Markus Stromiedel: Der Torwächter

03.12.2012 von

Simon ist erst kürzlich mit seinen Eltern ins alte Haus seines Grossvaters eingezogen. Seither häufen sich die merkwürdigsten Ereignisse: Der Grossvater verschwindet spurlos, es gibt unheimliche Bilder im Haus und dieses rätselhafte Buch, das Grossvater ihm zurückgelassen hat. Simon spürt zudem, dass seine Eltern ihm etwas Wichtiges verschweigen. Zusammen mit Ira, einem Mädchen aus dem Dorf, will er herausfinden, was hinter all dem steckt. Er stösst dabei auf das geheimnisvolles Erbe der Torwächter und bald weiss er, dass er diesem Erbe nicht ausweichen kann, dass er künftig die Rolle des Torwächters zwischen zwei verschiedenen Welten übernehmen muss: Ein lebensbedrohender Kampf scheint dies zu werden, ein Streit zwischen Feuer und Eis, zwischen Gut und Böse.

Markus Stromiedel hat sich als Autor von Drehbüchern und als Fantasyschriftsteller für Erwachsene bereits einen Namen gemacht. «Der Torwächter» ist sein erster Roman für Jugendliche. Und sein Erstlingswerk überzeugt: Der Plot ist überaus spannend und zwar von der ersten Seite an, die Sprache ist zwar einfach aber treffend, die einzelnen Figuren und ihre Handlungsweisen wirken glaubhaft und die Szenarien passen zum Buchgeschehen. Das Buch wird Fantasyliebhaber ab etwa 12 Jahren begeistern!

Rezension: Maria Riss

Markus Stromiedel: Der Torwächter. Dressler, 2012.

Philip Pullman: Der Goldene Kompass

24.09.2012 von

Hörbuch, gelesen von Rufus Beck. Das rebellische Mädchen Lyra Belacqua wächst ohne Eltern im Jordan College in Oxford auf, mehr oder minder geschickt betreut und gebildet von sämtlichen Professoren. Zufällig wird sie Zeugin, wie versucht wird den Forscher Lord Asriel, ihren Onkel, zu vergiften. Es gelingt ihr, ihn zu warnen, und er macht sich wieder auf in den Norden, um weitere Indizien für den so genannten „Staub“ zu finden, mit dessen Hilfe man in andere Welten gelangen könnte. In Oxford verschwinden unterdessen reihenweise Kinder, offenbar wurden sie alle von den Gobblern, einer mysteriösen Organisation, entführt. Als schliesslich auch Lyras Freunde verschwinden, will sie sie suchen. Verhindert wird dies durch die faszinierende Miss Coulter, die Lyra mit nach London nimmt, gegen den Willen der Professoren. Vor ihrer Abreise und mitten in der Nacht übergibt ihr der Rektor einen seltsam anmutenden goldenen Kompass, ein so genanntes Alethiometer, mit dem, wer es zu lesen versteht, man die Zukunft erfahren kann. In London bemerkt Lyra schnell, dass die vermeintliche Wohltäterin Miss Coulter zu den Kindesentführern gehört. Sie täuscht sie und flüchetet, verfolgt von den Gobblern. Sie wird von drei Gyptern, Angehörige eines fahrenden Volkes gerettet. Von ihnen erfährt sie die Wahrheit über ihre wirkliche Herkunft und von der Tatsache, dass die Gobbler vor allem Kinder der Gypter entführen um sie in den Norden zu verschleppen. Lyra reist mit den Gyptern dorthin, auf der Suche nach ihren Freunden und nach dem vom Magisterium gefangen gehaltenen Lord Asriel, der in Wirklichkeit ihr Vater ist. Mit Hilfe des Panserbjörns Iorek Byrnison, einem verstossenen gepanzerten Eisbären unternimmt Lyra alles, um ihren Vater und die gefangenen Kinder zu retten.

Fantasy ist für mich immer dann am besten, wenn man als Lesender – oder in diesem Fall als Hörender – kaum realisiert, dass man gerade ein Fantasy-Werk liest, das heisst, wenn die Geschichte trotz aller neuen und fremden Elemente vollkommen glaubhaft klingt. Dies ist Philip Pullman mit dem goldenen Kompass hervorragend geglückt. Dazu trägt aber auch Rufus Beck mit seiner grandiosen Vortragsweise einen grossen Teil bei. Beinahe unglaublich, wie er es schafft, sämtlichen Figuren ihre eigene Stimme zu geben, sodass man sie jeweils erkennt, ohne dass ihre Namen erwähnt werden müssen. Ein grandioses Hörvergnügen, dass den zusätzlichen Erlebnisgewinn von Hörbüchern gegenüber herkömmlichen Büchern nicht deutlicher aufzuzeigen vermag.

Warum eigentlich soll man Bücher immer lesen? Heute, wo das Hörverstehen vieler Kinder und Jugendlicher deutlich reduziert ist? Gerade deshalb eigenen sich Hörbücher wie das Besprochene sehr gut für den offenen aber auch für den geführten Leseunterricht. Ob das Hören mit oder ohne Aufgaben verbunden wird, bleibt der Lehrperson überlassen. Für den individualisierenden Unterricht auf verschiedensten Anspruchs- oder Niveaustufen eignet sich «Der goldene Kompass» hervorragend. Das Hörbuch ist für Kinder ab etwa 10 Jahren, vor allem aber für die Oberstufe geeignet. Auch Erwachsene werden an diesem Roman ihren Spass haben, der im Übrigen den ersten Teil einer Trilogie bildet.

Rezension: Peter Steffen

Philip Pullman: Der Goldene Kompass. Hörbuch Verlag, 2007. Aus der Reihe: Silberfisch.

Philip Pullman: Der goldene Kompass

24.09.2012 von

Fantasy- und Abenteuerroman. Lyra lebt mit ihrem Dämon Pantalaimon im Jordan College in Oxford, einer Parallelwelt, die der unsrigen sehr ähnlich ist. Ihr Alltag wird durchbrochen, als sie versteckt eine geheime Sitzung im College belauscht, an der auch ihr Onkel Lord Asriel teilnimmt. Dort erfährt Lyra erstmals von der Existenz des kosmischen Staubes. Zur gleichen Zeit verschwinden in ihrer Umgebung plötzlich Kinder. Eines Tages ist auch Roger, Lyras bester Freund unauffindbar.

Als ihr die schöne, aber eiskalte Mrs. Coulter anbietet, sie mit auf eine Reise in den Norden zu nehmen, geht Lyra mit ihr. Doch bald muss sie erfahren, dass Mrs. Coulter die Leiterin jener geheimen Organisation ist, die für das Verschwinden der vielen Kinder verantwortlich ist und so flüchtet sie von ihr. Nach und nach wird Lyra klar, dass Mrs. Coulter ihre Mutter und Lord Asriel ihr Vater ist. Dieser wird in der Arktis gefangen gehalten und auch die verschwundenen Kinder wurden dorthin gebracht.

So begeben sich Lyra und ihre Freunde auf eine Reise in den hohen Norden. Lyras Helfer ist ein Althiometer, ein Instrument, mit dem Lyra die Zukunft lesen kann. In Bolvangar, einer Region, die Angst und Schrecken verbreitet, trifft sie auf gefährliche Panzerbären, zerstrittene Hexenclans, einen mutigen Aereonauten und machthungrige Wissenschaftler, die in düsteren Labors verbotene Experimente an Kindern und ihren Dämonen durchführen. Lyra gelingt es schliesslich mit List und einer ihren zahlreich erfundenen Geschichten, das Labor zu zerstören, um dann mit den anderen Kindern die Flucht anzutreten.

Sie erkennt am Schluss des Buches, dass ihre Welt mit einer anderen Welt verbunden ist. Lord Asriel macht sich auf den Weg in diese Welt und opfert, um eine Verbindung der Welten herzustellen, Lyras bester Freund Roger, der daraufhin stirbt. Mit Lyras Entschluss, Asriel in die unbekannte Welt zu folgen, endet der 1. Band.

Mit seinen über 400 Seiten ist das Buch wohl eher für Lesebegeisterte gedacht und empfiehlt sich zur Lektüre ab etwa 12 Jahren. Inhaltlich ist der Plot eher anspruchsvoll, da die Thematik und die Geschichte recht komplex sind. «Der goldene Kompass» ist aber ein spannender, packender und unterhaltsamer Roman, der Jugendliche wie Erwachsene in seinen Bann zu ziehen vermag.

Pullman verstrickt geschickt Elemente des Abenteuerromans, des Thrillers, der Fantasy sowie des Märchens und führt Lesende in eine magische Parallelwelt voller Geheimnisse und Gefahren. Im Buch vermischen sich phantastische Realitäten mit der menschlichen Wirklichkeit, sowie wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Religion. Das Buch wurde im Dezember 2007 verfilmt.

«Der goldene Kompass» ist der erste Band einer Trilogie. Thema aller Bücher ist das Erwachsenwerden. Im Heyne Verlag sind auch die beiden Folgebände erschienen: «Das magische Messer» und «Das Bernsteinteleskop».

Rezension: Claudia Rüetschi

Dieses Buch ist auch als Hörbuch erschienen. Die beiden Versionen des gleichen Textes ermöglichen unterschiedliche und differenzierende Zugänge.

Philip Pullman: Der goldene Kompass. Wilhelm Heyne Verlag, 1996.

Julia Kröhn: Lara und der Fluch der Schwarzen Frau

17.09.2012 von

Weil ihre Mutter mit dem neuen Freund in die Toscana in den Urlaub gefahren ist, soll Lara die Ferien bei ihrer Tante Frieda verbringen. Das passt Lara eigentlich gar nicht, denn ihre Tante wohnt in einem kleinen verschlafenen Dorf in der Eifel – und das ist nun wirklich das Gegenteil von dem, was sich die unternehmungslustige Primarschülerin als Ferienregion vorstellt. Bald schon kommt sie jedoch auf andere Gedanken, denn seltsame Erlebnisse häufen sich: Zuerst begegnet sie dem seltsamen Nachbarskind Theodora, die alles sammelt, was aus dem Mittelalter, genauer dem Jahr 1423 stammt. Zudem hört Lara seltsame Stimmen und sieht schwarze Schatten. Mit der Hilfe von Theodora und ihrer Tante kommt sie der Sache bald auf die Spur: Es ist der Geist Appolonias, einer Frau aus der Vergangenheit, der noch immer keine Ruhe gefunden hat. Welch ein Glück, dass Lara einen Spiegel besitzt, mit dessen Hilfe sie zusammen mit Theodora in die Vergangenheit reisen kann, um Appolonia zu helfen.

„Lara und der Fluch der Schwarzen Frau“ ist der zweite Lara-Band. Er kann gut unabhängig vom ersten Band („Lara und die Prinzessin im Spiegel“) gelesen werden. Die Erzählung ist mit über 200 Seiten umfangreich und daher eher für geübtere Leserinnen geeignet. Schrift und Zeilenabstand sind relativ gross gehalten. Eine lebendige, spannende Fantasy- und Gespenstergeschichte, besonders für Leserinnen im Alter zwischen 10 und 12 Jahren.

Nora Kernen

Julia Kröhn: Lara und der Fluch der Schwarzen Frau. Carlsen, 2012.

Charlotte Kerner (Hrsg.): Die fantastischen 6

19.03.2012 von

Diese Anthologie stellt sechs klassische Autorinnen und Autoren der Phantastik vor: die Autorin Mary Shelly und den Autor Bram Stoker aus dem 19. Jahrhundert; drei Schriftsteller – J.R.R. Tolkien, Stanislaw Len und Philip K. Dick – aus dem 20. Jahrhundert und Stephen King, der bis heute noch schreibt.

Das Buch wird mit einem literaturgeschichtlichen Abriss zu den Genren Horror, Science-Fiction und Fantasy eingeleitet. An die Einführung schliessen sich die sechs Porträts auf je etwa 40 Seiten an. Als Leserin oder Leser kriegt man einen detaillierten, lebendigen, sehr persönlichen und tiefschürfenden Einblick in das Leben der Bücher-schreibenden. Geschickt werden die Lebensgeschichten mit der Inhaltszusammenfassung ihrer wichtigsten Werke vermischt.

Es ist einmal mehr beeindruckend festzustellen, wie prägend sich die Kind- und Jugendzeit der Autorinnen und Autoren auf ihre schriftstellerischen Werke ausgewirkt haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass Tolkiens Auenlandschaft im «Herr der Ringe» viele Anlehnungen an die Grafschaft Warwickshire in England aufweist, in der er vier Jahre seiner frühen Kindheit verbrachte.

Anschaulich und lebendig werden die Portäts durch zahlreiche Zitate. Da erklärt zum Beispiel Philip K. Dick (Blade Runner) ganz offen und selbstverständlich, weshalb er nie einen akademischen Abschluss zustande brachte: «Ich habe das, was sie beim Militär eine ‘erbärmliche Enstellung‘ nennen, und das heisst, ‘reiss dich zusammen oder zieh Leine‘. Ich habe es immer vorgezogen, Leine zu ziehen».

Am Schluss des Buches findet sich eine Bilbiographie zu den Werken der vorgestellten Autorinnen und Autoren sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis. Zudem gibt es Kurzinformationen zu den sechs Verfassern dieser Porträts.

Das Buch lässt sich flüssig, ähnlich einem Roman lesen, verlangt aber auch, dass sich Lesende für die Biographien interessieren und bereit sind, mitzudenken. Dieses Buch ist sowohl für literaturinteressierte Jugendliche ab 14 Jahren, als auch für Erwachsene empfehlenswert.

Rezension: Claudia Rüetschi

Charlotte Kerner (Hrsg.): Die fantastischen 6. Beltz&Gelberg, 2010.