Benjamin Tienti: Salon Salami. Einer ist immer besonders

23.03.2017 by

salamiAlles beginnt damit, dass die zwölfjährige Hani Samali (nicht Salami) mit einem scharfen Tomatenmesser eine Bank überfällt. Natürlich wird sie sofort festgenommen. Sie kommt aber nicht ins Gefängnis, wie sie sich das gewünscht hat, nein, sie landet beim Jugendamt. Dort schweigt Hani verbissen. Aber Mira, die nette Frau dort, die lässt nicht locker, die nimmt Hani ernst. Sie bringt das Mädchen erstmal heim. An den folgenden Tagen trifft sie sich aber immer wieder mit Hani und gewinnt deren Vertrauen. Und so kommt schliesslich alles heraus: Hanis Vater hat einen Friseursalon, die Mutter ist seit ein paar Wochen verschwunden. Hani versorgt nicht nur ihren kleinen Bruder liebevoll, sie hilft auch im Salon, putzt dort und kocht Tee für die Kundschaft. Hani hat nun aber herausgefunden, dass ihre Mutter nicht einfach verreist ist, sondern im Gefängnis sitzt. Und dies alles, weil ihr autoritärer Onkel krumme Geschäfte macht. Hani ist ein starkes Mädchen und Hani schmiedet nach dem missglückten Banküberfall einen andern, ziemlich verrückten Plan. Gottlob hilft ihr Mira dabei und so kommt zu guter Letzt doch noch fast alles gut.
«Salon Salami» ist das erste Kinderbuch des Autors, der nebst dem Schreiben an einer Schule in Neukölln unterrichtet. Mit der Geschichte der mutigen Hani ist ihm gleich ein kleiner Wurf geglückt. Der Plot ist spannend, etwas schräg vielleicht, aber auch überaus berührend. Hani ist eine Protagonistin, mit der man gerne befreundet sein würde. In ihr stecken so viel Willenskraft, Engagement und Einfallsreichtum. Überzeugend ist Benjamin Tienti auch die Schilderung des Milieus geglückt, eine Strasse, mit vorwiegend türkischen Läden und Familien. Hier hilft man sich gegenseitig, hier weiss man fast alles voneinander, das ist einerseits gut und gibt Halt, anderseits gelten hier aber auch sehr strenge Hierarchien und ganz klare Regeln, wie man miteinander umzugehen hat. Und Hanis Verhaltensweisen passen da nicht immer ganz dazu. Ein spannendes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Benjamin Tienti: Salon Salami. Einer ist immer besonders. Dressler 2017. ISBN: 978-3-7915-0047-8

Rezension: Maria Riss

Andreas Steinhöfel: Dirk und ich

14.11.2016 by

dirkKindheitsgeschichten
Endlich ist das allererste Buch von Andreas Steinhöfel wieder neu herausgekommen! Zwei Geschichten sind sogar neu in diesem Band. Dirk und Andreas, das sind die Brüder Steinhöfel, denen immer wieder ganz viele lustige Sachen in den Sinn kommen. Die Geschichten erzählen von der offensichtlich recht abenteuerlichen Kindheit der beiden. Jedes Kapitel erzählt eine in sich abgeschlossene Lausbubengeschichte. Kaum zu glauben, wie einfallsreich, witzig und frech diese beiden Bengel waren, wie chaotisch es in dieser Familie zu und her ging. Es geht an allen Streichgeschichten immer wieder um Geheimnisse, vor allem um solche, die Erwachsene nicht wissen dürfen. Kinder werden dieses Buch lieben, aber auch erwachsene Vorleser und Vorleserinnen kommen nicht zu kurz: Wie kaum ein anderer versteht es der Autor humorvoll, locker und leicht zu erzählen und man spürt immer wieder, wie nah er seinen kindlichen Helden ist. Dies alles ist gewürzt mit ein bisschen Poesie, ganz wunderbaren Wortspielen und fantastischen Bildern von Peter Schössow.
Im Nachwort schreibt Andreas Steinhöfel: Damit Geschichten spannend und lustig sind, muss man manchmal ein bisschen «dazuerfinden», ein Kern von Wahrheit steckt aber in jeder dieser Erzählungen. Die einzelnen Geschichten lassen sich unabhängig voneinander lesen. Ein Gute-Laune-Buch für Kinder ab 9 Jahren, zum Vorlesen auch für jüngere Kinder.

Andreas Steinhöfel: Dirk und ich. Carlsen, Neuausgabe 2016. ISBN: 978-3-551-55365-2

Rezension: Maria Riss

 

Martin Widmark: Das Fahrrad-Geheimnis

22.09.2016 by

lasseLasse und Maja, das sind zwei Kinder, die in der schwedischen Stadt Valleby leben, die in die gleiche Klasse gehen und gemeinsam ein Detektivbüro betreiben. Diesmal geht es um ein Fahrradrennen, zu dem sich Lasse angemeldet hat. Der Sieger erhält nicht nur eine goldene Medaille, sondern auch 10’000 Kronen in bar. Klar, dass Maja Lasse hart trainiert, klar, dass Lasse im Rennen alles gibt. Aber Lasse wird letzter. Weil jemand Reissnägel gestreut hat, ist ihm kurz vor dem Ziel der Reifen geplatzt. Nur: Wer hat die Reissnägel auf dem Weg gestreut? Ein klarer Fall für das Detektivbüro Lasse Maja.

Kinderkrimis gibt es zuhauf. Diese Reihe sticht heraus, weil sehr viele Kinder sie nicht nur heiss lieben, sondern weil die Geschichten in einer einfachen, aber nicht banalen Sprache und temporeich geschrieben sind. Die Fälle sind oft verzwickt, da folgt man auch als erwachsene Leserin oft falschen Fährten und will deshalb das ganze Buch zu Ende lesen. Die Schrift ist gross und lesefreundlich, das Layout locker und die Bilder sind nicht nur wunderschön, sie sind zum Verstehen der Handlung auch sehr hilfreich. Eine ideale Krimireihe also für Kinder ab etwa 8 Jahren. Alle Bücher eignen sich auch sehr gut zum Vorlesen. Mittlerweile sind 28 Bände erschienen. Maja und Lasse haben eine kleine Homepage mit Spielen und Informationen zum Autorenteam, verschiedene Titel sind als Hörbuch lieferbar, einzelne Bücher wurden auch verfilmt.

Martin Widmark: Das Fahrrad-Geheimnis. Reihe: Detektivbüro Lasse Maja. Ueberreuter, 2016. ISBN: 978-3-7641-5084-6

Rezension: Maria Riss

Christine Nöstlinger: Detektivgeschichten vom Franz

22.09.2016 by

franzFranz hat einen grösseren Bruder, eine Freundin, die Gabi, und einen Freund, den Erhard. Mit Erhard geht er in die gleiche Klasse, Gabi besucht die Parallelklasse. Da die Eltern von Franz den ganzen Tag arbeiten, bekommt er sein Mittagessen jeweils bei Gabi daheim, die im selben Haus wohnt. Franz hat Gabi gern, aber er hat es nicht immer leicht mit ihr. Sie ist oft launisch, manchmal streitsüchtig und sie besteht darauf, dass er genau das tut, was sie will. So soll er bei all ihren Hobbies mitmachen, obwohl das sehr anstrengend ist, weil Gabi diese Hobbies alle paar Wochen ändert. Nun will sie Detektivin werden und Diebe auf frischer Tat ertappen. Gabi besteht darauf, dass Franz immer dabei ist. Was soll er machen? Wenn er sich nicht alles gefallen lässt und mitmacht, muss er weggehen oder sich mit Gabi streiten. Weggehen will er nicht, da er sonst mutterseelenallein zu Hause wäre und sich streiten mag er schon gar nicht, auch weil da seine Stimme immer schnell ganz piepsig wird. Zum Glück hilft ihm sein Freund Erhard. Trotzdem muss Franz lernen, sich endlich selber durchzusetzen.

Mit Franz hat Christine Nöstlinger eine ganz wunderbare, liebenswerte Figur geschaffen, diese werden die meisten Kinder bereits von den vielen verschiedenen Büchern her kennen. Franz ist kein Held, er ist ein ganz normaler Junge, der auch immer wieder mit seinen Schwächen zu kämpfen hat. Gerade dies macht ihn aber so authentisch, so überaus sympathisch. In diesem Band geht es vor allem darum, dass er endlich seine eigenen Bedürfnisse ebenso ernst nimmt, wie jene anderer. Und das nachzulesen ist nicht nur spannend, es ist auch eine gute Botschaft an all die lesenden Kinder. Alle Franz-Geschichten seien an dieser Stelle einmal mehr wärmstens empfohlen. Zum Vorlesen oder zur selbständigen Lektüre für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Christine Nöstlinger: Detektivgeschichten vom Franz. Oetinger, 2010. ISBN: 978-3-7891-2344-3

Rezension: Hans Muggli

Buch des Monats September 2016

30.08.2016 by

index.phpUlf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon. Doch noch ein Fall!
Kommissar Gordon ist in Rente und ihm ist ganz schrecklich langweilig. Buffy, die Maus, ist nun Kommissarin und führt den Polizeiposten alleine. Sie ist null Jahre alt und macht ihre winzige Grösse mit viel Mut und Feingespür wett. Nachts aber, allein im grossen Polizeibett, hört sie ein verdächtiges Kratzen und Schlurfen rund ums Haus. Ach, wär doch der alte Gordon noch da, der wüsste, was zu tun ist! Auch am Tag darauf wäre Gordons Rat und Hilfe nötig: Zwei Kinder sind aus der Waldkita verschwunden. Hans, ein verträumter Eichhörnchenjunge und Karin, ein ziemlich wildes Kaninchenmädchen. Buffy beschliesst kurzerhand, den alten Gordon zu besuchen, vielleicht hat er ja doch ein bisschen Lust, ihr beim Lösen dieses kniffligen Falls behilflich zu sein. Selten hat sich jemand über einen Besuch so gefreut! Natürlich hilft Gordon, sicher finden die beiden die kleinen Ausreisser und selbstverständlich macht die ganze Polizeiarbeit zu zweit sehr viel mehr Spass. Und wer da in der Nacht um die Polizeistation geschlichen ist, das behält Gordon wohl besser für sich.

Auch die Geschichte im dritten Band von Kommissar Gordon ist einfach wunderbar, berührend, mit feinem Humor gespickt und spannend zugleich. Der alte Kommissar, der seine Arbeit so sehr liebt und Buffy, die meist mutige Maus, leben vor, was eine tragende Beziehung ausmacht. Gitte Spee hat das spannende Geschehen mit einmaligen Bildern eingefangen. Man sieht dem Kommissar mit seinen schweren Liedern an, dass er alt geworden ist. Gerade dies macht ihn aber so liebenswert und vertrauenerweckend. Maus Buffy ist das genaue Gegenteil der alten Kröte. Sie ist jung, übermütig und doch auch immer wieder dankbar, wenn der alte Gordon an ihrer Seite ermittelt. So sollten Erstlesebücher sein: In einfacher und doch gestalteter Sprache geschrieben, mit vielen Weisheiten zwischen den Zeilen versteckt, mit einer spannenden Geschichte und solch zauberhaften Illustrationen. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 7 Jahren.

Ulf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon.  Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke. Doch noch ein Fall! Moritz Verlag, 2016. ISBN: 978-3-89565-328-5

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats April 2016

01.04.2016 by

omaDavid Williams: Gangsta-Oma

Bens Eltern sind Turniertänzer. Im Fernsehen schauen sie sich ständig Turniere an und jeden Freitag müssen sie zur Tanzprobe. Ben kann einem echt leidtun, denn jeden Freitag muss er deshalb bei seiner zwar netten, aber so überaus langweiligen Oma verbringen. Oma stinkt nach Kohl und will nichts anderes tun, als mit ihm Scrabble zu spielen. Ben soll auch mal Turniertänzer werden, ganz zum Ärger seiner Eltern will er aber unbedingt Klempner werden.Eines Tages findet Ben bei Oma im Schrank eine Blechbüchse, die ist voller Schmuck und Juwelen. Seine mausarm wirkende Oma muss das Zeugs zusammengestohlen haben, Oma führt ein Doppelleben! Ben kann es kaum fassen und als Oma ihm von all ihren Raubzügen erzählt, kann der Junge die Freitage bei seiner Oma kaum mehr erwarten. Ja und dann, dann planen die beiden ihren ersten riesengrossen Coup: Es sind die Kronjuwelen der Queen, die sie klauen wollen. Gott sei Dank weiss Ben so viel übers Klempnern, so gelangen die beiden über alte Wasserrohre und Leitungen in den Tower. Es ist unglaublich, wie sehr die Juwelen funkeln. Beide wollen zugreifen, als plötzlich eine alte Dame in Pantoffeln und Schlafrock erscheint. Es ist die Queen, die unter Schlafstörungen leidet und sich deshalb nachts oft in den Tower fahren lässt. Gottlob ist Oma auch eine alte Dame und verwickelt die Queen sofort in ein Gespräch und noch besser ist, dass sich die alten Damen auf den ersten Blick mögen und sich unheimlich viel zu erzählen haben. Das überraschende und auch berührende Ende dieser aussergewöhnlichen Geschichte sei an dieser Stelle allerdings noch nicht verraten.
Gangsta-Oma ist ein Buch, bei dem einfach alles stimmt: Ein spannender Plot, zwei Protagonisten, die man trotz ihrer etwas schrägen Art sehr lieb gewinnt, Illustrationen, über die man immer wieder schmunzeln kann und ein Cover, das genauso einladend wirkt wie der Titel des Buches. Die Geschichte lebt nebst der spannenden Handlung vor allem von den vielen Überzeichnungen, den vielen versteckten Pointen und dem englischen Humor. David Williams gehört zu den wichtigsten englischen Kinderbuchautoren und hat diese wunderbare Geschichte in einer sehr treffenden, leicht ironischen Sprache geschrieben. Man sieht beim Lesen förmlich vor sich, wie diese verrückte Oma mit ihrem Rollator um die Ecke flitzt. Ein wunderbarer Lesespass für Kinder ab etwa 9 Jahren und ein ideales Vorlesebuch dazu.

David Williams: Gangsta-Oma. Aus dem Englischen von Salah Naoura, mit Illustrationen von Tony Ross. Rowohlt 2016. ISBN: 978-3-499-21740-1

Rezension: Maria Riss

Taran Bjørnstad / Christoffer Grav: Der Krokodildieb

25.02.2016 by

oddDer neunjährige Odd ist ein Angsthase. Er ist einer, der kaum Freunde hat, einer, der schlecht im Sport ist, einer, den Erwachsene übersehen und Gleichaltrige auslachen. Und dann macht die Klasse einen Ausflug in den Zoo. Dort gibt es einen tätowierten, hünenhaften Tierpfleger namens Rolf. Dieser Rolf sieht zwar sehr gefährlich aus, aber er behandelt seine Tiere, Würgeschlangen und Krokodile, überaus gut und er ist auch nett zu den Kindern. Er nimmt ein junges Krokodil in den Arm und ausgerechnet Odd soll es nun streicheln. Odd überwindet seine Angst, fühlt die Krokodilhaut unter seinen Fingern und hat danach ein wunderbares, neues Gefühl im Bauch: Er ist stolz auf sich! Odd wird in diesem Moment klar, dass er dieses Krokodil einfach haben muss. Am nächsten Tag berichten die Zeitungen über ein verschwundenes Krokodil und das Fernsehen zeigt einen völlig verheulten Tierpfleger Rolf, der sich grosse Sorgen um das vermisste Tier macht. Seit Odd das Krokodil in seinem Rucksack aus dem Zoo geschmuggelt hat, fühlt er sich ganz anders: stärker und mutiger. Er traut sich sogar, sich gegen seinen fiesen Sportlehrer zu wehren. Ja, und wie das junge Krokodil wieder in den Zoo zurückkommt, das ist eine andere, verzwickte Geschichte, die man unbedingt selber nachlesen sollte.

Was an diesem Buch besonders besticht, ist das grossartige Zusammenspiel vom Text und den wirklich ungewohnten Illustrationen. Ein bisschen schräg und andersartig sind die Bilder vielleicht, aber umso ausdrucksvoller und so, dass man den liebenswerten Odd noch besser verstehen kann. Besonders gelungen ist natürlich auch die Beschreibung des kleinen, am Schluss so mutigen Protagonisten, einem Jungen, der ganz alleine herausfindet, was ihn stärker und tapferer macht. Der sehr spannende Plot wird mit viel Wissen rund um Krokodile ergänzt. Das Buch ist allen Kindern gewidmet, die ein Krokodil brauchen können. Dieser Widmung schliesst sich diese Leseempfehlung an. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Taran Bjørnstad / Christoffer Grav: Der Krokodildieb. Aus dem Norwegischen von Maike Dörries. Beltz 2016.
ISBN: 978-3-407-82109-6

Rezension: Maria Riss

 

Antje Damm: Hat Jesus Fussball gespielt?

23.02.2016 by

dammFred geht in die zweite Klasse. Am liebsten mag er Religion. Da werden so wunderschöne Geschichten erzählt. Fred mag zudem Hunde, nur darf er keinen haben. Wenn Fred keine Schule hat, spielt er am liebsten Fussball, mit seinem Freund Emil. Manchmal dürfen auch die Mädchen mitspielen. Eines Tages nun fliegt der schöne Lederball über die Mauer in den Garten von Nachbar Kruzinna. Der mag keine Kinder und solche, die Lärm machen, schon gar nicht. Wie um alles in der Welt können die beiden den Ball wiederbekommen? Klingeln bringt nichts, bitten auch nicht. Fred und Emil sind schrecklich wütend. Da fällt Fred die biblische Geschichte von Zachäus ein. Jesus hat diesen Wucherer doch einfach gut behandelt und hat es so fertiggebracht, dass Zachäus ein guter Mensch wurde. Ob das bei Herr Kruzinna auch klappen könnte? Die beiden schreiben ihm einen netten Brief. Im Nachbarhaus passiert aber gar nichts. Erst sehr viel später erlebt Fred ein Wunder: Da gehen gleich zwei seiner grossen Wünsche einfach so in Erfüllung.
Antje Damm schreibt in einer sehr einfachen, aber wunderschönen Sprache. Sie macht es Lesenden leicht, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren und deren Perspektive zu übernehmen. Kinder kennen solche Situationen, der Umgang mit griesgrämigen Erwachsenen ist ja auch wahrlich nicht einfach.
Für Kinder, die lesen lernen, müssen Geschichten schnell fortschreiten, sie müssen spannend sein und – damit sich die Mühen beim Erschliessen auch lohnen – viel Spass machen. Die Geschichte von Fred und seinem verschwundenen Fussball bietet all dies und ist zudem genauso liebevoll und treffend illustriert, wie die Handlung es vorgibt. Für Kinder ab 8 Jahren, zum Vorlesen auch für Jüngere geeignet.

Antje Damm: Hat Jesus Fussball gespielt? Mit Bildern von Katja Gehrmann. Moritz Verlag 2016. ISBN: 978-3-89565-318-6

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats Januar 2016

04.01.2016 by

mondAndreas Steinhöfel: Wenn mein Mond deine Sonne wäre
Mit Bildern von Nele Palmtag und Musik von Sergei Prokofjew und Georges Bizet
Max ist etwa acht Jahre alt und wohnt in einer kleinen Stadt. Sein Grossvater wohnt im gleichen Ort, nur leider im Pflegeheim, hinter verschlossenen Türen. Max hat Sehnsucht nach seinem Grossvater, überall in seinem Körper. Diese Sehnsucht wird so gross, dass Max an einem Sommermorgen ganz früh aufsteht, einen Rucksack packt und sich zum Pflegeheim aufmacht. Heute ist der Tag, heute wird er mit Grossvater ausreissen und einen Ausflug machen. Max kennt den Türcode der Pflegestation längst und Max liebt seinen Grossvater so sehr, dass er an diesem Tag auch mutig genug ist. Die Flucht gelingt. Dass Fräulein Schneider, schnell wie ein Wiesel, ebenfalls durch die offene Tür schlüpft, das merken Max und Grossvater erst auf dem Weg zum Bus. Endlich erreichen sie die wunderschöne Wiese am Stadtrand. Sie setzen sich ins Gras und reden, der alte Mann und sein Enkel Max. Fräulein Schneider hat es eher mit dem Tanzen. Wundersame Sprünge vollführt sie im Sonnenlicht, schliesslich war sie früher Balletttänzerin. Es ist klar, dass die drei gesucht und schliesslich gefunden werden. Auch wenn die Erwachsenen böse sind und schimpfen, dieser Ausflug, die Nähe und das Gespräch mit dem Grossvater, die grosse Freude über die Weite und den Geruch dieser Wiese, all das wird Max nie vergessen, sein ganzes Leben nicht. Es geht um Liebe in dieser Geschichte, um Erinnerungen, es geht ums Loslassen, um Vertrauen und Geborgenheit. Und zwischendurch, wie könnte es bei Andreas Steinhöfel anders sein, kann man beim Lesen auch immer wieder schmunzeln.

Das Buch enthält eine Hör-CD, auf der Andreas Steinhöfel diese wunderbare Geschichte in überaus gekonnter Manier vorliest. Zwischendurch lässt er Leserinnen und Leser verweilen, da gibt es mit Musik gefüllte Nachdenk- und Imaginationspausen. Man kann, von Musik begleitet, die Bilder anschauen und den Text nachwirken lassen. Andreas Steinhöfel beweist mit diesem so wunderbar gestalteten kleinen Buch einmal mehr, was für ein grossartiger Erzähler er ist. Es sind die kleinen Worte, die treffenden Bilder, die das ganze Geschehen so beschreiben, dass man als Leserin oder Leser selber auf wundersame Weise an diesem Ausflug teilnimmt. Die einfache, poetische Sprache, die fantastischen Bilder von Nele Palmtag und die Musik von Prokofjew und Bizet helfen mit, dass man all das, was zwischen den Zeilen versteckt ist, besser verstehen kann. Für Kinder ab etwa 6 Jahren, für Grossväter und Grossmütter, für alle, die zwischendurch innehalten möchten.

Andreas Steinhöfel: Wenn mein Mond deine Sonne wäre. Mit Bildern von Nele Palmtag und Musik von Sergei Prokofjew und Georges Bizet. Carlsen 2015. ISNB: 978-3-551-27136-5

Rezension: Maria Riss

Salah Naoura: Chris, der grösste Retter aller Zeiten

20.11.2015 by

retterChris ist bald 12 Jahre alt. In der ganzen Schule ist er berühmt dafür, dass er Gutes tut. Er rettet einfach alles, angefangen bei der alten Oma, die fast unters Auto kommt, bis hin zu Spinnen und Schnecken, die in Todesgefahr schweben. Und dann kommt Titus, ein Neuer, in die Schule. Titus lässt sich einfach nicht helfen, ganz egal, ob bei den Hausaufgaben oder der Suche nach den richtigen Unterrichtsräumen. Aber dann findet Chris heraus, dass Titus in wirklich grossen Schwierigkeiten steckt: Seine Mama liegt seit Langem im Spital und sein Vater kümmert sich überhaupt nicht mehr um ihn und seinen kleinen Bruder Benni. Es ist klar, Titus muss geholfen werden, und zwar sofort. Gleichzeitig merkt Chris aber auch, dass in seiner eigenen Familie nicht alles zum Besten steht. Chris weiss zwar, dass er einmal einen Zwillingsbruder hatte, aber wie der kleine Bruder damals verstorben ist, über das wird in der Familie kein Wort verloren. Als Chris seinen Schulkameraden mit dem kleinen Bruder einfach mit zu sich nach Hause nimmt, bricht die sorgsam gehütete Eisschicht ein. Endlich sprechen die Familienmitglieder miteinander, endlich erfährt Chris die Wahrheit, endlich ist ein Neuanfang möglich. Chris hat seine Familie – und in gewisser Weise auch sich selbst – gerettet.

Der deutschsyrische Autor Salah Naoura – unter anderem Träger des Peter-Härtling-Preises und des Jahres-LUCHS – erzählt in prägnanten Bildern, atmosphärisch dicht und sehr spannend. Selten hat es ein Autor so meisterhaft hingekriegt, ein so weises Buch mit so vielen Botschaften zu schreiben, ohne dass man beim Lesen all dies wirklich wahrnimmt. Die Geschichte ist humorvoll, locker geschrieben und die Lektüre so unterhaltsam, dass man das Buch kaum weglegen mag. Einmal mehr beweist Salah Naoura, dass er zu den ganz wichtigen Autoren der modernen Kinderliteratur gehört. Weil es sich lohnt, über all die versteckten Weisheiten miteinander zu diskutieren, eignet sich das Buch sehr gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Salah Naoura: Chris, der grösste Retter aller Zeiten. Beltz 2015. ISBN: 978-3-407-81198-1

Rezension: Maria Riss