Ben Guterson: Winterhaus

05.10.2018 by

Die elfjährige Elizabeth lebt bei ihrem Onkel und ihrer Tante und hat es nicht eben leicht. Onkel und Tante sind sehr streng, kümmern sich überhaupt nicht um das Mädchen und sitzen eigentlich Tag und Nacht vor dem Fernseher. Kurz vor Weihnachten schicken die beiden das Mädchen weg. Sie soll im Hotel Winterhaus die Weihnachtsferien verbringen. Onkel und Tante wollen endlich mal ihre Ruhe haben. Elizabeth hat Angst, ganz alleine an einen ihr unbekannten Ort zu reisen. Bereits im Bus fällt ihr zudem ein unheimliches Paar auf. Beide schwarz gekleidet, beide mit einem sehr bösen, stechenden Blick. Auch diese Paar will Weihnachten im Hotel Winterhaus verbringen. Nach der Ankunft im Hotel kommt Elizabeth allerdings aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und alle Ängste sind vorerst vergessen. Im Hotel gibt es einfach alles, was man sich nur wünschen kann. Einen äusserst netten Hoteldirektor, feines Essen, ein Hallenbad, eine Rodel- und Eisbahn und am wundervollsten: eine riesige Bibliothek. Elizabeth liebt Bücher über alles. Schon am ersten Morgen freundet sie sich mit Freddy an, einem Jungen in ihrem Alter, der ebenfalls alleine im Hotel wohnt. Alles wäre wunderbar, gäbe es nicht dieses Paar, das Elizabeth die ganze Zeit zu beobachten scheint und all diese seltsamen Dinge, die Elizabeth im Hotel beobachtet. Bücher, die sich bewegen, eine Lampe, die grundlos zerbricht, ein Türfalle, die glühend heiss wird oder ein rotes Licht, dass manchmal in der Nacht durch die Bibliothek irrt. Da muss Magie im Spiel sein, eine alte Legende scheint das wunderbare Hotel zu bedrohen. Da ist es gut, dass Elizabeth eine so geniale Rätsellöserin ist und dass sie, zusammen mit Freddy, diesen bedrohenden Geisterwesen auf die Spur kommt.
Ben Guterson hat ein wunderbares und spannendes Buch geschrieben mit zwei Kinderhelden, die man sofort ins Herz schliesst. Und vielleicht ist es auch dieses wunderbare Hotel, in dem man am liebsten absteigen würde, das so fasziniert. Oder der alte, liebevolle Hoteldirektor, der einen stellenweise an den alten Dumbledore aus Harry Potter erinnert. Die Spannung beginnt gleich auf den ersten Seiten und bricht bis zum vorläufig guten Ende nicht ab. Die Handlung ist in kurze, übersichtliche Kapitel gegliedert, zudem gibt es im Buch immer wieder spannende Wortspiele und Rätsel, die zum Raten und Knobeln mit Sprache auffordern. Ein herrliches Lese- und Vorlesevergnügen mit vielen Bildern für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Ben Guterson: Winterhaus. Aus dem Englischen von Alexandra Ernst. Freies Geistesleben 2018. ISBN: 978-3-7725-2891-0

Rezension: Maria Riss

Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben

31.07.2018 by

Der neue Freund von Theos Mama heisst Martin und ist Koch. Es schmeckt einfach grauenhaft, was da nun plötzlich daheim auf den Tisch kommt und es gibt dauernd Streit. Theo hat es wirklich nicht leicht, auch in der Schule wird öfters gehänselt und gemobbt. Als Mama ihm zudem erklärt, dass er über den Sommer in ein Ferienlager soll, ist Theo richtig verzweifelt. Aber Theo ist einer, der sich nicht wirklich wehren kann. Im Lager wird es nicht besser, dauernd wird er von den andern veräppelt. Ja, und dann passiert das Wunderbarste überhaupt: Ein altes fliegendes Segelschiff landet in einer Baumkrone und ein ziemlich zerzauster Rabe überredet Theo, einzusteigen. An Bord gibt es eine Katze, eine Möwe und einen ziemlich zerstreuten kleinen Koch. Der Rabe, eigentlich Kapitän diese Schiffs, weiss, wohin Theos richtiger Vater verschwunden ist. Die Reise dahin ist allerdings sehr abenteuerlich und voll lebensbedrohender Gefahren. Theo lernt zu navigieren, ein Segelschiff zu steuern und er meistert, zusammen mit seinen neuen Freunden, alle schrecklichen Gefahren. Da gibt es Riesenkraken, da gibt es Stimmen, die Theo in Untiefen locken, da gibt es die Insel der vergessenen Kinder, deren Bewohner Theo nicht mehr gehen lassen wollen. Theo lernt auf dieser Reise überaus viel, vor allem mehr Vertrauen ins eigene Tun. Erst ganz am Schluss deckt er das Geheimnis seines Vaters auf. Sein Vater wird nicht zurückkommen, aber Theo kennt jetzt nicht nur die Wahrheit, sondern er hat erfahren, dass er sehr viel stärker ist, als er glaubte. Jetzt kann er endlich heimkehren.
Ute Krause hat ein sehr packendes Buch geschrieben, dies nicht nur wegen dem spannenden Plot, sondern auch wegen der wundervollen Zeichnungen, die aus der gleichen Feder stammen. Auf jeder Doppelseite gibt es mindestens ein farbiges, eindrückliches Bild. Kinder werden beim Lesen kaum mehr aus dem Staunen herauskommen, so unglaublich ist der Verlauf dieser Geschichte. Witzig sind dann vor allem die Figuren auf dem Schiff, allen voran Koch Smutje mit seinem ewig gleichen Menu: Möwenspiegeleier mit Bratkartoffeln. Das Buch enthält nebst der spannenden, turbulenten Handlung viele Metaphern, die wohl eher die erwachsenen Vorleserinnen und Vorleser ansprechen werden. Das Buch eignet sich sehr gut Vorlesen, wenn auch die verzwickte Handlung recht hohe Anforderungen an die Vorstellungskraft stellt. Darum ist es gut, dass all die aussagekräftigen Bilder beim Verstehen und Behalten helfen. Für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Ute Krause: Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben. cbj 2018. ISBN: 978-3-570-17579-8
Rezension: Maria Riss

Buch des Monats August 2018

31.07.2018 by

Martin Muser: Kannjawoniwasein
Kann ja wohl nicht wahr sein, was der 10-jährige Finn auf seiner Reise nach Berlin erlebt! Er wird von Papa in den Zug gesetzt, mit Fahrkarte, Handy, ein paar Broten und vielen guten Ratschlägen. Es ist ja nicht so weit nach Berlin, wo Mama Finn abholen wird. Aber schon kurz nach der Abfahrt  beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Da stiehlt ein leicht betrunkener Penner Finns Rucksack, da wird er von einem überkorrekten Schaffner aus dem Zug geworfen und der Polizei übergeben, da wird das Polizeiauto an der Ampel gerammt und da taucht plötzlich ein Mädchen auf, dass ihn überredet, die Reise nach Berlin doch besser selbständig und zusammen mit ihr unter die Füsse zu nehmen. Klar, dass dies für beide zu einem richtigen Abenteuer wird. Die beiden kapern einen Traktor, übernachten auf einem Jägersitz, jagen den Rucksackdieb und werden schliesslich von einer Rockergang in voller Montur und auf riesigen Motorrädern an ihr Ziel gebracht. Das alles nachzulesen ist nicht nur sehr spannend, sondern macht auch grossen Spass. Und lehrreich ist die Lektüre zudem, man lernt ein bisschen berlinerisch und dänisch, und man erfährt, dass es im Leben Momente gibt, in denen man einfach all seinen Mut zusammen nehmen muss. Man muss davonlaufen beispielsweise, auch wenn man erst 10 Jahre alt ist.
Martin Muser hat ein in jeder Beziehung tolles erstes Kinderbuch geschrieben. Spannend von der ersten Seite an, ein bisschen schräg und voll von unerwarteten Wendungen. Die verrückte Story ist zudem so gegliedert, dass man das Lesen auch mal unterbrechen kann und ist für Mädchen wie Jungen überaus attraktiv. Ein ideales Vorlesebuch also für alle, die spannende, nicht ganz so brave Kinder und Bücher lieben. Zum Selberlesen ab etwa 10 Jahren.

Martin Muser: Kannjawoniwasein. Carlsen 2018. ISBN: 978-3-551-55375-1

Rezension: Maria Riss

 

Jutta Wilke: Stechmückensommer

03.05.2018 by

stechmücke«Eine Made ist weiss. Langweilig. Und dick. Und sie nennen mich Made. Mir ist das egal.» So die ersten Sätze in Madeleines Aufzeichnungen. Weil ihre Eltern auf einer Ferienreise in Japan sind, muss die fast 15-jährige Madeleine in ein Feriencamp nach Schweden. Für Madeleine ein Albtraum. Gleich am zweiten Tag macht die Gruppe mit einem Bus einen Ausflug zu einem stillgelegten Bergwerk. Und schon geht es los in die Stollen. Heimlich entfernt sich Madeleine von der Gruppe und legt sich in den leeren VW-Bus, sie ist müde und froh, dieser Meute zu entkommen. Madeleine erwacht, weil der Bus plötzlich ruckelt, obwohl sie immer noch alleine darin sitzt. Am Steuer sitzt ein unbekannter Junge, mit Punkfrisur und einem frechen Grinsen. Der Junge heisst Juli und ist nur wenig älter als Madeleine. Und Juli will, wie er seinem kürzlich verstorbenen Opa versprochen hat, zum Nordkap. Nach dem ersten Schock findet Madeleine diese Idee zwar vollkommen verrückt, aber auch gar nicht so schlecht. Alles ist besser, als den Sommer in diesem Feriencamp zu verbringen. Und Juli ist der erste, der keine blöde Bemerkung über ihre Figur macht. Diese gemeinsame Fahrt ist abenteuerlich und etwas planlos und weil die Polizei nach ihnen sucht, müssen sie viele Umwege durch die Wildnis machen. Eines Morgens beim Losfahren entdecken die beiden, dass sich ein weiterer blinder Passagier zu ihnen gesellt hat. Der etwa gleichaltrige Vincent mit Down-Syndrom. Auch er will weg und zwar möglichst weit und möglichst schnell. Nein, ans Nordkap schaffen sie es nicht, aber sich selbst, da sind alle drei am Ende dieser turbulenten Reise ein ganzes Stück näher gekommen.
Jutta Wilke hat ein wunderbares Buch geschrieben. Spannend, gleich ab der ersten Seite, dies nicht nur, was die äusserlichen Handlung betrifft, sondern auch was den Einblick in Madeleines Gefühlswelt angeht. Oft lässt sie ihre Gedanken schweifen, in solchen Abschnitten hat man auch ein wirklich kluges Buch in Händen. Besonders gelungen sind der Autorin auch die Beschreibung der drei Figuren, ihre oft humorvollen aber auch nachdenklich stimmenden Dialoge. Und es sind die vielen nicht explizit beschriebenen Details und Wahrheiten, die man zwischen den Worten und Sätzen entdecken kann. Die Lektüre sei Mädchen ab etwa 12 Jahren wärmstens empfohlen.

Jutta Wilke: Stechmückensommer. Knesebeck 2018. ISBN 978-3-95728-105-0

Rezension: Maria Riss

Pierdomenico Baccalario, Tommaso Percivale: 50 Abenteuer, die du erleben solltest, bis du 12 bist

04.09.2017 by

abenteuerDas Buch mit dem weichen Kunststoffdeckel ist eigentlich für den persönlichen Besitz gedacht. Nebst der Beschreibung möglicher Abenteuer fordert der Text immer wieder dazu auf, sich Notizen zu machen oder Bewertungen über erlebte Abenteuer abzugeben. Trotzdem sei es an dieser Stelle auch für Schulklassen empfohlen, weil sich viele der Abenteuer sehr gut eignen, um sie gemeinsam zu erleben. Eine Nachwanderung beispielsweise oder das Suchen nach Tierspuren. Es gibt Anleitungen zum Herstellen von Riesen-Seifenblasen, zum Entfachen eines Lagerfeuers, zum Drachenbauen oder zum Organisieren einer Schatzsuche. Einige der beschriebenen Abenteuer brauchen etwas Mut, andere eignen sich auch für Kinder, die weniger abenteuerfreudig sind. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Pierdomenico Baccalario, Tommaso Percivale: 50 Abenteuer, die du erleben solltest, bis du 12 bist. Aus dem Italienischen von Sophia Marzolff. dtv 2017. ISBN: 978-3-423-76178-9

Rezension: Maria Riss

Henning Callsen: Kein Problem, sagt Papa Eisbär

02.09.2017 by

eisbärMama und Papa Eisbär sind ziemlich verzweifelt. Ihr kleiner Sohn Pelle hat zu rein gar nichts mehr Lust: Weder zum Essen, noch zum Spielen oder Fischefangen. Das «Weise Walross» weiss schliesslich Rat: Pelle braucht einen lustigen Vogel, der zwitschern und trällern kann, dann wird er wieder gesund. Für seinen kleinen Pelle würde Papa Eisbär alles tun. Deshalb macht er sich gleich auf, einen solchen Vogel zu finden. Er schwimmt und schwimmt und gelangt nach Island. Doch der Goldregenpfeifer, den er in seinem Maul vorsichtig an den Nordpol transportiert, entwischt im letzten Moment. Wieder schwimmt Papa Eisbär los, diesmal noch weiter nach Süden. Aber auch der Rücktransport des Madenhackers aus Afrika misslingt. Pelle soll wieder lachen können, deshalb schwimmt Papa Eisbär erneut los. Er schwimmt und schwimmt so weit, dass er bald nicht mehr weiss, wo er ist. Mit jedem Tag wird es kälter, fast so frostig wie am Nordpol. Ist er etwa im Kreis geschwommen? Da trifft er auf den komischsten Vogel den er je gesehen hat: Eine kleine Pinguine. Und da Pinguine keine Eltern mehr hat, willigt sie sofort ein, Papa Eisbär zu begleiten. Diesmal klappt der Transport in den Norden, denn Pinguine ist klug und hilft beim Navigieren. Und klar: Als der kleine Eisbär Pelle diese aberwitzige Pinguine sieht, da rennt er sofort aus der Höhle. Jetzt will er gar nicht mehr aufhören mit Spielen und Tauchen und Lachen. Und hungrig ist er ausserdem.
Es ist schon eindrücklich, was manche Väter alles auf sich nehmen, damit ihre Kinder glücklich sind! Papa Eisbär ist so einer, der niemals aufgibt, egal wie weit er schwimmen muss. Henning Callsen hat eine ganz wunderbare, herzberührende und zugleich spannende Geschichte geschrieben. Die stimmungsvollen Bilder von Sabine Wilharm erweitern überaus treffend das eindrückliche und lustige Buchgeschehen. Die einfache, aber so präzise Sprache und die fantastischen Illustrationen machen die Lektüre dieses Buches zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Geschichte eignet sich hervorragend zum Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren, zum Selberlesen ab etwa der zweiten Klasse.

Henning Callsen: Kein Problem, sagt Papa EisbärMit Bildern von Sabine Wolharm. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25688-0
Rezension: Maria Riss

Matthew Baker: Diebe, Lügner und Helden wie wir

02.09.2017 by

diebeNicholas ist ein besonders begabter Junge. Das ist nicht unbedingt hilfreich, wenn man Freunde finden will. Auch zuhause läuft nicht alles rund. Sein Vater hat vor einiger Zeit die Arbeitsstelle verloren und versucht nun getrennt von der Familie Geld zu verdienen. Doch nun steht plötzlich mitten im Garten vor dem Haus ein Schild: «Zu Verkaufen». Ein paar Tage später taucht Nicholas’ totgeglaubter, kauziger Grossvater auf und erzählt seinem Enkel von einem Familienschatz. Ob es diesen wirklich gibt? Und ob es Nicholas gelingt, diesen zu finden, um das Haus und damit auch seine Familie zu retten? Ein spannendes Abenteuer mit Feinden und Verbündeten, einer geheimnisvollen Wahrsagerin, einem verborgenen Schmugglertunnel und einem alten verschollenen Schiffswrack beginnt.
Die Geschichte wird von Nicholas selber erzählt, sie ist packend und abenteuerlich – mit stellenweise melancholischen, tiefgründigen Zwischentönen. Die innere Welt des Hauptdarstellers und seine Entwicklung sind genauso wichtig, wie die spannende Rahmengeschichte. Eine Besonderheit des Buches sind die Regieanweisungen zwischen den Zeilen: Dynamikzeichen aus der Musik werden genutzt, um Dinge zu verdeutlichen, z.B. «forte» für laut. Die Begriffe werden im Text und auf der letzten Seite erklärt. Manchmal stehen auch einzelne Wörter zwischen den Zeilen, die einfach nur aussagen, wie Nicolas sich gerade fühlt. Das Buch eignet sich gut zum Vorlesen. Der ca. 360 Seiten umfassende Roman richtet sich an junge Leserinnen und Leser ab etwa 11 Jahren.

Matthew Baker: Diebe, Lügner und Helden wie wir. Aus dem Englischen von Wieland Freund Andrea Wandel. Thienemann-Esslinger 2016. ISBN: 978-3-522-18423-6

Rezension: Jolanda Zimmerli

Sabine Bohlmann: Wie ich Fräulein Luise entführte

02.09.2017 by

luiseGretas Leben ist ganz schön durchgeplant: Schule, Freizeitkurse, Quality-time mit ihren Eltern. Eines Tages fällt jedoch einer ihrer Freizeitkurse aus und sie lernt die nette, ältere Nachbarin «Fräulein Luise» kennen. Obwohl der Altersunterschied zwischen den beiden fast siebzig Jahre beträgt, werden sie gute Freundinnen. Als Fräulein Luise dann aber in ein Heim gebracht wird, weiss Greta, dass sie etwas unternehmen muss. Kurzerhand plant sie Fräulein Luises Entführung. Und schon bald fahren die beiden Richtung Frankreich, in Luises Vergangenheit, dorthin, wo Luise einst ihre grosse Liebe kennengelernt hatte. Unterwegs stossen der junge Lebenskünstler Sam und der ausgestossene Hund Moses zu dieser ungewöhnlichen Reisegruppe dazu. Ein witziger, überraschender und unglaublich unterhaltsamer Road-trip beginnt.
Die Figuren dieses Buches sind mit so viel Liebe und Charme beschrieben, dass sie Leserinnen und Lesern bald ans Herz wachsen. Nebst der spannenden Reise thematisiert die Geschichte aber auch tiefgründigen Fragen, wie das Altwerden oder Kranksein, das Miteinander in einer Familie, den Mut zu Veränderungen und den Wert wahrer Freundschaft. Der Roman umfasst 230 Seiten und ist für Leserinnen und Leser ab etwa 10 Jahren gedacht. Das Buch eignet sich auch hervorragend zum Vorlesen. Auf Youtube gibt es eine Lesung der Autorin zu diesem Buch.

Sabine Bohlmann: Wie ich Fräulein Luise entführte. Thienemann-Esslinger 2016, Reihe Planet. ISBN: 978-3-522-50526-0

Rezension: Jolanda Zimmerli

Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurde

02.09.2017 by

coolMartin hat seit dem ersten Schultag in seiner Klasse einen schweren Stand: Er ist Aussenseiter und wird von der coolen Boygroup «Fabfive» gehänselt, wo es nur geht. Doch dann kommt Karli in die Klasse. Er wird Martins bester Freund und gemeinsam sind sie im Begriff, den Fabfives eins auszuwischen. Die beiden Jungs haben mitbekommen, dass die Fabfives einen nächtlichen Schwimmbadbesuch vorhaben. Wie wäre es, ihnen die Kleider und Handys zu klauen? Martin und Karlis Racheplan geht allerdings gründlich daneben und die Jungen müssen zur Strafe mit Martins Papa und Opa ihre Ferien auf den Campingplatz verbringen. Doch so schlimm wie befürchtet, wird es nicht, ganz im Gegenteil. Es werden tolle Ferien mit Abenteuern, spannenden Mädchen, mit guter Musik und der Entdeckung, dass der Anführer der Fabfives im Grunde ein ziemlich cooler Typ ist.
Das Thema des Buches ist sehr realistisch. Schülerinnen und Schüler jeder Klasse suchen sich ihren Platz in der Gruppe. Da gibt es immer die angesagten Kinder, die von sich überzeugt sind, andere in ihren Bann ziehen können und solche, die eher am Rand der Gruppe stehen. Kinder werden sich in den Figuren aus diesem Grund mühelos wiederfinden. Die spannende Geschichte bietet zu dieser Problematik eine ungewöhnliche und sehr humorvolle Lösung an. Martin und Karli wissen sich zu helfen und geben sich nicht der Opferrolle hin. Das Buch eignet sich für die Kinder der Mittelstufe zum Lesen genauso wie zum Vorlesen. Unterdessen ist der zweite  Band mit dem Titel «Die Nacht, in der ich supercool wurde» von Karli und Martin erschienen. Darin gründen die beiden eine eigene Rockband.

Juma Kliebenstein: Der Tag, an dem ich cool wurdeISBN: 978-3-7891-4045-7. Oetlinger 2010

Rezension: Rahel Romanowski

Håkon Øvreås : Super-Bruno

02.09.2017 by

brunoZusammen mit seinem Freund Matze baut Bruno eine Hütte aus Holz. Doch die Freude daran ist von kurzer Dauer, da drei ältere Jungen die Hütte zerstören. Bruno ist wütend und traurig. Da sein Grossvater gerade verstorben ist, muss Bruno nun selbst für Gerechtigkeit sorgen. Ein Superheldenfilm bringt ihn auf die Idee: Er verkleidet sich als Brauno, den Superhelden, und bemalt nachts das Fahrrad eines der Täter mit brauner Farbe. Doch am nächsten Tag ist nicht nur dieses Fahrrad bemalt, sondern auch jenes des zweiten Täters. Doch dieses Fahrrad ist schwarz. Gibt es da etwa noch weitere Superhelden, die für Gerechtigkeit kämpfen? Einfallsreichtum, Zusammenhalt unter Freunden und etwas Glück verhelfen Bruno schliesslich zur Genugtuung.

Eine wunderschöne Geschichte über Gerechtigkeit, Freundschaft, Zivilcourage und Verlust. Die für viele skandinavische Geschichten typische Schwermut wird mit viel Charme und gewitzten Wendungen ausgeglichen. Der Tod des Grossvaters wird auf sehr einfühlsame Art und Weise kindgerecht thematisiert, erst am Schluss des Buches kann Bruno seinem Vater endlich sagen, wie traurig er über den Tod seines geliebten Grossvaters ist. Viele kolorierte Strichzeichnungen lockern den Text auf. Das Buch wurde mit dem «Luchs« von Radio Bremen ausgezeichnet und eignet sich für Kinder ab etwa 9 Jahren. Unterdessen ist ein Nachfolgewerk unter dem Titel «Super Matze» erschienen. Die Besprechung finden Sie hier.

Håkon Øvreås : Super-BrunoAus dem Norwegischen von Angelika Kutsch, illustriert von Øyvind Torseter. Hanser 2016. ISBN: 978-3-446-25084-0

Rezension: Jolanda Zimmerli