Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder

23.03.2017 by

fährtenfinderEs passiert am Tag, nachdem die zwölfjährige Todi zum ersten Mal am Ritual des Mittsommers teilnehmen durfte: Ihr Vater verschwindet spurlos. Todi glaubt nicht daran, dass ihr Vater im Meer ertrunken ist. Er war schliesslich ein Fährtenfinder, einer der das Meer wie seine Hosentasche kennt. Bald darauf verschwindet aber auch Todis beste Freundin. Todi macht sich mit ihrem Freund Oskar auf, um nach den Verschwundenen zu suchen. Dieses Unterfangen wird bald für beide lebensgefährlich. Sie werden von schrecklichen Ungeheuern angegriffen und gefangen genommen, können aber mit viel List und Mut fliehen. Bald wird klar, dass fast alle Fährtenfinder von einem schwarzen Magier entführt worden sind. Jetzt kann nur die grosse Zauberin Marcia mit ihrer weissen Magie helfen. Gemeinsam mit Todi und vielen, gar wunderlichen Gehilfen macht sie sich auf, die Fährtenfinder zu befreien. Dies geht aber nur, wenn Todi endlich ihre magischen Kräfte zulässt, wenn sie die Kunst des Fährtenlesens, wie es Generationen vor ihr schon getan haben, auch wirklich traut anzuwenden.
Angie Sage gehört zu den wichtigsten Autorinnen moderner Fantasyliteratur für Kinder und Jugendliche. Mit der neuen Buchreihe «Fährtenfinder» wird sie diesem Ruf in jeder Beziehung gerecht. Kaum zu glauben, wie viel Magie in einem Buch stecken kann! So viele absonderliche Figuren und Orte, so viele verzwickte Zauberformeln und Rituale gibt es zu entdecken. Dass die Handlung überaus spannend ist, versteht sich von selbst. Die Lektüre ist allerdings auch recht anspruchsvoll, weil es so viele Figuren gibt, die sich alle durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen und im Laufe der Handlung immer wieder auftauchen. Da ist es gut, dass das Buch so klar gegliedert ist und dass die fantastischen Bleistiftzeichnungen das Geschehen ganz wunderbar ergänzen. Für Fantasyliebhaber ab etwa 12 Jahren.

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25488-6

Rezension: Maria Riss

Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens

14.11.2016 by

casparCaspars Eltern sind Puppenspieler, erfolgreiche und weltbekannte Künstler. Caspar ist besonders begabt im Holzschnitzen, seine ältere Schwester Gerda erfindet gerne neue Geschichten und der kleine Bruder Till, der ist einfach noch zu klein, um mitzuhelfen. Und dann am Neujahrsmorgen ist Till plötzlich verschwunden. Und nicht nur das, auch sämtliche Fotos und Erinnerungsstücke von Till sind nicht mehr auffindbar und die Eltern scheinen gar nicht mehr zu wissen, dass sie je einen kleinen Sohn hatten. Nur Caspar und Gerda vermissen Till und beginnen mit der Suche. Sie stossen dabei auf rätselhafte Spuren und einen uralten geheimen Vertrag. Till wurde wohl vom «Meister des Vergessens» geholt, der seit Jahrhunderten laut Vertrag immer wieder ein Kind als Tribut verlangt. Caspar gibt das Suchen nicht auf und gelangt schliesslich in einen alten Turm, wo der «Meister des Vergessens» Kinder gefangen hält. Kinder, denen er alle Erinnerungen gestohlen hat, Kinder, die für ihn schuften müssen. Caspar liebt seinen kleinen Bruder so sehr, dass er allen Mut zusammennimmt und sich ebenfalls gefangen nehmen lässt. In Gefangenschaft kämpft er nicht nur gegen den grusligen alten Meister, sondern auch dagegen, seine eigenen Erinnerungen zu verlieren. Natürlich wendet sich am Ende alles zum Guten, bis dahin gilt es aber sehr viele, äusserst gefährliche Abenteuer zu bestehen.
Überaus harmlos und fast idyllisch geht es am Anfang der Lektüre zu und her. Mit jeder Seite aber werden Leserinnen und Leser mehr ins Buchgeschehen hineingezogen. Ein bisschen Schaudern und Hühnerhaut gehören dazu, manchmal so, dass man zumindest bis zum Ende des Kapitels weiterlesen muss. Die Autorin hat wohl darauf geachtet, dass man am Ende jedes Kapitels zumindest ein bisschen aufatmen kann. Nebst der in einer sehr ausdrucksstarken Sprache verfassten spannenden Geschichte ist die klare Gliederung mit ein Grund, dass sich das Buch sehr gut zum Vorlesen eignet. Die Handlung erzählt vom Zusammenhalten, von manchmal nervigen Brüdern und von der Kostbarkeit unserer Erinnerungen. Für Leserinnen und Leser ab etwa 12 Jahren.

Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens. Oetinger, 2016. ISBN: 978-3-7891-0426-8

Rezension: Maria Riss

 

Lissa Evans: Stuart Horten. Acht Münzen und eine magische Werkstatt

27.08.2015 by

Cholyremefarben und Schwarz ist die äussere Gestaltung des Buchumschlags. Konservativ und zurückhaltend. Erst beim genaueren Hinschauen zeigen sich kleine Details, die bereits auf eine magisch verzauberte Welt verweisen. Auf das Glitzern, die Spannung, den Zauber und die bunte Welt, die beim Eintauchen in diese Geschichte auf die jungen Leserinnen und Leser wartet. Auch die Qualität vom Papier ist eine haptische Wohltat, denn es fühlt sich sehr zart und hochwertig an.

Das passt zur Hauptfigur Stuart Horten. Er ist für sein Alter von erst 10 Jahren klein, genau genommen «klitze-klein», was er spielend leicht durch andere Gaben wettmachen kann, wie sich im Verlauf dieser Geschichte zeigt. Stuarts Familie zieht um. Seine Eltern haben diese «unvernünftige» Entscheidung trotz seiner Einwände nun mal getroffen. Langweilig ist es am neuen Ort und weil Ferien sind, findet Stuart zumindest vorläufig auch keine neuen Freunde. An diesen Tatsachen ändern auch die Tipps seines Vaters nichts. Zwar hat er hier einmal gelebt als kleiner Junge, aber das ist lange her. Erst als Stuart auf dem Schreibtisch seines Vaters eine geheimnisvolle Schatulle entdeckt, ist es mit der Langeweile vorbei. Er findet darin nicht nur acht goldfarbig schimmernde Münzen, sondern auch äusserst mysteriöse Hinweise auf einen Grossonkel. Die acht alten Münzen aus der Spardose gehören in acht alte Münzautomaten, die Stuart zur geheimen Werkstatt des Grossonkels mit all den magischen Maschinen führen. Nach und nach kommt Stuart dem Geheimnis seines Onkels auf die Spur und löst schliesslich eine Aufgabe, die eigentlich für seinen Vater bestimmt war. Dabei gelingt es dem hellwachen Jungen bis zum Ende der Sommerferien nicht nur, eine wirkliche Freundin zu finden. Er hat auch die Familien-Geschichte seines Vaters zu einem guten Ende gebracht.Eine spannende, humorvolle, phantastische Geschichte, voller Überraschungen, Rätsel und Magie für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Lissa Evans: Stuart Horten. Acht Münzen und eine magische Werkstatt. mixtvision 2011. ISBN: 978-3-939435-53-2

Rezension: Stefanie Kappus

 

 

 

Susan Niessen: Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich

25.08.2015 by

FIBSFips ist ein junger Zauberer, der jeden Tag brav die Zauberschule besucht. Eines Tages verschwindet sein Vater, der berühmte Zauberer Ferdinand, einfach spurlos. Fips macht sich heimlich auf, seinen Vater zu suchen. Dabei erlebt er wirklich sehr, sehr viele Abenteuer. Er begegnet Drachen, Räubern, bösen Rittern und wunderschönen Prinzessinnen. Natürlich findet Fips seinen Vater und natürlich war der böse Ritter Haderich Schuld an allem und natürlich wird zu guter Letzt alles wieder gut.
Dieses Buch ist in jeder Hinsicht witzig, spannend, unbeschwert und unterhaltsam. Viele Kinder werden begeistert sein, weil die Handlung sehr rasch voranschreitet und man beim Lesen nicht allzu viel hinterfragen und überlegen muss. Die Geschichte ist märchenhaft, weil weder Raum noch Zeit eine Rolle spielen, weil der Text sich ausschliesslich auf die äussere Handlung konzentriert und die inneren Sichtweisen der Figuren ausser Acht lässt. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren. Fips Fidibus ist auch als Hörbuch lieferbar.
Für alle, die weitere Abenteuer des kleinen Zauberers lesen wollen, ist  ein zweiter Band erschienen: «Fips Fidibus und der verflixte Zauberkelch».

Susan Niessen: Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich. Oetinger 2012. ISBN: 978-3-7891-4334-2

Rezension: Maria Riss

Christian Linker: Stadt der Wölfe

28.04.2015 by

woelfe«Ich wünschte, es gäbe euch alle gar nicht. Am liebsten wär ich ganz allein auf der Welt!» Mit diesen Worten geht Janek nach einem schlimmen Streit mit seinen Eltern abends ins Bett. Am Morgen wacht Janek auf, geht in die Küche. Es ist niemand da. Er macht sich Frühstück, holt sein Rad und will zur Schule fahren. Keine Menschenseele ist unterwegs. Völlig sinnlos wechseln die Ampeln ihre Farben. Die Schule ist leer. Absolut unheimlich. Janek schreibt eine Botschaft an die Tafel. Vielleicht gibt es ja irgendwo doch noch jemanden. Anschliessend macht er sich in der ganzen Stadt auf die Suche nach Menschen. Er verfährt sich und als ihn aus einem Tunnel zwei Augen anstarren, als er das laute Knurren hört, weiss er, dass Wölfe unterwegs sind. Die erste einsame Nacht daheim wird zu einem einzigen Albtraum. Janek fühlt eine Angst, wie er sie niemals zuvor erlebt hat. Wieder fährt er am Morgen darauf zur Schule und dort, dort findet er endlich jemanden. Es ist Anouk, ein Mädchen aus seiner Klasse, die sich endlich aus ihrem Versteckt traut. Die beiden fallen sich in die Arme, sind so froh, nicht mehr ganz alleine zu sein. Bald merken die beiden aber, dass sie verfolgt werden, nicht nur von Wölfen. Wie die Geschichte ausgeht, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Man kann das Buch vor dem Lesen der letzten Seite nicht zur Seite legen.

So muss gute Unterhaltungsliteratur für Kinder geschrieben sein: Es braucht einen spannenden Plot, eine gut verständliche Sprache, die aber niemals anbiedernd sein darf und es braucht Protagonisten, mit denen sich die Lesenden identifizieren können. Christian Linker schreibt über all die Abenteuer, die Janek und Anouk bestehen müssen, er regt an, darüber nachzudenken, wie es wäre, als eine Art Robinson in unserer Welt zurecht zu kommen. Er erzählt von Vertrauen, vom Zusammenhalten und ein bisschen auch von einer ersten Liebe. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil es nicht nur so spannend ist, sondern Mädchen wie Jungen gleichermassen anspricht. Der Text ist in grossen Lettern gedruckt und sei für Leserinnen und Leser ab etwa 11 Jahren empfohlen.

Cristian Linker: Stadt der Wölfe. dtv Hardcover 2015. ISBN: 978-3-423-76114-7

Rezension: Maria Riss

Paul Maar: Der Galimat und ich

24.03.2015 by

galimatJim lebt bei Onkel und Tante. Da geht es ihm gut, da wird er umsorgt. Seine Eltern sind Agenten und deshalb dauernd auf der Flucht. Nur ab und zu, da trudelt eine Postkarte von irgendwoher ins Haus. Jim ist nicht nur ein netter, sondern auch ein ganz besonders kluger Junge: Er hat ein fotografisches Gedächtnis und lernt drum Abend für Abend mindestens eine Seite des Lexikons auswendig. Jim ist gerade beim Buchstaben P angekommen, da ist das kleine Wesen auf Stelzenfüssen plötzlich in seinem Zimmer. Ein Galimat ist es, einer der Dinge materialisieren kann, einer der zwar ständig auf den Boden spuckt und trotzdem ziemlich nett und hilfsbereit ist. Jim kommt dieser Galimat gerade recht, wenn der Dinge herzaubern kann, dann kann der auch etwas erfinden, damit Jim endlich erwachsen wird. Als Erwachsener könnte er endlich einigen seiner doofen Mitschüler eins auswischen und auch dem ungerechten Lehrer mal so richtig die Leviten lesen. Gesagt, getan: Der Galimat zaubert eine Pille her, nach dessen Verzehr Jim plötzlich als etwa 50-jähriger Mann im Zimmer steht. Dass dies alles sehr verwirrend wird, dass Jim sich bald nach seinem «Kindsein» zurücksehnt, dass Onkel und Tante die Polizei rufen wollen und dass dann vieles doch noch gut wird, versteht sich von selbst. Bis dahin hofft man beim Lesen einfach, dass dies noch möglichst lange dauern wird, denn die Lektüre dieses Buches macht solch riesengrossen Spass. Einmal mehr beweist Paul Maar mit diesem Buch, über was für ein riesiges, wundervolles Repertoire an fantastischen Einfällen, an Ideen und Sprachwitz er verfügt. Er gehört zu Recht zu den ganz grossen Autoren der modernen Kinderliteratur. Ein rundum gelungenes Kinderbuch, das Vorleserinnen und Vorleser genauso begeistern wird wie die Kinder und dass allen gute Laune macht. Zum Vorlesen ab 7 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 9 Jahren.

Maar: Der Galimat und ich. Oetinger 2015. ISBN:978-3-7891-4296-3

Rezension: Maria Riss

Josephine Angelini: Everflame – Feuerprobe

08.03.2015 by

feuerDie 17-jährige Lily Protextor lebt in ihrer Heimatstadt Salem als Aussenseiterin. Sie fällt durch ihr feuerrotes Haar und ihre lebensbedrohlichen Allergien auf. Dass ihre Mutter unter Wahnanfällen leidet, macht ihre Situation nicht einfacher. Nach einer Partynacht, an der sie von ihrem Freund betrogen wird, wünscht sie sich weit fort. Einen Moment später findet sich Lily in einem anderen Universum wieder und steht Lilian, der Herrscherin von Salem und gleichzeitig ihrer Doppelgängerin gegenüber. Schnell befindet sich Lily im Mittelpunkt der Geschehnisse. Ihr Leben nimmt eine ungeahnte Wendung und bald gerät sie in einen abenteuerlichen Strudel von sich überschlagenden Ereignissen und sie lernt dabei ihre grosse Liebe kennen.
Ein mitreissender Fantasyroman, der die Leserschaft in Bann zieht. Der erste Band der «Everflame Triologie» empfiehlt sich mit seinen 480 Seiten für jugendliche Leseratten ab 14 Jahren. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss spannend, da sich immer wieder neue Erzählstränge eröffnen und Parallelen zwischen den Welten gezogen werden. Gespannt darf man den zweiten Band erwarten, der im Oktober 2015 unter dem Titel «Everflame – Tränenpfad» erscheinen wird. Die Geschichte ist auch als Hörbuch erhältlich.

Josephine Angelini: Everflame – Feuerprobe. Verlag Dressler, 2014. ISBN: 978-3-7915-2630-0

Rezension: Claudia Zimmerli-Rüetschi

Martin Auer Der wunderbare Zauberer von Oz

01.09.2014 by

ozRoman nach L. Frank BaumEin Wirbelsturm fegt Dorothy aus der Prärie von Kansas in das rätselhafte Land Oz. Während ihr Onkel Henry und ihre Tante Emily zurückbleiben, landen Dorothy und ihr Hund Toto in einer Umgebung, die fremd und unheimlich ist. Das Mädchen muss erfahren, dass nur der Zauberer von Oz ihr helfen kann, wieder in ihre alte Heimat zurückzufinden. Doch um ihm zu begegnen, muss Dorothy sich auf eine Reise begeben, die gefährlich und anstrengend werden wird. Bald hat ihr Alleingang ein Ende und sie gewinnt neue Freunde: Die kluge Vogelscheuche ohne Verstand, den blechernen Holzfäller ohne Herz und den ängstlichen Löwen ohne Mut. Sie alle werden auf dieser Reise über sich hinauswachsen. Es wird die Vogelscheuche sein, die in allen ausweglosen Situationen den passenden Rat weiss; es wird der herzlose Holzfäller sein, dem körperlich nichts anzuhaben ist, der mit viel Gefühl so manche Situation rettet und es wird der ängstliche Löwe sein, der endlich seinen Kräften traut. Als die Fünf sich gemeinsam aus der Gewalt der weissen Hexe befreien, sind sie zu einer starken Gemeinschaft gewachsen, bereit, dem grossen Zauberer von Oz gegenüber zu treten. Ja: Jippeti-jappeti-jak! Dass sich dieser Herrscher in seiner smaragdenen Stadt zuletzt als falscher Zauberer herausstellt, auch das werden die Freunde gemeinsam verkraften. Und am Ende der Geschichte werden alle zurück sein an dem Ort, der genau richtig für sie ist.
Die Geschichte vom wunderbaren Zauberer von Oz ist eine Geschichte von Figuren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dennoch näher kommen und Freundschaft schliessen. Jede der Figuren hat auf ihre Weise genau die Stärken und Schwächen, die es zum Bewältigen und als Ergänzung für das Gegenüber auf dieser anstrengenden Reise braucht. Für jede noch so grosse Herausforderung werden sie gemeinsam eine Lösung suchen und auch finden. Stärke und Selbstvertrauen wachsen ganz von selbst. Es ist auch eine zauberhafte Geschichte vom Erwachsenwerden und von der Idee, an den eigenen Lebenswünschen – auch unter widrigen Umständen – fest zu halten. Martin Auer hat diesen Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1900 sprachlich so überarbeitet, dass auch Kinder von heute den Inhalt und die feinen Zwischentöne verstehen können. Ein spannendes und wunderschönes Buch zum Lesen oder Vorlesen für Kinder ab etwa 11 Jahren.
Die Geschichte ist auch als Hörbuch erhältlich, allerdings in einer andern Version. Zudem wurde der Stoff mehrfach verfilmt und ist als DVD lieferbar.

Martin Auer Der wunderbare Zauberer von Oz. Roman nach L. Frank Baum. Gulliver bei Beltz & Gelberg 2013. ISBN: 978-3-407-74420-3

Rezension: Stefanie Kappus

Katja Alves: Josi und das verzauberte Niespulver

25.08.2014 by

josiJosi ist ein ganz normales, achtjähriges Mädchen mit den normalen Freuden und Sorgen, Wünschen und Widerwärtigkeiten eines jeden Mädchens in ihrem Alter. Josis bester Freund heisst Bruno. Eines Tages sind die beiden bei Brunos Tante eingeladen. Josi bekommt dort von der alten, kurzsichtigen Dame eine Tasse heisse Schokolade – nur leider ist diese Schokolade mit Niespulver statt mit etwas Zimt gewürzt. Nun geschehen plötzlich ziemlich seltsame Dinge: Ein Schal verwandelt sich in ein Schaf, gelbe Gummistiefel beginnen von selbst zu gehen und umrunden stur jede Pfütze, Puppe Giselas Haare werden zu sauren Gummischlangen, ein Sofakissen beginnt zu schnurren und zu knurren. Mit der Zeit findet Josi heraus, dass all diese sonderbaren Ereignisse mit ihrem Niesen zu tun haben, doch sie kann es nicht steuern. Immerhin hört der Zauber jeweils um Mitternacht auf. Als sie allerdings ihren Freund Bruno mit ihrem Niesen in einen Hund verzaubert, kann sie nicht bis um Mitternacht warten.
Katja Alves schreibt mit viel Humor und zeigt dabei Einfühlungsvermögen in die Erlebniswelt der Kinder. Dabei kommen Fantasie, Spannung und Skurrilität nicht zu kurz. Die Illustrationen von Susanne Göhlich gefallen durch ihre Überzeichnung und Fröhlichkeit. Eine amüsante, unterhaltsame Geschichte für Kinder ab der 3. Klasse. Sie eignet sich als Lektüre und zum Vorlesen. Die Geschichte ist auch als Hörbuch lieferbar.

Katja Alves: Josi und das verzauberte Niespulver. Arena 2014. ISBN: 978-3-401-70128-8

Rezension: Hans Muggli

Lars Joachim Grimstad: Finn und die geklauten Kinder

01.07.2014 by

finnFinn ist etwa 11 Jahre alt. Finns Vater war früher Taxifahrer und schon damals war er ein besonders guter Zuhörer. Während all der vielen Taxifahrten hörte er, was die Menschen für Sorgen, Nöte und Wünsche haben. Deshalb hat er eine neue Partei gegründet und wurde kurz danach zum Ministerpräsidenten Norwegens gewählt. (Eine seiner ersten Taten war, Gratisschokolade an alle Norweger zu verteilen.) Und so kommt es, dass nun Finn ins Königsschloss zu einem Nachtessen mitgehen darf. Geladen ist auch der Staatspräsident von Nordboresian, das ist ein Diktator und der schenkt dem Ministerpräsidenten einen seiner Söhne. Als Gastgeschenk quasi. Finn bekommt an diesem Abend also einen Stiefbruder. Dieser Stiefbruder, er heisst Kimmelim oder so, ist überaus nett und so wohlerzogen, dass es fast ein bisschen unheimlich wirkt. Finn und seine Freundin Sunniva finden schliesslich heraus, dass Kimmelim eine Art Roboter, ein sehr liebenswerter kleiner Androide ist. Verschwinden deshalb plötzlich überall Kinder im Land? Und, werden sie zu Robotern umgebaut? Als auch ein Mitschüler verschwindet, bleibt Finn nichts anderes übrig, als sich zusammen mit seiner Freundin auf eine ziemlich verrückte und ziemlich gefährliche Gangsterjagd zu machen.

Kinder- und Jugendbücher aus Norwegen sind oft witzig, skurril, schräg und ein bisschen verrückt. Lars Joachim Grimstad macht da mit seinem Debutroman keine Ausnahme. All die vielen Anspielungen, all die schier unmöglichen Zufälle und die richtig dosierte Portion an Elementen aus der Fantasy machen dieses Buch einmalig und so spannend, dass man die Lektüre kaum unterbrechen mag. Zudem sind Finn und Sunniva so liebenswerte Buchfiguren, voller Mut und Herzenswärme, dass man sie bei all den verrückten Abenteuern sehr gerne lesend begleitet. Das Buch eignet sich sowohl als Einzellektüre als auch dafür, es einer ganzen Schulklasse vorzulesen. Für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Lars Joachim Grimstad: Finn und die geklauten Kinder. Dressler 2014. ISBN: 978-3791-50728-6

Rezension: Maria Riss