anderen Seite des Teiches zuwinkt. Jetzt erkennen sie, dass ihr Teichmonster nur ihre eigenen Schatten waren.
Zweite Geschichte: Wir sind der Schrecken aller Monster
Eine Ente wacht am Morgen auf und stellt ein seltsames, unbekanntes Geräusch unter ihrem Bett fest. Sie beschliesst Hilfe zu holen, da sie keine Ahnung hat, was da unter ihrem Bett sein könnte. Sie ruft das Schweinchen, macht ihm das Geräusch vor und bittet es, ihr zu helfen. Doch Schweinchen will lieber noch den starken Bären holen und dieser den lauten Wolf. Das Geräusch wird von Tier zu Tier immer unheimlicher nachgeahmt, bis zuletzt ein ganzer Tiertrupp mit «Monster-Abschreck-Gerätschaften» zum Haus der Ente kommt, um dann festzustellen, dass unter Entes Bett eine kleine Maus schläft und schnarcht.
Dritte Geschichte: Fünf Angstbären und ein unheimlicher Gast
In der Nacht tobt ein heftiges Gewitter. Der Reihe nach kommen Babybär, der kleine Bär und der grosse kleine Bär zum Bett der Eltern, um bei ihnen Unterschlupf zu finden. Jedes Mal äussert sich Papa Bär: «Was seid ihr doch für Angstbären!» Er selber kann jedoch nicht einschlafen und als es dann auch noch an der Tür poltert, rutscht ihm das Herz in die Hose und er nimmt einen Satz unters Bett. Dabei steht bloss der Elch vor der Tür, dessen Haus vom Wind weggeblasen wurde. «Was bist du doch nur für ein Angstbär», lachen die Bärenkinder, «Monster gibt es doch gar nicht!»
Die drei Geschichten dieses Bilderbuches greifen das Thema der überhöhten Angst auf. Das kennt jedes Kind: Ein Schatten oder ein Geräusch kann ganz schlimme Fantasien auslösen. Da werden Monster und Ungeheuer zum Leben erweckt, auch wenn unser Verstand weiss, dass es solche gar nicht gibt. Zudem bieten die einzelnen Geschichten Raum für passende Aktivitäten, wie Schattentheater, Geräuschgewitter oder Rollenspiele. Die drei Geschichten sind spannend und ermöglichen, mit Kindern über ihre Ängste ins Gespräch zu kommen. Sie eignen sich für Kinder ab dem Kindergarten.

Jane Chapman, Tim Warnes: Das grosse Buch vom Mutigsein. Loewe 2015, 2. Auflage. ISBN: 978-3-7855-7498

Rezension: Rahel Romanowski

Luv Frohde: Ein Hund für Jacob

18.06.2017 by

jacobAls Jacobs Hund stirbt, bricht für Jacob eine Welt zusammen. Sein Hund Buster war sein allerbester Freund. Er war immer an seiner Seite, hat gespürt, wenn Jacob traurig war und war ausgelassen und spielfreudig, wenn Jacob guter Dinge war. Erwachsene haben gut reden, wenn sie meinen, dass die Zeit Wunden heile oder dass er sich doch einfach einen neuen Hund wünschen solle. Jacob ist sich sicher, dass seine Trauer nie aufhören wird, und einen Hund will Jacob niemals mehr haben. Und dann sind Sommerferien. Die Familie fährt wie in jedem Jahr an den grossen See. Dort hat Jacob im letzten Jahr zusammen mit anderen Kindern eine Waldhütte gebaut. Jacob baut an der Hütte weiter, er übernachtet sogar dort. Und dann ist da plötzlich dieser Hund, klein, scheu, ausgehungert und schwarz. Der Hund scheint niemandem zu gehören. Jacob legt dem Hund Essen vor die Hütte und spricht beruhigend auf ihn ein. Mit jedem Ferientag traut sich der Hund näher an den Jungen heran und bald lässt er sich auch streicheln. Jacob ist überglücklich, denn der Hund scheint ihm zu vertrauen. Ganz allmählich wird Ronny, so nennt er den kleinen Hund, zum steten Begleiter. Als sich bis zum Ende der Ferien kein Besitzer meldet, darf Jacob den Hund Ronny sogar mit nach Hause nehmen. Erst zwei Monaten später kommt dieser Anruf von den Leuten, denen der Hund offensichtlich gehört. Erneut verliert Jacob seinen treusten Freund. Jacob weiss weder ein noch aus und ist völlig verzweifelt. Aber dann, ein paar Wochen später, steht der kleine schwarze Ronny plötzlich vor Jacobs Tür: Hunde sind klug und wissen ganz genau, wer sie lieb hat und wo sie hingehören.

Die Geschichte ist ganz nah an der Alltagswelt von Kindern. Jacobs Verzweiflung, seine grosse Trauer, das kennen die meisten Kinder in irgendeiner Form. Die Autorin fokussiert ihre Geschichte ganz stark auf die Beziehung zwischen Jacob und seinem Hund und lässt anderes bewusst weg. So wird Jacobs Kummer und sein eindrücklicher Weg aus der Trauer besonders gut nachvollziehbar. Und dass zu guter Letzt doch noch alles gut kommt, das tut selbst erwachsenen Lesenden gut. Die berührende Geschichte ist in kurze Leseportionen eingeteilt und eignet sich auch deshalb sehr gut zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Luv Frohde: Ein Hund für Jacob. Aus dem Norwegischen von Inge Wehrmann.Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18435-9

Rezension: Maria Riss

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte

28.04.2017 by

Traxler_25491_MR.inddEddy zieht mit seiner Herde durch die Steppen Afrikas. Und weil Eddy ein noch so kleiner Elefant ist, darf er sogar manchmal auf den Schultern von Tante Adele reiten. Dann entdeckt die Herde eines Tages einen alten Elefantenbullen, dessen Stosszähne ausgerissen wurden. Eddy beschliesst für sich, dass er niemals gross werden will. Er will keine Stosszähne bekommen und später von Wilderern überfallen werden. In der Nacht schleicht er sich deshalb heimlich davon. Die Herde zieht nach einer langen vergeblichen Suche schliesslich ohne ihn weiter. Der kleine Eddy wird gefunden und in eine Elefantenstation gebracht. Hier in der Station hat es Eddy eigentlich gut, nur essen und wachsen, das will er unter keinen Umständen. Schliesslich wird ein alter Medizinmann gerufen, der kennt einen uralten Zauber, der gegen das Wachsen hilft. Aber ob das eine gute Lösung ist, einfach für immer klein zu bleiben?
Bücher mit zwar schönen Bildern, aber einer konstruierten, langweiligen Geschichte, gibt es momentan zuhauf in den Regalen der Buchhandlungen. Das Buch vom Elefanten Eddy hebt sich wohltuend davon ab. Hans Traxler hat einmal mehr ein Bilderbuch geschaffen, das diesen Namen wahrlich verdient. Im vorliegenden grossformatigen Band stimmt nicht nur der wirklich spannende Plot um ein ernsthaftes Thema, hier passen auch die Bilder ganz wunderbar zum Buchgeschehen. Ein eindrückliches Bilderbuch, das viele Kinder wohl einige Zeit zu ihrem Lieblingsbuch erklären werden. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25491-6

Rezension: Maria Riss