Archive for the ‘ 04 Mittelstufe ’ Category

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete

18.06.2017 by

bienenWolf ist gut zwölf Jahre alt. Er ist ein angepasster Junge, fleissig, eher still, und er kümmert sich überaus liebevoll um seine kleinen Zwillingsschwestern. Wolfs Mom ist überzeugt, dass die Welt bald untergehen wird, weil sich niemand wirklich für die Umwelt, das Klima und all die bedrohten Tierarten einsetzt. Sie ist sich sicher, dass ihre Kinder keine Zukunft haben werden. Irgendwo muss man anfangen, meint sie, warum nicht mit Bienen, die für das Überleben der Menschheit absolut zentral sind? Wolfs Eltern beschliessen deshalb, mit der ganzen Familie eine Tour durch die Staaten zu machen. Ein alter Van wird gekauft, Mom näht Bienenkostüme für ihre Kinder, druckt Flyer und grosse Plakate und bereitet eine eindrückliche Präsentation vor. Früher als geplant, wird das Haus weitervermietet und die Reise geht los. Wolf will nicht fahren, sein Zuhause und all seine Schulfreunde zu verlassen, das ist so schwer. Dazu kommt, dass er absolut keine Lust hat, vor fremden Leuten aufzutreten, er ist eher scheu und dieses absolut dämliche Bienenkostüm zu tragen, ist ihm so was von peinlich. Aber Mom, die hört einfach nicht hin, zu wichtig ist ihr diese Fahrt. Auch Whisper, eine der kleinen Zwillingsschwestern, scheint diese Reise nicht zu gefallen. Sie spricht seit der Abfahrt kein einziges Wort mehr. Erst als Whisper auch kaum mehr isst, erst als Wolfs ältere Schwester einfach abhaut und der alte Van endgültig den Geist aufgibt, hört Mom endlich zu. Wolf macht ihr klar, dass sie mit ihrem Vorhaben zwar einen Beitrag zur Rettung der Welt leistet, dass sie dabei aber die Bedürfnisse ihrer Kinder vollkommen ignoriert hat. «Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete» ist nicht nur ein spannendes Buch, es sind auch die Figuren, deren Beschreibung der Autorin sehr treffend und differenziert gelungen ist. Es ist vor allem Wolf, dem man beim Lesen sehr nahe kommt. Man versteht seine Gedanken und Konflikte und man sorgt sich mit ihm um seine kleine Schwester, die an dieser Reise und den ständigen Auftritten vor Publikum zu zerbrechen droht. Durch diese Innensichten gewinnt die Geschichte nicht nur an Spannung und Dynamik, sondern es werden auch verschiedene Perspektiven rund um die Thematik eindrücklich geschildert und nachvollziehbar: Wo liegen die Grenzen zwischen den eigenen Zielen, den Bedürfnissen anderer und dem Engagement für eine gute Sache? Das Buch bietet neben der sehr eindrücklichen Handlung viel Gesprächs- und Diskussionsstoff und zwingt dazu, über eigene Haltungen und Handlungsweisen nachzudenken. Ein wunderschöner Roman, dem man viele jugendliche Leserinnen und Leser wünscht.

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete. Aus dem Englischen von Bettina Münch. Rowohlt 2017. ISBN: 978-3-499-21782-1

Rezension: Maria Riss

 

Luv Frohde: Ein Hund für Jacob

18.06.2017 by

jacobAls Jacobs Hund stirbt, bricht für Jacob eine Welt zusammen. Sein Hund Buster war sein allerbester Freund. Er war immer an seiner Seite, hat gespürt, wenn Jacob traurig war und war ausgelassen und spielfreudig, wenn Jacob guter Dinge war. Erwachsene haben gut reden, wenn sie meinen, dass die Zeit Wunden heile oder dass er sich doch einfach einen neuen Hund wünschen solle. Jacob ist sich sicher, dass seine Trauer nie aufhören wird, und einen Hund will Jacob niemals mehr haben. Und dann sind Sommerferien. Die Familie fährt wie in jedem Jahr an den grossen See. Dort hat Jacob im letzten Jahr zusammen mit anderen Kindern eine Waldhütte gebaut. Jacob baut an der Hütte weiter, er übernachtet sogar dort. Und dann ist da plötzlich dieser Hund, klein, scheu, ausgehungert und schwarz. Der Hund scheint niemandem zu gehören. Jacob legt dem Hund Essen vor die Hütte und spricht beruhigend auf ihn ein. Mit jedem Ferientag traut sich der Hund näher an den Jungen heran und bald lässt er sich auch streicheln. Jacob ist überglücklich, denn der Hund scheint ihm zu vertrauen. Ganz allmählich wird Ronny, so nennt er den kleinen Hund, zum steten Begleiter. Als sich bis zum Ende der Ferien kein Besitzer meldet, darf Jacob den Hund Ronny sogar mit nach Hause nehmen. Erst zwei Monaten später kommt dieser Anruf von den Leuten, denen der Hund offensichtlich gehört. Erneut verliert Jacob seinen treusten Freund. Jacob weiss weder ein noch aus und ist völlig verzweifelt. Aber dann, ein paar Wochen später, steht der kleine schwarze Ronny plötzlich vor Jacobs Tür: Hunde sind klug und wissen ganz genau, wer sie lieb hat und wo sie hingehören.

Die Geschichte ist ganz nah an der Alltagswelt von Kindern. Jacobs Verzweiflung, seine grosse Trauer, das kennen die meisten Kinder in irgendeiner Form. Die Autorin fokussiert ihre Geschichte ganz stark auf die Beziehung zwischen Jacob und seinem Hund und lässt anderes bewusst weg. So wird Jacobs Kummer und sein eindrücklicher Weg aus der Trauer besonders gut nachvollziehbar. Und dass zu guter Letzt doch noch alles gut kommt, das tut selbst erwachsenen Lesenden gut. Die berührende Geschichte ist in kurze Leseportionen eingeteilt und eignet sich auch deshalb sehr gut zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Luv Frohde: Ein Hund für Jacob. Aus dem Norwegischen von Inge Wehrmann.Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18435-9

Rezension: Maria Riss

David Vliestra: Willy Bumm. Mission Goldtransport

18.06.2017 by

wiilyWilly ist neun Jahre alt und lebt im Wilden Westen. Er hat zwei Geschwister, Billy, der ältere Bruder, und Millie, die bereits verheiratet ist und in Reno lebt. Vor kurzem erst ist Grossmutter gestorben. Sie hat ihren drei Enkeln in einem Versteck unter den Dielen 120 Goldmünzen hinterlassen. Woher Oma einen solchen Haufen Gold hatte, das weiss niemand so genau. Auf jeden Fall muss nun jemand nach Reno reisen, um der älteren Schwester ihren Anteil zu bringen. Das Leben im Wilden Westen ist gefährlich und die Reise nach Reno dauert mindestens zwei Tage. Mama und Papa beschliessen, dass der kleine Willy reisen soll. Niemand wird schliesslich einen netten, kleinen Jungen überfallen. Weil Gold im Rucksack zu gefährlich wäre, näht Mama alle Goldmünzen schön ordentlich auf Willys Unterhemd, eine Münze neben die andere. Und gleich am nächsten Tag bringt Papa Willy zum Bahnhof. Die Liste der Ermahnungen und drohenden Gefahren ist lang, aber schliesslich sitzt Willy im Abteil und die Dampflock fährt los. Schon bald wird die Reise auch wirklich zu einem riesengrossen Abenteuer: Gesprengte Bahngeleise, ein Überfall auf die Postkutsche, ein Duell auf offener Strasse, ein goldgieriger Cowboy und ein einsamer, unendlich langer Ritt durch die dunkle Steppe. Willy bezwingt all diese Gefahren und kommt nach vielen Umwegen schliesslich heil und mit dem ganzen Gold bei seiner grossen Schwester an.
Willy ist einer, den man gleich zu Beginn der Geschichte ins Herz schliesst, lesend all seinen Abenteuern zu folgen, das macht ganz grossen Spass. Willy ist nicht nur überaus mutig, er hat auch ein weiches Herz, ganz so, wie es sich für einen richtigen «Westernhelden» gehört. Weil die Spannung gleich auf der ersten Seite beginnt, weil Willy ein so beherzter Held ist, und weil man zwischendurch auch immer wieder schmunzeln kann, eignet sich das Buch auch ganz besonders gut zum Vorlesen. Ein wunderbarer Lesespass für Kinder ab etwa 9 Jahren.

David Vliestra: Willy Bumm. Mission Goldtransport. Aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann. Rowohlt 2017. ISBN: 978 3 499 21778 4

Rezension: Maria Riss

 

 

 

 

 

Buch des Monats Juni 2017

30.05.2017 by

ballonSimon van der Geest: Das geheime Logbuch, das magnetische Mädchen und eine fast brillante Erfindung
Aus dem Museum für «Fast Brillante Erfindungen» in einer kleinen holländischen Stadt ist ein berühmtes Logbuch gestohlen worden. Ausgerechnet die Mama des etwa 11-jährigen Ro soll es gestohlen haben. Deshalb sitzt sie nun in einem riesigen Gefängnis auf einer nahegelegenen Insel. Ros Vater hat seit der Verhaftung das kleine Haus kaum mehr verlassen. Jeden Abend  hockt er auf dem Sofa und spielt Computerspiele, pausenlos. Ro weiss, dass seine Mutter niemals etwas Unrechtes tun würde und Ro ist einer, der niemals aufgibt. Es ist gut, dass Ro seinen besten Freund Archie an seiner Seite hat. Auch Lela, mit ihrer dunklen Haut, dem ständig verschmitzten Lächeln im Gesicht und ihrer Allergie gegen Ungerechtigkeiten ist bei den vielen wichtigen Besprechungen dabei. Die drei wollen um alles in der Welt Ros Mama befreien. Dafür entwickeln sie einen absolut verrückten Plan: Einen Ballon wollen sie fertigen und damit auf die Gefängnisinsel fliegen. Das Unterfangen stellt sich allerdings als sehr viel schwieriger heraus, als sie erwartet haben. Aber als schliesslich alle Kinder aus Ros Schulklasse von dieser geheimen Mission erfahren und mithelfen, da hebt dieser Ballon in einer windstillen Mondnacht doch tatsächlich ab. Es gelingt den Kindern zwar nicht, Ros Mama zu befreien, aber ihre tollkühne Aktion löst einen solchen Wirbel aus, dass der Fall des gestohlenen Logbuchs neu recherchiert wird. Ja und zum Schluss, da kommt alles gut, sogar Papa ist aus seiner Starre erwacht, verlässt sein Sofa und wirft die Computerspiele in den Sondermüll.
Das Lesen dieses Buches macht vielleicht deshalb so grossen Spass, weil sich die Handlung haarscharf an der Grenze dessen bewegt, was überhaupt möglich ist. Um den Ballon zu fertigen, nähen die Kinder 37 Zelte aneinander und um an das nötige Helium zu kommen sind auch ein paar ziemlich gewagte Schwindeleien nötig. Der Spannungsbogen beginnt gleich auf den ersten Seiten und zieht sich bis zum überraschenden und glücklichen Ende durch. Ro erzählt diese Geschichte aus seiner Perspektive und er tut dies überaus glaubhaft. Mirjam Pressler hat das Buch übersetzt, dass sie eine Garantin für gute Lesestoffe ist, beweist sie mit dem vorliegenden Buch einmal mehr. Zum Vorlesen und Selberlesen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Simon van der Geest: Das geheime Logbuch, das magnetische Mädchen und eine fast brillante Erfindung. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18454-0

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Mai 2017

04.05.2017 by

Davide Morosinotto: Die Mississippi-Bande.

missiDie Geschichte beginnt in den Südstaaten von Amerika und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Vier Kinder aus völlig verschiedenen Milieus haben in den Sümpfen heimlich eine Hütte gebaut und verbringen dort ihre ganze Freizeit. Beim Angeln passiert es: Sie fischen aus dem Fluss eine alte Dose mit drei Dollar drin. Die drei bestellen sich mit dem Geld beim Versandhauskatalog eine Pistole, mit passender Munition versteht sich. Als das Paket endlich eintrifft, finden sie darin aber bloss eine alte Uhr. Bald erfahren die vier, dass diese Uhr ein Vermögen wert ist, denn die Falschlieferung wird im ganzen Land gesucht. Wenn diese alte Uhr tatsächlich mehrere tausend Dollar wert ist, dann wollen die vier auch etwas davon abkriegen. Dafür muss man die Uhr aber in Chicago vorbeibringen. Also beschliessen die vier, nach Norden abzuhauen.
Diese Reise durch ganz Amerika wird für die Kinder abenteuerlich und gefährlich, zumal sie kaum Geld besitzen. Zuerst fahren sie in ihrem selbstgebauten Einbaum nach New Orleans, dann mit dem Raddampfer den Mississippi hoch, später als blinde Passagiere im Zug weiter gen Norden. Sie werden überfallen, fahren zum ersten Mal mit einem Tram, staunen über Automobile, erfahren, da der jüngste von allen schwarz ist, wie verbreitet der Rassismus in bestimmten Gegenden noch immer ist und erleben auch öfters, wie hilfsbereit Menschen sein können. Ja und am Schluss, nachdem sie sogar einen Mord aufgeklärt haben, da werden die vier doch tatsächlich steinreich.
Der italienische Autor Davide Morosinotto hat ein ganz wunderbares Abenteuerbuch geschrieben: Eine überaus packende Handlung mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen, schrägen Typen, fernen Schauplätzen und Hauptfiguren, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Und vor allem am Anfang hat man beim Lesen das Gefühl, Huckleberry Finn tauche nächstens hinter einer Hausecke auf. Besonders faszinierend sind zudem die vielen Einblicke in das Leben jener Zeit: der technische Fortschritt, das schwierige Leben der Farmer, der für alle Beteiligten schreckliche Aufenthalt in einem Gefängnis. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, jede der Hauptfiguren berichtet von einem Teil der gefährlichen Reise. Dadurch wird die Verschiedenartigkeit der vier Abenteurer spürbar. Diese spannende Art von Road Movie wird Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, Mädchen wie Jungen, mit Sicherheit begeistern. Das Buch eignet sich zudem dank der klaren Gliederung auch hervorragend zum Vorlesen.

Davide Morosinotto: Die Mississippi-Bande. Wie wir mit drei Dollar reich wurden. Aus dem Italienischen von Cornelia Panzacchi. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18455-8

Rezension: Maria Riss

 

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel

28.04.2017 by

maiDer bekannte Kinderbuchautor Manfred Mai erklärt in diesem Buch das Wichtigste aus den verschiedenen Weltreligionen. Er tut dies in einer einfachen Sprache und mithilfe einer sehr sinnvollen Gliederung. Diese lässt vor allem auch Vergleiche zu, weil die Beiträge über die 5 Religionen alle auf die gleiche Art und Weise strukturiert sind. So geht es bei allen Religionen um die Entstehung der Glaubensgemeinschaften, um wichtige Feste, um Rituale, Symbole und darum, was Tote im Jenseits erwartet. Natürlich werden die Religionen nicht umfassend vorgestellt, dies wäre auf den gut 150 Seiten gar nicht möglich. Kinder erhalten mit diesem Buch aber einen guten Überblick. Jugendliche werden mit dem Verstehen der Inhalte keine Probleme haben, für die meisten Kinder ist die Thematik aber zu komplex, als dass sie diese ganz alleine lesen und verstehen könnten. Gemeinsam mit andern Kindern, mit Eltern oder Lehrpersonen bietet es aber überaus wissenswerte Grundlagen und viel Gesprächsstoff. Das Buch will auch nicht nur informieren, es will Interesse wecken, will zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen Werte- und Moralvorstellungen führen und zu Gesprächen anregen. Für Kinder ab etwa 11 Jahren, für Jugendliche und Erwachsene.

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder. Mit Illustrationen von Marine Ludin. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25300-1

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell Boyce: Broccoli-Boy rettet die Welt

28.04.2017 by

boyRory ist etwa 11 Jahre alt. Er weiss ziemlich viel, ist aber mit Abstand der Kleinste in der Klasse. Kleine werden gehänselt, übersehen und Kleine, die obendrein noch so klug sind, die haben schon gar keine Chance. Rory wird von den andern Jungs täglich fertig gemacht, vor allem im Sportunterricht und in den Pausen. Und dann geht es auf Klassenreise. Einmal mehr wird Rory gehänselt und geschupst und fällt gar in den kalten Bergbach. Als Rory tropfnass aus den eisigen Fluten steigt, verschlägt es der ganzen Klasse schlicht die Sprache: Rory ist grün. Überall. Grün wie ein Broccoli. Der durch und durch grün gefärbte Rory landet als medizinische Sensation auf der Isolierstation eines Krankenhauses. Erst nach drei Tagen entdeckt er einen zweiten Patienten auf der Station: Es ist Tommy-Lee, der Oberfiesling aus seiner Klasse. Auch dessen Hautfarbe schimmert in den wunderbarsten Grüntönen. Sind die beiden vielleicht zu Superhelden mutiert? Um das herauszufinden, stürzen sie sich nun Nacht für Nacht mit dem Fensterputz-Aufzug in die wildesten Abenteuer und machen halb London unsicher. Wie diese verrückte Geschichte, immer haarscharf an der Grenze zwischen Möglichem und Fantasy, schliesslich doch noch gut endet, dies nachzulesen ist nicht nur spannend, sondern macht auch einfach gute Laune.
Es ist fürwahr eine Kunst, ein solch aberwitziges Buch zu schreiben, ohne dass die Geschichte oberflächlich oder wie ein dummer Gag wirkt. Der Autor schafft es mit diesen zwei Figuren, die sich durch diese ungewöhnlichen Umstände stark verändern und entwickeln, Leserinnen und Leser auch immer wieder zu berühren. Und ein bisschen Weisheit steckt zusätzlich drin, wenn Rory sich beispielsweise überlegt, ob es reicht, einfach an sich selber zu glauben, um plötzlich stark zu werden, nicht nur körperlich, sondern auch in der Art, wie man gegenüber andern Menschen auftritt. Die turbulente Geschichte wird viele Kinder, vor allem auch Jungen, ab etwa 12 Jahren faszinieren.

Frank Cotrell Boyce: Broccoli-Boy rettet die Welt . Aus dem Englischen von Salah Naoura. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55363-8

Rezension: Maria Riss

Håkon Øvreås: Super Matze

19.04.2017 by

matzeMatze, Bruno und Laura leben in einem kleinen Dorf in Norwegen. Am liebsten verbringen sie ihre Zeit mit Spionieren. Obwohl das Dorf so klein ist, gibt es immer wieder merkwürdige und spannende Sachen. Da sind die neuen Bewohner der früheren Bäckerei mit diesem seltsamen Mädchen, das meistens nur böse aus dem Fenster guckt, oder der Bürgermeister, der mit seinem preisgekrönten Huhn für die Zeitung posiert. Einmal in die Zeitung kommen, das möchte Matze fürs Leben gern, damit könnte er auch dieses Mädchen beeindrucken. Vielleicht klappt das ja, wenn man beispielsweise ein preisgekröntes Huhn verschwinden lässt und es anschliessend dem sicher verzweifelten Bürgermeister zurückbringt? Es ist gut, dass Matze einen schwarzen Superhelden-Anzug hat. Den zieht er sich in dieser Nacht über und klaut das Huhn des Bürgermeisters. Matze versteckt das Tier in Omas Schuppen. Dummerweise wird Matze aber am nächsten Tag so krank, dass er im Bett bleiben muss. Als er endlich wieder aus dem Haus darf, ist das Huhn aus Omas Schuppen verschwunden. Jemand muss das Huhn geklaut haben. Jetzt können nur noch seine Freunde helfen. Wie die drei dieses wunderschöne Huhn wiederfinden und ob es Matze tatsächlich in die Zeitung schafft, das soll noch nicht verraten werden. Denn all dies selber nachzulesen, das macht riesengrossen Spass.
Die Geschichte ist ganz nah an der Alltagswelt von Kindern. Es geht um Abenteuerlust, um das Ausreizen von Regeln, es geht um Mut und das neu erwachte Interesse am anderen Geschlecht. Autor und Illustrator beherrschen die Kunst des Weglassens grandios. Vieles ist nur angetönt, aber in Bild und Text so dargestellt, dass man sich das Geschehen wunderbar vorstellen kann. Wer sich als Erwachsener gut an die eigene Kindheit erinnern kann, wird Laura, Bruno und Matze lieb gewinnen und sich im kleinen Dorf, mit den oft etwas schrägen Bewohnern, bald heimisch fühlen. Zu Recht wurde das erste Buch über diese drei Freunde mit dem LUCHS-Preis von Radio Bremen und der «Zeit» ausgezeichnet. Für Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Håkon Øvreås: Super Matze. Mit Illustrationen von Øyvind Torseter. Aus dem Norwegischen von Angelika Kutsch. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25485-5

Rezension: Maria Riss

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder

23.03.2017 by

fährtenfinderEs passiert am Tag, nachdem die zwölfjährige Todi zum ersten Mal am Ritual des Mittsommers teilnehmen durfte: Ihr Vater verschwindet spurlos. Todi glaubt nicht daran, dass ihr Vater im Meer ertrunken ist. Er war schliesslich ein Fährtenfinder, einer der das Meer wie seine Hosentasche kennt. Bald darauf verschwindet aber auch Todis beste Freundin. Todi macht sich mit ihrem Freund Oskar auf, um nach den Verschwundenen zu suchen. Dieses Unterfangen wird bald für beide lebensgefährlich. Sie werden von schrecklichen Ungeheuern angegriffen und gefangen genommen, können aber mit viel List und Mut fliehen. Bald wird klar, dass fast alle Fährtenfinder von einem schwarzen Magier entführt worden sind. Jetzt kann nur die grosse Zauberin Marcia mit ihrer weissen Magie helfen. Gemeinsam mit Todi und vielen, gar wunderlichen Gehilfen macht sie sich auf, die Fährtenfinder zu befreien. Dies geht aber nur, wenn Todi endlich ihre magischen Kräfte zulässt, wenn sie die Kunst des Fährtenlesens, wie es Generationen vor ihr schon getan haben, auch wirklich traut anzuwenden.
Angie Sage gehört zu den wichtigsten Autorinnen moderner Fantasyliteratur für Kinder und Jugendliche. Mit der neuen Buchreihe «Fährtenfinder» wird sie diesem Ruf in jeder Beziehung gerecht. Kaum zu glauben, wie viel Magie in einem Buch stecken kann! So viele absonderliche Figuren und Orte, so viele verzwickte Zauberformeln und Rituale gibt es zu entdecken. Dass die Handlung überaus spannend ist, versteht sich von selbst. Die Lektüre ist allerdings auch recht anspruchsvoll, weil es so viele Figuren gibt, die sich alle durch irgendwelche Besonderheiten auszeichnen und im Laufe der Handlung immer wieder auftauchen. Da ist es gut, dass das Buch so klar gegliedert ist und dass die fantastischen Bleistiftzeichnungen das Geschehen ganz wunderbar ergänzen. Für Fantasyliebhaber ab etwa 12 Jahren.

Angie Sage: TodHunter Moon: Fährtenfinder. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25488-6

Rezension: Maria Riss

Benjamin Tienti: Salon Salami. Einer ist immer besonders

23.03.2017 by

salamiAlles beginnt damit, dass die zwölfjährige Hani Samali (nicht Salami) mit einem scharfen Tomatenmesser eine Bank überfällt. Natürlich wird sie sofort festgenommen. Sie kommt aber nicht ins Gefängnis, wie sie sich das gewünscht hat, nein, sie landet beim Jugendamt. Dort schweigt Hani verbissen. Aber Mira, die nette Frau dort, die lässt nicht locker, die nimmt Hani ernst. Sie bringt das Mädchen erstmal heim. An den folgenden Tagen trifft sie sich aber immer wieder mit Hani und gewinnt deren Vertrauen. Und so kommt schliesslich alles heraus: Hanis Vater hat einen Friseursalon, die Mutter ist seit ein paar Wochen verschwunden. Hani versorgt nicht nur ihren kleinen Bruder liebevoll, sie hilft auch im Salon, putzt dort und kocht Tee für die Kundschaft. Hani hat nun aber herausgefunden, dass ihre Mutter nicht einfach verreist ist, sondern im Gefängnis sitzt. Und dies alles, weil ihr autoritärer Onkel krumme Geschäfte macht. Hani ist ein starkes Mädchen und Hani schmiedet nach dem missglückten Banküberfall einen andern, ziemlich verrückten Plan. Gottlob hilft ihr Mira dabei und so kommt zu guter Letzt doch noch fast alles gut.
«Salon Salami» ist das erste Kinderbuch des Autors, der nebst dem Schreiben an einer Schule in Neukölln unterrichtet. Mit der Geschichte der mutigen Hani ist ihm gleich ein kleiner Wurf geglückt. Der Plot ist spannend, etwas schräg vielleicht, aber auch überaus berührend. Hani ist eine Protagonistin, mit der man gerne befreundet sein würde. In ihr stecken so viel Willenskraft, Engagement und Einfallsreichtum. Überzeugend ist Benjamin Tienti auch die Schilderung des Milieus geglückt, eine Strasse, mit vorwiegend türkischen Läden und Familien. Hier hilft man sich gegenseitig, hier weiss man fast alles voneinander, das ist einerseits gut und gibt Halt, anderseits gelten hier aber auch sehr strenge Hierarchien und ganz klare Regeln, wie man miteinander umzugehen hat. Und Hanis Verhaltensweisen passen da nicht immer ganz dazu. Ein spannendes Lesevergnügen für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Benjamin Tienti: Salon Salami. Einer ist immer besonders. Dressler 2017. ISBN: 978-3-7915-0047-8

Rezension: Maria Riss