Julia Donaldson/Axel Scheffler: Räuber Ratte

21.09.2016 by

ratte«Räuber Ratte war ein Schurke, Räuber Ratte war ein Dieb.
Reisenden stahl er das Essen, bis kein Krümel übrig blieb.»

Am liebsten frisst Räuber Ratte Kuchen, Süsskram und Gebäck. Und obwohl ihm dies die Tiere, die er unterwegs ausraubt, nicht bieten können, nimmt er ihnen alles Essen weg und stopft es in sich hinein. Vom Hasen klaut er ekelhaften Klee, vom Eichhörnchen vergammelte Nüsse, von den Ameisen ein bitteres Blatt, von der Spinne Fliegen, und schliesslich will er die zähe Ente, die nichts dabei hat, zum Abendbrot gleich ganz verfuttern. Durch einen Trick lockt die schlaue Ente Räuber Ratte zu einer verlassenen Höhle. Als sich Ratte auf der Suche nach Keksen und Kuchen in die Höhle hinein wagt, steigt die Ente blitzschnell auf Rattes Pferd und reitet wie der Wind zurück zu den armen Tieren. Da es in Räubers Satteltasche mehr als genug zu essen für alle hat, wird nun gefeiert!
Die wirklich böse, als Ritter verkleidete Ratte wird viele Kinder begeistern. Und dass man mit viel List auch Halunken besiegen kann, noch mehr. Julia Donaldson und Axel Scheffler werden die meisten Kinder von den Grüffelo-Büchern kennen. Einmal mehr beweisen die beiden mit «Räuber Ratte», dass sie die Text- und Bildsprache für Kinder meisterhaft beherrschen. Ein Bilderbuch zum Immer-Wieder-anschauen für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Julia Donaldson/Axel Scheffler: Räuber Ratte. Beltz & Gelberg, 6. Auflage 2016. ISBN: 978-3-407-79447-5

Rezension: Anita Fehr

Dorothée de Monfreid: In finsterschwarzer Nacht

21.09.2016 by

nachtWeil er auf dem Heimweg im dunklen Wald unheimliche Geräusche hört, versteckt sich Frieder in einem hohlen Baum. Von diesem sicheren Platz aus beobachtet er einen Wolf, der Feuer macht, um sich aufzuwärmen. Kurze Zeit später ertönt ein furchterregendes Geräusch und der Wolf rennt erschrocken davon. Jetzt ist es ein Tiger, der sich ans wärmende Feuer setzt, bis er durch das fürchterliche Gebrüll eines Krokodils verscheucht wird. Frieder entdeckt in seinem Baumversteck eine Tür. Diese Tür führt ihn in die Wohnung eines Hasen, der ihm anbietet, ihn bis nach Hause zu begleiten. Denn Hasen, die sind listig, Hasen kennen Tricks. Der Hase setzt sich auf die Schulter von Frieder. Darüber kommen ein schwarzer Umhang und eine fürchterliche Maske. So, als Ungeheuer verkleidet und laut brüllend, erreichen die beiden wohlbehalten Frieders Haus. Eben erst angekommen, klopft es an der Tür und sie hören die angstvollen Stimmen von Wolf, Tiger und Krokodil: «Im Wald ist ein Ungeheuer! Lasst uns herein!» Als das «Frieder-Ungeheuer» die Tür öffnet, rennen die Tiere laut schreiend in den Wald zurück.

Die Geschichte wird in kurzen Sätzen und mit plakativen Illustrationen erzählt. Die Grundfarben schwarz und blau unterstreichen die Stimmung und Furcht der Figuren richtig gut. Dieser eindringlichen Angst steht der feine, leicht schräge Humor der Geschichte gegenüber. Ein wundervolles Buch, um mit Kindern über ihre Ängste und Angstträume zu sprechen und über Strategien im Umgang mit Angst zu philosophieren. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Dorothée de Monfreid: In finsterschwarzer Nacht. Moritz Verlag, 2009. ISBN 978-3-89565-200-4

Rezension: Rahel Romanowski

Kevin Brooks: Travis Delaney. Was geschah um 16.08?

28.05.2015 by

kevinDie Eltern des 13-jährigen Travis verunglücken beide tödlich. Ein Autounfall. Travis kann das einfach nicht glauben, zu viele Zufälle, zu viele Ungereimtheiten. Travis ist total hin- und hergerissen: Da ist die unsagbar grosse Trauer um seine Eltern und gleichzeitig der unbändige Wille, die Ursachen zu begreifen. Als zwei Tage nach der Beerdigung das Detektivbüro seiner Eltern völlig demoliert wird, ist sich Travis sicher: Das war kein Unfall, irgendjemand hat seine Eltern umgebracht. Travis beginnt zu recherchieren, das kann er gut, er hat das ja von klein auf mitbekommen. Zuerst findet er heraus, mit welchem Fall seine Eltern gerade beschäftigt waren. Es ging um einen plötzlich verschwundenen jungen Pakistani. Bald schon entdeckt Travis, dass auch er verfolgt wird, dass ihm der Geheimdienst auf den Fersen ist. Blitzgefährlich wird das alles und wenn sein Grossvater nicht zur rechten Zeit aufgetaucht wäre, wer weiss, ob Travis überlebt hätte.

Kevin Brooks ist ein Meister seines Fachs: Dieser Agententhriller ist nicht nur überaus spannend, es ist dem Autor gleichzeitig auch gelungen, die Trauer und Zerrissenheit des jungen Detektivs glaubhaft und nachvollziehbar darzustellen. Kevin Brooks hatte beim Schreiben seine etwa 13-jährigen Adressaten wohl immer vor Augen: Die Spannung beginnt schon im ersten Kapitel, der Plot weist viele überraschende Wendungen auf, die Handlungsweisen des Protagonisten sind seinem Alter angepasst und die Sprache ist zwar einfach, aber an keiner Stelle trivial. Am Schluss ist der Fall, trotz der grossen Anstrengungen von Travis, nicht ganz gelöst, da werden Leserinnen und Leser ab etwa 12 Jahren gespannt auf den Fortsetzungsband warten, der für den nächsten Herbst angekündigt ist.

Kevin Brooks: Travis Delaney. Was geschah um 16.08? dtv 2015. ISBN: 978-3-423-76111-6

Rezension: Maria Riss

Gideon Samson: Doppeltot

03.03.2015 by

DoppeltotDüveke und Rifka sind beste Freundinnen. Rifka ist die Anführerin, diejenige, die stets neue und oft verrückte Ideen hat. Düveke ist vor allem stolz darauf, dass sie Rifkas Freundin sein darf und macht alles, um in Rifkas Gunst zu bleiben. Sehr aussergewöhnlich ist Rifkas neuste Idee: Rifka will an ihrer eigenen Beerdigung teilnehmen. Dies möchte sie, weil sie erleben und dabei zusehen will, wie die Leute um sie trauern. Auch wird Rifka zuhause von ihren Eltern kaum beachtet und vernachlässigt. An ihrer Beerdigung könnte sie im Mittelpunkt stehen und die Beachtung bekommen, die sie sich so sehr wünscht. Rifka heckt einen Plan aus, bei dem sie alles perfekt plant: Von ihrer eigenen Entführung, über die Musik, die an ihrer Beerdigung gespielt werden soll bis zu ihrem überraschenden Auftauchen danach als lebendige Person. Düveke soll Rifka helfen, den makabren Plan in die Tat umzusetzen. Anfangs läuft alles gut, doch dann passieren unvorhergesehene Dinge und der ursprünglich perfekte Plan endet in einer Katastrophe.

«Doppeltot» ist ein dramatisches und in vielerlei Hinsicht eindrückliches Buch: Es zeigt menschliche und seelische Abgründe auf, die den Atem stocken lassen. Dabei spielt der Autor mit den Grenzen von gut und böse, von nachvollziehbaren und unbegreiflichen Handlungen und hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht und Unfassbarkeit. Wie weit gehen diese Mädchen? Wann erreichen sie ihre Grenzen? Die Geschichte ist hochspannend erzählt und aufgebaut und überzeugt auch literarisch. Gideon Samson ist der jüngste Autor, der je mit dem Silbernen Griffel ausgezeichnet wurde. Er hat bereits mit seinem Buch «70 Tricks, um nicht baden zu gehen» ein kleines Meisterwerk geschaffen. Dies ist ihm auch – wenn auch auf ganz andere Art und Weise – mit seinem neuen Titel gelungen: «Doppeltot» bewegt, erschüttert und wirkt auch noch lange nach der Lektüre nach. Empfohlen für Lesende ab 14 Jahren.

Gideon Samson: Doppeltot. Gerstenberg 2015. ISBN: 978-3-8369-5799-1

Rezension: Claudia Hefti

Ulf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon. Der erste Fall.

02.12.2014 by

GordonKröte Gordon, das ist ein alter erfahrener Kriminalbeamter. Er hat sein gemütliches Büro mitten im Wald. Dort hat er eine Arrestzelle, einen grossen Schreibtisch, einen Stempel und Notizpapier. Bitterkalt ist es draussen, als plötzlich ein völlig durchfrorenes Eichhörnchen ins Büro stolpert. Es jammert, seine Nüsse seien ihm gestohlen worden. Sofort macht sich Kommissar Gordon auf die Suche nach dem Dieb. Und bald schon hat er eine Verdächtigte mit einer Nuss in der Hand festgenommen: Die kleine Maus Buffy. Richtig froh ist Buffy, dass sie verhaftet wird. So kommt sie doch in eine warme Stube und darf erst noch im warmen Bett der Arrestzelle übernachten. Schon am nächsten Morgen ernennt Kommissar Gordon Buffy zu seiner Gehilfin. Buffy kann gut denken und tapfer ist sie auch. Zusammen mit seiner neuen Assistentin löst Gordon diesen kniffligen Fall von Nussklauen in Rekordzeit.

Einen sehr warmherzigen Krimi hat Ulf Nilsson geschrieben. Mit vielen witzigen Anspielungen auf Kommissare und Beamte, mit einer spannenden Handlung und vielen Details, über die man schmunzeln kann. Gitte Spee hat ihre farbigen Illustrationen auf das Wesentliche reduziert, sie spiegeln die Atmosphäre ganz wunderbar und helfen beim Vorstellen des Inhalts. Das Buch eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren, zum Selberlesen ab 8.

Ulf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon. Der erste Fall.Moritz 2014. ISBN 978-3-89565-288-2

Rezension: Maria Riss

Ute Krause: Die Muskeltiere

01.12.2014 by

MuskeltiereDie Geschichte spielt in der Hafencity von Hamburg. Die Hauptperson, der Mäuserich Picandou Camembert Saint Albray, hat es gut, er wohnt nämlich im Keller eines Käseladens. Für sein Leben gern hat er es ruhig und gemütlich und Stil, das hat er auch. Bald schon gerät sein geruhsames Leben allerdings völlig aus den Fugen: Zuerst findet er eine kleine Ratte, die behauptet eine Maus zu sein (die Ratte hat ihr Gedächtnis verloren), dann taucht die Maus Ernie auf (sie hat zwar keine Manieren, sitzt aber ganz schön in der Klemme, ihr Zuhause wurde abgerissen) und schliesslich gesellt sich auch noch der Hamster Bertram dazu (der kann wunderbarerweise lesen und schreiben). Alle vier machen sich auf, um Heldentaten zu vollbringen, genau wie die vier berühmten Muske(l)tiere damals. Zuerst helfen sie der Ratte, die sich unterdessen Gruyeré nennt, ihr Gedächtnis aufzufrischen und dann wird alles für die vier tatsächlich lebensgefährlich: Sie kämpfen und besiegen zwei üble Schurken und Spekulanten, die den wunderschönen Käseladen abbrechen wollen. Mit dieser Heldentat retten sie das wunderschöne Zuhause von Picandou und zur Belohnung dürfen alle Muske(l)tiere dort wohnen bleiben.

Ute Krause hat ein ganz wunderbares Kinderbuch geschrieben. Genauso müssen gute Vorlesebücher sein: Unterschiedlichste Figuren und Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, eine äusserst spannende Handlung mit unvorhersehbaren Wendungen, eine bildhafte Sprache, mit der Kinder viele neue Ausdrücke lernen und Illustrationen, die das Geschehen erweitern und ergänzen. Zudem kommt, dass Erwachsene diese Geschichte, mit all den versteckten Anspielungen auf die Romanvorlage, auf einer zweiten Ebene geniessen können. Ein ideales Vorlesebuch für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Ute Krause: Die Muskeltiere. Cbj 2014. ISBN: 978-3-570-15903-3

Rezension: Maria Riss

Xavier-Laurent Petit: Mein kleines dummes Herz

25.11.2014 by

HerzDie neunjährige Sisanda erzählt ihre Geschichte selber. Sie lebt in einem kleinen Dorf in Kenia. Liebevoll wird sie von allen umsorgt, denn Sisanda hat einen Herzfehler. Sie weiss, dass sie nicht lange leben wird. Sisanda ist ein ganz besonders kluges Mädchen, vor allem rechnen kann sie exzellent gut. Jeden Morgen zählt sie ihre Herzschläge und rechnet aus, an wie vielen Tagen es bereits schlägt. In die Schule wird Sisanda getragen, denn gehen, das würde ihr dummes kleines Herz zu sehr anstrengen. Sisandas Mutter heisst Swala, das heisst Antilope. Denn wie diese Tiere ist Swala eine hervorragende Läuferin. Täglich dreht sie ihre Runden ums Dorf. Und dann erfährt Swala, dass in Nairobi ein Marathon stattfinden wird und dass die Siegerin eine hohe Summe Geld erhalten soll. Swala ist wild entschlossen. Sie wird diesen Marathon gewinnen, damit sie mit dem Preisgeld die teure Herzoperation für ihre geliebte Tochter bezahlen kann. Doch dann wird Swala kurz vor dem Rennen von einem Skorpion gebissen. Die Geschichte nimmt ein gutes Ende, wie das kommt, das lohnt sich nachzulesen.

Einmal mehr hat der französische Autor Xavier-Laurent Petit ein ganz wunderbares, sehr berührendes und auch spannendes Buch geschrieben. In einer fast spröden, aber umso treffenderen Sprache lässt er die Lesenden an den Gefühlen und Gedanken der kleinen Sisanda teilhaben. Nicht nur die kleine Sisanda wächst einem beim Lesen ans Herz, es sind auch die Dorfbewohner, der starke Onc’Benia zum Besipiel, auf dessen Rücken Sisanda jeden Morgen klettert, um in die Schule zu gelangen oder die alte, pfeifenrauchende Grossmutter, die Sisanda in die Steppe hinausträgt, um dort die Geister zu beschwören. «Mein kleines dummes Herz» ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass Kinderliteratur längst keine «kleine Literatur» mehr ist, es eignet sich auch deshalb hervorragend zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Xavier-Laurent Petit: Mein kleines dummes Herz. Dressler 2014. ISBN 978-3-7915-1614-1

Rezension: Maria Riss

Mats Wahl: Wie ein flammender Schrei

25.11.2014 by

flammender SchreiEllen ist mit ihrer Mutter gerade umgezogen und neu an der Schule. Obwohl sie schon bald neue Freunde findet, merkt sie, dass an dieser Schule vieles schief läuft. Einige Mitschüler terrorisieren die ganze Schule: Sie stören mit allen Mitteln den Unterricht, schüchtern Schüler und Lehrpersonen ein und machen auch vor sexuellen Übergriffen auf Schülerinnen nicht Halt. Gewalt in jeglicher Form ist an der Tagesordnung. Lehrpersonen, Schüler und Schülerinnen sind machtlos und die neue Schulleitung sieht tatenlos zu. Als Ellen einer Mitschülerin zu Hilfe kommt und sich für sie einsetzt, wird sie selbst zur Zielscheibe der jugendlichen Krawalltäter. Sie wendet sich an erwachsene Autoritätspersonen, welche ihr aber mehr schaden als nutzen. Die Gewalt an dieser Schule eskaliert und es kommt zur schrecklichen Katastrophe mit verheerenden Folgen.

Mats Wahl ist unbestritten ein Meister seines Fachs. Sein Können hat der schwedische Autor schon in zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern unter Beweis gestellt. Auch sein neues Buch überzeugt von Grund auf: Die Geschichte zieht Lesende von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. Hochspannend und in atemberaubendem Tempo erzählt der vielfach preisgekrönte Autor die dramatische Romanhandlung. Ein interessanter Kniff gelingt ihm auch mit der Erzählperspektive, da mehrere Perspektivenwechsel den Blick auf die Handlungsmotive der verschiedenen Figuren ermöglichen. Dies nimmt zwar der unfassbaren Katastrophe nichts von ihrer Grausamkeit, aber es hilft, die Ursachen und den Weg zur Katastrophe nachvollziehbarer zu machen. Empfohlen ist dieses hochspannende, eindrückliche und aktuelle Buch jugendlichen Leserinnen und Lesern ab etwa 13 Jahren.

Mats Wahl: Wie ein flammender Schrei. Hanser 2014. ISBN: 978-3-446-24790-1

Rezension: Claudia Hefti

Lena Hach: Kawasaki hält alle in Atem

01.11.2014 by

KawasakiDer Bibliothekar Hubertus Nussbaum ist ein klassischer Einzelgänger. Er führt ein ruhiges Leben und liebt es über alles, Marmelade zu kochen. Sein Alltag wird gründlich durcheinandergebracht, als seine Zwillingsschwester Sasa bei ihm auftaucht und ihm einen zugelaufenen Koala zur Pflege überlässt. Doch so ein Koala ist kein Haustier und bald schon ist er aus der engen Wohnung entwischt. Hubertus Nussbaum setzt alle Hebel in Bewegung, um den Ausreisser wieder zu finden. Doch dieser ist unterdessen vom örtlichen Zoo eingefangen worden. Hubertus sieht ein, dass er Hilfe braucht und diese bekommt er von der vorlauten Elli, die im gleichen Haus wohnt wie er. Gemeinsam schmieden sie einen Befreiungsplan und setzen ihn gleich in die Tat um. Sie geraten in der Folge in ein aufregendes Abenteuer, bei dem Hubertus Nussbaum die Wichtigkeit von Freundschaften kennen und schätzen lernt.

Lena Hach hat mit ihrem neuen Kinderbuch eine Geschichte geschrieben, die alles enthält, was ein gutes Kinderbuch ausmacht: Eine witzige Handlung mit einem Schuss Abenteuer und Spannung, etwas schrullige, aber nicht minder liebenswerte Figuren und eine Sprache, die in einem stimmigen Mass anspruchsvoll und unterhaltsam ist. Trotz Spass und Sprachwitz verfällt das Buch nicht in Klamauk, sondern beschreibt die Geschichte des Eigenbrötlers Hubertus Nussbaum und der kleinen Elli mit viel Einfühlungsvermögen. «Kawasaki hält alle in Atem» ist ein grosser Lesespass für eher geübte Leserinnen und Leser ab etwa acht Jahren. Das Buch ist in eher kurze Kapitel aufgeteilt und eignet sich auch sehr gut zum Vorlesen.

Lena Hach: Kawasaki hält alle in Atem. Beltz 2014. ISBN: 978-3-407-82054-9

Rezension: Claudia Hefti

Alice Gabathuler: Lost Souls Ltd., Blue Blue Eyes

13.10.2014 by

Lost soulsDie Untergrundorganisation Lost Souls Ltd. hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche zu retten, die sich in Gefahr befinden. Die Gruppe setzt sich aus dem Fotografen Ayden, dem Rockstar Nathan und dem Verwandlungskünstler Raix zusammen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie alle selbst Opfer von Gewaltverbrechen waren und diese überlebt haben. In ihrer neusten Mission setzen sie alles daran, die 18-jährige Kata zu beschützen, deren Adoptiveltern bei einem Bombenanschlag getötet worden sind. John, ein alter Freund der Familie, nimmt Kata in seine Obhut und bringt sie nach England. Doch John ist in kriminelle Machenschaften verwickelt und verbirgt Geheimnisse, die weit in Katas eigene Vergangenheit führen. Lost Souls Ltd. versuchen mit allen Mitteln, Kata zu warnen und an sie heranzukommen. Dies bleibt nicht unentdeckt und bald sind die Mitglieder von Lost Souls selbst in grosser Gefahr. Katas Leben ist erst sicher, wenn sie erkennt wem sie wirklich vertrauen kann und sie herausfindet, was viele Jahre vorher wirklich passiert ist.

«Lost Souls Ltd., Blue Blue Eyes» ist der erste Band der neuen Thriller-Serie von Alice Gabathuler. Es ist nicht nur die packende, spannende und gut aufgebaute Geschichte, die Lesende sofort in den Bann des Buches zieht. Es sind vor allem auch Kata und die drei führenden Köpfe der Lost Souls Ltd. Ayden, Nathan und Raix, die Lust auf weitere Bücher dieser Serie machen. Die Autorin hat ihre Hauptfiguren geheimnisvoll, einzigartig und liebenswert zugleich gestaltet, so dass Lesende mehr darüber erfahren wollen, was sich für Geschichten hinter diesen Figuren verbergen. Mehr dazu bald im zweiten Band «Lost Souls Ltd. Black Rain», der Mitte Oktober 2014 erscheint. Empfohlen wird diese neue Thriller-Serie Jugendlichen ab etwa 14 Jahren, die gerne hochwertige Thriller lesen.

Alice Gabathuler: Lost Souls Ltd., Blue Blue Eyes. Thienemann-Esslinger 2014. ISBN: 978-3-522-20204-6

Rezension: Claudia Hefti

Hinweis: Alice Gabathuler steht im kommenden März wiederum für Lesungen an Schulen im Kanton Aargau zur Verfügung. Dies im Rahmen des Projekts “Literatur aus erster Hand”.