Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen

04.09.2017 by

wurstMireille, die ihre Geschichte gleich selber erzählt, wird in Bourg-en-Bresse zum dritten Mal zur Wurst des Jahres gekürt. Will heissen, sie wurde bei einer Wahl auf Facebook zum hässlichsten Mädchen des Jahres gewählt. Das will sie nicht länger hinnehmen. Sie nimmt Kontakt mit zwei andern Mädchen auf, die ebenfalls zu Würsten erklärt wurden. «Wenn ich schon als Wurst gelte, dann mach ich was draus», erklärt Mireille. Gemeinsam beschliessen die drei, mit dem Fahrrad nach Paris zu fahren. Dort wollen sie am 14. Juli eintreffen und gleich die Party der französischen Präsidentin Barack Obamette im Elysee Palast stürmen. Finanziert werden soll diese Reise durch den Verkauf von Würstchen unterwegs. Dafür haben sie extra einen Anhänger konstruiert, mit Kühlschrank und Kochplatte und allem Drum und Dran. Begleitet werden die drei von Kader, einem jungen Mann, der im Krieg in Elendistan beide Beine verloren hat. Kader fährt im Rollstuhl voraus und ist gleichsam eine Art Beschützer der drei. Die Mädchen haben unterschiedliche Beweggründe für dieses aberwitzige Unternehmen: Mireille will ihren leiblichen Vater endlich zur Rede stellen, Astrid will ein Konzert ihrer Lieblingsband erleben und Hakima will Gerechtigkeit für ihren Bruder Kader erstreiten. Alle drei verbindet aber das eine grosse Ziel, sich und den andern zu beweisen, wozu sie in der Lage sind und diesen gemeinen Initianten der Würste-Wahl ein Schnippchen zu schlagen. Mireille ist nicht nur willensstark, sondern auch voll kluger Ideen. Schon vor ihrer Reise informiert sie die Presse über ihr Vorhaben und bald wird die Reise vom ganzen Land auf verschiedenen Kanälen dokumentiert und verfolgt. Die drei Würste werden schon nach der ersten Etappe so berühmt, dass sie Autogramme geben müssen und in jedem Ort von einer grossen Menschenmenge empfangen werden. Die drei schaffen es tatsächlich, die über 400 Kilometer in die Hauptstadt in der geplanten Zeit zurückzulegen und auf der Party im Elysee zu erscheinen.
Es ist vor allem Mireille, die beeindruckt. Ihre Stärke, ihr freches, schlagfertiges Mundwerk, ihr kluges Planen und oft auch ihre Warmherzigkeit. Die Botschaft der Geschichte ist klar und durchaus nachahmenswert. Der Text wirkt aber an keiner Stelle belehrend, ganz im Gegenteil, die spezielle, leicht schräge Sprache und die vielen versteckten Anspielungen auf die französische Lebensart und Politik machen die Lektüre überaus unterhaltsam. Und man bekommt Lust auf eine Reise nach Frankreich, vor allem dann, wenn Mireille in ihrer blumigen Sprache die französische Küche beschreibt. «Königinnen der Würste» ist ein einmalig witziges, unterhaltsames und spannendes Jugendbuch, dem man möglichst viele Leserinnen wünscht.

Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen. Aus dem Französischen von Annette von der Weppen. Carlsen 2017. ISBN: 978-3-551-55677-6

Rezension: Maria Riss

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