Archive for the ‘ 05 Oberstufe ’ Category

Lizzie Wilcock: Brennender Durst

04.09.2017 by

durstKaranda ist auf der Fahrt zu ihrer neuen Pflegefamilie, als es passiert. Das Auto kommt von der Strasse ab, der Fahrer scheint tot zu sein und Karanda haut ab, so schnell sie ihre Füsse tragen. Sie will endlich frei sein, auch wenn sie dafür diese gottverdammte Wüste durchqueren muss. Karanda ist aber nicht allein, Solomon, ein achtjähriger Junge sass ebenfalls im Wagen und weicht ihr nicht von der Seite, ganz egal, wie sehr sie ihn wegschickt, ausschimpft und beleidigt. Dieser Weg durch die Wüste ist so hart, dass beide immer wieder an ihre Grenzen stossen. Als Karanda, um nicht zu verhungern, ein Kaninchen töten muss beispielsweise oder als plötzlich ein Unwetter losbricht und beide schier in den Wasserfluten ertrinken. Vom schrecklichen Durst und der sengende Hitze ganz zu schweigen. Bald ist Karanda froh, Solomon an ihrer Seite zu wissen, weil dieser sich in vielen Situationen besser zu helfen weiss. Während dieser Wanderschaft brechen bei Karanda und auch bei Solomon viele alte Narben wieder auf. Schlimme Erlebnisse bei den zahlreichen verschiedenen Pflegefamilien und auch die ständige Sehnsucht nach Geborgenheit und Wärme. Es ist ein Weg in die Vergangenheit, vielleicht eine Art Läuterung, den die beiden durchmachen müssen, damit Neues möglich wird. Ganz zum Schluss, als die beiden kaum mehr weiter wissen, taucht dann auch wirklich ein Helikopter am Horizont auf.
«Brennender Durst» ist ein sehr vielschichtiger und packender Roman. Da ist einerseits dieser lebensgefährliche Trip durch die Wüste, genauso faszinierend ist aber andrerseits der Blick in die Vergangenheit dieser beiden Pflegekinder und das allmählich aufkeimende gegenseitige Vertrauen. Die Geschichte ist überaus spannend, aber gleichermassen auch berührend. In einer schlichten und treffenden Sprache hat die australische Autorin Lizzie Wilcock ein fantastisches Buch geschrieben, das einem bis zur letzten Seite in Bann zieht und das unter die Haut geht. Für Jugendliche und Erwachsene.

Lizzie Wilcock: Brennender Durst. Manchmal musst du verloren gehen, um gefunden zu werden. Aus dem australischen Englisch von Friederike Levin. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82300-7

Rezension: Maria Riss

 

John Corey Whaley Hochgradig unlogisches Verhalten

04.09.2017 by

unlogischLisa ist eine ehrgeizige junge Frau. Gute Schulleistungen sind ihr sehr wichtig, vor allem interessiert sie sich für Psychologie und hofft mit einer guten Studienaufgabe auch einen heiss ersehnten Studienplatz zu erhalten. Lisa entscheidet sich für eine Art Experiment. Von Früher her kennt sie Solomon, diesen Jungen, der seit über drei Jahren sein Haus nicht mehr verlassen hat. Sie schafft es, dort aufzutauchen und Solomon näher kennenzulernen. Solomon scheint ein ganz normaler junger Mann zu sein, der sich einfach nicht mehr traut, das Haus zu verlassen. Seine Schulaufgaben macht er online und die Tage verbringt er mehr oder weniger im Pyjama. Aber Solomon ist klug und charmant und bald entwickelt sich zwischen Lisa und Solomon eine Freundschaft. Lisa bringt auch immer öfter ihren Freund Clark mit. Solomon lernt, was Freundschaft und Vertrauen sind. Immer offener berichtet er von seinen Ängsten und seinen Panikattacken. Auch für Lisa ist Solomon immer wichtigen geworden. Sie mag ihn sehr. Als Solomon die Wahrheit über Lisas erste Besuche erfährt, dass er quasi als Studienobjekt fungierte, droht er daran zu zerbrechen. Lisa und Clark wissen nicht mehr aus noch ein. Mit einer überaus wagemutigen Tat stellen sie ihre tiefe Freundschaft zu diesem so speziellen Jungen unter Beweis. Und ganz zum Schluss, da traut sich Solomon sogar aus dem Haus, zumindest bis ans Ende des Gartenzauns.
Die Geschichte wird fast ausschliesslich in Dialogen erzählt, dies ermöglicht es Leserinnen und Leser, ganz nah beim Buchgeschehen zu verweilen. Solomons erst zaghafte Versuche, sich zu öffnen, das allmähliche Überwinden seiner Ängste, aber auch seine Angstattacken erlebt man unmittelbar mit. Lisa und Clark wiederum verlieren ihre Furcht vor der Andersartigkeit und gewinnen Solomon mit jedem Besuch lieber. Das Geben und Nehmen ist gegenseitig, ganz so, wie es in einer richtigen Freundschaft sein soll. Solomons Leben ist zwar von all seinen zwanghaften Handlungen geprägt, trotzdem ist er ein ganz normaler Jugendlicher, mit dem sich Lesende, Jungen wie Mädchen, identifizieren können. Die Lektüre macht trotz des ernsten Themas auch Spass, vielleicht weil das Buch absolut frei von Pathos bleibt und in einer sehr direkten, schnörkellosen Sprache geschrieben ist.

John Corey Whaley Hochgradig unlogisches Verhalten. Aus dem Englischen von Andreas Jandl. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25705-4

Rezension: Maria Riss

Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen

04.09.2017 by

wurstMireille, die ihre Geschichte gleich selber erzählt, wird in Bourg-en-Bresse zum dritten Mal zur Wurst des Jahres gekürt. Will heissen, sie wurde bei einer Wahl auf Facebook zum hässlichsten Mädchen des Jahres gewählt. Das will sie nicht länger hinnehmen. Sie nimmt Kontakt mit zwei andern Mädchen auf, die ebenfalls zu Würsten erklärt wurden. «Wenn ich schon als Wurst gelte, dann mach ich was draus», erklärt Mireille. Gemeinsam beschliessen die drei, mit dem Fahrrad nach Paris zu fahren. Dort wollen sie am 14. Juli eintreffen und gleich die Party der französischen Präsidentin Barack Obamette im Elysee Palast stürmen. Finanziert werden soll diese Reise durch den Verkauf von Würstchen unterwegs. Dafür haben sie extra einen Anhänger konstruiert, mit Kühlschrank und Kochplatte und allem Drum und Dran. Begleitet werden die drei von Kader, einem jungen Mann, der im Krieg in Elendistan beide Beine verloren hat. Kader fährt im Rollstuhl voraus und ist gleichsam eine Art Beschützer der drei. Die Mädchen haben unterschiedliche Beweggründe für dieses aberwitzige Unternehmen: Mireille will ihren leiblichen Vater endlich zur Rede stellen, Astrid will ein Konzert ihrer Lieblingsband erleben und Hakima will Gerechtigkeit für ihren Bruder Kader erstreiten. Alle drei verbindet aber das eine grosse Ziel, sich und den andern zu beweisen, wozu sie in der Lage sind und diesen gemeinen Initianten der Würste-Wahl ein Schnippchen zu schlagen. Mireille ist nicht nur willensstark, sondern auch voll kluger Ideen. Schon vor ihrer Reise informiert sie die Presse über ihr Vorhaben und bald wird die Reise vom ganzen Land auf verschiedenen Kanälen dokumentiert und verfolgt. Die drei Würste werden schon nach der ersten Etappe so berühmt, dass sie Autogramme geben müssen und in jedem Ort von einer grossen Menschenmenge empfangen werden. Die drei schaffen es tatsächlich, die über 400 Kilometer in die Hauptstadt in der geplanten Zeit zurückzulegen und auf der Party im Elysee zu erscheinen.
Es ist vor allem Mireille, die beeindruckt. Ihre Stärke, ihr freches, schlagfertiges Mundwerk, ihr kluges Planen und oft auch ihre Warmherzigkeit. Die Botschaft der Geschichte ist klar und durchaus nachahmenswert. Der Text wirkt aber an keiner Stelle belehrend, ganz im Gegenteil, die spezielle, leicht schräge Sprache und die vielen versteckten Anspielungen auf die französische Lebensart und Politik machen die Lektüre überaus unterhaltsam. Und man bekommt Lust auf eine Reise nach Frankreich, vor allem dann, wenn Mireille in ihrer blumigen Sprache die französische Küche beschreibt. «Königinnen der Würste» ist ein einmalig witziges, unterhaltsames und spannendes Jugendbuch, dem man möglichst viele Leserinnen wünscht.

Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen. Aus dem Französischen von Annette von der Weppen. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55677-6

Rezension: Maria Riss

Christian Nürnberger: Mutige Menschen

04.09.2017 by

mutigeIm Vorwort sucht der Autor Christian Nürnberger nach Antworten auf die Frage, warum nur so wenige Menschen unter Hitlers Aufstieg und Herrschaft den Mut zum Widerstand hatten, obwohl viele mit Unbehagen das offensichtliche Unrecht erkannten. Er stellt die Frage, warum und unter welchen Umständen der Mensch zu solch unvorstellbaren Verbrechen fähig ist, warum Menschen beschliessen, ein Volk restlos auszurotten. Noch mehr aber interessiert sich Christian Nürnberger für die Menschen, die Verfolgte versteckten, zur Flucht verhalfen oder Oppositionelle beschützt und vor der Gestapo bewahrt haben. Er erzählt über das Leben dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeiten, die oft einsam und unter Einsatz ihres Lebens gegen den übermächtigen Strom geschwommen sind. Er stellt Menschen vor, die der Überzeugung waren, dass so etwas wie ein göttliches oder moralisches Gesetz existiere, das unbedingt gelten müsse, koste es das Leben. In den Lebensläufen zeigt Christian Nürnberger auf, dass es auch ein anderes Deutschland gegeben hat, dass nicht alle geschwiegen haben.

Der Autor zeigt die Lebensumstände auf, die zur Zeit des Aufstiegs Hitlers herrschten und führt vor Augen, welche weitgreifenden Auswirkungen der Entscheid, sich gegen die allmächtige NSDAP zu stellen, auf das Privat- und Arbeitsleben hatte. Christian Nürnberger gelingen eindrückliche Portraits, die nachdenklich stimmen und die Frage aufdrängen: Wie hätte ich mich verhalten? Wo auf der Welt herrschen heute ähnlich Zustände? Ein sehr empfehlenswertes Buch für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe und Erwachsene.

Christian Nürnberger: Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich. Gabriel 2009. ISBN: 978-3-522-30389-7 (gebundene Ausgabe)

Rezension: Anita Fehr

Vom gleichen Autor ist das Buch «Mutige Menschen. Für Frieden, Freiheit und Menschenrechte» erschienen. Auch darin finden sich Porträts besonderer Menschen.

Bernadette Russell: Der Club der Weltverbesserer

04.09.2017 by

besserEinen Tag lang alle Menschen anlächeln, die einem begegnen, Klebezettel mit aufmunternden Botschaften hinterlassen, Dinge spenden, die man nicht mehr braucht oder jemandem etwas beibringen, das man selber gut kann. Dies sind nur vier von insgesamt 77 Vorschlägen, was man im Alltag tun kann, um die Welt ein kleines Stück zu verbessern. Einige Vorschläge sind ganz einfach umzusetzen, andere brauchen etwas Mut, wie beispielsweise der «umgekehrte Diebstahl», bei welchem jemandem eine nette Botschaft in die Tasche geschmuggelt wird. Der «Club der Weltverbesserer» hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Welt durch freundliche Taten zu verändern. Freundliche Taten machen Menschen glücklich und glückliche Menschen sind meist nett zueinander. Leserinnen und Leser werden aufgefordert, bei der geheimen Mission «Club der Weltverbesserer» mitzumachen. Jede Seite im Buch beschreibt einen neuen Vorschlag, was man seinen Mitmenschen Gutes tun könnte. Am Ende jeder Seite gibt es ein Kästchen zum Abhäkeln der Mission und freie Zeilen für Notizen. Zudem enthält der Buchumschlag Buttons zum Ausschneiden und Aufkleben. Die Gestaltung der Seiten ist bunt und es werden oft Beispiele aufgezeigt, wie die Vorschläge umgesetzt werden könnten. Die verwendeten Schrifttypen sind sehr unterschiedlich, was ungeübten Leserinnen und Lesern die Lektüre etwas erschweren kann. Eine vielseitige Ideensammlung für Kinder ab etwa 10 Jahren .

Bernadette Russell: Der Club der Weltverbesserer, 77 Ideen für heimliche Heldentaten. Aus dem Englischen von Steffi Arnold. Knesebeck 2014. ISBN: 978-3-86873-770-7

Rezension: Jolanda Zimmerli

Die Autorin Bernadette Russell verfasste dieses Buch im Jahr 2011 nach einer Reihe gewalttätiger Unruhen in England und gründete den «Club der Weltverbesserer». «www.fuereinebesserewelt.info/der-club-der-weltverbesserer/» ist eine Seite, auf der sich viele, sehr interessante Artikel und Vorschläge finden, was man im Alltag für eine bessere Welt tun kann. Die Informationen und Texte dieser Seite sind anspruchsvoll und eignen sich für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe.

Buch des Monats September 2017

01.09.2017 by

 

heidiAlexa Hennig von Lange: Mein Sommer als Heidi

Islas Mutter hat grosse Pläne. Sie will nach Ibiza reisen, dort eine kleine Finka mieten und dann ihre elfjährige Tochter nachholen. Ein neues Leben plant sie dort, will Muschelketten herstellen und an die vielen Touristen verkaufen. Ja, und bis in Ibiza alles geklärt ist, soll Isla bei ihrem alten Opa in den Bergen leben. Per Mitfahrzentrale geht es von Berlin in die Schweiz. Isla kennt ihren Opa überhaupt nicht und als sie da oben in der Berghütte ankommt, möchte sie am liebsten sofort wieder abhauen. Bei Opa gibt es immer nur Käse und Brot zu essen, zur Schule muss Isla ganz weit den Berg runter laufen, und Handyempfang gibt es in dieser armseligen Hütte auch nicht. Isla fühlt sich weggeschoben, im Stich gelassen und einsam. Trotz allem, Isla ist stärker als sie sich dies selbst je zugetraut hätte. Schon bald lernt sie nette Leute im Dorf kennen, allen voran den gleichaltrigen Peter, der ihr nicht nur endlich das Schwimmen beibringt. Auch Opa scheint mit jedem Tag zugänglicher zu werden. Ganz allmählich fühlt sich Isla bei diesen netten Schweizern fast ein bisschen daheim. Das ist gut so, denn ihre Mutter lässt sich in Ibiza Zeit und meldet sich über Wochen einfach nicht. In diesem Sommer lernt Isla nicht nur, wie man Geissen wieder sicher ins Tal bringt, sie lernt auch viel über sich selbst und kommt einem lang gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur.

Dieses Heidi-Sommerbuch ist überaus unterhaltsam, spannend, in einer  lockeren und doch präzisen Sprache geschrieben und voll von unerwarteten Wendungen. Es gibt wohl kaum einen Kinderroman, in dem die Gefühle und die Stimmungen eines Mädchens beim Beginn der Pubertät so treffend beschrieben sind. Das ständige Auf und Ab, die Faszination des andren Geschlechts, die dauernde Suche nach der eigenen Identität. Isla schafft all diese Wirrungen mit Bravour und am Ende dieses einmaligen Sommers hat sie ein gutes Stück an Einsicht und Selbstbewusstsein dazugewonnen. Ein Buch, dem man möglichst viele Leserinnen ab etwa 11 Jahren wünscht.

Alexa Hennig von Lange: Mein Sommer als Heidi. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18468-7

Rezension: Maria Riss

Marloes Morshuis: Mick Mangodieb und die Rezepte der Sieben Weltmeere

11.08.2017 by

U_5940_1A_MICK_MANGODIEB.IND12Mick wohnt in einem fernen Land, in dem ein skrupelloser König herrscht. Wie viele andere Bewohner des Landes sind auch seine Eltern auf eine Gefangeneninsel verfrachtet worden. Sie gehörten zu jenen, die sich gegen die Tyrannei gewehrt haben. Als Mick eines Tages im Palastgarten beim Stehlen von Mangofrüchten erwischt wird, soll er wie alle andern Diebe in die Haibucht geworfen werden. Aber Mick ist einer, der nicht so schnell aufgibt. Der König ist bekannt für seinen verwöhnten Gaumen, alle Köche hat er entlassen oder ins Meer werfen lassen. Mick schlägt dem König nun einen Handel vor: Er wird während sieben Tagen für den König kochen. Sollten dem König wider Erwarten die Gerichte schmecken, wird er als Gegenleistung alle Gefangenen frei lassen. Mick hat in einer Truhe seiner Eltern ein Kochbuch mit dem Titel «Rezepte der Sieben Weltmeere» gefunden. Damit wird er in der nächsten Woche um sein Leben kochen. Schwierig ist nicht nur die Kocherei, es ist auch die ständige Angst und die verzwickte Suche nach den richtigen Zutaten. Ohne seine Freunde Remo, Lori und Pieke wäre das Zubereiten der Mahlzeiten gar nicht möglich gewesen. Aber Mick schafft es und der König freut sich mit jedem Tag mehr auf sein Essen (natürlich zeigt er dies nicht, immer wieder versucht er mit miesen Tricks, Mick bei seiner Arbeit zu stören). Als am letzten Tag die künftige Gemahlin des Königs am Tisch sitzt und Micks Kochkünste über alle Massen lobt, muss der König zu seinem Wort stehen. Alle Gefangenen kommen frei, kehren zurück und jagen den König mitsamt seiner heuchlerischen Gefolgschaft aus dem Land.

Der Autorin ist mit ihrem ersten Buch «Mick Mangodieb» gleich ein kleines Meisterwerk geglückt. Mick erzählt diese verrückte Geschichte selber und er tut dies auf sehr unterhaltsame Art und Weise. Mick ist kein Superheld, oft ist er verzweifelt, mutlos und voller Angst. Aber Mick hat nicht nur gute Freunde, sondern auch die Gabe, in schier aussichtslosen Situationen nicht aufzugeben: Er will um alles in der Welt weiterleben und seine Eltern wieder umarmen können. Wie Mick und seine Freunde es schaffen, all die Zutaten zu ergattern, das ist nicht nur sehr spannend nachzulesen, sondern man bekommt beim Lesen auch richtig Appetit. Alle Rezepte sind im Anhang beschrieben, das sind keine einfachen Kinderrezepte, sondern, wie es sich für einen königlichen Koch gebührt, richtige Feinschmeckermenus. Ein wunderbares Buch, das sich auch gut zum Vorlesen eignet, für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Marloes Morshuis: Mick Mangodieb und die Rezepte der Sieben Weltmeere. Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer. Gerstenberg 2017. ISBN 978-3-8369-5940-7

Rezension: Maria Riss

John Boyne: Der Junge auf dem Berg

01.08.2017 by

jungeDie ersten Jahre seiner Kindheit waren wunderschön. Pierrot lebte mit seiner Mutter in Paris, in der Nähe des Montmartre. Sein Vater, ein deutscher Soldat, hat sich das Leben genommen, weil er mit den Erinnerungen an den letzten Krieg nicht zurechtkam. Pierrot hatte einen Freund, Anshel, ein Judenjunge, der ganz wunderbare Geschichten schreiben konnte. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander. Als Pierrots Mutter an einer Lungenerkrankung stirbt, ist er gerade mal sechs Jahre alt. Er kommt zu seiner Tante Beatrix in die Nähe von Salzburg. Es ist gut, dass Pierrot zweisprachig aufgewachsen ist, so kann er sich problemlos auch auf Deutsch verständigen. Tante Beatrix ist Haushälterin auf einem Berghof, der Adolf Hitler gehört. Schon bald ist Pierrot, den hier alle ab sofort Peter nennen, von den vielen Uniformen und der Person des Führers absolut fasziniert. Endlich ein starker Mann, einer der sich durchsetzt, einer der gar schon ein Buch geschrieben hat. Auch Adolf Hitler scheint den kleinen Buben zu mögen, er verbringt immer wieder Zeit mit ihm, erklärt ihm die geschichtlichen Zusammenhänge und die Demütigungen, die das Deutsche Reich nach dem Krieg erleben musste. Der Führer spricht von der Judenplage und vom kommenden grossen Sieg. Als er Peter eines Tages eine Uniform der Hitlerjugend schenkt, ist es um den Jungen endgültig geschehen. Für seinen Führer würde er durchs Feuer gehen und wäre zu allem bereit. Auch zum Verrat an jenen Menschen, die er geliebt hat, die ihm früher sehr wichtig waren. Peter bleibt auf dem Berghof, auch dann, als der Führer sich in Berlin das Leben nimmt. Schliesslich kommen amerikanische Soldaten und nehmen ihn gefangen. Im Epilog erfahren Leserinnen und Leser, was später aus Peter wurde, wie er nie mehr ganz in ein normales Leben zurückfindet. Wie er aber durch einen glücklichen Zufall seinen alten Freund Anshel wieder trifft. Erst Anshel kann Peter erzählen, was er in den Jahren auf dem Berghof erlebt hat, wie er sich schuldig gemacht hat und wie er an dieser Schuld schier zerbricht. Es war schon früher so, wenn Peter oder eben damals Pierrot eine Geschichte erzählte, war es Anshel, der sie zu Papier brachte.
Wie schon in seinem ersten Buch «Der Junge im gestreiften Pyjama» zu diesem schrecklichen Teil deutscher Geschichte schreibt der Autor die Geschichte durchwegs aus der Perspektive eines Jungen. Und das geht unter die Haut. Als Leserin oder Leser kann man die Gedanken, die Entwicklung des Jungen, seinen Wandel der Werte ganz nah miterleben und zumindest stellenweise kann man dies gar verstehen. Zu Beginn der Lektüre schliesst man den kleinen Pierrot sofort ins Herz. Mit jedem Tag, den er auf dem Berghof verbringt, wird er einem fremder. Hitler hat diesen Jungen verführt, dies in einer solchen Geschichte nachzulesen, das ist sehr eindrücklich und lässt einen lange nicht mehr los. Ein überaus beeindruckender Roman für Jugendliche und Erwachsene.

John Boyne: Der Junge auf dem Berg. Fischer 2017. Aus dem Englischen von Ilse Layer. ISBN: 978-3-7373-4062-5

Rezension: Maria Riss

Caroline Carlson: Der weltbeste Detektiv

01.08.2017 by

etektivDie Geschichte spielt irgendwo in England zu einer Zeit, als es weder Autos noch Handys gab. Toby ist etwa 12 Jahre alt und erst kürzlich zu seinem Onkel an die Schnüfflergasse gezogen. Toby ist Vollwaise und wird von einem Familienmitglied zum nächsten weitergereicht. Bei seinem Onkel, einem bekannten Detektiv, gefällt es ihm aber auf Anhieb. Er will später unbedingt selber Detektiv werden. Wenn nur das Geld bei seinem Onkel nicht so knapp wäre. Da erfährt Toby von einem Wettbewerb, den der berühmte Detektiv Hugo Abercrombie ausgeschrieben hat. Gesucht wird der beste Detektiv der Welt und als Gewinn lockt eine sehr hohe Geldsumme. Mittels einer kleinen Lüge gelingt es Toby auf das Landgut zu reisen, wo der Wettbewerb stattfinden wird. Alle bekannten Detektive des Landes haben sich dort versammelt, um den fingierten Fall zu lösen. Aber schon am ersten Abend geschieht ein wahres Verbrechen: Hugo Abercrombie wird tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Er wurde vergiftet. Alle versammelten Detektive machen sich sofort an die Arbeit. Auch Toby und seine neue Freundin Ivy, ebenfalls eine junge Ermittlerin, suchen mit Feuereifer nach dem Täter. Alle sind verdächtig, aber nur einer wird den Fall lösen und das Preisgeld gewinnen. Klar, dass Toby und Ivy da ein Wörtchen mitreden.
Das Buch besticht nicht nur durch die spannende Handlung, sondern auch besonders durch die leicht ironische Beschreibung dieser englischen Detektive, die sich allesamt als kleine «Sherlock Holmes» fühlen. Gemeinsam mit den beiden Protagonisten geht man beim Lesen falschen Fährten nach und weiss nie, wem man trauen kann. Umso überraschender ist dann im allerletzten Kapitel die Auflösung des Falls. Die Lektüre ist nicht immer einfach, man muss viele Personen und Indizien im Kopf behalten. Beim Lesen helfen aber einerseits der wirklich spannende Plot und die gute Gliederung in kurze Kapitel. Für Kinder ab etwa 12 Jahren.

Caroline Carlson: Der weltbeste Detektiv. Aus dem Amerikanischen von Emily Huggins. Ueberreuter 2017. ISBN: 978-3-7641-5130-0

Rezension: Maria Riss

Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern

01.08.2017 by

U_5955_1A_JUGE_BIS_DIE_STERNE_ZITTERN.IND11Die Geschichte spielt im Jahre 1936 in Leipzig. Hauptperson ist Harro, etwa 17 Jahre alt. Als eine Schar Hitlerjungen an ihm vorübergeht und Harro die Fahne nicht grüsst, wird er von den uniformierten Jungen angegriffen und verprügelt. Völlig unerwartet kommen ihm ein paar andere Jugendliche zu Hilfe und die Hitlerjungen ergreifen die Flucht. So lernt Harro die «Leipziger Meuten» kennen. Diese Gruppe junger Menschen ist eine Art Edelweisspiraten. Sie haben sich zusammengeschlossen, um für Freiheit, für Menschenrechte und gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen. Bei Harro zuhause, da wird kaum noch gesprochen, Harros Eltern sind verstummt und lassen den Jungen mehr oder weniger gewähren. Harro hat deshalb sehr viel Freiraum und schliesst sich schon bald dieser Bewegung mit Feuereifer an. Er lernt nicht nur viele gleichgesinnte Jugendliche kennen, er wird auch mit neuen Sichtweisen konfrontiert, hilft bei verschiedenen Aktionen mit und erlebt in dieser intensiven Zeit auch, was es mit der Liebe auf sich hat. Harro wird eines Tages zwar verhaftet, lernt die grausamen Verhörmethoden kennen, kommt aber wieder frei. Er ist einer von denen, die Glück hatten, zumindest vorläufig.
Johannes Herwig ermöglicht Leserinnen und Leser einen fundierten Einblick in einen wenig bekannten Bereich deutscher Geschichte. Und er tut dies absolut glaubhaft und gekonnt. Es ist vor allem die Sprache, welche diesen Roman so besonders eindrücklich macht. In fast kargen, ungeheuer dichten Sätzen und mit wunderschönen Metaphern lässt der Text unvergessliche Bilder entstehen. Das Buch berichtet nicht in erster Linie von den Gräueltaten der Nazis, es erzählt von Jugendlichen, die sich abgrenzen wollen, die sich wehren gegen das herrschende System, die auf der Suche nach ihrer Rolle in der Gesellschaft sind. Dass sich junge Menschen gegen Regeln und Normen auflehnen, das kennen die meisten Jugendlichen, sie werden sich deshalb in der Figur von Harro, seinen Gedanken und Gefühlen sehr gut wiederfinden. Mit diesem Romandebut macht der Autor Geschichte auf eindrückliche Weise erlebbar.

Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern. Gerstenberg 2017. ISBN: 978-3-8369-5955-1

Rezension: Maria Riss