Michael de Cock/Judith Vaninstendael: Rosie und Moussa

17.05.2013 von

 

Rosie ist eben mit ihrer Mutter umgezogen. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Wohnung und der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Und das alles auch noch ohne ihren geliebten Papa. Aber schon nach wenigen Tagen trifft sie Moussa, der wohnt ebenfalls im Hochhaus, auch ihm ist oft langweilig. Obwohl es verboten ist, überredet Moussa Rosie, mit ihm aufs Dach zu steigen, da hat man einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt und manchmal, da sieht man sogar das Meer. Er meint: «Wenn man alles bleiben lässt, was Mütter  nicht wollen, dann ist das Leben ziemlich öde». Aber dann passiert es: Die beiden bewundern auf dem Dach die Aussicht währendem der Hausmeister die Tür nach oben mit dem Schlüssel abschliesst -– Rosie und Moussa sind auf dem Dach gefangen. Die beiden gehören aber zu der Sorte Kinder, die niemals aufgeben und sie finden einen Ausweg. Rosie und Moussa, das ist ein grandioses und spannendes Buch. Es nicht nur die einfache und doch gestaltete Sprache, die so Vieles zwischen den Zeilen erzählt und die beiden Hauptfiguren, mit denen sich Leserinnen und Leser schnell und gerne identifizieren werden, es sind auch die fantastischen Illustrationen, die das Geschehen so stimmungsvoll widergeben. Da haben ein Autor und eine sehr begabte Illustratorin zusammengefunden und ein in sich geschlossenes, wunderschönes Ganzes geschaffen. Zum Selberlesen eignet sich das Buch für Kinder ab etwa der 3. Klasse, zum Vorlesen schon für Kleinere.

Michael de Cock/Judith Vaninstendael: Rosie und Moussa. Beltz 2013. ISBN: 978 3 407 82024 2

Rezension: Maria Riss

Francois der Guibert/ Ronan Badel: Cowboy Billy hält nichts auf

16.05.2013 von

Die Geschichte spielt weit, weit weg. In der kargen Landschaft des Wilden Westens.  In Amerika. Billy the Kid ist die Hauptperson. Billy the Kid hat es ausgesprochen eilig. Er rast auf seinem Pferd durch die Prärie und nichts und niemand kann ihn aufhalten. Weder Cowboys noch ein Rodeo, weder die berüchtigte Cassidy-Bande noch die schöne kleine Miss Carter. Billy reitet in rasendem Galopp einfach weiter. Er hat nur ein Ziel: Heute Nachmittag hat seine Mama für ihn einen riesigen Berg Pfannkuchen gebacken! Dieses Buch lebt vom Tempo und den fantastischen Bildern. Ronan Badel hat diese ganz spezielle Stimmung, wie wir sie aus Western kennen, auf wundervolle Weise eingefangen. Schon ganz kleine Kinder werden Billys rasantem Ritt durch den wilden Westen begeistert folgen und diese ganz spezielle «Westernstimmung» wahrnehmen. Und auch der Schluss der Geschichte ist für Kinder mit Sicherheit nachvollziehbar, für einen Berg Süssigkeiten, da würde doch so mancher in vollem Karacho durch die Prärie reiten!

Francois der Guibert/ Ronan Badel: Cowboy Billy hält nichts auf. Gerstenberg 2013. ISBN: 978-3-8369-5430-3

Rezension: Maria Riss

Moni Port: Das mutige Buch

16.05.2013 von

Dieses Bilderbuch ist voll von wunderschönen, ungewohnten und eindrücklichen Bildern und Collagen, die sich mit den Themenbereichen Angst und Mut befassen. Alle Menschen haben Angst und zwar vor ganz unterschiedlichen Sachen: Manche fürchten sich vor Gewittern, andere vor Käfern und wieder andere haben Angst vor dem Zahnarzt. Manchmal ist Angst gut, manchmal macht ein bisschen Angst zu haben sogar grossen Spass. Auf der Geisterbahn beispielsweise oder beim Lesen von spannenden Geschichten. Und zuweilen sind es andere, die einem Ängste auch einfach einreden. Gegen unnötiges Angsthaben kann man aber manchmal etwas unternehmen und deshalb finden sich im Buch auch ein paar Angstvertreibungstricks.

Die bekannte Illustratorin Moni Port hat ein Buch geschaffen, das keinem Genre zugeordnet werden kann. Vielleicht ist es eine Art Sachbuch, das man gemeinsam betrachten und lesen kann. Vielleicht könnte man es aber auch als Kunstbuch gelten lassen, weil die Bilder so eindrücklich und einzigartig sind. Auf jeden Fall ist es ein Bilderbuch, das zum Reden, zum Weiterdenken und Reflektieren geradezu herausfordert und deshalb in jede Kinderbibliothek gehört. Für Kinder ab etwa 5 Jahren, aber auch für ältere Kinder und Erwachsene.

Moni Port: Das mutige Buch. Klett Kinderbuch 2013. ISBN: 978 3 95470 065 3

Rezension: Maria Riss

Silke Wolfrum: Fanny & Klee

04.07.2012 von

Jeden Abend gibt es das gleiche Ritual: Kaum sind Fanny und ihr jüngerer Bruder Klee in den Federn, hat Klee eine ganz, ganz dringende Frage. Und er wird kein Auge zu tun können, bis Fanny ihm diese Frage nicht beantwortet hat. Ihn beschäftigen schliesslich wirklich wichtige Fragen: Warum regnet es? Warum muss man überhaupt schlafen? Und weil er eh keine Ruhe gibt, erfindet Fanny jeden Abend eine mögliche Erklärung für all diese Phänomene. In ihren Geschichten kommen Riesen vor und Zwerge, Prinzessinnen und gefährliche Monster, denn Fantasie, davon hat Fanny genug!

Die Geschichten regen zum Nachdenken (wie lautet die richtige Antwort?) aber auch zum Fabulieren ein. Die einzelnen Geschichten sind nicht nur sehr unterhaltsam, sie sind auch alle nach dem gleichen Schema aufgebaut und etwa gleich lang. Das Buch eignet sich aus diesem Grund sehr gut zum Vorlesen oder Erzählen, sei es an Geburtstagsritualen in Schule und Kindergarten oder auch als Guten-Nachtgeschichten daheim. Für Kinder ab etwa 6 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Silke Wolfrum: Fanny & Klee. Beltz, 2012.

Barbara Gelberg (Hrsg.): Von Kindern, Katzen und Keksen. Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl

04.07.2012 von

Barbara Gelberg hat ein Gespür dafür, was gute Geschichten sind und was Kinder mögen, das vor allem. In diesem neuen Geschichtenband findet sich eine wunderbare Mischung von frechen, witzigen, spannenden und überraschenden Erzählungen, bei denen Kinder und ihre Sichtweisen im Zentrum stehen. Ganz egal, ob die Geschichte aus der Perspektive eines kleinen Krokodils, eines besonders mutigen Piratenjungen oder der pfiffigen Hannah erzählt wird. Viele der Geschichten sind extra für diesen Band geschrieben worden. Erzählungen namhafter Autorinnen und Autoren wie Mirjam Pressler, Jürg Schubiger, Paul Maar, Rafik Schami oder Alina Bronsky sind darin versammelt. Anke Kuhl hat das Buch illustriert, sie ist eine Meisterin ihres Fachs – mit ihren bunten, wilden, schräg und frechen Bildern gibt sie dem Buch einen wundervoll stimmigen Rahmen. Ein Vorlese- und Familienbuch, das in jedes Bücherregal von Kindern passt, in dem man ohne langes Suchen einfach mit Lesen oder Vorlesen beginnen kann.

Rezension: Maria Riss

Barbara Gelberg (Hrsg.): Von Kindern, Katzen und Keksen. Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl. Beltz, 2012.

Frank Cottrell Boyce: Der unvergessene Mantel

13.06.2012 von

Julie kommt als erwachsene Frau zurück in ihr altes Schulhaus, das nächstens abgerissen werden soll. Erinnerungen kommen hoch, als Julie unter den Fundsachen den Mantel von Dschingis entdeckt und in dessen Tasche alte Polaroid-Aufnahmen. Es war ein heisser Sommertag damals, als Julie auf dem Pausenhof die beiden fremden Jungen in den langen Fellmänteln zum ersten Mal sah. Die beiden kamen aus der Mongolei und Julie sollte sich ein bisschen um sie kümmern. Weder Dschingis noch sein kleiner Bruder hatten eine Ahnung davon, wie der Schulalltag in England abläuft, sie wussten nicht einmal, wie man Fussball spielt. Julie hatte also recht viel zu erklären. Sie profitierte aber genauso von den beiden. So erfuhr sie, wie man Adler zähmt, sie lernte, dass in der Mongolei Riesenblumenbäume wachsen und wie man Dämone austrickst. Aber dann waren die beiden Brüder plötzlich nicht mehr da. Sie wurden abgeholt, zurückgeschickt in eine sehr ungewisse Zukunft.  Ganz am Schluss des Buches können Lesende aufatmen. Dank Internet gelingt es der erwachsenen Julie, Kontakt zu Dschingis und seinem Bruder aufzunehmen. Frank Cottrell  Boyce hat eine bewegende Geschichte über das Schicksal von zwei Flüchtlingskindern geschrieben. Die authentische Geschichte  besticht nicht nur durch die Schönheit der Sprache, sondern auch durch die vielen Fotos und Illustrationen, durch das spezielle Layout und die aussergewöhnliche Aufmachung. Ein besonderes Buch für besondere Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell  Boyce: Der unvergessene Mantel
Carlsen 978 3 551 55594 6

Katja Alves: 1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann

13.06.2012 von

Die elfjährige Filipa lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder in Neustadt. Hier hat sie viele Freundinnen, allen voran natürlich Nele, und hier fühlt sie sich zuhause. Zu ihrem Glück fehlt eigentlich nur noch ein Hund, den wünscht sie sich so sehnlichst. Zu ihrem Geburtstag bekommt Filipa auch tatsächlich einen Hund. Nur leider wird ihr Geburtstag in Portugal, in Papas Heimat, gefeiert. Und genau dorthin will Papa nun auch umziehen. Für Filipa bricht eine Welt zusammen, sie will ihr geliebtes Neustadt um keinen Preis verlassen. Gemeinsam mit Nele versucht sie den Umzug mit allen Mitteln zu verhindern, auch wenn in Portugal ein wirklich ganz süsser kleiner Hund auf sie wartet. Obwohl Filipa Neustadt schliesslich verlassen muss, geht die Geschichte gut aus. Katja Alves hat ein wunderbar humorvolles Kinderbuch geschrieben. Etwas überzeichnet sind einzelnen Figuren schon, aber gerade  dies macht die Lektüre so  besonders reizvoll und unterhaltend. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil nebst dem spannenden Plot auch ein für viele Kinder sehr aktuelles Thema im Vordergrund steht: das Leben zwischen zwei verschiedenen Sprachen und Kulturen. Roman für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Katja Alves: 1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann
Beltz 978-3-407-82012-9