Archive for the ‘ 03 Unterstufe ’ Category

David Vliestra: Willy Bumm. Mission Goldtransport

18.06.2017 by

wiilyWilly ist neun Jahre alt und lebt im Wilden Westen. Er hat zwei Geschwister, Billy, der ältere Bruder, und Millie, die bereits verheiratet ist und in Reno lebt. Vor kurzem erst ist Grossmutter gestorben. Sie hat ihren drei Enkeln in einem Versteck unter den Dielen 120 Goldmünzen hinterlassen. Woher Oma einen solchen Haufen Gold hatte, das weiss niemand so genau. Auf jeden Fall muss nun jemand nach Reno reisen, um der älteren Schwester ihren Anteil zu bringen. Das Leben im Wilden Westen ist gefährlich und die Reise nach Reno dauert mindestens zwei Tage. Mama und Papa beschliessen, dass der kleine Willy reisen soll. Niemand wird schliesslich einen netten, kleinen Jungen überfallen. Weil Gold im Rucksack zu gefährlich wäre, näht Mama alle Goldmünzen schön ordentlich auf Willys Unterhemd, eine Münze neben die andere. Und gleich am nächsten Tag bringt Papa Willy zum Bahnhof. Die Liste der Ermahnungen und drohenden Gefahren ist lang, aber schliesslich sitzt Willy im Abteil und die Dampflock fährt los. Schon bald wird die Reise auch wirklich zu einem riesengrossen Abenteuer: Gesprengte Bahngeleise, ein Überfall auf die Postkutsche, ein Duell auf offener Strasse, ein goldgieriger Cowboy und ein einsamer, unendlich langer Ritt durch die dunkle Steppe. Willy bezwingt all diese Gefahren und kommt nach vielen Umwegen schliesslich heil und mit dem ganzen Gold bei seiner grossen Schwester an.
Willy ist einer, den man gleich zu Beginn der Geschichte ins Herz schliesst, lesend all seinen Abenteuern zu folgen, das macht ganz grossen Spass. Willy ist nicht nur überaus mutig, er hat auch ein weiches Herz, ganz so, wie es sich für einen richtigen «Westernhelden» gehört. Weil die Spannung gleich auf der ersten Seite beginnt, weil Willy ein so beherzter Held ist, und weil man zwischendurch auch immer wieder schmunzeln kann, eignet sich das Buch auch ganz besonders gut zum Vorlesen. Ein wunderbarer Lesespass für Kinder ab etwa 9 Jahren.

David Vliestra: Willy Bumm. Mission Goldtransport. Aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann. Rowohlt 2017. ISBN: 978 3 499 21778 4

Rezension: Maria Riss

 

 

 

 

 

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte

28.04.2017 by

Traxler_25491_MR.inddEddy zieht mit seiner Herde durch die Steppen Afrikas. Und weil Eddy ein noch so kleiner Elefant ist, darf er sogar manchmal auf den Schultern von Tante Adele reiten. Dann entdeckt die Herde eines Tages einen alten Elefantenbullen, dessen Stosszähne ausgerissen wurden. Eddy beschliesst für sich, dass er niemals gross werden will. Er will keine Stosszähne bekommen und später von Wilderern überfallen werden. In der Nacht schleicht er sich deshalb heimlich davon. Die Herde zieht nach einer langen vergeblichen Suche schliesslich ohne ihn weiter. Der kleine Eddy wird gefunden und in eine Elefantenstation gebracht. Hier in der Station hat es Eddy eigentlich gut, nur essen und wachsen, das will er unter keinen Umständen. Schliesslich wird ein alter Medizinmann gerufen, der kennt einen uralten Zauber, der gegen das Wachsen hilft. Aber ob das eine gute Lösung ist, einfach für immer klein zu bleiben?
Bücher mit zwar schönen Bildern, aber einer konstruierten, langweiligen Geschichte, gibt es momentan zuhauf in den Regalen der Buchhandlungen. Das Buch vom Elefanten Eddy hebt sich wohltuend davon ab. Hans Traxler hat einmal mehr ein Bilderbuch geschaffen, das diesen Namen wahrlich verdient. Im vorliegenden grossformatigen Band stimmt nicht nur der wirklich spannende Plot um ein ernsthaftes Thema, hier passen auch die Bilder ganz wunderbar zum Buchgeschehen. Ein eindrückliches Bilderbuch, das viele Kinder wohl einige Zeit zu ihrem Lieblingsbuch erklären werden. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25491-6

Rezension: Maria Riss

 

Anu Stohner: Die kleine Schusselhexe greift ein

28.04.2017 by

hexeWer die kleine Schusselhexe kennt, weiss, dass sie mit ihren 99 Jahren noch sehr jung ist, und dass sie vielleicht deshalb die Zauberreime ziemlich oft vermasselt. Nein, Sprüche behalten, das ist nicht ihre Stärke. Aber dafür ist die kleine Hexe mutig und hilfsbereit, das vor allem. Diesmal kommt ein ziemlich griesgrämiger Igel vorbei, der dringend Hilfe benötigt. Von weit her kommt dieser Igel, dort wo der Wald ganz dicht ist und sehr viele Waldtiere leben. Nun sind aber all diese Tiere in Gefahr, weil mitten durch den Wald eine Strasse gebaut wurde. Alle diese riesigen Autos sind einfach lebensgefährlich und einen Lärm machen die, dass es kaum mehr auszuhalten ist. Sogleich setzt sich die kleine Schusselhexe, zusammen mit ihrem blauen Hasen und dem Igel, auf ihren krummen Besen und zischt los. Sie wird von den vielen Waldtieren begeistert empfangen und beginnt auch sofort, einen passenden Zauberreim aufzusagen. Natürlich geht das zuerst einmal schief und auch der zweite Versuch bringt keinen Erfolg. Erst beim dritten Anlauf gelingt ihr ein wahrlich verrückter, aber wirksamer Zauber. Wohin um alles in der Welt die kleine Hexe die vielen Autos aber gezaubert hat, das soll hier noch nicht verraten werden.
Die kleine Schusselhexe ist eine Buchfigur, mit der sich wohl alle Kinder gut identifizieren können. Viele werden sie zudem schon aus den drei bereits erschienenen Bilderbüchern kennen. Der vorliegende Band ist als Vorlesebuch konzipiert, die einzelnen Kapitel haben alle einen eigenen kleinen Spannungsbogen, so dass sich die Lektüre gut unterbrechen lässt. Zusammen mit der kleinen Hexe passende Reimwörter zu suchen, das wird Kinder zusätzlich faszinieren. Die wunderbaren Farbbilder von Henrike Wilson helfen beim Imaginieren und ergänzen diese lustige und durchaus auch spannende Geschichte ganz wunderbar. Zum Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren. Zum Selberlesen ab 8 Jahren.

Anu Stohner: Die kleine Schusselhexe greift ein. Mit Bildern von Henrike Wilson. dtv, Reihe Hanser 2017. ISBN: 978-3-423-64030-5

Rezension: Maria Riss

Ulf Stark/Eva Eriksson: Das grosse Fest im Häschenwald

28.04.2017 by

haseEndlich ist Frühling. Endlich kann die Kaninchenfamilie wieder hinaus, um frische Kräuter zu fressen und die warme Sonne zu geniessen. Im Frühling wachen nicht nur Tiere und Pflanzen auf, der Frühling weckt oft auch ganz besondere Gefühle. Dem Kaninchenmädchen Nina geht das nicht anders. Als sie den Kaninchenjungen Anton zum ersten Mal sieht, da klopft ihr Herz wie wild und es kitzelt im Bauch auf neue, wundersame Weise. Anton scheint es nicht anders zu ergehen, am liebsten würde er die ganze Zeit mit Nina zusammen sein. Das sieht Papa Kaninchen allerdings anders und gar nicht gern. Ein dahergelaufener Nichtsnutz ist doch dieser Anton, will ihm seine geliebte Tochter wegnehmen. Aber dann bricht ein schreckliches Unwetter aus, alle Kaninchen rennen um ihr Leben und finden schliesslich beim Hauswichtel Grantel Zuflucht. Als alle beisammen in der warmen Stube hocken, merken sie, dass ein Kaninchen fehlt: Anton ist verschwunden! Gleich machen sich alle auf die Suche und finden schliesslich das bewusstlose Kaninchen unter einem Dornenbusch. Anton wollte um alles in der Welt den geliebten Hut von Papa Kaninchen aus den Wassermassen retten. Es ist nicht nur dem Kräuterwissen des alten Hauswichtels zu verdanken, dass Anton wieder gesund wird. Es ist vor allem auch die Tatsache, dass Nina die ganze Zeit neben seinem Bett sitzt, dass sie ihm immer wieder versichert, wie gern sie ihn mag. Und so wird im Wald schon bald nicht nur Mittsommer, sondern auch eine grosse Hochzeit gefeiert.
Ulf Stark hat eine wunderbare Geschichte geschrieben, die sich zwar in einer sehr heilen Welt abspielt, die aber in einer sehr treffenden Sprache von wesentlichen menschlichen Gefühlen erzählt: Von der Liebe natürlich, aber auch vom Loslassen, vom Abschied nehmen, von Mut und gegenseitigem Respekt. Der spannende Plot und die zarten, aussagekräftigen Bilder von Eva Eriksson tragen dazu bei, dass Kinder diese Geschichte mit Sicherheit lieben werden. Und zwischendurch tut ein bisschen heile Wald-Welt doch auch einfach gut. Die Geschichte ist in kurze Kapitel gegliedert und eignet sich auch deshalb hervorragend zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Ulf Stark/Eva Eriksson: Das grosse Fest im Häschenwald. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Oetinger 2017. ISBN: 978-3-7891-0491-6

Rezension: Maria Riss

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind

28.04.2017 by

46431709zEmma geht in die zweite Klasse. Emma hat zwei kleine Brüder, eine Schwester, sie hat eine Mama und einen Papa und sie hat einen kleinen Hund, Wuschel. Emma geht es sehr gut, vor allem auch deshalb, weil sie seit neustem einen Freund hat. Paul kommt jeden Nachmittag vorbei, und dann gehen die beiden mit Wuschel spazieren. Paul, der wünscht sich ja nichts sehnlicher, als selber einen Hund zu haben. Manchmal machen sie lustige Dinge, die beiden, laufen rückwärts oder klettern um die Wette. Als Emma von Paul eine Halskette mit Glitzerherz bekommt, ist ihr Glück kaum zu überbieten. Paul und Emma wollen heiraten, das versprechen sie sich an diesem Tag. Aber dann, ein paar Tage später, wartet Paul nicht an der Hausecke, um mit Emma in die Schule zu gehen und am Nachmittag, da hat er bereits mit seinen Freunden abgemacht, um Fussball zu spielen. Emma wird so traurig, dass sie ständig heulen muss. Da ist es gut, eine ältere Schwester zu haben, die Rat weiss. Jungen sind manchmal so, meint sie, aber dann hört das auch wieder auf. Und bald schon ist es auch bei Paul so. Er verspricht Emma, immer ein guter Freund für sie zu bleiben und das mit dem Heiraten, das wird sich sicher geben, später, wenn beide gross sind.

Sigrid Zeevaert hat eine Geschichte geschrieben, in der sich wohl alle Leserinnen und Leser wiederfinden werden, ganz egal wie alt sie sind. Es geht um Liebe, um Nähe und Distanz, es geht um Abgrenzung, um Freundschaft und Neid. Die Autorin beschreibt Emmas Gefühlsdurcheinander in einer einfachen, aber treffenden Sprache, die schon ganz kleine Kinder verstehen werden. Die gute Gliederung des Inhalts und die grosse Nähe zu dem, was Kinder bestens kennen, machen dieses Buch zu einem idealen Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind. Mit farbigen Bildern von Sabine Büchner. Thienemann 2016. ISBN: 978-3-522-18431-1

Rezension: Maria Riss

Marianne Dubuc: Briefträger Maus macht Ferien

19.04.2017 by

mausWeil seine Arbeit so anstrengend ist, braucht Briefträger Maus auch ab und zu Ferien. Schon auf der ersten Seite wird alles Nötige für die ganze Familie eingepackt – und ab geht’s. Briefträger Maus kann es sich allerdings nicht verkneifen, auch gleich ein paar Postsendungen mitzunehmen. Schliesslich fährt Familie Maus ja schier um die ganze Welt und dann geht das ja im gleichen zu. Auch in diesem Folgeband gibt es viele wunderliche Dinge zu entdecken. Die Wohnung der Eidechse im Wüstenkaktus beispielsweise oder wo die kleinen Affen im Urwald hausen. Die Handlung ist sehr einfach, im Grunde eine Aneinanderreihung von Reisetagen, auf den Bildern gibt es aber unzählige Nebengeschichten aufzuspüren und zu erzählen. Bereits im letzten Herbst ist der erste Band des emsigen Briefträgers erschienen. Rezension Briefträger Maus.

Marianne Dubuc: Briefträger Maus macht Ferien. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82157-7

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats April 2017

31.03.2017 by

geldLorenz Pauli, Claudia de Weck: Geld zu verkaufen!

Zu Beginn haben sie Streit: Die Nachbarskinder Milan und Alma. Beide wollen ein Baumhaus bauen, beide kommen nicht wirklich weiter. Vor allem Alma nicht, denn ihr fehlen weitere Bretter. Geld müsste man haben! Also hilft Alma Milan beim Bauen, denn fürs Arbeiten, da wird man ja schliesslich bezahlt. Und sowieso, Hütten zu bauen, das macht gemeinsam sehr viel mehr Spass. Endlich ist die eine Baumhütte fertig (zwei Hütten brauchen sie eh nicht), nur eine Strickleiter muss noch her. Nachdem der Versuch, das nötige Geld selber herzustellen misslingt, entwickeln die beiden eine ziemlich clevere Geschäftsidee und bekommen so viel Geld zusammen, dass sie zu guter Letzt gar zwei Strickleitern kaufen.
Für dieses neue Bilderbuch haben sich zwei zusammengetan, die alle beide sehr viel von ihrem Fach verstehen. Lorenz Pauli hat eine ganz wunderbare, leicht verständliche Geschichte geschrieben und Claudia de Weck hat die Figuren und das Geschehen in ihrer gekonnt schwungvollen und bunten Manier grossartig eingefangen. Eine Geschichte nicht nur um Geld, sondern auch um Freundschaft, um das Miteinander und den grossen Spass, den man beim gemeinsamen Tun haben kann. Für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Lorenz Pauli, Claudia de Weck: Geld zu verkaufen! Orell Füssli 2017. ISBN: 978-3-7152-0727-8

Rezension: Maria Riss

Quentin Gréban: Habt ihr schon vom Wolf gehört?

23.03.2017 by

wolfWölfe fressen alles, sie sind böse und gefährlich. Das sagen (fast) alle. Hier wird erzählt, wie es dazu kam:
…Vor langer Zeit lebte einst eine Wölfin, die war sehr freundlich. Die Wölfin begegnete einem kleinen Schaf. Die Wölfin lächelte das Schaf liebevoll an und entblösste ihre Zähne. Das kleine Schaf jedoch erschrak und rannte so schnell wie möglich zurück zur Herde. «Ein grosser Wolf hat mich angegriffen und wollte mich beissen», erzählte das Lamm daheim. Schafe übertreiben oft ein bisschen. Diese Begegnung des kleinen Schafs mit dem Wolf erzählte nun ein Tier dem andern. Und wie so oft erfanden alle ein ganz kleines bisschen dazu. So hatte der Wolf bald das kleine Schaf gebissen und verschlungen. Nach ein paar Tagen ist klar, Wölfe können nur etwas richtig gut: Andere fressen! Ja und so kam es, dass sich die Wölfin mit ihren Jungen so schnell wie möglich aus dem Staub machte und seither nie mehr gesehen wurde…
Wenn Bilder und Geschichte von der gleichen Person stammen, zahlt sich dies in aller Regel aus. Bücher kommen so, wie das vorliegende Buch bestätigt, meist in einem Guss daher. Quentin Gréban hat es geschafft, die Charaktere der verschiedenen Tiere mit Pinsel und Farbe meisterhaft herauszuarbeiten. Kinder werden dieses Bilderbuch wohl lieben, nicht nur wegen der Bilder, sondern auch wegen der einfachen und linear erzählten Handlung. Und sie werden die eindringliche Botschaft der Geschichte mit Sicherheit verstehen. Für Kinder ab 4 Jahren.

Quentin Gréban: Habt ihr schon vom Wolf gehört? Orell Füssli 2017. ISBN: 978-3-280-03538-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Januar 2017

13.12.2016 by

omaPeter Schössow: Wo ist Oma?
Zu Besuch im Krankenhaus
Henry will mit seiner Babysitterin Gülsa seine Oma im Krankenhaus besuchen. Aber Gülsa hat ein neues Handy und sie hört einfach nicht auf zu telefonieren. Henry kennt das schon, das kann dauern. Also macht er sich selbst auf die Suche nach seiner Oma. Mensch, ist dieses Krankenhaus riesig! Henry probiert alle Türen aus, schreitet kilometerlange Korridore ab, trifft sehr viele nette Menschen, kommt in die unterschiedlichsten Abteilungen. Nur seine Oma, die findet er nicht. Weiter geht die Suche, von der Geburtenabteilung über den Flur vor dem Operationssaal, von einem Zimmer mit streitenden Männern zu einem Jungen ganz ohne Haare und zur Notfallstation, wo er Dakota aus der Kita begegnet, ausgerechnet. Dakota hat sich eine Bohne in die Nase gesteckt, die jetzt irgendwie wieder raus muss. Nur seine Oma, die findet Henry nicht. Und dann endlich, im riesigen Keller, trifft er den Hausmeister, der ihm weiterhilft. Und so kommt es, dass Henry, mitsamt seinem mittlerweile etwas kümmerlich aussehenden Blumenstrauss, endlich bei Oma ankommt. Natürlich ist auch Gülsa da und die heult, weil sie solche Angst um Henry hatte. Oma schimpft ihren Enkel zuerst aus und dann schliesst sie ihn ganz fest in den Arm. Allerdings nur in den einen Arm, der andere ist zugegipst.
Mit Henry durch dieses riesige Krankenhaus zu wuseln, das macht ganz grossen Spass. Obwohl das Thema so ernst ist, gelingt es dem grossen Meister der Illustrationen, das alles völlig undramatisch und doch realistisch darzustellen. Die Farben sind gedämpft, drücken die sterile Stimmung aus, die Menschen dafür sind umso farbiger. Henry begegnet einem richtigen Sammelsurium an unterschiedlichsten Leuten, Patienten, Besuchern und schier dem ganzen Personal. Peter Schössow malt nicht nur ganz wunderbare Bilder, es ist ihm auch sprachlich gelungen, das Leben in einem Gebäude, das man in aller Regel nicht gerne betritt, locker und leicht darzustellen. Eine wunderbare Mischung aus Erzählung und Sachbuch für Kinder ab dem Kindergartenalter.

Peter Schössow: Wo ist Oma? Zu Besuch im Krankenhaus. Hanser 2016. ISBN: 978-3-446-24952-3

Rezension: Maria Riss

Andreas Steinhöfel: Dirk und ich

14.11.2016 by

dirkKindheitsgeschichten
Endlich ist das allererste Buch von Andreas Steinhöfel wieder neu herausgekommen! Zwei Geschichten sind sogar neu in diesem Band. Dirk und Andreas, das sind die Brüder Steinhöfel, denen immer wieder ganz viele lustige Sachen in den Sinn kommen. Die Geschichten erzählen von der offensichtlich recht abenteuerlichen Kindheit der beiden. Jedes Kapitel erzählt eine in sich abgeschlossene Lausbubengeschichte. Kaum zu glauben, wie einfallsreich, witzig und frech diese beiden Bengel waren, wie chaotisch es in dieser Familie zu und her ging. Es geht an allen Streichgeschichten immer wieder um Geheimnisse, vor allem um solche, die Erwachsene nicht wissen dürfen. Kinder werden dieses Buch lieben, aber auch erwachsene Vorleser und Vorleserinnen kommen nicht zu kurz: Wie kaum ein anderer versteht es der Autor humorvoll, locker und leicht zu erzählen und man spürt immer wieder, wie nah er seinen kindlichen Helden ist. Dies alles ist gewürzt mit ein bisschen Poesie, ganz wunderbaren Wortspielen und fantastischen Bildern von Peter Schössow.
Im Nachwort schreibt Andreas Steinhöfel: Damit Geschichten spannend und lustig sind, muss man manchmal ein bisschen «dazuerfinden», ein Kern von Wahrheit steckt aber in jeder dieser Erzählungen. Die einzelnen Geschichten lassen sich unabhängig voneinander lesen. Ein Gute-Laune-Buch für Kinder ab 9 Jahren, zum Vorlesen auch für jüngere Kinder.

Andreas Steinhöfel: Dirk und ich. Carlsen, Neuausgabe 2016. ISBN: 978-3-551-55365-2

Rezension: Maria Riss