Archiv für die ‘ 01 Neuerscheinungen ’ Kategorie

Peter Cocks: Long Reach

04.07.2012 von

Eddie kann es kaum glauben: Sein älterer Bruder ist ermordet worden. «Tut mir leid Kumpel, dein Bruder war ein Held», sagt Tony. Er ist ein Freund der Familie und zugleich Verbindungsmann zum Geheimdienst. Um den Mördern seines Bruders auf die Schliche zu kommen, muss Eddie als V-Mann in dessen Fussstapfen treten. Unter dem Decknamen Eddie Savage wird er in eine Schule eingeschleust, er soll dort so schnell wie möglich Kontakt zu einer gewissen Sophie aufnehmen. Sophies Vater ist verwickelt in dunkle Machenschaften und bald schon ist Eddie, alias Eddie Savage, mittendrin, im skrupellosen Verbrechermilieu. Peter Cocks, Drehbuch- und Fantasyautor, hat einen Krimi geschrieben, der alles bietet, was zu einem guten Thriller gehört: Tempo, Spannung, ein kaum zu überbietendes Glück des Protagonisten (Eddie überlebt mehrere Mordanschläge), schnelle Autos und schöne Mädchen. Ein Buch, das man einfach verschlingt, ohne gross über irgendetwas nachdenken zu müssen – eine ideale Ferienlektüre also, vor allem auch für junge Männer.

Rezension: Maria Riss

Peter Cocks: Long Reach. Dtv, 2012.

Barbara Gelberg (Hrsg.): Von Kindern, Katzen und Keksen. Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl

04.07.2012 von

Barbara Gelberg hat ein Gespür dafür, was gute Geschichten sind und was Kinder mögen, das vor allem. In diesem neuen Geschichtenband findet sich eine wunderbare Mischung von frechen, witzigen, spannenden und überraschenden Erzählungen, bei denen Kinder und ihre Sichtweisen im Zentrum stehen. Ganz egal, ob die Geschichte aus der Perspektive eines kleinen Krokodils, eines besonders mutigen Piratenjungen oder der pfiffigen Hannah erzählt wird. Viele der Geschichten sind extra für diesen Band geschrieben worden. Erzählungen namhafter Autorinnen und Autoren wie Mirjam Pressler, Jürg Schubiger, Paul Maar, Rafik Schami oder Alina Bronsky sind darin versammelt. Anke Kuhl hat das Buch illustriert, sie ist eine Meisterin ihres Fachs – mit ihren bunten, wilden, schräg und frechen Bildern gibt sie dem Buch einen wundervoll stimmigen Rahmen. Ein Vorlese- und Familienbuch, das in jedes Bücherregal von Kindern passt, in dem man ohne langes Suchen einfach mit Lesen oder Vorlesen beginnen kann.

Rezension: Maria Riss

Barbara Gelberg (Hrsg.): Von Kindern, Katzen und Keksen. Die schönsten Vorlesegeschichten mit Bildern von Anke Kuhl. Beltz, 2012.

Joke van Leeuwen: Augenblickmal. Was wir sehen, wenn wir sehen, und warum

04.07.2012 von

Das Buch erzählt davon, dass wir nie alles sehen, was wir sehen könnten und dass wir manchmal mehr mit den Augen wahrnehmen, als wir tatsächlich sehen. Es erzählt von Farben, vom Licht, von Perspektiven und dem goldenen Schnitt. Es offenbart Geheimnisse alter Kunstwerke und zeigt auf, welche Werbetricks Grafiker verwenden. Joke van Leeuwen ist eine mehrfach ausgezeichnete Kinderbuchautorin aus den Niederlanden. Wohl aus diesem Grund ist «Augenblickmal» sehr viel mehr als ein normales Sachbuch. Leserinnen und Leser geraten beim Lesen und Betrachten immer wieder ins Staunen. Man kann das Buch, einmal begonnen, kaum mehr weglegen. Es sind die vielen Details, die witzig originellen Illustrationen, die lesefreundliche Aufmachung und die vielen neuen Informationen, die dieses Buch zu einem kleinen Kunstwerk machen. Für Kinder ab etwa 9 Jahren sei es genauso empfohlen wie für Erwachsene.

Rezension: Maria Riss

Joke van Leeuwen: Augenblickmal. Was wir sehen, wenn wir sehen, und warum. Gerstenberg, 2012.

Lena Ullrich: PLING. Erfindungen, die das Leben erleichtern

04.07.2012 von

Was tat man früher, als man sich die Haare noch nicht föhnen konnte? Ganz einfach: Man nahm einen Staubsauger! Oder: Was haben die Menschen gemacht, als es noch keine Dosenöffner, kein Waschmittel und keine Wecker gab?

Lena Ullrich hat kurze und ironisch-witzige Geschichten über all die vielen, den Alltag so erleichternden Erfindungen geschrieben, die nicht nur jugendliche Leserinnen und Leser zum Staunen und Schmunzeln bringen werden. Die Kurztexte, keiner länger als eine Seite, eignen sich sehr gut als Unterrichtseinstieg oder als kurze Lektüre zwischendurch. Für Kinder ab etwa 10 Jahren, aber auch für Jugendliche geeignet.

Rezension: Maria Riss

Lena Ullrich: PLING. Erfindungen, die das Leben erleichtern. Oetinger, 2012.

Tomoko Ohmura: Bitte anstellen!

04.07.2012 von

Da stehen sie alle hintereinander: Fünfzig Tiere, vom kleinen Gecko bis hin zum riesigen Elefanten. Seite für Seite warten sie in einer langen Schlange. Einige langweilen sich, andere kriegen Hunger oder beginnen zu streiten und wieder andere spielen «Wörterkette». Worauf warten die alle bloss? Dazu braucht es auch beim Anschauen dieses Bilderbuchs etwas Geduld, denn erst auf Seite 25 erfahren Betrachterinnen und Betrachter den Grund: All diese Tiere stehen zum Wellenreiten an! Endlich ist es soweit, der Reihe nach dürfen sie auf den Rücken des Blauwals klettern. Und jetzt geht es los: Rauf und runter geht die Fahrt, unter Wasser und auf einer Fontäne wieder hoch in die Luft hinauf. Bei Fahrtende sind sich alle einig: Die Warterei hat sich gelohnt, am liebsten würden sich alle gleich nochmals anstellen.

Was dieses Bilderbuch so einzigartig macht ist einerseits der Aufbau der Spannung und andrerseits die vielen kleinen Geschichten, die sich in diesem an sich einfachen Plot versteckt haben. Das arme Schaf beispielsweise, das immer einen Stau in der Schlange verursacht (es steht eben dummerweise genau hinter dem Wolf), das kleine Känguru, das dauernd quengelt oder Waschbär und Fuchs, die miteinander ein Wetthochspringen veranstalten. Und so macht man es beim Betrachten und Erzählen am liebsten so wie die Tiere auch: Man beginnt nach dem Ende der Fahrt gerade wieder von vorne. Ein Bilderbuch, das ganz stark zum eigenen Erzählen anregt, das Gross und Klein gerne immer wieder anschauen werden. Für Kinder ab etwa 4 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Tomoko Ohmura: Bitte anstellen!  Moritz, 2012.

Mario Ramos: Der Wolf im Nachthemd

13.06.2012 von

Es war einmal ein kleines Mädchen, das eine rote Kappe trug. Eines Tages im Wald begegnete es einem Wolf. Bis zu dieser Stelle werden Kinder die Geschichte kennen. Aber als der Wolf im Haus der Grossmutter ankommt, ist diese gar nicht da, dafür entdeckt er dort ein rosa Nachthemd. «Ich könnte mir ja nun das Nachthemd überziehen und erst das Rotkäppchen auffressen», denkt der Wolf. Gesagt  –  getan. Der Wolf geht anschliessend vor die Tür, um dort seine Spuren zu verwischen. Genau in diesem Moment schlägt die Türe des Häuschens zu und der Wolf steht im Nachthemd draussen im Wald. Und das Allerschlimmste: Das Nachthemd ist so eng geschnitten, dass der Wolf es trotz all seiner Kräfte einfach nicht schafft, wieder aus diesem albernen Hemd rauszukommen. Natürlich gibt es nun oberpeinliche Situationen und Verwechslungen. Aber zu guter Letzt kommt doch alles gut und sogar der dusselige Wolf überlebt das Ganze. Mario Ramos Bilderbuch «Ich bin der Stärkste im ganzen Land» werden viele kennen. Mit dem vorliegenden Band ist dem Künstler ein weiteres Meisterwerk an Witz und Ironie geglückt und die cartoonhaften Illustrationen tragen das Ihre zur guten Unterhaltung bei. Kinder werden diese Geschichte mit Sicherheit lieben!

Rezension: Maria Riss

Mario Ramos: Der Wolf im Nachthemd
Moritz 978 3 89565 242 4

Frank Cottrell Boyce: Der unvergessene Mantel

13.06.2012 von

Julie kommt als erwachsene Frau zurück in ihr altes Schulhaus, das nächstens abgerissen werden soll. Erinnerungen kommen hoch, als Julie unter den Fundsachen den Mantel von Dschingis entdeckt und in dessen Tasche alte Polaroid-Aufnahmen. Es war ein heisser Sommertag damals, als Julie auf dem Pausenhof die beiden fremden Jungen in den langen Fellmänteln zum ersten Mal sah. Die beiden kamen aus der Mongolei und Julie sollte sich ein bisschen um sie kümmern. Weder Dschingis noch sein kleiner Bruder hatten eine Ahnung davon, wie der Schulalltag in England abläuft, sie wussten nicht einmal, wie man Fussball spielt. Julie hatte also recht viel zu erklären. Sie profitierte aber genauso von den beiden. So erfuhr sie, wie man Adler zähmt, sie lernte, dass in der Mongolei Riesenblumenbäume wachsen und wie man Dämone austrickst. Aber dann waren die beiden Brüder plötzlich nicht mehr da. Sie wurden abgeholt, zurückgeschickt in eine sehr ungewisse Zukunft.  Ganz am Schluss des Buches können Lesende aufatmen. Dank Internet gelingt es der erwachsenen Julie, Kontakt zu Dschingis und seinem Bruder aufzunehmen. Frank Cottrell  Boyce hat eine bewegende Geschichte über das Schicksal von zwei Flüchtlingskindern geschrieben. Die authentische Geschichte  besticht nicht nur durch die Schönheit der Sprache, sondern auch durch die vielen Fotos und Illustrationen, durch das spezielle Layout und die aussergewöhnliche Aufmachung. Ein besonderes Buch für besondere Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell  Boyce: Der unvergessene Mantel
Carlsen 978 3 551 55594 6

Catherine Valckx: Waldo und die geheimnisvolle Kusine

13.06.2012 von

Rudi, das Kaninchen bekommt eines Tages den folgenden Brief: Lieber Rudi, du kennst mich nicht, aber ich würde mich über einen Besuch von dir sehr freuen. Ich wohne am Meer, halb im Wasser. Deine Kusine Jenny, die Muschel. Da Rudi nicht weiss, wie Muscheln überhaupt aussehen, stellt er sich eine Art Meerkaninchen vor. Zum Reisen hat er eh keine Lust und überhaupt, wo käme er hin, wenn er seine ganze riesige Verwandtschaft besuchen wollte? Da ist es gut, dass Waldo, sein Bärenfreud, sich schon so lange nach Abenteuern sehnt und sich aufmacht, um am Meer nach Rudis Kusine zu suchen und ihr Grüsse auszurichten.  Waldo findet das wunderbare Meer und entdeckt halb im Wasser die kleine Muschel Jenny. Weshalb Jenny eine Muschel ist und doch Rudis Kaninchenkusine, das erfahren Lesenden in dieser wunderschön schrägen, aberwitzigen Kindergeschichte. Catharina Valckx Sprache ist warmherzig, lebendig und wunderbar klar. Ihre Protagonisten sind allesamt Persönlichkeiten, liebenswert, eigenständig und mit ganz speziellen Macken. Die vielen, von der Autorin selbst gemalten Bilder unterstützen nicht nur beim Verstehen des Textes, sie erweitern das Gelesene auch. Waldo und die geheimnisvolle Kusine sei allen Leseanfängern, die bereits längere Texte eigenständig lesen können, wärmstens empfohlen.

Rezension: Maria Riss

Catherine Valckx: Waldo und die geheimnisvolle Kusine
Moritz 978 3 89565 244 8

Rolf Lappert: Pampa Blues

13.06.2012 von

Ben ist 16 Jahre alt und lebt in Wingroden. Wenn man die Buchstaben des Ortes Wingroden anders zusammensetzt, ergibt sich das Wort «nirgendwo» –  und passender liesse sich dieser Flecken Erde auch gar nicht beschreiben. Ben lebt bei seinem Grossvater und hat einen grossen Traum: Endlich aus diesem gottverlassenen Kaff abhauen, raus in die Welt, am liebsten mit einem alten Bus nach Afrika. Aber bis dahin wird es noch eine Weile dauern. Da ist sein schon leicht verwirrter Grossvater, der seine Hilfe mit jedem Tag nötiger hat, und auch die Reparatur des alten VW Busses braucht sehr viel mehr  Zeit als geplant. Im Dorf gibt es nichts als eine alte Tankstelle, einen Dorfladen, eine Poststelle und eine Kneipe. Es gibt eine wunderschöne Frisörin und den Unternehmer Maslow  mit seinen verrückten Plänen. Mit Maslow zu debattieren macht Ben Spass, der hat neue ungewöhnliche Ideen, der hat Geld und der war schon mal im Ausland. Maslow will endlich Leben in dieses gottverlassene Nest bringen, will Touristen herlocken. Warum nicht all die durchgedrehten UFO-Gläubigen mit einem selbstgebastelten Flugobjekt anlocken? Und so kommt es, dass Ben bei einer ziemlich spektakulären Inszenierung mithilft, dass plötzlich eine ausserordentlich hübsche junge Journalistin auftaucht und in diesem Nirgendwo tatsächlich ziemlich viel passiert. Ben lernt dabei seine Träume von der Realität zu unterscheiden und ihm wird auch klar, dass man im Leben manchmal Prioritäten setzen muss.

Ursprünglich hat Rolf Lappert den Stoff als Drehbuch konzipiert, das wird beim Lesen spürbar und deutlich. Der Autor schreibt kurz und sehr genau, pointiert und seine Figuren sind so gezeichnet, dass man sie zu kennen glaubt. Die Dialoge treffen den Ton, lassen die Figuren und ihre Entwicklungen glaubhaft erscheinen. Genauso ergeht es einem mit den Schauplätzen. Man kennt die Orte, kann sich die Kneipen und Vorgärten bildlich vorstellen und tuckert mit Bens Tuk-Tuk, den alten Opa auf dem Nebensitz, durchs Nirgendwo. Ein wunderbares Buch mit einem Protagonisten, dem sich nicht nur jugendliche Leserinnen und Lesern verbunden fühlen.

Rezension: Maria Riss

Rolf Lappert: Pampa Blues
Hanser 978-3-446-23895

Katja Alves: 1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann

13.06.2012 von

Die elfjährige Filipa lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder in Neustadt. Hier hat sie viele Freundinnen, allen voran natürlich Nele, und hier fühlt sie sich zuhause. Zu ihrem Glück fehlt eigentlich nur noch ein Hund, den wünscht sie sich so sehnlichst. Zu ihrem Geburtstag bekommt Filipa auch tatsächlich einen Hund. Nur leider wird ihr Geburtstag in Portugal, in Papas Heimat, gefeiert. Und genau dorthin will Papa nun auch umziehen. Für Filipa bricht eine Welt zusammen, sie will ihr geliebtes Neustadt um keinen Preis verlassen. Gemeinsam mit Nele versucht sie den Umzug mit allen Mitteln zu verhindern, auch wenn in Portugal ein wirklich ganz süsser kleiner Hund auf sie wartet. Obwohl Filipa Neustadt schliesslich verlassen muss, geht die Geschichte gut aus. Katja Alves hat ein wunderbar humorvolles Kinderbuch geschrieben. Etwas überzeichnet sind einzelnen Figuren schon, aber gerade  dies macht die Lektüre so  besonders reizvoll und unterhaltend. Das Buch eignet sich sehr gut zum Vorlesen, weil nebst dem spannenden Plot auch ein für viele Kinder sehr aktuelles Thema im Vordergrund steht: das Leben zwischen zwei verschiedenen Sprachen und Kulturen. Roman für Kinder ab etwa 11 Jahren.

Rezension: Maria Riss

Katja Alves: 1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann
Beltz 978-3-407-82012-9