Ally Kennen: Bullet Boys. Thriller

28.05.2013 von

Die Protagonistebulletn des Buches sind drei Jugendliche, die aus völlig verschiedenen Milieus stammen und auch sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben haben: Da ist Alex, der bei seinem Vater in der Wildnis lebt, der sich auskennt mit Tieren, mit Waffen und Fallen und der auch mit der Tatsache klar kommt, dass er oft alleine ist. Und da ist Max, aus sehr noblem Haus, Max, der alle Grenzen radikal austesten will, bei dem man nie weiss, ob er in der nächsten Minute ausrastet. Und schliesslich Levi, der es gern harmonisch hat, der nicht auffallen will, den aber alle mögen. Max, Alex und Levi entdecken durch Zufall ein offensichtlich illegales, riesiges Waffenlager aus Beständen der Armee. Das Lager liegt zwar im militärischen Sperrgebiet, aber niemand scheint sich darum zu kümmern. Die Vorstellung ein richtiges Maschinengewehr in Händen zu halten, ist einfach zu verlockend, vor allem für Max. Im Gebiet gibt es aber ein paar Soldaten, die dieses Waffenversteck ebenfalls ausräumen wollen. Was für die drei Jugendlichen harmlos beginnt, entwickelt sich für die drei innert kürzester Zeit zu einem lebensgefährlichen Albtraum.

Die ersten Kapitel des Buches erscheinen beim Lesen tatsächlich eher harmlos. Ganz allmählich wird aber die Spannung aufgebaut und bald kann man die Lektüre kaum mehr aus den Händen legen. Nicht nur der Plot ist sehr mitreissend, es sind auch die Handlungen und Sichtweisen der drei Jugendlichen, deren Beschreibung der Autorin so glaubhaft gelungen ist. Unvorhersehbare Wendungen, Figuren, deren wahre Gesichter man erst im Laufe der Geschichte erfährt, das alles trägt dazu bei, dass das Buch den Untertitel «Thriller» tatsächlich verdient.

Ally Kennen: Bullet Boys. dtv 2013. ISBN: 978 3 423 71535 5

Rezension: Maria Riss

 

T.A. Wegberg: Klassenziel

03.12.2012 von

Jamie ist siebzehn Jahre alt, er beginnt in Berlin bei seinem Vater ein neues Leben. Wie es dazu kam? Das erfahren Leserinnen und Leser häppchenweise, in kurzen linear erzählten Rückblenden. Es begann schon sehr früh, sein älterer Bruder Dominik war ungeschickter als er, weniger herzlich, man durfte ihn kaum anfassen, er war schlechter in der Schule und kapselte sich immer mehr ab. Dominik hatte kaum Freunde und verschwand immer wieder. Und dann passierte es: Dominik schaffte das Klassenziel nicht und lief in seiner Schule Amok. Siebzehn Leben löschte er aus. Für Jamie und seine Eltern begann ein Albtraum. Und nun lebt Jamie seit kurzem bei seinem Vater in Berlin. Radikal musste er sein «altes» Leben zurücklassen, niemand hier darf wissen, was geschehen ist. Das ist schwer auszuhalten und manchmal schier zum Verzweifeln. Aber Jamie will weiterleben und er findet mit der Zeit auch Freunde, nicht zuletzt deshalb, weil Jamie stundenlang Gitarre übt bis er in einer Band mitspielen kann.

Das Buch ist in einer sehr einfachen Alltagssprache geschrieben, auch die Erzählweise stellt keine hohen Ansprüche an die Lesekompetenz von jugendlichen Leserinnen und Lesern. Die Story beeindruckt und fesselt, weil man Seite um Seite zumindest in Ansätzen begreift, wie es zu einem solch grausamen Massacker kommen konnte. « Klassenziel» ist keine hohe Literatur und doch empfehlenswert, weil Jamies Gefühle und seine Versuche die Tat seines Bruders irgendwie zu verstehen und zu bewältigen eindrücklich beschrieben werden. Der Text wird mit Sicherheit Fragen aufwerfen, Diskussionen anregen und viele Jugendliche faszinieren.

Rezension: Maria Riss

T.A. Wegberg: Klassenziel. rororo, 2012.

Mary Hooper: Geheimnisvolles Vermächtnis

24.09.2012 von

Die Geschichte spielt im Jahre 1861. Die fünfzehnjährige Grace lebt mit ihrer Schwester Lily in einem der ärmsten Viertel Londons. Als schliesslich ihre Unterkunft von der Stadtverwaltung beschlagnahmt wird, man will dort teure Mietwohnungen bauen, landen die beiden endgültig auf der Strasse. Grace findet schliesslich Arbeit in einem Bestattungsinstitut, weil sie so tragisch dreinblicken kann. Ihre geistig zurückgebliebene Schwester soll im gleichen Institut in der Küche arbeiten. Das heisst 14 Stunden schuften jeden Tag, ohne Lohn und ohne Freizeit. Was die beiden Schwestern in ihrem Elend nicht mitbekommen, ihr Arbeitgeber aber sehr wohl weiss: Grace und Lily werden per Zeitungsanzeige als Erbinnen eines enormen Vermögens gesucht. Der skrupellose Arbeitgeber will sich diese Erbschaft nicht entgehen lassen und so geraten die beiden Schwestern in lebensbedrohende Schwierigkeiten. Es ist nicht nur die eindrückliche Beschreibung des Lebens zu viktorianischer Zeit in London, welche dieses Buch auszeichnet, es ist vor allem der spannende Plot. «Page Turner» heisst das moderne Fachwort dafür – einmal begonnen, wird man das Buch kaum mehr weglegen können. Und dass diese ganze himmeltraurige Geschichte der beiden Schwestern mit einem Happyend schliesst, das tut beim Lesen richtig gut! Mary Hooper hat einen Krimi aus der Zeit und der Umgebung von Charles Dickens geschrieben. Die Geschichte wird viele Jugendliche ab etwa 13 Jahren begeistern.

Rezension: Maria Riss

Mary Hooper: Geheimnisvolles Vermächtnis. Berlin Verlag, Bloomsbury, 2010.

Peter Cocks: Long Reach

04.07.2012 von

Eddie kann es kaum glauben: Sein älterer Bruder ist ermordet worden. «Tut mir leid Kumpel, dein Bruder war ein Held», sagt Tony. Er ist ein Freund der Familie und zugleich Verbindungsmann zum Geheimdienst. Um den Mördern seines Bruders auf die Schliche zu kommen, muss Eddie als V-Mann in dessen Fussstapfen treten. Unter dem Decknamen Eddie Savage wird er in eine Schule eingeschleust, er soll dort so schnell wie möglich Kontakt zu einer gewissen Sophie aufnehmen. Sophies Vater ist verwickelt in dunkle Machenschaften und bald schon ist Eddie, alias Eddie Savage, mittendrin, im skrupellosen Verbrechermilieu. Peter Cocks, Drehbuch- und Fantasyautor, hat einen Krimi geschrieben, der alles bietet, was zu einem guten Thriller gehört: Tempo, Spannung, ein kaum zu überbietendes Glück des Protagonisten (Eddie überlebt mehrere Mordanschläge), schnelle Autos und schöne Mädchen. Ein Buch, das man einfach verschlingt, ohne gross über irgendetwas nachdenken zu müssen – eine ideale Ferienlektüre also, vor allem auch für junge Männer.

Rezension: Maria Riss

Peter Cocks: Long Reach. Dtv, 2012.

Per Olov Enquist: Grossvater und die Schmuggler

30.03.2012 von

Schon einmal bestieg der Grossvater mit seinen Enkeln den Dreihöhlenberg, dies ist nachzulesen im Buch «Grossvater und die Wölfe». Spannend war dieser Aufstieg damals, sie begegneten nicht nur einem Wolf, sondern auch einem riesengrossen Bären. Klar, dass die Enkel wieder auf den Berg steigen wollen, richtige Abenteuer, das mögen sie ganz besonders. Grossvater ist aber nicht mehr der Jüngste, da braucht es einiges an Überredungskunst. Aber «nein» sagen, das konnte Grossvater schon immer schlecht und so machen sie sich auf, den Dreihöhlenberg erneut zu bezwingen. Die kleine Wandergruppe trifft den Bären tatsächlich erneut. Das ist zwar ein bisschen gefährlich, aber auch atemberaubend schön. Allerdings begegnen sie auf dem Berg nicht nur wilden Tieren, auch Schmuggler mit ihrer Ware haben sich da oben in den drei Höhlen versteckt. Die Schmuggler sind bewaffnet und bald wird diese Bergwanderung für Grossvater und seine Enkel lebensbedrohend. Per Olov Enquist erzählt die dramatischen Erlebnisse des Grossvaters mit seinen kleinen Enkeln in einem sehr eigenen, liebevoll ironischen Tonfall. Oft nimmt er sich Zeit, ruhige und eindrückliche Momente detailreich zu beschreiben, dann wieder lässt er Lesende kaum zu Atem kommen, so sehr überstürzen sich die Ereignisse. Grossvater und die Schmuggler ist ein typisches Beispiel für gutes Cross-Writing. Dem Autor gelingt es, Erwachsene und Kinder gleichermassen anzusprechen: Einerseits ist da der spannende Plot, der Kinder faszinieren wird, andrerseits ist es die Figur des Grossvaters, die immer wieder durchscheinen lässt, dass Altwerden beschwerlich ist, dass die Angst vor dem Tod den alten Mann stets begleitet. Nicht nur deshalb eignet sich das Buch ganz besonders gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Per Olov Enquist: Grossvater und die Schmuggler. Hanser, 2011. Krimi.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und der Diebstahlstein

30.03.2012 von

Endlich ist er da, der langersehnte dritte Band von Rico und seinem Freund Oskar. Noch immer hat Rico Mühe, rechts und links zu unterscheiden und wenn er aufgeregt ist, klackern Duzende von Bingokugeln in seinem Kopf. Aber Rico ist mit seiner Mutter in eine grössere Wohnung umgezogen, und dass sein hochbegabter Freund Oskar nun ebenfalls im gleichen Haus wohnt, das ist ein gutes Gefühl. Auch mit Mama und Bühl scheint es endlich was zu werden, die beiden sind in Sri Lanka, sieben Tage Knutschen, ohne Kinder. Rico wohnt in dieser Zeit bei seinem Freund Oskar und schon am ersten Tag finden die beiden im Treppenhaus einen Toten. Mein lieber Schwan! Schon stecken sie mitten in einem neuen turbulenten Abenteuer, das sie bis an die Ostsee führt. Wenn es Oskar nicht gut geht, muss er sich tarnen. In diesem Band ist es eine peruanische Bommelmütze, die er mitten im Frühsommer ständig auf dem Kopf trägt. Aber ganz zum Schluss kann Oskar die Mütze abnehmen und Rico, der ist überzeugt, er habe nun alles Glück der Welt gefunden. Eine herzerweichende, ganz wunderbare Geschichte hat Andreas Steinhöfel geschrieben. Voll von Gemütlichkeit, Spannung, voll von schrägen Figuren und verrückten Zufällen, voll von Wärme und Menschlichkeit. Es ist vor allem auch der prägnante Sprachwitz, der dieses Buch von andern unterscheidet, der einen beim Lesen immer wieder zum lauten Lachen verleitet. Ein wundervolles und einzigartiges Lesevergnügen für Kinder ab etwa 11 Jahren und für Erwachsene.
Für den ersten Band dieser Trilogie erhielt Andreas Steinhöfel den Deutschen Jugendliteraturpreis. Der Autor ist nicht nur ein exzellenter Schreiber, sondern auch ein begnadeter Vorleser. Rico und Oskar gibt es von ihm gelesen auch als Hörbücher.

Rezension: Maria Riss

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und der Diebstahlstein. Carlsen, 2011. Kriminalistische Erzählung.

Bettina Wenzel: Antonellas Reisen. Das grüne Phantom

30.03.2012 von

Antonella überlebte den Schiffuntergang als kleines Baby nur, weil sie in einem Plastikbottich lag. Herr Olafson, ehemaliger Schwimmweltmeister, klammerte sich auf stürmischer See an diesen Bottich und schwamm 7 Stunden und 24 Minuten – bis er endlich ein rettendes Schiff erreichte. Jetzt ist Antonella schon acht Jahre alt und lebt bei Herrn Olafson. Der alte Herr hat vergessen, Antonella in der Schule anzumelden, deshalb können die beiden ihrer Reiselust nachgehen und nach Italien fahren. In Santa Polenta erleben sie dann richtig spannende Abenteuer! Erst will ein fieser Immobilienhai sich Signor Trullos Hotel unter den Nagel reissen, und dann verschwinden auch noch kostbare Juwelen. Das kann doch nur das grüne Phantom gewesen sein, der berühmteste Juwelendieb von ganz Santa Polenta – oder? Bettina Wenzel hat eine muntere und sehr unterhaltsame Feriengeschichte geschrieben, die sich sehr gut zum Vorlesen eignet. Gelungen ist ihr nicht nur der spannende Plot, es sind auch die vielen, zwar nur skizzenhaften, aber doch treffenden Beschreibungen der Protagonisten. Ein unbeschwertes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Bettina Wenzel: Antonellas Reisen. Das grüne Phantom. Sauerländer, 2011. Kriminalistische Erzählung.

Martin Klein & Amber Fuchs: Drei plus zwei Detektei

30.03.2012 von

Jaro, Klara und Morris gehen in die dritte Klasse. Sie  haben zusammen ein Detektivbüro eingerichtet und nennen sich «Die wachsamen drei – Detektei». Weil aber die kleine Schwester von Morris und das Maskottchen Chinchilla in der Geschichte eine entscheidende Rolle spielen, muss der Name im Laufe der Geschichte entsprechend geändert werden. In der Schule  herrscht Monster-Sammelkarten-Fieber, aber eines Tages sind plötzlich alle Karten verschwunden. Jemand muss die kostbaren Karten gestohlen haben, ein klarer Fall für die Detektei! Jetzt werden  Verdächtige unter die Lupe genommen, es werden Befragungen gemacht, Hypothesen erstellt, ein Kiosk wird inspiziert und Personen beschattet – bis die drei diesen besonders kniffligen Fall endlich gelöst haben. Dieses Buch werden die meisten Kinder lieben. Nicht nur, weil eine turbulente und witzige Geschichte erzählt wird, sondern auch weil das Thema Sammelkarten im Kinderalltag so aktuell ist. Zudem ist dieses Buch auch von der Erzählweise her anders: Die Geschichte wird abwechselnd im Lauftext und in farbigen Comics erzählt. Zwischendurch gibt es zudem zahlreiche Cartoons, die einen zusätzlich zum Schmunzeln  bringen. Ein überaus phantasievolles, witziges und ein bisschen schräges Buch für Kinder ab etwa 8 Jahren. Kindergeschichte:

Rezension: Maria Riss

Martin Klein/Amber Fuchs: Drei plus zwei Detektei. Oetinger, 2011. Erstlesecomic.