Sylvia Heinlein: Die Sache mit den Superhelden

01.09.2017 by

superWolle, Micki und Jonny, das sind drei Jungen, die sich zusammentun und einen Geheimclub gründen. «Die Besten» nennen sie sich. Natürlich ist alles geheim: Ihr Clublokal, spezielle Parolen, ihre Aktivitäten und ein ganzer Stapel Comics, vor allem solche, wo Superhelden drin vorkommen. Besonders verdächtig ist den Dreien der Besitzer des Comicladens gegenüber: Der bestellt doch tatsächlich drei Pizzas für sich ganz alleine. Und was macht der eigentlich dauernd im Hinterzimmer? Ganz klar, dort trifft er sich heimlich mit Gigaman, Starman und Geckogirl. Diese drei persönlich kennenzulernen, das ist wohl das Allergeheimste, das es je gab. Klar, dass «Die Besten» da mitmischen wollen.
Die Geschichte ist spannend und trifft den Nerv vieler Kinder in diesem Lesealter. Denn diese leben und spielen oft in Fantasiewelten und schlüpfen selber gern in die Rolle eines Superhelden oder hätten noch lieber einen solchen zum Freund. Frech und witzig sind auch die Illustrationen. Sie helfen nicht nur beim Verstehen, sondern erweitern das Buchgeschehen sehr gut. Für Erstleser.

Sylvia Heinlein: Die Sache mit den SuperheldenMit Illustrationen von Sabine Wiemers. Tulipan 2009. ISBN: 978-3-939944-37-9

Rezension: Rahel Romanowski

Das Buch dieser Superhelden fand so grossen Anklang, dass bereits zwei weitere Bände erschienen sind.

Sandra Grimm: Fantastische Vorlesegeschichten

01.09.2015 by

vorleseDieses Buch enthält ein Sammelsurium von fantastischen Geschichten. Schlümpfe, Gespenster und Drachen kommen ebenso vor wie Elfen, Ufos und Fellmonster. Am besten gefallen hat mir die Geschichte einer Burgbesichtigung, die Vater und Sohn ganz unterschiedlich erleben. Der kleine Mika merkt sofort, dass etwas nicht stimmt, Papa beschwert sich bloss über das schlechte Licht im Treppenhaus. Aber dann wird er blass, weil doch tatsächlich ein kleines Gespenst in seinen Haaren wühlt. Mika hat gar keine Angst. Für ihn gehören Geister ganz einfach dazu, wenn man so uralte Gemäuer besucht!

Die «Fantastischen Vorlesegeschichten» sprechen unterschiedliche Vorlieben an und werden sicher Kinder faszinieren, die mit Trickfilmfiguren vertraut sind. Ein guter Erzähler, eine gute Erzählerin kann den kurzen Geschichten Leben einhauchen, evtl. mithilfe eines passenden Requisits. Für die Kinder hat es nach jeder Geschichte eine Bastelidee zum Thema. Die kurzen Geschichten eignen sich sehr gut Vorlesen ab der Unterstufe. Das Buch ist auch als Hörbuch erhältlich.

Sandra Grimm: Fantastische Vorlesegeschichten. Hexen, Drachen, Zauberer. Ellermann 2015. ISBN 978-3-7707-2647-9

Rezension: Heidy Wechsler

Buch des Monats Juli 2015

09.07.2015 by

ungehge Max Velthuijs: Das gutherzige Ungeheuer

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf. Alle Menschen dort leben glücklich und zufrieden, abgeschottet vom Rest der Welt. Eines Morgens bemerken die Dorfbewohner mit Schrecken, dass einige ihrer Felder einfach leergefressen sind. Voller Panik machen sie sich auf die Suche nach dem Übeltäter und entdecken ein riesengrosses Ungeheuer, das sich im nahen Wald versteckt hat. Alle bewaffnen sich und gemeinsam fangen sie das Ungeheuer ein. Seltsamerweise wehrt sich das riesige Tier gar nicht, man könnte fast behaupten, es freue sich über seine Festnahme. Dem ist auch tatsächlich so, das Ungeheuer ist nämlich glücklich, endlich in Gesellschaft zu leben. Als dann ein schlauer Professor gar eine Maschine erfindet, die das Feuer des Untiers in Strom verwandeln kann, entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen den Menschen und dem riesigen friedfertigen Tier. Bis eines Tages eine Schar Räuber auftaucht, die das Ungeheuer stehlen wollen. Bei Überfällen ist sein Feuer ja von unermesslich grossem Nutzen. Es kommt aber alles gut. Kinder wie Erzählende können aufatmen und die Geschichte gleich noch einmal von vorn beginnen.
Das Bilderbuch besticht nicht nur durch die überaus spannende Geschichte, die vor allem auch Jungen begeistern wird. Es sind auch die wundervollen Bilder, die kräftigen Farben, die mutigen Pinselstriche und die oft gewagten Perspektiven, die dieses Buch so faszinierend machen. Max Velthuijs war einer der ganz grossen niederländischen Bilderbuchmacher. Kinder wie Erwachsene werden sich freuen, dass der Verlag sich entschlossen hat, einige seiner Bücher in Neuauflagen wieder herauszubringen. Für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Max Velthuijs: Das gutherzige Ungeheuer. NordSüd 2015. ISBN: 978-3-314-10270-7

Rezension: Maria Riss

 

Aaron Becker: Die Reise

28.05.2015 by

Die Hauptperson dieses Bilderbuchs ist ein Mädchen. Ein Mädchen mit einem roten Kreidestift. Offensichtlich ist dem Mädchen langweilig in ihrem Zimmer. So nimmt sie ihren Stift und malt eine rote Tür durch die sie in die Welt hinaus marschiert. Ganz wundersam wird ihre Reise, denn sie kann sich, je nach Situation, andere Transportmittel  und Hilfsmittel zeichnen. So geht die Reise los in einem roten Schiff, dann mit einem roten Ballon und einem fliegenden Teppich. Zeichnend meistert das Mädchen alle Abenteuer, sei es in Märchenstädten, in der Luft oder im dunklen Wald. Ganz zum Schluss findet sie endlich das, was sie eigentlich gesucht hat: Einen Jungen, mit einem blauen Stift.

Aaron Becker hat mit diesem Bilderbuch ein kleines Kunstwerk geschaffen. Ganz ohne Text kommt das Buch aus, es sind einzig die fantastischen Bilder die erzählen, die verlocken zum Eintauchen, zum Selbererzählen, zum Fabulieren und zum stundenlangen Entdecken von Details. Für Kinder ab 4 Jahren ist das Buch genauso zu empfehlen wie für Erwachsene.

Aaron Becker: Die Reise. Gerstenberg 2015 ISBN 978-3-8369-5784-7

Rezension: Maria Riss

 

Stefanie Taschinski: Funklerwald

02.03.2015 by

Lumi,funkler2 das Luchsmädchen, lebt im Funklerwald. Hier kennt sie alle Tiere, hier fühlt sie sich sicher und daheim. Eines Tages zieht nun eine Waschbärenfamilie in den Wald. Waschbären kennt man im Funklerwald nicht. Waschbären stinken und fressen den andern Tieren das Futter vor der Nase weg, so die Meinung der Tiere. Lumi sieht das anders. Sie hat sich bereits mit Rus, dem Waschbärenjungen, angefreundet. Rus ist nett, mit Rus kann man wundervoll spielen und Rus hat sie gerettet, als sie in eine tiefe Felsspalte gefallen war. Zudem hat er vier niedliche winzige Geschwister, die ganz dringend ein warmes Zuhause brauchen. Die anderen Tiere von ihren Vorurteilen abzubringen, das ist nicht einfach. Aus diesem Grund machen sich Lumi und ihr neuer Freund auf, um den Wandelbaum zu finden. Der Wandelbaum bestimmt, wer im Funklerwald leben darf. So viel wird erzählt von diesem Baum, aber kein Tier hat ihn bis anhin gefunden. Die Reise durch Wälder und Sümpfe ist für Lumi und Rus überaus gefährlich und wenn sich die beiden unterwegs nicht mit den Fledermäusen angefreundet hätten, wer weiss, ob dies alles zu einem guten Ende gekommen wäre.

Es geht in diesem Buch um Toleranz gegenüber andern, um das Zusammenhalten und den Mut, zur eigenen Meinung zu stehen. Stefanie Taschinski hat ein Buch geschrieben, das alles mitbringt, um ein Vorleseklassiker zu werden: Die beiden Protagonisten schliesst man beim Lesen sofort ins Herz, der Plot ist überaus spannend, die spezielle Stimmung und Atmosphäre des Funklerwalds hat die Autorin ganz wunderbar in Worte gefasst und das Buch ist in überschaubare Leseportionen eingeteilt, die das Vorlesen und auch Unterbrechen erleichtern. Die vielen Bilder helfen zudem, dass auch kleinere Kinder ab etwa 7 Jahren der Handlung folgen können. Zum Selberlesen ab etwa 9 Jahren.

Stefanie Tschinski: Funklerwald. Oetinger 2015. ISBN 978-3-7891-4807-1

Rezension: Maria Riss

Christina Ebertz: Der Ursuppenprinz

01.12.2014 by

PrinzDoro hat es mit ihrer Familie wahrlich nicht einfach, die sind alle so etwas von klug und schlau. Ihr Papa ist Mathematikprofessor und hat soeben eine ganz wichtige Auszeichnung erhalten, ihre Mama ist daran, mit einem neuen physikalischen Experiment ihren Professorentitel zu bekommen und Doros Zwillingsbrüder, die sind so schlau, dass sie bereits mehrere Klassen übersprungen haben, zwei richtige kleine Einsteins sind das! Doro nimmt es mit dem Lernen und der Schule nicht ganz so genau, sie setzt Prioritäten und manchmal ist es einfach wichtiger, einer Freundin zu helfen, als die Schulbank zu drücken. Aber dann passiert etwas, das Doros Leben tatsächlich aus dem Gleichgewicht bringt: Ein kleiner, daumengrosser Prinz taucht auf. Doro versteckt den kleinen, so altmodisch daherredenden und überaus neugierigen kleinen Prinzen so gut sie kann, aber das alles hilft nichts, denn kleine Prinzen wollen mitreden und sie wollen beachtet werden, das vor allem.

Diese unglaublich lustige Geschichte lebt von Übertreibungen, der temporeichen Erzählweise und der Figur von Doro. Gute Schulnoten, damit kann sie nicht glänzen, aber sie ist die einzige in dieser oberklugen, verrückten Familie, die sich auch in brenzligen Situationen zu helfen weiss. Doro ist selbstbewusst und mutig, Doro schaut nicht einfach zu, sie unternimmt etwas, wehrt sich, auch gegen Normen und Vorurteile. Kinder, vor allem natürlich Mädchen, werden von dieser Heldin begeistert sein. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, es ist von Beginn an spannend und in kurze Leseportionen eingeteilt. Ein Lesevergnügen für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Christina Ebertz: Der Ursuppenprinz. Beltz 2014. ISBN 978-3-407-82056-3

Rezension: Maria Riss

Kai Meyer: Phantasmen

19.08.2014 by

Rain und ihre SchwPhantasmenester Emma befinden sich auf dem Weg zu der Stelle, an der ihre Eltern vor genau drei Jahren bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Hier, so haben sie ausgerechnet, müssten bald ihre Geister erscheinen. Weltweit erscheinen seit einiger Zeit die Geister der Verstorbenen – und zwar an genau den Stellen, an denen sie gestorben waren. Bisher waren diese Erscheinungen harmlos, jetzt hat sich das aber geändert: Die Geister beginnen plötzlich zu lächeln. Ein tödliches Lächeln – denn jeder stirbt, der sich in dessen Nähe befindet. Noch schockiert von dieser neuen Entwicklung, treffen die Schwestern an der Absturzstelle auf Tyler, der beim Flugzeugunglück seine Freundin verloren hat. Durch jahrelange Nachforschungen hat er herausgefunden, dass dieser Absturz möglicherweise gar kein Unfall war. Gemeinsam wollen sie das Geheimnis um den Flugzeugabsturz aufklären und merken dabei bald, dass dieser Flugzeugabsturz mit den tödlichen Geistererscheinungen eng verknüpft ist. Eine spannende und rasante Verfolgungsjagd beginnt!

Als bekannter Vertreter der Phantastik hat Kai Meyer schon diverse erfolgreiche Bücher und Reihen veröffentlicht, die in vielen Übersetzungen vorliegen. Mit seinem neuen Buch «Phantasmen» ist ihm erneut ein äusserst spannender und packender Roman gelungen. Die phantastische Idee der todbringenden, bösartig lächelnden Geistererscheinungen ist in eine durchdachte Handlung verpackt, die durchaus auch sozialkritische Themen beinhaltet. Als Lesende macht es Spass, den Ideen und der Handlung zu folgen und das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite so spannend, dass es fast nicht mehr weggelegt werden kann. Auch die Protagonisten tragen zu diesem Leseerlebnis bei: Sie bieten viel Identifikationspotential und laden stark zum Mitfühlen und –leiden ein. Empfohlen wird dieses Buch für Jugendliche ab ca. 14 Jahren.

Kai Meyer: Phantasmen. Carlsen 2014. ISBN: 978-3-551-58292-8

Rezension: Claudia Hefti

Lorenz Pauli/Kathrin Schärer: 10 Wünsche

18.08.2014 by

wuenscheEine Fee mit knatterndem Motor und ratternden Propellern fliegt zum Fenster rein. Sie wird 10 Wünsche erfüllen. Leider hört sie wegen des Lärms nicht besonders gut. Statt einem Pferd zaubert sie einen Herd. Statt dass die Schule brennt, zaubert sie einen Schuh, der rennt. Eine Kiste mit Edelsteinen wird zur Kiste mit wedelnden Schweinen. Als es dem Erzähler der Geschichte zu bunt wird, holt er kurzerhand einen Notizblock, worauf er seine Wünsche schreibt. Mit seinem letzten Wunsch wünscht er, dass die Zeit zurück gedreht wird. So beginnt die Geschichte nochmals ganz von vorne. Mit tollen, amüsanten Bildern und sehr wenig Text eignet sich dieses Heftchen ausgezeichnet für Erstleser. Die Geschichte findet sich ebenfalls im Sammelband «3 freche Mäuse».

Lorenz Pauli/Kathrin Schärer: 10 Wünsche. SJW-Heft Nr.2409, erschienen 2012. ISBN: 978-3-7269-0613-9 Erstleseheft

Rezension: Anita Fehr

Gecko: grosse Geschichtenwelt.

18.08.2014 by

geckoGecko ist eine Bilderbuchzeitschrift und wurde für Familien mit 4 bis 6 jährigen Kindern konzipiert. Sie bietet Vorlesegeschichten von bekannten Bücherschaffenden, in der Zeitschrift bekommen aber auch junge Talente eine Chance. Es gibt darin nebst Geschichten auch Sprachspiele, Rätsel, Alltags-Experimente und Lesetipps. Gecko erscheint alle zwei Monate, wird von der Stiftung Lesen empfohlen und ist frei von Werbung.
14 dieser Geschichten aus der Zeitschrift wurden nun in einem Sammelband zusammengestellt. Das sind sozusagen 14 Bilderbücher in einem Band – die besten Vorlesegeschichten mit farbenfrohen Illustrationen. Die liebevoll ausgesuchten Geschichten haben genau die richtige Länge für eine Gute Nacht Geschichte und sie haben abwechselnd Mädchen, Jungen, Tiere oder Dinge als Hauptdarsteller. So ist für jedes Kind eine Lieblingsfigur dabei. Der Zirkusfloh Rastelli beispielsweise freundet sich mit dem Wolf an, in dessen Fell er sitzt. Am Ende sind beide glücklich darüber, dass sie keine Langeweile mehr haben. Oder die fantastische Geschichte von der Schnecke, die auf der Himmelsleiter bis ganz nach oben klettert und für den langen und beschwerlichen Weg nach unten zum Glück eine Art «Lift» nehmen kann. Besonders die eigenwilligen Illustrationen machen den Sammelband zu einem ganz besonderen Bilderbuch-Erlebnis für Kinder im Kindergarten oder an der Unterstufe.

Gecko: grosse Geschichtenwelt. Von Himmelsleitern, Stink-Wettbewerben und Zauberhaaren. mixtvision 2013. ISBN: 978-3-93943-579-2

Rezension: Almut Hansen

Irina Korschunow/ Reinhard Michel: Kleiner Pelz

18.01.2014 by

pelzKleiner Pelz geht es gar nicht gut. Sein bester Freund Brunopelz ist weggezogen und zudem ist die Brümmeltante zu Besuch, die dauernd brümmelt und meckert. Nur wenn seine Mutter ihn krault und von Elfen, Nebelhexen, Gluckergeistern, Baumkorksen, Höhlenmoffeln und dem gefährlichen Nöck erzählt, geht es dem kleinen Pelz etwas besser. Aber dann mag seine Mutter ihn nicht mehr kraulen, weil er zur Brümmeltante ungezogen war.Kleiner Pelz rennt in den Wald und ist traurig. Eigentlich kennt er den Wald sehr gut, aber heute stösst er auf ein grünes Tor, das er zuvor noch nie gesehen hat. Vorsichtig geht er durch das Tor und entdeckt dort eine Elfe, die weint und ihn um Hilfe bittet. Der gefährliche Nöck aus dem schwarzen Teich hat ihr einen Flügel gestohlen und nun kann die Elfe nicht mehr fliegen. Wenn Kleiner Pelz den Flügel zurückholt, darf er zum Dank einmal mit den Elfenflügeln fliegen. Ob er sich wirklich traut, den Flügel beim gefährlichen Nöck zu holen?
Eine wunderschöne, anrührende Geschichte, in der es um Freundschaft, Einsamkeit, Selbstfindung und Mut geht, geeignet als Lektüre für Kinder ab der 2./3. Klasse. Die anregenden Bilder von Reinhard Michl unterstützen das Leseverständnis. Die Geschichte eignet sich zudem hervorragend zum Erzählen oder Vorlesen während einer Erzählnacht, weil die Erzähldauer etwa eine Stunde beträgt.

Irina Korschunow/ Reinhard Michel: Kleiner Pelz. dtv 2004. ISBN: 978-3-423-75053-7

Rezension: Hans Muggli