Diagnostik in der Sozialen Arbeit – Wissenschaft trifft Praxis

27.11.2014 by

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Diesen Herbst fand im FHNW-Campus-Neubau in Olten die 5. Tagung der Reihe “Soziale Diagnostik”statt, organisiert vom Institut für Professionsforschung und kooperative Wissensentwicklung IPW der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Die internationale Tagungsreihe wird verantwortet von Prof. Dr. Peter Buttner (HAW München), Prof. Dr. Silke Gahleitner (ASH Berlin), Prof. Dr. Peter Pantucek (FH St. Pölten), Prof. Dr. Dieter Röh (HAW Hamburg) sowie Prof. Dr. Ursula Hochuli Freund (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW). Im Zentrum dieser ersten Durchführung in der Schweiz stand das Thema “Kooperation”. Besonders erfreulich war daher, dass unter den über 230 Teilnehmenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studierenden der Sozialen Arbeit über hundert Vertreter und Vertreterinnen der Praxis der Sozialen Arbeit anwesend waren.

Die Tagung wurde am Freitagnachmittag von der Direktorin der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Prof. Dr. Luzia Truninger, eröffnet. Die darauf folgenden Statements von Praktikerinnen und Praktikern der Sozialen Arbeit über den Stellenwert Sozialer Diagnostik in ihren Arbeitsfeldern machten deutlich, dass die Expertise der Sozialen Arbeit in diesem Bereich immer selbstbewusster eingebracht wird, indem soziale Diagnosen heute vielerorts stattfinden, oftmals werden sie jedoch nicht als solche benannt. Das Keynote-Referat von Prof. Dr. Silke Gahleitner, in dem das Feld der Sozialen Diagnostik sowohl historisch als auch theoretisch/methodologisch ausgebreitet wurde, bereitete gemeinsam mit den Aussagen der Praktiker und Praktikerinnen den Boden für spannende Auseinandersetzungen im Rahmen der Tagung.

Neun thematische Workshops mit einführenden Referaten und nachfolgender Diskussion boten am späteren Nachmittag die Möglichkeit, sich mit aktuellen Forschungsergebnissen und/oder mit kooperativen Projekten im Kontext der Implementation von Instrumenten sozialer Diagnostik in der Praxis auseinanderzusetzen. Hier zeigten sich Unterschiede sowohl zwischen den Herangehensweisen und Zielen von Wissenschaft und Praxis als auch zwischen den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit. Nicht zuletzt traten in den Workshops nationale Unterschiede bezüglich der strukturellen Bedingungen Sozialer Diagnostik – z.B. im Kontext des neuen schweizerischen Kindes- und Erwachsenenschutz-Rechts – zutage. Dieser Austausch zwischen den Beteiligten wurde als sehr informativ und konstruktiv erlebt und hätte gemäss Tagungsevaluation noch mehr Raum einnehmen dürfen.

Das Abendprogramm am Freitag wurde eingeleitet durch die Übergabe des zweiten ECCSW-Förderpreises Soziale Diagnostik an Pascal Dürig für seine gelungene Masterarbeit zu psychosozialer Beratung in der Schulsozialarbeit. Ein gemeinsames Abendessen unter Beteiligung des Impro-Theaters “ohne Wiederholung” in der Mensa der FHNW bot Gelegenheit, sich nochmal über die Erkenntnisse des ersten Tagungs-Tages auszutauschen.

Zwei Keynote-Referate gaben am Samstagmorgen den Startschuss zum zweiten Tag: Prof. Dr. Kitty Cassée (ZHAW Zürich) erläuterte die Notwendigkeit und Entwicklung kompetenzorientierter Instrumente-Manuale in unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit. Prof. Dr. Ursula Hochuli Freund stellte das Tagungsthema “Kooperation” in eindrücklicher Weise ins Zentrum Ihres Beitrags. Ihr Referat zeigte auf, dass und wie Kooperation mit Klientinnen und Klienten in diagnostischen Prozessen der Sozialen Arbeit konsequent mitgedacht werden muss. In acht Workshops wurden daraufhin Kooperationsprozesse in der Sozialen Diagnostik – und zwar sowohl die Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis als auch diejenige zwischen Praktikern/Praktikerinnen und Klienten/Klientinnen betreffend – erläutert, weitergedacht und ausführlich diskutiert.

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Podiumsdiskussion mit Vertretenden aus Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit.

Das letzte Keynote-Referat der Tagung, Peter Klatetzkis Vortrag zur Funktion von Diagnosen innerhalb sozialer Dienstleistungsorganisationen, wurde von vielen als Kontrapunkt der Veranstaltung erlebt und löste spannende Reaktionen und Diskussionen aus. Die abschliessende Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern sowohl der Wissenschaft als auch der Praxis Sozialer Arbeit machte nochmals deutlich: Es wird in Zukunft darum gehen, sich weniger damit aufzuhalten, ob die Soziale Arbeit Diagnostik betreiben kann oder darf, sondern darüber zu diskutieren, wie sie dies tut. Dabei werden die unterschiedlichen Sprachen und Logiken, die in Praxis und Wissenschaft vorherrschen als gleichwertige Elemente einer kooperativ angelegten Weiterentwicklung sozialer Diagnostik betrachtet und gepflegt werden müssen.

Die 5. Tagung Soziale Diagnostik in Olten bot gemäss Evaluationsergebnissen vielfältige Möglichkeiten zum Austausch und zur internationalen Vernetzung. Besonders gelobt wurden die sehr gelungene Tagungsorganisation sowie die vielfältige und qualitativ hochstehende Programmgestaltung. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der Tagungs-Website.

Die 6. Tagung in der Reihe wird im Herbst 2016 an der HAW Hamburg stattfinden.

Kontakt:
Kathrin Schreiber, M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung, kathrin.schreiber@fhnw.ch

Diagnostik in der Sozialen Arbeit

01.09.2014 by

Das wissenschaftliche Interesse an Diagnostik in der Sozialen Arbeit ist seit einigen Jahren sehr rege. Aus Sicht der Disziplin leistet soziale Diagnostik einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit. Dabei besteht inzwischen weitgehende Einigkeit, dass sowohl klassifikatorische als auch rekonstruktive Zugänge ihre Funktion und Berechtigung haben.

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An der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW beschäftigt sich seit mehreren Jahren eine hochschulinterne Arbeitsgruppe mit dem Thema Diagnostik und Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit – sowohl in der Lehre wie auch in Forschung und Entwicklung. Es werden Auseinandersetzungen geführt über theoretisch fundierte generalistische diagnostische Zugänge wie auch über arbeitsfeldspezifisch konkretisierte Methoden und Instrumente. Die vielleicht herausfordernsten Fragen stellen sich heute hinsichtlich der Kooperation mit Professionellen der Sozialen Arbeit und der organisationalen Einbettung von Instrumente-Entwicklungsprozessen.

Die 5. Tagung in der Reihe “Soziale Diagnostik”, die am 17./18. Oktober in Olten stattfindet, greift diese Fragen auf und bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Praktikerinnen und Praktikern eine Plattform für den Dialog über Sinn, Form und Möglichkeiten sozialer Diagnostik in der Praxis. Einschätzungen von Praktikerinnen und Praktikern und vier Keynotes setzen Impulse zu verschiedenen Aspekten des Themas. In Panels mit parallelen Workshops werden diagnostische Methoden und Instrumente für verschiedene Handlungsfelder diskutiert und Kooperationsprozesse thematisiert. Eine abschliessende Expertinnen- und Expertenrunde führt die Arbeitsergebnisse zusammen und fragt nach der zukünftigen Entwicklung sozialer Diagnostik.

Mehr zur Tagung “Soziale Diagnostik” finden Sie hier.

Mehr zum Thema Soziale Diagnostik finden Sie hier.

Kontakt:
Prof. Dr. Ursula Hochuli Freund, Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung, ursula.hochuli@fhnw.ch

Der Impuls für die Tagung «Mit Zielen arbeiten trotz widriger Umstände»

24.06.2013 by

Letzte Woche fand die Workshop-Tagung Klinische Sozialarbeit zum Thema «Mit Zielen arbeiten trotz widriger Umstände» statt.  Die Tagung wurde am 13./14. Juni an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW in Olten mit rund 200 Teilnehmenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt.

Das Tagungsthema «Mit Zielen arbeiten trotz widriger Umstände» fokussierte auf die Bedeutung zielorientierter, psychosozialer Arbeit mit schwer erreichbarer Klientel (Geissler, 2005). Klinische Sozialarbeit wurde dabei verstanden als die Fachwissenschaft für die soziale Dimension von Gesundheit und Krankheit (Hüttemann, Rüegger & Wüsten 2012).

Pauls (2011) hebt den Aspekt der behandelnden Sozialarbeit hervor. Damit wird der methodischen Perspektive innerhalb Klinischer Sozialarbeit eine wichtige Bedeutung zugemessen.

Klinische Sozialarbeit als Disziplin und Profession sammelt, überprüft und entwickelt Wissen über psychosoziale Prozesse, die mit sozialer und psychischer Gesundheit verbunden sind. Damit verbindet sich auch die Orientierung an Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit in Korrespondenz zum Verständnis zu allgemeinen Modellen der Sozialen Arbeit.

Im Kontext einer grundlegend ressourcenorientierten Perspektive (Grawe, 2004, Flückiger, 2008 Schmid, 2012, Wüsten, 2009) kommt der Arbeit mit Zielen eine wichtige Bedeutung zu, die je nach Handlungsfeld weiterer Ausgestaltung bedarf.

Graf (2011) spricht von einer Gratwanderung zwischen «Good Lives Model» und Realisierbarkeit der Ziele. In der Sozialen Arbeit findet Zielarbeit vielfach unter erschwerten Bedingungen statt.

Inhaltlich wurden auf der Tagung Methoden und Wissen über die Arbeit mit Zielen in psychosozialen Kontexten thematisiert, erörtert, diskutiert und weiterentwickelt.

Kontakt: Prof. Dr. Günther Wüsten, Tagungsleiter, guenther.wuesten@fhnw.ch