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Buch des Monats März 2017

02.03.2017 by

danielWesley King: Daniel is different
Daniel ist ein besonders kluger Schüler. Nur mit dem Rechnen hat er es nicht so, es gibt Zahlen, die ihm Angst machen, die Unglück bringen. Und der Sport, vor allem das Footballspielen, ist für Daniel eigentlich ein Albtraum, obwohl er in der Schulmannschaft mitspielt. Daniel ist anders und er läuft immer wieder Gefahr, von den andern ausgegrenzt zu werden. Aber er hat Gottlob einen Freund. Wenn der starke und bei allen beliebte Max an seiner Seite ist, kann ihm niemand was anhaben. Und dann findet er diesen seltsamen Zettel in seinem Schulrucksack: Ich brauche deine Hilfe. Ein anderes Sternenkind. Max ist verwirrt und muss sein abendliches Programm sofort ausbauen: Exakt 35-mal vom Bett ins Bad wandern, den Lichtschalter 120-mal betätigen, jede Hand mit zehn Rubbelbewegungen waschen und vieles mehr. Oft dauert sein Programm mehrere Stunden, bis er endlich einschlafen darf. Bald stellt sich heraus, dass dieser Zettel von Sara kam. Sara, die mit niemandem spricht. Sara, die stets nur mit einer Betreuerin in der Schule auftaucht. Aber Daniel wird von Sara angesprochen, sie bittet ihn um Hilfe, den Mörder ihres Vaters zu finden. Sara ist klug, Sara ist auch direkt und sie konfrontiert ihren neuen und bisher einzigen Freund mit seiner Krankheit. Daniel war bis dahin ein Meister darin, seine Zwangsstörung vor andern geheim zu halten. Sara hilft Daniel, endlich über seine Ängste zu reden. Daniel wiederum hilft seiner so ungewöhnlichen Freundin, dem mysteriösen Verschwinden ihres Vaters auf die Spur zu kommen. Dass sie dabei einbrechen, heimliche Tonaufnahmen machen und Überwachungen anstellen müssen, macht die Lektüre überaus spannend. Im Buch von Wesley King geht es nicht nur um das Tabu rund um Zwangsneurosen, es geht vor allem auch um Zivilcourage, um Freundschaft, um das «Über-sich-hinauswachsen». Der Autor litt als Jugendlicher selber unter Zwangsstörungen, dies ist sicherlich ein Grund, weshalb ihm die Beschreibung der Hauptfigur so überaus glaubhaft gelungen ist. Man versteht Daniel beim Lesen, leidet mit ihm mit, kann seine Ängste und Zwänge auch nachvollziehen. Dies alles ist verpackt in einen sehr spannenden und verzwickten Plot. Für Jugendliche ab etwa 13 Jahren.

Wesley King: Daniel is different. Aus dem Englischen von Claudia Max. Magellan, 2017. ISBN: 978 3 7348 4710-3

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats Februar 2017

01.02.2017 by

kondomDudrun Skretting: Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen
Anton ist 13 Jahre alt und seit jeher der Kleinste in der Klasse. Und abstehende, grosse Ohren, das hat er auch. Nicht gerade gute Voraussetzungen um in der Schule gross Eindruck machen zu können. Eines Tages, Anton flickt gerade seinen gerissenen Fahrradschlauch, bemerkt sein Vater mit einem Grinsen im Gesicht: «Gummis sind eben nicht immer reissfest.» Anton wird klar, dass er kein gewolltes Kind war, ein Kondomunfall quasi. Diese Tatsache bringt Anton dermassen ins Grübeln, dass seine Welt richtig in Schieflage gerät. Aber nicht nur er selber ist aus dem Takt, auch sein Papa macht einen unglücklichen Eindruck. Seit Mamas Tod hatte er nie mehr näheren Kontakt zu einer Frau. Anton ist überzeugt: Papa braucht dringend eine Abwechslung, sprich eine neue Frau. Da ist es gut, dass er Ine hat. Ine ist seine allerbeste Freundin, seit er denken kann. Die beiden machen sich also daran, für Antons Papa eine Frau zu finden. Das ist gar nicht so einfach: Was macht Menschen anziehend? Wie kann man sich verlieben? Es war dann schliesslich Ines Idee, Papa ausgerechnet für einen Strickkurs anzumelden. Ulla aus dem Strickkurs ist zwar nett, will aber am liebsten gleich einziehen und das Kommando übernehmen, das vor allem. Nein, so kommt das nicht gut. Wie das ganze Unterfangen schliesslich doch zu einem guten Ende findet, das sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Das alles nachzulesen macht nicht nur grossen Spass, man wird vielleicht sogar ein bisschen klüger dabei.
Gudrun Skretting ist eine norwegische Autorin und dies ihr erstes Kinderbuch. Bücher aus Norwegen sind oft etwas schräg. Das vorliegende Buch macht da keine Ausnahme. Es ist humorvoll, voll von unglaublichen Zufällen, spannend und doch auch überaus klug. Und wenn Ine und Anton über die Liebe diskutieren, wenn sie beide merken, wie wichtig sie füreinander sind, was Freundschaft ausmacht, dann ist das Buch stellenweise auch richtig weise. Der Text ist voll von passenden Metaphern, die muss man beim Lesen nicht unbedingt alle verstehen, es macht die Lektüre aber vielschichtiger, so dass auch geübte Leserinnen und Leser voll auf ihre Rechnung kommen. Ein Buch, das man gar nicht mehr weglegen mag für Kinder ab etwa 12 Jahren ebenso wie für Erwachsene.

Gudrun Skretting: Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Carlsen 2016. ISBN: 978-3-551-58370-3
Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Januar 2017

13.12.2016 by

omaPeter Schössow: Wo ist Oma?
Zu Besuch im Krankenhaus
Henry will mit seiner Babysitterin Gülsa seine Oma im Krankenhaus besuchen. Aber Gülsa hat ein neues Handy und sie hört einfach nicht auf zu telefonieren. Henry kennt das schon, das kann dauern. Also macht er sich selbst auf die Suche nach seiner Oma. Mensch, ist dieses Krankenhaus riesig! Henry probiert alle Türen aus, schreitet kilometerlange Korridore ab, trifft sehr viele nette Menschen, kommt in die unterschiedlichsten Abteilungen. Nur seine Oma, die findet er nicht. Weiter geht die Suche, von der Geburtenabteilung über den Flur vor dem Operationssaal, von einem Zimmer mit streitenden Männern zu einem Jungen ganz ohne Haare und zur Notfallstation, wo er Dakota aus der Kita begegnet, ausgerechnet. Dakota hat sich eine Bohne in die Nase gesteckt, die jetzt irgendwie wieder raus muss. Nur seine Oma, die findet Henry nicht. Und dann endlich, im riesigen Keller, trifft er den Hausmeister, der ihm weiterhilft. Und so kommt es, dass Henry, mitsamt seinem mittlerweile etwas kümmerlich aussehenden Blumenstrauss, endlich bei Oma ankommt. Natürlich ist auch Gülsa da und die heult, weil sie solche Angst um Henry hatte. Oma schimpft ihren Enkel zuerst aus und dann schliesst sie ihn ganz fest in den Arm. Allerdings nur in den einen Arm, der andere ist zugegipst.
Mit Henry durch dieses riesige Krankenhaus zu wuseln, das macht ganz grossen Spass. Obwohl das Thema so ernst ist, gelingt es dem grossen Meister der Illustrationen, das alles völlig undramatisch und doch realistisch darzustellen. Die Farben sind gedämpft, drücken die sterile Stimmung aus, die Menschen dafür sind umso farbiger. Henry begegnet einem richtigen Sammelsurium an unterschiedlichsten Leuten, Patienten, Besuchern und schier dem ganzen Personal. Peter Schössow malt nicht nur ganz wunderbare Bilder, es ist ihm auch sprachlich gelungen, das Leben in einem Gebäude, das man in aller Regel nicht gerne betritt, locker und leicht darzustellen. Eine wunderbare Mischung aus Erzählung und Sachbuch für Kinder ab dem Kindergartenalter.

Peter Schössow: Wo ist Oma? Zu Besuch im Krankenhaus. Hanser 2016. ISBN: 978-3-446-24952-3

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Dezember 2016

30.11.2016 by

niklasMatt Haig: Ein Junge namens Weihnacht
Nikolas lebt mit seinem Vater, einem mausarmen Holzfäller, hoch oben im Norden Finnlands. Die beiden sind dermassen arm, dass manchmal gar das Geld für eine wärmende Suppe fehlt. Da bricht der Vater auf, er will zusammen mit ein paar Männern einen Beweis finden, dass es im nördlichsten Zipfel des Landes tatsächlich Wichtel gibt. Der König hat einen hohen Geldpreis für einen solchen Beweis versprochen. Tante Carlotta soll unterdessen auf Nikolas aufpassen. Aber Tante Carlotta ist so schrecklich böse, dass Nikolas es einfach nicht mehr aushält und sich aufmacht, seinen Vater zu suchen. Hätte er sich unterwegs nicht ein Rentier zum Freund gemacht, er wäre mit Sicherheit in der eisigen Kälte erfroren und verhungert. Und dann, als er am Ende seiner Kräfte ist, als er eigentlich beschlossen hat, umzukehren, entdeckt er dieses wunderbare Leuchten am Himmel. Nikolas ist einer, der nicht nur an Wunder, sondern auch an das Gute glaubt, vielleicht auch deshalb kann er in der Ferne das Wichteldorf ausmachen. Die Wichtel nehmen den halb verhungerten Jungen zwar auf, geben ihm zu essen, stecken ihn aber sofort ins Gefängnis. Sie wollen keine Menschen hier haben, zu viel Schlechtes haben sie von ihnen gehört. Wie es Nikolas trotzdem gelingt, sich mit den Wichteln anzufreunden, wie er gar zum Wichtelvorsitzenden gewählt wird und zum Schluss zum ersten richtigen Weihnachtsmann, das ist einmalig spannend nachzulesen.
Selten ist wohl ein Weihnachtsbuch erschienen, bei dessen Lektüre man sich schon ab der ersten Seite so gut unterhalten kann. Matt Haig hat ein Buch geschrieben, das alle Kriterien für ein wirklich gutes Kinderbuch erfüllt: Eine überaus packende Handlung mit vielen unvorhersehbaren Wendungen, die richtige Prise Humor und einen Protagonisten, den man gleich zu Beginn schon ins Herz schliesst. Die Geschichte ist an manchen Stellen tiefsinnig und voll von wichtigen Wahrheiten, dann wiederum kann man beim Lesen herzhaft lachen. Die pointierten, ausdrucksstarken schwarzweissen Zeichnungen von Chris Mould oder die handschriftlichen Bestimmungen des Wichtelrates laden zusätzlich zum Schmunzeln ein. Ein wunderbares Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 10 Jahren und Erwachsene.

Matt Haig: Ein Junge namens Weihnacht. dtv Hardcover. ISBN: 978-3-423-28088-4

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats November 2016

14.11.2016 by

okJason Reynolds/Brendan Kiely: Nichts ist okay!

Rashad ist schwarz. Er soll, wenn es nach dem Willen seines Vaters geht, Offizier werden und dem Land dienen. Deshalb besucht er auch eine Schule, wo militärischer Drill dazugehört. Es ist Freitag, Rashad will den Abend mit seinen Freunden verbringen. Nur rasch noch eine Tüte Chips im Laden kaufen. Und da passiert es: Rashad stösst unabsichtlich mit einer Frau zusammen. Sekunden später steht ein Polizist mit Waffe vor ihm, beschuldigt Rashad wegen Diebstahls und schlägt ihn nieder. Schlägt immer weiter, zerrt den Jungen auf die Strasse, legt ihm Handschellen an und tritt ohne Unterlass auf ihn ein. Schreit und schlägt und hört einfach nicht auf. Erst im Krankenhaus kommt Rashad wieder zu sich. Und hier muss er die nächsten Tage auch bleiben, zu schwer sind seine Verletzungen. Quinn, ein weisser Junge, hat das alles gesehen. Hat beobachtet, wie brutal der weisse Polizist zugeschlagen hat. Hat mitbekommen, wie wehrlos Rashad am Boden lag. Aber Quinn kennt diesen Polizisten sehr gut, ein Nachbar, ein Freund der Familie. Kann er da wirklich als Zeuge aussagen? Ihn als Täter belasten? Gleichzeitig wird ein Video des Vorfalls in den Medien gezeigt und Rashads Freunde organisieren eine Demonstration gegen die Gewalt an schwarzen Jugendlichen. Alle Einwohner der Stadt müssen nun auf irgendeine Weise Stellung beziehen.
Rashad und Quinn erzählen ihre Geschichte, ihre Sichtweise, ihre Gedanken und Gefühle selber, abwechselnd, jeder aus seiner Perspektive. Zwei verschiedene Autoren haben diese Geschichte auch geschrieben: Jason Reynolds , ein dunkelhäutiger Afroamerikaner, schildert das Geschehen aus der Sicht von Rashad, Brendan Kiely, ein weisser Autor, erzählt aus der Perspektive von Quinn. Zwei Seiten kommen zu Wort, zwei Seiten einer Medaille werden Leserinnen und Leser aufgezeigt. Das Buch zeigt Jugendliche im moralischen Dilemma und macht den überaus grossen Druck nachvollziehbar, unter dem die Menschen in dieser amerikanischen Stadt leben. Die beiden Autoren haben den Opfern und Tätern der zahlreichen Zeitungsberichte Namen gegeben und lassen Lesende unmittelbar teilhaben. Ein eindringlich erzähltes Buch, das nachdenklich stimmt, dem man viele jugendliche und erwachsene Leserinnen und Leser wünscht.

Jason Reynolds/Brendan Kiely: Nichts ist okay! dtv: Reihe Hanser, 2016. ISBN: 978-3-423-65024-3

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Oktober 2016

03.10.2016 by

erdeAleksandra & Daniel Mizielinscy: Unter der Erde – Tief im Wasser

Kaum jemand weiss, wie es tief in der Erde oder unter dem Wasser aussieht, wie viele Mysterien es da gibt. Das Autorenteam lüftet viele dieser Geheimnisse auf sehr eindrückliche Art und Weise. Da gibt es Seiten, auf denen die so unterschiedlichen Wurzeln von Pflanzen und Bäumen gezeigt werden, da gibt es Bilder mit Höhlensystemen, wo man all die Begriffe für die verschiedenen Gesteinsformen lernen kann. Da gibt es Seiten, die von Bohrtürmen berichten, von Tiefseefischen, von U-Bahnen, von glühenden Lavamassen und unterirdischen Leitungssystemen. Das Bilderbuch ist grossformatig und lässt sich von zwei Seiten her durchblättern und das tun Kinder wie auch Erwachsene mit Sicherheit stundenlang. Es gibt so viel Neues, Unbekanntes zu entdecken und zu lernen. Und dies alles mithilfe von wunderbaren Illustrationen und einer ganz speziellen Schrift, die jede Seite zu einem kleinen Kunstwerk machen. Ein Buch, das wohl wirklich jedes Lesealter bedient: Ganz kleine Kinder werden es als besondere Art von Wimmelbuch nutzen und Details suchen, ältere Kinder und Erwachsene werden staunen und lernen. Alle werden sie fasziniert sein von der sorgfältigen Machart und dem wunderschönen Zusammenspiel von Text und Bild. Vom gleichen Autorenteam erschein bereits das vielfach ausgezeichnete Buch «Alle Welt», ein ebenfalls aussergewöhnlicher Atlas für Kinder.

Aleksandra & Daniel Mizielinscy: Unter der Erde · Tief im Wasser. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz Verlag, 2016. ISBN: 978 3 89565 330 8

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats September 2016

30.08.2016 by

index.phpUlf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon. Doch noch ein Fall!
Kommissar Gordon ist in Rente und ihm ist ganz schrecklich langweilig. Buffy, die Maus, ist nun Kommissarin und führt den Polizeiposten alleine. Sie ist null Jahre alt und macht ihre winzige Grösse mit viel Mut und Feingespür wett. Nachts aber, allein im grossen Polizeibett, hört sie ein verdächtiges Kratzen und Schlurfen rund ums Haus. Ach, wär doch der alte Gordon noch da, der wüsste, was zu tun ist! Auch am Tag darauf wäre Gordons Rat und Hilfe nötig: Zwei Kinder sind aus der Waldkita verschwunden. Hans, ein verträumter Eichhörnchenjunge und Karin, ein ziemlich wildes Kaninchenmädchen. Buffy beschliesst kurzerhand, den alten Gordon zu besuchen, vielleicht hat er ja doch ein bisschen Lust, ihr beim Lösen dieses kniffligen Falls behilflich zu sein. Selten hat sich jemand über einen Besuch so gefreut! Natürlich hilft Gordon, sicher finden die beiden die kleinen Ausreisser und selbstverständlich macht die ganze Polizeiarbeit zu zweit sehr viel mehr Spass. Und wer da in der Nacht um die Polizeistation geschlichen ist, das behält Gordon wohl besser für sich.

Auch die Geschichte im dritten Band von Kommissar Gordon ist einfach wunderbar, berührend, mit feinem Humor gespickt und spannend zugleich. Der alte Kommissar, der seine Arbeit so sehr liebt und Buffy, die meist mutige Maus, leben vor, was eine tragende Beziehung ausmacht. Gitte Spee hat das spannende Geschehen mit einmaligen Bildern eingefangen. Man sieht dem Kommissar mit seinen schweren Liedern an, dass er alt geworden ist. Gerade dies macht ihn aber so liebenswert und vertrauenerweckend. Maus Buffy ist das genaue Gegenteil der alten Kröte. Sie ist jung, übermütig und doch auch immer wieder dankbar, wenn der alte Gordon an ihrer Seite ermittelt. So sollten Erstlesebücher sein: In einfacher und doch gestalteter Sprache geschrieben, mit vielen Weisheiten zwischen den Zeilen versteckt, mit einer spannenden Geschichte und solch zauberhaften Illustrationen. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 7 Jahren.

Ulf Nilsson/Gitte Spee: Kommissar Gordon.  Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke. Doch noch ein Fall! Moritz Verlag, 2016. ISBN: 978-3-89565-328-5

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats August 2016

31.07.2016 by

janosJanosch: Vielleicht ist auch alles Unsinn, was ich sage
Die allerbesten Geschichten, Bilder und Gedichte aus 50 Jahre
Janosch ist in diesem März 85 Jahre alt geworden. Zu seinem Geburtstag hat der Beltz Verlag einen ganz wunderbaren Sammelband herausgegeben. Darin finden sich Bilder und Geschichten aus der langen Schaffenszeit des Künstlers. Auch Bücher und Texte, die nicht mehr lieferbar sind, so etwa die zarte Geschichte von Josa, der mit seiner Zauberfidel so wunderschön spielen kann, dass er Menschen und Dinge grösser oder kleiner werden lassen kann. Oder das Bilderbuch mit Jochen Gummibär, dem kleinsten aller Hasen, der aber so klug ist, dass er selbst den gefährlichen Fuchs überlisten kann. Auch die Geschichte vom ewigen Lügner Lari Fari Mogelzahn findet sich im Buch und natürlich ganz viele aberwitzige Reime und Sprüche. Einen Rebell und Anarchisten der Kinderzimmer nennen ihn die einen, einen begnadeten Erzählkünstler die andern. Poetisch und fein sind seine Geschichten, frech und schräg und alle mit einer Prise Melancholie gewürzt. Janosch ist auf jeden Fall einer, der in der Kinderliteratur Geschichte gemacht hat. Dieser neue Sammelband mit 27 Geschichten sei auch aus diesem Grund für Gross und Klein wärmstes empfohlen.

Rezension: Maria Riss

Janosch: Die allerbesten Geschichten, Bilder und Gedichte aus 50 Jahren. Beltz, 2016. ISBN: 978-3-407-82114-0

 

Buch des Monats Juli 2016

02.07.2016 by

muckBibi Dumon Tak: Mücke, Maus und Maulwurf

Schlägt man das Buch auf, ist man sofort am Staunen, am Lernen und am Schmunzeln. In kurzen Geschichten werden da Tiere vorgestellt, denen wir täglich begegnen und die so normal sind, dass man sie meist gar nicht beachtet: Regenwürmer, Weberknechte oder Nacktschnecken. Aber all diese stinknormalen Tiere haben Besonderheiten, von denen niemand weiss. Mücken beispielsweise, die stechen nicht, die beissen und zwar nur die weiblichen Mücken, wenn sie Eier im Bauch haben. Das gemeine Ohrwurm-Weibchen legt seine Eier in eine Höhle, bewacht diese anschliessend und leckt die Eier immer wieder ab, damit sie ja nicht austrocknen. Bibi Dumon Tak beschreibt all diese Besonderheiten in einer so poetischen und humorvollen Sprache, dass man sich beim Lesen ganz herrlich unterhalten und die Lektüre geniessen kann. So besticht dieses Buch in dreierlei Hinsicht: Erstens lernen Leserinnen und Leser eine ganze Menge über die alltägliche Tierwelt, zweitens sind die Geschichten so unterhaltsam und in einer wunderbaren Sprache verfasst, dass das Lesen zu einem wahren Genuss wird und drittens ist das Buch fantastisch illustriert. Fleur van der Weel hat für dieses Buch Bilder geschaffen, die das Buch zu einem kleinen Kunstwerk machen. «Mücke, Maus und Maulwurf» ist nicht nur ein Sachbuch der besonderen Art, sondern auch ein hervorragendes Vorlesebuch für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Bibi Dumon Tak: Mücke, Maus und Maulwurf. Mit Illustrationen von Fleur van der Weel. Hanser 2016. ISBN: 978-3-446-25080-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Juni

01.06.2016 by

milchG.R. Gemin: Milchmädchen

Die vierzehnjährige Gemma wohnt in einer heruntergekommenen Siedlung in Wales. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, die Mutter ist dauernd am Arbeiten, überfordert und den kleinen Bruder kann sie für rein gar nichts brauchen. Gut, dass Oma in der Nähe wohnt und gut auch, dass Gemma sich mit Kate anfreundet. Kate, die sonst niemand mag, Kate, die stark ist, die sich einen Deut um die Meinung anderer schert und die ihre Kühe daheim auf dem Hof über alles liebt und sie auch melken kann. Und genau da liegt Kates Problem: Die Kühe sollen verkauft werden, sie rentieren nicht mehr. Gemma und Kate tun sich zusammen, gemeinsam hecken sie einen aberwitzigen Plan aus, wie die Kühe gerettet werden können: Sie bringen die Kühe heimlich in die Siedlung runter, in die Gärten von Leuten, die Kühe mögen. Bald dreht sich in der Siedlung alles nur noch um diese zwölf Kühe. Kinder bringen Gras und Heu, entfernen die Kuhfladen und die Erwachsenen lernen bei Gemmas Oma, wie man eine Kuh melkt und aus der Milch Käse herstellt. Plötzlich reden die Leute wieder miteinander, auch wenn nicht alle gleichermassen von diesen Viechern begeistert sind.

Nachzulesen, ob diese Kuh-Rettungsaktion gelingt, das macht sehr grossen Spass. Der Autor hat es geschafft, eine sehr spannende, temporeiche Geschichte zu schreiben und die Figuren trotzdem so detailliert zu zeichnen, dass man sie zu kennen glaubt. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob solch eine Aktion in der Realität wirklich durchführbar wäre. Es ist vor allem Gemma, die sich im Laufe der Geschichte stark entwickelt und verändert. Sie lernt, sich auszudrücken und sich zu wehren, nicht nur im Quartier und in der Schule, sondern auch in ihrer eigenen Familie. Plötzlich wird wieder geredet miteinander, plötzlich sind viele bereit, Neues zu wagen, gewohnte Bahnen zu verlassen und miteinander diese muhende Schar Kühe zu retten. Gemma und Kate beweisen mit ihrem Tun, dass man die Welt verändern kann, wenigstens ein bisschen. Und diese Botschaft, die darf ruhig auch wieder einmal so akzentuiert niedergeschrieben werden, wie es G.R. Gemin getan hat. Vor allem dann, wenn der Plot überzeugt, die Figuren so glaubhaft beschrieben sind und die Lektüre so unterhaltsam ist. Für Jugendliche ab etwa 12 Jahren.

G.R. Gemin: Milchmädchen. Königskinder 2016. Aus dem Englischen von Gabriele Haefs.  ISBN: 978-3551560261

Rezension: Maria Riss