Archive for the ‘ 08 Vorlesebücher ’ Category

Arnold Lobel: Das grosse Buch von Frosch und Kröte

20.04.2018 by

 

froschFrosch und Kröte sind grundverschieden – und die besten Freunde. Sie leben in einer Welt, in der es ausser ihnen beiden nicht viel zu geben scheint, doch das ist auch gar nicht so wichtig, denn sie haben ja sich. Gemeinsam erleben sie die grossen und kleinen Abenteuer des Alltags, stets geht es dabei um die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Um die Kunst der Freundschaft, den anderen bedingungslos so zu nehmen, wie er ist; um Ängste, die man nur gemeinsam überwinden kann; um selbstlose Dienste im Sinne der Freundschaft, um Verständnis füreinander – und auch um verlorenen Knöpfe, komische aussehende Badeanzüge, schmelzende Eiskrem in der Sonne und Samen, die Angst vor dem Wachsen haben.

«Das grosse Buch von Frosch und Kröte» ist wirklich ein grosses Buch. Schon der erste Eindruck des Sammelbands mit Leinenrücken und Lesebändchen überzeugt grosse und kleine Bücherliebende. Schlägt man den Klassiker der amerikanischen Kinderliteratur dann auf, wird man nicht enttäuscht. In kurzen Sätzen werden vielschichtige Geschichten erzählt, die der Autor selbst nicht treffender hätte illustrieren können. Mit reduzierter Einfachheit in Text und Bild, leicht und heiter, kommt das Buch auf den ersten Blick daher und ist doch überhaupt nicht banal. Jede der insgesamt 20 Geschichten, die uns durch die vier Jahreszeiten mit Frosch und Kröte führen, hebt sich durch die liebenswerten Hauptfiguren, den einfachen und doch so wunderbar gestalteten Text und die sorgfältige Gestaltung von gängigen Erstlesebüchern ab und ist doch gerade für diese Zielgruppe bestens geeignet. Die kurzen, in sich abgeschlossenen Geschichten eignen sich wunderbar für den Wechsel von Vor- und Selberlesen, zum Geniessen für beide Seiten, denn auch Erwachsene haben mit diesem Buch Stoff zum Schmunzeln und Nachdenken, genauso wie jüngere Kinder beim Zuhören. Zum Vorlesen geeignet für Kinder ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab 7 Jahren, zum Geniessen für alle Altersstufen.

Arnold Lobel: Das grosse Buch von Frosch und Kröte. Aus dem amerikanischen Englisch von Tilde Michels. dtv 2018. ISBN: 978-3-423-76195-6

Rezension: Franziska Weber

Vorlesetag 2018

20.04.2018 by

alves_doettingenAm Mittwoch, den 23. Mai findet der erste Schweizerische Vorlesetag statt.

Das Zentrum Lesen hat für diesen Tag eine vielseitige Empfehlungsliste mit besondern und wunderbaren Vorlesebüchern für alle Stufen der Volksschule zusammengestellt.
Empfehlungen Vorlesebücher

Am 23. Mai lädt die Pädagogische Hochschule der FHNW  zudem Lehrpersonen, Studierende, interessierte Erwachsene sowie Kinder herzlich zu einem Vorlesenachmittag ein. Im Zentrum des Nachmittags stehen das Vorlesen, Lesen und Geniessen von Texten und Geschichten. Im Campus verteilt gibt es Inputs, Workshops und verschiedene Vorleseaktionen. Abgerundet wird der Nachmittag mit einem Apéro und einer Autorenlesung mit dem Schweizer Kinderbuchautor Sunil Mann.
Vorlesetag am Campus

Marieke Smithuis: Lotte und Rose

19.03.2018 by

lotteLotte und Rose sind Geschwister. Und da beide noch ziemlich klein sind, gestaltet sich das Familienleben oft sehr turbulent. In einzelnen, in sich abgeschlossenen Kapiteln erzählt die Autorin von den kleinen und manchmal abenteuerlichen Ereignissen im Alltag der beiden. Da wird etwa berichtet, wie Lotte, die jüngere der beiden, heimlich Katzenfutter isst und wie übel es ihr danach geht. Oder wie sich die beiden im dichten Wald verlaufen. Immer wieder spielen Tiere eine grosse Rolle, als sich die Lotta über ihre Kopfläuse freut beispielsweise, sie mag einfach alle Tiere so gern! Besonders spannend wird es, als eine Familie mit zwei gleichaltrigen Jungs ins Nachbarhaus einzieht. Freundschaft auf den ersten Blick ist das wahrlich nicht, was in den folgenden Kapiteln passiert.
Dieser wunderbare Strauss an Geschichten eignet sich zum Vorlesen vor allem für kleinere Kinder. Dies, weil alle Geschichten etwa gleich umfangreich sind, weil man die beiden Protagonisten schon nach wenigen Seiten sehr gut kennt und ihnen in allen Kapiteln wieder begegnet, weil jede Geschichte einen eignen Spannungsbogen hat, der sich am Ende auflöst und weil die vielen wunderschönen Zeichnungen beim Verstehen helfen. Ein ideales Vorlesebuch für Kinder ab etwa 5 Jahren.

Marieke Smithuis: Lotte und Rose. Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik. Gerstenberg 2018. ISBN: 978-3-8369-5927-8

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats Dezember 2017

28.11.2017 by

ricoAndreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch
Rico sagt von sich, tiefbegabt zu sein. Sein bester Freund ist der hochbegabte Oskar. Beide wohnen nun an der Dieffe 93. Mama hat den Bühl, den nettesten Polizisten Berlins geheiratet und sie hat jetzt einen so dicken Bauch, als hätte sie einen Wasserball verschluckt und trägt sehr weite Klamotten wegen der Umstände. Es ist der 24. Dezember und Rico muss unbedingt zusammen mit Oskar nochmals zu Karstadt. Wegen den Geschenken. Seit einiger Zeit hat sich Ricos Tiefbegabung echt gebessert, er könnte, wenn es sein muss, auch ganz alleine zum Kaufhaus laufen und würde den Weg zurück wohl auch wieder finden. Aber mit Oskar macht Einkaufen sehr viel mehr Spass. Unterwegs kommen sie an einem Hinterhof vorbei, den beide möglichst ignorieren. Zu viele schöne und auch enttäuschende Erinnerungen kommen hoch. Die beiden kaufen also ihre Geschenke und kämpfen sich durch den hohen Schnee heim. Aber Rico lassen die Erinnerungen an den Sommer im Hinterhof nicht mehr los, und er erzählt sie seinen Leserinnen und Lesern nach und nach. Unterdessen tobt draussen ein richtig heftiger Schneesturm. Niemand traut sich mehr raus. Auch an der Dieffe 93 geht so ziemlich alles drunter und drüber und keiner weiss, wie dieser verrückte Tag noch enden wird. Plötzlich stehen da auch frühere Freunde vom Hinterhof vor der Tür und die wieder wegzuschicken, das geht bei diesem Wetter beim besten Willen nicht.  Rico und Oskar, die helfen fleissig mit am Wirbeln und am Hochhergehen und zu guter Letzt, da gibt es zwei riesengrosse Überraschungen, so richtig Vomhimmelhoch, mit denen wirklich an diesem Abend niemand gerechnet hätte.
Wer gute Laune braucht, nehme dieses Buch zur Hand. Ganz egal, wie alt man ist. Man spürt schier in jeder Zeile, wie viel Spass der Autor am Schreiben hatte und genauso geht es den Leserinnen und Lesern. Man geniesst jedes einzelne Wort, fiebert mit und lacht immer wieder zwischendurch. Und dann kommt dieses wunderfantastische Ende, das man sich genauso erträumt hat. Andreas Steinhöfel ist ein wunderbar einfühlsamer Beobachter, ein Sprachkünstler, ein in jeder Beziehung begnadeter Erzähler. Er hat seiner grossen Leserschaft mit diesem Buch ein einmalig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch. Mit Illustrationen von Peter Schössow. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55665-3

Rezension: Maria Riss

Fette Beute. Wilde Geschichten von Räubern und Banditen

18.11.2017 by

räuberDie meisten Kinder lieben Räubergeschichten. Das klingt doch schon von weitem nach Spannung und Abenteuer! Natürlich sind die Räuber in Kindergeschichten nicht ganz so gefährlich und die meisten haben eigentlich ein gutes Herz unter der rauen Schale. Im Buch gibt es eine bunte Auswahl an Geschichten namhafter Autorinnen und Autoren. Da wird von räuberischen Füchsen erzählt, die ihren Opfern, den Gänsen, zu guter Letzt gar das Fliegen beibringen, da wird von Kapitän Seekrank und dem blinden Räuber berichtet, die sich zum Räubern zusammentun, aber auf keinen grünen Zweig kommen und schliesslich gemeinsam eine Waldkneipe eröffnen. Und da gibt es in sich abgeschlossene Auszüge aus den Büchern vom Räuber Hotzenplotz und von Ronja Räubertochter, die Lust machen, mehr von diesen Figuren zu erfahren.
Alle neun Geschichten sind spannend, oft lustig und alle etwa gleich lang. Die zahlreichen, farbintensiven Bilder machen die Lektüre zusätzlich lohnenswert und helfen vor allem kleineren Kindern beim Verstehen. Ein sehr tolles Lese- und Vorlesebuch für Kinder ab etwa 8 Jahren.
Das Buch ist in leicht gekürzter Fassung auch als Hörbuch erhältlich.

Fette Beute. Wilde Geschichten von Räubern und Banditen. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18477-9

Rezension: Maria Riss

Friedbert Stohner: Ein Rentier kommt selten allein. Unser Jahr mit dem Weihnachtsmann

18.11.2017 by

rentierAlles beginnt damit, dass es Ende Dezember bei Familie Wetekamp klingelt und ein riesengrosser Mann im roten Mantel hereinpoltert, sich an den Frühstücktisch setzt und gleich nach einem Schokohörnchen greift. «Ich bin der Weihnachtsmann», stellt sich der Mann vor, «und ich werde ein Jahr lang bei Ihnen wohnen. Bitte fahren sie doch das Auto aus der Garage, damit ich meinen Schlitten versorgen kann, die Rentiere habe ich bereits in ihrem Garten untergebracht.» Sagt’s und lässt sich sein Hörnchen schmecken. Familie Wetekamp hat es schlicht die Sprache verschlagen, aber sie gehorchen. Schliesslich sitzt der Weihnachtsmann am Tisch und alles sei von den Herrschaften im himmlischen Weihnachtsamt so bestimmt, behauptet der Mann im roten Mantel. Ja, dieses Jahr werden Mama, Papa, der kleine Lars und Lena, die alles aufgeschrieben hat, nicht so schnell vergessen. Es passieren so viele, schier unglaubliche Dinge. Onkel Klaus, als den gibt die Familieden Weihnachtsmann gegenüber den Nachbarn aus, sorgt mit seinen verrückten Einfällen und seinem doch recht anspruchsvollen Benehmen immer wieder für Aufregung. Da ist beispielsweise die Hauptversammlung der siebentausendsiebenhundertvier Weihnachtswichtel, die im Wohnzimmer der Wedekamps stattfindet (Gottlob werden solche Wichtel nicht grösser als drei Zentimeter) oder die anfangs heimlichen Treffen des Weihnachtsmanns mit der Nachbarin, in die er sich verguckt hat. Aber Familie Wetekamp hält durch, Monat für Monat, sonst gäbe es ja im kommenden Jahr kein Weihnachtsfest. Und als nach einem Jahr endlich wieder Ruhe einkehrt, hoffen alle vier auf ein Wiedersehen mit diesem schrägen alten Herrn und das hoffentlich bald.
Friedbert Stohner hat es verstanden, mit einer leicht verständlichen, aber doch so treffenden Sprache bei den Lesenden ganz wunderbare Bilder entstehen zu lassen. Man sieht ihn immer wieder vor sich, diesen störrischen und doch so liebenswerten alten Mann. Und gespannt wartet man auf sein nächstes verrücktes Vorhaben im Hause Wetekamp. Gute Weihnachtsgeschichten zu finden, das ist nicht unbedingt einfach. Dieses Buch ist aber ein wirklich lesenswerter Fund. Das wunderschön gestaltete Buch ist in 12 Monats-Kapitel aufgeteilt und eignet sich auch deshalb sehr gut zum Vorlesen. Für Kinder ab etwa 7 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 9.

Friedbert Stohner: Ein Rentier kommt selten allein. Unser Jahr mit dem Weihnachtsmann. Mit Bildern von Katrin Engelking. dtv 2017. ISBN: 978-3-423-64034-3

Rezension: Maria Riss

Tom Fletcher: Der Weihnachtosaurus

18.11.2017 by

weihnaHoch oben im Norden entdecken ein paar Weihnachtswichtel ein seltsames, riesiges Ei. Der Weihnachtsmann ist genauso fasziniert davon wie seine Mitarbeiter. Und so wird dieses Riesenei ausgebrütet. Alle kommen aus dem Staunen fast nicht mehr heraus, als ein kleiner, wunderschöner Dinosaurier ausschlüpft. Zur gleichen Zeit gibt es in einer kleinen Stadt einen Jungen namens William. William interessiert sich nur für ein Thema: Dinosaurier. Und zu Weihnachten wünscht er sich nichts sehnlicher, als einen lebendigen Dino. Natürlich weiss er, dass dieser Wunsch niemals in Erfüllung gehen wird. William hat es momentan nicht eben leicht. In der Schule wird er seit kurzem gehänselt und drangsaliert, dies vor alles deshalb, weil William seit einem schweren Unfall im Rollstuhl sitzt. An Weihnachten passieren Wunder und in diesem Jahr ein ganz besonders grosses. Mitten in der Nacht erwacht William, weil ein mittlerweile recht grosser Saurier in seinem Zimmer herumwuselt. Die beiden schauen sich an und sie werden Freunde, das spüren beide vom ersten Moment an. In dieser Nacht erleben die beiden noch einige Abenteuer und Überraschungen, ganz so, wie es sich für eine Zeit der Wunder gehört.
Der Weihnachtosaurus ist Tom Fletschers erstes Kinderbuch und er hat darin schier alles verpackt, was die meisten Kinder lieben: Dinos, Weihnachten, Wunder, einen bösen Jäger (der den Dino erschiessen will), eine kleine Liebesgeschichte und ganz viel Magie, Zauberei und aberwitzige Ereignisse. Und zu guter Letzt wird alles gut. Die Bösen werden bestraft und den Guten werden alle Wünsche erfüllt. Das Buch ist spannend und unterhaltend und voll von unvorhersehbaren Wendungen. Ein Lesespass für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Tom Fletcher: Der Weihnachtosaurus. Aus dem Englischen von Franziska Gehm. cbt 2017. ISBN: 978-3-570-16499-0

Rezension: Maria Riss

Paul Maar: Das Sams feiert Weihnachten

18.11.2017 by

samsDie Geschichte spielt in der Zeit, als der noch unverheiratete Herr Taschenbier und das Sams in der Wohnung neben Frau Rotkohl hausten. Weihnachten kommt näher und das Sams ist schon schrecklich aufgeregt. Zuerst braucht es aber etwas Wärmeres zum Anziehen, schliesslich liegt Schnee draussen. Im grossen Kaufhaus werden die beiden schliesslich fündig: Ein Bärenkostüm, das ist genau richtig. Klar, dass das Sams in jedem weiteren Kapitel für grosse Aufregung sorgt, sei es als verkleideter Nikolaus, sei es beim «Guezli» backen (die man einfach nicht mit Wurstgeschmack hinbekommt) oder dann, als es zum grossen Fest ein paar weitere kleine Sams in Herr Taschenbiers Wohnung einlädt.
Sams-Liebhaber werden diesen neuen Band mit Sicherheit geniessen, er ist vom Stil und der Handlung her genauso geschrieben, wie man es aus den vielen andern Büchern kennt. Die Geschichte ist in abgeschlossene Kapitel unterteilt, so lässt sich die Lektüre auch immer wieder gut unterbrechen. Ein Lese- und Vorlesespass für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Paul Maar: Das Sams feiert Weihnachten. Oetinger 2017. ISBN: 978-3-7891-0816-7

Rezension: Maria Riss

Mårten Sandén/Lina Bodén: Schornsteinweihnachten

18.11.2017 by

schornMago, Stella und Issa sind aus dem Waisenhaus weggelaufen, weil sie ein richtiges Daheim suchen. Mitten in der Nacht treffen sie am Bahnhof Stockholm ein. Kalt ist es und Hunger haben die drei auch. Da begegnen sie zum ersten Mal den Schornsteinkindern. Diese Kinder wohnen auf den Dächern der Stadt und nehmen die drei fürs Erste bei sich auf. Schon am nächsten Tag begegnen die Kinder geheimnisvollen Leuten in dieser Stadt. Da ist der alte Niklassen, der am Bahnhof bettelt und sein Gedächtnis verloren hat oder da gibt es diesen geldgierigen Spielzeughändler Stump, in dessen wunderbarem Laden niemals ein Kind zu sehen ist. Erst als drei Wichtel auf der Suche nach ihrem Chef den beschwerlichen und weiten Weg vom hohen Norden nach Stockholm geschafft haben, kommen die drei Kinder all diesen Geheimnissen langsam auf die Spur: Der alte Niklassen heisst eigentlich Niklas und der Spielzeughändler Stump, der hat früher als Oberwichtel für bei Niklas gearbeitet. Aber Stump war gierig und korrupt. Im letzten Jahr hat er den alten Niklas beim Flug über Stockholm aus dem Rentierschlitten geschubst. Mago, Stella und Issa sorgen zusammen mit den vielen Schornsteinkindern dafür, dass alles gut kommt, dass Niklas sich wieder erinnern kann und Weihnachten, wie in jedem Jahr zum schönsten Fest für alle Kinder wird. Und auch für Stella, Issa und Mago endet die Geschichte gut. Sie finden einen wunderbaren Ort, an dem sie bleiben können.
Dieses Buch richtet sich an Kinder und vielleicht auch an Erwachsene, die gerne träumen. Auch die Bilder drücken diese ganz speziell zarte, märchenhafte Stimmung aus. Es sind die geheimen Wünsche der Figuren, der Wechsel zwischen Realität und Phantasie, der besondere Zauber dieser Zeit rund um Weihnachten, die im Buch besonders gut zur Geltung kommen. Auch Leserinnen und Leser kommen nur langsam hinter die Geheimnisse des alten Niklassen, so bleibt die Geschichte spannend bis sich endlich, am Weihnachtsabend versteht sich, alles in Minne auflöst. Das Buch ist in 24 Kapitel gegliedert und mit wunderschönen farbigen Illustrationen versehen. Es eignet sich ganz besonders zum Vorlesen für Kinder ab etwa 8 Jahren.

Mårten Sandén/Lina Bodén: Schornsteinweihnachten. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Sauerländer 2017. ISBN: 978-3-7373-5475-2

Rezension: Maria Riss

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie

05.11.2017 by

charlieNiks und sein Vater Mahris leben in Riga. Sie reisen in den Sommerferien nach Deutschland, Mahris will endlich richtig gut Geld verdienen. Sie landen in Dortmund in einem heruntergekommen Wohnblock. Niks staunt, wie unterschiedlich hier die Menschen sind, sie scheinen aus der ganzen Welt zu kommen und kaum jemand spricht Deutsch. Gleich gegenüber ihrer Wohnung leben Russen. Mit Russen haben Niks und Mahris in ihrer Heimat nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Mahris findet nach ein paar Tagen endlich einen Job auf dem Bau und Niks, der ist ab sofort allein in dieser tristen Umgebung, fühlt sich einsam und hat Heimweh, das vor allem. Doch dann begegnet er Charlie. Der gehört zwar zu diesen Russen, aber Charlie ist so einer, der sich auskennt, der Niks einfach mitnimmt. Charlie muss man wegen seiner offenen Art und seinem verschmitzten Grinsen einfach gern haben. Niks und Charlie schliessen ganz schnell Freundschaft. Charlie zeigt Niks nicht nur, wie man sich in der Stadt zu Recht findet, er lernt ihm auch allerhand Tricks. Wie man sich unsichtbar machen kann oder wie man Dinge, die man gerne haben möchte, auch einfach mitgehen lassen kann. Niks lernt schnell und Niks ist gut. Nachdem sich Niks Vater auf der Baustelle so schwer verletzt, dass er ins Spital muss, verbringt Niks fast seine ganze Zeit mit Charlie. Dann taucht ein paar Tage später der Hausbesitzer auf, will die fällige Miete, aber die Blechdose mit dem Geld im Küchenschrank ist leer. Und es sind die Russen, die Niks aus der Patsche helfen und die ihn bald mitnehmen auf ihre geheimen Touren in der Nacht. Niks weiss, dass er Unrecht tut, aber er mag Charlie so sehr und es bleibt ihm ja gar nichts anderes übrig! Als sich die Dinge überstürzen und Niks in allergrösster Gefahr schwebt, da taucht er plötzlich auf, wie ein rettender Engel: Sein Vater Mahris, der seinen Sohn in die Arme schliesst und ihn aus diesem ganzen Schlamassel rausholt. Deutschland ist nichts für die beiden und sie packen sofort ihre Koffer. Auch die Russen hauen ab und mit ihnen Charlie. Charlie, der in so kurzer Zeit zum besten Freund wurde, den wird Niks vermissen, wohl sein ganzes Leben lang.
Tanya Lieske hat ein ganz wundervolles Buch geschrieben. Niks erzählt seine Geschichte mit so treffenden Worten und Sätzen, dass man beim Lesen ganz nah dabei ist, dass man selbst den Geruch im Treppenhaus zu riechen scheint. Es geht im Buch um Heimat, um Zusammenhalt, um Vorurteile und um Freundschaft. Berührend ist dieser Roman und sehr spannend zugleich, eine grossartige Mischung aus Krimi und darüber, was Freundschaft bedeuten kann. Das Buch sei Leserinnen und Lesern ab etwa 12 Jahren wärmstens empfohlen.

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie. Beltz 2017. ISBN: 978-3-407-82321-2

Rezension: Maria Riss