Archive for the ‘ 06 Sammlungen ’ Category

Silvia Hüsler: Kinderverse in über 50 Sprachen

23.03.2017 by

kinderverseSilvia Hüsler ist Fachfrau für interkulturelle Pädagogik und sammelt seit Jahrzehnten Kinderverse und Geschichten aus aller Welt. Der vorliegende, wunderschön illustrierte Band enthält wohl einen beträchtlichen Teil ihrer Sammlung. Die einzelnen Gedichte sind nicht nur in der Originalsprache und Schrift abgedruckt, alle Verse sind auch übersetzt und mit einer lautgetreuen Aussprachehilfe ergänzt. Es sind nicht nur die Sprachen der Länder darin vereint, sondern auch Verse aus verschiedenen Sprachregionen (Bsp. arabisch, wie man es in Syrien spricht oder ein kleines Gedicht in Portugiesisch aus Brasilien). Ganz besonders eindrücklich ist auch die CD gelungen. Die Verse, Liedchen und kurzen Gedichte werden von verschiedenen Personen vorgelesen und sind mit passender Musik untermalt. Allein zu raten, welche Sprache da gesprochen wird, macht grossen Spass und lädt dazu ein, über Sprache, Laute oder Satzmelodien nachzudenken. «Kinderverse in über 50 Sprachen» ist ein bis ins Detail wunderschön gestaltetes Buch, das Kindern einen spielerischen Zugang zur grossen Sprachenvielfalt ermöglicht, das aber auch Erwachsene immer wieder zum Staunen bringen kann. Das Buch gehört unbedingt in jede Schulbibliothek.

Silvia Hüsler: Kinderverse in über 50 Sprachen. Lambertus, 3. erweiterte Ausgabe 2017. ISBN: 978-3-7841-2884-9

Rezension: Maria Riss

Jo Cotterill: Eine Geschichte der Zitrone

13.12.2016 by

zitroneCalypso ist fast zwölf. Sie lebt mit ihrem Vater zusammen. Ihre Mutter ist gestorben, als Calypso fünf Jahre alt war. Calypso ist still. Sie hat ihre eigene Welt, lebt mit ihren vielen Büchern und einem Vater, der dauernd schreibt und alles um sich herum zu vergessen scheint. Wenn Calypso nicht wäre, er würde sogar nicht mal dran denken, etwas zu essen. Er schreibt ein Buch über Zitronen und züchtet die Pflanzen im Wintergarten. Und dann kommt Mae in Calypsos Klasse. Zum ersten Mal hat Calypso eine Art Freundin gefunden. Mae nimmt Calypso zu sich nach Haus und ganz allmählich wird Calypso bewusst, wie leer, trist und einsam ihr eigenes Zuhause ist. Wie lange sie nicht mehr gelacht hat, wie gut es tut, von einer Freundin in den Arm genommen zu werden. Ganz langsam brechen ihre Mauern ein, die sie sich seit dem Tod ihrer Mutter aufgebaut hat. Calypso kann endlich weinen, loslassen und um ihre Mutter trauern. Auch ihr Vater bekommt das mit. Calypso ist nicht mehr ständig daheim und sorgt für ihn. Calypso drängt ihn dazu, endlich etwas zu verändern. Aber Veränderungen sind schwer, aufgestaute Trauer endlich zuzulassen, das tut weh. Calypsos Vater hat immer gesagt, dass man nur in sich selber die nötige Stärke finden kann, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Calypso belehrt ihn auf sehr eindrückliche Art eines Besseren.
Konsequent aus der Sicht der zwölfjährigen Calypso beschreibt die Autorin eindringlich und in einer wunderbar einfachen, treffenden Sprache, wie schwer es Kinder haben, deren Eltern psychisch erkrankt sind. Wie viel auf ihren Schultern lastet. Es ist gut, dass Calypso nun eine Freundin hat und eine Lehrerin dazu, die ihr weiterhelfen. Man muss nicht alles alleine schaffen. Es ist auch gut, dass Calypso so viel und gerne schreibt. Ihr helfen die geschriebenen Zeilen, ihren Kummer zu verarbeiten. Die Geschichte dieses Aufbruchs nachzulesen, das ist sehr eindrücklich. «Eine Geschichte der Zitrone» gehört zu jenen Büchern, bei denen man sich die letzten Seiten aufspart, weil die Lektüre so berührend und wunderschön ist. Für Jugendliche und Erwachsene.

Jo Cotterill: Eine Geschichte der Zitrone. Königskinder 2016. ISBN: 978-3-551-56036-0

Rezension: Maria Riss

Skandinavische Weihnachten

09.11.2016 by

weihIm Norden Europas gibt es ganz besonders viele Weihnachtsbräuche. Autorinnen und Autoren, die für Kinder wunderschöne Geschichten geschrieben haben, die gibt es dort oben auch besonders zahlreich. In diesem neuen Band sind sie fast alle mit einer Geschichte vertreten. Das Spektrum reicht von Hans Christian Andersen über Selma Lagerlöf, von Sven Nordqvist bis hin zu Astrid Lindgren oder Mauri Kunnas. Zu jeder Geschichte wird zudem ein wichtiger Brauch des entsprechenden Landes erklärt. Besonders wertvoll machen diesen Band auch die vielen stimmungsvollen Bilder von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Eine Anthologie, die sich durch die Qualität der Geschichten und die spezielle Aufmachung von andern abhebt. Für Kinder jeden Alters.

Skandinavische Weihnachten. Oetinger, 2016. ISBN: 978-3-7891-0415-2

Rezension: Maria Riss

Was ist los vor meiner Tür?

03.10.2016 by

wasSchon die Ausstattung des Buches – Leinenrücken, kunstvolle Illustrationen, Layout und Lesebändchen – machen deutlich, dass man ein wertvolles Buch in Händen hält. Alle Autorinnen und Autoren wurden in den letzten Jahren von der Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet und alle haben speziell für diesen Band eine Geschichte verfasst. Da finden sich Namen wie Peter Härtling, Mirjam Pressler, Andreas Steinhöfel oder Kirsten Boie, da gibt es aber auch Erzählungen von Autorinnen und Autoren aus fernen Ländern wie Lettland, Argentinien oder Australien. Den Jugendliteraturpreis erhalten Schriftsteller und Schriftstellerinnen, deren Texte sich durch besondere literarische Qualität auszeichnen, da braucht es zum Verstehen und Geniessen der wunderbaren Geschichten meist ein Gespräch über Inhalte, Figuren und das, was zwischen den Zeilen geschrieben ist. Der vorliegende Band ist deshalb ein überaus gelungener Beitrag zur kulturellen Bildung. Die einzelnen Geschichten sind sehr unterschiedlich: Sie erzählen von der Welt und von dem, was Menschen bewegt, sie erzählen von dem, was sein könnte und davon, wie es früher einmal war. Das Buch eignet sich zum Vorlesen und besonders gut für den Literaturunterricht an der Sekundarstufe I.

Was ist los vor meiner Tür? 20 Geschichten der Besten zum 60. Geburtstag des Deutschen Jugendliteraturpreises. Hrsg. Stephanie Jentgens mit Bildern von Aljoscha Blau. Jacoby&Stuart, 2016. ISBN: 978-3-942787-87-1

Rezension: Maria Riss

Helme Heine/Gisela von Radowitz: Kriminalfälle für Freunde

03.10.2016 by

freundeDieser Erzählband von Helme Heine enthält 11 Kurzgeschichten. Darin spielen die drei Freunde Johnny Mauser, Franz von Hahn und das Schwein Waldemar die Hauptrollen, diesmal als Detektive. Auf dem Bauernhof, wo die drei zu Hause sind, ist immer etwas los: Da ist einmal plötzlich ein fremdes Ei im Hühnerstall, im Sommer entzündet sich das Stroh in der Scheune auf unerklärliche Weise, oder es taucht eines Tages ein fremder schwarzer Vogel auf und baut sich sein Nest auf dem Hühnerstall. All diesen seltsamen Ereignissen wollen die drei Freunde auf die Spur kommen. Meist kommen ihnen beim gemeinsamen Radeln oder im Boot auf dem Dorfteich gute Ideen und gemeinsam können sie schliesslich alle Fälle auf ihre ganz spezielle Art und Weise lösen.

Die Geschichten sind humorvoll geschrieben und illustriert. Sie eignen sich zum Vorlesen für die Unter- und Mittelstufe. Die meisten Kinder werden die Figuren und deren Charaktere wohl aus den bekannten Bilderbüchern schon kennen, dies erleichtert den Zugang. Für Kinder ab etwa 6 Jahren.

Helme Heine/Gisela von Radowitz: Kriminalfälle für Freunde. Geschichten aus Mullewapp. Reihe Gulliver Beltz, 2016. ISBN: 978-3-407-74641-2

Rezension: Rahel Romanowski

Buch des Monats August 2016

31.07.2016 by

janosJanosch: Vielleicht ist auch alles Unsinn, was ich sage
Die allerbesten Geschichten, Bilder und Gedichte aus 50 Jahre
Janosch ist in diesem März 85 Jahre alt geworden. Zu seinem Geburtstag hat der Beltz Verlag einen ganz wunderbaren Sammelband herausgegeben. Darin finden sich Bilder und Geschichten aus der langen Schaffenszeit des Künstlers. Auch Bücher und Texte, die nicht mehr lieferbar sind, so etwa die zarte Geschichte von Josa, der mit seiner Zauberfidel so wunderschön spielen kann, dass er Menschen und Dinge grösser oder kleiner werden lassen kann. Oder das Bilderbuch mit Jochen Gummibär, dem kleinsten aller Hasen, der aber so klug ist, dass er selbst den gefährlichen Fuchs überlisten kann. Auch die Geschichte vom ewigen Lügner Lari Fari Mogelzahn findet sich im Buch und natürlich ganz viele aberwitzige Reime und Sprüche. Einen Rebell und Anarchisten der Kinderzimmer nennen ihn die einen, einen begnadeten Erzählkünstler die andern. Poetisch und fein sind seine Geschichten, frech und schräg und alle mit einer Prise Melancholie gewürzt. Janosch ist auf jeden Fall einer, der in der Kinderliteratur Geschichte gemacht hat. Dieser neue Sammelband mit 27 Geschichten sei auch aus diesem Grund für Gross und Klein wärmstes empfohlen.

Rezension: Maria Riss

Janosch: Die allerbesten Geschichten, Bilder und Gedichte aus 50 Jahren. Beltz, 2016. ISBN: 978-3-407-82114-0

 

Paul Maar: Kakadu und Kukuda

23.02.2016 by

maarDen Autor Paul Maar näher vorzustellen, erübrigt sich wohl an dieser Stelle. Das vorliegende neue Buch ist eine Art Jahrbuch. Im Wechsel der Jahreszeiten wird von allerhand Tieren erzählt. Dies in Form von Reimen, von Geschichten, von aberwitzigen Versen und Wortspielereien. Immer wieder werden die lesenden Kinder aber auch aufgefordert, selber mitzumachen, um Rätsel und Buchstabenspiele zu lösen. Man spürt die Lust des Autors am Reimen in fast jeder Zeile, so dass man die vielen kurzen Gedichte ohne Mühe sehr bald auswendig dahersagen kann. Die kurzen Geschichten im Sammelband eignen sich hervorragend zum Vorlesen, auch als kleine lustige Häppchen zwischendurch. Für Kinder ab 4 Jahren, für Kindergärten und Schulen.

Paul Maar: Kakadu und Kukuda. Mit Bildern von Nele Dullecke. Oetinger 2016. ISBN: 978-3-86274-031-4

Rezension: Maria Riss

 

Christina Björk / Eva Eriksson: Sieben kleine Ritter und jede Menge Drachen

18.08.2015 by

ritterWas erlebten grosse Helden wie Siegfried, Artus oder Tristan in ihren Kinderjahren? Vor Drachen hatten sie schon als Kinder keine Angst! Die kleinen Ritter kämpften mit allen Mitteln: mit Schwertern, mit Harfenmusik, sogar mit gebratenen Hühnchen. Die sieben Geschichten erzählen von unerschrockenen Jungen und ihren gefährlichen Abenteuern, die sie mithilfe von List, aber auch von Erwachsenen oder tierischen Begleitern meistern. Am Schluss jeder Erzählung wird in ein paar Sätzen ein Bogen gespannt zu den grossen Sagen, in denen die Helden später zu Ruhm und Ehre gelangen. «Sieben kleine Ritter und jede Menge Drachen» erfreuen nicht nur jedes kleine Bubenherz. Jeder Held wird mit einem gezeichneten Portrait vorgestellt und alle wichtigen Ereignisse sind in detailreichen, stimmungsvollen Farbstiftzeichnungen festgehalten.
Das Buch eignet sich hervorragend für kleine Heldinnen und Helden zum Vorlesen und Erzählen ab dem Kindergarten.

Christina Björk / Eva Eriksson: Sieben kleine Ritter und jede Menge Drachen. Oetinger 2015. ISBN: 978-3-7891-7782-8

Rezension: Heidy Wechsler

Heiliger Bimbam

02.12.2014 by

bimbamWeihnachten ist nicht immer so fried- und freudvoll wie wir das gerne hätten. Da gibt es schon hin und wieder kleinere Katastrophen. Viel zu grosse Weihnachtstannen, das Besorgen all der vielen Geschenke für Leute, die man eher weniger mag oder der Weihnachtsbraten, der so lange im Ofen schmort, bis er schwarz ist. Manchmal gibt es auch Streit und manchmal kommt es, auf der Suche nach einer brauchbaren Säge, zu ganz ungewohnten Begegnungen.

Diese Sammlung enthält Geschichten, die alle von grösseren und kleineren Weihnachtskatastrophen berichten. Gerade weil alles so schön, so harmonisch sein soll, wird diese ganze «Feierei» doch oft so schwierig. Im Buch finden sich Geschichten vieler namhafter Autorinnen und Autoren wie Siegfried Lenz, David Sedaris, T. C. Boyle, Axel Hacke. Ein Lese-und Vorlesebuch für Jugendliche und Erwachsene.

Heiliger Bimbam. Die schönsten Weihnachtskatastrophen zusammengestellt von Aleksia Sidney. Atlantik Verlag 2014. ISBN 978-3-455-37802-3

Rezension: Maria Riss

Rudolf Herfurtner: Das kleine Weihnachtswunder

02.12.2014 by

herfurterDer bekannte Jugendbuchautor Rudolf Herfurtner hat vier Weihnachtsgeschichten geschrieben, die alle märchenhafte Elemente aufweisen. Da ist die Erzählung vom alten Engel Eusebius, seines Zeichens Notenmeister der Himmlischen Heerscharen, der von einem gewaltigen Sturm auf die Erde gefegt wird. Hier findet ihn die kleine Mirjam. Sie rettet den alten Engel vor dem Unwetter und bringt ihn in einen Stall, wo eine Frau und ein Mann sich in dieser Stunde über die Geburt ihres Sohnes freuen. Oder die Geschichte von den beiden Glasbläsern. Der eine erschafft Glaskinder, die so herrliche Töne von sich geben, dass wunderschön harmonische Melodien entstehen. Der andere will mit seiner Kunst vor allem Geld verdienen, berühmt und reich werden. Ein kleiner Junge ist es schliesslich, der dem Guten zum Sieg verhilft.

Alle vier Geschichten in diesem Band sind spannend und in einer sehr treffenden, bildhaften Sprache verfasst. Die vielen Bilder ergänzen das Geschehen wunderschön und helfen beim Verstehen. Es sind Geschichten, die Erwachsene wie Kinder ab etwa 8 Jahren gleichermassen ansprechen und faszinieren werden. Aus diesem Grund eignet sich das wunderschön gestaltete Buch sehr gut zum Vorlesen, vor allem auch dann, wenn mehrere Generationen zuhören.

 

Rudolf Herfurtner: Das kleine Weihnachtswunder. Gerstenberg 2014. ISBN 978-3-8369-5714-4

Rezension: Maria Riss