Julia Donaldson / David Roberts: Der Troll und die wilden Piraten

17.06.2016 by

trollDer Troll lebt unter der Brücke. Da gehören Trolle hin. Der Troll besitzt zwar eine Pfanne und ein Kochbuch, aber er hat rein gar nichts, was er kochen könnte. Ausser Fisch – und den mag er nicht. Die Piraten leben auf einem Schiff, da gehören sie auch hin. Die Piraten haben zwar genug zu essen, aber niemanden, der wirklich kochen kann. Der Troll wandert von Brücke zu Brücke, um eine Ziege zu finden. Ziegenfleisch mag er ganz besonders gern. Die Piraten wiederum steuern Insel um Insel an, um einen Schatz zu finden. Mit dem Gold könnten sie endlich einen Koch anstellen. Ja, und wie die Piraten und der Troll schliesslich zusammenfinden, das erfahren Leserinnen und Leser nach und nach, mit Hilfe von wundervoll schrägen Illustrationen und einem Text, der vor allem durch die karge und humorvolle Sprache besticht.

Die meisten Kinder werden diese Geschichte lieben. Weil sich der Troll und die Piraten auf so unsagbar dämliche Art und Weise benehmen und die Kinder das alles sehr viel besser könnten. Und weil am Schluss doch alles gut kommt. Der Plot lebt von den vielen Wiederholungen und der scheinbar grossen Voraussehbarkeit der Geschichte (die dann doch ein bisschen anders herauskommt, als man dachte). Das Buch eignet sich hervorragend zum Erzählen, zum Immer-wieder-Anschauen, zum Entdecken der vielen Details in den Bildern und zum Geniessen dieser wunderbar reduzierten und doch so treffenden Sprache. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Julia Donaldson / David Roberts: Der Troll und die wilden Piraten. Knesebeck 2016. ISBN: 978-3-86873-827-8

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats April

01.04.2015 by

4123hmmdPNLAnna Kuschnarowa: Das Herz von Libertalia

Die Geschichte beginnt in Irland im Jahr 1700. Anne kommt als uneheliches Kind zur Welt. Sie ist ein wildes Kind, eines, das am liebsten in Jungenkleidern am Hafen herumtollt oder alleine durch die karge, wunderschöne Landschaft streunt. Aber Anne wird älter, sie soll sich endlich benehmen lernen, ihre Tage am Kochherd oder mit Handarbeiten zubringen, sie soll sich einschnüren und feine Kleider tragen. Zu so etwas taugt aber Anne einfach nicht. Immer wieder nimmt sie Reissaus, immer wieder schleicht sie sich heimlich zum Hafen und am liebsten hört sie dort dem alten Jan zu, wenn er erzählt, von seinen Fahrten auf hoher See, wenn er schwärmt von einem Land namens Libertalia, in dem alle Menschen in Freiheit leben können. Es kommt, wie es kommen muss: Anne haut ab. Lässt sich als Junge verkleidet von einem Schiff anheuern und sticht in See. In der Karibik lernt sie den Piratenkapitän James Bonny kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. So wird Anne Piratin und kämpft an der Seite all der derben und doch oft so weichherzigen Gesellen, entert Schiffe und stellt sich dabei so geschickt an, dass sie sich bald den Respekt aller verschafft hat. Ihren grossen Traum einer Gesellschaft, in der alle die gleichen Rechte haben, in der Männer wie Frauen gleichgestellt sind, für diesen Traum kämpft sie, dieser Traum lässt sie bis zum Schluss nicht los.
Anna Kuschnarowa hat ein Buch geschrieben, das alle Kriterien für ein spannendes Abenteuerbuch erfüllt: Eine überaus packende Handlung mit viel unvorhersehbaren Wendungen, schräge Typen, ferne Schauplätze und eine Protagonistin, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Die Autorin lässt Lesende in einer gewissen Distanz, so wird auch das Nachlesen manch schlimmer Gräueltat auf hoher See fast zum Vergnügen. Die Geschichte beruht auf zumindest teilweise wahrem Hintergrund: Es gab zu dieser Zeit tatsächlich eine Frau, die Piratenschiffe lenkte, die sich ihren Platz in dieser absoluten Männerdomäne erobert hat. Ein spannendes, stellenweise auch wild romantisches Lesevergnügen für Jugendliche.

Anna Kuschnarowa: Das Herz von Libertalia. Beltz 2015. ISBN: 978-3-407-81187-5

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats März

02.03.2015 by

Galarsbi Neumayer: Der Schatz des Listigen Lars

Mick und seine Freunde Lili, Gordon, Stevie und Susa sind alles Piratenkinder. Sie leben auf einer grossen Insel im vergessenen Meer. Endlich ist die Piratenschule aus und die langen Sommerferien stehen vor der Tür. Lili hat ein altes Schiff erworben und Mick die uralte Schatzkarte des listigen Lars gefunden. Also nichts wie los und auf ins Abenteuer! Zuerst wird das Schiff wieder seetüchtig gemacht und dann stechen die fünf Kinder in See. Das wäre ja alles schön und gut, gäbe es nicht Carlo mit seiner Bande. Carlo, das ist einer, der andere Kinder tyrannisiert, einer der vor nichts zurückschreckt und erst noch ein wunderbares, schnelles Schiff besitzt. Und so kommt es schon kurz nach dem Ablegen zu einer wilden Verfolgungsjagd und zum Kampf auf hoher See. Natürlich gehen Mick und seine Freunde schliesslich als Sieger hervor, aber Mick erkennt auch, weshalb Carlo oft so gemein ist und die andern herumkommandiert.

«Der Schatz des listigen Lars» ist ein ganz wundervolles Kinderbuch. Es ist unheimlich spannend, zeigt aber auch ganz tiefe menschliche Themen auf. Es geht um Freundschaft, um verletzten Stolz, um falsches Heldentum und die grosse Befriedigung, wenn alle das Ihre zu einer Sache beitragen können.

Besonders gelungen ist der Autorin auch die Schilderung der verschiedenen Charaktere. Da ist Lili, die sich sofort für alles begeistern kann, da ist der besonnene Steuermann Gordon, da ist Stevie, der Koch, der so wunderschöne Geschichten erzählen kann, da ist die kleine, überaus tapfere Susa und Mick, der zwar zum Kapitän gewählt wurde aber auch weiss, dass sie nur gemeinsam und miteinander siegen werden. Das Buch eignet sich hervorragend zum Vorlesen. Jedes Kapitel schliesst mit dem Ende eines Spannungsbogens, sodass man die Lektüre zwar ungern, aber doch gut unterbrechen kann. Zum Vorlesen für Kinder der Mittelstufe, zum Selberlesen ab etwa 10 Jahren.

Gabi Neumayer: Der Schatz des Listigen Lars. Beltz 2015. ISBN 978-3-407-74520-0

Rezension: Maria Riss

 

Michael Peinkofer: Piratten! Unter schwarzer Flagge

19.03.2012 by

Das eher verwöhnte Mäusemädchen Mecky befindet sich auf hoher See, als ein plötzlicher Kanonendonner sie zu Tode erschreckt: Piratten entern das Schiff und nehmen Mecky samt ihrer Gouvernante gefangen. Auch die kleine Insel mit dem Leuchtturm wird von den Piratten nicht verschont. Schon am nächsten Tag tauchen die elenden Gesellen dort auf, schlagen alles kurz und klein und schleppen den alten klugen Professor Aristoteles mit sich fort. Der junge Mäuserich Marty konnte sich zwar verstecken, hat das Geschehen aber genau beobachtet. Sofort macht er sich auf den Weg: Er will ganz alleine die Piratten verfolgen und die beiden Gefangenen befreien. Es ist höchste Zeit, dass jemand den Kampf gegen diese gefährlichen, manierenlosen und scheusslichen Piratten aufnimmt! Michael Peinkofer hat mit diesem ersten Band einer neuen Serie kein literarisches Wunderwerk geschaffen, aber eine sehr spannende Geschichte, die junge Leserinnen und Leser mit Sicherheit begeistern wird. Obwohl das Cover eher reisserisch anmutet, sind die Illustrationen im Buchinnern verblüffend fein und stimmungsvoll. Diese neue Reihe eignet sich vorzüglich als Lesefutter für Kinder ab etwa der 3. Klasse.

Rezension: Maria Riss

Michael Peinkofer: Piratten! Unter schwarzer Flagge. Carlsen, 2011. Phantastische Geschichte.