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Reihumlesen hat keinen positiven Effekt auf die Lesekompetenz

09.10.2012 by

Im Leseunterricht wird noch häufig das Reihumlesen praktiziert. Beim Reihumlesen werden die SchülerInnen aufgefordert, einen Text in der Klasse unvorbereitet laut vorzulesen. Dabei liest ein Schüler/eine Schülerin satz- oder passagenweise vor, der nächste Leser wird entweder nach einer vorbestimmten oder willkürlichen Reihenfolge bestimmt. Die anderen SchülerInnen sollen dabei still mitlesen.

Die Methode soll u.a. dazu dienen, Lesezeit in der Klasse zu ermöglichen, die Leseflüssigkeit und die Vorlesekompetenz der SchülerInnen zu fördern und somit insgesamt die Lesemotivation zu steigern.

Das Reihumlesen hat jedoch keine positiven Effekte auf die Lesekompetenz und kann sie sogar negativ beeinflussen, wenn es sehr häufig eingesetzt wird. Dies konnte schon in diversen Studien nachgewiesen werden, vgl. die zusammenfassende Darstellung von Daniel Nix (Literaturangabe unten angegeben).

Problematisch an der Methode des Reihumlesens sind u.a. folgenden Aspekte:

  • Die Leseflüssigkeit wird nicht gefördert, da der/die einzelne SchülerIn nur geringe Lesezeit zu Verfügung hat und der Text nur einmal gelesen wird und somit kein Übungseffekt eintritt.
  • Das Leseverständnis wird nicht gefördert, da durch den ständigen Wechsel der Vorlesenden kein Gesamtzusammenhang erschlossen werden kann und die SchülerInnen sich oft nur auf “ihren” Satz konzentrieren.
  • Die Lesemotivation wird nicht gefördert, da die Gefahr besteht, dass sich schwächere SchülerInnen “ausgestellt” fühlen und flüssig lesende SchülerInnen durch das geringe Lesetempo im Leseprozess behindert werden und sich dadurch langweilen.

Das soll nun aber nicht heissen, dass lautes Vorlesen generell aus der Lesedidaktik gestrichen werden sollte. Im Gegenteil: In anderen Situationen kann dies durchaus die Leseflüssigkeit und Lesemotivation steigern, z.B. in individuellen, kooperativen Lesesituationen wie dem Lese-Tandem, vgl. dazu “Lesen. Das Training” oder die von Daniel Nix vorgestellte Methode.

Beitrag: Mirjam Weder (Mitarbeiterin Zentrum Lesen), Prof. Dr. Hansjakob Schneider (Leiter Zentrum Lesen)

 

Literatur

Nix, Daniel (2011): Förderung der Leseflüssigkeit. Theoretische Fundierung und empirische Überprüfung eines kooperativen Lautlese-Verfahrens im Deutschunterricht. Weinheim: Juventa [Leseozialisation und Medien].
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Unterrichtsmaterial

Lesen. Das Training. Lesefertigkeiten – Lesegeläufigkeit – Lesestrategien. schulverlag plus. 1.-9. Schuljahr.
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