Lene Kaaberol: Wildhexe. Die Feuerprobe.

25.08.2015 by

wildhexeClara fühlt sich als ganz normales 12-jähriges Mädchen, bis sie eines Tages von einem riesigen schwarzen Kater angefallen und verletzt wird. Hohes Fieber bekommt sie und ihre Mutter bringt sie zu Tante Isa. Noch nie war Clara bei dieser komischen Tante, die mitten im Wald wohnt, die so viele wilde Tiere beherbergt. Tante Isa kocht Tee, legt ihre Hände über Claras Kopf, murmelt seltsame Worte. Clara wird gesund und kehrt nach Hause zurück. Bald bemerkt sie aber, dass sie verfolgt wird. Wieder bringt ihre Mutter sie zu Tante Isa, jetzt gibt es keine Zweifel mehr: Clara ist eine Wildhexe, genauso wie ihre Tante. Jetzt gilt es bei Clara all diese bis anhin verborgenen Fähigkeiten zu wecken, mit den Tieren zu sprechen beispielsweise, den Wind zu zähmen und ihre tiefe Verbundenheit zur Natur zu schulen. Wenn da nur die böse Chimära nicht wäre, die Clara immer wieder verfolgt. Sie ist eifersüchtig und verlangt beim hohen Rat der Wildhexen, dass sich Clara der Feuerprobe stellt, eine Probe, die schon lange keine junge Wildhexe mehr bestanden hat.
Dieses Buch bietet alles, was einen guten Fantasy Roman ausmacht: Einen Spannungsbogen, der bereits auf den ersten Seiten beginnt und bis zum Schluss nicht abbricht, eine überzeugende und glaubhafte Parallelwelt im Wald und eine Protagonistin, die sich vom schüchternen Mädchen zu einer mutigen Draufgängerin entwickelt. Carla schildert die Ereignisse aus ihrer Sicht und lässt dadurch die Lesenden ganz nah teilhaben an ihrem Schicksal. Hinzu kommt, dass das Buch nur gerade mal 160 Seiten umfasst und in kurze Kapitel gegliedert ist. So eignet sich diese neue Reihe auch sehr gut für noch eher ungeübte Leserinnen und Leser. Der bekannten dänischen Autorin Lene Kaaberol ist mit diesem Buch ein Wurf gelungen. Das Buch eignet sich auch sehr gut zum Vorlesen für Kinder ab etwa 11 Jahren.
Unterdessen sind bereits vier Folgebände erscheinen, die punkto Spannung dem ersten Band in keiner Weise nachstehen. Die einzelnen Bände lassen sich zwar unabhängig voneinander lesen, nehmen aber doch immer wieder Bezug zu den früheren Ereignissen.
– Die Botschaft des Falken
– Chimäras Rache
– Blutschwester
– Das Labyrinth der Vergangenheit
– Das Versprechen

Alle Bücher sind auch Hörbücher lieferbar.

Lene Kaaberol: Wildhexe. Die Feuerprobe. Hanser 2014. ISBN: 978-3-446-24173-2

Rezension: Maria Riss

Francois der Guibert/ Ronan Badel: Cowboy Billy hält nichts auf

16.05.2013 by

Die Geschichte spielt weit, weit weg. In der kargen Landschaft des Wilden Westens.  In Amerika. Billy the Kid ist die Hauptperson. Billy the Kid hat es ausgesprochen eilig. Er rast auf seinem Pferd durch die Prärie und nichts und niemand kann ihn aufhalten. Weder Cowboys noch ein Rodeo, weder die berüchtigte Cassidy-Bande noch die schöne kleine Miss Carter. Billy reitet in rasendem Galopp einfach weiter. Er hat nur ein Ziel: Heute Nachmittag hat seine Mama für ihn einen riesigen Berg Pfannkuchen gebacken! Dieses Buch lebt vom Tempo und den fantastischen Bildern. Ronan Badel hat diese ganz spezielle Stimmung, wie wir sie aus Western kennen, auf wundervolle Weise eingefangen. Schon ganz kleine Kinder werden Billys rasantem Ritt durch den wilden Westen begeistert folgen und diese ganz spezielle «Westernstimmung» wahrnehmen. Und auch der Schluss der Geschichte ist für Kinder mit Sicherheit nachvollziehbar, für einen Berg Süssigkeiten, da würde doch so mancher in vollem Karacho durch die Prärie reiten!

Francois der Guibert/ Ronan Badel: Cowboy Billy hält nichts auf. Gerstenberg 2013. ISBN: 978-3-8369-5430-3

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell Boyce: Der unvergessene Mantel

13.06.2012 by

Julie kommt als erwachsene Frau zurück in ihr altes Schulhaus, das nächstens abgerissen werden soll. Erinnerungen kommen hoch, als Julie unter den Fundsachen den Mantel von Dschingis entdeckt und in dessen Tasche alte Polaroid-Aufnahmen. Es war ein heisser Sommertag damals, als Julie auf dem Pausenhof die beiden fremden Jungen in den langen Fellmänteln zum ersten Mal sah. Die beiden kamen aus der Mongolei und Julie sollte sich ein bisschen um sie kümmern. Weder Dschingis noch sein kleiner Bruder hatten eine Ahnung davon, wie der Schulalltag in England abläuft, sie wussten nicht einmal, wie man Fussball spielt. Julie hatte also recht viel zu erklären. Sie profitierte aber genauso von den beiden. So erfuhr sie, wie man Adler zähmt, sie lernte, dass in der Mongolei Riesenblumenbäume wachsen und wie man Dämone austrickst. Aber dann waren die beiden Brüder plötzlich nicht mehr da. Sie wurden abgeholt, zurückgeschickt in eine sehr ungewisse Zukunft.  Ganz am Schluss des Buches können Lesende aufatmen. Dank Internet gelingt es der erwachsenen Julie, Kontakt zu Dschingis und seinem Bruder aufzunehmen. Frank Cottrell  Boyce hat eine bewegende Geschichte über das Schicksal von zwei Flüchtlingskindern geschrieben. Die authentische Geschichte  besticht nicht nur durch die Schönheit der Sprache, sondern auch durch die vielen Fotos und Illustrationen, durch das spezielle Layout und die aussergewöhnliche Aufmachung. Ein besonderes Buch für besondere Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell  Boyce: Der unvergessene Mantel
Carlsen 978 3 551 55594 6

P.W. Catanese: Die Bücher von Umber

30.03.2012 by

Als Hap in der dunklen Höhle erwacht, kann er sich an rein gar nichts mehr erinnern. Er weiss nur, dass ihm in diesem dunklen Labyrinth grosse Gefahr droht und dass da jemand ist, der ihm helfen will. Es ist Lord Umber, Wissenschaftler, Forscher und Erfinder. Zusammen gelingt ihnen die Flucht, weg vom Ort des Schreckens hin zu einem Schiff der ganz besonderen Art: Einem Wal, der ein U-Boot auf seinem Rücken trägt. Obwohl die beiden verfolgt werden, gelingt es ihnen, die geheimnisvolle Stadt Kurahaven zu erreichen. Hier bewohnt Lord Umber einen grossen und wunderschönen Palast. Gemeinsam versuchen Hap und sein Retter, etwas über die Vergangenheit von Hap herauszufinden. Dabei stossen sie auf immer neue Rätsel und Geheimnisse: Warum kann Hap alle Bücher in der Bibliothek lesen, egal in welcher Sprache sie geschrieben sind? Wieso kann er im Dunkeln sehen? Warum braucht er keinen Schlaf und warum verfolgt ihn ein so gefährliches, gruseliges Ungeheuer? Die Bücher von Umber sind nicht nur ungeheuer spannend zu lesen, sie geben auch sehr viel Raum für Fantasie. Stellenweise erinnern die Szenarien und Figuren an Jules Verne, nur ist der Handlungsablauf sehr viel weniger komplex und der Plot wird hier linearer erzählt: Die Handlung schreitet rasch voran, Rückblenden gibt es nur in Dialogen, wenn Lord Umber von früher erzählt. Deshalb, und weil die Lektüre so spannend ist, eignet sich das Buch auch für eher ungeübte Leserinnen und Leser ab etwa 12 Jahren.

Rezension: Maria Riss

P.W. Catanese: Die Bücher von Umber. Carlsen, 2011. Phantastische Geschichte.

 

Mein kleiner Horrortrip – 71 Horrorgeschichten

19.03.2012 by

Über 70 namhafte Autorinnen und Autoren wie Yoce Carol Oates, Margaret At-wood, Michael Connelly oder James Patterson haben für dieses Buch «Miniaturschocker» geschrieben. Vergleichen lassen sich die Storys am ehesten mit den «Schreckmümpfeli», die viele Leserinnen und Leser von Radio DRS kennen. Nur sind die Geschichten im vorliegenden Bändchen sehr viel kürzer, einige kommen als Comic daher, andere als kurze Horrorgedichte.

Die haarsträubenden Kurzgeschichten eignen sich zum Vorlesen für Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, zum Beispiel während dunkler Winternächte. Einzelne Erzählungen können auch als Vorlage für das eigene Schreiben genutzt werden: Ein Mann trifft einen Schatten, doch wem gehört er? Der Babysitter hätte besser nachgesehen, ob das Baby schläft. Die Puppen haben den Terror der kleinen Jane endgültig satt. An Einschlafen ist allerdings nach der Lektüre mit Sicherheit nicht zu denken.

Rezension: Maria Riss 

Susan Rich (Hrsg.): Mein kleiner Horrortrip – 71 Horrorgeschichten. Beltz, 2011.

Charlotte Kerner (Hrsg.): Die fantastischen 6

19.03.2012 by

Diese Anthologie stellt sechs klassische Autorinnen und Autoren der Phantastik vor: die Autorin Mary Shelly und den Autor Bram Stoker aus dem 19. Jahrhundert; drei Schriftsteller – J.R.R. Tolkien, Stanislaw Len und Philip K. Dick – aus dem 20. Jahrhundert und Stephen King, der bis heute noch schreibt.

Das Buch wird mit einem literaturgeschichtlichen Abriss zu den Genren Horror, Science-Fiction und Fantasy eingeleitet. An die Einführung schliessen sich die sechs Porträts auf je etwa 40 Seiten an. Als Leserin oder Leser kriegt man einen detaillierten, lebendigen, sehr persönlichen und tiefschürfenden Einblick in das Leben der Bücher-schreibenden. Geschickt werden die Lebensgeschichten mit der Inhaltszusammenfassung ihrer wichtigsten Werke vermischt.

Es ist einmal mehr beeindruckend festzustellen, wie prägend sich die Kind- und Jugendzeit der Autorinnen und Autoren auf ihre schriftstellerischen Werke ausgewirkt haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass Tolkiens Auenlandschaft im «Herr der Ringe» viele Anlehnungen an die Grafschaft Warwickshire in England aufweist, in der er vier Jahre seiner frühen Kindheit verbrachte.

Anschaulich und lebendig werden die Portäts durch zahlreiche Zitate. Da erklärt zum Beispiel Philip K. Dick (Blade Runner) ganz offen und selbstverständlich, weshalb er nie einen akademischen Abschluss zustande brachte: «Ich habe das, was sie beim Militär eine ‘erbärmliche Enstellung‘ nennen, und das heisst, ‘reiss dich zusammen oder zieh Leine‘. Ich habe es immer vorgezogen, Leine zu ziehen».

Am Schluss des Buches findet sich eine Bilbiographie zu den Werken der vorgestellten Autorinnen und Autoren sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis. Zudem gibt es Kurzinformationen zu den sechs Verfassern dieser Porträts.

Das Buch lässt sich flüssig, ähnlich einem Roman lesen, verlangt aber auch, dass sich Lesende für die Biographien interessieren und bereit sind, mitzudenken. Dieses Buch ist sowohl für literaturinteressierte Jugendliche ab 14 Jahren, als auch für Erwachsene empfehlenswert.

Rezension: Claudia Rüetschi

Charlotte Kerner (Hrsg.): Die fantastischen 6. Beltz&Gelberg, 2010.