Sybille Hein: Prinz Bummelletzter

05.04.2016 by

prinzPrinz Bummelletzter heisst eigentlich Prinz Willibald. Aber weil er immer so langsam ist, weil er immer zu spät kommt, nennen ihn seine so schnellen, älteren Brüder «Bummelletzter», «Kriechgurke», «Lahmschnecke» oder gar «Trödel-Dödel». Sie haben ja recht, seine Brüder, Prinz Willibald hat es nie wirklich eilig und am Morgen schon gar nicht. Immer wieder muss er innehalten, ein bisschen nachdenken, Dinge beobachten und sich Sachen vorstellen. Während Prinz Bummelletzter gemütlich sein Frühstücksei löffelt, sind seine schnellen Brüder immer schon weg. Räuber jagen! Riesen fangen! Drachen schleudern! Eines Morgens entdeckt Prinz Bummel eine Botschaft seiner Brüder auf dem Frühstückstisch: «Liebe Trantüte, wir befreien kurz die Prinzessin.» Eine Prinzessin zu befreien, das ist nicht schlecht. Prinz Bummel macht sich also ebenfalls bereit. Es dauert dann halt seine Zeit, bis er endlich seinen Esel satteln kann. Auch der Weg zur Drachenhöhle bietet so viel Abwechslung, dass Prinz Bummel erst gegen Abend dort eintrifft. Seltsam, überall liegen verbeulte Prinzen rum. Auch seine Brüder liegen irgendwo im Gras. Und der Drache, der ist mittlerweile so müde und erschöpft, dass er beim ersten zarten Stups von Prinz Bummel in Ohnmacht fällt. Jetzt ist der Weg zum Happy End nicht mehr weit. Die Prinzessin umarmt ihren Retter, lobt seinen Mut und seine Kraft und gemeinsam machen sich die beiden auf den Heimweg. Dass dies seine Zeit dauert, dass sich die beiden dabei verlieben und es am Schluss zu einer Hochzeit kommt, das versteht sich von selbst.

Prinz Bummel ist wohl eines jener Bilderbücher, das Kinder immer und immer wieder hören und anschauen wollen. Zu schön sind die vielen detailreichen Bilder, zu vertraut ist die Trödelei des Prinzen, zu spannend und unterhaltsam die Handlung. Ein Bilderbuch, das in einem Guss daherkommt, bei dem nun wirklich alles stimmt. Und die Botschaft? Gut, dass solche Weisheiten mal wieder gesagt werden! Für Kinder ab etwa 4 Jahren, auch ältere werden ihren Spass an dieser Geschichte haben.

Sybille Hein: Prinz Bummelletzter. Hanser 2016. ISBN: 978-3-24751-2

Rezension: Maria Riss

Ralf Leuther: Der kleine Zauberer Wackelzahn und der Gewitterdrache

01.09.2015 by

wackelErst wenn dem kleinen Zauberer Wackelzahn der erste Zahn ausgefallen ist, wird er richtig zaubern können. Dies kann jedoch noch eine ganze Weile dauern und bis dahin passieren ihm beim Zaubern unzählige Missgeschicke.Die erste Geschichte erzählt, wie er sich mit seinen Gefährten Prinzessin Pustilla, Ritter Rübe und Drache Flatterich auf die Suche nach der Krone von König Schläfchen macht. Dieser hat die Krone auf einem Flug über den grossen Wald verloren, da er auf seinem Flugdrachen eingenickt ist. Ohne Königskrone kann jedoch das erste Tanzfest von Prinzessin Pustilla nicht stattfinden. Da auf Wackelzahns Zauberei kein Verlass ist, sind die Gefährten unterwegs auf gute Hilfe angewiesen – die sie zum Glück auch bekommen!
Die fünf unbeschwerten Geschichten dieses farbig illustrierten Buches eignen sich hervorragend zum Vorlesen für Kindergarten- und Unterstufenkinder. Selberlesen können Kinder das Buch ab etwa 8 Jahren.

Ralf Leuther: Der kleine Zauberer Wackelzahn und der Gewitterdrache. Thienemann 2015. ISBN: 978-3-522-18372-7

Rezension: Anita Fehr

Gecko: grosse Geschichtenwelt.

18.08.2014 by

geckoGecko ist eine Bilderbuchzeitschrift und wurde für Familien mit 4 bis 6 jährigen Kindern konzipiert. Sie bietet Vorlesegeschichten von bekannten Bücherschaffenden, in der Zeitschrift bekommen aber auch junge Talente eine Chance. Es gibt darin nebst Geschichten auch Sprachspiele, Rätsel, Alltags-Experimente und Lesetipps. Gecko erscheint alle zwei Monate, wird von der Stiftung Lesen empfohlen und ist frei von Werbung.
14 dieser Geschichten aus der Zeitschrift wurden nun in einem Sammelband zusammengestellt. Das sind sozusagen 14 Bilderbücher in einem Band – die besten Vorlesegeschichten mit farbenfrohen Illustrationen. Die liebevoll ausgesuchten Geschichten haben genau die richtige Länge für eine Gute Nacht Geschichte und sie haben abwechselnd Mädchen, Jungen, Tiere oder Dinge als Hauptdarsteller. So ist für jedes Kind eine Lieblingsfigur dabei. Der Zirkusfloh Rastelli beispielsweise freundet sich mit dem Wolf an, in dessen Fell er sitzt. Am Ende sind beide glücklich darüber, dass sie keine Langeweile mehr haben. Oder die fantastische Geschichte von der Schnecke, die auf der Himmelsleiter bis ganz nach oben klettert und für den langen und beschwerlichen Weg nach unten zum Glück eine Art «Lift» nehmen kann. Besonders die eigenwilligen Illustrationen machen den Sammelband zu einem ganz besonderen Bilderbuch-Erlebnis für Kinder im Kindergarten oder an der Unterstufe.

Gecko: grosse Geschichtenwelt. Von Himmelsleitern, Stink-Wettbewerben und Zauberhaaren. mixtvision 2013. ISBN: 978-3-93943-579-2

Rezension: Almut Hansen

Linda Groeneveld: Ein Elefant für die Prinzessin

28.05.2013 by

Der Königprinzessin hat sich verliebt. In eine Baronesse, die auch gleich in den Palast einzieht. Die kleine Prinzessin findet allerdings gar keinen Gefallen an dieser neuen Situation: Ihr geliebter Papakönig hat kaum mehr Zeit für sie, die Baronesse ist ja so was von etepetete und ihr grösster Wunsch, einen Hund zu bekommen, den kann sie nun auch vergessen. Aber dann, eines Tages, treffen fremde Männer mit einer riesengrossen Kiste im Palast ein. Und was entsteigt da der Kiste? Ein wunderschöner, ausgewachsener Elefant! Die kleine Prinzessin und der grosse Elefant schliessen sofort dicke Freundschaft und die Prinzessin nimmt ab sofort ihren neuen Freund überall hin mit. Ganz egal ob Schlossküche, Badewanne oder Thronsaal. Sie hat sich zwar einen Hund gewünscht, aber der grosse Elefant, der ist auch nicht ganz ohne. Klar, dass die Baronesse ständig schimpft und zetert – klar aber auch, dass sie gegen einen Elefanten schlicht keine Chance hat. Zu guter Letzt kommt alles gut. Papa kommt zur Besinnung und die Baronesse, die zieht dahin, wo der Pfeffer wächst.

Das Buch von Linda Groeneveld besticht einerseits durch die leichte, wunderschön gestaltete Sprache, andrerseits aber auch durch die witzige Geschichte, die zusätzlich von vielen kleinen Übertreibungen lebt (wo stehen einer Prinzessin schon 234 Lakaien zur Verfügung?). Viele Kinder werden sich in der kleinen Prinzessin wiederfinden, werden sich mitfreuen, wenn sie der bösen Baronesse, die manchmal an Fräulein Rottenmeier erinnert, eins auswischt. Und schliesslich sind es die bestechenden Illustrationen, die das Geschehen mit feinem Strich wundervoll ergänzen. Ein märchenhaftes Buch, das vor allem Mädchen ab etwa 8 Jahren begeistern wird.

Linda Groeneveld: Ein Elefant für die Prinzessin. Gerstenberg 2013. ISBN: 978 3 8369 5462 4

Rezension: Maria Riss

Björk/Eva Eriksson: Sieben Prinzessinnen und jede Menge Drachen

17.05.2013 by

Das Bilderbuch enthält sieben Geschichten, für jeden Wochentag eine, die alle von Prinzessinnen und Drachen handeln. Wer das Autorinnenteam kennt, wird ahnen, dass da nie und nimmer von wohlerzogenen, braven Prinzessinnen berichtet wird. Ganz im Gegenteil. Prinzessin Mondschein ist eine total verwöhnte Göre, Prinzessin Freesia ist äusserst kratzbürstig, Prinzessin Sonnenhütchen ist eine Schlafmütze und Sandglöckchen spielt am liebsten Computerspiele. Sie alle begegnen in den einzelnen Geschichten irgendwelchen Drachen. Aber auch diese benehmen sich ganz und gar nicht so, wie man das kennt. Da gibt es Drachen, die haben einen Korkenzieherzahn zum Weinflaschen öffnen, andere sind schrecklich ängstlich und wiederum andere trinken nichts lieber als Kakao mit Schlagrahm. Das neue Bilderbuch ist eine wundervolle Fundgrube für alle, die auf der Suche nach witzig frechen Geschichten und ebensolchen Bildern sind. Ein Buch, das einfach Spass macht, mit dem man sich stundenlang vergnügen kann. Für Kinder ab dem Kindergartenalter.

 

Björk/Eva Eriksson: Sieben Prinzessinnen und jede Menge Drachen. Oetinger 2013. ISBN: 978 3 7891 7778 1

Rezension: Maria Riss

Die schönsten Märchen der Schweiz. Herausgegeben und bearbeitet von Dirk Vaihinger

03.12.2012 by

Es gab schon früher verschiedene Sammlungen von Schweizer Märchen, jene aus den Kantonen Graubünden oder Tessin, aus dem Wallis, der Romandie oder dem Bernbiet. Keines dieser Bücher ist aber noch lieferbar und keine Sammlung wurde so sorgfältig zusammengestellt und überarbeitet wie jene im vorliegenden Band. Dirk Vaihinger ist mit diesem Buch ein Wurf geglückt: Er hat nicht nur ganz besonders lesenswerte Märchen und Legenden zusammengestellt, er hat die Texte auch sprachlich so retuschiert, dass ihr ganz besonderer Duktus erhalten blieb und sie doch auch für heutige Kinder und Jugendliche lesbar sind. Ein Buch für Gross und Klein, das in jede Bibliothek gehört.

Rezension: Maria Riss

Die schönsten Märchen der Schweiz. Herausgegeben und bearbeitet von Dirk Vaihinger. Nagel und Kimche, 2012.

Philip Pullman: Der goldene Kompass

24.09.2012 by

Fantasy- und Abenteuerroman. Lyra lebt mit ihrem Dämon Pantalaimon im Jordan College in Oxford, einer Parallelwelt, die der unsrigen sehr ähnlich ist. Ihr Alltag wird durchbrochen, als sie versteckt eine geheime Sitzung im College belauscht, an der auch ihr Onkel Lord Asriel teilnimmt. Dort erfährt Lyra erstmals von der Existenz des kosmischen Staubes. Zur gleichen Zeit verschwinden in ihrer Umgebung plötzlich Kinder. Eines Tages ist auch Roger, Lyras bester Freund unauffindbar.

Als ihr die schöne, aber eiskalte Mrs. Coulter anbietet, sie mit auf eine Reise in den Norden zu nehmen, geht Lyra mit ihr. Doch bald muss sie erfahren, dass Mrs. Coulter die Leiterin jener geheimen Organisation ist, die für das Verschwinden der vielen Kinder verantwortlich ist und so flüchtet sie von ihr. Nach und nach wird Lyra klar, dass Mrs. Coulter ihre Mutter und Lord Asriel ihr Vater ist. Dieser wird in der Arktis gefangen gehalten und auch die verschwundenen Kinder wurden dorthin gebracht.

So begeben sich Lyra und ihre Freunde auf eine Reise in den hohen Norden. Lyras Helfer ist ein Althiometer, ein Instrument, mit dem Lyra die Zukunft lesen kann. In Bolvangar, einer Region, die Angst und Schrecken verbreitet, trifft sie auf gefährliche Panzerbären, zerstrittene Hexenclans, einen mutigen Aereonauten und machthungrige Wissenschaftler, die in düsteren Labors verbotene Experimente an Kindern und ihren Dämonen durchführen. Lyra gelingt es schliesslich mit List und einer ihren zahlreich erfundenen Geschichten, das Labor zu zerstören, um dann mit den anderen Kindern die Flucht anzutreten.

Sie erkennt am Schluss des Buches, dass ihre Welt mit einer anderen Welt verbunden ist. Lord Asriel macht sich auf den Weg in diese Welt und opfert, um eine Verbindung der Welten herzustellen, Lyras bester Freund Roger, der daraufhin stirbt. Mit Lyras Entschluss, Asriel in die unbekannte Welt zu folgen, endet der 1. Band.

Mit seinen über 400 Seiten ist das Buch wohl eher für Lesebegeisterte gedacht und empfiehlt sich zur Lektüre ab etwa 12 Jahren. Inhaltlich ist der Plot eher anspruchsvoll, da die Thematik und die Geschichte recht komplex sind. «Der goldene Kompass» ist aber ein spannender, packender und unterhaltsamer Roman, der Jugendliche wie Erwachsene in seinen Bann zu ziehen vermag.

Pullman verstrickt geschickt Elemente des Abenteuerromans, des Thrillers, der Fantasy sowie des Märchens und führt Lesende in eine magische Parallelwelt voller Geheimnisse und Gefahren. Im Buch vermischen sich phantastische Realitäten mit der menschlichen Wirklichkeit, sowie wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Religion. Das Buch wurde im Dezember 2007 verfilmt.

«Der goldene Kompass» ist der erste Band einer Trilogie. Thema aller Bücher ist das Erwachsenwerden. Im Heyne Verlag sind auch die beiden Folgebände erschienen: «Das magische Messer» und «Das Bernsteinteleskop».

Rezension: Claudia Rüetschi

Dieses Buch ist auch als Hörbuch erschienen. Die beiden Versionen des gleichen Textes ermöglichen unterschiedliche und differenzierende Zugänge.

Philip Pullman: Der goldene Kompass. Wilhelm Heyne Verlag, 1996.

Märchen verfremden

19.03.2012 by

Eine Unterrichtsidee von Maria Riss, Zentrum Lesen (Rundschreiben, 2011/21)

Es gibt eine Vielzahl von klassischen Märchenvorlagen, die von Autorinnen und Autoren verändert wurden, z.B. Janosch, Christa Wolf, Günter Grass oder Philippe Dumas. In der folgenden Idee werden Schülerinnen und Schüler angeleitet, selbst ein bekanntes Märchen zu verfremden. Dabei werden die nach klaren Regeln und Mustern geschriebenen Märchen als literarische Vorlage für das eigene Schreiben genutzt. Schülerinnen und Schüler imitieren Formulierungs- und Handlungsmuster und entdecken dadurch neue Ausdrucksmöglichkeiten …

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Ein Schwein gibt Gas

23.02.2012 by

Es war einmal ein Schwein, das liebte die Geschwindigkeit. Ständig sass es am Steuer seines kleinen Cabriolets, bis es eines Abends wegen einer Panne mitten in der grünen Landschaft steckenblieb. Kühe können zwar keine Autos flicken, dachte das Schwein, aber Kühe wissen vielleicht, wo sich ein Automechaniker auftreiben lässt. Das Schwein bekam von einer wohlerzogenen Kuh tatsächlich Auskunft und fand nach einem kurzen Fussmarsch eine Autowerkstatt und dort auch einen Mechaniker, der sich mit ihm auf den Weg machte. Es wurde dunkel – und mit jedem Schritt wurde der Mechaniker mürrischer und das Schwein bekam es mit der Angst zu tun. Zu Recht, denn kurze Zeit später erkannte es das wahre Gesicht des Automechanikers, unter der Mütze und dem hochgestellten Kargen verbarg sich die böse Fratze eines Wolfes…

Erstlesebücher dürfen witzig und komisch sein, sie können Märchen parodieren und sollen spannend sein. Sie müssen so gut unterhalten, dass auch Kinder, die noch langsam lesen, mit der Lektüre gar nicht mehr aufhören wollen. Ein solches Buch ist die Geschichte vom Schwein, das nicht nur gerne schnelle Boliden fährt, sondern sich zu guter Letzt auch als wahrer Held entpuppt. Eine Lese- und Vorlesespass für Kinder ab etwa 7 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Christian Oster & Dorothée de Monfreid: Ein Schwein gibt Gas. Moritzverlag, 2011. Erstlesebuch.