Martin Auer Der wunderbare Zauberer von Oz

01.09.2014 by

ozRoman nach L. Frank BaumEin Wirbelsturm fegt Dorothy aus der Prärie von Kansas in das rätselhafte Land Oz. Während ihr Onkel Henry und ihre Tante Emily zurückbleiben, landen Dorothy und ihr Hund Toto in einer Umgebung, die fremd und unheimlich ist. Das Mädchen muss erfahren, dass nur der Zauberer von Oz ihr helfen kann, wieder in ihre alte Heimat zurückzufinden. Doch um ihm zu begegnen, muss Dorothy sich auf eine Reise begeben, die gefährlich und anstrengend werden wird. Bald hat ihr Alleingang ein Ende und sie gewinnt neue Freunde: Die kluge Vogelscheuche ohne Verstand, den blechernen Holzfäller ohne Herz und den ängstlichen Löwen ohne Mut. Sie alle werden auf dieser Reise über sich hinauswachsen. Es wird die Vogelscheuche sein, die in allen ausweglosen Situationen den passenden Rat weiss; es wird der herzlose Holzfäller sein, dem körperlich nichts anzuhaben ist, der mit viel Gefühl so manche Situation rettet und es wird der ängstliche Löwe sein, der endlich seinen Kräften traut. Als die Fünf sich gemeinsam aus der Gewalt der weissen Hexe befreien, sind sie zu einer starken Gemeinschaft gewachsen, bereit, dem grossen Zauberer von Oz gegenüber zu treten. Ja: Jippeti-jappeti-jak! Dass sich dieser Herrscher in seiner smaragdenen Stadt zuletzt als falscher Zauberer herausstellt, auch das werden die Freunde gemeinsam verkraften. Und am Ende der Geschichte werden alle zurück sein an dem Ort, der genau richtig für sie ist.
Die Geschichte vom wunderbaren Zauberer von Oz ist eine Geschichte von Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dennoch näher kommen und Freundschaft schliessen. Jede der Figuren hat auf ihre Weise genau die Stärken und Schwächen, die es zum Bewältigen und als Ergänzung für das Gegenüber auf dieser anstrengenden Reise braucht. Für jede noch so grosse Herausforderung werden sie gemeinsam eine Lösung suchen und auch finden. Stärke und Selbstvertrauen wachsen ganz von selbst. Es ist auch eine zauberhafte Geschichte vom Erwachsenwerden und von der Idee, an den eigenen Lebenswünschen – auch unter widrigen Umständen – fest zu halten. Martin Auer hat diesen Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1900 sprachlich so überarbeitet, dass auch Kinder von heute den Inhalt und die feinen Zwischentöne verstehen können. Ein spannendes und wunderschönes Buch zum Lesen oder Vorlesen für Kinder ab etwa 11 Jahren.
Die Geschichte ist auch als Hörbuch erhältlich, allerdings in einer andern Version. Zudem wurde der Stoff mehrfach verfilmt und ist als DVD lieferbar.

Martin Auer Der wunderbare Zauberer von Oz. Roman nach L. Frank Baum. Gulliver bei Beltz & Gelberg 2013. ISBN: 978-3-407-74420-3

Rezension: Stefanie Kappus

Charlotte Kerner (Hrsg.): Die fantastischen 6

19.03.2012 by

Diese Anthologie stellt sechs klassische Autorinnen und Autoren der Phantastik vor: die Autorin Mary Shelly und den Autor Bram Stoker aus dem 19. Jahrhundert; drei Schriftsteller – J.R.R. Tolkien, Stanislaw Len und Philip K. Dick – aus dem 20. Jahrhundert und Stephen King, der bis heute noch schreibt.

Das Buch wird mit einem literaturgeschichtlichen Abriss zu den Genren Horror, Science-Fiction und Fantasy eingeleitet. An die Einführung schliessen sich die sechs Porträts auf je etwa 40 Seiten an. Als Leserin oder Leser kriegt man einen detaillierten, lebendigen, sehr persönlichen und tiefschürfenden Einblick in das Leben der Bücher-schreibenden. Geschickt werden die Lebensgeschichten mit der Inhaltszusammenfassung ihrer wichtigsten Werke vermischt.

Es ist einmal mehr beeindruckend festzustellen, wie prägend sich die Kind- und Jugendzeit der Autorinnen und Autoren auf ihre schriftstellerischen Werke ausgewirkt haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass Tolkiens Auenlandschaft im «Herr der Ringe» viele Anlehnungen an die Grafschaft Warwickshire in England aufweist, in der er vier Jahre seiner frühen Kindheit verbrachte.

Anschaulich und lebendig werden die Portäts durch zahlreiche Zitate. Da erklärt zum Beispiel Philip K. Dick (Blade Runner) ganz offen und selbstverständlich, weshalb er nie einen akademischen Abschluss zustande brachte: «Ich habe das, was sie beim Militär eine ‘erbärmliche Enstellung‘ nennen, und das heisst, ‘reiss dich zusammen oder zieh Leine‘. Ich habe es immer vorgezogen, Leine zu ziehen».

Am Schluss des Buches findet sich eine Bilbiographie zu den Werken der vorgestellten Autorinnen und Autoren sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis. Zudem gibt es Kurzinformationen zu den sechs Verfassern dieser Porträts.

Das Buch lässt sich flüssig, ähnlich einem Roman lesen, verlangt aber auch, dass sich Lesende für die Biographien interessieren und bereit sind, mitzudenken. Dieses Buch ist sowohl für literaturinteressierte Jugendliche ab 14 Jahren, als auch für Erwachsene empfehlenswert.

Rezension: Claudia Rüetschi

Charlotte Kerner (Hrsg.): Die fantastischen 6. Beltz&Gelberg, 2010.