Ramona Badescu/ Amélie Jackowski: Die Ameise und der Bär

23.08.2018 by

Der kleinen Ameise passiert das, was unter Ameisen zum Allerschlimmsten gehört: Sie hat verschlafen. Völlig ausser sich rennt sie los und stolpert im dichten Nebel mit einem grossen Bären zusammen. Bär ist auf dem Weg zum Ukulele-Unterricht und dieser Unfall tut ihm schrecklich leid. Den Unterricht lässt er natürlich sausen, man muss im Leben Prioritäten setzten und diese kleine Ameise ist verletzt und muss sofort versorgt werden. Äusserst vorsichtig bringt er die Ameise in seine Höhle, deckt sie zu, kocht ihr Tee. Bald kommt Eichhörnchen zu Besuch. Eichhörnchen besteht darauf, Doktor Uhu zu rufen. Bär hat aber eher schlechte Erinnerungen an seinen letzten Besuch beim Doktor und wehrt sich zuerst. Und Ameise, es ist Nummer 881, will unbedingt zurück in ihren Ameisenhaufen, die Chefameise ist so was von streng. Als es Ameise aber immer schlechter geht, wird Doktor Uhu doch gerufen. Die Diagnose ist schnell gestellt: «Zweites linkes Bein gebrochen». Da helfen nur absolute Bettruhe und ein Verband aus Eukalyptusblättern. Ja, und ganz langsam gesundet Ameise und plötzlich findet sie diese Bärenhöhle ziemlich angenehm und Bär, den hat sie richtig lieb gewonnen. Bär geht es genauso, er sagt das zwar nicht in Worten, aber die Töne seiner Ukulele können dies sowieso viel besser ausdrücken.
Ameise und Bär ist ein berührendes und doch auch witziges Buch, das sich vor allem zum Vorlesen und Erzählen eignet. Die Freundschaft zwischen einer pflichtbewussten, überaus fleissigen Ameise und dem eher langsamen, tollpatschigen Bären, ist so wunderschön nachzulesen, dass man gerne ebenfalls in der Bärenhöhle Platz nehmen würde. Es ist dieser warmherzige Plot und die wunderbar feine Sprache, die dieses Buch so stimmungsvoll machen. Vieles gibt es zwischen den Zeilen und in den zarten Bildern zu erahnen und entdecken. So können schon kleine Kinder wundervolle erste literarische Erfahrungen sammeln. Zum Erzählen und Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Ramona Badescu/ Amélie Jackowski: Die Ameise und der Bär. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Beltz 2018. ISBN: 978-3-407-82349-6
Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Juni 2018

08.06.2018 by

Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht
Emilia ist gerade mal 14 Jahre alt, als sie alleine und heimlich nach New York fliegt. Mithilfe einer der Kreditkarten ihres Papas war das kein so grosses Problem. Als sie spät abends ihr bereits bezahltes Appartement beziehen will, stellt sich heraus, dass es dieses Appartement gar nicht gibt. An der Adresse trifft sie nur Seth, einen etwa gleichaltrigen Jungen, und seine kleine Schwester Abby. Emilia steht also mit ihrem grossen Koffer wieder alleine auf der Strasse, müde ist sie und kalt ist ihr auch. Bei Jim, einem ziemlich bekifften und kaum mehr ansprechbaren Jungen, findet sie schliesslich Unterschlupf in einem Abbruchhaus. Diese Nacht wird ein einziger Albtraum, weil Emilia, immer so sehr auf Sauberkeit und Ordnung bedacht, in dieser völlig verdreckten Absteige kaum ein Auge schliessen kann. Am nächsten Morgen herrscht in ganz New York Alarmstimmung. Ein Wirbelsturm nähert sich der Stadt. Emilia wendet sich in ihrer Not an die beiden einzigen Menschen, mit denen sie schon einigermassen normal hatte sprechen können, an den Jungen Seth und seine Schwester Abby. Beide lassen Emilia und schliesslich auch Jim nach einigem Zögern in die Wohnung. Weil ihre Mutter für ein paar Tage verreist ist, haben sie Platz. Mit Emilias Kreditkarte lassen sich Vorräte einkaufen und die vier verschanzen sich in der Wohnung. Dann bricht der Sturm mit aller Kraft los, das Haus wackelt und bald gehen auch alle Lichter aus. Die vier müssen zusammenrücken, ob sie wollen oder nicht. So nah mit andern zusammen kann Emilia ihren Sauberkeits-Zwang nicht länger verheimlichen, und sie verrät jetzt auch den Grund ihrer Flucht nach New York: Ihr Vater, Schuldirektor an ihrer Schule, hatte mit einer Schülerin ein Verhältnis. Dies ist erst kürzlich durch die sozialen Medien ans Licht gekommen. Aber jetzt gilt es erstmal, diesen Hurrikan gemeinsam zu überleben. Alle vier wachsen in dieser Situation über sich hinaus. Und in den langen Gesprächen während der dunklen Sturmnächte lernt Emilia eine völlig neue Art von Freundschaft und Geborgenheit kennen. Und das tut unsagbar gut.
Anna Woltz hat einen in jeder Beziehung sehr spannenden Roman geschrieben. Da ist die äusserliche Spannung, dieser Hurrikan, der bei allen grosse Angst auslöst und der so viel Überlebenskunst, Solidarität und Ideenreichtum erfordert. Da ist aber auch die innere Spannung von Emilia, wie kann sie ihre Zwänge meistern, wie soll sie sich gegenüber ihren Eltern verhalten? Einfach wegzulaufen, das kann ja nicht die Lösung sein. Da hilft die grosse Anteilnahme der andern in diesem Hurrikan-Asyl, die zarten Zeichen einer ersten Liebe zu Seth, die Erkenntnis, dass sie selber sehr viel stärker ist, als sie es jemals vermutet hätte. «Hundert Stunden Nacht» ist ein Buch, das vor allem junge Mädchen mit Sicherheit begeistern wird, weil es so viele aktuelle Themen auf eine sehr spannende und doch auch humorvolle Weise anspricht. Für Lesende ab etwa 14 Jahren.

Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-58348-2

Rezension: Maria Riss

Marianne Dubuc: Lucie und die vier

27.04.2018 by

lucieDas Mädchen Lucie hat vier überaus nette Freunde: die Maus Marcel, den Hasen Leon, die Schildkröte Doris und die winzig kleine Schnecke Adrian. Lucie und ihre Freunde sind im Wald unterwegs, sie machen ein Picknick, finden zusammen einen Schatz und suchen schliesslich für drei frisch geschlüpfte, niedliche Küken eine passende Mutter. Marianne Dubuc, bekannt durch ihre Bilderbücher über Briefträger Maus, erzählt die drei Abenteuer der Freunde mit wenig Text und ganz wunderbaren, detailreichen und zarten Bildern. Weil jeder Handlungsschritt auch im Bild dargestellt und das Geschehen linear erzählt wird, können schon ganz kleine Kinder dem Buchgeschehen folgen. Die liebenswerte Figuren und die Suche nach kleinen Details machen dieses eher kleinformatige Bilderbuch wohl für viele Kinder zu einem Lieblingsbuch, das sie über längere Zeit begleiten wird. Schon bald werden sie in der Lage sein, die Geschichte selber zu erzählen, vielleicht ihrem Teddybären oder den jüngeren Geschwistern. Für Kinder ab etwa 3 Jahren.

Marianne Dubuc: Lucie und die vier. Beltz 2018. ISBN: 978-3-407-82342-7

Rezension: Maria Riss

Rose Lagercrantz / Karen Kings: Wozu hat man eine beste Freundin?

24.04.2018 by

freundiCäcilia geht in die zweite Klasse. Weil ihre beiden Beine nicht gleich lang sind, kann sie beim Turnen nicht mitmachen und wurde deswegen schon mehrmals an der Hüfte operiert. Einmal gab es bei einer Operation einen Zwischenfall und Cäcilie hat damals den Eingriff fast nicht überlebt. Aber sonst ist alles in Ordnung mit ihr, vor allem seit sie in Melody eine neue beste Freundin gefunden hat. Blöd ist nur, dass Melody so gerne Fussball spielt und Cäcilia nicht mitspielen kann. Als Cäcilia eines Abends heimkommt, hält Mama einen Brief in Händen und macht ein sehr ernstes Gesicht. Cäcilia soll noch einmal operiert werden, diesmal mit grosser Hoffnung auf Erfolg. Aber Cäcilia hat doch so grosse Angst! Sie könnte diesmal ja wirklich sterben. So schreibt sie am Abend vor der Operation Abschiedsbriefe: Einen für Melody und einen für Papa, der nicht mehr bei ihnen wohnt. Aber die Operation verläuft gut und was das allerschönste ist, Cäcilias Beine sind nun gleich lang und sie kann schon bald, auch wenn Mama das strikt verbietet, mit dem Fussballtraining beginnen.
Rose Lagercrantz greift in ihren Büchern auch immer wieder sehr ernsthafte Themen auf. Sie macht dies aber auf eine so leichte, glaubhafte Art und Weise, dass Kinder sich bestens mit Cäcilia und ihrer grossen Angst identifizieren können. Denn solche Ängste, die kennen alle Kinder, auch wenn keine grosse Operation ansteht. Es ist nicht so, dass Kinder nur lustige Geschichten mögen, wenn man ehrlich und in einer so einfachen und behutsam gestalteten Sprache über ein Thema schreibt, wird dies die meisten Kinder faszinieren. Für Kinder ab etwa 8 Jahren, zum Vorlesen schon für jüngere Kinder.

Rose Lagercrantz / Karen Kings: Wozu hat man eine beste Freundin? Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. Moritz 2018. ISBN: 978 3 89565 359 9

Rezension: Maria Riss

Jörg Mühle: Zwei für mich, einer für dich

24.04.2018 by

zweiBär findet im Wald drei grosse Pilze. Super, das gibt ein Festessen mit seinem Freund, dem Wiesel. Wiesel ist geübt im Kochen und bereitet diese drei Pilze auf eine überaus leckere Art und Weise zu. Beide setzten sich zu Tisch und bekommen sich auch gleich in die Haare: Drei Pilze für zwei Personen, wie soll das denn bitteschön gehen? Bär hat die Pilze schliesslich gefunden, also stehen ihm sicher zwei zu. Wiesel hat die Pilze gekocht, also steht doch ihm zweifellos die grössere Portion zu. Aber Bär ist grösser und Wiesel? Das muss noch wachsen. Die beiden geraten sich dermassen in die Haare, dass sie erst zu spät bemerken, wie sich ein listiger Fuchs anschleicht und sich den grössten Pilz schnappt. Jetzt kehrt plötzlich Ruhe ein, das Problem ist gelöst – hätte da nicht Wiesel noch drei Erdbeeren zum Nachtisch mitgebracht.
Jörg Mühle hat diese wunderbar einfache und so lebensnahe Geschichte verfasst sowie die Bilder dazu gemalt. Vielleicht ist dies der Grund, dass das Buch so stimmig ist, dass es wie aus einem Guss daher kommt, dass sich Text und Bild wie kaum in einem andern Buch so optimal ergänzen. Schon ganz kleine Kinder werden sich in den beiden Streithähnen wiederfinden und kommen ganz allein auf die Botschaft des witzigen Bilderbuchs. Wenn Grundwerte auf so wundervolle Art und Weise vermittelt werden, ist das einfach nur gut und passt auch in die Zeit. Ein Bilderbuch zum «Immer–wieder–Anschauen» für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Jörg Mühle: Zwei für mich, einer für dich. Moritz 2018. ISBN: 978-3-89565-357-5

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Dezember 2017

28.11.2017 by

ricoAndreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch
Rico sagt von sich, tiefbegabt zu sein. Sein bester Freund ist der hochbegabte Oskar. Beide wohnen nun an der Dieffe 93. Mama hat den Bühl, den nettesten Polizisten Berlins geheiratet und sie hat jetzt einen so dicken Bauch, als hätte sie einen Wasserball verschluckt und trägt sehr weite Klamotten wegen der Umstände. Es ist der 24. Dezember und Rico muss unbedingt zusammen mit Oskar nochmals zu Karstadt. Wegen den Geschenken. Seit einiger Zeit hat sich Ricos Tiefbegabung echt gebessert, er könnte, wenn es sein muss, auch ganz alleine zum Kaufhaus laufen und würde den Weg zurück wohl auch wieder finden. Aber mit Oskar macht Einkaufen sehr viel mehr Spass. Unterwegs kommen sie an einem Hinterhof vorbei, den beide möglichst ignorieren. Zu viele schöne und auch enttäuschende Erinnerungen kommen hoch. Die beiden kaufen also ihre Geschenke und kämpfen sich durch den hohen Schnee heim. Aber Rico lassen die Erinnerungen an den Sommer im Hinterhof nicht mehr los, und er erzählt sie seinen Leserinnen und Lesern nach und nach. Unterdessen tobt draussen ein richtig heftiger Schneesturm. Niemand traut sich mehr raus. Auch an der Dieffe 93 geht so ziemlich alles drunter und drüber und keiner weiss, wie dieser verrückte Tag noch enden wird. Plötzlich stehen da auch frühere Freunde vom Hinterhof vor der Tür und die wieder wegzuschicken, das geht bei diesem Wetter beim besten Willen nicht.  Rico und Oskar, die helfen fleissig mit am Wirbeln und am Hochhergehen und zu guter Letzt, da gibt es zwei riesengrosse Überraschungen, so richtig Vomhimmelhoch, mit denen wirklich an diesem Abend niemand gerechnet hätte.
Wer gute Laune braucht, nehme dieses Buch zur Hand. Ganz egal, wie alt man ist. Man spürt schier in jeder Zeile, wie viel Spass der Autor am Schreiben hatte und genauso geht es den Leserinnen und Lesern. Man geniesst jedes einzelne Wort, fiebert mit und lacht immer wieder zwischendurch. Und dann kommt dieses wunderfantastische Ende, das man sich genauso erträumt hat. Andreas Steinhöfel ist ein wunderbar einfühlsamer Beobachter, ein Sprachkünstler, ein in jeder Beziehung begnadeter Erzähler. Er hat seiner grossen Leserschaft mit diesem Buch ein einmalig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch. Mit Illustrationen von Peter Schössow. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55665-3

Rezension: Maria Riss

Stephanie Schneider, Ingrid Sissung-Weber: Gans vergessen

18.11.2017 by

gansKuh Tilda und Kamel Klaus, die schreiben sich seit langem regelmässig Briefe. Nun wollen sie sich endlich mal sehen und persönlich kennenlernen und Weihnachten, das wär doch die Gelegenheit! Also macht Kamel Klaus sich auf, um diese so überaus nette Kuh zu besuchen. Gemeinsam schmücken sie den Baum, ein paar Geschenke werden auch bereit gemacht, die Feier kann losgehen. Sie merken es beide fast gleichzeitig: Zu einem richtigen Weihnachtsfest gehört auch ein entsprechendes Festessen. Sie haben beide doch glatt die Weihnachtsgans vergessen! Eine Gans muss her und zwar schnell. Klaus und Tilda lassen sich nicht entmutigen, sie gehen auf die Suche. Aber im ganzen Dorf lässt sich keine Gans auftreiben. Kaum wieder in der warmen Stube klopft es an der Tür. Eine arg verfrorene und unglückliche Gans steht da im Schneetreiben. An Weihnachten muss man Armen helfen und barmherzig sein, deshalb wird die Gans Marietta herein gebeten. Klar, dass man einen Weihnachtsgast nicht braten darf und bald singen sie zu dritt all die wunderbaren Lieder unter dem Baum. Und das Essen? Es finden sich in Kuh Tildas Küche Gottlob noch viele feine Leckereien. Es muss ja nicht jedes Jahr unbedingt eine Weihnachtsgans sein.
Schon der Titel verrät es, dieses Bilderbuch regt nicht nur zum Lachen, sondern auch zu mancherlei Sprachspielen ein. Das Lied «Ihr Rinderlein kommet» singen die drei wunderschön und beim «Strohwalzer» wagen Tilde und Klaus gar ein Tänzchen miteinander. Besonders gefallen auch die farbenprächtigen, schwungvollen und ausdrucksstarken Bilder des Buches, das viele Kinder und auch Erwachsene ansprechen wird. Ein Bilderbuch, indem die lustige, spannende Geschichte und die Bilder wunderbar zusammen passen für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Stephanie Schneider, Ingrid Sissung-Weber: Gans vergessen. Knesebeck 2017. ISBN: 978-3-86873-888-9

Rezension: Maria Riss

Sang-Keun Kim: Wenn du eine Sternschnuppe siehst, wünsch dir was

18.11.2017 by

sternDer kleine Maulwurf hat einen riesengrossen Schneeball geformt, den möchte er unbedingt mit im Bus nach Hause nehmen. Aber der Busfahrer ist da anderer Meinung: Schneebälle im Bus schmelzen und das gibt eine Riesensauerei. Maulwurf hat eine Idee. Aus seinem grossen Schneeball formt er einen Bären und wartet mit diesem, seinem neuen Freund, auf den nächsten Bus. Aber auch diesmal hat er Pech, weil der Bär so gross ist, erkennt der Fahrer, dass da ein Schneebär mitfahren will. Als der Bus wiederum ohne Maulwurf losfährt, sieht der kleine Maulwurf eine Sternschnuppe. Wünsche können damit ja in Erfüllung gehen, deshalb gibt er nicht auf. Er macht seinen Schneebär kleiner und beim nächsten Busfahrer klappt es tatsächlich, nicht nur, weil der Bär jetzt klein ist, sondern auch, weil es draussen mittlerweile dunkel geworden ist. Im warmen Bus schläft der Maulwurf bald ein. Erst als der Bus endlich an der richtigen Haltstelle zum Stehen kommt, bemerkt der kleine Maulwurf das ganze Desaster. Natürlich ist sein Schnee-Bär-Freund geschmolzen. Traurig macht er sich auf den Heimweg. Aber er hat sich ja beim Anblick der Sternschnuppe etwas gewünscht und am nächsten Morgen erfüllt sich sein Wunsch auf wunderbare Weise doch noch.
Der koreanische Künstler Sang-Keun Kim hat Text und Bilder in wunderbaren Einklang gebracht. Die reduzierte und doch so berührende Darstellung der Figuren und die wunderschönen Winterstimmungen zeichnen das Buch ganz besonders aus. Schon sehr kleine Kinder werden das Bilderbuch verstehen, weil die Geschichte linear erzählt wird, weil die Bilder jeden Handlungsschritt illustrieren und weil sie sich sicherlich in der Figur des kleinen Maulwurfs wiederfinden werden.

Sang-Keun Kim: Wenn du eine Sternschnuppe siehst, wünsch dir was. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82307-6

Rezension: Maria Riss

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder?

02.09.2017 by

roseDunne geht jetzt in die dritte Klasse. Noch immer vermisst sie ihre allerbeste Freundin Ella Frida, die weggezogen ist. Manchmal hat sie auch schreckliche Sehnsucht nach ihrer Mama, die vor ein paar Jahren gestorben ist. Heute allerdings, da hat Dunne gute Laune, heute macht ihre Klasse nämlich, wie alle dritten Klassen es jeweils tun, einen Ausflug ins Freilichtmuseum. Kaum dort angekommen passiert es: Dunne verliert ihre Klasse. Man müsse in so einem Fall einfach stehen bleiben, hat die Lehrerin ihrer Klasse eingeschärft. Aber wie kann Dunne ihren Platz nicht verlassen, wenn sie von weitem ihre allerbeste Freundin lachen hört. Nichts mehr hält Dunne auf und bald liegen sich die beiden Mädchen in den Armen. Ella Frida ist ebenfalls mit ihrer Klasse im Museum. Klar, dass sich die beiden verdrücken und allein tratschen und spielen wollen. Beide sind einfach unzertrennlich. Erst als ein Parkwächter einschreitet, weil die beiden Lehrerinnen ausser sich sind vor Angst, trennen sich schweren Herzens. Dass es danach ein Donnerwetter gibt, versteht sich von selbst. Aber beste Freundinnen, die müssen einfach jede Gelegenheit nutzen, zusammen zu sein, auch wenn sie dadurch in ziemliche Schwierigkeiten geraten.
Einmal mehr haben Rose Lagercrantz und Eva Eriksson ein wunderbares Kinderbuch geschaffen. Sie beschreiben den ganz normalen Alltag, aber sie machen das in Text und Bild so gekonnt, dass man das Buch kaum vor der letzten Seite weglegen mag. Dunne ist eine Protagonistin, der man ganz nahe kommt, obwohl die Geschichte in einer so einfachen und knappen Sprache verfasst wurde. Die feinen aussagestarken Bleistiftzeichnungen helfen mit, nicht nur den Inhalt, sondern auch Aussagen zwischen den Zeilen besser zu verstehen. Zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 8.

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder? Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. Moritz 2017. ISBN: 978-3-89565-349-0

Rezension: Maria Riss

Mario Ramos: Nur Mut, kleiner Luis

01.09.2017 by

Der kleine Wolf Luis wird in die Schweinchenklasse eingeteilt, ausgerechnet! Klar, dass er da dauernd gehänselt und ausgelacht wird und in der Pause niemand mit ihm spielen will. Ohne Jojo würde Luis völlig verzweifeln. Schweinchenkind Jojo hält nämlich zu ihm und macht gar einen Krankenbesuch, als Luis mit einer fiesen Grippe im Bett liegt. Da erfährt Jojo auch, dass Luis von drei Schweinchen auf dem Schulweg richtiggehend fertig gemacht wird und dass sich Luis deshalb kaum mehr zur Schule traut. «Jetzt reicht’s», meint Jojo und entwickelt einen fabelhaft klugen Plan, um seinem Freund zu helfen.
Der leider verstorbene Mario Ramos hat Bilderbücher geschaffen, die allesamt das Zeug zum Klassiker haben. Sie liegen in vielen Kinderzimmern und den meisten Kindergärten zum Anschauen bereit. Die Bücher sind wohl deshalb so stimmig, weil Mario Ramos seine Geschichten selber geschrieben und gleich auch auf so spezielle Art in Bilder umgesetzt hat. Man muss ihn beim Lesen und Betrachten einfach lieb gewinnen, diesen kleinen Luis, obwohl er doch eigentlich ein Wolf ist. Von der Länge und vom Schwierigkeitsgrad des Textes her, eignet sich das Buch hervorragend für Kinder, die lesen lernen. «Nur Mut, kleiner Luis» ist eine Erzählung, die sich ganz nah am Kinderalltag abspielt, deshalb werden auch kleinere Kinder beim Vorlesen begeistert zuhören.

Mario Ramos: Nur Mut, kleiner Luis. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Moritz 2012. ISBN: 978-3-89565-252-3

Rezension: Maria Riss und Anita Fehr