Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder?

02.09.2017 by

roseDunne geht jetzt in die dritte Klasse. Noch immer vermisst sie ihre allerbeste Freundin Ella Frida, die weggezogen ist. Manchmal hat sie auch schreckliche Sehnsucht nach ihrer Mama, die vor ein paar Jahren gestorben ist. Heute allerdings, da hat Dunne gute Laune, heute macht ihre Klasse nämlich, wie alle dritten Klassen es jeweils tun, einen Ausflug ins Freilichtmuseum. Kaum dort angekommen passiert es: Dunne verliert ihre Klasse. Man müsse in so einem Fall einfach stehen bleiben, hat die Lehrerin ihrer Klasse eingeschärft. Aber wie kann Dunne ihren Platz nicht verlassen, wenn sie von weitem ihre allerbeste Freundin lachen hört. Nichts mehr hält Dunne auf und bald liegen sich die beiden Mädchen in den Armen. Ella Frida ist ebenfalls mit ihrer Klasse im Museum. Klar, dass sich die beiden verdrücken und allein tratschen und spielen wollen. Beide sind einfach unzertrennlich. Erst als ein Parkwächter einschreitet, weil die beiden Lehrerinnen ausser sich sind vor Angst, trennen sich schweren Herzens. Dass es danach ein Donnerwetter gibt, versteht sich von selbst. Aber beste Freundinnen, die müssen einfach jede Gelegenheit nutzen, zusammen zu sein, auch wenn sie dadurch in ziemliche Schwierigkeiten geraten.
Einmal mehr haben Rose Lagercrantz und Eva Eriksson ein wunderbares Kinderbuch geschaffen. Sie beschreiben den ganz normalen Alltag, aber sie machen das in Text und Bild so gekonnt, dass man das Buch kaum vor der letzten Seite weglegen mag. Dunne ist eine Protagonistin, der man ganz nahe kommt, obwohl die Geschichte in einer so einfachen und knappen Sprache verfasst wurde. Die feinen aussagestarken Bleistiftzeichnungen helfen mit, nicht nur den Inhalt, sondern auch Aussagen zwischen den Zeilen besser zu verstehen. Zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 8.

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder? Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. Moritz 2017. ISBN: 978-3-89565-349-0

Rezension: Maria Riss

Mario Ramos: Nur Mut, kleiner Luis

01.09.2017 by

Der kleine Wolf Luis wird in die Schweinchenklasse eingeteilt, ausgerechnet! Klar, dass er da dauernd gehänselt und ausgelacht wird und in der Pause niemand mit ihm spielen will. Ohne Jojo würde Luis völlig verzweifeln. Schweinchenkind Jojo hält nämlich zu ihm und macht gar einen Krankenbesuch, als Luis mit einer fiesen Grippe im Bett liegt. Da erfährt Jojo auch, dass Luis von drei Schweinchen auf dem Schulweg richtiggehend fertig gemacht wird und dass sich Luis deshalb kaum mehr zur Schule traut. «Jetzt reicht’s», meint Jojo und entwickelt einen fabelhaft klugen Plan, um seinem Freund zu helfen.
Der leider verstorbene Mario Ramos hat Bilderbücher geschaffen, die allesamt das Zeug zum Klassiker haben. Sie liegen in vielen Kinderzimmern und den meisten Kindergärten zum Anschauen bereit. Die Bücher sind wohl deshalb so stimmig, weil Mario Ramos seine Geschichten selber geschrieben und gleich auch auf so spezielle Art in Bilder umgesetzt hat. Man muss ihn beim Lesen und Betrachten einfach lieb gewinnen, diesen kleinen Luis, obwohl er doch eigentlich ein Wolf ist. Von der Länge und vom Schwierigkeitsgrad des Textes her, eignet sich das Buch hervorragend für Kinder, die lesen lernen. «Nur Mut, kleiner Luis» ist eine Erzählung, die sich ganz nah am Kinderalltag abspielt, deshalb werden auch kleinere Kinder beim Vorlesen begeistert zuhören.

Mario Ramos: Nur Mut, kleiner Luis. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Moritz 2012. ISBN: 978-3-89565-252-3

Rezension: Maria Riss und Anita Fehr

 

Rachel Bright / Jim Field: Trau dich Koala Bär.

29.08.2017 by

koalaKimi Koala sitzt tagein tagaus auf seinem Baum und hält sich daran fest. Da oben fühlt er sich sicher, von da kann er die Welt unter sich beobachten. Wenn die Tiere ihn einladen mitzuspielen, lehnt er dankend ab, obwohl er es manchmal schon gern gewagt hätte. Ein bisschen langweilig ist das Leben ja schon, so ganz alleine auf dem Baum. Er hat aber einfach nicht den Mut dazu, seinen sicheren Hort zu verlassen. Bis zu diesem Tag, an dem ein Vogel mit seinem Schnabel ein Loch in den Stamm seines Baumes hämmert und der obere Teil des Baumes samt Kimi Koala umstürzt. Unten angekommen passiert aber kein grosses Unglück, ganz im Gegenteil: Kimi wird von seinen Freunden empfangen und begrüsst. Nun endlich lässt er seinen Baum los und wagt neue Schritte als «Kimi-ich-kann».
Poetisch, humorvoll und in wunderschönen Reimen wird diese Geschichte erzählt. Die grossformatigen Bilder spiegeln die Gefühle des kleinen Kimi grossartig wider, durch die vielen Rottöne wird zudem die Stimmung im australischen Busch spürbar. Die Botschaft ist ganz klar und drückt sich im Schlusssatz der Geschichte aus: «Versuch auch was Neues, es fühlt sich gut an!» Schon Kinder ab etwa 4 Jahren werden diese verstehen.

Rachel Bright / Jim Field: Trau dich Koala Bär. Aus dem Englischen von Pia Jüngert. magellan 2017. ISBN: 978-3-7348-2028-1

Rezension: Rahel Romanowski

Anna Lott: Tildas Tierbande. Ein Wollschwein im Wohnzimmer

01.08.2017 by

tildailda freut sich sehr, dass ihre Familie an den Trüffelweg umzieht, denn hier hat es einen Bauernhof in der Nähe, hier gibt es Wiesen und Wälder. Tilda wünscht sich nichts sehnlicher als ein eigenes Schaf zu besitzen und im neuen Zuhause scheint es, dass sich dieser Wunsch eher erfüllen wird. Schon gleich am ersten Tag lernt sie das Nachbarmädchen Tomma kennen und gemeinsam schleichen sich die beiden zum nahen Bauernhof. Dort schlüpfen sie unbemerkt in den Stall und entdecken zu ihrer grossen Freude ein seltenes Huhn, ein Angorakaninchen und ein überaus hübsches Wollschwein, das man wunderbar streicheln kann. Das Wollschwein scheint von der Kraulerei der beiden ebenfalls begeistert zu sein und zwar so sehr, dass es den beiden Mädchen nach Hause folgt. Gehorchen kann das Schwein (noch) nicht, deshalb rennt es voller Begeisterung mit in Tildas Haus. Dort schnappt es sich sofort eine Packung Schnapspralinen, frisst diese alle auf und landet danach völlig beschwipst in der Badewanne. Als der Bauer das maledierte Schwein schliesslich abholt, wird vereinbart, dass sich die Mädchen künftig um die drei Tiere kümmern dürfen. Der Bauer hat kaum Zeit dazu und wollte die Tiere eh loshaben. Das Versorgen der Tiere ist aber gar nicht so einfach, vor allem, als ein paar Jungs aus der Siedlung auftauchen, die ebenfalls gerne Schweine kraulen und den Mädchen ein paar ziemlich fiese Streiche spielen. Zu guter Letzt kommt dann aber doch alles gut. Tiere pflegen, das kann man nämlich auch gemeinsam tun.
«Tildas Tierbande» ist ein lustiges, unbeschwertes Buch, das vielen Kindern gefallen wird. Kommen doch all die Themen vor, die etwa 10-jährige Kinder besonders interessieren: Tiere, das erste Beschnuppern des andern Geschlechts und das gegenseitige Austricksen. Die abenteuerliche Geschichte ist in kurze Kapitel gegliedert und die vielen Bilder helfen beim Verstehen. Eine gute Unterhaltungsgeschichte zum Lesen oder Vorlesen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Anna Lott: Tildas Tierbande. Ein Wollschwein im Wohnzimmer. dtv 2017. ISBN: 978-3-423-76186-4

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Juni 2017

30.05.2017 by

ballonSimon van der Geest: Das geheime Logbuch, das magnetische Mädchen und eine fast brillante Erfindung
Aus dem Museum für «Fast Brillante Erfindungen» in einer kleinen holländischen Stadt ist ein berühmtes Logbuch gestohlen worden. Ausgerechnet die Mama des etwa 11-jährigen Ro soll es gestohlen haben. Deshalb sitzt sie nun in einem riesigen Gefängnis auf einer nahegelegenen Insel. Ros Vater hat seit der Verhaftung das kleine Haus kaum mehr verlassen. Jeden Abend  hockt er auf dem Sofa und spielt Computerspiele, pausenlos. Ro weiss, dass seine Mutter niemals etwas Unrechtes tun würde und Ro ist einer, der niemals aufgibt. Es ist gut, dass Ro seinen besten Freund Archie an seiner Seite hat. Auch Lela, mit ihrer dunklen Haut, dem ständig verschmitzten Lächeln im Gesicht und ihrer Allergie gegen Ungerechtigkeiten ist bei den vielen wichtigen Besprechungen dabei. Die drei wollen um alles in der Welt Ros Mama befreien. Dafür entwickeln sie einen absolut verrückten Plan: Einen Ballon wollen sie fertigen und damit auf die Gefängnisinsel fliegen. Das Unterfangen stellt sich allerdings als sehr viel schwieriger heraus, als sie erwartet haben. Aber als schliesslich alle Kinder aus Ros Schulklasse von dieser geheimen Mission erfahren und mithelfen, da hebt dieser Ballon in einer windstillen Mondnacht doch tatsächlich ab. Es gelingt den Kindern zwar nicht, Ros Mama zu befreien, aber ihre tollkühne Aktion löst einen solchen Wirbel aus, dass der Fall des gestohlenen Logbuchs neu recherchiert wird. Ja und zum Schluss, da kommt alles gut, sogar Papa ist aus seiner Starre erwacht, verlässt sein Sofa und wirft die Computerspiele in den Sondermüll.
Das Lesen dieses Buches macht vielleicht deshalb so grossen Spass, weil sich die Handlung haarscharf an der Grenze dessen bewegt, was überhaupt möglich ist. Um den Ballon zu fertigen, nähen die Kinder 37 Zelte aneinander und um an das nötige Helium zu kommen sind auch ein paar ziemlich gewagte Schwindeleien nötig. Der Spannungsbogen beginnt gleich auf den ersten Seiten und zieht sich bis zum überraschenden und glücklichen Ende durch. Ro erzählt diese Geschichte aus seiner Perspektive und er tut dies überaus glaubhaft. Mirjam Pressler hat das Buch übersetzt, dass sie eine Garantin für gute Lesestoffe ist, beweist sie mit dem vorliegenden Buch einmal mehr. Zum Vorlesen und Selberlesen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Simon van der Geest: Das geheime Logbuch, das magnetische Mädchen und eine fast brillante Erfindung. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18454-0

Rezension: Maria Riss

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind

28.04.2017 by

46431709zEmma geht in die zweite Klasse. Emma hat zwei kleine Brüder, eine Schwester, sie hat eine Mama und einen Papa und sie hat einen kleinen Hund, Wuschel. Emma geht es sehr gut, vor allem auch deshalb, weil sie seit neustem einen Freund hat. Paul kommt jeden Nachmittag vorbei, und dann gehen die beiden mit Wuschel spazieren. Paul, der wünscht sich ja nichts sehnlicher, als selber einen Hund zu haben. Manchmal machen sie lustige Dinge, die beiden, laufen rückwärts oder klettern um die Wette. Als Emma von Paul eine Halskette mit Glitzerherz bekommt, ist ihr Glück kaum zu überbieten. Paul und Emma wollen heiraten, das versprechen sie sich an diesem Tag. Aber dann, ein paar Tage später, wartet Paul nicht an der Hausecke, um mit Emma in die Schule zu gehen und am Nachmittag, da hat er bereits mit seinen Freunden abgemacht, um Fussball zu spielen. Emma wird so traurig, dass sie ständig heulen muss. Da ist es gut, eine ältere Schwester zu haben, die Rat weiss. Jungen sind manchmal so, meint sie, aber dann hört das auch wieder auf. Und bald schon ist es auch bei Paul so. Er verspricht Emma, immer ein guter Freund für sie zu bleiben und das mit dem Heiraten, das wird sich sicher geben, später, wenn beide gross sind.

Sigrid Zeevaert hat eine Geschichte geschrieben, in der sich wohl alle Leserinnen und Leser wiederfinden werden, ganz egal wie alt sie sind. Es geht um Liebe, um Nähe und Distanz, es geht um Abgrenzung, um Freundschaft und Neid. Die Autorin beschreibt Emmas Gefühlsdurcheinander in einer einfachen, aber treffenden Sprache, die schon ganz kleine Kinder verstehen werden. Die gute Gliederung des Inhalts und die grosse Nähe zu dem, was Kinder bestens kennen, machen dieses Buch zu einem idealen Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind. Mit farbigen Bildern von Sabine Büchner. Thienemann 2016. ISBN: 978-3-522-18431-1

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Februar 2017

01.02.2017 by

kondomDudrun Skretting: Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen
Anton ist 13 Jahre alt und seit jeher der Kleinste in der Klasse. Und abstehende, grosse Ohren, das hat er auch. Nicht gerade gute Voraussetzungen um in der Schule gross Eindruck machen zu können. Eines Tages, Anton flickt gerade seinen gerissenen Fahrradschlauch, bemerkt sein Vater mit einem Grinsen im Gesicht: «Gummis sind eben nicht immer reissfest.» Anton wird klar, dass er kein gewolltes Kind war, ein Kondomunfall quasi. Diese Tatsache bringt Anton dermassen ins Grübeln, dass seine Welt richtig in Schieflage gerät. Aber nicht nur er selber ist aus dem Takt, auch sein Papa macht einen unglücklichen Eindruck. Seit Mamas Tod hatte er nie mehr näheren Kontakt zu einer Frau. Anton ist überzeugt: Papa braucht dringend eine Abwechslung, sprich eine neue Frau. Da ist es gut, dass er Ine hat. Ine ist seine allerbeste Freundin, seit er denken kann. Die beiden machen sich also daran, für Antons Papa eine Frau zu finden. Das ist gar nicht so einfach: Was macht Menschen anziehend? Wie kann man sich verlieben? Es war dann schliesslich Ines Idee, Papa ausgerechnet für einen Strickkurs anzumelden. Ulla aus dem Strickkurs ist zwar nett, will aber am liebsten gleich einziehen und das Kommando übernehmen, das vor allem. Nein, so kommt das nicht gut. Wie das ganze Unterfangen schliesslich doch zu einem guten Ende findet, das sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Das alles nachzulesen macht nicht nur grossen Spass, man wird vielleicht sogar ein bisschen klüger dabei.
Gudrun Skretting ist eine norwegische Autorin und dies ihr erstes Kinderbuch. Bücher aus Norwegen sind oft etwas schräg. Das vorliegende Buch macht da keine Ausnahme. Es ist humorvoll, voll von unglaublichen Zufällen, spannend und doch auch überaus klug. Und wenn Ine und Anton über die Liebe diskutieren, wenn sie beide merken, wie wichtig sie füreinander sind, was Freundschaft ausmacht, dann ist das Buch stellenweise auch richtig weise. Der Text ist voll von passenden Metaphern, die muss man beim Lesen nicht unbedingt alle verstehen, es macht die Lektüre aber vielschichtiger, so dass auch geübte Leserinnen und Leser voll auf ihre Rechnung kommen. Ein Buch, das man gar nicht mehr weglegen mag für Kinder ab etwa 12 Jahren ebenso wie für Erwachsene.

Gudrun Skretting: Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Carlsen 2016. ISBN: 978-3-551-58370-3
Rezension: Maria Riss

Jo Cotterill: Eine Geschichte der Zitrone

13.12.2016 by

zitroneCalypso ist fast zwölf. Sie lebt mit ihrem Vater zusammen. Ihre Mutter ist gestorben, als Calypso fünf Jahre alt war. Calypso ist still. Sie hat ihre eigene Welt, lebt mit ihren vielen Büchern und einem Vater, der dauernd schreibt und alles um sich herum zu vergessen scheint. Wenn Calypso nicht wäre, er würde sogar nicht mal dran denken, etwas zu essen. Er schreibt ein Buch über Zitronen und züchtet die Pflanzen im Wintergarten. Und dann kommt Mae in Calypsos Klasse. Zum ersten Mal hat Calypso eine Art Freundin gefunden. Mae nimmt Calypso zu sich nach Haus und ganz allmählich wird Calypso bewusst, wie leer, trist und einsam ihr eigenes Zuhause ist. Wie lange sie nicht mehr gelacht hat, wie gut es tut, von einer Freundin in den Arm genommen zu werden. Ganz langsam brechen ihre Mauern ein, die sie sich seit dem Tod ihrer Mutter aufgebaut hat. Calypso kann endlich weinen, loslassen und um ihre Mutter trauern. Auch ihr Vater bekommt das mit. Calypso ist nicht mehr ständig daheim und sorgt für ihn. Calypso drängt ihn dazu, endlich etwas zu verändern. Aber Veränderungen sind schwer, aufgestaute Trauer endlich zuzulassen, das tut weh. Calypsos Vater hat immer gesagt, dass man nur in sich selber die nötige Stärke finden kann, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Calypso belehrt ihn auf sehr eindrückliche Art eines Besseren.
Konsequent aus der Sicht der zwölfjährigen Calypso beschreibt die Autorin eindringlich und in einer wunderbar einfachen, treffenden Sprache, wie schwer es Kinder haben, deren Eltern psychisch erkrankt sind. Wie viel auf ihren Schultern lastet. Es ist gut, dass Calypso nun eine Freundin hat und eine Lehrerin dazu, die ihr weiterhelfen. Man muss nicht alles alleine schaffen. Es ist auch gut, dass Calypso so viel und gerne schreibt. Ihr helfen die geschriebenen Zeilen, ihren Kummer zu verarbeiten. Die Geschichte dieses Aufbruchs nachzulesen, das ist sehr eindrücklich. «Eine Geschichte der Zitrone» gehört zu jenen Büchern, bei denen man sich die letzten Seiten aufspart, weil die Lektüre so berührend und wunderschön ist. Für Jugendliche und Erwachsene.

Jo Cotterill: Eine Geschichte der Zitrone. Königskinder 2016. ISBN: 978-3-551-56036-0

Rezension: Maria Riss

Salah Naoura: Chris, der grösste Retter aller Zeiten

20.11.2015 by

retterChris ist bald 12 Jahre alt. In der ganzen Schule ist er berühmt dafür, dass er Gutes tut. Er rettet einfach alles, angefangen bei der alten Oma, die fast unters Auto kommt, bis hin zu Spinnen und Schnecken, die in Todesgefahr schweben. Und dann kommt Titus, ein Neuer, in die Schule. Titus lässt sich einfach nicht helfen, ganz egal, ob bei den Hausaufgaben oder der Suche nach den richtigen Unterrichtsräumen. Aber dann findet Chris heraus, dass Titus in wirklich grossen Schwierigkeiten steckt: Seine Mama liegt seit Langem im Spital und sein Vater kümmert sich überhaupt nicht mehr um ihn und seinen kleinen Bruder Benni. Es ist klar, Titus muss geholfen werden, und zwar sofort. Gleichzeitig merkt Chris aber auch, dass in seiner eigenen Familie nicht alles zum Besten steht. Chris weiss zwar, dass er einmal einen Zwillingsbruder hatte, aber wie der kleine Bruder damals verstorben ist, über das wird in der Familie kein Wort verloren. Als Chris seinen Schulkameraden mit dem kleinen Bruder einfach mit zu sich nach Hause nimmt, bricht die sorgsam gehütete Eisschicht ein. Endlich sprechen die Familienmitglieder miteinander, endlich erfährt Chris die Wahrheit, endlich ist ein Neuanfang möglich. Chris hat seine Familie – und in gewisser Weise auch sich selbst – gerettet.

Der deutschsyrische Autor Salah Naoura – unter anderem Träger des Peter-Härtling-Preises und des Jahres-LUCHS – erzählt in prägnanten Bildern, atmosphärisch dicht und sehr spannend. Selten hat es ein Autor so meisterhaft hingekriegt, ein so weises Buch mit so vielen Botschaften zu schreiben, ohne dass man beim Lesen all dies wirklich wahrnimmt. Die Geschichte ist humorvoll, locker geschrieben und die Lektüre so unterhaltsam, dass man das Buch kaum weglegen mag. Einmal mehr beweist Salah Naoura, dass er zu den ganz wichtigen Autoren der modernen Kinderliteratur gehört. Weil es sich lohnt, über all die versteckten Weisheiten miteinander zu diskutieren, eignet sich das Buch sehr gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Salah Naoura: Chris, der grösste Retter aller Zeiten. Beltz 2015. ISBN: 978-3-407-81198-1

Rezension: Maria Riss

Christa Ludwig: Ein Schatz für Bingo

20.11.2015 by

bingoCecilia, Jona und Yannick, das sind drei ganz dicke Freunde. Nun ist es aber so, dass Bingo, der Hund von Cecilia, sehr krank ist und operiert werden sollte. Dafür braucht man ganz viel Geld. Die Eltern sind nicht bereit, für den alten Hund so viel auszugeben, zumal Papa eben seine Stelle verloren hat. Die drei Freunde geben aber nicht so schnell auf. Sie organisieren einen Flohmarkt. Dafür brauchen sie möglichst viele alte Sachen vom Estrich Jona entdeckt dort den Zettel zuerst, es ist ein Hinweis auf einen versteckten Schatz. Die Suche erweist sich allerdings als ganz schön knifflig, da alle weiteren Hinweise zum Finden des Verstecks in verschiedenen Geheimschriften notiert sind. Ob die drei das Geld zusammenbekommen, das sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Spass macht das Entziffern der geheimen Botschaften den Lesenden mit Sicherheit.

Eine Erstlesegeschichte, die sich sehr wohltuend von den gängigen Reihen unterscheidet. Der Plot bietet nicht nur Spannung, da steckt auch viel Sprachwitz drin und Ideen, wie man mit Sprache spielen kann. Für Kinder ab 8 Jahren.

Christa Ludwig: Ein Schatz für Bingo. Verlag Freies Geistesleben 2015. ISBN: 978-3-7725-2605-3

Rezension: Maria Riss