Georg Dreissig / Maren Biswalter: Melchior und das Gold der Armen

18.11.2017 by

armeMelchior war ein besonders mächtiger Herrscher. Er zog, wie viele andere los, um dem hell leuchtenden Stern zu folgen. Mit seinem grossen, pompösen Tross erreichte er nach einer langen Reise schliesslich den Stall in Bethlehem. Dort legte er zur grossen Verwunderung seiner Vasallen seine feinen Kleider ab und trat wie ein niedriger Bettler in den Stall. Er beschenkte das Kind reich. Seine Gefolgsleute waren verwirrt. Hatte ihr grosser König Melchior den Verstand verloren? Als die Karawane wieder gen Osten zog, liess Melchior bei jedem Bettler anhalten und verteilte Goldstücke. Dem Wesir des Königs gefiel das gar nicht und schon am nächsten Abend überreichte er dem König einen Trunk mit einem Schlafmittel. Völlig mittellos, nur mit einem Umhang bekleidet, erwachte Melchior am nächsten Morgen. Die Karawane hatte sich davongemacht. Melchior machte sich auf und gelangte ins nächste Dorf. Dort erzählte er den Menschen die Geschichte vom kleinen König im Stall. Die Menschen hörten gespannt zu und waren von dieser wunderbaren Geschichte so begeistert, dass er Essen und ein Nachtlager erhielt. Bald brach Melchior wieder auf, er wollte weiter ins nächste Dorf, um diese Geschichte möglichst vielen Menschen zu erzählen. Schliesslich gelangte er in sein eigenes Königreich. Nur sein Sohn, der neue König, erkannte Melchior. Melchior wollte aber nicht als König zurückkommen, sondern als Erzähler. Möglichst alle Menschen in seinem Land sollten von diesem Wunder des kleinen Kindes erfahren.
Georg Dreissig ist Priester, mit dieser Geschichte verknüpft er ganz klar eine wichtige christliche Botschaft, die ja aber auch zu Weihnachten gehört. Trotzdem ist diese Geschichte spannend und Kinder werden mit Sicherheit gerne zuhören. Duktus und Sprache sind wunderschön aber auch sehr anspruchsvoll. Kinder werden jemanden brauchen, der ihnen die Geschichte erzählt, genauso wie es Melchior in dieser Geschichte tut. Maren Biswalter hat mit ihren detailreichen, zarten und realistischen Bildern die Stimmungen dieser Geschichte wunderbar eingefangen. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Georg Dreissig / Maren Biswalter: Melchior und das Gold der Armen. Urachhaus 2017. ISBN: 978-3 8251-5114-0

Rezension: Maria Riss

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel

28.04.2017 by

maiDer bekannte Kinderbuchautor Manfred Mai erklärt in diesem Buch das Wichtigste aus den verschiedenen Weltreligionen. Er tut dies in einer einfachen Sprache und mithilfe einer sehr sinnvollen Gliederung. Diese lässt vor allem auch Vergleiche zu, weil die Beiträge über die 5 Religionen alle auf die gleiche Art und Weise strukturiert sind. So geht es bei allen Religionen um die Entstehung der Glaubensgemeinschaften, um wichtige Feste, um Rituale, Symbole und darum, was Tote im Jenseits erwartet. Natürlich werden die Religionen nicht umfassend vorgestellt, dies wäre auf den gut 150 Seiten gar nicht möglich. Kinder erhalten mit diesem Buch aber einen guten Überblick. Jugendliche werden mit dem Verstehen der Inhalte keine Probleme haben, für die meisten Kinder ist die Thematik aber zu komplex, als dass sie diese ganz alleine lesen und verstehen könnten. Gemeinsam mit andern Kindern, mit Eltern oder Lehrpersonen bietet es aber überaus wissenswerte Grundlagen und viel Gesprächsstoff. Das Buch will auch nicht nur informieren, es will Interesse wecken, will zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen Werte- und Moralvorstellungen führen und zu Gesprächen anregen. Für Kinder ab etwa 11 Jahren, für Jugendliche und Erwachsene.

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder. Mit Illustrationen von Marine Ludin. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25300-1

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Dezember 2015

01.12.2015 by

kometFranz Hohler/ Kathrin Schärer: Die Nacht des Kometen

Mona und Jona verbringen ihr Ferien wie in jedem Jahr in einem abgelegenen, wunderschönen Bergtal. Sie bauen am Bach Steinmännchen und denken sich Tiernamen für all die grossen Steine aus. Im Tal lebt auch der alte Hirte Samuel, der erzählt den beiden Kindern alte Sagen und Mären und dass sich im Tal schon viel Unerklärliches zugetragen hat. Am liebsten sitzen Mona und Jona auf dem grossen Stein, der wie ein Kamel aussieht. Einmal dürfen die Kinder nachts dahin, weil ein Komet ganz besonders nahe an der Erde vorbeifliegen wird. Als die beiden den Kometen entdecken, steht das Kamel plötzlich auf und rennt los. Nichts kann es aufhalten, weder Monas Schreie noch Jonas Fusstritte. So lange rennt das Kamel, bis es in einer völlig fremden Gegend endlich von einem Mann aufgehalten wird. Yussuf heisst dieser Mann und seine Frau, Mirjam, ist hochschwanger. Mona und Jona verstehen zwar kein Wort, aber dass sie ihr dringend Kamel gebraucht wird, das wird schnell klar. Mona und Jona warten mit Yussuf vor dem Stall, als Mirjam ihr Kind zur Welt bringt. Yussuf ist ein bisschen schlecht, deshalb holt Jona seine Plastikflasche mit Tee aus dem Rucksack und gibt dem armen jungen Vater zu trinken. Als die Hebamme aus dem Stall kommt, dürfen alle das Kindlein endlich sehen und bestaunen. Und es kommen Hirten und weise Männer, es singen Leute und es riecht plötzlich nicht mehr nach Mist, sondern ein süsser Rauchduft macht sich im Stall breit.
Franz Hohler hat ein einmalig schönes, berührendes und heiteres Lese- und Vorlesebuch geschrieben. Gekonnt verwebt er reale Figuren mit Sagen aus dem Tal und der biblischen Geschichte. Weil er das grosse Wunder im Stall konsequent aus der Sicht der der beiden Kinder beschreibt, lässt er die Leserinnen und Leser unmittelbar am Geschehen teilhaben. Unbeschwert geht Franz Hohler mit der Sprache um, treffsicher baut er Helvetismen ein, die Erwachsene zum Schmunzeln bringen werden. Kathrin Schärer hat faszinierende und stimmungsvolle Bilder zu dieser Geschichte gemalt. Mal greift sie Details auf, mal sind es die faszinierenden, anderen Perspektiven, die helfen, die Sprache zu erweitern und sich das Geschehen besser vorzustellen. Franz Hohler und Kathrin Schärer haben mit diesem Buch sehr vielen Kindern und Erwachsenen ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht, die stimmungsvolle, humorvolle Erzählung, wird Gross und Klein nicht nur bestens unterhalten, sondern immer wieder auch berühren.

Franz Hohler/ Kathrin Schärer: Die Nacht des Kometen. Hanser 2015. ISBN:978-3-446-24927-1

Rezension: Maria Riss

Esther Bisset / Martin Palmer: Die Regenbogenschlange. Geschichten vom Anfang der Welt und von der Kostbarkeit der Erde.

24.09.2012 by

Geschichtensammlung mit didaktischem Kommentar. Dieses Buch erzählt die Geschichte der Weltentstehung in neun verschiedenen Religionen. Darunter finden sich sowohl die Schöpfungs-geschichten der bekanntesten Weltreligionen als auch diejenige der Aborigines oder ein Mythos eines Stammes im Amazonas-Gebiet. Nebst der Frage nach dem Ursprung der Welt geht es auch um den Umgang der verschiedenen Völker mit ihrer Umwelt. Schön ist, dass das Buch kein «Richtig» und «Falsch» vorgibt, nicht wertet oder mit dem Zeigefinger mahnt, sondern einfach erzählt und Raum für eigene Interpretationen und Meinungen lässt.

Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die immer gleich aufgebaut sind: Sie enthalten jeweils eine kurze Einleitung zur entsprechenden Religion, die Schöpfungsgeschichte, eine Erklärung zur Bedeutung dieser Geschichte, einen Informationsteil über das Leben der Angehörigen dieser Religion und zum Schluss einige Fragen zum Nachdenken.

Im zweiten Teil finden Lehrpersonen einen ausführlichen didaktischen Kommentar mit vielen Hintergrundinformationen und Ideen für die praktische Umsetzung im Unterricht. Das Buch wurde für Kinder zwischen neun und dreizehn Jahren konzipiert. Die Texte sind in einfacher, gut verständlicher Sprache verfasst, sie sind kurz und trotzdem informativ. Ein Glossar erklärt die schwierigen Begriffe. Ein wertvolles Buch, das fächerübergreifend eingesetzt werden kann.

Rezension: Jolanda Zimmerli

Esther Bisset / Martin Palmer: Die Regenbogenschlange. Zytglogge Verlag, 1998. Neuauflage 2003.