Cornelia Funke/Susanne Göhlich: Fabers Schatz

21.09.2016 by

faberAls Opa beschliesst, nach Amerika auszuwandern, schenkt er seinem Enkel Faber nur einen alten Teppich. Den hat er vor vielen Jahren von einem Freund aus Damaskus bekommen. «Damit du mich besuchen kannst, du musst nur die Worte auf dem Teppich lesen», meint er beim Abschied. Aber auf dem Teppich sind nur Muster und seltsame Ornamente. Faber weiss nicht, was er mit diesem Teppich soll. Er klemmt ihn unter den Arm und geht zum Hafen, dort trifft er auf eine Kinderschar aus vielen fremden Ländern, die miteinander spielen. Faber setzt sich auf seinen Teppich und schaut zu. Shaima, ein Mädchen mit schwarzem Haar und seltsamen Kleidern, setzt sich zu Faber auf den Teppich. Sie erkennt, dass diese Ornamente arabische Schriftzeichen sind, sie lächelt und liest die Worte: «Tier ya besat, tier!» In diesem Moment hebt der Teppich vom Boden ab, ganz sacht. Den beiden verschlägt es zuerst die Sprache, aber dann geniessen sie den wunderschönen Flug. Es geht höher, immer höher über die Stadt und dann über fremde unbekannte Länder. Faber und Shaima staunen, wie bunt und vielfältig die Welt ist. Und ganz nebenbei lernt Faber von Shaima ein paar Worte Arabisch. Die beiden werden Freunde und fliegen künftig öfters zusammen aus. Und wer weiss, vielleicht schaffen es die beiden ja sogar mal bis zu Fabers Opa nach Amerika.

In diesem Buch ergänzen sich Text und Bilder ganz wunderbar. Alles, was Cornelia Funke im Text auslässt, ergänzt Sabine Göhlich mit ihren klaren, so stimmungsvollen Bildern. Das Buch erzählt von Freundschaft, vom Abschiednehmen und dem Staunen über die Vielfalt unserer Erde. Die Geschichte eröffnet Lesenden einen ganz anderen, unbeschwerten Zugang zum Thema Migration. Die Handlung hat einen linearen Aufbau, ist spannend und lässt sich deshalb ganz wunderbar vorlesen und erzählen. Und dass man beim Lesen oder Zuhören gleich noch ein paar arabische Worte lernen kann, macht das Ganze besonders reizvoll. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Cornelia Funke/Susanne Göhlich: Fabers Schatz. aladin Verlag, 2016. ISBN: 978-3-8489-0122-7

Rezension: Maria Riss

Michelle Paver: Wolfsbruder – Chronik der dunklen Wälder

24.09.2012 by

Roman. Leserinnen und Leser sind 6000 Jahre zurückversetzt und befinden sich mitten in der Steinzeit. Genau da spielt die Geschichte von Torak – einem zwölfjährigen Jungen –  der gerade seinen Vater verloren hat. Er musste diesem das Versprechen geben, den Berg des Weltgeistes zu suchen. Torak hat Angst ganz alleine, vor allem, weil ein unheimlicher, von Dämonen besessener Bär in der Nähe sein Unwesen treibt. Doch Torak ist nicht lange allein. Sein neuer Begleiter: ein Wolfswelpe. Was Torak zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiss: Die Zukunft des Waldes und seiner Bewohner hängt von ihm ab. Und so beginnt eine spannende, mysteriöse Reise.

Ein fesselndes Abenteuerbuch, das man fast nicht mehr aus den Händen legen kann, wenn man mit Lesen begonnen hat. Für alle, die nach knapp 300 Seiten traurig sind, dass die Geschichte endet, gibt es aber eine tolle Nachricht. Dies ist nämlich nur der erste Band einer ganzen Reihe. Im cbj Taschenbuch Verlag sind bis jetzt 5 Bände aus der Reihe «Chronik der dunklen Wälder» erschienen, weitere sind in Vorbereitung.

Das Buch eignet sich für Kinder ab der Mittelstufe. Wer im Fach Realien die Steinzeit behandelt, sollte nicht verpassen, diese Geschichte dazu vorzulesen. Ausserdem sollte es in keiner Schulbibliothek fehlen.

Rezension: Jolanda Zimmerli

Michelle Paver: Wolfsbruder – Chronik der dunklen Wälder. cbj Taschenbuch, 2009.

Jo Pestum: Die Waldläufer

17.09.2012 by

Deutschland, 1947. So kurz nach dem Krieg fehlt es eigentlich an allem. Vor allem den Kindern. Gereon ist einer von ihnen. Er erzählt seine Geschichte und die seiner Freunde Jupp und Hansi. Die drei werden von Köln nach Schwaben in die Ferien aufs Land verfrachtet, um sich dort von den Entbehrungen zu erholen. Bei ihrer Gastfamilie angekommen müssen die drei jedoch sehr schnell merken, dass an der Sache etwas ziemlich faul ist. Denn statt viel Schlaf und gutem Essen erwartet die drei dort neben einer üblen Unterkunft und viel Arbeit auch noch schlechteres Essen als zuhause. Wie sollte man sich unter solchen Bedingungen erholen können? Die drei beschliessen recht schnell: Dieses Spiel spielen sie nicht mit. Bei nächster Gelegenheit türmen sie gemeinsam und schlagen sich in die Wälder: Nichts wie heim, zurück nach Köln. Anfangs lässt sich die abenteuerliche Reise recht gut an, doch nicht alle Begegnungen auf ihrem Weg enden für die drei glücklich. Einige Hürden wollen überwunden sein, bis die Türme des Kölner Doms von Ferne anzeigen, dass die drei den Heimweg fast geschafft haben…

Lebendig, spannend und einfühlsam erzählt Jo Pestum von der Reise der drei Jungen, ihren Hochs und Tiefs und ihrer Freundschaft durch dick und dünn. Ein erlebnisreiches Lesevergnügen, dass sich dank grossem Druckbild und wenig komplexer Sprache bereits für Lesende ab dem 4. Schuljahr eignet, insbesondere (aber nicht nur) für Jungen.

Nora Kernen

Jo Pestum: Die Waldläufer. Fischer, 2004.

 

Unterrichtsideen zu Jo Pestum, Die Waldläufer

1. Übersicht und Orientierung: Wo geschieht was? (möglich als Einzel- oder Gruppenaufgabe, einzelne Kinder oder Gruppen übernehmen einzelne Kapitel bzw. Buchteile; Bearbeitungszeit: ca. 30 Minuten)

– Mithilfe einer Karte von Deutschland (1950 oder aktuelle Karte möglich) können Schülerinnen und Schüler den Weg der drei Jungen quer durch Süddeutschland nachvollziehen.

– Am schönsten ist es, wenn auf einer stark vergrösserten Karte an der Wand die einzelnen Stationen mit den jeweiligen (stichwortartig dargestellten) Ereignissen markiert werden.

– Als Abschluss können die Schülerinnen und Schüler die Kilometeranzahl pro Kapitel bzw. die Gesamtkilometer ausrechnen.

 

2. Wie lange sind die Jungen unterwegs? (möglich als Einzel- oder Gruppenaufgabe, einzelne Kinder übernehmen einzelne Kapitel bzw. Buchteile; Bearbeitungszeit ohne Lesezeit: 20 Minuten)

– Während des Lesens erhalten einzelne Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, sich die Zeiten (Tage/Nächte) einzelner Ereignisse bzw. Kapitel zu merken, sodass pro Kapitel z.B. eine Schülergruppe zuständig ist, die Zeit zu rekapitulieren, welche vergeht. Anschliessend wird die Reisezeit „zusammengezählt“.

 

3. Einzelne Szenen eignen sich sehr gut zum Vorspielen als Rollenspiel (Gruppenarbeit)

– jede Gruppe wählt eine Szene, welche sie spielen will. (Sie schreibt ein „Drehbuch“ oder „Storyboard“ [benötigt Vorwissen] und) sie führt ihre Szene vor. Die anderen Schülerinnen und Schüler erraten, welche Szene gespielt wird und suchen die entsprechende Stelle im Buch heraus.

 

4. Die Heimkehr (Einzelaufgabe; auch möglich als Partnerarbeit)

– Verfasse ein zusätzliches Schlusskapitel für die Geschichte, in welchem du aus der Sicht eines der Jungen schilderst, wie es ist, als sie endlich ganz zu Hause bei ihren Familien ankommen.

 

5. Spielt einander eine Figur aus der Geschichte pantomimisch oder als Standbild vor. Wer spielt wen? Erratet gegenseitig, welche Figuren ihr übernommen habt.

 

6. Reportage, Fernsehshow.Stell dir vor, ein Reporter deckt das wüste Spiel der Landwirte aus Schwaben auf.

1. Was ist passiert? Schreibe eine Reportage darüber, was im Dorf ablief, bevor die Kinder ankamen. War das Verhalten der Landwirte eine Verwechslung oder absichtliche Täuschung?

2. Wie bist du heimgekommen? Wähle einen der Jungen und führe ein Interview mit ihm am Tag, nachdem er zuhause angekommen ist.

3. Verfasse einen Skandal-Artikel über die üble Täuschung der Bauersleute gegenüber den Familien der Jungen.

 

7. Lose Enden weiterspinnen… Führe folgende Geschichten weiter (in die Vergangenheit oder Zukunft), die im Buch nur angefangen werden:

1. Geschichte der Frau

2. Geschichte der Bauersfamilie vom Beginn

3. Geschichte der Räumer

4. Geschichte des Mädchens mit der Kuh

5. Geschichte des Alten-Hospizes

 

8. Die Jungen werden älter. Schreibe einen Tagebucheintrag eines der Jungen über die Erlebnisse, als sie sich zum 10ten mal jähren.

 

9. Warum heisst das Buch „Die Waldläufer“?

 

10. Rätselwörter: Erkläre die Bedeutung der folgenden Wörter. Schaue dazu auch im Wörterbuch nach.

    • Greis
    • Schmuggler
    • Tornister
    • Derwisch
    • Schleppzug
    • Saloon
    • Klamm
    • Gespann
    • Trosse
    • Tschako
    • Balkonsims
    • Pötte
    • Kuppe
    • Goliath
    • Kaff

 

11. Rechercheaufgaben mit Wörterbuch und Internet

1. Geschichte von Lederstrumpf recherchieren

2. Was sind und wie funktionieren Lebensmittelkarten?

 

12. Geographie: Auf der Seite 80 erklärt Jupp, wie man an Bäumen die Richtung erkennt. Erstelle eine Skizze mit einer Erklärung, wie er dabei vorgeht.

 

13. Geschichte des Hundes weiterschreiben, aus Sicht des Hundes die Geschichte schreiben.

 

14. Literarisches Verstehen: Warum sagen die Jungen am Ende der Geschichte, es müssten eigentlich die Glocken des Doms läuten?

Bettina Wenzel: Antonellas Reisen. Das grüne Phantom

30.03.2012 by

Antonella überlebte den Schiffuntergang als kleines Baby nur, weil sie in einem Plastikbottich lag. Herr Olafson, ehemaliger Schwimmweltmeister, klammerte sich auf stürmischer See an diesen Bottich und schwamm 7 Stunden und 24 Minuten – bis er endlich ein rettendes Schiff erreichte. Jetzt ist Antonella schon acht Jahre alt und lebt bei Herrn Olafson. Der alte Herr hat vergessen, Antonella in der Schule anzumelden, deshalb können die beiden ihrer Reiselust nachgehen und nach Italien fahren. In Santa Polenta erleben sie dann richtig spannende Abenteuer! Erst will ein fieser Immobilienhai sich Signor Trullos Hotel unter den Nagel reissen, und dann verschwinden auch noch kostbare Juwelen. Das kann doch nur das grüne Phantom gewesen sein, der berühmteste Juwelendieb von ganz Santa Polenta – oder? Bettina Wenzel hat eine muntere und sehr unterhaltsame Feriengeschichte geschrieben, die sich sehr gut zum Vorlesen eignet. Gelungen ist ihr nicht nur der spannende Plot, es sind auch die vielen, zwar nur skizzenhaften, aber doch treffenden Beschreibungen der Protagonisten. Ein unbeschwertes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Bettina Wenzel: Antonellas Reisen. Das grüne Phantom. Sauerländer, 2011. Kriminalistische Erzählung.