Archive for the ‘ 05 Oberstufe ’ Category

Silke Vry: Verborgene Schätze, versunkene Welten

18.11.2017 by

schaetzeSchon immer waren die Menschen daran interessiert, mehr über frühere Kulturen zu erfahren. Die 21 Kapitel des kostbar gestalteten Buches sind bekannten Forschern und ihren Entdeckungen gewidmet. So erfahren Leserinnen und Leser nicht nur Wichtiges über archäologische Pioniere, sondern auch darüber, was bei all diesen Grabungen entdeckt wurde. Manchmal waren solche Entdeckungen blosse Zufälle, oft steckten aber auch Forschende dahinter, die regelrecht besessen von ihren Ideen waren. Die einzelnen Berichte sind alle gleich aufgebaut und gestaltet. Wichtiges ist in Kästchen zusammengefasst und jedes Kapitel endet mit der Schlussfolgerung: Was bleibt? Der erste Bericht geht in das Jahr 1506 zurück, damals entdeckte Felice de Fredis, ein einfacher Weinbauer aus Rom, ganz zufällig die ersten antiken Statuen zwischen den Hügeln der Stadt. Der letzte Beitrag im Buch berichtet vom Jahr 1995, als der Unterwasserarchäologe Franck Goddio Teile des Königsviertels von Alexandria im Meer entdeckte.
Der vorliegende Band besticht durch die klare, übersichtliche Gestaltung, durch die hohe Qualität der Texte und Bilder und dem fundierten Quellenstudium der Autorin Silke Vry. Die einzelnen Berichte sind nicht nur sehr spannend zu lesen, sondern regen dazu an, noch mehr über all die wunderbaren Funde zu erfahren. Die Informationen über die Forscher sind so verfasst, dass man zwar staunen kann, aber keine Heldenepen zu lesen bekommt. Oft werden auch kritische Fragen aufgeworfen. «Verborgene Schätze, versunkene Welten» ist ein überaus spannendes und lehrreiches Sachbuch für Jugendliche und Erwachsene.

Silke Vry: Verborgene Schätze, versunkene Welten. Gerstenberg 2017. ISBN: 978-3-8369-5994-0

Rezension: Maria Riss

Christian Linker: Der Schuss

18.11.2017 by

schussRobin lebt in einer heruntergekommenen Siedlung am Stadtrand. Die meisten hier haben keinen Job, es ist eine hoffnungslose triste Gegend und damit ein idealer Nährboden für nationalistisches Gedankengut. Robin hat die Schule abgebrochen, tut den ganzen Tag eigentlich gar nichts, ausser, sich aus allem rauszuhalten. Und dann passiert es: Robin wird in der Parkgarage zufällig Zeuge eines Mordes. Die Klappe halten ist angesagt, eine Aussage zu machen, wäre viel zu gefährlich. Auch als die Polizei kurz darauf einen Mann verhaftet, der mit der Sache nichts zu tun hat, schweigt Robin. In Wirklichkeit waren es Schlägertypen aus der rechtsradikalen Szene, die hier jeder kennt. Robin hält auch den Mund, weil Fred, ein politischer der Anführer der rechtsradikalen «Deutschen Alternativen Partei», ein alter Schulfreund von ihm ist. Aber dann taucht Henry auf, eine junge Praktikantin, die Journalisten werden will. Sie will der Wahrheit auf den Grund gehen und lässt nicht locker. Robin muss sich entscheiden: Weiterhin schweigen und so tun, als sei nichts passiert oder eine Aussage machen, damit die wirklichen Täter hinter Gitter kommen. Wenn Robin aber tatsächlich die Polizei aufsucht, bringt er sich selber in allerhöchste Gefahr.

Einmal mehr hat Christian Linker einen überaus spannenden Krimi geschrieben und dies nicht nur wegen der packenden Handlung. Robin erzählt einzelne Abschnitte des Romans selber, andere Teile beschreibt der Autor aus der Sicht anderer wichtiger Figuren. Damit ermöglicht er Leserinnen und Leser unterschiedliche Blickweisen und nimmt auch die Gelegenheit war, die Wurzeln des extrem rechten Gedankenguts darzustellen. So liest man den Roman wegen der spannenden Handlung und der leicht verständlichen, süffigen Sprache zwar in einem Zug durch, kommt aber auch immer wieder ins Nachdenken und Grübeln. Ein eindrücklicher Krimi, der viele Jugendliche ansprechen wird.

Christian Linker: Der Schuss. dtv 2017. ISBN: 978-3-423-43324-2

Rezension: Maria Riss

 

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie

05.11.2017 by

charlieNiks und sein Vater Mahris leben in Riga. Sie reisen in den Sommerferien nach Deutschland, Mahris will endlich richtig gut Geld verdienen. Sie landen in Dortmund in einem heruntergekommen Wohnblock. Niks staunt, wie unterschiedlich hier die Menschen sind, sie scheinen aus der ganzen Welt zu kommen und kaum jemand spricht Deutsch. Gleich gegenüber ihrer Wohnung leben Russen. Mit Russen haben Niks und Mahris in ihrer Heimat nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Mahris findet nach ein paar Tagen endlich einen Job auf dem Bau und Niks, der ist ab sofort allein in dieser tristen Umgebung, fühlt sich einsam und hat Heimweh, das vor allem. Doch dann begegnet er Charlie. Der gehört zwar zu diesen Russen, aber Charlie ist so einer, der sich auskennt, der Niks einfach mitnimmt. Charlie muss man wegen seiner offenen Art und seinem verschmitzten Grinsen einfach gern haben. Niks und Charlie schliessen ganz schnell Freundschaft. Charlie zeigt Niks nicht nur, wie man sich in der Stadt zu Recht findet, er lernt ihm auch allerhand Tricks. Wie man sich unsichtbar machen kann oder wie man Dinge, die man gerne haben möchte, auch einfach mitgehen lassen kann. Niks lernt schnell und Niks ist gut. Nachdem sich Niks Vater auf der Baustelle so schwer verletzt, dass er ins Spital muss, verbringt Niks fast seine ganze Zeit mit Charlie. Dann taucht ein paar Tage später der Hausbesitzer auf, will die fällige Miete, aber die Blechdose mit dem Geld im Küchenschrank ist leer. Und es sind die Russen, die Niks aus der Patsche helfen und die ihn bald mitnehmen auf ihre geheimen Touren in der Nacht. Niks weiss, dass er Unrecht tut, aber er mag Charlie so sehr und es bleibt ihm ja gar nichts anderes übrig! Als sich die Dinge überstürzen und Niks in allergrösster Gefahr schwebt, da taucht er plötzlich auf, wie ein rettender Engel: Sein Vater Mahris, der seinen Sohn in die Arme schliesst und ihn aus diesem ganzen Schlamassel rausholt. Deutschland ist nichts für die beiden und sie packen sofort ihre Koffer. Auch die Russen hauen ab und mit ihnen Charlie. Charlie, der in so kurzer Zeit zum besten Freund wurde, den wird Niks vermissen, wohl sein ganzes Leben lang.
Tanya Lieske hat ein ganz wundervolles Buch geschrieben. Niks erzählt seine Geschichte mit so treffenden Worten und Sätzen, dass man beim Lesen ganz nah dabei ist, dass man selbst den Geruch im Treppenhaus zu riechen scheint. Es geht im Buch um Heimat, um Zusammenhalt, um Vorurteile und um Freundschaft. Berührend ist dieser Roman und sehr spannend zugleich, eine grossartige Mischung aus Krimi und darüber, was Freundschaft bedeuten kann. Das Buch sei Leserinnen und Lesern ab etwa 12 Jahren wärmstens empfohlen.

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82321-2

Rezension: Maria Riss

Angie Thomas: The Hate U Give

31.10.2017 by

angieDie sechzehnjährige Starr lebt in einem Viertel der Stadt, in dem hauptsächlich Afroamerikaner mit kriminellem Hintergrund zuhause sind.  Sie besucht aber eine weisse Privatschule ausserhalb und versucht beide Welten möglichst strikt auseinanderzuhalten. Das Leben im Viertel ist gefährlich. All diese Jugendlichen mit schlechter Schulbildung, die keinen Job, keine Zukunft haben, sind besonders gefährdet auf eine schiefe Bahn zu geraten. Sie wollen raus aus diesem Elend, endlich richtig Kohle machen und nehmen dafür auch illegale Wege in Kauf . Starrs Vater will im Viertel wohnen bleiben, immer wieder meint er: «Wenn alle ehrlichen Leute wegziehen, wird es nur noch schlimmer. Man muss diesen Jugendlichen vorleben, dass es auch anders geht, jemand muss sich um sie kümmern, ihnen ihre Chance aufzeigen.» Und dann passiert es: Auf dem Heimweg von einer Party muss Starr mitansehen, wie ihr allerbester Freund Khalil neben seinem Auto erschossen wird. Von einem weissen Polizisten, ohne Vorwarnung, mitten auf der Strasse. Und Khalil war unschuldig, es war bloss eine Haarbürste, die der Polizist für eine Schusswaffe hielt. Aber jetzt sind diese Schüsse gefallen und Starr ist die einzige, die alles aus nächster Nähe beobachtet hat. Sie muss als Zeugin aussagen. Aber damit bringt sie sich und ihre Familie in Gefahr, denn ein Drogenboss und die Polizei setzen die Familie unter Druck. Bald wird in allen Medien über den Vorfall berichtet. Starr gerät zwischen die Fronten. Sie besucht eine weisse Schule, hat einen weissen Freund, lebt aber in dieser Gemeinschaft der Schwarzen, die sich alle gegenseitig helfen und füreinander in jeder noch so schlimmen Situation da sind. Es gibt grosse Demonstrationen, nicht nur im Viertel, sondern in der ganzen Stadt. Die Gewalt eskaliert und Starrs Familie muss zu Verwandten flüchten.  Wie soll das alles nur weitergehen?
Angie Thomas hat ein wunderbares Buch geschrieben. Es sind vor allem die Protagonisten, die sie so treffend und lebendig beschrieben hat. Allen voran natürlich Starr, ihr Ringen um Gerechtigkeit, ihr unbändiger Wille, sich gegenüber allen Formen von Rassismus zu wehren. Dann aber auch Starrs Eltern, der raubeinige und doch so liebevolle Vater, der sich mit dem weissen Freund seiner Tochter anfangs so schwer tut und für seine Vision einer besseren Welt bis an die Grenzen geht.  Ihm gegenüber Starrs Mama, die Sicherheit für ihre Familie fordert, die raus will, aus diesem schrecklich gefährlichen Viertel. Und doch schaffen es die beiden, nicht nur ihre Beziehung, sondern auch die Familie beisammen zu halten. Beeindrucken nachzulesen ist auch der grosse Zusammenhalt im Viertel, der oft grobe und doch so fürsorgliche Umgang miteinander. Kein Wunder, dass es dieses Buch auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestenliste geschafft hat. Das berührende Buch zu einem äusserst aktuellen Thema macht beim Lesen stellenweise Gänsehaut, es sei Jugendlichen und Erwachsenen wärmstens empfohlen.

Angie Thomas: The Hate U Give. Aus dem Amerikanischen  von Henriette Zeltner.  cbt 2017. ISBN: 978-3570164822

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats November 2017

31.10.2017 by

tiereKatharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere
Tiere haben sehr verschiedene Liebesweisen das ist uns zwar bekannt, aber was sich da genau abspielt, das wissen die wenigsten. Dass die Paarung beim Marienkäfer bis zu 18 Stunden dauern kann beispielsweise oder dass es bei Rennechsen gar keine Männchen gibt. Dass Straussenväter nicht nur eine Mulde ausbuddeln, in die alle Weibchen der Gruppe ihre Eier legen, sondern dass diese emanzipierten Männchen all diese Eier auch ausbrüten oder dass Mehlkäfer auch schon mal ihre männlichen Artgenossen begatten, weiss kaum jemand. Im Buch geht es um unterschiedlichste Verführungskünste, um die Paarung, die Entstehung und das Wachstum von Tierkindern und um die Geburt. Egal, auf welcher Seite man das Buch aufschlägt: Man kommt aus dem Staunen einfach nicht heraus! Der Text ist in kurze, leicht verständliche Leseportionen unterteilt, so dass man im Buch auch einfach ein bisschen Stöbern kann. Und immer wieder darf über die wunderbaren, klaren und aberwitzigen Illustrationen von Anke Kuhl gelacht werden. Wenn man beim Thema Liebe und Sex immer wieder schmunzeln, lachen und staunen kann, dann fallen meist auch Hemmungen weg.  Das Buch fordert geradezu heraus, Gelesenes weiter zu erzählen, kurze Abschnitte andern vorzulesen oder besonders eindrückliche Bilder gemeinsam zu betrachten. Katharina von der Gathen und Anke Kuhl, beide bestens bekannt durch das erfolgreiche Aufklärungsbuch «Klär mich auf», haben ein ganz wundervolles, lehrreiches und humorvolles Sachbuch für Kinder geschaffen. Es sei Kindern ab etwa 8 Jahren genauso empfohlen wie allen Erwachsenen und gehört unbedingt in jede Bibliothek.

Katharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere. Klett Kinderbuch 2017. ISBN: 978-3-95470-169-8

Rezension: Maria Riss

 

 

Lizzie Wilcock: Brennender Durst

04.09.2017 by

durstKaranda ist auf der Fahrt zu ihrer neuen Pflegefamilie, als es passiert. Das Auto kommt von der Strasse ab, der Fahrer scheint tot zu sein und Karanda haut ab, so schnell sie ihre Füsse tragen. Sie will endlich frei sein, auch wenn sie dafür diese gottverdammte Wüste durchqueren muss. Karanda ist aber nicht allein, Solomon, ein achtjähriger Junge sass ebenfalls im Wagen und weicht ihr nicht von der Seite, ganz egal, wie sehr sie ihn wegschickt, ausschimpft und beleidigt. Dieser Weg durch die Wüste ist so hart, dass beide immer wieder an ihre Grenzen stossen. Als Karanda, um nicht zu verhungern, ein Kaninchen töten muss beispielsweise oder als plötzlich ein Unwetter losbricht und beide schier in den Wasserfluten ertrinken. Vom schrecklichen Durst und der sengende Hitze ganz zu schweigen. Bald ist Karanda froh, Solomon an ihrer Seite zu wissen, weil dieser sich in vielen Situationen besser zu helfen weiss. Während dieser Wanderschaft brechen bei Karanda und auch bei Solomon viele alte Narben wieder auf. Schlimme Erlebnisse bei den zahlreichen verschiedenen Pflegefamilien und auch die ständige Sehnsucht nach Geborgenheit und Wärme. Es ist ein Weg in die Vergangenheit, vielleicht eine Art Läuterung, den die beiden durchmachen müssen, damit Neues möglich wird. Ganz zum Schluss, als die beiden kaum mehr weiter wissen, taucht dann auch wirklich ein Helikopter am Horizont auf.
«Brennender Durst» ist ein sehr vielschichtiger und packender Roman. Da ist einerseits dieser lebensgefährliche Trip durch die Wüste, genauso faszinierend ist aber andrerseits der Blick in die Vergangenheit dieser beiden Pflegekinder und das allmählich aufkeimende gegenseitige Vertrauen. Die Geschichte ist überaus spannend, aber gleichermassen auch berührend. In einer schlichten und treffenden Sprache hat die australische Autorin Lizzie Wilcock ein fantastisches Buch geschrieben, das einem bis zur letzten Seite in Bann zieht und das unter die Haut geht. Für Jugendliche und Erwachsene.

Lizzie Wilcock: Brennender Durst. Manchmal musst du verloren gehen, um gefunden zu werden. Aus dem australischen Englisch von Friederike Levin. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82300-7

Rezension: Maria Riss

 

John Corey Whaley Hochgradig unlogisches Verhalten

04.09.2017 by

unlogischLisa ist eine ehrgeizige junge Frau. Gute Schulleistungen sind ihr sehr wichtig, vor allem interessiert sie sich für Psychologie und hofft mit einer guten Studienaufgabe auch einen heiss ersehnten Studienplatz zu erhalten. Lisa entscheidet sich für eine Art Experiment. Von Früher her kennt sie Solomon, diesen Jungen, der seit über drei Jahren sein Haus nicht mehr verlassen hat. Sie schafft es, dort aufzutauchen und Solomon näher kennenzulernen. Solomon scheint ein ganz normaler junger Mann zu sein, der sich einfach nicht mehr traut, das Haus zu verlassen. Seine Schulaufgaben macht er online und die Tage verbringt er mehr oder weniger im Pyjama. Aber Solomon ist klug und charmant und bald entwickelt sich zwischen Lisa und Solomon eine Freundschaft. Lisa bringt auch immer öfter ihren Freund Clark mit. Solomon lernt, was Freundschaft und Vertrauen sind. Immer offener berichtet er von seinen Ängsten und seinen Panikattacken. Auch für Lisa ist Solomon immer wichtigen geworden. Sie mag ihn sehr. Als Solomon die Wahrheit über Lisas erste Besuche erfährt, dass er quasi als Studienobjekt fungierte, droht er daran zu zerbrechen. Lisa und Clark wissen nicht mehr aus noch ein. Mit einer überaus wagemutigen Tat stellen sie ihre tiefe Freundschaft zu diesem so speziellen Jungen unter Beweis. Und ganz zum Schluss, da traut sich Solomon sogar aus dem Haus, zumindest bis ans Ende des Gartenzauns.
Die Geschichte wird fast ausschliesslich in Dialogen erzählt, dies ermöglicht es Leserinnen und Leser, ganz nah beim Buchgeschehen zu verweilen. Solomons erst zaghafte Versuche, sich zu öffnen, das allmähliche Überwinden seiner Ängste, aber auch seine Angstattacken erlebt man unmittelbar mit. Lisa und Clark wiederum verlieren ihre Furcht vor der Andersartigkeit und gewinnen Solomon mit jedem Besuch lieber. Das Geben und Nehmen ist gegenseitig, ganz so, wie es in einer richtigen Freundschaft sein soll. Solomons Leben ist zwar von all seinen zwanghaften Handlungen geprägt, trotzdem ist er ein ganz normaler Jugendlicher, mit dem sich Lesende, Jungen wie Mädchen, identifizieren können. Die Lektüre macht trotz des ernsten Themas auch Spass, vielleicht weil das Buch absolut frei von Pathos bleibt und in einer sehr direkten, schnörkellosen Sprache geschrieben ist.

John Corey Whaley Hochgradig unlogisches Verhalten. Aus dem Englischen von Andreas Jandl. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25705-4

Rezension: Maria Riss

Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen

04.09.2017 by

wurstMireille, die ihre Geschichte gleich selber erzählt, wird in Bourg-en-Bresse zum dritten Mal zur Wurst des Jahres gekürt. Will heissen, sie wurde bei einer Wahl auf Facebook zum hässlichsten Mädchen des Jahres gewählt. Das will sie nicht länger hinnehmen. Sie nimmt Kontakt mit zwei andern Mädchen auf, die ebenfalls zu Würsten erklärt wurden. «Wenn ich schon als Wurst gelte, dann mach ich was draus», erklärt Mireille. Gemeinsam beschliessen die drei, mit dem Fahrrad nach Paris zu fahren. Dort wollen sie am 14. Juli eintreffen und gleich die Party der französischen Präsidentin Barack Obamette im Elysee Palast stürmen. Finanziert werden soll diese Reise durch den Verkauf von Würstchen unterwegs. Dafür haben sie extra einen Anhänger konstruiert, mit Kühlschrank und Kochplatte und allem Drum und Dran. Begleitet werden die drei von Kader, einem jungen Mann, der im Krieg in Elendistan beide Beine verloren hat. Kader fährt im Rollstuhl voraus und ist gleichsam eine Art Beschützer der drei. Die Mädchen haben unterschiedliche Beweggründe für dieses aberwitzige Unternehmen: Mireille will ihren leiblichen Vater endlich zur Rede stellen, Astrid will ein Konzert ihrer Lieblingsband erleben und Hakima will Gerechtigkeit für ihren Bruder Kader erstreiten. Alle drei verbindet aber das eine grosse Ziel, sich und den andern zu beweisen, wozu sie in der Lage sind und diesen gemeinen Initianten der Würste-Wahl ein Schnippchen zu schlagen. Mireille ist nicht nur willensstark, sondern auch voll kluger Ideen. Schon vor ihrer Reise informiert sie die Presse über ihr Vorhaben und bald wird die Reise vom ganzen Land auf verschiedenen Kanälen dokumentiert und verfolgt. Die drei Würste werden schon nach der ersten Etappe so berühmt, dass sie Autogramme geben müssen und in jedem Ort von einer grossen Menschenmenge empfangen werden. Die drei schaffen es tatsächlich, die über 400 Kilometer in die Hauptstadt in der geplanten Zeit zurückzulegen und auf der Party im Elysee zu erscheinen.
Es ist vor allem Mireille, die beeindruckt. Ihre Stärke, ihr freches, schlagfertiges Mundwerk, ihr kluges Planen und oft auch ihre Warmherzigkeit. Die Botschaft der Geschichte ist klar und durchaus nachahmenswert. Der Text wirkt aber an keiner Stelle belehrend, ganz im Gegenteil, die spezielle, leicht schräge Sprache und die vielen versteckten Anspielungen auf die französische Lebensart und Politik machen die Lektüre überaus unterhaltsam. Und man bekommt Lust auf eine Reise nach Frankreich, vor allem dann, wenn Mireille in ihrer blumigen Sprache die französische Küche beschreibt. «Königinnen der Würste» ist ein einmalig witziges, unterhaltsames und spannendes Jugendbuch, dem man möglichst viele Leserinnen wünscht.

Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen. Aus dem Französischen von Annette von der Weppen. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55677-6

Rezension: Maria Riss

Christian Nürnberger: Mutige Menschen

04.09.2017 by

mutigeIm Vorwort sucht der Autor Christian Nürnberger nach Antworten auf die Frage, warum nur so wenige Menschen unter Hitlers Aufstieg und Herrschaft den Mut zum Widerstand hatten, obwohl viele mit Unbehagen das offensichtliche Unrecht erkannten. Er stellt die Frage, warum und unter welchen Umständen der Mensch zu solch unvorstellbaren Verbrechen fähig ist, warum Menschen beschliessen, ein Volk restlos auszurotten. Noch mehr aber interessiert sich Christian Nürnberger für die Menschen, die Verfolgte versteckten, zur Flucht verhalfen oder Oppositionelle beschützt und vor der Gestapo bewahrt haben. Er erzählt über das Leben dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeiten, die oft einsam und unter Einsatz ihres Lebens gegen den übermächtigen Strom geschwommen sind. Er stellt Menschen vor, die der Überzeugung waren, dass so etwas wie ein göttliches oder moralisches Gesetz existiere, das unbedingt gelten müsse, koste es das Leben. In den Lebensläufen zeigt Christian Nürnberger auf, dass es auch ein anderes Deutschland gegeben hat, dass nicht alle geschwiegen haben.

Der Autor zeigt die Lebensumstände auf, die zur Zeit des Aufstiegs Hitlers herrschten und führt vor Augen, welche weitgreifenden Auswirkungen der Entscheid, sich gegen die allmächtige NSDAP zu stellen, auf das Privat- und Arbeitsleben hatte. Christian Nürnberger gelingen eindrückliche Portraits, die nachdenklich stimmen und die Frage aufdrängen: Wie hätte ich mich verhalten? Wo auf der Welt herrschen heute ähnlich Zustände? Ein sehr empfehlenswertes Buch für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe und Erwachsene.

Christian Nürnberger: Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich. Gabriel 2009. ISBN: 978-3-522-30389-7 (gebundene Ausgabe)

Rezension: Anita Fehr

Vom gleichen Autor ist das Buch «Mutige Menschen. Für Frieden, Freiheit und Menschenrechte» erschienen. Auch darin finden sich Porträts besonderer Menschen.

Bernadette Russell: Der Club der Weltverbesserer

04.09.2017 by

besserEinen Tag lang alle Menschen anlächeln, die einem begegnen, Klebezettel mit aufmunternden Botschaften hinterlassen, Dinge spenden, die man nicht mehr braucht oder jemandem etwas beibringen, das man selber gut kann. Dies sind nur vier von insgesamt 77 Vorschlägen, was man im Alltag tun kann, um die Welt ein kleines Stück zu verbessern. Einige Vorschläge sind ganz einfach umzusetzen, andere brauchen etwas Mut, wie beispielsweise der «umgekehrte Diebstahl», bei welchem jemandem eine nette Botschaft in die Tasche geschmuggelt wird. Der «Club der Weltverbesserer» hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Welt durch freundliche Taten zu verändern. Freundliche Taten machen Menschen glücklich und glückliche Menschen sind meist nett zueinander. Leserinnen und Leser werden aufgefordert, bei der geheimen Mission «Club der Weltverbesserer» mitzumachen. Jede Seite im Buch beschreibt einen neuen Vorschlag, was man seinen Mitmenschen Gutes tun könnte. Am Ende jeder Seite gibt es ein Kästchen zum Abhäkeln der Mission und freie Zeilen für Notizen. Zudem enthält der Buchumschlag Buttons zum Ausschneiden und Aufkleben. Die Gestaltung der Seiten ist bunt und es werden oft Beispiele aufgezeigt, wie die Vorschläge umgesetzt werden könnten. Die verwendeten Schrifttypen sind sehr unterschiedlich, was ungeübten Leserinnen und Lesern die Lektüre etwas erschweren kann. Eine vielseitige Ideensammlung für Kinder ab etwa 10 Jahren .

Bernadette Russell: Der Club der Weltverbesserer, 77 Ideen für heimliche Heldentaten. Aus dem Englischen von Steffi Arnold. Knesebeck 2014. ISBN: 978-3-86873-770-7

Rezension: Jolanda Zimmerli

Die Autorin Bernadette Russell verfasste dieses Buch im Jahr 2011 nach einer Reihe gewalttätiger Unruhen in England und gründete den «Club der Weltverbesserer». «www.fuereinebesserewelt.info/der-club-der-weltverbesserer/» ist eine Seite, auf der sich viele, sehr interessante Artikel und Vorschläge finden, was man im Alltag für eine bessere Welt tun kann. Die Informationen und Texte dieser Seite sind anspruchsvoll und eignen sich für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe.