Mirjam Pressler: Ein Buch für Hanna
30.03.2012 von
Gerade mal 14 Jahre alt ist Hanna, als sie Leipzig verlassen muss. Es ist das Jahr 1939, sie fährt, zusammen mit vielen andern jüdischen Jugendlichen, nach Dänemark. Von dort soll die Reise weitergehen nach Palästina, ins gelobte Land. Weil Hanna noch so jung, klein und mager ist, wird so von allen nur Püppchen genannt. In Dänemark hat es Hanna eigentlich gut, wenn nur das Heimweh zu ihrer Mutter nicht wäre und die ständige Ungewissheit, was mit ihr passieren wird. Aber Nazi-Deutschland macht auch vor Dänemark nicht Halt und Hanna wird, zusammen mit einer Gruppe jüdischer Mädchen, nach Theresienstadt deportiert. Mira, ein Mädchen aus dieser Gruppe, mahnt die andern immer wieder: Aufgeben, das gilt nicht! So kontrolliert sie, dass sich die Mädchen regelmässig waschen, dass sie den sinnlosen Kampf gegen Wanzen und Läuse nicht aufgeben, dass sie ihr Essen einteilen und verteilen. Als Mira an einer Lungenentzündung stirbt, ist es plötzlich Hanna, die für die andern die Verantwortung übernimmt. Hanna hat Glück, mehr Glück als viele andere: Sie lebt, sie überlebt. Sie ist längst kein Püppchen mehr und was sie im Lager erlebt hat, wird sie prägen, für den Rest ihres Lebens.
Mirjam Pressler versteht es wie kaum eine andere Jugendbuchautorin, ihre Figuren so zu beschreiben, dass man sie nach der Lektüre zu kennen glaubt. Die Autorin schreibt bildhaft und präzise, so dass man beim Lesen mittendrin ist im Buchgeschehen. Das geht bei solchen Themen aber auch ganz schön unter die Haut. Die Schicksale bewegen, lassen einen nicht los. Es sind die starken Protagonistinnen, die wunderbaren Menschen, auch im grauenhaften Lageralltag, die einem so beeindrucken, dass man mit dem Lesen trotzdem kaum mehr aufhören kann. Damit die Figuren noch lebendiger werden, hat Mirjam Pressler Passagen eingebaut, in denen die Figuren immer wieder selber zu Wort kommen. Ein fantastisches, tief berührendes Buch für Jugendliche und Erwachsene.
Rezension: Maria Riss
Mirjam Pressler: Ein Buch für Hanna. Beltz, 2011.


