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Buch des Monats Juni 2018

08.06.2018 by

Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht
Emilia ist gerade mal 14 Jahre alt, als sie alleine und heimlich nach New York fliegt. Mithilfe einer der Kreditkarten ihres Papas war das kein so grosses Problem. Als sie spät abends ihr bereits bezahltes Appartement beziehen will, stellt sich heraus, dass es dieses Appartement gar nicht gibt. An der Adresse trifft sie nur Seth, einen etwa gleichaltrigen Jungen, und seine kleine Schwester Abby. Emilia steht also mit ihrem grossen Koffer wieder alleine auf der Strasse, müde ist sie und kalt ist ihr auch. Bei Jim, einem ziemlich bekifften und kaum mehr ansprechbaren Jungen, findet sie schliesslich Unterschlupf in einem Abbruchhaus. Diese Nacht wird ein einziger Albtraum, weil Emilia, immer so sehr auf Sauberkeit und Ordnung bedacht, in dieser völlig verdreckten Absteige kaum ein Auge schliessen kann. Am nächsten Morgen herrscht in ganz New York Alarmstimmung. Ein Wirbelsturm nähert sich der Stadt. Emilia wendet sich in ihrer Not an die beiden einzigen Menschen, mit denen sie schon einigermassen normal hatte sprechen können, an den Jungen Seth und seine Schwester Abby. Beide lassen Emilia und schliesslich auch Jim nach einigem Zögern in die Wohnung. Weil ihre Mutter für ein paar Tage verreist ist, haben sie Platz. Mit Emilias Kreditkarte lassen sich Vorräte einkaufen und die vier verschanzen sich in der Wohnung. Dann bricht der Sturm mit aller Kraft los, das Haus wackelt und bald gehen auch alle Lichter aus. Die vier müssen zusammenrücken, ob sie wollen oder nicht. So nah mit andern zusammen kann Emilia ihren Sauberkeits-Zwang nicht länger verheimlichen, und sie verrät jetzt auch den Grund ihrer Flucht nach New York: Ihr Vater, Schuldirektor an ihrer Schule, hatte mit einer Schülerin ein Verhältnis. Dies ist erst kürzlich durch die sozialen Medien ans Licht gekommen. Aber jetzt gilt es erstmal, diesen Hurrikan gemeinsam zu überleben. Alle vier wachsen in dieser Situation über sich hinaus. Und in den langen Gesprächen während der dunklen Sturmnächte lernt Emilia eine völlig neue Art von Freundschaft und Geborgenheit kennen. Und das tut unsagbar gut.
Anna Woltz hat einen in jeder Beziehung sehr spannenden Roman geschrieben. Da ist die äusserliche Spannung, dieser Hurrikan, der bei allen grosse Angst auslöst und der so viel Überlebenskunst, Solidarität und Ideenreichtum erfordert. Da ist aber auch die innere Spannung von Emilia, wie kann sie ihre Zwänge meistern, wie soll sie sich gegenüber ihren Eltern verhalten? Einfach wegzulaufen, das kann ja nicht die Lösung sein. Da hilft die grosse Anteilnahme der andern in diesem Hurrikan-Asyl, die zarten Zeichen einer ersten Liebe zu Seth, die Erkenntnis, dass sie selber sehr viel stärker ist, als sie es jemals vermutet hätte. «Hundert Stunden Nacht» ist ein Buch, das vor allem junge Mädchen mit Sicherheit begeistern wird, weil es so viele aktuelle Themen auf eine sehr spannende und doch auch humorvolle Weise anspricht. Für Lesende ab etwa 14 Jahren.

Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-58348-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Mai 2018

02.05.2018 by

superflashSalah Naoura: Superflashboy
Torben-Henrik ist ein ganz normaler, etwa 10-jähriger Junge. Vielleicht ein bisschen zu stark, vielleicht manchmal etwas gar tollpatschig und rein gar nicht musikalisch, was seine Familie sehr bedauert. Momentan ist Fasnacht und alle Kinder gehen verkleidet zur Schule. Klar, dass Torben-Henrik sich als Flashboy, seinem absolut liebsten Comichelden, verkleidet. Auf dem Heimweg passiert es: Eine schwarze Limousine hält, zwei Männer packen Torben-Henrik, schmeissen ihn ins Auto und brausen los, ab durch einen Tunnel nach Hero City. Dort wird er in einem total coolen Haus von einem Roboter-Kindermädchen in Empfang genommen. Wahnsinn: Hier in Hero City leben ausschliesslich Superheldinnen und Helden, Spiderman, Zorroboy und Catgirl geben sich da die Hand. Als plötzlich ein zweiter kleiner Flashboy, quasi eine Kopie von Torben-Henrik, zur Tür herein kommt wird klar, dass Torben-Henrik verwechselt wurde. Der richtige Flashboy ist sehr nett, vielleicht mit ein bisschen gar wenigen Muskeln ausgestattet, dafür ist er überaus musikalisch. Die beiden freunden sich an und beschliessen, ihre Rollen zu tauschen. So übersiedelt der richtige Flashboy in Torben Henriks langweilige Normalfamilie und Torben-Henrik bleibt in Hero City. Klar, dass es an beiden Orten zu kniffligen, völlig absurden Situationen kommt, klar, dass nach ein paar Tagen beide doch irgendwie froh sind, wieder in ihre eigene Welt zurückkehren zu können.
Auf eine solch einmalig gute Idee für ein Buch zu kommen, das kann wohl fast nur Salah Naoura. In diesem Buch ist alles vereint, was gute Geschichten ausmacht und Kinder werden mit Sicherheit begeistert sein. Die Ereignisse in beiden Welten überschlagen sich und  sind einfach so phantasievoll und komisch, dass auch erwachsene Vorleserinnen und Vorleser  wohl immer wieder lachen müssen. Der Autor erzählt diese turbulente Geschichte in kurzen Kapiteln und mit einem schelmischen Augenzwinkern. Ergänzt wird das spannende Geschehen mit  vielen tollen Bildern von Kai Schlütter. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Salah Naoura: Superflashboy. Rowohlt 2018. ISBN: 978-3-499-21799-9

 

Buch des Monats April 2018

02.04.2018 by

familieGerda Raidt: Meine ganze Familie
Was den Urmenschen und mich verbindet
Das vorliegende Sachbuch widmet sich der Geschichte der Menschen und wie wir alle eigentlich auf irgendeine Weise miteinander verwandt sind. Ein grosser Stammbaum findet sich gleich auf der zweiten Doppelseite, schon da wird deutlich, wie viele Leute zur eigenen Familie gehören können und wie gross das Wirrwarr wird, je weiter man in der Vergangenheit zurückgeht. Die Grosseltern kennt man ja in aller Regel noch, aber wie ist das mit den Ururgrosseltern? Und vielleicht ist es ja so, dass man die eigenen schwarzen Locken irgendeiner Urgrosstante aus Südafrika zu verdanken hat oder das Talent zum Lernen von Sprachen dem Grossonkel, der ein berühmter Sprachwissenschaftler war. Auf jeden Fall haben alle Menschen ihre Wurzeln in der Vergangenheit und diese Vergangenheit bestimmt unser Leben in der Gegenwart. Junge Leserinnen und Leser wiederum werden die Zukunft und unsere Nachfahren bestimmen, mit diesem Thema befasst sich der letzte Abschnitt des so übersichtlich gestalteten Buchs.
Das grossformatige, sehr gut verständliche Sachbilderbuch lädt zum Verweilen, zum Nachdenken und vielleicht auch zum Nachforschen ein: Ein bisschen Ahnenforschung, ein bisschen Philosophie und ein Nachdenken darüber, dass Menschen zwar sehr verschieden sein können, aber dass uns auch, weil wir alle Teil der Geschichte sind, vieles verbindet. Die wunderbar farbigen, eindrücklichen und detailreichen Bilder helfen, dass bereits jüngere Kinder sich das alles besser vorstellen können. Ein Bilderbuch, das in viele Kinderzimmer und unbedingt in jede Bibliothek gehört. Für Kinder ab etwa 7 Jahren.

Gerda Raidt: Meine ganze Familie.Was den Urmenschen und mich verbindet. Beltz 2018. ISBN: 978-3-407-82343-4

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats März 2018

01.03.2018 by

meerLauren Wolk: Eine Insel zwischen Himmel und Meer
Die Geschichte spielt im Jahr 1925 auf den Elisabeth-Inseln vor der Küste Massachusetts.
Vor fast zwölf Jahren, als der alte Osh am Meer stand, entdeckte er ein kleines Boot vor der Küste. Erst beim Näherkommen sah er das kleine Baby darin, fest und warm eingepackt, aber mutterseelenallein. Er nannte das kleine Mädchen Crow. Seither leben die beiden zusammen auf dieser kleinen abgeschiedenen Insel, in einer einfachen Hütte, aber im Einklang mit der Natur. Crow fehlt es an nichts, sie ist glücklich und liebt den alten Osh über alles. Auch Miss Maggie, eine nette Frau von der Nachbarinsel, kümmert sich um Crow, bringt ihr das Lesen und Schreiben bei und eine ganze Menge über Heilkräuter und den Umgang mit Tieren. Als Crow etwa 12 Jahre ist, beginnt sie mit den Fragen: Sie will wissen, woher sie kommt, will herausfinden, wer ihre Eltern sind und weshalb sie in einem alten Kahn ausgesetzt wurde. Osh hat zwar grosse Angst, seine geliebte Pflegetochter zu verlieren, aber er versteht ihren Wunsch und hilft bei der Suche, wo er nur kann. Die Nachforschungen erweisen sich nicht nur als abenteuerlich, sondern auch als gefährlich. Was am Schluss zur Gewissheit wird, macht eher traurig, denn niemand aus Crows Familie ist noch am Leben. Trotzdem war die Suche wertvoll, weil Crow dabei gelernt hat, was im Leben wirklich wichtig ist. Und dass man mit liebevollen Menschen an seiner Seite, auch sehr schwierige Dinge überstehen kann.
Die Geschichte begeistert vor allem durch die so gelungene Beschreibung der Figuren und deren warmherzige, feinfühlige Beziehung zueinander.  In einer wundervoll umsichtigen Sprache erzählt die Autorin von Crows Suche nach ihrer Identität, aber auch vom kargen und einfachen Leben in dieser unwirtlichen Gegend. Dies beeindruckt und berührt gleichermassen.  Leserinnen und Leser erhalten zudem einen Einblick in das Leben  jener Zeit und erfahren einen Teil der amerikanischen Geschichte, den kaum jemand kennt. Ein spannendes, anspruchsvolles und wunderbar stilles Buch, dessen Figuren und auch die Handlung lange nachhallen. Für Jugendliche.

Lauren Wolk: Eine Insel zwischen Himmel und Meer. Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. dtv Reihe Hanser 2018. ISBN: 978-3-423-64035-0

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats Februar 2018

01.02.2018 by

schnarch 1Julian Gough, Jim Field: Rotzhase & Schnarchnase – Möhrenklau im Bärenbau
Es ist Winter. Hase hat Hunger, einen Riesenhunger und es ist nur noch eine verschrumpelte Möhre in seinem Speiseversteck übrig. Aber um die Ecke, da wohnt doch Bärin, dort gibt es eine übervolle Speisekammer. Bärin schläft ja, denkt Hase und bedient sich. Aber Bärin erwacht und Bärin freut sich so über den Schnee, dass sie den Möhrenklau gar nicht bemerkt. Mit so viel Schnee, da kann man einen Schneemann bauen. Bärin stellt sich allerdings ziemlich ungeschickt an. Hase hilft und fühlt sich sehr schlau dabei. Überhaupt ist Hase der Meinung, Bärin sei ja überaus nett, aber schon ein bisschen zurückgeblieben. Hase wäre wohl immer noch dieser Meinung, wenn ihn am Nachmittag nicht ein hungriger Wolf verfolgt hätte. Bärin allein ist es zu verdanken, dass Hase auch an diesem Abend noch lebend in seinen Bau kriechen kann.
Dieses wunderschön gestaltete Buch besticht in vielerlei Hinsicht. Da sind einmal diese zwei so unterschiedlichen Figuren, die liebenswürdige, vielleicht etwas naive Bärin und der eher hinterhältige, vielleicht etwas schlauere Hase, die man beide nach der Lektüre zu kennen glaubt. Da sind die stimmungsvollen und aussagestarken Bilder und diese spannende Geschichte, die in treffenden Worten und knappen Sätzen erzählt wird. Pro Seite steht nebst einem Bild oft nur ein einziger Satz, dafür hat das Buch über hundert Seiten. Die meisten Kinder, die das Lesen gerade lernen, werden begeistert sein: Sie halten ein richtig umfangreiches Buch in Händen und können sich nach der Lektüre richtig stolz fühlen. Von der Gestaltung, Aufmachung und der Geschichte her hebt sich das Buch überaus wohltuend von all den gängigen Erstlesereihen ab.
Julian Gough, Jim Field: Rotzhase & Schnarchnase – Möhrenklau im Bärenbau – Band 1. Magellan 2018. ISBN 978-3-7348-2820-1

Rezension: Maria Riss

schnarch 2Bereits ist auch der 2. Band erschienen. Diesmal geht es um den ständigen Lärm im Wald. Hase verträgt den gar nicht und wird noch übellauniger, als er es sonst schon ist.

Buch des Monats Januar 2018

16.01.2018 by

weisszeitDort, wo die 16-jährige Vega wohnt, ist nicht nur die Landschaft karg, sondern auch die Menschen. Geld hat keiner, es sind Bauern, Fischer und ein paar Schnapsbrenner, die in dieser gottverlassenen Gegend leben. Alles beginnt damit, dass eines Abends die Polizei anklopft und nach Vegas Bruder fragt. Jakob ist seit mehr als drei Tagen verschwunden. Das ist eigentlich nicht ungewöhnlich, nur geht Jakob dieses Mal nicht an sein Handy und auch sein bester Freund hat keine Ahnung, wo Jakob sich aufhält. Vega macht sich grosse Sorgen und beginnt, ihren Bruder zu suchen. Diesmal muss sie ganz alleine in den Wald, kein grosser Bruder ist an ihrer Seite. Immer tiefer gerät Vega nicht nur in die dichten Wälder, sondern kommt auch geheimen Machenschaften auf die Spur und realisiert, wie verstrickt die Lebensgeschichten der Leute im Dorf sind. Als sie Jakob schliesslich findet, ist dieser völlig verzweifelt. Er steht unter Mordverdacht. Nur gemeinsam können die beiden herausfinden, wer wirklich die Schuld am Tod des alten Hellmanns hat.
«Weisszeit» ist das erste Jugendbuch, des in Schweden mehrfach ausgezeichneten Krimiautors Christoffer Carlsson. Das Buch ist nicht nur überaus spannend, es besticht vor allem auch durch die ausdrucksstarke Schilderung dieser tristen Gegend und den vielen resignierten Menschen, die dort leben. Der Autor macht dies nicht mit langen Beschreibungen, sondern knapp und so treffend, dass beim Lesen beeindruckende Bilder entstehen. Vega deckt auf, erkennt Zusammenhänge und entwächst so auch ihrer Kindheit. In diesem Sinne ist das vorliegende Buch nicht nur ein Krimi, sondern auch eine Art Entwicklungsroman. «Weisszeit», diese stimmige und sehr spannende Lektüre, wird wohl viele Jugendliche ansprechen.

Christoffer Carlsson: Weisszeit. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Dressler 2017. ISBN: 978-3-7915-0059-1

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Dezember 2017

28.11.2017 by

ricoAndreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch
Rico sagt von sich, tiefbegabt zu sein. Sein bester Freund ist der hochbegabte Oskar. Beide wohnen nun an der Dieffe 93. Mama hat den Bühl, den nettesten Polizisten Berlins geheiratet und sie hat jetzt einen so dicken Bauch, als hätte sie einen Wasserball verschluckt und trägt sehr weite Klamotten wegen der Umstände. Es ist der 24. Dezember und Rico muss unbedingt zusammen mit Oskar nochmals zu Karstadt. Wegen den Geschenken. Seit einiger Zeit hat sich Ricos Tiefbegabung echt gebessert, er könnte, wenn es sein muss, auch ganz alleine zum Kaufhaus laufen und würde den Weg zurück wohl auch wieder finden. Aber mit Oskar macht Einkaufen sehr viel mehr Spass. Unterwegs kommen sie an einem Hinterhof vorbei, den beide möglichst ignorieren. Zu viele schöne und auch enttäuschende Erinnerungen kommen hoch. Die beiden kaufen also ihre Geschenke und kämpfen sich durch den hohen Schnee heim. Aber Rico lassen die Erinnerungen an den Sommer im Hinterhof nicht mehr los, und er erzählt sie seinen Leserinnen und Lesern nach und nach. Unterdessen tobt draussen ein richtig heftiger Schneesturm. Niemand traut sich mehr raus. Auch an der Dieffe 93 geht so ziemlich alles drunter und drüber und keiner weiss, wie dieser verrückte Tag noch enden wird. Plötzlich stehen da auch frühere Freunde vom Hinterhof vor der Tür und die wieder wegzuschicken, das geht bei diesem Wetter beim besten Willen nicht.  Rico und Oskar, die helfen fleissig mit am Wirbeln und am Hochhergehen und zu guter Letzt, da gibt es zwei riesengrosse Überraschungen, so richtig Vomhimmelhoch, mit denen wirklich an diesem Abend niemand gerechnet hätte.
Wer gute Laune braucht, nehme dieses Buch zur Hand. Ganz egal, wie alt man ist. Man spürt schier in jeder Zeile, wie viel Spass der Autor am Schreiben hatte und genauso geht es den Leserinnen und Lesern. Man geniesst jedes einzelne Wort, fiebert mit und lacht immer wieder zwischendurch. Und dann kommt dieses wunderfantastische Ende, das man sich genauso erträumt hat. Andreas Steinhöfel ist ein wunderbar einfühlsamer Beobachter, ein Sprachkünstler, ein in jeder Beziehung begnadeter Erzähler. Er hat seiner grossen Leserschaft mit diesem Buch ein einmalig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch. Mit Illustrationen von Peter Schössow. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55665-3

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats November 2017

31.10.2017 by

tiereKatharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere
Tiere haben sehr verschiedene Liebesweisen das ist uns zwar bekannt, aber was sich da genau abspielt, das wissen die wenigsten. Dass die Paarung beim Marienkäfer bis zu 18 Stunden dauern kann beispielsweise oder dass es bei Rennechsen gar keine Männchen gibt. Dass Straussenväter nicht nur eine Mulde ausbuddeln, in die alle Weibchen der Gruppe ihre Eier legen, sondern dass diese emanzipierten Männchen all diese Eier auch ausbrüten oder dass Mehlkäfer auch schon mal ihre männlichen Artgenossen begatten, weiss kaum jemand. Im Buch geht es um unterschiedlichste Verführungskünste, um die Paarung, die Entstehung und das Wachstum von Tierkindern und um die Geburt. Egal, auf welcher Seite man das Buch aufschlägt: Man kommt aus dem Staunen einfach nicht heraus! Der Text ist in kurze, leicht verständliche Leseportionen unterteilt, so dass man im Buch auch einfach ein bisschen Stöbern kann. Und immer wieder darf über die wunderbaren, klaren und aberwitzigen Illustrationen von Anke Kuhl gelacht werden. Wenn man beim Thema Liebe und Sex immer wieder schmunzeln, lachen und staunen kann, dann fallen meist auch Hemmungen weg.  Das Buch fordert geradezu heraus, Gelesenes weiter zu erzählen, kurze Abschnitte andern vorzulesen oder besonders eindrückliche Bilder gemeinsam zu betrachten. Katharina von der Gathen und Anke Kuhl, beide bestens bekannt durch das erfolgreiche Aufklärungsbuch «Klär mich auf», haben ein ganz wundervolles, lehrreiches und humorvolles Sachbuch für Kinder geschaffen. Es sei Kindern ab etwa 8 Jahren genauso empfohlen wie allen Erwachsenen und gehört unbedingt in jede Bibliothek.

Katharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere. Klett Kinderbuch 2017. ISBN: 978-3-95470-169-8

Rezension: Maria Riss

 

 

Buch des Monats Oktober 2017

09.10.2017 by

pinguinJory John, Lane Smith: Paule Pinguin allein am Pol

Das Wetter ist zu kalt, das Wasser salzig und zu nass. Alle Pinguine sehen gleich aus. Die Berge sind hoch und düster. Das Wetter zu kalt. «Und überhaupt, ich sehe schrecklich aus, kann nur watscheln und nicht mal fliegen», schwafelt Pinguin Paule vor sich hin. Da taucht ein Walross auf, tippt dem kleinen Pinguin auf die Schulter und hält ihm eine Predigt über die Schönheit des Lebens, die sich gewaschen hat. Und danach? Pinguin Paule sieht die Welt wirklich nicht mehr gar so düster und das Meer ist eigentlich schon ganz nett, die Berge auch und all diese Pinguine. Aber es ist immer noch zu kalt und zu früh dunkel wird es auch da am Südpol.
Pinguin Paule geht es so, wie wir uns alle an manchen Tagen fühlen. Da hilft gutes Zureden schon, aber eben nicht ganz so richtig. Dieses Bilderbuch besticht durch die grossartigen, auf ein absolutes Minimum reduzierten Bilder und durch die knappe Sprache des kleinen Protagonisten. Nur das Walross, das bekommt Zeit zum Reden und Quatschen und ganz so Unrecht hat es ja wirklich nicht. Das Bilderbuch wird schon ganz kleine Kinder ansprechen und zwar genauso, wie es Erwachsene gefallen kann, weil es so direkt am Alltag spielt, weil wir, egal wie alt wir sind, diese Jammergefühle nur zu gut kennen.

Jory John, Lane Smith: Paule Pinguin allein am Pol. Deutsch von Andreas Steinhöfel. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-51854-5

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats September 2017

01.09.2017 by

 

heidiAlexa Hennig von Lange: Mein Sommer als Heidi

Islas Mutter hat grosse Pläne. Sie will nach Ibiza reisen, dort eine kleine Finka mieten und dann ihre elfjährige Tochter nachholen. Ein neues Leben plant sie dort, will Muschelketten herstellen und an die vielen Touristen verkaufen. Ja, und bis in Ibiza alles geklärt ist, soll Isla bei ihrem alten Opa in den Bergen leben. Per Mitfahrzentrale geht es von Berlin in die Schweiz. Isla kennt ihren Opa überhaupt nicht und als sie da oben in der Berghütte ankommt, möchte sie am liebsten sofort wieder abhauen. Bei Opa gibt es immer nur Käse und Brot zu essen, zur Schule muss Isla ganz weit den Berg runter laufen, und Handyempfang gibt es in dieser armseligen Hütte auch nicht. Isla fühlt sich weggeschoben, im Stich gelassen und einsam. Trotz allem, Isla ist stärker als sie sich dies selbst je zugetraut hätte. Schon bald lernt sie nette Leute im Dorf kennen, allen voran den gleichaltrigen Peter, der ihr nicht nur endlich das Schwimmen beibringt. Auch Opa scheint mit jedem Tag zugänglicher zu werden. Ganz allmählich fühlt sich Isla bei diesen netten Schweizern fast ein bisschen daheim. Das ist gut so, denn ihre Mutter lässt sich in Ibiza Zeit und meldet sich über Wochen einfach nicht. In diesem Sommer lernt Isla nicht nur, wie man Geissen wieder sicher ins Tal bringt, sie lernt auch viel über sich selbst und kommt einem lang gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur.

Dieses Heidi-Sommerbuch ist überaus unterhaltsam, spannend, in einer  lockeren und doch präzisen Sprache geschrieben und voll von unerwarteten Wendungen. Es gibt wohl kaum einen Kinderroman, in dem die Gefühle und die Stimmungen eines Mädchens beim Beginn der Pubertät so treffend beschrieben sind. Das ständige Auf und Ab, die Faszination des andren Geschlechts, die dauernde Suche nach der eigenen Identität. Isla schafft all diese Wirrungen mit Bravour und am Ende dieses einmaligen Sommers hat sie ein gutes Stück an Einsicht und Selbstbewusstsein dazugewonnen. Ein Buch, dem man möglichst viele Leserinnen ab etwa 11 Jahren wünscht.

Alexa Hennig von Lange: Mein Sommer als Heidi. Thienemann 2017. ISBN: 978-3-522-18468-7

Rezension: Maria Riss