David Safier: 28 Tage lang

15.04.2014 by

 

UnbenanntDie 16-jährige Mira lebt mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Mutter im Warschauer Ghetto. Unter Lebensgefahr schmuggelt und verkauft sie Nahrungsmittel und versucht so, ihre Familie durch den harten Alltag zu bringen. Einzig die wenigen gemeinsamen Stunden mit ihrem Freund Daniel bringen etwas Freude und jugendliche Normalität in ihr Dasein. Doch dann verschlimmert sich die ohnehin schon schreckliche Situation dramatisch: Den Menschen im Ghetto wird klar, dass sie alle umgebracht werden sollen. Mira hat nichts mehr zu verlieren. Sie beschliesst zu kämpfen und schliesst sich dem Widerstand im Ghetto an. Gemeinsam kämpfen sie gegen den übermächtigen Feind. Obwohl dieser Kampf nicht zu gewinnen ist, geben sie den Menschen im Ghetto Hoffnung und neuen Lebensmut. Und sie trotzen der Übermacht: ganze 28 Tage lang.

„28 Tage lang“ ist ein überaus wichtiges und grossartiges Buch: Es ist hochspannend, emotional, erschreckend und hoffnungsvoll zugleich. Dem deutschen Autor David Safier gelingt es, aus der Sicht der fiktiven, jugendlichen Mira die realen Ereignisse um den Widerstand im Warschauer Ghetto von 1942 authentisch darzustellen. Die fiktive Protagonistin erlaubt ein hohes Mass an Identifikation und Empathie. Die grosse Betroffenheit bei der Lektüre ergibt sich vor allem aus dem Wissen, dass solche und ähnliche Ereignisse vor noch nicht allzu langer Zeit stattgefunden haben. Auch wenn dieser Roman manchmal an die Grenze des Zumutbaren geht, lohnt sich die Lektüre unbedingt, weil sie die schrecklichen Ereignisse der damaligen Zeit wieder bewusst macht und weil auch heute und in Zukunft Ähnliches wieder geschehen könnte. „28 Tage lang“ geht unter die Haut und lässt kein Auge trocken. Für Jugendliche ab ca. 16 Jahren.

David Safier: 28 Tage lang. Rowohlt Rotfuchs 2014. ISBN: 978-3-499-21174-4.

Rezension: Claudia Hefti

Christa Holtei/Gerda Raidt: In die neue Welt

04.12.2013 by

neue weltEine Familiengeschichte in zwei Jahrhunderten

Das Buch beginnt im Jahre 1869 in einem kleinen Dorf in Deutschland. Robert Peters ist Kleinbauer und Leinenweber. In Deutschland herrscht grosse Armut und Robert und seine Frau Margarete wissen bald nicht mehr, wie sie ihre beiden Kinder ernähren können. Da beschliessen sie, nach Amerika auszuwandern. Das grossformatige Bilderbuch erzählt von der langen und beschwerlichen Reise übers Meer, von der schwierigen Ankunft in New Orleans, der langen Fahrt den Mississippi hoch, der strapaziösen Fahrt mit dem Planwagen und dem ersten Jahr auf dem eigenen Stück Land. Fast 150 Jahre später muss die 12-jährige Olivia, die in Amerika zur Schule geht, eine Projektarbeit zum Thema «Die Geschichte der Einwanderer» schreiben und stösst dabei auf ihre Vorfahren. Grund genug für Olivias Familie, die Sommerferien in Deutschland zu verbringen und dort auf Spurensuche zu gehen.
Dieses sehr schön gestaltete Bilderbuch könnte man auch der Kategorie Sachbücher zuordnen. Es erzählt in einer einfachen Sprache und prägnanten, stimmungsvollen Bildern die Geschichte dieser Familie. Das Bilderbuch bietet gute Gelegenheit, mit Kindern über die eigene Familiengeschichte und über das Thema Migration zu diskutieren. So animiert die Geschichte vielleicht auch dazu, ein paar kritische Fragen zur Geschichte Amerikas und der Indianer aufzuwerfen. Für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Christa Holtei/Gerda Raidt: In die neue Welt. Beltz 2013. ISBN: 978-3-407-75267-0

Rezension: Maria Riss

Erich Ballinger: Der Höhlenmaler

24.09.2012 by

Roman. Mit diesem historischen Roman entführt Erich Ballinger seine Leserinnen und Leserin in die Zeit der CroMagnon-Menschen, ungefähr 10’000 bis 35’000 Jahre zurück. In eine Epoche also, in der die Menschen wunderbare Kunstwerke wie etwa die Malereien von Altamira oder Lascaux geschaffen haben. Lesende lernen Dreibein, den jugendlichen Gehilfen des Schamanen Kull kennen. Dreibeins Herkunft und Schicksal liegen im Dunklen und er ist verkrüppelt. Weil er sich nur mit Hilfe einer Krücke fortbewegen kann, wird er Dreibein genannt und von den meisten Clanmitgliedern verachtet und ausgelacht. Nur Kull hat Dreibeins grosse Begabung im Zeichnen und Erfinden neuer Hilfsmittel erkannt und fördert ihn gezielt. Aber Kull ist alt und als Schamane nicht mehr unumstritten. Zu häufig sind in jüngster Zeit die Jagdzüge des Clans missraten und sind Tote zu beklagen gewesen. Schleem, ebenfalls ein neueres Clanmitglied, bedrängt deshalb Kull heftig und versucht, ihn mit miesen Tricks lächerlich zu machen, in der Hoffnung, selber zum Schamanen bestimmt zu werden. Als Xan, einer der Clan-Anführer ermordet wird, beschuldigt Schleem erst Kull des Mordes, und als dieser seine Unschuld beweisen kann, Dreibein, den fremden, und verhassten Krüppel. Dieser flieht ins weit verzweigte Höhlensystem. Diese Höhlen werden vom Clan seit Generationen zu Kultzwecken genutzt, Dreibein übt sich darin seit langem in der Kunst der Malerei. Die Clan-Angehörigen verfolgen, geführt von Schleem, den vermeintlichen Mörder und es kommt tief im Innern der Höhle zum grossen Entscheidungskampf.

Auch dieser neuere Sachroman von Erich Ballinger gefällt und überzeugt durch die bekannten Stärken des Autors: Eine geradlinige, schnörkellose, spannend erzählte Geschichte, eine einfache, leicht verständliche Sprache und interessante Einblicke in das Leben und die Kultur der betreffenden Ethnie. Man lernt beim Lesen ganz leicht viel Neues, ohne dass das Buch oder der Stil Ballingers belehrend wirken. Wem der Wissensgewinn nach dem Lesen des Romans noch nicht genügt, der wird wiederum durch einen grosszügigen Anhang beglückt, ergänzt durch klare, gelungene Illustrationen des Autors. Die Lektüre des Buches wird Lesende mit oder ohne Vorwissen fesseln.

Auch dieser Roman sollte in keiner Klassenbibliothek der Mittel- und Oberstufe fehlen. Lesenswert für Kinder ab ca. 10 Jahren und interessierte Erwachsene. Das Buch eignet sich als Vorlesebuch, als Klassenlektüre oder als Ergänzung zum Sachunterricht.

Peter Steffen

Erich Ballinger: Der Höhlenmaler. Arena Verlag, 2002.

Peter Chrisp: Frühe Kulturen

24.09.2012 by

Sachbuch. In der Reihe «Wissen mit Links» hat Dorling Kindersley einige Sachbücher herausgebracht, die gut für Mittel- und Oberstufe geeignet sind. Alle Werke der Reihe sind in derzeit gängiger Manier gestaltet: Jeweils eine Doppelseite ist einem Unterthema gewidmet, kurze Texte ordnen sich erläuternd um Illustrationen und Bilder an. Bezüge zwischen den einzelnen Textabschnitten herzustellen ist vor allem Sache der Leserinnen und Leser. Im vorliegenden Band werden auf diese Weise sehr unterschiedliche Themenbereiche zu frühen Kulturen entfaltet: Die Entwicklung des Menschen, seine Tätigkeiten wie Jagen oder auch künstlerische Leistungen, Erdzeitalter, kulturelle Entwicklungen in verschiedenen Ländern, einige Völker, die Evolution – all dies und noch mehr wird in lockerer Reihung zusammengestellt. Ein Inhaltsverzeichnis führt die einzelnen Abschnitte des Buches auf, sodass sich Lesende nicht in der Themenvielfalt verlieren. Glossar und Register, eine Zeittafel und Worterklärungen ergänzen die Ausführungen. Die Schrift dieser Sachbuchreihe ist für Kinder und Jugendliche recht klein geraten, so auch im vorliegenden Band. Auch Wortwahl und Satzbau sind nicht immer einfach strukturiert. Allerdings ist es gelungen, eine gute Auslegeordnung zum Thema „Frühe Kulturen“ bereitzustellen: Das Buch macht auf diese Weise dem einen oder anderen sicher Lust auf mehr. Ergänzt werden die Bücher dieser Reihe von einer eigenen Internetseite, auf welcher man nach einzelnen Stichworten weiter fahnden kann. Die Suchbegriffe sind im Buch hervorgehoben, sodass sich hier für Lesende daheim wie für den Unterricht Möglichkeiten der Verknüpfung von Buchlesen und Internetrecherche bieten.

Rezension: Nora Kernen

Peter Chrisp: Frühe Kulturen. Dorling Kindersley, 2008.

Klaus Kordon: Im Spinnennetz

24.09.2012 by

Die Geschichte spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin. Der sechzehnjährige David muss immer wieder an den geliebten Grossvater denken, der seit über drei Jahren im Gefängnis sitzt. Grossvater ist dort, weil er gegen das von Bismarck initiierte Sozialistengesetz verstossen hat. In Davids Familie sind alle Sozialdemokraten. Eines Tages stehen preussische Polizeibeamte vor der Tür und verhaften David. In der Nacht wurden staatsfeindliche Plakate geklebt und man hat am Tatort Davis Gymnasiastenmütze gefunden. David will nicht im Gefängnis landen. Wer weiss, ob Anna auf ihn warten würde. Anna, dieses freche Mädchen aus dem Elendsquartier, Anna, die er so sehr ins Herz geschlossen hat, Anna, von der Onkel Fritz sagt: Also, dit is’n Mädel -‘n janz patenter Kerl! Und Augen hat die Kleene! Jar nich groß und jar nich besonders hübsch, aber da steckt wat drin. David muss tatsächlich nicht ins Gefängnis, aber mit dem Gymnasium ist Schluss, da will man ab sofort nichts mehr mit ihm zu tun haben, ganz egal, ob er Plakate geklebt hat oder nicht.

Fundiert recherchiertes Hintergrundwissen über die Zeit des Umbruchs in Berlin, Figuren, mit denen man sich gerne befreunden würde und ganz viel Herzenswärme zeichnen dieses Buch aus. So müssen historische Romane für Jugendliche geschrieben sein! Ganz besonders Spass macht es zudem, beim Lesen ein bisschen Berliner Jargon zu lernen. Für Leserinnen und Leser ab etwa 13 Jahren.

«Im Spinnennetz» ist nach «1848» und «Fünf Finger hat die Hand» der dritte und letzte Band einer Trilogie über die Familie Jacobi in Berlin. Alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Rezension: Maria Riss.

Klaus Kordon: Im Spinnennetz. Beltz, 2010.