Hans Traxler: Sofie mit dem grossen Horn

20.11.2015 by

hornIn Sofies Familie spielen alle Blockflöte. Weil Sofie die Kleinste ist, bekommt sie auch die kleinste Flöte, versteht sich. Doch Sofie findet das gemein. Sie spielt zwar wie ein Wunderkind, sie schmeisst ihre kleine, verhasste Flöte aber irgendwann in den Dorfbach und hofft, dass sich ein Kind in China darüber freuen wird. Und dann darf Sofie zu ihrer Oma in die Ferien. Oma wohnt ganz weit oben in den Bergen. Eines Morgens wird Sofie von einer wunderbaren Musik geweckt. Ein Ton, so schön, wie sie ihn noch nie gehört hat. Sofie folgt diesem Ton solange, bis sie auf einen riesigen Mann trifft, der eine unglaublich grosse Flöte spielt. Sofie wär nicht Sofie, wenn sie nicht alles in Bewegung setzen würde, um diese Riesenflöte selber spielen zu dürfen. Ob sie das schafft?

Hans Traxler hat ein ganz fantastisches Bilderbuch geschaffen. Da stimmt einfach alles: Eine spannende Geschichte, grossformatige, und eindrückliche Bilder (das Alphorn ist so gross, dass es gleich 2 Buchseiten in Anspruch nimmt) und eine kleine, überaus willensstarke Heldin, die sich genauso benimmt, wie man oft selber sein möchte. Kinder ab etwa 5 Jahren werden dieses Buch lieben!

Hans Traxler: Sofie mit dem grossen Horn. Hanser 2015. ISBN: 978-3-446-24988-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Mai

28.04.2015 by

faultierOliver Scherz/Katja Gehrmann: Als das Faultier mit seinem Baum verschwand

Das kleine Faultier lebt im Urwald und, wie soll es auch anders sein, schläft fast den lieben langen Tag. Seinen Baum, den liebt das Faultier über alles in der Welt. Da kann kommen, was will, das Faultier lässt seinen Baumstamm auf keinen Fall los, denn nur dort findet es Schlaf. Es lässt auch nicht los, als der Baum gefällt wird, weder beim Transport auf dem riesengrossen Laster noch auf dem Schiff den Fluss hinab. Erst in der Sägerei wird das kleine Faultier aus dem Schlaf gerissen, jetzt muss es sich verstecken und warten, dabei ist es müde, so müde. Bald darauf entdeckt es nebenan neue Stühle und da, da findet es seinen Baum als Stuhl wieder! Am Astloch hat es seinen Baum erkannt. Schwups legt sich das Faultier auf den Stuhl, klammert sich daran fest und schläft auf der Stelle ein. Es schläft beim Transport ins Möbelhaus, es schläft auch, als ein kleiner Junge den Stuhl aussucht, ihn samt Faultier kauft und mit nach Hause nimmt. Erst am Küchentisch, als ein unwiderstehlicher Geruch nach Essen um die Nase des kleinen Faultiers streicht, öffnet es kurz die Augen. «Dieses kleine Faultier sieht so traurig aus», meint der Junge namens Paul. Paul hat Erbarmen. Schon am nächsten Morgen holt er eine grosse Kiste und schickt seinen neuen Stuhl, samt Faultier, zurück in den Urwald. Jetzt ist alles wieder so, wie es sein soll und fast kommt es dem Faultier so vor, als habe es in letzter Zeit sehr seltsam geträumt.

Faultiere, das sind einfach überaus liebenswerte und sympathische Tiere. Das kleine Faultier in diesem neuen Bilderbuch schliesst man gleich auf der ersten Seite ins Herz. Eine wunderbar schräge Geschichte mit Bildern, die die Handlung ergänzen, mit einmaligen Perspektiven und vielen Details. Kinder werden das kleine Faultier besonders gut verstehen, eine gewisse Sturheit, nicht nur was die Schlafgewohnheiten betrifft, werden sie alle kennen. Ein Bilderbuch zum «Immer-wieder-Anschauen» so lange, bis alle müde werden und sich nur noch nach einem Schlafplatz sehnen. Für Kinder ab 4 Jahren.

Oliver Scherz/Katja Gehrmann: Als das Faultier mit seinem Baum verschwand. Beltz 2015. ISBN: 978-3-407-82067-9

Rezension: Maria Riss

Øyvind Torseter: Das Loch

02.12.2014 by

lochDer schlaksige Mann mit dem seltsamen, mausähnlichen Kopf ist soeben in die neue Wohnung eingezogen, da entdeckt er es, das Loch in der Zimmerwand. Bald schon macht sich das Loch selbständig, es schlüpft in die Waschmaschine, versteckt sich im Fussboden, verlässt die Wohnung. Der Mann will es einfangen, will dem Geheimnis auf die Spur kommen, aber das Loch ist so schnell! Fast hätte er es packen können, da taucht es an einem andern, unmöglichen Ort wieder auf. Schliesslich gelingt es dem Mann doch, er packt das Loch in eine Kiste und bringt es zum Untersuchen in ein Labor. Aber das Loch, das lässt sich eben nicht einfach so untersuchen und definieren schon gar nicht.

Øyvind Torseter hat diese Bildergeschichte ganz wunderbar illustriert. Vieles ist auf ein Minimum reduziert, auch die Farben sind ganz sparsam eingesetzt, dafür lassen die Bilder Raum zum Ergänzen und das Loch, um das sich alles dreht, bleibt stets im Mittelpunkt. Bestechend ist natürlich vor allem das tatsächlich existierende fingergrosse Loch, durchgestanzt durch alle Buchseiten. Nur ganz wenig Text, ein paar Sprechblasen, helfen beim Verstehen. Da die Geschichte nur skizziert ist, werden Betrachtende, Kinder wie Erwachsene, aufgefordert, sich selber einen Reim zu machen, etwas an sich Banalem, dem Geheimnis des Lochs, auf die Spur zu kommen. Ein Buch zum Entdecken, zum Staunen, zum Erzählen und Philosophieren für Kinder ab etwa 4 Jahren und für Erwachsene.

Øyvind Torseter: Das Loch. Gerstenberg 2014. ISBN 978-3-8369-5787-8

Rezension: Maria Riss

 

Susanne Strasser: So weit oben

02.12.2014 by

bärBär kommt zu einem hohen Haus. Da steht ein Kuchen zum Auskühlen auf dem Fensterbrett. Zu hoch für ihn. Da kommt das Schweinchen. Schweinchen klettert auf den Bären, aber bis zum feinen Kuchen reicht diese Räuberleiter nicht. Da kommt Hund dazu, Hase, Huhn und Frosch. Den Bremer Stadtmusikanten gleich stehen sie alle aufeinander. In diesem Moment kommt ein Mädchen ans Fenster und schnappt sich den Kuchen. Alle purzeln zu Boden. Ob das Mädchen sich erbarmt und den Kuchen teilen wird? Ein sehr einfaches Pappbilderbuch mit wunderschön klaren Zeichnungen für ganz kleine Kinder. Zum «Immer-Wieder-Anschauen».

Susanne Strasser: So weit oben. Peter Hammer 2014. ISBN 978-3-7795-0498-6

Rezension: Maria Riss

 

 

Frank Flöthmann: Stille Nacht. Die Weihnachtsgeschichte ohne Worte

02.12.2014 by

stilleFrank Flöthmann ist ein Meister seines Fachs. Auf 168 Seiten erzählt er Leserinnen und Lesern die wohl bekannteste Geschichte der Menschheit – ganz ohne Worte. Es sind ausschliesslich Zeichnungen und Piktogramme, die man da lesen muss oder besser darf. Der Zeichner hat einen ganz speziellen Stil, die Bilder und Farben sind auf ein absolutes Minimum reduziert und wirken gerade deshalb ganz besonders stark. Das Lesen der Bilder ist nicht ganz einfach, an manchen Seiten muss man länger überlegen, was da wirklich passiert oder gemeint ist und sehr oft kann man dabei schmunzeln. Eine sehr spezielle Weihnachtsgeschichte, die recht hohe Anforderungen ans Bilder-lesen-können stellt, für Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Flöthmann: Stille Nacht. Die Weihnachtsgeschichte ohne Worte. DuMont 2014. ISBN 978-3-8321-9767-4

Rezension: Maria Riss

Gemma Merino: Das wasserscheue Krokodil

01.07.2014 by

KrokodilJeder weiss: Krokodile lieben Wasser. Es war aber einmal ein Krokodil, das konnte Wasser nicht leiden. Liebend gern hätte es mit seinen Geschwistern gespielt, aber die waren immer im Wasser und mit Schwimmenlernen beschäftigt. Deshalb kaufte das wasserscheue Krokodil einen Schwimmring und ging damit ins Wasser. Aber so ein Schwimmring ist furchtbar unpraktisch: Weder tauchen noch Ballspielen konnte es damit. Und einfach so ins Wasser springen? Das kleine Krokodil musste einsehen, dass es Wasser einfach nicht leiden konnte. Eines Tages aber musste das Krokodil ganz fest niessen. Da passierte etwas Seltsames, das kleine Krokodil entdeckte an sich eine ganz spezielle Fähigkeit, mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Und damit war plötzlich allen klar, warum das wasserscheue Krokodil Wasser so gar nicht leiden konnte.

Dieses Bilderbuch von Gemma Merino gefällt und überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite: Die liebevoll gestalteten und fröhlichen Illustrationen ermöglichen es einerseits, die Handlung der Geschichte auf den ersten Blick zu erfassen und laden andererseits Kinder dazu ein, auch neue Details zu entdecken. Die Geschichte rund um die Figur des wasserscheuen Krokodils bietet viel Identifikationspotential: Gleich sein wollen wie die anderen, etwas nicht so gut können wie die anderen und eigentlich möchte man doch einfach nur dazugehören: Das kennen viele Kinder. Schön ist auch die Botschaft des Bilderbuches: Alle haben versteckte Talente und es lohnt sich, sie zu entdecken! Für kleine Leserinnen und Leser ab ca. vier Jahren, zum Vorlesen schon für jüngere Kinder.

Gemma Merino: Das wasserscheue Krokodil. NordSüd 2014. ISBN: 978-3-314-10217-2

Rezension: Claudia Hefti

 

 

 

Aleksandra Mizielinska/ Daniel Mizielinski: Alle Welt

04.12.2013 by

alle weltAlle Welt ist ein grossformatiger Bild-Atlas. Zwar ist nicht die ganze Welt, aber doch ein grosser Teil unseres Erdballs darin abgebildet. Das Buch ist nach Ländern geordnet, die einzelnen Länderkarten geben Auskunft über das, was Kinder besonders interessieren könnte. Es ist schier unglaublich, was es da an Bildern, Vignetten und Details zu entdecken gibt. Das Autorenteam setzt bewusst Akzente und ermöglicht damit einen ganz neuen und anderen Blick auf die Welt. So gibt es zu den einzelnen Ländern jeweils auch Angaben über das spezielle Essen, über die beliebtesten Vornamen, über Feste, Bräuche und Bauwerke. All diese Informationen liessen sich problemlos auch im Netz finden, es ist aber vor allem das Format “Buch”, das besticht. Hier wurden ganz spezielle Informationen ausgewählt, vieles wird dafür auch weggelassen. In «Alle Welt» werden Lesende geführt, ihr Blick auf besondere Dinge gelenkt, kurz: Mit diesem Atlas lässt sich die Welt auf eine herrliche neue Art und Weise bereisen. Hinzu kommt, dass die einzelnen Länderkarten zwar eigenwillig, aber wunderbar gestaltet sind, die Doppelseiten sind allesamt richtige kleine Kunstwerke. Ein Bilderatlas, den man immer wieder anschauen wird und der am besten in jedem Bücherregal griffbereit ist. Für Kinder ab 4 Jahren und alle, die sich für die Welt interessieren.

Aleksandra Mizielinska/ Daniel Mizielinski: Alle Welt. Ein Landkartenbuch. Moritz 2013. ISBN: 978-3-89565-270-7

Rezension: Maria Riss

Billy bei den Indianern

04.12.2013 by

Catharina Valbillyckx: Billy bei den Indianern

Cowboy-Hamster Billy will um alles in der Welt endlich einen Indianer kennenlernen. Sein Freund Hans-Peter, der Regenwurm, und Melitta, die Geiss, begleiten ihn auf der Indianersuche in die Prärie. Melitta scheint Bescheid zu wissen, Indianer verständigen sich mit Rauchzeichen. Gesagt, getan: Sie lässt drei Wölkchen aufsteigen, das heisst, Kommt her, wir sind Freunde. —Aber kurze Zeit später durchbohrt ein Pfeil den Hut von Cowboy-Hamster Billy. Ein Indianerjunge kommt zugleich angerannt und will Melitta retten. Drei Wölkchen heisst nämlich in Wirklichkeit HILFE! Gott sei Dank lässt sich alles erklären und zu guter Letzt wird Regenwurm Hans-Peter gar mit einer richtigen Indianerfeder belohnt.
«Billy bei den Indianern» gehört zu jenen Bilderbüchern, bei denen sich Text und Bild grossartig ergänzen. Claudia Valckx kann eben beides, humorvolle, spannende Geschichten schreiben und diese mit wundervoll passenden Illustrationen abbilden und erweitern. Ein wundervoll schräges Bilderbuch, das Kinder ab etwa 4 Jahren, vor allem auch Buben, begeistern wird. Text und Bilder sind dermassen humorvoll, dass sich das mehrmalige Erzählen auch für die Erwachsenen mit Sicherheit lohnt.
Von Cowboy-Hamster Billy sind unterdessen mehrere Bände erschienen.

Catharina Valckx: Billy bei den Indianern. Moritz 2013. ISBN:978-3-89565-264-6
Rezension: Maria Riss

Tor Freeman: Olivia und die schlechte Laune

04.12.2013 by

oliviaOlivia hat wirklich einen sehr schlechten Tag heute. Ihr Freund Max steht nur im Weg, Pauls neuer Hut findet sie einfach nur lächerlich und Mollys Dinosaurier-Figuren sind doch einfach Babykram. Blöd sind alle ihre Freunde und blöd ist dieser ganze Tag. Bei solch schlechter Laube da hilft nur eines, das weiss Olivia aus Erfahrung: Der Gang zum Süsswarenladen. Mit einer Tüte voll Leckereien kehrt sie zu ihren Freundinnen und Freunden zurück und plötzlich brauchen sie alle dringend etwas zum Aufheitern.
Olivias Geschichte möge pädagogisch nicht eben wertvoll sein und doch – oder vor allem deswegen – werden viele Kinder Olivias Stimmung nachempfinden können. Ein Bilderbuch, ganz nah am Kinderalltag. Für Kinder ab etwa 4 Jahren.
Von Olivia ist bereits das Bilderbuch «Olivia und das grosse Geheimnis» erschienen.

Tor Freeman: Olivia und die schlechte Laune. Orell Füssli 2013. ISBN: 978-3-280-03458-3

Rezension: Maria Riss

Erwin Moser: Boris der Kater

04.12.2013 by

borisDie Krähen

Boris lebt in einem kleinen Haus. Es ist Winter und sehr kalt. In acht verschiedenen kurzen Geschichten erzählt Erwin Moser in Wort und Bild vom Alltag des Katers, von seinen lustigen Begegnungen mit andern Tieren und seinen witzigen, ausgefallenen Ideen. Da wird ein Lehnstuhl zum Eislaufen erfunden oder Kekse gebacken, da gibt es einen Dampfschlittentraktor und Krähen, die beim Skispringen mithelfen. Den einfachen Erzählungen können schon ganz kleine Kinder folgen, weil jeder Handlungsschritt von einem Bild begleitet wird. Erwin Mosers Tierbilder faszinieren die meisten Kinder, sie sind so detailreich, stimmungs- und liebevoll gezeichnet. Für Kinder ab 3 Jahren.
Von Kater Boris sind bereits vier verschiedene Bände lieferbar.

Erwin Moser: Boris der Kater. Die Krähen. NordSüd Verlag 2013. ISBN: 978-3-314-10195-3

Rezension: Maria Riss