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PISA 2010 Lesen

01.02.2018 by

 

Die Schweizer Ergebnisse aus PISA 2015 Lesen sind im Vergleich zu PISA 2009 ähnlich, nicht aber im Vergleich zu PISA 2012. Insbesondere der Anteil sehr schwacher Leser und Leserinnen ist 2009 und 2015 mit rund 17% bzw. 20% sehr hoch. Dagegen war der Anteil sehr schwacher Leser und Leserinnen 2012 mit rund 14% etwas tiefer.

Was bedeutet dies allgemein?

  1. Für die PISA-Ergebnisse 2015 ist zu berücksichtigen, dass der Lesetest zum ersten Mal online und nicht in der für die Schüler/-innen vertrauten Papierform durchgeführt wurde. Man weiss, dass eine Computer-basierte Testung zu etwas anderen Ergebnissen führen kann.
    Sind die Schüler/-innen mit dieser neuen Testform vertraut, können die Ergebnisse durchaus wieder besser ausfallen. Insbesondere schwächere Schüler/-innen schneiden bei unvertrauten Formaten oft schlechter ab.
  2. Ein Anteil von 14% oder 20% sehr schwacher Leser/-innen ist grundsätzlich nicht befriedigend. Denn: Sehr schwache Leser/-innen können in einfachen Texten nur gerade einzelne Informationen 1:1 entnehmen. Das heisst, sie sind bspw. nicht in der Lage, mehrere Informationen zu verknüpfen. Damit sind sie auch nicht in der Lage, die im Sachunterricht verwendeten Texte selbstständig zu verstehen.

Anzumerken ist, dass die Niveaus, wie sie in PISA 2009, 2012 und 2015 festgelegt wurden, vergleichbar sind. Mit anderen Worten: Die Beschreibung, was schwache Leser/-innen auszeichnet, hat sich in der computerbasierten Version nicht geändert.

Was bedeutet dies für die Schule?

  1. Es braucht weiterhin eine systematische Leseförderung über alle Stufen hinweg. Dabei sind folgende Punkte besonders hervorzuheben:
    1. eine Förderung der basalen Lesefertigkeiten (sicheres und flüssiges Lesen), bei Bedarf bis Ende Sekundarstufe I,
    2. den systematischen und eng angeleiteten Aufbau eines Repertoires an Lesestrategien, v.a. auch mit Bezug auf die spezifischen Anforderungen im Fachunterricht,
    3. eine koordinierte durchgängige Förderung und Anleitung des Textverstehens in allen Fächern.
  2. Die Lehrpersonen sind auf gezielte Unterstützung angewiesen:
    1. Auch im Fachunterricht braucht es Lehrmittel, die das Leseverstehen systematisch anleiten.
    2. Um schwächere Schüler/-innen im Aufbau der Lesekompetenzen gezielt und eng begleiten zu können, brauchen Lehrpersonen aller Fächer ein lesedidaktisches Wissen und Können. Dieses Wissen und Können muss den Lehrpersonen in entsprechenden Weiterbildungen vermittelt werden.

Mit Blick auf die Bildungsplanung zeigen Beispiele wie die Bund-Länder-Initiative BiSS (Bildung in Sprache und Schrift) in Deutschland oder der Schwerpunkt «Schreiben auf allen Schulstufen» im Kanton Zürich, dass eine Bündelung der Kräfte hilfreich ist, um eine breiter abgestützte Unterrichts- und Schulentwicklung in Gang setzen zu können.

 

  • Die «Expertise zur Wirksamkeit der Sprachförderung» enthält auch eine Übersicht zu wirksamen Lesefördermassnahmen.
    Wirksamkeit von Sprachförderung.pdf
  • Mit dem Lese-Lehrmittel «Lesen. Das Training» stehen Unterrichtsmaterialien für die durchgängige Leseförderung im Deutschunterricht von Klasse 2–9 zur Verfügung.
    • Kruse, Gerd; Rickli, Ursula; Riss, Maria und Sommer, Thomas (2016): Lesen. Das Training 1 (Unterstufe). 5. Aufl. Bern: Schulverlag plus.
    • Kruse, Gerd; Riss, Maria und Sommer, Thomas (2014): Lesen. Das Training 2 (Mittelstufe). 2 Aufl. Bern: Schulverlag plus.
    • Kruse, Gerd; Riss, Maria und Sommer, Thomas (2013): Lesen. Das Training 3 (Oberstufe). Bern: Schulverlag plus.
  • Die Broschüre «Sprachbewusst unterrichten. Eine Unterrichtshilfe für den Fachunterricht» enthält Hinweise, Checklisten und Aufgabenbeispiele für den Leseunterricht in allen Fächern.
    Broschüre «Sprachbewusst unterrichten» [PDF]
  • Das Zentrum Lesen führt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Weiterbildung massgeschneiderte schulinterne Weiterbildungen für alle Schulstufen durch.
  • Das Zentrum Lesen entwickelt laufend neue forschungsgestützte Materialien zu allen Bereichen des Sprachunterrichts.
  • Das Zentrum Lesen informiert zweimal im Jahr über neuere Entwicklungen im Bereich der sprachlichen Bildung in seinem Rundschreiben.

Kann Lesen das Leben verlängern?

21.08.2016 by

Laut einer gross angelegten Studie mit über 3500 Probanden der Yale Universität kann das Lesen von Büchern die Lebenszeit verlängern. Die Wissenschaftler vermuten, dass man beim Lesen und Geniessen von Büchern und Geschichten mehr Stress abbauen kann.  Zur Studie

Maria Riss

Leseförderung mit Ricardo

19.08.2014 by

Versteht man Lesen als Fähigkeit, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, wie das bspw. Pisa tut, dann können in der Leseförderung nicht nur literarische Texte eine Rolle spielen. Ein Verständnis von Leseförderung, das einen Bezug zum Alltag herstellen möchte, ist jedoch keineswegs neu: Eine amerikanische Versandfirma, die auch die abgelegenen Farmen erreichen wollte, produzierte 500-seitige Kataloge, die auch illustriert waren und die bereits 1904 eine Auflage von einer Million erreichten. Dieser Katalog war, wie Blom (2014: 372) schreibt, nicht nur ein Bestseller, sondern auch für die Schulen zentral:

«Zusammen mit der Bibel war Sears’ Katalog das meistgelesene Buch Amerikas, und seine kurzen Texte und lebhaften Illustrationen machten es zum idealen Lesestoff für Volksschulen, wo Kinder anhand von Produktbeschreibungen lesen und anhand von Bestellungen rechnen lernten.»

Kürzlich sind sämtliche Lehrpersonen in Bolivien, die in ländlichen Schulen unterrichten, zu einer Weiterbildung verpflichtet worden, in der sie lernen sollen, wie den Schülern und Schülerinnen Lesen, Schreiben und Rechnen so beigebracht werden kann, dass sie in ihrem Alltag davon profitieren. Vielleicht müsste ein solcher Katalog für Bolivien erst noch erfunden werden – in der Schweiz wäre es wohl eher ein digitaler «Katalog» wie www.ricardo.ch, möglichst mit einer Aufklärung zum Risiko der Schuldenfalle.

Afra Sturm, Zentrum Lesen

 

Blom, Philipp (2014): Der taumelnde Kontinent. Europa 1900–1914. 4. Aufl. München: dtv.

 

Tierhelden in Kinderbüchern

16.05.2013 by

Haben Sie gewusst, dass Bären die häufigsten Helden in Kinderbüchern sind? Hunde nehmen den zweiten Platz ein, dicht gefolgt von Ponys und Mäusen. Weit abgeschlagen auf Platz 20 sind Wale. Gar nicht in die Rangliste geschafft, haben es Wölfe und Schweine.

Dabei treten diese beiden Tierarten in so mancher Neuerscheinung als wunderbare Protagonisten auf. Lesen Sie mehr dazu und durchstöbern Sie unsere Empfehlungen unter der Rubrik «Tiere».

(Quelle: Die Zeit  13/2013)

Beitrag: Maria Riss

Texte zusammenfassen wirkt

07.11.2012 by

Haben Sie gewusst, dass Zusammenfassen von Texten für leseschwache Kinder und Jugendliche eine der wirksamsten Massnahmen ist, das Leseverstehen zu verbessern? Und haben Sie gewusst, dass man im regulären Unterricht diese Strategie kaum beobachten kann?

Beitrag: Dr. Maik Philipp

Nachzulesen bei:

Anmarkrud, Ø., & Bråten, I. (2012). Naturally-occurring comprehension strategies instruction in ninth-grade language arts classrooms. Scandinavian Journal of Educational Research.

Durkin, D. (1978-79). What classroom observations reveal about reading comprehension instruction. Reading Research Quarterly, 14, 481-533.

Souvignier, E. & Antoniou, F. (2007). Förderung des Leseverständnisses bei Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten – eine Metaanalyse. In: Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete. H. 1, S. 46-62.

Unterrichtsmaterial:

Philipp, M. & Schilcher, A. (Ed.) (2012). Selbstreguliertes Lesen. Ein Überblick über wirksame Leseförderansätze. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer.

 

 

 

Reihumlesen hat keinen positiven Effekt auf die Lesekompetenz

09.10.2012 by

Im Leseunterricht wird noch häufig das Reihumlesen praktiziert. Beim Reihumlesen werden die SchülerInnen aufgefordert, einen Text in der Klasse unvorbereitet laut vorzulesen. Dabei liest ein Schüler/eine Schülerin satz- oder passagenweise vor, der nächste Leser wird entweder nach einer vorbestimmten oder willkürlichen Reihenfolge bestimmt. Die anderen SchülerInnen sollen dabei still mitlesen.

Die Methode soll u.a. dazu dienen, Lesezeit in der Klasse zu ermöglichen, die Leseflüssigkeit und die Vorlesekompetenz der SchülerInnen zu fördern und somit insgesamt die Lesemotivation zu steigern.

Das Reihumlesen hat jedoch keine positiven Effekte auf die Lesekompetenz und kann sie sogar negativ beeinflussen, wenn es sehr häufig eingesetzt wird. Dies konnte schon in diversen Studien nachgewiesen werden, vgl. die zusammenfassende Darstellung von Daniel Nix (Literaturangabe unten angegeben).

Problematisch an der Methode des Reihumlesens sind u.a. folgenden Aspekte:

  • Die Leseflüssigkeit wird nicht gefördert, da der/die einzelne SchülerIn nur geringe Lesezeit zu Verfügung hat und der Text nur einmal gelesen wird und somit kein Übungseffekt eintritt.
  • Das Leseverständnis wird nicht gefördert, da durch den ständigen Wechsel der Vorlesenden kein Gesamtzusammenhang erschlossen werden kann und die SchülerInnen sich oft nur auf “ihren” Satz konzentrieren.
  • Die Lesemotivation wird nicht gefördert, da die Gefahr besteht, dass sich schwächere SchülerInnen “ausgestellt” fühlen und flüssig lesende SchülerInnen durch das geringe Lesetempo im Leseprozess behindert werden und sich dadurch langweilen.

Das soll nun aber nicht heissen, dass lautes Vorlesen generell aus der Lesedidaktik gestrichen werden sollte. Im Gegenteil: In anderen Situationen kann dies durchaus die Leseflüssigkeit und Lesemotivation steigern, z.B. in individuellen, kooperativen Lesesituationen wie dem Lese-Tandem, vgl. dazu “Lesen. Das Training” oder die von Daniel Nix vorgestellte Methode.

Beitrag: Mirjam Weder (Mitarbeiterin Zentrum Lesen), Prof. Dr. Hansjakob Schneider (Leiter Zentrum Lesen)

 

Literatur

Nix, Daniel (2011): Förderung der Leseflüssigkeit. Theoretische Fundierung und empirische Überprüfung eines kooperativen Lautlese-Verfahrens im Deutschunterricht. Weinheim: Juventa [Leseozialisation und Medien].
Zum Verlag

Unterrichtsmaterial

Lesen. Das Training. Lesefertigkeiten – Lesegeläufigkeit – Lesestrategien. schulverlag plus. 1.-9. Schuljahr.
Zum Verlag

 

 

 

 

 

SMS für Analphabeten

16.08.2012 by

Forscher an der EPFL in Lausanne haben in Zusammenarbeit mit indischen Kollegen eine SMS-Anwendung für Menschen entwickelt, die weder lesen noch schreiben können. Mit EasySMS lassen sich Textnachrichten verfassen, indem man Wörter aus der eingegangenen Botschaft wieder verwendet. Dazu bewegt der Nutzer den Finger über ein Wort und kann sich dann seine Bedeutung vorlesen lassen. Anschliessend zieht er die Begriffe, die er gerne benutzen möchte, in eine neue Nachricht.

Agrarwissenschaftler in Indien können über dieses System mit Hilfe lokaler Erdnussbauern Daten über die Anbauflächen sammeln, was schliesslich zur Verbesserung der Ernteerträge führt.

Dem System stehen weitere Anwendungsfelder offen.

 

Beitrag: Thomas Sommer