Buch des Monats Mai 2018

02.05.2018 by

superflashSalah Naoura: Superflashboy
Torben-Henrik ist ein ganz normaler, etwa 10-jähriger Junge. Vielleicht ein bisschen zu stark, vielleicht manchmal etwas gar tollpatschig und rein gar nicht musikalisch, was seine Familie sehr bedauert. Momentan ist Fasnacht und alle Kinder gehen verkleidet zur Schule. Klar, dass Torben-Henrik sich als Flashboy, seinem absolut liebsten Comichelden, verkleidet. Auf dem Heimweg passiert es: Eine schwarze Limousine hält, zwei Männer packen Torben-Henrik, schmeissen ihn ins Auto und brausen los, ab durch einen Tunnel nach Hero City. Dort wird er in einem total coolen Haus von einem Roboter-Kindermädchen in Empfang genommen. Wahnsinn: Hier in Hero City leben ausschliesslich Superheldinnen und Helden, Spiderman, Zorroboy und Catgirl geben sich da die Hand. Als plötzlich ein zweiter kleiner Flashboy, quasi eine Kopie von Torben-Henrik, zur Tür herein kommt wird klar, dass Torben-Henrik verwechselt wurde. Der richtige Flashboy ist sehr nett, vielleicht mit ein bisschen gar wenigen Muskeln ausgestattet, dafür ist er überaus musikalisch. Die beiden freunden sich an und beschliessen, ihre Rollen zu tauschen. So übersiedelt der richtige Flashboy in Torben Henriks langweilige Normalfamilie und Torben-Henrik bleibt in Hero City. Klar, dass es an beiden Orten zu kniffligen, völlig absurden Situationen kommt, klar, dass nach ein paar Tagen beide doch irgendwie froh sind, wieder in ihre eigene Welt zurückkehren zu können.
Auf eine solch einmalig gute Idee für ein Buch zu kommen, das kann wohl fast nur Salah Naoura. In diesem Buch ist alles vereint, was gute Geschichten ausmacht und Kinder werden mit Sicherheit begeistert sein. Die Ereignisse in beiden Welten überschlagen sich und  sind einfach so phantasievoll und komisch, dass auch erwachsene Vorleserinnen und Vorleser  wohl immer wieder lachen müssen. Der Autor erzählt diese turbulente Geschichte in kurzen Kapiteln und mit einem schelmischen Augenzwinkern. Ergänzt wird das spannende Geschehen mit  vielen tollen Bildern von Kai Schlütter. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Salah Naoura: Superflashboy. Rowohlt 2018. ISBN: 978-3-499-21799-9

 

Judith Rossell: Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert

24.04.2018 by

stellaDie Geschichte spielt in England etwa zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Stellas Leben könnte eintöniger nicht sein. Sie zieht mit ihren drei schrulligen, überaus strengen Tanten von einem Kurhotel zum nächsten. Mädchen müssen artig sein, fleissig und keinesfalls vorlaut. Mädchen lernen stricken und nette Konversation, so lauten ihre Erziehungsgrundsätze. Aber Stella eignet sich ganz und gar nicht für ein Leben als wohlerzogenes Mädchen. Zu neugierig ist sie, zu sehr auf Abenteuer aus. Und dann wird sie doch tatsächlich nicht nur Zeugin eines Mordes am Hotelgast Mr Filbert, sondern auch von lebensgefährlichen magischen Ereignissen in der Hotelhalle. Stella will um alles in der Welt herausfinden, wer die Mörder des alten Mr Filbert waren, zumal ihr dieser kurz vor seinem mysteriösen Tod ein magisches Fläschchen anvertraut hat, das keinesfalls in fremde Hände geraten darf. Stella macht sich also auf Verbrecherjagd und nimmt dabei die schlimme tägliche Schelte der alten Tanten nur allzu gerne in Kauf. Bald kommt sie einem skrupellosen alten Magier auf die Spur, der unbedingt dieses Fläschchen will. Sie lernt Ben und Gerti kennen, die ihr helfen und ebenso interessiert sind, dem grausamen Magier auf die Schliche zu kommen. Bald wird es für Stella aber richtig gefährlich. Sie muss fliehen, wird gekidnappt und kann sich zu guter Letzt, dank der Hilfe von Geri und Ben, aus ihrer Gefangenschaft in einer alten, gruseligen Burgruine befreien.
Stellas abenteuerlichen Ermittlungen zu folgen, macht grossen Spass. Mit viel Geschick hat die Autorin es verstanden, in dieser Geschichte verschiedene Genres miteinander zu verknüpfen. So liest sich das Buch stellenweise wie ein Krimi, manchmal wie ein Fantasyroman und ab und zu wie eine reale Lebensgeschichte aus jener Zeit. Weil der Spannungsbogen gleich auf den ersten Seiten beginnt, mag man die Lektüre kaum mehr unterbrechen, zudem gibt es auch immer wieder Szenen zum Schmunzeln, wenn sich die alten Tanten beispielsweise beim Tee über all den Ärger mit Kindern heutzutage unterhalten. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen für unerschrockene Leser und Leserinnen ab etwa 12 Jahren.

Judith Rossell: Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert. Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi. Thienemann 2018. ISBN:978-3-522-18489-2

Rezension: Maria Riss

Tom Fletcher: Der Weihnachtosaurus

18.11.2017 by

weihnaHoch oben im Norden entdecken ein paar Weihnachtswichtel ein seltsames, riesiges Ei. Der Weihnachtsmann ist genauso fasziniert davon wie seine Mitarbeiter. Und so wird dieses Riesenei ausgebrütet. Alle kommen aus dem Staunen fast nicht mehr heraus, als ein kleiner, wunderschöner Dinosaurier ausschlüpft. Zur gleichen Zeit gibt es in einer kleinen Stadt einen Jungen namens William. William interessiert sich nur für ein Thema: Dinosaurier. Und zu Weihnachten wünscht er sich nichts sehnlicher, als einen lebendigen Dino. Natürlich weiss er, dass dieser Wunsch niemals in Erfüllung gehen wird. William hat es momentan nicht eben leicht. In der Schule wird er seit kurzem gehänselt und drangsaliert, dies vor alles deshalb, weil William seit einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt. An Weihnachten passieren Wunder und in diesem Jahr ein ganz besonders grosses. Mitten in der Nacht erwacht William, weil ein mittlerweile recht grosser Saurier in seinem Zimmer herumwuselt. Die beiden schauen sich an und sie werden Freunde, das spüren beide vom ersten Moment an. In dieser Nacht erleben die beiden noch einige Abenteuer und Überraschungen, ganz so, wie es sich für eine Zeit der Wunder gehört.
Der Weihnachtosaurus ist Tom Fletschers erstes Kinderbuch und er hat darin schier alles verpackt, was die meisten Kinder lieben: Dinos, Weihnachten, Wunder, einen bösen Jäger (der den Dino erschiessen will), eine kleine Liebesgeschichte und ganz viel Magie, Zauberei und aberwitzige Ereignisse. Und zu guter Letzt wird alles gut. Die Bösen werden bestraft und den Guten werden alle Wünsche erfüllt. Das Buch ist spannend und unterhaltend und voll von unvorhersehbaren Wendungen. Ein Lesespass für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Tom Fletcher: Der Weihnachtosaurus. Aus dem Englischen von Franziska Gehm. cbt 2017. ISBN: 978-3-570-16499-0

Rezension: Maria Riss

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder

23.03.2017 by

fährtenfinderEs passiert am Tag, nachdem die zwölfjährige Todi zum ersten Mal am Ritual des Mittsommers teilnehmen durfte: Ihr Vater verschwindet spurlos. Todi glaubt nicht daran, dass ihr Vater im Meer ertrunken ist. Er war schliesslich ein Fährtenfinder, einer der das Meer wie seine Hosentasche kennt. Bald darauf verschwindet aber auch Todis beste Freundin. Todi macht sich mit ihrem Freund Oskar auf, um nach den Verschwundenen zu suchen. Dieses Unterfangen wird bald für beide lebensgefährlich. Sie werden von schrecklichen Ungeheuern angegriffen und gefangen genommen, können aber mit viel List und Mut fliehen. Bald wird klar, dass fast alle Fährtenfinder von einem schwarzen Magier entführt worden sind. Jetzt kann nur die grosse Zauberin Marcia mit ihrer weissen Magie helfen. Gemeinsam mit Todi und vielen, gar wunderlichen Gehilfen macht sie sich auf, die Fährtenfinder zu befreien. Dies geht aber nur, wenn Todi endlich ihre magischen Kräfte zulässt, wenn sie die Kunst des Fährtenlesens, wie es Generationen vor ihr schon getan haben, auch wirklich traut anzuwenden.
Angie Sage gehört zu den wichtigsten Autorinnen moderner Fantasyliteratur für Kinder und Jugendliche. Mit der neuen Buchreihe «Fährtenfinder» wird sie diesem Ruf in jeder Beziehung gerecht. Kaum zu glauben, wie viel Magie in einem Buch stecken kann! So viele absonderliche Figuren und Orte, so viele verzwickte Zauberformeln und Rituale gibt es zu entdecken. Dass die Handlung überaus spannend ist, versteht sich von selbst. Die Lektüre ist allerdings auch recht anspruchsvoll, weil es so viele Figuren gibt, die sich alle durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen und im Laufe der Handlung immer wieder auftauchen. Da ist es gut, dass das Buch so klar gegliedert ist und dass die fantastischen Bleistiftzeichnungen das Geschehen ganz wunderbar ergänzen. Für Fantasyliebhaber ab etwa 12 Jahren.

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25488-6

Rezension: Maria Riss

Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens

14.11.2016 by

casparCaspars Eltern sind Puppenspieler, erfolgreiche und weltbekannte Künstler. Caspar ist besonders begabt im Holzschnitzen, seine ältere Schwester Gerda erfindet gerne neue Geschichten und der kleine Bruder Till, der ist einfach noch zu klein, um mitzuhelfen. Und dann am Neujahrsmorgen ist Till plötzlich verschwunden. Und nicht nur das, auch sämtliche Fotos und Erinnerungsstücke von Till sind nicht mehr auffindbar und die Eltern scheinen gar nicht mehr zu wissen, dass sie je einen kleinen Sohn hatten. Nur Caspar und Gerda vermissen Till und beginnen mit der Suche. Sie stossen dabei auf rätselhafte Spuren und einen uralten geheimen Vertrag. Till wurde wohl vom «Meister des Vergessens» geholt, der seit Jahrhunderten laut Vertrag immer wieder ein Kind als Tribut verlangt. Caspar gibt das Suchen nicht auf und gelangt schliesslich in einen alten Turm, wo der «Meister des Vergessens» Kinder gefangen hält. Kinder, denen er alle Erinnerungen gestohlen hat, Kinder, die für ihn schuften müssen. Caspar liebt seinen kleinen Bruder so sehr, dass er allen Mut zusammennimmt und sich ebenfalls gefangen nehmen lässt. In Gefangenschaft kämpft er nicht nur gegen den grusligen alten Meister, sondern auch dagegen, seine eigenen Erinnerungen zu verlieren. Natürlich wendet sich am Ende alles zum Guten, bis dahin gilt es aber sehr viele, äusserst gefährliche Abenteuer zu bestehen.
Überaus harmlos und fast idyllisch geht es am Anfang der Lektüre zu und her. Mit jeder Seite aber werden Leserinnen und Leser mehr ins Buchgeschehen hineingezogen. Ein bisschen Schaudern und Hühnerhaut gehören dazu, manchmal so, dass man zumindest bis zum Ende des Kapitels weiterlesen muss. Die Autorin hat wohl darauf geachtet, dass man am Ende jedes Kapitels zumindest ein bisschen aufatmen kann. Nebst der in einer sehr ausdrucksstarken Sprache verfassten spannenden Geschichte ist die klare Gliederung mit ein Grund, dass sich das Buch sehr gut zum Vorlesen eignet. Die Handlung erzählt vom Zusammenhalten, von manchmal nervigen Brüdern und von der Kostbarkeit unserer Erinnerungen. Für Leserinnen und Leser ab etwa 12 Jahren.

Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens. Oetinger, 2016. ISBN: 978-3-7891-0426-8

Rezension: Maria Riss

 

Lissa Evans: Stuart Horten. Acht Münzen und eine magische Werkstatt

27.08.2015 by

Cholyremefarben und Schwarz ist die äussere Gestaltung des Buchumschlags. Konservativ und zurückhaltend. Erst beim genaueren Hinschauen zeigen sich kleine Details, die bereits auf eine magisch verzauberte Welt verweisen. Auf das Glitzern, die Spannung, den Zauber und die bunte Welt, die beim Eintauchen in diese Geschichte auf die jungen Leserinnen und Leser wartet. Auch die Qualität vom Papier ist eine haptische Wohltat, denn es fühlt sich sehr zart und hochwertig an.

Das passt zur Hauptfigur Stuart Horten. Er ist für sein Alter von erst 10 Jahren klein, genau genommen «klitze-klein», was er spielend leicht durch andere Gaben wettmachen kann, wie sich im Verlauf dieser Geschichte zeigt. Stuarts Familie zieht um. Seine Eltern haben diese «unvernünftige» Entscheidung trotz seiner Einwände nun mal getroffen. Langweilig ist es am neuen Ort und weil Ferien sind, findet Stuart zumindest vorläufig auch keine neuen Freunde. An diesen Tatsachen ändern auch die Tipps seines Vaters nichts. Zwar hat er hier einmal gelebt als kleiner Junge, aber das ist lange her. Erst als Stuart auf dem Schreibtisch seines Vaters eine geheimnisvolle Schatulle entdeckt, ist es mit der Langeweile vorbei. Er findet darin nicht nur acht goldfarbig schimmernde Münzen, sondern auch äusserst mysteriöse Hinweise auf einen Grossonkel. Die acht alten Münzen aus der Spardose gehören in acht alte Münzautomaten, die Stuart zur geheimen Werkstatt des Grossonkels mit all den magischen Maschinen führen. Nach und nach kommt Stuart dem Geheimnis seines Onkels auf die Spur und löst schliesslich eine Aufgabe, die eigentlich für seinen Vater bestimmt war. Dabei gelingt es dem hellwachen Jungen bis zum Ende der Sommerferien nicht nur, eine wirkliche Freundin zu finden. Er hat auch die Familien-Geschichte seines Vaters zu einem guten Ende gebracht.Eine spannende, humorvolle, phantastische Geschichte, voller Überraschungen, Rätsel und Magie für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Lissa Evans: Stuart Horten. Acht Münzen und eine magische Werkstatt. mixtvision 2011. ISBN: 978-3-939435-53-2

Rezension: Stefanie Kappus

 

 

 

Susan Niessen: Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich

25.08.2015 by

FIBSFips ist ein junger Zauberer, der jeden Tag brav die Zauberschule besucht. Eines Tages verschwindet sein Vater, der berühmte Zauberer Ferdinand, einfach spurlos. Fips macht sich heimlich auf, seinen Vater zu suchen. Dabei erlebt er wirklich sehr, sehr viele Abenteuer. Er begegnet Drachen, Räubern, bösen Rittern und wunderschönen Prinzessinnen. Natürlich findet Fips seinen Vater und natürlich war der böse Ritter Haderich Schuld an allem und natürlich wird zu guter Letzt alles wieder gut.
Dieses Buch ist in jeder Hinsicht witzig, spannend, unbeschwert und unterhaltsam. Viele Kinder werden begeistert sein, weil die Handlung sehr rasch voranschreitet und man beim Lesen nicht allzu viel hinterfragen und überlegen muss. Die Geschichte ist märchenhaft, weil weder Raum noch Zeit eine Rolle spielen, weil der Text sich ausschliesslich auf die äussere Handlung konzentriert und die inneren Sichtweisen der Figuren ausser Acht lässt. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 8 Jahren. Fips Fidibus ist auch als Hörbuch lieferbar.
Für alle, die weitere Abenteuer des kleinen Zauberers lesen wollen, ist  ein zweiter Band erschienen: «Fips Fidibus und der verflixte Zauberkelch».

Susan Niessen: Fips Fidibus und das Geheimnis des schwarzen Haderich. Oetinger 2012. ISBN: 978-3-7891-4334-2

Rezension: Maria Riss

Christian Linker: Stadt der Wölfe

28.04.2015 by

woelfe«Ich wünschte, es gäbe euch alle gar nicht. Am liebsten wär ich ganz allein auf der Welt!» Mit diesen Worten geht Janek nach einem schlimmen Streit mit seinen Eltern abends ins Bett. Am Morgen wacht Janek auf, geht in die Küche. Es ist niemand da. Er macht sich Frühstück, holt sein Rad und will zur Schule fahren. Keine Menschenseele ist unterwegs. Völlig sinnlos wechseln die Ampeln ihre Farben. Die Schule ist leer. Absolut unheimlich. Janek schreibt eine Botschaft an die Tafel. Vielleicht gibt es ja irgendwo doch noch jemanden. Anschliessend macht er sich in der ganzen Stadt auf die Suche nach Menschen. Er verfährt sich und als ihn aus einem Tunnel zwei Augen anstarren, als er das laute Knurren hört, weiss er, dass Wölfe unterwegs sind. Die erste einsame Nacht daheim wird zu einem einzigen Albtraum. Janek fühlt eine Angst, wie er sie niemals zuvor erlebt hat. Wieder fährt er am Morgen darauf zur Schule und dort, dort findet er endlich jemanden. Es ist Anouk, ein Mädchen aus seiner Klasse, die sich endlich aus ihrem Versteckt traut. Die beiden fallen sich in die Arme, sind so froh, nicht mehr ganz alleine zu sein. Bald merken die beiden aber, dass sie verfolgt werden, nicht nur von Wölfen. Wie die Geschichte ausgeht, das sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Man kann das Buch vor dem Lesen der letzten Seite nicht zur Seite legen.

So muss gute Unterhaltungsliteratur für Kinder geschrieben sein: Es braucht einen spannenden Plot, eine gut verständliche Sprache, die aber niemals anbiedernd sein darf und es braucht Protagonisten, mit denen sich die Lesenden identifizieren können. Christian Linker schreibt über all die Abenteuer, die Janek und Anouk bestehen müssen, er regt an, darüber nachzudenken, wie es wäre, als eine Art Robinson in unserer Welt zurecht zu kommen. Er erzählt von Vertrauen, vom Zusammenhalten und ein bisschen auch von einer ersten Liebe. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil es nicht nur so spannend ist, sondern Mädchen wie Jungen gleichermassen anspricht. Der Text ist in grossen Lettern gedruckt und sei für Leserinnen und Leser ab etwa 11 Jahren empfohlen.

Cristian Linker: Stadt der Wölfe. dtv Hardcover 2015. ISBN: 978-3-423-76114-7

Rezension: Maria Riss

Paul Maar: Der Galimat und ich

24.03.2015 by

galimatJim lebt bei Onkel und Tante. Da geht es ihm gut, da wird er umsorgt. Seine Eltern sind Agenten und deshalb dauernd auf der Flucht. Nur ab und zu, da trudelt eine Postkarte von irgendwoher ins Haus. Jim ist nicht nur ein netter, sondern auch ein ganz besonders kluger Junge: Er hat ein fotografisches Gedächtnis und lernt drum Abend für Abend mindestens eine Seite des Lexikons auswendig. Jim ist gerade beim Buchstaben P angekommen, da ist das kleine Wesen auf Stelzenfüssen plötzlich in seinem Zimmer. Ein Galimat ist es, einer der Dinge materialisieren kann, einer der zwar ständig auf den Boden spuckt und trotzdem ziemlich nett und hilfsbereit ist. Jim kommt dieser Galimat gerade recht, wenn der Dinge herzaubern kann, dann kann der auch etwas erfinden, damit Jim endlich erwachsen wird. Als Erwachsener könnte er endlich einigen seiner doofen Mitschüler eins auswischen und auch dem ungerechten Lehrer mal so richtig die Leviten lesen. Gesagt, getan: Der Galimat zaubert eine Pille her, nach dessen Verzehr Jim plötzlich als etwa 50-jähriger Mann im Zimmer steht. Dass dies alles sehr verwirrend wird, dass Jim sich bald nach seinem «Kindsein» zurücksehnt, dass Onkel und Tante die Polizei rufen wollen und dass dann vieles doch noch gut wird, versteht sich von selbst. Bis dahin hofft man beim Lesen einfach, dass dies noch möglichst lange dauern wird, denn die Lektüre dieses Buches macht solch riesengrossen Spass. Einmal mehr beweist Paul Maar mit diesem Buch, über was für ein riesiges, wundervolles Repertoire an fantastischen Einfällen, an Ideen und Sprachwitz er verfügt. Er gehört zu Recht zu den ganz grossen Autoren der modernen Kinderliteratur. Ein rundum gelungenes Kinderbuch, das Vorleserinnen und Vorleser genauso begeistern wird wie die Kinder und dass allen gute Laune macht. Zum Vorlesen ab 7 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 9 Jahren.

Maar: Der Galimat und ich. Oetinger 2015. ISBN:978-3-7891-4296-3

Rezension: Maria Riss

Josephine Angelini: Everflame – Feuerprobe

08.03.2015 by

feuerDie 17-jährige Lily Protextor lebt in ihrer Heimatstadt Salem als Aussenseiterin. Sie fällt durch ihr feuerrotes Haar und ihre lebensbedrohlichen Allergien auf. Dass ihre Mutter unter Wahnanfällen leidet, macht ihre Situation nicht einfacher. Nach einer Partynacht, an der sie von ihrem Freund betrogen wird, wünscht sie sich weit fort. Einen Moment später findet sich Lily in einem anderen Universum wieder und steht Lilian, der Herrscherin von Salem und gleichzeitig ihrer Doppelgängerin gegenüber. Schnell befindet sich Lily im Mittelpunkt der Geschehnisse. Ihr Leben nimmt eine ungeahnte Wendung und bald gerät sie in einen abenteuerlichen Strudel von sich überschlagenden Ereignissen und sie lernt dabei ihre grosse Liebe kennen.
Ein mitreissender Fantasyroman, der die Leserschaft in Bann zieht. Der erste Band der «Everflame Triologie» empfiehlt sich mit seinen 480 Seiten für jugendliche Leseratten ab 14 Jahren. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss spannend, da sich immer wieder neue Erzählstränge eröffnen und Parallelen zwischen den Welten gezogen werden. Gespannt darf man den zweiten Band erwarten, der im Oktober 2015 unter dem Titel «Everflame – Tränenpfad» erscheinen wird. Die Geschichte ist auch als Hörbuch erhältlich.

Josephine Angelini: Everflame – Feuerprobe. Verlag Dressler, 2014. ISBN: 978-3-7915-2630-0

Rezension: Claudia Zimmerli-Rüetschi