Archive for the ‘ 01 Neuerscheinungen ’ Category

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete

18.06.2017 by

bienenWolf ist gut zwölf Jahre alt. Er ist ein angepasster Junge, fleissig, eher still, und er kümmert sich überaus liebevoll um seine kleinen Zwillingsschwestern. Wolfs Mom ist überzeugt, dass die Welt bald untergehen wird, weil sich niemand wirklich für die Umwelt, das Klima und all die bedrohten Tierarten einsetzt. Sie ist sich sicher, dass ihre Kinder keine Zukunft haben werden. Irgendwo muss man anfangen, meint sie, warum nicht mit Bienen, die für das Überleben der Menschheit absolut zentral sind? Wolfs Eltern beschliessen deshalb, mit der ganzen Familie eine Tour durch die Staaten zu machen. Ein alter Van wird gekauft, Mom näht Bienenkostüme für ihre Kinder, druckt Flyer und grosse Plakate und bereitet eine eindrückliche Präsentation vor. Früher als geplant, wird das Haus weitervermietet und die Reise geht los. Wolf will nicht fahren, sein Zuhause und all seine Schulfreunde zu verlassen, das ist so schwer. Dazu kommt, dass er absolut keine Lust hat, vor fremden Leuten aufzutreten, er ist eher scheu und dieses absolut dämliche Bienenkostüm zu tragen, ist ihm so was von peinlich. Aber Mom, die hört einfach nicht hin, zu wichtig ist ihr diese Fahrt. Auch Whisper, eine der kleinen Zwillingsschwestern, scheint diese Reise nicht zu gefallen. Sie spricht seit der Abfahrt kein einziges Wort mehr. Erst als Whisper auch kaum mehr isst, erst als Wolfs ältere Schwester einfach abhaut und der alte Van endgültig den Geist aufgibt, hört Mom endlich zu. Wolf macht ihr klar, dass sie mit ihrem Vorhaben zwar einen Beitrag zur Rettung der Welt leistet, dass sie dabei aber die Bedürfnisse ihrer Kinder vollkommen ignoriert hat. «Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete» ist nicht nur ein spannendes Buch, es sind auch die Figuren, deren Beschreibung der Autorin sehr treffend und differenziert gelungen ist. Es ist vor allem Wolf, dem man beim Lesen sehr nahe kommt. Man versteht seine Gedanken und Konflikte und man sorgt sich mit ihm um seine kleine Schwester, die an dieser Reise und den ständigen Auftritten vor Publikum zu zerbrechen droht. Durch diese Innensichten gewinnt die Geschichte nicht nur an Spannung und Dynamik, sondern es werden auch verschiedene Perspektiven rund um die Thematik eindrücklich geschildert und nachvollziehbar: Wo liegen die Grenzen zwischen den eigenen Zielen, den Bedürfnissen anderer und dem Engagement für eine gute Sache? Das Buch bietet neben der sehr eindrücklichen Handlung viel Gesprächs- und Diskussionsstoff und zwingt dazu, über eigene Haltungen und Handlungsweisen nachzudenken. Ein wunderschöner Roman, dem man viele jugendliche Leserinnen und Leser wünscht.

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete. Aus dem Englischen von Bettina Münch. Rowohlt 2017. ISBN: 978-3-499-21782-1

Rezension: Maria Riss

 

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten

18.06.2017 by

wasDer ganze Albtraum beginnt an einem ganz gewöhnlichen Dienstagmorgen während einer Matheklausur. Ein Attentäter, vermummt und mit vorgehaltener Pistole, hat sich Zugang zum Klassenzimmer verschafft. Er knallt dem Lehrer einen Stapel Couverts aufs Pult. Darin sind Aufgaben für einzelne Mitglieder der Klasse notiert. Anscheinend kennt der Attentäter die Klasse sehr genau, denn durch diese Befehle werden die Geheimnisse der Schülerinnen und Schüler schonungslos offenbart: Lügen, Diebstahl, heimliche Liebschaften, Arroganz, Neid. Und er meint es ernst, dieser Attentäter, er schiesst immer wieder und einige werden auch verletzt. Erst nach 143 Minuten wird der Attentäter enttarnt, die Klasse befreit. Niemals wieder wird es sein wie früher, zu tief sitzt der Schock, zu viele Geheimnisse wurden ans Tageslicht gezerrt. Mark, Fiona und der Lehrer erzählen diesen realen Albtraum abwechselnd und aus unterschiedlichen Perspektiven. Mark kann sich am besten in den Attentäter einfühlen, weil er selber ein Aussenseiter ist. Er spürt eine gewisse Genugtuung, als die Tricks und Lügereien der Leader aus der Klasse aufgedeckt werden. Fiona will helfen, will vermitteln, traut sich aber doch nicht, sich wirklich zu wehren, zu gross ist ihre Angst. Der Lehrer wiederum ist voller Wut, er bleibt passiv und wehrt sich nicht wirklich für seine Schülerinnen und Schüler. Seine starken Schultern sind nur aufgepolstert, das wussten die meisten der Klasse bereits vorher.
Die erst 19-jährige Autorin hat einen richtigen Psychothriller geschrieben. Zu Recht wurde dieser Debütroman mit dem «Hans-im-Glück-Preis» für Jugendliteratur ausgezeichnet. In einer sehr prägnanten, einfachen Sprache beschreibt sie das Geschehen so, dass man das Gefühl hat, selber im Klassenraum zu sitzen. Die beklemmende, grauenhafte Stimmung wird in jeder Zeile spürbar. Durch die drei verschiedenen Erzählperspektiven erhält der Plot zusätzlich einen gewissen Tiefgang und man versteht gar einzelne Motive und Handlungen. Die Spannung bleibt bis zum Ende dermassen gross, dass jugendliche Leserinnen und Leser ihre Lektüre kaum vor der letzten Seite abbrechen werden.

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82298-7

Rezension: Maria Riss

 

Luv Frohde: Ein Hund für Jacob

18.06.2017 by

jacobAls Jacobs Hund stirbt, bricht für Jacob eine Welt zusammen. Sein Hund Buster war sein allerbester Freund. Er war immer an seiner Seite, hat gespürt, wenn Jacob traurig war und war ausgelassen und spielfreudig, wenn Jacob guter Dinge war. Erwachsene haben gut reden, wenn sie meinen, dass die Zeit Wunden heile oder dass er sich doch einfach einen neuen Hund wünschen solle. Jacob ist sich sicher, dass seine Trauer nie aufhören wird, und einen Hund will Jacob niemals mehr haben. Und dann sind Sommerferien. Die Familie fährt wie in jedem Jahr an den grossen See. Dort hat Jacob im letzten Jahr zusammen mit anderen Kindern eine Waldhütte gebaut. Jacob baut an der Hütte weiter, er übernachtet sogar dort. Und dann ist da plötzlich dieser Hund, klein, scheu, ausgehungert und schwarz. Der Hund scheint niemandem zu gehören. Jacob legt dem Hund Essen vor die Hütte und spricht beruhigend auf ihn ein. Mit jedem Ferientag traut sich der Hund näher an den Jungen heran und bald lässt er sich auch streicheln. Jacob ist überglücklich, denn der Hund scheint ihm zu vertrauen. Ganz allmählich wird Ronny, so nennt er den kleinen Hund, zum steten Begleiter. Als sich bis zum Ende der Ferien kein Besitzer meldet, darf Jacob den Hund Ronny sogar mit nach Hause nehmen. Erst zwei Monaten später kommt dieser Anruf von den Leuten, denen der Hund offensichtlich gehört. Erneut verliert Jacob seinen treusten Freund. Jacob weiss weder ein noch aus und ist völlig verzweifelt. Aber dann, ein paar Wochen später, steht der kleine schwarze Ronny plötzlich vor Jacobs Tür: Hunde sind klug und wissen ganz genau, wer sie lieb hat und wo sie hingehören.

Die Geschichte ist ganz nah an der Alltagswelt von Kindern. Jacobs Verzweiflung, seine grosse Trauer, das kennen die meisten Kinder in irgendeiner Form. Die Autorin fokussiert ihre Geschichte ganz stark auf die Beziehung zwischen Jacob und seinem Hund und lässt anderes bewusst weg. So wird Jacobs Kummer und sein eindrücklicher Weg aus der Trauer besonders gut nachvollziehbar. Und dass zu guter Letzt doch noch alles gut kommt, das tut selbst erwachsenen Lesenden gut. Die berührende Geschichte ist in kurze Leseportionen eingeteilt und eignet sich auch deshalb sehr gut zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Luv Frohde: Ein Hund für Jacob. Aus dem Norwegischen von Inge Wehrmann.Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18435-9

Rezension: Maria Riss

David Vliestra: Willy Bumm. Mission Goldtransport

18.06.2017 by

wiilyWilly ist neun Jahre alt und lebt im Wilden Westen. Er hat zwei Geschwister, Billy, der ältere Bruder, und Millie, die bereits verheiratet ist und in Reno lebt. Vor kurzem erst ist Grossmutter gestorben. Sie hat ihren drei Enkeln in einem Versteck unter den Dielen 120 Goldmünzen hinterlassen. Woher Oma einen solchen Haufen Gold hatte, das weiss niemand so genau. Auf jeden Fall muss nun jemand nach Reno reisen, um der älteren Schwester ihren Anteil zu bringen. Das Leben im Wilden Westen ist gefährlich und die Reise nach Reno dauert mindestens zwei Tage. Mama und Papa beschliessen, dass der kleine Willy reisen soll. Niemand wird schliesslich einen netten, kleinen Jungen überfallen. Weil Gold im Rucksack zu gefährlich wäre, näht Mama alle Goldmünzen schön ordentlich auf Willys Unterhemd, eine Münze neben die andere. Und gleich am nächsten Tag bringt Papa Willy zum Bahnhof. Die Liste der Ermahnungen und drohenden Gefahren ist lang, aber schliesslich sitzt Willy im Abteil und die Dampflock fährt los. Schon bald wird die Reise auch wirklich zu einem riesengrossen Abenteuer: Gesprengte Bahngeleise, ein Überfall auf die Postkutsche, ein Duell auf offener Strasse, ein goldgieriger Cowboy und ein einsamer, unendlich langer Ritt durch die dunkle Steppe. Willy bezwingt all diese Gefahren und kommt nach vielen Umwegen schliesslich heil und mit dem ganzen Gold bei seiner grossen Schwester an.
Willy ist einer, den man gleich zu Beginn der Geschichte ins Herz schliesst, lesend all seinen Abenteuern zu folgen, das macht ganz grossen Spass. Willy ist nicht nur überaus mutig, er hat auch ein weiches Herz, ganz so, wie es sich für einen richtigen «Westernhelden» gehört. Weil die Spannung gleich auf der ersten Seite beginnt, weil Willy ein so beherzter Held ist, und weil man zwischendurch auch immer wieder schmunzeln kann, eignet sich das Buch auch ganz besonders gut zum Vorlesen. Ein wunderbarer Lesespass für Kinder ab etwa 9 Jahren.

David Vliestra: Willy Bumm. Mission Goldtransport. Aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann. Rowohlt 2017. ISBN: 978 3 499 21778 4

Rezension: Maria Riss

 

 

 

 

 

Buch des Monats Mai 2017

04.05.2017 by

Davide Morosinotto: Die Mississippi-Bande.

missiDie Geschichte beginnt in den Südstaaten von Amerika und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Vier Kinder aus völlig verschiedenen Milieus haben in den Sümpfen heimlich eine Hütte gebaut und verbringen dort ihre ganze Freizeit. Beim Angeln passiert es: Sie fischen aus dem Fluss eine alte Dose mit drei Dollar drin. Die drei bestellen sich mit dem Geld beim Versandhauskatalog eine Pistole, mit passender Munition versteht sich. Als das Paket endlich eintrifft, finden sie darin aber bloss eine alte Uhr. Bald erfahren die vier, dass diese Uhr ein Vermögen wert ist, denn die Falschlieferung wird im ganzen Land gesucht. Wenn diese alte Uhr tatsächlich mehrere tausend Dollar wert ist, dann wollen die vier auch etwas davon abkriegen. Dafür muss man die Uhr aber in Chicago vorbeibringen. Also beschliessen die vier, nach Norden abzuhauen.
Diese Reise durch ganz Amerika wird für die Kinder abenteuerlich und gefährlich, zumal sie kaum Geld besitzen. Zuerst fahren sie in ihrem selbstgebauten Einbaum nach New Orleans, dann mit dem Raddampfer den Mississippi hoch, später als blinde Passagiere im Zug weiter gen Norden. Sie werden überfallen, fahren zum ersten Mal mit einem Tram, staunen über Automobile, erfahren, da der jüngste von allen schwarz ist, wie verbreitet der Rassismus in bestimmten Gegenden noch immer ist und erleben auch öfters, wie hilfsbereit Menschen sein können. Ja und am Schluss, nachdem sie sogar einen Mord aufgeklärt haben, da werden die vier doch tatsächlich steinreich.
Der italienische Autor Davide Morosinotto hat ein ganz wunderbares Abenteuerbuch geschrieben: Eine überaus packende Handlung mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen, schrägen Typen, fernen Schauplätzen und Hauptfiguren, deren Abenteuer man am liebsten selbst bestehen würde. Und vor allem am Anfang hat man beim Lesen das Gefühl, Huckleberry Finn tauche nächstens hinter einer Hausecke auf. Besonders faszinierend sind zudem die vielen Einblicke in das Leben jener Zeit: der technische Fortschritt, das schwierige Leben der Farmer, der für alle Beteiligten schreckliche Aufenthalt in einem Gefängnis. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, jede der Hauptfiguren berichtet von einem Teil der gefährlichen Reise. Dadurch wird die Verschiedenartigkeit der vier Abenteurer spürbar. Diese spannende Art von Road Movie wird Kinder und Jugendliche ab etwa 12 Jahren, Mädchen wie Jungen, mit Sicherheit begeistern. Das Buch eignet sich zudem dank der klaren Gliederung auch hervorragend zum Vorlesen.

Davide Morosinotto: Die Mississippi-Bande. Wie wir mit drei Dollar reich wurden. Aus dem Italienischen von Cornelia Panzacchi. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18455-8

Rezension: Maria Riss

 

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte

28.04.2017 by

Traxler_25491_MR.inddEddy zieht mit seiner Herde durch die Steppen Afrikas. Und weil Eddy ein noch so kleiner Elefant ist, darf er sogar manchmal auf den Schultern von Tante Adele reiten. Dann entdeckt die Herde eines Tages einen alten Elefantenbullen, dessen Stosszähne ausgerissen wurden. Eddy beschliesst für sich, dass er niemals gross werden will. Er will keine Stosszähne bekommen und später von Wilderern überfallen werden. In der Nacht schleicht er sich deshalb heimlich davon. Die Herde zieht nach einer langen vergeblichen Suche schliesslich ohne ihn weiter. Der kleine Eddy wird gefunden und in eine Elefantenstation gebracht. Hier in der Station hat es Eddy eigentlich gut, nur essen und wachsen, das will er unter keinen Umständen. Schliesslich wird ein alter Medizinmann gerufen, der kennt einen uralten Zauber, der gegen das Wachsen hilft. Aber ob das eine gute Lösung ist, einfach für immer klein zu bleiben?
Bücher mit zwar schönen Bildern, aber einer konstruierten, langweiligen Geschichte, gibt es momentan zuhauf in den Regalen der Buchhandlungen. Das Buch vom Elefanten Eddy hebt sich wohltuend davon ab. Hans Traxler hat einmal mehr ein Bilderbuch geschaffen, das diesen Namen wahrlich verdient. Im vorliegenden grossformatigen Band stimmt nicht nur der wirklich spannende Plot um ein ernsthaftes Thema, hier passen auch die Bilder ganz wunderbar zum Buchgeschehen. Ein eindrückliches Bilderbuch, das viele Kinder wohl einige Zeit zu ihrem Lieblingsbuch erklären werden. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Hans Traxler: Eddy, der Elefant, der lieber klein bleiben wollte. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25491-6

Rezension: Maria Riss

 

Anu Stohner: Die kleine Schusselhexe greift ein

28.04.2017 by

hexeWer die kleine Schusselhexe kennt, weiss, dass sie mit ihren 99 Jahren noch sehr jung ist, und dass sie vielleicht deshalb die Zauberreime ziemlich oft vermasselt. Nein, Sprüche behalten, das ist nicht ihre Stärke. Aber dafür ist die kleine Hexe mutig und hilfsbereit, das vor allem. Diesmal kommt ein ziemlich griesgrämiger Igel vorbei, der dringend Hilfe benötigt. Von weit her kommt dieser Igel, dort wo der Wald ganz dicht ist und sehr viele Waldtiere leben. Nun sind aber all diese Tiere in Gefahr, weil mitten durch den Wald eine Strasse gebaut wurde. Alle diese riesigen Autos sind einfach lebensgefährlich und einen Lärm machen die, dass es kaum mehr auszuhalten ist. Sogleich setzt sich die kleine Schusselhexe, zusammen mit ihrem blauen Hasen und dem Igel, auf ihren krummen Besen und zischt los. Sie wird von den vielen Waldtieren begeistert empfangen und beginnt auch sofort, einen passenden Zauberreim aufzusagen. Natürlich geht das zuerst einmal schief und auch der zweite Versuch bringt keinen Erfolg. Erst beim dritten Anlauf gelingt ihr ein wahrlich verrückter, aber wirksamer Zauber. Wohin um alles in der Welt die kleine Hexe die vielen Autos aber gezaubert hat, das soll hier noch nicht verraten werden.
Die kleine Schusselhexe ist eine Buchfigur, mit der sich wohl alle Kinder gut identifizieren können. Viele werden sie zudem schon aus den drei bereits erschienenen Bilderbüchern kennen. Der vorliegende Band ist als Vorlesebuch konzipiert, die einzelnen Kapitel haben alle einen eigenen kleinen Spannungsbogen, so dass sich die Lektüre gut unterbrechen lässt. Zusammen mit der kleinen Hexe passende Reimwörter zu suchen, das wird Kinder zusätzlich faszinieren. Die wunderbaren Farbbilder von Henrike Wilson helfen beim Imaginieren und ergänzen diese lustige und durchaus auch spannende Geschichte ganz wunderbar. Zum Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren. Zum Selberlesen ab 8 Jahren.

Anu Stohner: Die kleine Schusselhexe greift ein. Mit Bildern von Henrike Wilson. dtv, Reihe Hanser 2017. ISBN: 978-3-423-64030-5

Rezension: Maria Riss

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel

28.04.2017 by

maiDer bekannte Kinderbuchautor Manfred Mai erklärt in diesem Buch das Wichtigste aus den verschiedenen Weltreligionen. Er tut dies in einer einfachen Sprache und mithilfe einer sehr sinnvollen Gliederung. Diese lässt vor allem auch Vergleiche zu, weil die Beiträge über die 5 Religionen alle auf die gleiche Art und Weise strukturiert sind. So geht es bei allen Religionen um die Entstehung der Glaubensgemeinschaften, um wichtige Feste, um Rituale, Symbole und darum, was Tote im Jenseits erwartet. Natürlich werden die Religionen nicht umfassend vorgestellt, dies wäre auf den gut 150 Seiten gar nicht möglich. Kinder erhalten mit diesem Buch aber einen guten Überblick. Jugendliche werden mit dem Verstehen der Inhalte keine Probleme haben, für die meisten Kinder ist die Thematik aber zu komplex, als dass sie diese ganz alleine lesen und verstehen könnten. Gemeinsam mit andern Kindern, mit Eltern oder Lehrpersonen bietet es aber überaus wissenswerte Grundlagen und viel Gesprächsstoff. Das Buch will auch nicht nur informieren, es will Interesse wecken, will zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen Werte- und Moralvorstellungen führen und zu Gesprächen anregen. Für Kinder ab etwa 11 Jahren, für Jugendliche und Erwachsene.

Manfred Mai: Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder. Mit Illustrationen von Marine Ludin. Hanser 2017. ISBN: 978-3-446-25300-1

Rezension: Maria Riss

Ulf Stark/Eva Eriksson: Das grosse Fest im Häschenwald

28.04.2017 by

haseEndlich ist Frühling. Endlich kann die Kaninchenfamilie wieder hinaus, um frische Kräuter zu fressen und die warme Sonne zu geniessen. Im Frühling wachen nicht nur Tiere und Pflanzen auf, der Frühling weckt oft auch ganz besondere Gefühle. Dem Kaninchenmädchen Nina geht das nicht anders. Als sie den Kaninchenjungen Anton zum ersten Mal sieht, da klopft ihr Herz wie wild und es kitzelt im Bauch auf neue, wundersame Weise. Anton scheint es nicht anders zu ergehen, am liebsten würde er die ganze Zeit mit Nina zusammen sein. Das sieht Papa Kaninchen allerdings anders und gar nicht gern. Ein dahergelaufener Nichtsnutz ist doch dieser Anton, will ihm seine geliebte Tochter wegnehmen. Aber dann bricht ein schreckliches Unwetter aus, alle Kaninchen rennen um ihr Leben und finden schliesslich beim Hauswichtel Grantel Zuflucht. Als alle beisammen in der warmen Stube hocken, merken sie, dass ein Kaninchen fehlt: Anton ist verschwunden! Gleich machen sich alle auf die Suche und finden schliesslich das bewusstlose Kaninchen unter einem Dornenbusch. Anton wollte um alles in der Welt den geliebten Hut von Papa Kaninchen aus den Wassermassen retten. Es ist nicht nur dem Kräuterwissen des alten Hauswichtels zu verdanken, dass Anton wieder gesund wird. Es ist vor allem auch die Tatsache, dass Nina die ganze Zeit neben seinem Bett sitzt, dass sie ihm immer wieder versichert, wie gern sie ihn mag. Und so wird im Wald schon bald nicht nur Mittsommer, sondern auch eine grosse Hochzeit gefeiert.
Ulf Stark hat eine wunderbare Geschichte geschrieben, die sich zwar in einer sehr heilen Welt abspielt, die aber in einer sehr treffenden Sprache von wesentlichen menschlichen Gefühlen erzählt: Von der Liebe natürlich, aber auch vom Loslassen, vom Abschied nehmen, von Mut und gegenseitigem Respekt. Der spannende Plot und die zarten, aussagekräftigen Bilder von Eva Eriksson tragen dazu bei, dass Kinder diese Geschichte mit Sicherheit lieben werden. Und zwischendurch tut ein bisschen heile Wald-Welt doch auch einfach gut. Die Geschichte ist in kurze Kapitel gegliedert und eignet sich auch deshalb hervorragend zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Ulf Stark/Eva Eriksson: Das grosse Fest im Häschenwald. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Oetinger 2017. ISBN: 978-3-7891-0491-6

Rezension: Maria Riss

Frank Cottrell Boyce: Broccoli-Boy rettet die Welt

28.04.2017 by

boyRory ist etwa 11 Jahre alt. Er weiss ziemlich viel, ist aber mit Abstand der Kleinste in der Klasse. Kleine werden gehänselt, übersehen und Kleine, die obendrein noch so klug sind, die haben schon gar keine Chance. Rory wird von den andern Jungs täglich fertig gemacht, vor allem im Sportunterricht und in den Pausen. Und dann geht es auf Klassenreise. Einmal mehr wird Rory gehänselt und geschupst und fällt gar in den kalten Bergbach. Als Rory tropfnass aus den eisigen Fluten steigt, verschlägt es der ganzen Klasse schlicht die Sprache: Rory ist grün. Überall. Grün wie ein Broccoli. Der durch und durch grün gefärbte Rory landet als medizinische Sensation auf der Isolierstation eines Krankenhauses. Erst nach drei Tagen entdeckt er einen zweiten Patienten auf der Station: Es ist Tommy-Lee, der Oberfiesling aus seiner Klasse. Auch dessen Hautfarbe schimmert in den wunderbarsten Grüntönen. Sind die beiden vielleicht zu Superhelden mutiert? Um das herauszufinden, stürzen sie sich nun Nacht für Nacht mit dem Fensterputz-Aufzug in die wildesten Abenteuer und machen halb London unsicher. Wie diese verrückte Geschichte, immer haarscharf an der Grenze zwischen Möglichem und Fantasy, schliesslich doch noch gut endet, dies nachzulesen ist nicht nur spannend, sondern macht auch einfach gute Laune.
Es ist fürwahr eine Kunst, ein solch aberwitziges Buch zu schreiben, ohne dass die Geschichte oberflächlich oder wie ein dummer Gag wirkt. Der Autor schafft es mit diesen zwei Figuren, die sich durch diese ungewöhnlichen Umstände stark verändern und entwickeln, Leserinnen und Leser auch immer wieder zu berühren. Und ein bisschen Weisheit steckt zusätzlich drin, wenn Rory sich beispielsweise überlegt, ob es reicht, einfach an sich selber zu glauben, um plötzlich stark zu werden, nicht nur körperlich, sondern auch in der Art, wie man gegenüber andern Menschen auftritt. Die turbulente Geschichte wird viele Kinder, vor allem auch Jungen, ab etwa 12 Jahren faszinieren.

Frank Cotrell Boyce: Broccoli-Boy rettet die Welt . Aus dem Englischen von Salah Naoura. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55363-8

Rezension: Maria Riss