Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben

31.07.2018 by

Der neue Freund von Theos Mama heisst Martin und ist Koch. Es schmeckt einfach grauenhaft, was da nun plötzlich daheim auf den Tisch kommt und es gibt dauernd Streit. Theo hat es wirklich nicht leicht, auch in der Schule wird öfters gehänselt und gemobbt. Als Mama ihm zudem erklärt, dass er über den Sommer in ein Ferienlager soll, ist Theo richtig verzweifelt. Aber Theo ist einer, der sich nicht wirklich wehren kann. Im Lager wird es nicht besser, dauernd wird er von den andern veräppelt. Ja, und dann passiert das Wunderbarste überhaupt: Ein altes fliegendes Segelschiff landet in einer Baumkrone und ein ziemlich zerzauster Rabe überredet Theo, einzusteigen. An Bord gibt es eine Katze, eine Möwe und einen ziemlich zerstreuten kleinen Koch. Der Rabe, eigentlich Kapitän diese Schiffs, weiss, wohin Theos richtiger Vater verschwunden ist. Die Reise dahin ist allerdings sehr abenteuerlich und voll lebensbedrohender Gefahren. Theo lernt zu navigieren, ein Segelschiff zu steuern und er meistert, zusammen mit seinen neuen Freunden, alle schrecklichen Gefahren. Da gibt es Riesenkraken, da gibt es Stimmen, die Theo in Untiefen locken, da gibt es die Insel der vergessenen Kinder, deren Bewohner Theo nicht mehr gehen lassen wollen. Theo lernt auf dieser Reise überaus viel, vor allem mehr Vertrauen ins eigene Tun. Erst ganz am Schluss deckt er das Geheimnis seines Vaters auf. Sein Vater wird nicht zurückkommen, aber Theo kennt jetzt nicht nur die Wahrheit, sondern er hat erfahren, dass er sehr viel stärker ist, als er glaubte. Jetzt kann er endlich heimkehren.
Ute Krause hat ein sehr packendes Buch geschrieben, dies nicht nur wegen dem spannenden Plot, sondern auch wegen der wundervollen Zeichnungen, die aus der gleichen Feder stammen. Auf jeder Doppelseite gibt es mindestens ein farbiges, eindrückliches Bild. Kinder werden beim Lesen kaum mehr aus dem Staunen herauskommen, so unglaublich ist der Verlauf dieser Geschichte. Witzig sind dann vor allem die Figuren auf dem Schiff, allen voran Koch Smutje mit seinem ewig gleichen Menu: Möwenspiegeleier mit Bratkartoffeln. Das Buch enthält nebst der spannenden, turbulenten Handlung viele Metaphern, die wohl eher die erwachsenen Vorleserinnen und Vorleser ansprechen werden. Das Buch eignet sich sehr gut Vorlesen, wenn auch die verzwickte Handlung recht hohe Anforderungen an die Vorstellungskraft stellt. Darum ist es gut, dass all die aussagekräftigen Bilder beim Verstehen und Behalten helfen. Für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben. cbj 2018. ISBN: 978-3-570-17579-8
Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Juli 2018

03.07.2018 by

Philip Pullman: Über den wilden Fluss
Malcolm lebt mit seinen Eltern und seinem Daemon Asta in Oxford. Er ist etwa 12 Jahre alt und ein ungemein kluger und hilfsbereiter Junge. Gegenüber dem Fluss gibt es ein Nonnenkloster, Malcolm hilft dort immer wieder aus. Eines Tages wird im Kloster ein Baby abgegeben, ein kleines Mädchen mit dem Namen Lyra. Zur gleichen Zeit passieren merkwürdige Dinge: Malcolm beobachtet einen Mord und belauscht beim Helfen in der Gaststube seiner Eltern geheime Gespräche über Macht, Krieg und Religion. Malcolm erfährt auch, wer der Vater der kleinen Lyra ist. Lyras Vater wird verfolgt und kann sich nicht um seine kleine Tochter kümmern. Malcolm verspricht ihm, was immer auch kommen möge, er werde Lyra beschützen. Man munkelt in diesen Tagen auch von einer Flut, die kommen werde, so gross, wie sie noch nie jemand erlebt habe. Es ist Malcom, der zusammen mit dem Küchenmädchen Alice das kleine Baby vor den schrecklichen Fluten rettet. In Malcolms kleinem Boot gelingt ihnen die Flucht. Um das Baby Lyra scheinen sich die Mächtigen des Landes zu streiten, deshalb wird Malcoms Boot verfolgt. Nicht nur die riesigen Wassermassen, auch bewaffnete Verfolger bedrohen das Leben der drei Flüchtenden. Alice und Malcolm haben Lyra vom ersten Moment an in ihr Herz geschlossen und verteidigen ihr Leben mit allen Mitteln. Erst ganz am Schluss, nach dem Bestehen von unglaublich vielen Gefahren, können sie Lyra endlich in die Hände ihres Vaters legen.
Philip Pullman hat einen ganz fantastischen Roman geschrieben, dies in jeder Beziehung. In welcher Zeit und Welt die Geschichte spielt, ist unklar, im Vordergrund steht aber der Konflikt zwischen mächtigen Religionsführern und den Gelehrten der Wissenschaft. Der Autor hat den Plot mit vielen fantastischen Elementen ausgestattet, so wird etwa jede Figur von einem passenden Daemon begleitet, dies macht die Lektüre zusätzlich spannend und geheimnisvoll. Auch die Beschreibungen der Figuren sind so treffend, dass Lesende Alice und Malcolm zu kennen glauben und wohl mit allen beiden gern befreundet wären. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, würde man gerne weiterlesen, so eindrücklich ist diese Lektüre, auch wegen der vielen, aktuellen und politischen Anspielungen. Da ist es gut, dass bereits im Herbst der nächste Band «Ans andere Ende der Welt»erscheinen wird.
«Über den wilden Fluss» ist Teil der Vorgeschichte zur unvergesslichen Trilogie «Der goldene Kompass».

Philip Pullman: Über den wilden Fluss. Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger. Carlsen 2018. ISBN: 978-3-551-58393-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Mai 2018

02.05.2018 by

superflashSalah Naoura: Superflashboy
Torben-Henrik ist ein ganz normaler, etwa 10-jähriger Junge. Vielleicht ein bisschen zu stark, vielleicht manchmal etwas gar tollpatschig und rein gar nicht musikalisch, was seine Familie sehr bedauert. Momentan ist Fasnacht und alle Kinder gehen verkleidet zur Schule. Klar, dass Torben-Henrik sich als Flashboy, seinem absolut liebsten Comichelden, verkleidet. Auf dem Heimweg passiert es: Eine schwarze Limousine hält, zwei Männer packen Torben-Henrik, schmeissen ihn ins Auto und brausen los, ab durch einen Tunnel nach Hero City. Dort wird er in einem total coolen Haus von einem Roboter-Kindermädchen in Empfang genommen. Wahnsinn: Hier in Hero City leben ausschliesslich Superheldinnen und Helden, Spiderman, Zorroboy und Catgirl geben sich da die Hand. Als plötzlich ein zweiter kleiner Flashboy, quasi eine Kopie von Torben-Henrik, zur Tür herein kommt wird klar, dass Torben-Henrik verwechselt wurde. Der richtige Flashboy ist sehr nett, vielleicht mit ein bisschen gar wenigen Muskeln ausgestattet, dafür ist er überaus musikalisch. Die beiden freunden sich an und beschliessen, ihre Rollen zu tauschen. So übersiedelt der richtige Flashboy in Torben Henriks langweilige Normalfamilie und Torben-Henrik bleibt in Hero City. Klar, dass es an beiden Orten zu kniffligen, völlig absurden Situationen kommt, klar, dass nach ein paar Tagen beide doch irgendwie froh sind, wieder in ihre eigene Welt zurückkehren zu können.
Auf eine solch einmalig gute Idee für ein Buch zu kommen, das kann wohl fast nur Salah Naoura. In diesem Buch ist alles vereint, was gute Geschichten ausmacht und Kinder werden mit Sicherheit begeistert sein. Die Ereignisse in beiden Welten überschlagen sich und  sind einfach so phantasievoll und komisch, dass auch erwachsene Vorleserinnen und Vorleser  wohl immer wieder lachen müssen. Der Autor erzählt diese turbulente Geschichte in kurzen Kapiteln und mit einem schelmischen Augenzwinkern. Ergänzt wird das spannende Geschehen mit  vielen tollen Bildern von Kai Schlütter. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Salah Naoura: Superflashboy. Rowohlt 2018. ISBN: 978-3-499-21799-9

 

Judith Rossell: Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert

24.04.2018 by

stellaDie Geschichte spielt in England etwa zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Stellas Leben könnte eintöniger nicht sein. Sie zieht mit ihren drei schrulligen, überaus strengen Tanten von einem Kurhotel zum nächsten. Mädchen müssen artig sein, fleissig und keinesfalls vorlaut. Mädchen lernen stricken und nette Konversation, so lauten ihre Erziehungsgrundsätze. Aber Stella eignet sich ganz und gar nicht für ein Leben als wohlerzogenes Mädchen. Zu neugierig ist sie, zu sehr auf Abenteuer aus. Und dann wird sie doch tatsächlich nicht nur Zeugin eines Mordes am Hotelgast Mr Filbert, sondern auch von lebensgefährlichen magischen Ereignissen in der Hotelhalle. Stella will um alles in der Welt herausfinden, wer die Mörder des alten Mr Filbert waren, zumal ihr dieser kurz vor seinem mysteriösen Tod ein magisches Fläschchen anvertraut hat, das keinesfalls in fremde Hände geraten darf. Stella macht sich also auf Verbrecherjagd und nimmt dabei die schlimme tägliche Schelte der alten Tanten nur allzu gerne in Kauf. Bald kommt sie einem skrupellosen alten Magier auf die Spur, der unbedingt dieses Fläschchen will. Sie lernt Ben und Gerti kennen, die ihr helfen und ebenso interessiert sind, dem grausamen Magier auf die Schliche zu kommen. Bald wird es für Stella aber richtig gefährlich. Sie muss fliehen, wird gekidnappt und kann sich zu guter Letzt, dank der Hilfe von Geri und Ben, aus ihrer Gefangenschaft in einer alten, gruseligen Burgruine befreien.
Stellas abenteuerlichen Ermittlungen zu folgen, macht grossen Spass. Mit viel Geschick hat die Autorin es verstanden, in dieser Geschichte verschiedene Genres miteinander zu verknüpfen. So liest sich das Buch stellenweise wie ein Krimi, manchmal wie ein Fantasyroman und ab und zu wie eine reale Lebensgeschichte aus jener Zeit. Weil der Spannungsbogen gleich auf den ersten Seiten beginnt, mag man die Lektüre kaum mehr unterbrechen, zudem gibt es auch immer wieder Szenen zum Schmunzeln, wenn sich die alten Tanten beispielsweise beim Tee über all den Ärger mit Kindern heutzutage unterhalten. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen für unerschrockene Leser und Leserinnen ab etwa 12 Jahren.

Judith Rossell: Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert. Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi. Thienemann 2018. ISBN:978-3-522-18489-2

Rezension: Maria Riss

Tom Fletcher: Der Weihnachtosaurus

18.11.2017 by

weihnaHoch oben im Norden entdecken ein paar Weihnachtswichtel ein seltsames, riesiges Ei. Der Weihnachtsmann ist genauso fasziniert davon wie seine Mitarbeiter. Und so wird dieses Riesenei ausgebrütet. Alle kommen aus dem Staunen fast nicht mehr heraus, als ein kleiner, wunderschöner Dinosaurier ausschlüpft. Zur gleichen Zeit gibt es in einer kleinen Stadt einen Jungen namens William. William interessiert sich nur für ein Thema: Dinosaurier. Und zu Weihnachten wünscht er sich nichts sehnlicher, als einen lebendigen Dino. Natürlich weiss er, dass dieser Wunsch niemals in Erfüllung gehen wird. William hat es momentan nicht eben leicht. In der Schule wird er seit kurzem gehänselt und drangsaliert, dies vor alles deshalb, weil William seit einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt. An Weihnachten passieren Wunder und in diesem Jahr ein ganz besonders grosses. Mitten in der Nacht erwacht William, weil ein mittlerweile recht grosser Saurier in seinem Zimmer herumwuselt. Die beiden schauen sich an und sie werden Freunde, das spüren beide vom ersten Moment an. In dieser Nacht erleben die beiden noch einige Abenteuer und Überraschungen, ganz so, wie es sich für eine Zeit der Wunder gehört.
Der Weihnachtosaurus ist Tom Fletschers erstes Kinderbuch und er hat darin schier alles verpackt, was die meisten Kinder lieben: Dinos, Weihnachten, Wunder, einen bösen Jäger (der den Dino erschiessen will), eine kleine Liebesgeschichte und ganz viel Magie, Zauberei und aberwitzige Ereignisse. Und zu guter Letzt wird alles gut. Die Bösen werden bestraft und den Guten werden alle Wünsche erfüllt. Das Buch ist spannend und unterhaltend und voll von unvorhersehbaren Wendungen. Ein Lesespass für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Tom Fletcher: Der Weihnachtosaurus. Aus dem Englischen von Franziska Gehm. cbt 2017. ISBN: 978-3-570-16499-0

Rezension: Maria Riss

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder

23.03.2017 by

fährtenfinderEs passiert am Tag, nachdem die zwölfjährige Todi zum ersten Mal am Ritual des Mittsommers teilnehmen durfte: Ihr Vater verschwindet spurlos. Todi glaubt nicht daran, dass ihr Vater im Meer ertrunken ist. Er war schliesslich ein Fährtenfinder, einer der das Meer wie seine Hosentasche kennt. Bald darauf verschwindet aber auch Todis beste Freundin. Todi macht sich mit ihrem Freund Oskar auf, um nach den Verschwundenen zu suchen. Dieses Unterfangen wird bald für beide lebensgefährlich. Sie werden von schrecklichen Ungeheuern angegriffen und gefangen genommen, können aber mit viel List und Mut fliehen. Bald wird klar, dass fast alle Fährtenfinder von einem schwarzen Magier entführt worden sind. Jetzt kann nur die grosse Zauberin Marcia mit ihrer weissen Magie helfen. Gemeinsam mit Todi und vielen, gar wunderlichen Gehilfen macht sie sich auf, die Fährtenfinder zu befreien. Dies geht aber nur, wenn Todi endlich ihre magischen Kräfte zulässt, wenn sie die Kunst des Fährtenlesens, wie es Generationen vor ihr schon getan haben, auch wirklich traut anzuwenden.
Angie Sage gehört zu den wichtigsten Autorinnen moderner Fantasyliteratur für Kinder und Jugendliche. Mit der neuen Buchreihe «Fährtenfinder» wird sie diesem Ruf in jeder Beziehung gerecht. Kaum zu glauben, wie viel Magie in einem Buch stecken kann! So viele absonderliche Figuren und Orte, so viele verzwickte Zauberformeln und Rituale gibt es zu entdecken. Dass die Handlung überaus spannend ist, versteht sich von selbst. Die Lektüre ist allerdings auch recht anspruchsvoll, weil es so viele Figuren gibt, die sich alle durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen und im Laufe der Handlung immer wieder auftauchen. Da ist es gut, dass das Buch so klar gegliedert ist und dass die fantastischen Bleistiftzeichnungen das Geschehen ganz wunderbar ergänzen. Für Fantasyliebhaber ab etwa 12 Jahren.

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25488-6

Rezension: Maria Riss

Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens

14.11.2016 by

casparCaspars Eltern sind Puppenspieler, erfolgreiche und weltbekannte Künstler. Caspar ist besonders begabt im Holzschnitzen, seine ältere Schwester Gerda erfindet gerne neue Geschichten und der kleine Bruder Till, der ist einfach noch zu klein, um mitzuhelfen. Und dann am Neujahrsmorgen ist Till plötzlich verschwunden. Und nicht nur das, auch sämtliche Fotos und Erinnerungsstücke von Till sind nicht mehr auffindbar und die Eltern scheinen gar nicht mehr zu wissen, dass sie je einen kleinen Sohn hatten. Nur Caspar und Gerda vermissen Till und beginnen mit der Suche. Sie stossen dabei auf rätselhafte Spuren und einen uralten geheimen Vertrag. Till wurde wohl vom «Meister des Vergessens» geholt, der seit Jahrhunderten laut Vertrag immer wieder ein Kind als Tribut verlangt. Caspar gibt das Suchen nicht auf und gelangt schliesslich in einen alten Turm, wo der «Meister des Vergessens» Kinder gefangen hält. Kinder, denen er alle Erinnerungen gestohlen hat, Kinder, die für ihn schuften müssen. Caspar liebt seinen kleinen Bruder so sehr, dass er allen Mut zusammennimmt und sich ebenfalls gefangen nehmen lässt. In Gefangenschaft kämpft er nicht nur gegen den grusligen alten Meister, sondern auch dagegen, seine eigenen Erinnerungen zu verlieren. Natürlich wendet sich am Ende alles zum Guten, bis dahin gilt es aber sehr viele, äusserst gefährliche Abenteuer zu bestehen.
Überaus harmlos und fast idyllisch geht es am Anfang der Lektüre zu und her. Mit jeder Seite aber werden Leserinnen und Leser mehr ins Buchgeschehen hineingezogen. Ein bisschen Schaudern und Hühnerhaut gehören dazu, manchmal so, dass man zumindest bis zum Ende des Kapitels weiterlesen muss. Die Autorin hat wohl darauf geachtet, dass man am Ende jedes Kapitels zumindest ein bisschen aufatmen kann. Nebst der in einer sehr ausdrucksstarken Sprache verfassten spannenden Geschichte ist die klare Gliederung mit ein Grund, dass sich das Buch sehr gut zum Vorlesen eignet. Die Handlung erzählt vom Zusammenhalten, von manchmal nervigen Brüdern und von der Kostbarkeit unserer Erinnerungen. Für Leserinnen und Leser ab etwa 12 Jahren.

Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens. Oetinger, 2016. ISBN: 978-3-7891-0426-8

Rezension: Maria Riss

 

Lissa Evans: Stuart Horten. Acht Münzen und eine magische Werkstatt

27.08.2015 by

Cholyremefarben und Schwarz ist die äussere Gestaltung des Buchumschlags. Konservativ und zurückhaltend. Erst beim genaueren Hinschauen zeigen sich kleine Details, die bereits auf eine magisch verzauberte Welt verweisen. Auf das Glitzern, die Spannung, den Zauber und die bunte Welt, die beim Eintauchen in diese Geschichte auf die jungen Leserinnen und Leser wartet. Auch die Qualität vom Papier ist eine haptische Wohltat, denn es fühlt sich sehr zart und hochwertig an.

Das passt zur Hauptfigur Stuart Horten. Er ist für sein Alter von erst 10 Jahren klein, genau genommen «klitze-klein», was er spielend leicht durch andere Gaben wettmachen kann, wie sich im Verlauf dieser Geschichte zeigt. Stuarts Familie zieht um. Seine Eltern haben diese «unvernünftige» Entscheidung trotz seiner Einwände nun mal getroffen. Langweilig ist es am neuen Ort und weil Ferien sind, findet Stuart zumindest vorläufig auch keine neuen Freunde. An diesen Tatsachen ändern auch die Tipps seines Vaters nichts. Zwar hat er hier einmal gelebt als kleiner Junge, aber das ist lange her. Erst als Stuart auf dem Schreibtisch seines Vaters eine geheimnisvolle Schatulle entdeckt, ist es mit der Langeweile vorbei. Er findet darin nicht nur acht goldfarbig schimmernde Münzen, sondern auch äusserst mysteriöse Hinweise auf einen Grossonkel. Die acht alten Münzen aus der Spardose gehören in acht alte Münzautomaten, die Stuart zur geheimen Werkstatt des Grossonkels mit all den magischen Maschinen führen. Nach und nach kommt Stuart dem Geheimnis seines Onkels auf die Spur und löst schliesslich eine Aufgabe, die eigentlich für seinen Vater bestimmt war. Dabei gelingt es dem hellwachen Jungen bis zum Ende der Sommerferien nicht nur, eine wirkliche Freundin zu finden. Er hat auch die Familien-Geschichte seines Vaters zu einem guten Ende gebracht.Eine spannende, humorvolle, phantastische Geschichte, voller Überraschungen, Rätsel und Magie für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Lissa Evans: Stuart Horten. Acht Münzen und eine magische Werkstatt. mixtvision 2011. ISBN: 978-3-939435-53-2

Rezension: Stefanie Kappus

 

 

 

Susan Niessen: Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich

25.08.2015 by

FIBSFips ist ein junger Zauberer, der jeden Tag brav die Zauberschule besucht. Eines Tages verschwindet sein Vater, der berühmte Zauberer Ferdinand, einfach spurlos. Fips macht sich heimlich auf, seinen Vater zu suchen. Dabei erlebt er wirklich sehr, sehr viele Abenteuer. Er begegnet Drachen, Räubern, bösen Rittern und wunderschönen Prinzessinnen. Natürlich findet Fips seinen Vater und natürlich war der böse Ritter Haderich Schuld an allem und natürlich wird zu guter Letzt alles wieder gut.
Dieses Buch ist in jeder Hinsicht witzig, spannend, unbeschwert und unterhaltsam. Viele Kinder werden begeistert sein, weil die Handlung sehr rasch voranschreitet und man beim Lesen nicht allzu viel hinterfragen und überlegen muss. Die Geschichte ist märchenhaft, weil weder Raum noch Zeit eine Rolle spielen, weil der Text sich ausschliesslich auf die äussere Handlung konzentriert und die inneren Sichtweisen der Figuren ausser Acht lässt. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren. Fips Fidibus ist auch als Hörbuch lieferbar.
Für alle, die weitere Abenteuer des kleinen Zauberers lesen wollen, ist  ein zweiter Band erschienen: «Fips Fidibus und der verflixte Zauberkelch».

Susan Niessen: Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich. Oetinger 2012. ISBN: 978-3-7891-4334-2

Rezension: Maria Riss

Christian Linker: Stadt der Wölfe

28.04.2015 by

woelfe«Ich wünschte, es gäbe euch alle gar nicht. Am liebsten wär ich ganz allein auf der Welt!» Mit diesen Worten geht Janek nach einem schlimmen Streit mit seinen Eltern abends ins Bett. Am Morgen wacht Janek auf, geht in die Küche. Es ist niemand da. Er macht sich Frühstück, holt sein Rad und will zur Schule fahren. Keine Menschenseele ist unterwegs. Völlig sinnlos wechseln die Ampeln ihre Farben. Die Schule ist leer. Absolut unheimlich. Janek schreibt eine Botschaft an die Tafel. Vielleicht gibt es ja irgendwo doch noch jemanden. Anschliessend macht er sich in der ganzen Stadt auf die Suche nach Menschen. Er verfährt sich und als ihn aus einem Tunnel zwei Augen anstarren, als er das laute Knurren hört, weiss er, dass Wölfe unterwegs sind. Die erste einsame Nacht daheim wird zu einem einzigen Albtraum. Janek fühlt eine Angst, wie er sie niemals zuvor erlebt hat. Wieder fährt er am Morgen darauf zur Schule und dort, dort findet er endlich jemanden. Es ist Anouk, ein Mädchen aus seiner Klasse, die sich endlich aus ihrem Versteckt traut. Die beiden fallen sich in die Arme, sind so froh, nicht mehr ganz alleine zu sein. Bald merken die beiden aber, dass sie verfolgt werden, nicht nur von Wölfen. Wie die Geschichte ausgeht, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Man kann das Buch vor dem Lesen der letzten Seite nicht zur Seite legen.

So muss gute Unterhaltungsliteratur für Kinder geschrieben sein: Es braucht einen spannenden Plot, eine gut verständliche Sprache, die aber niemals anbiedernd sein darf und es braucht Protagonisten, mit denen sich die Lesenden identifizieren können. Christian Linker schreibt über all die Abenteuer, die Janek und Anouk bestehen müssen, er regt an, darüber nachzudenken, wie es wäre, als eine Art Robinson in unserer Welt zurecht zu kommen. Er erzählt von Vertrauen, vom Zusammenhalten und ein bisschen auch von einer ersten Liebe. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil es nicht nur so spannend ist, sondern Mädchen wie Jungen gleichermassen anspricht. Der Text ist in grossen Lettern gedruckt und sei für Leserinnen und Leser ab etwa 11 Jahren empfohlen.

Cristian Linker: Stadt der Wölfe. dtv Hardcover 2015. ISBN: 978-3-423-76114-7

Rezension: Maria Riss