Archive for the ‘ 03 Unterstufe ’ Category

Aleksandra Artymowska: Pauls magische Reise

22.09.2017 by

labyrinthPaul hätte gerne jemanden zum Spielen. Aber kein Kind ist zu sehen – weit und breit. Also macht Paul sich auf, um Spielgefährten zu finden. Der Weg dahin könnte aber komplizierter kaum sein. Paul muss sich durch verzwickte Höhlengänge kämpfen, über ein Gewirr von Hängebrücken klettern, sich in riesigen Baumkronen zurechtfinden oder sich durch ein verworrenes Kanalsystem schlängeln. Erst auf der letzten Seite findet er sie, seine Spielkameraden und wird freudig empfangen.
Das Buch enthält zehn überaus knifflige Labyrinthe, die in wunderschönen, zarten  Aquarellen gezeichnet sind. Ganz ohne Text kommt das grossformatige Bilderbuch aus, dafür gibt es auf den Bildern umso mehr zu staunen. Auf der letzten Seite werden die Lösungswege aufgezeigt. Manchmal hilft es, einen Stift zur Hand zu nehmen. Damit das Buch nicht vollgezeichnet wird, können Seidenpapier oder Backtrennfolien hilfreich sein. Labyrinthe haben schon immer fasziniert, Kinder und Erwachsene werden an diesem Buch wohl ihre helle Freude haben.

Aleksandra Artymowska: Pauls magische Reise. Moses 2017. ISBN: 978-3-89777-946-4

Rezension: Maria Riss

Piotr Karski: Berge

22.09.2017 by

 

bergeDieses neue Sachbuch ist schier allumfassend, was das Thema «Berge» betrifft. Da werden Pistenfahrzeuge präsentiert, Höhlenformationen erklärt, da gibt es Informationen zu allen möglichen Tieren, die sich auf das Leben in der kargen Berglandschaft spezialisiert haben. Da geht es um Schneekristalle, um Gletscher, um Höhenkurven oder um die Kraft des Wassers. Auf jeder Seite werden Leserinnen und Leser aufgefordert, etwas zu tun. Wanderwege einzuzeichnen beispielsweise, kleinere Experimente durchzuführen, Blätter zu analysieren oder Rindenabdrücke zu erstellen. Das Buch besticht vor allem durch die vielen informativen Bilder, die Texte sind auf ein absolutes Minimum reduziert. Ein bisschen ähnelt die Aufmachung einem Comic; so erhalten auch eher lesefaule, aber interessierte Kinder Lust auf die Lektüre. Für Bibliotheken eignet sich das Buch weniger, weil Nutzerinnen und Nutzer immer wieder ins Buch malen sollen. Für den Unterricht eignen sich die klaren Illustrationen und Erklärungen aber ganz besonders: Wenn Wissen so vermittelt wird, können Lesen und Lernen richtig Spass machen! Für Kinder ab etwa 8 Jahren und Erwachsene.

Piotr Karski: Berge. Das Mitmachbuch für Gipfelstürmer. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz 2017. ISBN: 978-3-89565-347-6

Rezension: Maria Riss

Das Beste von Oetinger

04.09.2017 by

oetingerIm Oetinger Verlag haben sehr viele namhafte Kinderbuchschaffende ihre Werke veröffentlicht. Angefangen bei Astrid Lindgren, über Kirsten Boie, Paul Maar oder Sven Nordqvist. Der vorliegende Band enthält vor allem Auszüge aus den Werken dieser Autorinnen und Autoren. Alle Geschichten sind in sich abgeschlossen, sie machen aber oft einfach Lust nach mehr. Wenn man in der Geschichte von Christine Nöstlinger erfährt, wie Franz lesen lernte, bekommen mit Sicherheit viele Kinder Lust auf weitere Franz-Geschichten. Die unterschiedlichen Geschichten sind allesamt humorvoll, witzig und so spannend, dass sie sich sehr gut zum Vorlesen eigen. Die Sammlung ist nicht nur von den Geschichten her sehr abwechslungsreich, auch die Bilder stammen aus den jeweiligen Originalbüchern. Für Kinder ab etwa 6 Jahren bis zur Mittelstufe.

Das Beste von Oetinger. Du willst mir doch nicht erzählen, dass du solchen Unsinn glaubst? Oetinger 2016. ISBN: 978-3-7891-0457-2

Rezension: Maria Riss

Mein neues grosses Vorlesebuch: Geschichten zum Vor- und Selberlesen

04.09.2017 by

vorlesenDer neue Sammelband mit Geschichten zum Vorlesen, ausgewählt von der Stiftung Lesen, ist in verschiedene Altersgruppen für Kinder ab vier bis etwa 10 Jahren eingeteilt. Die Sammlung enthält besonders schöne Kapitel aus bekannten Kinderbuchklassikern aber auch ganz neue Geschichten. Die Kapitel können dazu motivieren, das ganze Buch zu lesen oder sich für weitere Bücher der Autorin oder des Autors zu interessieren. Das Buch ist nicht einheitlich illustriert, die Bilder stammen aus den jeweiligen Originalbüchern, das macht das Blättern besonders reizvoll.
Zusätzlich gibt es auf zwanzig Seiten praktische Tipps für Eltern, Grosseltern und andere Vorleser und Vorleserinnen. Die Stiftung Lesen stellt auch für jede Altersgruppe eine passende Beispiel-Vorleseaktion vor, einschliesslich Checkliste, Wahl des Raumes, Sitzordnung und begleitenden Spielen. Sie gibt Tipps für das richtige Lesetempo, Betonung und die Auswahl. Die Geschichte von Paul Maar, «Hannes und die Wut im Bauch» wird beispielhaft für eine Vorleseaktion für die Altersgruppe ab sieben Jahren vorgestellt. Es werden Sprachspiele dazu vorgeschlagen und Anregungen gegeben, wie man ein Gespräch zur Geschichte initiieren kann.

Mein neues grosses Vorlesebuch: Geschichten zum Vor- und Selberlesen. Ausgewählt von der Stiftung Lesen, mit praktischen Vorlesetipps. Carlsen 2016. ISBN: 978-3-551-51891-0

Rezension: Almut Hansen

Gross und mutig, das bin ich!

04.09.2017 by

grossDie kurzen Geschichten, keine dauert länger als zehn Minuten, eignen sich sehr gut zum Vorlesen zwischendurch oder auch am Abend vor dem Schlafengehen. Die Erzählungen regen an, über Erlebnisse zu sprechen und sie zu reflektieren. Der Sammelband ist in drei verschiedene Bereiche gegliedert: «Das hast du toll gemacht», «Vertragen wir uns wieder» und «Nun träum was Schönes». Alle Geschichten tragen dazu bei, Kinder im Alltag zu begleiten und mit ihnen auch über Sorgen und Ängste ins Gespräch zu kommen. Das Vorlesebuch eignet sich für Kinder ab dem Kindergartenalter und ist auch als Hör-CD mit begleitender Musik erhältlich.

Gross und mutig, das bin ich! Geschichten, die Kinder selbstbewusst machen. Loewe 2010, 2. Auflage. ISBN: 978-3-7855-6586-5

Rezension: Almut Hansen

Moni Port: Das mutige Buch

04.09.2017 by

MUTIGDieses Bilderbuch ist voll von wunderschönen, ungewohnten und eindrücklichen Bildern und Collagen, die sich mit den Themenbereichen Angst und Mut befassen. Alle Menschen haben Angst und zwar vor ganz unterschiedlichen Sachen: Manche fürchten sich vor Gewittern, andere vor Käfern und wieder andere haben Angst vor dem Zahnarzt. Manchmal ist Angst gut, manchmal macht ein bisschen Angst zu haben sogar grossen Spass. Auf der Geisterbahn beispielsweise oder beim Lesen von spannenden Geschichten. Und zuweilen sind es andere, die einem Ängste auch einfach einreden. Gegen unnötiges Angsthaben kann man aber manchmal etwas unternehmen und deshalb finden sich im Buch auch ein paar Angstvertreibungstricks. Die bekannte Illustratorin Moni Port hat ein Buch geschaffen, das keinem Genre zugeordnet werden kann. Vielleicht ist es eine Art Sachbuch, das man gemeinsam betrachten und lesen kann. Vielleicht könnte man es aber auch als Kunstbuch gelten lassen, weil die Bilder so eindrücklich und einzigartig sind. Auf jeden Fall ist es ein Bilderbuch, das zum Reden, zum Weiterdenken und Reflektieren geradezu herausfordert und deshalb in jede Kinderbibliothek gehört. Für Kinder ab etwa 5 Jahren, aber auch für ältere Kinder und Erwachsene.

Moni Port: Das mutige Buch. Klett Kinderbuch 2013. ISBN: 978-3-95470-065-3

Rezension: Maria Riss

Ulf Nilsson / Gitte Spee: Ein Fall für Buffy

02.09.2017 by

buffyDie Maus Buffy ist Kommissarin. Sie wohnt, zusammen mit der bereits pensionierten Kröte Kommissar Gordon, in der Polizeistation des grossen Waldes. Heute nun kommen zwei Kinder zu Besuch, der Krötenjunge Bert und das Mäusemädchen Gertrud. Die beiden Kleinen dürfen zwei Tage bleiben und ein bisschen etwas über die harte Arbeit einer Kommissarin lernen. Dazu gehört auch, in der gemütlichen Gefängniszelle zu übernachten. Liebevoll werden die beiden Kinder von ihren Müttern verabschiedet, nochmals ermahnt, geherzt und geküsst. Dies ist der Moment, in dem in Buffys Herz etwas aufbricht. Wo ist ihre Mama? Wo die vielen Geschwister? Es war ein Fuchs, der ihre Höhle vor über einem Jahr angegriffen hat. Buffy rannte damals einfach weg, möglichst schnell, möglichst weit, bis sie Gordons Polizeistation erreichte. Buffy fängt an, sich zu erinnern und nachzudenken. Schon am nächsten Morgen zieht sie den alten Gordon ins Vertrauen und eine Stunde später ist klar: Sie müssen losziehen und nach Buffys Familie suchen. Ganz egal, wie nah sie dabei dem gefährlichen Fuchs kommen. Natürlich gibt es zu guter Letzt ein Wiedersehen, aber bis dahin müssen Gordon, Buffy und die zwei kleinen Polizeianwärter eine ganze Menge Abenteuer bestehen.
Auch diesmal werden Leserinnen und Leser nicht enttäuscht: Buffy und Gordon, das sind zwei dermassen liebenswerte Protagonisten, dass man den beiden Seite um Seite mit grossem Interesse folgt. Es ist diese einfache Geschichte um zutiefst menschliche Regungen und Gefühle, die einen beim Lesen so berühren. Und zwischendurch ist auch immer wieder ein Lächeln oder Schmunzeln angesagt. Für Leserinnen und Leser ab etwa 8 Jahren, zum Vorlesen auch für kleine Kinder.
Dies ist bereits der 4. Band dieser aussergewöhnlichen Krimi-Serie. Die Besprechungen zu allen Bänden finden Sie ebenfalls auf diesem Blog.

Ulf Nilsson / Gitte Spee: Ein Fall für Buffy. Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke. Moritz 2017. ISBN: 978-3-89565-348-3

Rezension: Maria Riss

Henning Callsen: Kein Problem, sagt Papa Eisbär

02.09.2017 by

eisbärMama und Papa Eisbär sind ziemlich verzweifelt. Ihr kleiner Sohn Pelle hat zu rein gar nichts mehr Lust: Weder zum Essen, noch zum Spielen oder Fischefangen. Das «Weise Walross» weiss schliesslich Rat: Pelle braucht einen lustigen Vogel, der zwitschern und trällern kann, dann wird er wieder gesund. Für seinen kleinen Pelle würde Papa Eisbär alles tun. Deshalb macht er sich gleich auf, einen solchen Vogel zu finden. Er schwimmt und schwimmt und gelangt nach Island. Doch der Goldregenpfeifer, den er in seinem Maul vorsichtig an den Nordpol transportiert, entwischt im letzten Moment. Wieder schwimmt Papa Eisbär los, diesmal noch weiter nach Süden. Aber auch der Rücktransport des Madenhackers aus Afrika misslingt. Pelle soll wieder lachen können, deshalb schwimmt Papa Eisbär erneut los. Er schwimmt und schwimmt so weit, dass er bald nicht mehr weiss, wo er ist. Mit jedem Tag wird es kälter, fast so frostig wie am Nordpol. Ist er etwa im Kreis geschwommen? Da trifft er auf den komischsten Vogel den er je gesehen hat: Eine kleine Pinguine. Und da Pinguine keine Eltern mehr hat, willigt sie sofort ein, Papa Eisbär zu begleiten. Diesmal klappt der Transport in den Norden, denn Pinguine ist klug und hilft beim Navigieren. Und klar: Als der kleine Eisbär Pelle diese aberwitzige Pinguine sieht, da rennt er sofort aus der Höhle. Jetzt will er gar nicht mehr aufhören mit Spielen und Tauchen und Lachen. Und hungrig ist er ausserdem.
Es ist schon eindrücklich, was manche Väter alles auf sich nehmen, damit ihre Kinder glücklich sind! Papa Eisbär ist so einer, der niemals aufgibt, egal wie weit er schwimmen muss. Henning Callsen hat eine ganz wunderbare, herzberührende und zugleich spannende Geschichte geschrieben. Die stimmungsvollen Bilder von Sabine Wilharm erweitern überaus treffend das eindrückliche und lustige Buchgeschehen. Die einfache, aber so präzise Sprache und die fantastischen Illustrationen machen die Lektüre dieses Buches zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Geschichte eignet sich hervorragend zum Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren, zum Selberlesen ab etwa der zweiten Klasse.

Henning Callsen: Kein Problem, sagt Papa EisbärMit Bildern von Sabine Wolharm. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25688-0
Rezension: Maria Riss

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder?

02.09.2017 by

roseDunne geht jetzt in die dritte Klasse. Noch immer vermisst sie ihre allerbeste Freundin Ella Frida, die weggezogen ist. Manchmal hat sie auch schreckliche Sehnsucht nach ihrer Mama, die vor ein paar Jahren gestorben ist. Heute allerdings, da hat Dunne gute Laune, heute macht ihre Klasse nämlich, wie alle dritten Klassen es jeweils tun, einen Ausflug ins Freilichtmuseum. Kaum dort angekommen passiert es: Dunne verliert ihre Klasse. Man müsse in so einem Fall einfach stehen bleiben, hat die Lehrerin ihrer Klasse eingeschärft. Aber wie kann Dunne ihren Platz nicht verlassen, wenn sie von weitem ihre allerbeste Freundin lachen hört. Nichts mehr hält Dunne auf und bald liegen sich die beiden Mädchen in den Armen. Ella Frida ist ebenfalls mit ihrer Klasse im Museum. Klar, dass sich die beiden verdrücken und allein tratschen und spielen wollen. Beide sind einfach unzertrennlich. Erst als ein Parkwächter einschreitet, weil die beiden Lehrerinnen ausser sich sind vor Angst, trennen sich schweren Herzens. Dass es danach ein Donnerwetter gibt, versteht sich von selbst. Aber beste Freundinnen, die müssen einfach jede Gelegenheit nutzen, zusammen zu sein, auch wenn sie dadurch in ziemliche Schwierigkeiten geraten.
Einmal mehr haben Rose Lagercrantz und Eva Eriksson ein wunderbares Kinderbuch geschaffen. Sie beschreiben den ganz normalen Alltag, aber sie machen das in Text und Bild so gekonnt, dass man das Buch kaum vor der letzten Seite weglegen mag. Dunne ist eine Protagonistin, der man ganz nahe kommt, obwohl die Geschichte in einer so einfachen und knappen Sprache verfasst wurde. Die feinen aussagestarken Bleistiftzeichnungen helfen mit, nicht nur den Inhalt, sondern auch Aussagen zwischen den Zeilen besser zu verstehen. Zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 8.

Rose Lagercrantz / Eva Eriksson: Wann sehen wir uns wieder? Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. Moritz 2017. ISBN: 978-3-89565-349-0

Rezension: Maria Riss

Marie-Aude Murail: Tristan gründet eine Bande

02.09.2017 by

tristanTristan geht in die dritte Klasse. In seiner Schule gibt es drei Banden. Wenn man in einer Bande ist, dann hat man Schutz vor den andern und braucht sich vor nichts zu fürchten. Tristan hat zwar viele Freunde, nur sind die alle viel kleiner als er, gehen in die erste Klasse. Deshalb will Tristan um alles in der Welt auch ein Bandenmitglied werden, weil er so oft vom fiesen Oliver drangsaliert wird. Dazu muss er allerdings ziemlich schwierige Mutproben bestehen. Tristan traut sich zwar, dem strengen Lehrer eine Hundekot-Attrappe aufs Pult zu legen, aber die letzte Mutprobe, eine richtige Bank zu überfallen, das schafft er nicht. Aber dann hat Tristan die beste Idee überhaupt: Er gründet selber eine eigene Bande. Seine jüngeren Freunde sind alle begeistert und bald hat Tristan die grösste Bande der ganzen Schule um sich geschart. Und zum Schluss kommt alles gut, Tristan gelingt es sogar, den starken Oliver für sich zu gewinnen. Wie er das schafft, das lohnt sich nachzulesen.
Die bekannte französische Autorin hat ein herzerwärmendes Kinderbuch geschrieben. Spannend, voller Sprachwitz und zwischendurch auch richtig berührend. Ein unterhaltsames, wunderbares Leseerlebnis mit einem Helden, den man zu kennen glaubt und den man richtig lieb gewinnt für Kinder ab der etwa 9 Jahren. Zum Vorlesen auch für jüngere Kinder.

Marie-Aude Murail: Tristan gründet eine Bande. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Fischer 2013, 2. Auflage.ISBN: 978-3-596-85487-5

Rezension: Maria Riss