Archive for the ‘ 00 Buch des Monats ’ Category

Buch des Monats August 2018

31.07.2018 by

Martin Muser: Kannjawoniwasein
Kann ja wohl nicht wahr sein, was der 10-jährige Finn auf seiner Reise nach Berlin erlebt! Er wird von Papa in den Zug gesetzt, mit Fahrkarte, Handy, ein paar Broten und vielen guten Ratschlägen. Es ist ja nicht so weit nach Berlin, wo Mama Finn abholen wird. Aber schon kurz nach der Abfahrt  beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Da stiehlt ein leicht betrunkener Penner Finns Rucksack, da wird er von einem überkorrekten Schaffner aus dem Zug geworfen und der Polizei übergeben, da wird das Polizeiauto an der Ampel gerammt und da taucht plötzlich ein Mädchen auf, dass ihn überredet, die Reise nach Berlin doch besser selbständig und zusammen mit ihr unter die Füsse zu nehmen. Klar, dass dies für beide zu einem richtigen Abenteuer wird. Die beiden kapern einen Traktor, übernachten auf einem Jägersitz, jagen den Rucksackdieb und werden schliesslich von einer Rockergang in voller Montur und auf riesigen Motorrädern an ihr Ziel gebracht. Das alles nachzulesen ist nicht nur sehr spannend, sondern macht auch grossen Spass. Und lehrreich ist die Lektüre zudem, man lernt ein bisschen berlinerisch und dänisch, und man erfährt, dass es im Leben Momente gibt, in denen man einfach all seinen Mut zusammen nehmen muss. Man muss davonlaufen beispielsweise, auch wenn man erst 10 Jahre alt ist.
Martin Muser hat ein in jeder Beziehung tolles erstes Kinderbuch geschrieben. Spannend von der ersten Seite an, ein bisschen schräg und voll von unerwarteten Wendungen. Die verrückte Story ist zudem so gegliedert, dass man das Lesen auch mal unterbrechen kann und ist für Mädchen wie Jungen überaus attraktiv. Ein ideales Vorlesebuch also für alle, die spannende, nicht ganz so brave Kinder und Bücher lieben. Zum Selberlesen ab etwa 10 Jahren.

Martin Muser: Kannjawoniwasein. Carlsen 2018. ISBN: 978-3-551-55375-1

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats Juli 2018

03.07.2018 by

Philip Pullman: Über den wilden Fluss
Malcolm lebt mit seinen Eltern und seinem Daemon Asta in Oxford. Er ist etwa 12 Jahre alt und ein ungemein kluger und hilfsbereiter Junge. Gegenüber dem Fluss gibt es ein Nonnenkloster, Malcolm hilft dort immer wieder aus. Eines Tages wird im Kloster ein Baby abgegeben, ein kleines Mädchen mit dem Namen Lyra. Zur gleichen Zeit passieren merkwürdige Dinge: Malcolm beobachtet einen Mord und belauscht beim Helfen in der Gaststube seiner Eltern geheime Gespräche über Macht, Krieg und Religion. Malcolm erfährt auch, wer der Vater der kleinen Lyra ist. Lyras Vater wird verfolgt und kann sich nicht um seine kleine Tochter kümmern. Malcolm verspricht ihm, was immer auch kommen möge, er werde Lyra beschützen. Man munkelt in diesen Tagen auch von einer Flut, die kommen werde, so gross, wie sie noch nie jemand erlebt habe. Es ist Malcom, der zusammen mit dem Küchenmädchen Alice das kleine Baby vor den schrecklichen Fluten rettet. In Malcolms kleinem Boot gelingt ihnen die Flucht. Um das Baby Lyra scheinen sich die Mächtigen des Landes zu streiten, deshalb wird Malcoms Boot verfolgt. Nicht nur die riesigen Wassermassen, auch bewaffnete Verfolger bedrohen das Leben der drei Flüchtenden. Alice und Malcolm haben Lyra vom ersten Moment an in ihr Herz geschlossen und verteidigen ihr Leben mit allen Mitteln. Erst ganz am Schluss, nach dem Bestehen von unglaublich vielen Gefahren, können sie Lyra endlich in die Hände ihres Vaters legen.
Philip Pullman hat einen ganz fantastischen Roman geschrieben, dies in jeder Beziehung. In welcher Zeit und Welt die Geschichte spielt, ist unklar, im Vordergrund steht aber der Konflikt zwischen mächtigen Religionsführern und den Gelehrten der Wissenschaft. Der Autor hat den Plot mit vielen fantastischen Elementen ausgestattet, so wird etwa jede Figur von einem passenden Daemon begleitet, dies macht die Lektüre zusätzlich spannend und geheimnisvoll. Auch die Beschreibungen der Figuren sind so treffend, dass Lesende Alice und Malcolm zu kennen glauben und wohl mit allen beiden gern befreundet wären. Obwohl das Buch fast 600 Seiten umfasst, würde man gerne weiterlesen, so eindrücklich ist diese Lektüre, auch wegen der vielen, aktuellen und politischen Anspielungen. Da ist es gut, dass bereits im Herbst der nächste Band «Ans andere Ende der Welt»erscheinen wird.
«Über den wilden Fluss» ist Teil der Vorgeschichte zur unvergesslichen Trilogie «Der goldene Kompass».

Philip Pullman: Über den wilden Fluss. Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger. Carlsen 2018. ISBN: 978-3-551-58393-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Juni 2018

08.06.2018 by

Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht
Emilia ist gerade mal 14 Jahre alt, als sie alleine und heimlich nach New York fliegt. Mithilfe einer der Kreditkarten ihres Papas war das kein so grosses Problem. Als sie spät abends ihr bereits bezahltes Appartement beziehen will, stellt sich heraus, dass es dieses Appartement gar nicht gibt. An der Adresse trifft sie nur Seth, einen etwa gleichaltrigen Jungen, und seine kleine Schwester Abby. Emilia steht also mit ihrem grossen Koffer wieder alleine auf der Strasse, müde ist sie und kalt ist ihr auch. Bei Jim, einem ziemlich bekifften und kaum mehr ansprechbaren Jungen, findet sie schliesslich Unterschlupf in einem Abbruchhaus. Diese Nacht wird ein einziger Albtraum, weil Emilia, immer so sehr auf Sauberkeit und Ordnung bedacht, in dieser völlig verdreckten Absteige kaum ein Auge schliessen kann. Am nächsten Morgen herrscht in ganz New York Alarmstimmung. Ein Wirbelsturm nähert sich der Stadt. Emilia wendet sich in ihrer Not an die beiden einzigen Menschen, mit denen sie schon einigermassen normal hatte sprechen können, an den Jungen Seth und seine Schwester Abby. Beide lassen Emilia und schliesslich auch Jim nach einigem Zögern in die Wohnung. Weil ihre Mutter für ein paar Tage verreist ist, haben sie Platz. Mit Emilias Kreditkarte lassen sich Vorräte einkaufen und die vier verschanzen sich in der Wohnung. Dann bricht der Sturm mit aller Kraft los, das Haus wackelt und bald gehen auch alle Lichter aus. Die vier müssen zusammenrücken, ob sie wollen oder nicht. So nah mit andern zusammen kann Emilia ihren Sauberkeits-Zwang nicht länger verheimlichen, und sie verrät jetzt auch den Grund ihrer Flucht nach New York: Ihr Vater, Schuldirektor an ihrer Schule, hatte mit einer Schülerin ein Verhältnis. Dies ist erst kürzlich durch die sozialen Medien ans Licht gekommen. Aber jetzt gilt es erstmal, diesen Hurrikan gemeinsam zu überleben. Alle vier wachsen in dieser Situation über sich hinaus. Und in den langen Gesprächen während der dunklen Sturmnächte lernt Emilia eine völlig neue Art von Freundschaft und Geborgenheit kennen. Und das tut unsagbar gut.
Anna Woltz hat einen in jeder Beziehung sehr spannenden Roman geschrieben. Da ist die äusserliche Spannung, dieser Hurrikan, der bei allen grosse Angst auslöst und der so viel Überlebenskunst, Solidarität und Ideenreichtum erfordert. Da ist aber auch die innere Spannung von Emilia, wie kann sie ihre Zwänge meistern, wie soll sie sich gegenüber ihren Eltern verhalten? Einfach wegzulaufen, das kann ja nicht die Lösung sein. Da hilft die grosse Anteilnahme der andern in diesem Hurrikan-Asyl, die zarten Zeichen einer ersten Liebe zu Seth, die Erkenntnis, dass sie selber sehr viel stärker ist, als sie es jemals vermutet hätte. «Hundert Stunden Nacht» ist ein Buch, das vor allem junge Mädchen mit Sicherheit begeistern wird, weil es so viele aktuelle Themen auf eine sehr spannende und doch auch humorvolle Weise anspricht. Für Lesende ab etwa 14 Jahren.

Anna Woltz: Hundert Stunden Nacht. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-58348-2

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Mai 2018

02.05.2018 by

superflashSalah Naoura: Superflashboy
Torben-Henrik ist ein ganz normaler, etwa 10-jähriger Junge. Vielleicht ein bisschen zu stark, vielleicht manchmal etwas gar tollpatschig und rein gar nicht musikalisch, was seine Familie sehr bedauert. Momentan ist Fasnacht und alle Kinder gehen verkleidet zur Schule. Klar, dass Torben-Henrik sich als Flashboy, seinem absolut liebsten Comichelden, verkleidet. Auf dem Heimweg passiert es: Eine schwarze Limousine hält, zwei Männer packen Torben-Henrik, schmeissen ihn ins Auto und brausen los, ab durch einen Tunnel nach Hero City. Dort wird er in einem total coolen Haus von einem Roboter-Kindermädchen in Empfang genommen. Wahnsinn: Hier in Hero City leben ausschliesslich Superheldinnen und Helden, Spiderman, Zorroboy und Catgirl geben sich da die Hand. Als plötzlich ein zweiter kleiner Flashboy, quasi eine Kopie von Torben-Henrik, zur Tür herein kommt wird klar, dass Torben-Henrik verwechselt wurde. Der richtige Flashboy ist sehr nett, vielleicht mit ein bisschen gar wenigen Muskeln ausgestattet, dafür ist er überaus musikalisch. Die beiden freunden sich an und beschliessen, ihre Rollen zu tauschen. So übersiedelt der richtige Flashboy in Torben Henriks langweilige Normalfamilie und Torben-Henrik bleibt in Hero City. Klar, dass es an beiden Orten zu kniffligen, völlig absurden Situationen kommt, klar, dass nach ein paar Tagen beide doch irgendwie froh sind, wieder in ihre eigene Welt zurückkehren zu können.
Auf eine solch einmalig gute Idee für ein Buch zu kommen, das kann wohl fast nur Salah Naoura. In diesem Buch ist alles vereint, was gute Geschichten ausmacht und Kinder werden mit Sicherheit begeistert sein. Die Ereignisse in beiden Welten überschlagen sich und  sind einfach so phantasievoll und komisch, dass auch erwachsene Vorleserinnen und Vorleser  wohl immer wieder lachen müssen. Der Autor erzählt diese turbulente Geschichte in kurzen Kapiteln und mit einem schelmischen Augenzwinkern. Ergänzt wird das spannende Geschehen mit  vielen tollen Bildern von Kai Schlütter. Ein Lese- und Vorlesevergnügen für Kinder ab etwa 9 Jahren.

Salah Naoura: Superflashboy. Rowohlt 2018. ISBN: 978-3-499-21799-9

 

Buch des Monats April 2018

02.04.2018 by

familieGerda Raidt: Meine ganze Familie
Was den Urmenschen und mich verbindet
Das vorliegende Sachbuch widmet sich der Geschichte der Menschen und wie wir alle eigentlich auf irgendeine Weise miteinander verwandt sind. Ein grosser Stammbaum findet sich gleich auf der zweiten Doppelseite, schon da wird deutlich, wie viele Leute zur eigenen Familie gehören können und wie gross das Wirrwarr wird, je weiter man in der Vergangenheit zurückgeht. Die Grosseltern kennt man ja in aller Regel noch, aber wie ist das mit den Ururgrosseltern? Und vielleicht ist es ja so, dass man die eigenen schwarzen Locken irgendeiner Urgrosstante aus Südafrika zu verdanken hat oder das Talent zum Lernen von Sprachen dem Grossonkel, der ein berühmter Sprachwissenschaftler war. Auf jeden Fall haben alle Menschen ihre Wurzeln in der Vergangenheit und diese Vergangenheit bestimmt unser Leben in der Gegenwart. Junge Leserinnen und Leser wiederum werden die Zukunft und unsere Nachfahren bestimmen, mit diesem Thema befasst sich der letzte Abschnitt des so übersichtlich gestalteten Buchs.
Das grossformatige, sehr gut verständliche Sachbilderbuch lädt zum Verweilen, zum Nachdenken und vielleicht auch zum Nachforschen ein: Ein bisschen Ahnenforschung, ein bisschen Philosophie und ein Nachdenken darüber, dass Menschen zwar sehr verschieden sein können, aber dass uns auch, weil wir alle Teil der Geschichte sind, vieles verbindet. Die wunderbar farbigen, eindrücklichen und detailreichen Bilder helfen, dass bereits jüngere Kinder sich das alles besser vorstellen können. Ein Bilderbuch, das in viele Kinderzimmer und unbedingt in jede Bibliothek gehört. Für Kinder ab etwa 7 Jahren.

Gerda Raidt: Meine ganze Familie.Was den Urmenschen und mich verbindet. Beltz 2018. ISBN: 978-3-407-82343-4

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats März 2018

01.03.2018 by

meerLauren Wolk: Eine Insel zwischen Himmel und Meer
Die Geschichte spielt im Jahr 1925 auf den Elisabeth-Inseln vor der Küste Massachusetts.
Vor fast zwölf Jahren, als der alte Osh am Meer stand, entdeckte er ein kleines Boot vor der Küste. Erst beim Näherkommen sah er das kleine Baby darin, fest und warm eingepackt, aber mutterseelenallein. Er nannte das kleine Mädchen Crow. Seither leben die beiden zusammen auf dieser kleinen abgeschiedenen Insel, in einer einfachen Hütte, aber im Einklang mit der Natur. Crow fehlt es an nichts, sie ist glücklich und liebt den alten Osh über alles. Auch Miss Maggie, eine nette Frau von der Nachbarinsel, kümmert sich um Crow, bringt ihr das Lesen und Schreiben bei und eine ganze Menge über Heilkräuter und den Umgang mit Tieren. Als Crow etwa 12 Jahre ist, beginnt sie mit den Fragen: Sie will wissen, woher sie kommt, will herausfinden, wer ihre Eltern sind und weshalb sie in einem alten Kahn ausgesetzt wurde. Osh hat zwar grosse Angst, seine geliebte Pflegetochter zu verlieren, aber er versteht ihren Wunsch und hilft bei der Suche, wo er nur kann. Die Nachforschungen erweisen sich nicht nur als abenteuerlich, sondern auch als gefährlich. Was am Schluss zur Gewissheit wird, macht eher traurig, denn niemand aus Crows Familie ist noch am Leben. Trotzdem war die Suche wertvoll, weil Crow dabei gelernt hat, was im Leben wirklich wichtig ist. Und dass man mit liebevollen Menschen an seiner Seite, auch sehr schwierige Dinge überstehen kann.
Die Geschichte begeistert vor allem durch die so gelungene Beschreibung der Figuren und deren warmherzige, feinfühlige Beziehung zueinander.  In einer wundervoll umsichtigen Sprache erzählt die Autorin von Crows Suche nach ihrer Identität, aber auch vom kargen und einfachen Leben in dieser unwirtlichen Gegend. Dies beeindruckt und berührt gleichermassen.  Leserinnen und Leser erhalten zudem einen Einblick in das Leben  jener Zeit und erfahren einen Teil der amerikanischen Geschichte, den kaum jemand kennt. Ein spannendes, anspruchsvolles und wunderbar stilles Buch, dessen Figuren und auch die Handlung lange nachhallen. Für Jugendliche.

Lauren Wolk: Eine Insel zwischen Himmel und Meer. Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. dtv Reihe Hanser 2018. ISBN: 978-3-423-64035-0

Rezension: Maria Riss

 

Buch des Monats Februar 2018

01.02.2018 by

schnarch 1Julian Gough, Jim Field: Rotzhase & Schnarchnase – Möhrenklau im Bärenbau
Es ist Winter. Hase hat Hunger, einen Riesenhunger und es ist nur noch eine verschrumpelte Möhre in seinem Speiseversteck übrig. Aber um die Ecke, da wohnt doch Bärin, dort gibt es eine übervolle Speisekammer. Bärin schläft ja, denkt Hase und bedient sich. Aber Bärin erwacht und Bärin freut sich so über den Schnee, dass sie den Möhrenklau gar nicht bemerkt. Mit so viel Schnee, da kann man einen Schneemann bauen. Bärin stellt sich allerdings ziemlich ungeschickt an. Hase hilft und fühlt sich sehr schlau dabei. Überhaupt ist Hase der Meinung, Bärin sei ja überaus nett, aber schon ein bisschen zurückgeblieben. Hase wäre wohl immer noch dieser Meinung, wenn ihn am Nachmittag nicht ein hungriger Wolf verfolgt hätte. Bärin allein ist es zu verdanken, dass Hase auch an diesem Abend noch lebend in seinen Bau kriechen kann.
Dieses wunderschön gestaltete Buch besticht in vielerlei Hinsicht. Da sind einmal diese zwei so unterschiedlichen Figuren, die liebenswürdige, vielleicht etwas naive Bärin und der eher hinterhältige, vielleicht etwas schlauere Hase, die man beide nach der Lektüre zu kennen glaubt. Da sind die stimmungsvollen und aussagestarken Bilder und diese spannende Geschichte, die in treffenden Worten und knappen Sätzen erzählt wird. Pro Seite steht nebst einem Bild oft nur ein einziger Satz, dafür hat das Buch über hundert Seiten. Die meisten Kinder, die das Lesen gerade lernen, werden begeistert sein: Sie halten ein richtig umfangreiches Buch in Händen und können sich nach der Lektüre richtig stolz fühlen. Von der Gestaltung, Aufmachung und der Geschichte her hebt sich das Buch überaus wohltuend von all den gängigen Erstlesereihen ab.
Julian Gough, Jim Field: Rotzhase & Schnarchnase – Möhrenklau im Bärenbau – Band 1. Magellan 2018. ISBN 978-3-7348-2820-1

Rezension: Maria Riss

schnarch 2Bereits ist auch der 2. Band erschienen. Diesmal geht es um den ständigen Lärm im Wald. Hase verträgt den gar nicht und wird noch übellauniger, als er es sonst schon ist.

Buch des Monats Januar 2018

16.01.2018 by

weisszeitDort, wo die 16-jährige Vega wohnt, ist nicht nur die Landschaft karg, sondern auch die Menschen. Geld hat keiner, es sind Bauern, Fischer und ein paar Schnapsbrenner, die in dieser gottverlassenen Gegend leben. Alles beginnt damit, dass eines Abends die Polizei anklopft und nach Vegas Bruder fragt. Jakob ist seit mehr als drei Tagen verschwunden. Das ist eigentlich nicht ungewöhnlich, nur geht Jakob dieses Mal nicht an sein Handy und auch sein bester Freund hat keine Ahnung, wo Jakob sich aufhält. Vega macht sich grosse Sorgen und beginnt, ihren Bruder zu suchen. Diesmal muss sie ganz alleine in den Wald, kein grosser Bruder ist an ihrer Seite. Immer tiefer gerät Vega nicht nur in die dichten Wälder, sondern kommt auch geheimen Machenschaften auf die Spur und realisiert, wie verstrickt die Lebensgeschichten der Leute im Dorf sind. Als sie Jakob schliesslich findet, ist dieser völlig verzweifelt. Er steht unter Mordverdacht. Nur gemeinsam können die beiden herausfinden, wer wirklich die Schuld am Tod des alten Hellmanns hat.
«Weisszeit» ist das erste Jugendbuch, des in Schweden mehrfach ausgezeichneten Krimiautors Christoffer Carlsson. Das Buch ist nicht nur überaus spannend, es besticht vor allem auch durch die ausdrucksstarke Schilderung dieser tristen Gegend und den vielen resignierten Menschen, die dort leben. Der Autor macht dies nicht mit langen Beschreibungen, sondern knapp und so treffend, dass beim Lesen beeindruckende Bilder entstehen. Vega deckt auf, erkennt Zusammenhänge und entwächst so auch ihrer Kindheit. In diesem Sinne ist das vorliegende Buch nicht nur ein Krimi, sondern auch eine Art Entwicklungsroman. «Weisszeit», diese stimmige und sehr spannende Lektüre, wird wohl viele Jugendliche ansprechen.

Christoffer Carlsson: Weisszeit. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Dressler 2017. ISBN: 978-3-7915-0059-1

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats Dezember 2017

28.11.2017 by

ricoAndreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch
Rico sagt von sich, tiefbegabt zu sein. Sein bester Freund ist der hochbegabte Oskar. Beide wohnen nun an der Dieffe 93. Mama hat den Bühl, den nettesten Polizisten Berlins geheiratet und sie hat jetzt einen so dicken Bauch, als hätte sie einen Wasserball verschluckt und trägt sehr weite Klamotten wegen der Umstände. Es ist der 24. Dezember und Rico muss unbedingt zusammen mit Oskar nochmals zu Karstadt. Wegen den Geschenken. Seit einiger Zeit hat sich Ricos Tiefbegabung echt gebessert, er könnte, wenn es sein muss, auch ganz alleine zum Kaufhaus laufen und würde den Weg zurück wohl auch wieder finden. Aber mit Oskar macht Einkaufen sehr viel mehr Spass. Unterwegs kommen sie an einem Hinterhof vorbei, den beide möglichst ignorieren. Zu viele schöne und auch enttäuschende Erinnerungen kommen hoch. Die beiden kaufen also ihre Geschenke und kämpfen sich durch den hohen Schnee heim. Aber Rico lassen die Erinnerungen an den Sommer im Hinterhof nicht mehr los, und er erzählt sie seinen Leserinnen und Lesern nach und nach. Unterdessen tobt draussen ein richtig heftiger Schneesturm. Niemand traut sich mehr raus. Auch an der Dieffe 93 geht so ziemlich alles drunter und drüber und keiner weiss, wie dieser verrückte Tag noch enden wird. Plötzlich stehen da auch frühere Freunde vom Hinterhof vor der Tür und die wieder wegzuschicken, das geht bei diesem Wetter beim besten Willen nicht.  Rico und Oskar, die helfen fleissig mit am Wirbeln und am Hochhergehen und zu guter Letzt, da gibt es zwei riesengrosse Überraschungen, so richtig Vomhimmelhoch, mit denen wirklich an diesem Abend niemand gerechnet hätte.
Wer gute Laune braucht, nehme dieses Buch zur Hand. Ganz egal, wie alt man ist. Man spürt schier in jeder Zeile, wie viel Spass der Autor am Schreiben hatte und genauso geht es den Leserinnen und Lesern. Man geniesst jedes einzelne Wort, fiebert mit und lacht immer wieder zwischendurch. Und dann kommt dieses wunderfantastische Ende, das man sich genauso erträumt hat. Andreas Steinhöfel ist ein wunderbar einfühlsamer Beobachter, ein Sprachkünstler, ein in jeder Beziehung begnadeter Erzähler. Er hat seiner grossen Leserschaft mit diesem Buch ein einmalig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Für Kinder ab etwa 10 Jahren.

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch. Mit Illustrationen von Peter Schössow. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55665-3

Rezension: Maria Riss

Buch des Monats November 2017

31.10.2017 by

tiereKatharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere
Tiere haben sehr verschiedene Liebesweisen das ist uns zwar bekannt, aber was sich da genau abspielt, das wissen die wenigsten. Dass die Paarung beim Marienkäfer bis zu 18 Stunden dauern kann beispielsweise oder dass es bei Rennechsen gar keine Männchen gibt. Dass Straussenväter nicht nur eine Mulde ausbuddeln, in die alle Weibchen der Gruppe ihre Eier legen, sondern dass diese emanzipierten Männchen all diese Eier auch ausbrüten oder dass Mehlkäfer auch schon mal ihre männlichen Artgenossen begatten, weiss kaum jemand. Im Buch geht es um unterschiedlichste Verführungskünste, um die Paarung, die Entstehung und das Wachstum von Tierkindern und um die Geburt. Egal, auf welcher Seite man das Buch aufschlägt: Man kommt aus dem Staunen einfach nicht heraus! Der Text ist in kurze, leicht verständliche Leseportionen unterteilt, so dass man im Buch auch einfach ein bisschen Stöbern kann. Und immer wieder darf über die wunderbaren, klaren und aberwitzigen Illustrationen von Anke Kuhl gelacht werden. Wenn man beim Thema Liebe und Sex immer wieder schmunzeln, lachen und staunen kann, dann fallen meist auch Hemmungen weg.  Das Buch fordert geradezu heraus, Gelesenes weiter zu erzählen, kurze Abschnitte andern vorzulesen oder besonders eindrückliche Bilder gemeinsam zu betrachten. Katharina von der Gathen und Anke Kuhl, beide bestens bekannt durch das erfolgreiche Aufklärungsbuch «Klär mich auf», haben ein ganz wundervolles, lehrreiches und humorvolles Sachbuch für Kinder geschaffen. Es sei Kindern ab etwa 8 Jahren genauso empfohlen wie allen Erwachsenen und gehört unbedingt in jede Bibliothek.

Katharina von der Gathen und Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere. Klett Kinderbuch 2017. ISBN: 978-3-95470-169-8

Rezension: Maria Riss