Mette Eike Neerlin: Pferd Pferd Tiger Tiger

22.06.2018 by

Honey beginnt ihre Geschichte mit dem folgenden Satz: Also, es ist so: Meine Mutter hatte kein besonderes Glück mit ihren Kindern. Honeys ältere Schwester Mikala ist mit einem Hirnschaden zur Welt gekommen und Honey selbst mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Deshalb fühlt sich Honey hässlich. Mit ihrer Familie kommt sie zwar einigermassen klar, nur benehmen sich diese alle ein bisschen eigenartig, Honey nennt das «viel zu viel». Ihre Schwester klammert sich so fest an Honey, dass sie nicht mal alleine pinkeln geht. Mama ist Kettenraucherin und packt ihr viel zu viele Süssigkeiten in die Pausenbox, ihr getrennt von der Familie lebender Vater, hält sich mit Dealen über Wasser und benimmt sich manchmal so was von peinlich, dass Honey am liebsten im Boden versinken würde. Honey macht sich häufig unsichtbar und traut sich auch nicht, Irrtümer aufzuklären. Das bringt sie  immer wieder in knifflige Situationen. So sitzt sie wegen einer Verwechslung unfreiwillig in einem Chinesisch-Kurs und lernt dort ein wichtiges Chinesisches Sprichwort «Mama huhu», zu Deutsch Pferd Pferd Tiger Tiger. Und dieses Sprichwort, das passt sehr gut zu Honeys momentaner Situation, es bedeutet so viel wie «soso lala». Und bald wird Honey wieder verwechselt und gerät an das Sterbebett des alten, ihr fremden Mannes Marcel. Der freut sich riesig über diesen unerwarteten Besuch und teilt mit Honey sofort seine Schnapspralinen. Honey, mit ihrem guten Herzen, besucht den alten Mann nun fast täglich und es entwickelt sich eine warmherzige Freundschaft zwischen den beiden. Vielleicht sind es diese Besuche, die Honey helfen, sich schliesslich zu wehren. Sie macht daheim Klarschiff, konfrontiert ihre Familie mit der Wahrheit und bringt damit alle nicht nur zum Staunen, sondern auch dazu, Honeys Bedürfnisse endlich ernster zu nehmen. Und Honey erkennt nun selber: Papa hatte Recht, sie ist wirklich ein toughes Mädchen.
Dieses Buch besticht vor allem durch die einfache, manchmal derbe, humorvolle und doch so feinfühlige Sprache. Und natürlich mit der brillant beschriebenen Protagonistin, die man mit jeder Seite lieber gewinnt. Kinder müssen manchmal so viel aushalten, da ist es gut, wenn sie beim Lesen so toughe Mädchen wie Honey kennenlernen. Honey lernt sich zu wehren, ihre eigenen Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen, wie die von andern. Diese Entwicklung nachzulesen, das ist spannend und berührend zugleich. Das Buch ist zurecht für den Jugendliteraturpreis nominiert und eignet sich auch hervorragend zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 12 Jahren.

Mette Eike Neerlin: Pferd Pferd Tiger Tiger. Aus dem Dänischen von Friederike Buchinger. Dressler 2017. ISBN: 978-3-7915-0034-8

Rezension: Maria Riss

Mareike Krügel: Zelten mit Meerschwein

03.05.2018 by

meersauAnton soll nach den Sommerferien in die dritte Klasse, da sei dann die Welpenzeit vorbei, meint die Lehrerin. Das macht Anton Angst. Er gehört zu jener Sorte von Jungen, die lieber träumen, als raufen, die eher allein sein mögen, als sich in einer grossen Gruppe zu behaupten und die öfters auch mal weinen müssen. Hinzu kommt, dass Mama ihren Job verloren hat und Geld deshalb Mangelware ist. Papa ist ausgezogen und hat keine Zeit für einen Urlaub. Aber Mama hat eine Idee: Eigentlich braucht es für Ferien nur zwei Schlafsäcke, ein Zelt und einen Gaskocher. Mama und Anton machen sich also mit einem grossen Rucksack auf. Zu Fuss, das geht auch. Klar, dass Anton sein Meerschweinchen mitnimmt. Er hat dafür eine wunderschöne Transportbox gebastelt. Auf dem Campingplatz hat es aber keinen Platz mehr für die beiden, kein Grund aufzugeben: «Wir zelten einfach an einem versteckten Ort im Wald. Das ist zwar verboten, aber ein bisschen Ferien haben wir doch wohl beide verdient», meint Mama. Diese Woche im Wald ist einfach wunderschön, vor allem, weil Mama ihrem Sohn gleich am ersten Tag ein richtiges Schnitzmesser übergibt. Stundenlang schnitzt Anton nun Stöcke, Kochlöffel und Speere. Und dann taucht Liane auf, ein rotzfreches Mädchen vom Campingplatz, das nicht nur Antons Schnitz-Kunstwerke bewundert, sondern ihn auch zu allerlei Abenteuern überredet. Und als Mama eines Tages vom Einkaufen einfach nicht mehr zum Zelt zurückkehrt, da macht sich Anton zwar grosse Sorgen, aber er weiss sich zu helfen und geht ganz alleine zum Campingplatz. Mama hatte einen kleinen Unfall und kommt dann Gott sei Dank spät in der Nacht wieder.Am Ende dieser Ferien ist Anton nicht nur körperlich kräftiger geworden, er traut sich viel mehr zu und hat auch weniger Angst vor andern Kindern, jetzt ist er nur noch ab und zu ein Welpe.
Mareike Krüger kennt sich mit verträumten Welpen aus, das merkt man beim Lesen schon auf den ersten Seiten. Viele Kinder werden sich in Anton wiederfinden: Wenn er für sein Meerschweinchen eine prächtige Waldvilla baut beispielsweise, wenn er darüber nachdenkt, wie er sich in der Schule besser wehren könnte oder wenn ihn die Sehnsucht nach seinem Papa übermannt. «Zelten mit Meerschwein» ist ein leises und doch spannendes Buch, in einer einfachen, aber treffenden Sprache geschrieben. Ein Lesestoff wohl eher für verträumte Kinder ab etwa 8 Jahren und zum Vorlesen im Familienkreis wunderbar geeignet.

Mareike Krügel: Zelten mit Meerschwein. Beltz 2018. ISBN: 978-3-407-82352-6

Rezension: Maria Riss

Marieke Smithuis: Lotte und Rose

19.03.2018 by

lotteLotte und Rose sind Geschwister. Und da beide noch ziemlich klein sind, gestaltet sich das Familienleben oft sehr turbulent. In einzelnen, in sich abgeschlossenen Kapiteln erzählt die Autorin von den kleinen und manchmal abenteuerlichen Ereignissen im Alltag der beiden. Da wird etwa berichtet, wie Lotte, die jüngere der beiden, heimlich Katzenfutter isst und wie übel es ihr danach geht. Oder wie sich die beiden im dichten Wald verlaufen. Immer wieder spielen Tiere eine grosse Rolle, als sich die Lotta über ihre Kopfläuse freut beispielsweise, sie mag einfach alle Tiere so gern! Besonders spannend wird es, als eine Familie mit zwei gleichaltrigen Jungs ins Nachbarhaus einzieht. Freundschaft auf den ersten Blick ist das wahrlich nicht, was in den folgenden Kapiteln passiert.
Dieser wunderbare Strauss an Geschichten eignet sich zum Vorlesen vor allem für kleinere Kinder. Dies, weil alle Geschichten etwa gleich umfangreich sind, weil man die beiden Protagonisten schon nach wenigen Seiten sehr gut kennt und ihnen in allen Kapiteln wieder begegnet, weil jede Geschichte einen eignen Spannungsbogen hat, der sich am Ende auflöst und weil die vielen wunderschönen Zeichnungen beim Verstehen helfen. Ein ideales Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Marieke Smithuis: Lotte und Rose. Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik. Gerstenberg 2018. ISBN: 978-3-8369-5927-8

Rezension: Maria Riss

 

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder?

02.09.2017 by

roseDunne geht jetzt in die dritte Klasse. Noch immer vermisst sie ihre allerbeste Freundin Ella Frida, die weggezogen ist. Manchmal hat sie auch schreckliche Sehnsucht nach ihrer Mama, die vor ein paar Jahren gestorben ist. Heute allerdings, da hat Dunne gute Laune, heute macht ihre Klasse nämlich, wie alle dritten Klassen es jeweils tun, einen Ausflug ins Freilichtmuseum. Kaum dort angekommen passiert es: Dunne verliert ihre Klasse. Man müsse in so einem Fall einfach stehen bleiben, hat die Lehrerin ihrer Klasse eingeschärft. Aber wie kann Dunne ihren Platz nicht verlassen, wenn sie von weitem ihre allerbeste Freundin lachen hört. Nichts mehr hält Dunne auf und bald liegen sich die beiden Mädchen in den Armen. Ella Frida ist ebenfalls mit ihrer Klasse im Museum. Klar, dass sich die beiden verdrücken und allein tratschen und spielen wollen. Beide sind einfach unzertrennlich. Erst als ein Parkwächter einschreitet, weil die beiden Lehrerinnen ausser sich sind vor Angst, trennen sich schweren Herzens. Dass es danach ein Donnerwetter gibt, versteht sich von selbst. Aber beste Freundinnen, die müssen einfach jede Gelegenheit nutzen, zusammen zu sein, auch wenn sie dadurch in ziemliche Schwierigkeiten geraten.
Einmal mehr haben Rose Lagercrantz und Eva Eriksson ein wunderbares Kinderbuch geschaffen. Sie beschreiben den ganz normalen Alltag, aber sie machen das in Text und Bild so gekonnt, dass man das Buch kaum vor der letzten Seite weglegen mag. Dunne ist eine Protagonistin, der man ganz nahe kommt, obwohl die Geschichte in einer so einfachen und knappen Sprache verfasst wurde. Die feinen aussagestarken Bleistiftzeichnungen helfen mit, nicht nur den Inhalt, sondern auch Aussagen zwischen den Zeilen besser zu verstehen. Zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 8.

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder? Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. Moritz 2017. ISBN: 978-3-89565-349-0

Rezension: Maria Riss

Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurde

02.09.2017 by

coolMartin hat seit dem ersten Schultag in seiner Klasse einen schweren Stand: Er ist Aussenseiter und wird von der coolen Boygroup «Fabfive» gehänselt, wo es nur geht. Doch dann kommt Karli in die Klasse. Er wird Martins bester Freund und gemeinsam sind sie im Begriff, den Fabfives eins auszuwischen. Die beiden Jungs haben mitbekommen, dass die Fabfives einen nächtlichen Schwimmbadbesuch vorhaben. Wie wäre es, ihnen die Kleider und Handys zu klauen? Martin und Karlis Racheplan geht allerdings gründlich daneben und die Jungen müssen zur Strafe mit Martins Papa und Opa ihre Ferien auf den Campingplatz verbringen. Doch so schlimm wie befürchtet, wird es nicht, ganz im Gegenteil. Es werden tolle Ferien mit Abenteuern, spannenden Mädchen, mit guter Musik und der Entdeckung, dass der Anführer der Fabfives im Grunde ein ziemlich cooler Typ ist.
Das Thema des Buches ist sehr realistisch. Schülerinnen und Schüler jeder Klasse suchen sich ihren Platz in der Gruppe. Da gibt es immer die angesagten Kinder, die von sich überzeugt sind, andere in ihren Bann ziehen können und solche, die eher am Rand der Gruppe stehen. Kinder werden sich in den Figuren aus diesem Grund mühelos wiederfinden. Die spannende Geschichte bietet zu dieser Problematik eine ungewöhnliche und sehr humorvolle Lösung an. Martin und Karli wissen sich zu helfen und geben sich nicht der Opferrolle hin. Das Buch eignet sich für die Kinder der Mittelstufe zum Lesen genauso wie zum Vorlesen. Unterdessen ist der zweite  Band mit dem Titel «Die Nacht, in der ich supercool wurde» von Karli und Martin erschienen. Darin gründen die beiden eine eigene Rockband.

Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurdeISBN: 978-3-7891-4045-7. Oetlinger 2010

Rezension: Rahel Romanowski

Håkon Øvreås : Super-Bruno

02.09.2017 by

brunoZusammen mit seinem Freund Matze baut Bruno eine Hütte aus Holz. Doch die Freude daran ist von kurzer Dauer, da drei ältere Jungen die Hütte zerstören. Bruno ist wütend und traurig. Da sein Grossvater gerade verstorben ist, muss Bruno nun selbst für Gerechtigkeit sorgen. Ein Superheldenfilm bringt ihn auf die Idee: Er verkleidet sich als Brauno, den Superhelden, und bemalt nachts das Fahrrad eines der Täter mit brauner Farbe. Doch am nächsten Tag ist nicht nur dieses Fahrrad bemalt, sondern auch jenes des zweiten Täters. Doch dieses Fahrrad ist schwarz. Gibt es da etwa noch weitere Superhelden, die für Gerechtigkeit kämpfen? Einfallsreichtum, Zusammenhalt unter Freunden und etwas Glück verhelfen Bruno schliesslich zur Genugtuung.

Eine wunderschöne Geschichte über Gerechtigkeit, Freundschaft, Zivilcourage und Verlust. Die für viele skandinavische Geschichten typische Schwermut wird mit viel Charme und gewitzten Wendungen ausgeglichen. Der Tod des Grossvaters wird auf sehr einfühlsame Art und Weise kindgerecht thematisiert, erst am Schluss des Buches kann Bruno seinem Vater endlich sagen, wie traurig er über den Tod seines geliebten Grossvaters ist. Viele kolorierte Strichzeichnungen lockern den Text auf. Das Buch wurde mit dem «Luchs« von Radio Bremen ausgezeichnet und eignet sich für Kinder ab etwa 9 Jahren. Unterdessen ist ein Nachfolgewerk unter dem Titel «Super Matze» erschienen. Die Besprechung finden Sie hier.

Håkon Øvreås : Super-BrunoAus dem Norwegischen von Angelika Kutsch, illustriert von Øyvind Torseter. Hanser 2016. ISBN: 978-3-446-25084-0

Rezension: Jolanda Zimmerli

Marie-Aude Murail: Tristan gründet eine Bande

02.09.2017 by

tristanTristan geht in die dritte Klasse. In seiner Schule gibt es drei Banden. Wenn man in einer Bande ist, dann hat man Schutz vor den andern und braucht sich vor nichts zu fürchten. Tristan hat zwar viele Freunde, nur sind die alle viel kleiner als er, gehen in die erste Klasse. Deshalb will Tristan um alles in der Welt auch ein Bandenmitglied werden, weil er so oft vom fiesen Oliver drangsaliert wird. Dazu muss er allerdings ziemlich schwierige Mutproben bestehen. Tristan traut sich zwar, dem strengen Lehrer eine Hundekot-Attrappe aufs Pult zu legen, aber die letzte Mutprobe, eine richtige Bank zu überfallen, das schafft er nicht. Aber dann hat Tristan die beste Idee überhaupt: Er gründet selber eine eigene Bande. Seine jüngeren Freunde sind alle begeistert und bald hat Tristan die grösste Bande der ganzen Schule um sich geschart. Und zum Schluss kommt alles gut, Tristan gelingt es sogar, den starken Oliver für sich zu gewinnen. Wie er das schafft, das lohnt sich nachzulesen.
Die bekannte französische Autorin hat ein herzerwärmendes Kinderbuch geschrieben. Spannend, voller Sprachwitz und zwischendurch auch richtig berührend. Ein unterhaltsames, wunderbares Leseerlebnis mit einem Helden, den man zu kennen glaubt und den man richtig lieb gewinnt für Kinder ab der etwa 9 Jahren. Zum Vorlesen auch für jüngere Kinder.

Marie-Aude Murail: Tristan gründet eine Bande. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Fischer 2013, 2. Auflage.ISBN: 978-3-596-85487-5

Rezension: Maria Riss

Anna Lott: Tildas Tierbande. Ein Wollschwein im Wohnzimmer

01.08.2017 by

tildailda freut sich sehr, dass ihre Familie an den Trüffelweg umzieht, denn hier hat es einen Bauernhof in der Nähe, hier gibt es Wiesen und Wälder. Tilda wünscht sich nichts sehnlicher als ein eigenes Schaf zu besitzen und im neuen Zuhause scheint es, dass sich dieser Wunsch eher erfüllen wird. Schon gleich am ersten Tag lernt sie das Nachbarmädchen Tomma kennen und gemeinsam schleichen sich die beiden zum nahen Bauernhof. Dort schlüpfen sie unbemerkt in den Stall und entdecken zu ihrer grossen Freude ein seltenes Huhn, ein Angorakaninchen und ein überaus hübsches Wollschwein, das man wunderbar streicheln kann. Das Wollschwein scheint von der Kraulerei der beiden ebenfalls begeistert zu sein und zwar so sehr, dass es den beiden Mädchen nach Hause folgt. Gehorchen kann das Schwein (noch) nicht, deshalb rennt es voller Begeisterung mit in Tildas Haus. Dort schnappt es sich sofort eine Packung Schnapspralinen, frisst diese alle auf und landet danach völlig beschwipst in der Badewanne. Als der Bauer das maledierte Schwein schliesslich abholt, wird vereinbart, dass sich die Mädchen künftig um die drei Tiere kümmern dürfen. Der Bauer hat kaum Zeit dazu und wollte die Tiere eh loshaben. Das Versorgen der Tiere ist aber gar nicht so einfach, vor allem, als ein paar Jungs aus der Siedlung auftauchen, die ebenfalls gerne Schweine kraulen und den Mädchen ein paar ziemlich fiese Streiche spielen. Zu guter Letzt kommt dann aber doch alles gut. Tiere pflegen, das kann man nämlich auch gemeinsam tun.
«Tildas Tierbande» ist ein lustiges, unbeschwertes Buch, das vielen Kindern gefallen wird. Kommen doch all die Themen vor, die etwa 10-jährige Kinder besonders interessieren: Tiere, das erste Beschnuppern des andern Geschlechts und das gegenseitige Austricksen. Die abenteuerliche Geschichte ist in kurze Kapitel gegliedert und die vielen Bilder helfen beim Verstehen. Eine gute Unterhaltungsgeschichte zum Lesen oder Vorlesen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Anna Lott: Tildas Tierbande. Ein Wollschwein im Wohnzimmer. dtv 2017. ISBN: 978-3-423-76186-4

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats August 2017

01.08.2017 by

knroffAndrea Schomburg: Otto & der kleine Herr Knorff
Der kleine Herr Knorff liebt Ordnung, Reinlichkeit und gute Manieren über alles. Dies ist auch der Grund, weshalb er das Land der immer schmutzigen und unhöflichen Knorffe verlässt und durch die Dunkelschlucht ins Reich der Menschen übersiedelt. Ausgerechnet im Schulsack von Otto kommt Herr Knorff wieder zu sich. Hier stinkt es und ordentlich ist es auch nicht. Als Herr Knorff aus dem Schulsack in Ottos Zimmer krabbelt, sieht es dort nicht besser aus. Herr Knorff macht sich deshalb gleich an die Arbeit und räumt das Kinderzimmer auf. Otto ist von diesem kleinen Kerl mit den grossen Ohren gar nicht begeistert, er findet seine Sachen nicht mehr und seine wunderschöne Zeichnung, die findet er im Papierkorb. Dieser Knorff soll doch dahin verschwinden, wo der Pfeffer wächst! Herr Knorff ist masslos enttäuscht, nicht nur wegen der Undankbarkeit von Otto, nein, alle Menschen hier sind absolut unordentlich und haben schreckliche Manieren, da hätte er gleich daheim bleiben können. Ottos Familie wohnt in einem Haus, das Tante Agathe gehört und diese Tante hat sich für einen Besuch angemeldet. Sie will überprüfen, ob in ihrem Haus Ordnung herrscht und ob es sauber ist. Tante Agathe mag niemand in der Familie, weil sie nach Puder stinkt, weil sie dauernd meckert und so überaus pedantisch ist. Nein, Ottos Familie hätte es ohne die Hilfe des kleinen Knorff niemals geschafft, dass Tante Agathe absolut zufrieden und begeistert von der Reinlichkeit in ihrem Haus wieder abzieht. Allen ist klar: Einen Herrn Knorff im Haus zu haben, das ist ganz wunderbar, auch wenn er mit seiner Wohlerzogenheit und seinem Sauberkeitsfimmel manchmal nervt.
Das Thema ist nicht neu, ein Wesen aus einer andern Welt kommt zu einem Menschenkind und bringt dort vieles durcheinander. Das Buch fällt aber aus dem Rahmen, weil dieser kleine Kerl so überaus wohlerzogen ist, weil er mit seinem ständigen Aufräumen alle oft zur Verzweiflung bringt. Kinder werden diese Geschichte mit Sicherheit lieben, zu ungewohnt und witzig sind plötzlich die Ereignisse im Alltag von Otto und seiner Familie. Da ist es gut, dass bereits im Herbst der zweite Band vom kleinen Herrn Knorff erscheinen wird. Ein Lese-und Vorlesespass für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Andrea Schomburg: Otto & der kleine Herr Knorff. cbj 2017. ISBN: 978-3-570-17375-6

Rezension: Maria Riss

 

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind

28.04.2017 by

46431709zEmma geht in die zweite Klasse. Emma hat zwei kleine Brüder, eine Schwester, sie hat eine Mama und einen Papa und sie hat einen kleinen Hund, Wuschel. Emma geht es sehr gut, vor allem auch deshalb, weil sie seit neustem einen Freund hat. Paul kommt jeden Nachmittag vorbei, und dann gehen die beiden mit Wuschel spazieren. Paul, der wünscht sich ja nichts sehnlicher, als selber einen Hund zu haben. Manchmal machen sie lustige Dinge, die beiden, laufen rückwärts oder klettern um die Wette. Als Emma von Paul eine Halskette mit Glitzerherz bekommt, ist ihr Glück kaum zu überbieten. Paul und Emma wollen heiraten, das versprechen sie sich an diesem Tag. Aber dann, ein paar Tage später, wartet Paul nicht an der Hausecke, um mit Emma in die Schule zu gehen und am Nachmittag, da hat er bereits mit seinen Freunden abgemacht, um Fussball zu spielen. Emma wird so traurig, dass sie ständig heulen muss. Da ist es gut, eine ältere Schwester zu haben, die Rat weiss. Jungen sind manchmal so, meint sie, aber dann hört das auch wieder auf. Und bald schon ist es auch bei Paul so. Er verspricht Emma, immer ein guter Freund für sie zu bleiben und das mit dem Heiraten, das wird sich sicher geben, später, wenn beide gross sind.

Sigrid Zeevaert hat eine Geschichte geschrieben, in der sich wohl alle Leserinnen und Leser wiederfinden werden, ganz egal wie alt sie sind. Es geht um Liebe, um Nähe und Distanz, es geht um Abgrenzung, um Freundschaft und Neid. Die Autorin beschreibt Emmas Gefühlsdurcheinander in einer einfachen, aber treffenden Sprache, die schon ganz kleine Kinder verstehen werden. Die gute Gliederung des Inhalts und die grosse Nähe zu dem, was Kinder bestens kennen, machen dieses Buch zu einem idealen Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind. Mit farbigen Bildern von Sabine Büchner. Thienemann 2016. ISBN: 978-3-522-18431-1

Rezension: Maria Riss