Guido Bottinga: Eine Schwester aus heiterem Himmel

24.09.2012 von

Erzählung. Tjebbe ist 7 Jahre alt. Tjebbe hat eine Freundin, einen Freund – aber kein Meerschweinchen und auch keinen Hund. Meerschweinchen oder Hund, das wünscht er sich zum Geburtstag und zu Weihnachten, jedes Jahr. Aber dann kommt alles ganz anders. Tjebbes Mutter kann keine Kinder mehr bekommen, irgendetwas in ihrem Bauch ist kaputt gegangen, und so bekommt Tjebbe nun eine kleine Schwester aus China. Yu-Lin heisst sie und sie ist wirklich sehr niedlich mit ihren Mandelaugen. Nur manchmal ist das gar nicht so einfach mit diesem kleinen Schreihals. Mama muss sie von morgens bis abends herumtragen. Erst nach einer gewissen Zeit, als Tjebbe ihr seinen Plastikritter zum Spielen leiht, lacht Yu-Lin Tjebbe endlich an. Da wird ihm ganz warm im Bauch, ein wunderschönes Gefühl.

Guido Bottingas erstes Kinderbuch überzeugt nicht nur durch die Handlung, es ist die Figur von Tjebbe, deren Beschreibung ihm so gut gelungen ist, dass Lesende ihn sofort ins Herz schliessen. Der Autor kennt die Zielgruppe in Tjebbes Alter, er kennt die vielen Fragen, die Kinder beschäftigen, er weiss worüber sie sich besonders freuen und was sie traurig macht, und er erzählt die Geschichte in einer Sprache, die schon ganz kleine Kinder verstehen: einfach, aber nie anbiedernd oder gar kindisch. Die Geschichte ist in einzelne Erzählhäppchen gegliedert, jedes Kapitel ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Auch aus diesem Grund und weil die Lektüre Erwachsenen genauso viel Spass machen kann wie jungen Zuhörenden, eignet sich das Buch ganz besonders gut zum Vorlesen.

Rezension: Maria Riss

Guido Bottinga: Eine Schwester aus heiterem Himmel. Dressler, 2008.

Barbara Gelberg (Hrsg.): Von Kindern, Katzen und Keksen. Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl

04.07.2012 von

Barbara Gelberg hat ein Gespür dafür, was gute Geschichten sind und was Kinder mögen, das vor allem. In diesem neuen Geschichtenband findet sich eine wunderbare Mischung von frechen, witzigen, spannenden und überraschenden Erzählungen, bei denen Kinder und ihre Sichtweisen im Zentrum stehen. Ganz egal, ob die Geschichte aus der Perspektive eines kleinen Krokodils, eines besonders mutigen Piratenjungen oder der pfiffigen Hannah erzählt wird. Viele der Geschichten sind extra für diesen Band geschrieben worden. Erzählungen namhafter Autorinnen und Autoren wie Mirjam Pressler, Jürg Schubiger, Paul Maar, Rafik Schami oder Alina Bronsky sind darin versammelt. Anke Kuhl hat das Buch illustriert, sie ist eine Meisterin ihres Fachs – mit ihren bunten, wilden, schräg und frechen Bildern gibt sie dem Buch einen wundervoll stimmigen Rahmen. Ein Vorlese- und Familienbuch, das in jedes Bücherregal von Kindern passt, in dem man ohne langes Suchen einfach mit Lesen oder Vorlesen beginnen kann.

Rezension: Maria Riss

Barbara Gelberg (Hrsg.): Von Kindern, Katzen und Keksen. Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl. Beltz, 2012.

Katja Alves: 1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann

13.06.2012 von

Die elfjährige Filipa lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder in Neustadt. Hier hat sie viele Freundinnen, allen voran natürlich Nele, und hier fühlt sie sich zuhause. Zu ihrem Glück fehlt eigentlich nur noch ein Hund, den wünscht sie sich so sehnlichst. Zu ihrem Geburtstag bekommt Filipa auch tatsächlich einen Hund. Nur leider wird ihr Geburtstag in Portugal, in Papas Heimat, gefeiert. Und genau dorthin will Papa nun auch umziehen. Für Filipa bricht eine Welt zusammen, sie will ihr geliebtes Neustadt um keinen Preis verlassen. Gemeinsam mit Nele versucht sie den Umzug mit allen Mitteln zu verhindern, auch wenn in Portugal ein wirklich ganz süsser kleiner Hund auf sie wartet. Obwohl Filipa Neustadt schliesslich verlassen muss, geht die Geschichte gut aus. Katja Alves hat ein wunderbar humorvolles Kinderbuch geschrieben. Etwas überzeichnet sind einzelnen Figuren schon, aber gerade  dies macht die Lektüre so  besonders reizvoll und unterhaltend. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil nebst dem spannenden Plot auch ein für viele Kinder sehr aktuelles Thema im Vordergrund steht: das Leben zwischen zwei verschiedenen Sprachen und Kulturen. Roman für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Katja Alves: 1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann
Beltz 978-3-407-82012-9