Archive for the ‘ 01 Neuerscheinungen ’ Category

Buch des Monats Mai 2017

04.05.2017 by

Davide Morosinotto: Die Mississippi-Bande.

missiDie Geschichte beginnt in den Südstaaten von Amerika und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Vier Kinder aus völlig verschiedenen Milieus haben in den Sümpfen heimlich eine Hütte gebaut und verbringen dort ihre ganze Freizeit. Beim Angeln passiert es: Sie fischen aus dem Fluss eine alte Dose mit drei Dollar drin. Die drei bestellen sich mit dem Geld beim Versandhauskatalog eine Pistole, mit passender Munition versteht sich. Als das Paket endlich eintrifft, finden sie darin aber bloss eine alte Uhr. Bald erfahren die vier, dass diese Uhr ein Vermögen wert ist, denn die Falschlieferung wird im ganzen Land gesucht. Wenn diese alte Uhr tatsächlich mehrere tausend Dollar wert ist, dann wollen die vier auch etwas davon abkriegen. Dafür muss man die Uhr aber in Chicago vorbeibringen. Also beschliessen die vier, nach Norden abzuhauen.
Diese Reise durch ganz Amerika wird für die Kinder abenteuerlich und gefährlich, zumal sie kaum Geld besitzen. Zuerst fahren sie in ihrem selbstgebauten Einbaum nach New Orleans, dann mit dem Raddampfer den Mississippi hoch, später als blinde Passagiere im Zug weiter gen Norden. Sie werden überfallen, fahren zum ersten Mal mit einem Tram, staunen über Automobile, erfahren, da der jüngste von allen schwarz ist, wie verbreitet der Rassismus in bestimmten Gegenden noch immer ist und erleben auch öfters, wie hilfsbereit Menschen sein können. Ja und am Schluss, nachdem sie sogar einen Mord aufgeklärt haben, da werden die vier doch tatsächlich steinreich.
Der italienische Autor Davide Morosinotto hat ein ganz wunderbares Abenteuerbuch geschrieben: Eine überaus packende Handlung mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen, schrägen Typen, fernen Schauplätzen und Hauptfiguren, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Und vor allem am Anfang hat man beim Lesen das Gefühl, Huckleberry Finn tauche nächstens hinter einer Hausecke auf. Besonders faszinierend sind zudem die vielen Einblicke in das Leben jener Zeit: der technische Fortschritt, das schwierige Leben der Farmer, der für alle Beteiligten schreckliche Aufenthalt in einem Gefängnis. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, jede der Hauptfiguren berichtet von einem Teil der gefährlichen Reise. Dadurch wird die Verschiedenartigkeit der vier Abenteurer spürbar. Diese spannende Art von Road Movie wird Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, Mädchen wie Jungen, mit Sicherheit begeistern. Das Buch eignet sich zudem dank der klaren Gliederung auch hervorragend zum Vorlesen.

Davide Morosinotto: Die Mississippi-Bande. Wie wir mit drei Dollar reich wurden. Aus dem Italienischen von Cornelia Panzacchi. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18455-8

Rezension: Maria Riss

 

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte

28.04.2017 by

Traxler_25491_MR.inddEddy zieht mit seiner Herde durch die Steppen Afrikas. Und weil Eddy ein noch so kleiner Elefant ist, darf er sogar manchmal auf den Schultern von Tante Adele reiten. Dann entdeckt die Herde eines Tages einen alten Elefantenbullen, dessen Stosszähne ausgerissen wurden. Eddy beschliesst für sich, dass er niemals gross werden will. Er will keine Stosszähne bekommen und später von Wilderern überfallen werden. In der Nacht schleicht er sich deshalb heimlich davon. Die Herde zieht nach einer langen vergeblichen Suche schliesslich ohne ihn weiter. Der kleine Eddy wird gefunden und in eine Elefantenstation gebracht. Hier in der Station hat es Eddy eigentlich gut, nur essen und wachsen, das will er unter keinen Umständen. Schliesslich wird ein alter Medizinmann gerufen, der kennt einen uralten Zauber, der gegen das Wachsen hilft. Aber ob das eine gute Lösung ist, einfach für immer klein zu bleiben?
Bücher mit zwar schönen Bildern, aber einer konstruierten, langweiligen Geschichte, gibt es momentan zuhauf in den Regalen der Buchhandlungen. Das Buch vom Elefanten Eddy hebt sich wohltuend davon ab. Hans Traxler hat einmal mehr ein Bilderbuch geschaffen, das diesen Namen wahrlich verdient. Im vorliegenden grossformatigen Band stimmt nicht nur der wirklich spannende Plot um ein ernsthaftes Thema, hier passen auch die Bilder ganz wunderbar zum Buchgeschehen. Ein eindrückliches Bilderbuch, das viele Kinder wohl einige Zeit zu ihrem Lieblingsbuch erklären werden. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25491-6

Rezension: Maria Riss

 

Anu Stohner: Die kleine Schusselhexe greift ein

28.04.2017 by

hexeWer die kleine Schusselhexe kennt, weiss, dass sie mit ihren 99 Jahren noch sehr jung ist, und dass sie vielleicht deshalb die Zauberreime ziemlich oft vermasselt. Nein, Sprüche behalten, das ist nicht ihre Stärke. Aber dafür ist die kleine Hexe mutig und hilfsbereit, das vor allem. Diesmal kommt ein ziemlich griesgrämiger Igel vorbei, der dringend Hilfe benötigt. Von weit her kommt dieser Igel, dort wo der Wald ganz dicht ist und sehr viele Waldtiere leben. Nun sind aber all diese Tiere in Gefahr, weil mitten durch den Wald eine Strasse gebaut wurde. Alle diese riesigen Autos sind einfach lebensgefährlich und einen Lärm machen die, dass es kaum mehr auszuhalten ist. Sogleich setzt sich die kleine Schusselhexe, zusammen mit ihrem blauen Hasen und dem Igel, auf ihren krummen Besen und zischt los. Sie wird von den vielen Waldtieren begeistert empfangen und beginnt auch sofort, einen passenden Zauberreim aufzusagen. Natürlich geht das zuerst einmal schief und auch der zweite Versuch bringt keinen Erfolg. Erst beim dritten Anlauf gelingt ihr ein wahrlich verrückter, aber wirksamer Zauber. Wohin um alles in der Welt die kleine Hexe die vielen Autos aber gezaubert hat, das soll hier noch nicht verraten werden.
Die kleine Schusselhexe ist eine Buchfigur, mit der sich wohl alle Kinder gut identifizieren können. Viele werden sie zudem schon aus den drei bereits erschienenen Bilderbüchern kennen. Der vorliegende Band ist als Vorlesebuch konzipiert, die einzelnen Kapitel haben alle einen eigenen kleinen Spannungsbogen, so dass sich die Lektüre gut unterbrechen lässt. Zusammen mit der kleinen Hexe passende Reimwörter zu suchen, das wird Kinder zusätzlich faszinieren. Die wunderbaren Farbbilder von Henrike Wilson helfen beim Imaginieren und ergänzen diese lustige und durchaus auch spannende Geschichte ganz wunderbar. Zum Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren. Zum Selberlesen ab 8 Jahren.

Anu Stohner: Die kleine Schusselhexe greift ein. Mit Bildern von Henrike Wilson. dtv, Reihe Hanser 2017. ISBN: 978-3-423-64030-5

Rezension: Maria Riss

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel

28.04.2017 by

maiDer bekannte Kinderbuchautor Manfred Mai erklärt in diesem Buch das Wichtigste aus den verschiedenen Weltreligionen. Er tut dies in einer einfachen Sprache und mithilfe einer sehr sinnvollen Gliederung. Diese lässt vor allem auch Vergleiche zu, weil die Beiträge über die 5 Religionen alle auf die gleiche Art und Weise strukturiert sind. So geht es bei allen Religionen um die Entstehung der Glaubensgemeinschaften, um wichtige Feste, um Rituale, Symbole und darum, was Tote im Jenseits erwartet. Natürlich werden die Religionen nicht umfassend vorgestellt, dies wäre auf den gut 150 Seiten gar nicht möglich. Kinder erhalten mit diesem Buch aber einen guten Überblick. Jugendliche werden mit dem Verstehen der Inhalte keine Probleme haben, für die meisten Kinder ist die Thematik aber zu komplex, als dass sie diese ganz alleine lesen und verstehen könnten. Gemeinsam mit andern Kindern, mit Eltern oder Lehrpersonen bietet es aber überaus wissenswerte Grundlagen und viel Gesprächsstoff. Das Buch will auch nicht nur informieren, es will Interesse wecken, will zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen Werte- und Moralvorstellungen führen und zu Gesprächen anregen. Für Kinder ab etwa 11 Jahren, für Jugendliche und Erwachsene.

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder. Mit Illustrationen von Marine Ludin. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25300-1

Rezension: Maria Riss

Ulf Stark/Eva Eriksson: Das grosse Fest im Häschenwald

28.04.2017 by

haseEndlich ist Frühling. Endlich kann die Kaninchenfamilie wieder hinaus, um frische Kräuter zu fressen und die warme Sonne zu geniessen. Im Frühling wachen nicht nur Tiere und Pflanzen auf, der Frühling weckt oft auch ganz besondere Gefühle. Dem Kaninchenmädchen Nina geht das nicht anders. Als sie den Kaninchenjungen Anton zum ersten Mal sieht, da klopft ihr Herz wie wild und es kitzelt im Bauch auf neue, wundersame Weise. Anton scheint es nicht anders zu ergehen, am liebsten würde er die ganze Zeit mit Nina zusammen sein. Das sieht Papa Kaninchen allerdings anders und gar nicht gern. Ein dahergelaufener Nichtsnutz ist doch dieser Anton, will ihm seine geliebte Tochter wegnehmen. Aber dann bricht ein schreckliches Unwetter aus, alle Kaninchen rennen um ihr Leben und finden schliesslich beim Hauswichtel Grantel Zuflucht. Als alle beisammen in der warmen Stube hocken, merken sie, dass ein Kaninchen fehlt: Anton ist verschwunden! Gleich machen sich alle auf die Suche und finden schliesslich das bewusstlose Kaninchen unter einem Dornenbusch. Anton wollte um alles in der Welt den geliebten Hut von Papa Kaninchen aus den Wassermassen retten. Es ist nicht nur dem Kräuterwissen des alten Hauswichtels zu verdanken, dass Anton wieder gesund wird. Es ist vor allem auch die Tatsache, dass Nina die ganze Zeit neben seinem Bett sitzt, dass sie ihm immer wieder versichert, wie gern sie ihn mag. Und so wird im Wald schon bald nicht nur Mittsommer, sondern auch eine grosse Hochzeit gefeiert.
Ulf Stark hat eine wunderbare Geschichte geschrieben, die sich zwar in einer sehr heilen Welt abspielt, die aber in einer sehr treffenden Sprache von wesentlichen menschlichen Gefühlen erzählt: Von der Liebe natürlich, aber auch vom Loslassen, vom Abschied nehmen, von Mut und gegenseitigem Respekt. Der spannende Plot und die zarten, aussagekräftigen Bilder von Eva Eriksson tragen dazu bei, dass Kinder diese Geschichte mit Sicherheit lieben werden. Und zwischendurch tut ein bisschen heile Wald-Welt doch auch einfach gut. Die Geschichte ist in kurze Kapitel gegliedert und eignet sich auch deshalb hervorragend zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Ulf Stark/Eva Eriksson: Das grosse Fest im Häschenwald. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Oetinger 2017. ISBN: 978-3-7891-0491-6

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell Boyce: Broccoli-Boy rettet die Welt

28.04.2017 by

boyRory ist etwa 11 Jahre alt. Er weiss ziemlich viel, ist aber mit Abstand der Kleinste in der Klasse. Kleine werden gehänselt, übersehen und Kleine, die obendrein noch so klug sind, die haben schon gar keine Chance. Rory wird von den andern Jungs täglich fertig gemacht, vor allem im Sportunterricht und in den Pausen. Und dann geht es auf Klassenreise. Einmal mehr wird Rory gehänselt und geschupst und fällt gar in den kalten Bergbach. Als Rory tropfnass aus den eisigen Fluten steigt, verschlägt es der ganzen Klasse schlicht die Sprache: Rory ist grün. Überall. Grün wie ein Broccoli. Der durch und durch grün gefärbte Rory landet als medizinische Sensation auf der Isolierstation eines Krankenhauses. Erst nach drei Tagen entdeckt er einen zweiten Patienten auf der Station: Es ist Tommy-Lee, der Oberfiesling aus seiner Klasse. Auch dessen Hautfarbe schimmert in den wunderbarsten Grüntönen. Sind die beiden vielleicht zu Superhelden mutiert? Um das herauszufinden, stürzen sie sich nun Nacht für Nacht mit dem Fensterputz-Aufzug in die wildesten Abenteuer und machen halb London unsicher. Wie diese verrückte Geschichte, immer haarscharf an der Grenze zwischen Möglichem und Fantasy, schliesslich doch noch gut endet, dies nachzulesen ist nicht nur spannend, sondern macht auch einfach gute Laune.
Es ist fürwahr eine Kunst, ein solch aberwitziges Buch zu schreiben, ohne dass die Geschichte oberflächlich oder wie ein dummer Gag wirkt. Der Autor schafft es mit diesen zwei Figuren, die sich durch diese ungewöhnlichen Umstände stark verändern und entwickeln, Leserinnen und Leser auch immer wieder zu berühren. Und ein bisschen Weisheit steckt zusätzlich drin, wenn Rory sich beispielsweise überlegt, ob es reicht, einfach an sich selber zu glauben, um plötzlich stark zu werden, nicht nur körperlich, sondern auch in der Art, wie man gegenüber andern Menschen auftritt. Die turbulente Geschichte wird viele Kinder, vor allem auch Jungen, ab etwa 12 Jahren faszinieren.

Frank Cotrell Boyce: Broccoli-Boy rettet die Welt . Aus dem Englischen von Salah Naoura. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55363-8

Rezension: Maria Riss

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind

28.04.2017 by

46431709zEmma geht in die zweite Klasse. Emma hat zwei kleine Brüder, eine Schwester, sie hat eine Mama und einen Papa und sie hat einen kleinen Hund, Wuschel. Emma geht es sehr gut, vor allem auch deshalb, weil sie seit neustem einen Freund hat. Paul kommt jeden Nachmittag vorbei, und dann gehen die beiden mit Wuschel spazieren. Paul, der wünscht sich ja nichts sehnlicher, als selber einen Hund zu haben. Manchmal machen sie lustige Dinge, die beiden, laufen rückwärts oder klettern um die Wette. Als Emma von Paul eine Halskette mit Glitzerherz bekommt, ist ihr Glück kaum zu überbieten. Paul und Emma wollen heiraten, das versprechen sie sich an diesem Tag. Aber dann, ein paar Tage später, wartet Paul nicht an der Hausecke, um mit Emma in die Schule zu gehen und am Nachmittag, da hat er bereits mit seinen Freunden abgemacht, um Fussball zu spielen. Emma wird so traurig, dass sie ständig heulen muss. Da ist es gut, eine ältere Schwester zu haben, die Rat weiss. Jungen sind manchmal so, meint sie, aber dann hört das auch wieder auf. Und bald schon ist es auch bei Paul so. Er verspricht Emma, immer ein guter Freund für sie zu bleiben und das mit dem Heiraten, das wird sich sicher geben, später, wenn beide gross sind.

Sigrid Zeevaert hat eine Geschichte geschrieben, in der sich wohl alle Leserinnen und Leser wiederfinden werden, ganz egal wie alt sie sind. Es geht um Liebe, um Nähe und Distanz, es geht um Abgrenzung, um Freundschaft und Neid. Die Autorin beschreibt Emmas Gefühlsdurcheinander in einer einfachen, aber treffenden Sprache, die schon ganz kleine Kinder verstehen werden. Die gute Gliederung des Inhalts und die grosse Nähe zu dem, was Kinder bestens kennen, machen dieses Buch zu einem idealen Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Sigrid Zeevaert: Emma ist doch eben ein Glückskind. Mit farbigen Bildern von Sabine Büchner. Thienemann 2016. ISBN: 978-3-522-18431-1

Rezension: Maria Riss

Marianne Dubuc: Briefträger Maus macht Ferien

19.04.2017 by

mausWeil seine Arbeit so anstrengend ist, braucht Briefträger Maus auch ab und zu Ferien. Schon auf der ersten Seite wird alles Nötige für die ganze Familie eingepackt – und ab geht’s. Briefträger Maus kann es sich allerdings nicht verkneifen, auch gleich ein paar Postsendungen mitzunehmen. Schliesslich fährt Familie Maus ja schier um die ganze Welt und dann geht das ja im gleichen zu. Auch in diesem Folgeband gibt es viele wunderliche Dinge zu entdecken. Die Wohnung der Eidechse im Wüstenkaktus beispielsweise oder wo die kleinen Affen im Urwald hausen. Die Handlung ist sehr einfach, im Grunde eine Aneinanderreihung von Reisetagen, auf den Bildern gibt es aber unzählige Nebengeschichten aufzuspüren und zu erzählen. Bereits im letzten Herbst ist der erste Band des emsigen Briefträgers erschienen. Rezension Briefträger Maus.

Marianne Dubuc: Briefträger Maus macht Ferien. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82157-7

Rezension: Maria Riss

Jason Reynolds: Love oder meine schönsten Beerdigungen

19.04.2017 by

loveMatt ist etwa 17 Jahre alt, als seine Mutter stirbt, und er weiss nicht, wohin mit seiner Trauer. In der Schule hat er keine Probleme, da ist es einfach nur langweilig und die Mitschüler, die nerven mit ihrem kindlichen Getue. Matt braucht einen Job, nicht nur wegen dem Geld, sondern auch einfach, damit er eine Beschäftigung hat und um die schier endlosen Nachmittage zu überstehen. Da kommt ihm das Angebot vom alten Mr. Ray gerade recht: Matt kann als Gehilfe im Beerdigungsinstitut anfangen. Die Bezahlung ist gut und Matt macht es sich bald zur Gewohnheit, den Zeremonien beizuwohnen. So viele trauernde Menschen, so viele Schicksale, das hilft ihm irgendwie über die Tage, das tröstet ihn und gibt ihm einen seltsamen Kick. Und dann, an einer der Zeremonien, lernt Matt Love kennen. Eine nicht nur schöne, sondern auch sehr starke und eigenwillige junge Frau. Auch Love hat ihre Mutter verloren, allerdings ist dies schon länger her. Love geht mit ihrem Schicksal so ganz anders um. Sie hat aus ihrer Trauer heraus einen unbändigen Überlebenswillen entwickelt. Matt verliebt sich über beide Ohren und ist überzeugt, dass die Beziehung zu Love ihm hilft, sich allmählich aus seiner Isolation zu befreien.
Einmal mehr hat Jason Reynolds einen ganz fantastischen Roman geschrieben. Es geht ums Trauern, ums Abschiednehmen, es geht darum, wie wichtig Freunde sind und wie schwierig der Umgang mit Menschen werden kann, denen nur Äusserlichkeiten wichtig sind. Es geht ums Erwachsenwerden und um die Liebe. Grandios beschreibt der Autor einmal mehr das Leben in Brooklyn, die ständige Angst vor Überfällen, die grosse Solidarität und das Mitgefühl, das man in diesem, vorwiegend von farbigen Menschen bewohnten Stadtteil, erleben kann. Und dann ist da auch immer ein Schuss Humor mit im Spiel, eine gewisse Gelassenheit, die man sich im Alltag oft wünschen würde. Die Lektüre des Buches ist anspruchsvoll, das Thema ernst. Das Buch ist aber an keiner Stelle sentimental, sondern einfach klug und wunderschön zu lesen. Der Roman ist zwar als Jugendbuch erschienen, könnte aber genauso gut in der Abteilung für Erwachsene aufliegen.

Jason Reynolds: Love oder meine schönsten Beerdigungen. Aus dem Englischen von Klaus Fritz. dtv, Reihe Hanser 2017. ISBN: 978-3-423-65026-7

Rezension: Maria Riss

Håkon Øvreås: Super Matze

19.04.2017 by

matzeMatze, Bruno und Laura leben in einem kleinen Dorf in Norwegen. Am liebsten verbringen sie ihre Zeit mit Spionieren. Obwohl das Dorf so klein ist, gibt es immer wieder merkwürdige und spannende Sachen. Da sind die neuen Bewohner der früheren Bäckerei mit diesem seltsamen Mädchen, das meistens nur böse aus dem Fenster guckt, oder der Bürgermeister, der mit seinem preisgekrönten Huhn für die Zeitung posiert. Einmal in die Zeitung kommen, das möchte Matze fürs Leben gern, damit könnte er auch dieses Mädchen beeindrucken. Vielleicht klappt das ja, wenn man beispielsweise ein preisgekröntes Huhn verschwinden lässt und es anschliessend dem sicher verzweifelten Bürgermeister zurückbringt? Es ist gut, dass Matze einen schwarzen Superhelden-Anzug hat. Den zieht er sich in dieser Nacht über und klaut das Huhn des Bürgermeisters. Matze versteckt das Tier in Omas Schuppen. Dummerweise wird Matze aber am nächsten Tag so krank, dass er im Bett bleiben muss. Als er endlich wieder aus dem Haus darf, ist das Huhn aus Omas Schuppen verschwunden. Jemand muss das Huhn geklaut haben. Jetzt können nur noch seine Freunde helfen. Wie die drei dieses wunderschöne Huhn wiederfinden und ob es Matze tatsächlich in die Zeitung schafft, das soll noch nicht verraten werden. Denn all dies selber nachzulesen, das macht riesengrossen Spass.
Die Geschichte ist ganz nah an der Alltagswelt von Kindern. Es geht um Abenteuerlust, um das Ausreizen von Regeln, es geht um Mut und das neu erwachte Interesse am anderen Geschlecht. Autor und Illustrator beherrschen die Kunst des Weglassens grandios. Vieles ist nur angetönt, aber in Bild und Text so dargestellt, dass man sich das Geschehen wunderbar vorstellen kann. Wer sich als Erwachsener gut an die eigene Kindheit erinnern kann, wird Laura, Bruno und Matze lieb gewinnen und sich im kleinen Dorf, mit den oft etwas schrägen Bewohnern, bald heimisch fühlen. Zu Recht wurde das erste Buch über diese drei Freunde mit dem LUCHS-Preis von Radio Bremen und der «Zeit» ausgezeichnet. Für Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Håkon Øvreås: Super Matze. Mit Illustrationen von Øyvind Torseter. Aus dem Norwegischen von Angelika Kutsch. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25485-5

Rezension: Maria Riss