Praktikabilitätstest in der “casa fidelio” abgeschlossen

21.02.2014 by

Die “casa fidelio”, ein Rehabilitationszentrum für suchtmittelabhängige Männer in Niederbuchsiten (Kanton Solothurn), und das Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung IPW der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW haben im Oktober 2013 ein gemeinsames Projekt abgeschlossen, das von der Stiftung 3F Organisation und dem Förderfonds der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW gefördert wurde.

casa-fidelio(Bild: www.casafidelio.ch)

Im Projekt ging es darum zu prüfen, inwiefern sich die in der Forschung und in psychiatrischen Kliniken erprobten Instrumente der idiografischen Systemmodellierung (SM) und des Real-Time Monitoring (RTM) auch in der Praxis der Suchthilfe nutzbringend anwenden lassen, inwiefern sie dazu angepasst werden müssen und welche Schulung notwendig ist. Als Zielhorizont standen dabei die Unterstützung im Übergang nach draussen und die Nachsorge im Zentrum. Die Systemmodellierung zielt darauf ab, auf der Basis eines biografischen Interviews die psychosoziale Dynamik des Falles inkl. der Muster zu erfassen und darauf gestützt eine angemessene Interventionsplanung zu erstellen. Das Real-Time Monitoring erlaubt es, die in Therapie und Nachsorge begleiteten Veränderungsprozesse zu beobachten. Es macht die psychosoziale Dynamik sichtbar, in der sich ein Mensch z.B. in Re-Integrationsprozessen nach stationären Aufenthalten befindet. Die beiden Instrumente unterstützen sowohl während des stationären Aufenthalts als auch in der Nachsorge die Wahl von Art und Zeitpunkt von Interventionen.

Es zeigte sich, dass zur Erstellung von Systemmodellierung die schrittweise Aneignung einer Kunstlehre nötig ist. Daher wurden verschiedene Arbeitsweisen zur Erarbeitung einer Systemmodellierung entwickelt und getestet. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sind über das Projektende hinaus und auch für andere Institutionen der Sozialen Arbeit bedeutsam. Das Real-Time Monitoring bestätigte sich im Projekt als aufschlussreich sowohl für die Mitarbeitenden als auch für Partnerinnen und Partner in der Nachsorge.

Im Projekt fand sowohl auf Seiten der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW als auch der “casa fidelio” vielfältiges Lernen statt. Dieses betrifft die Instrumente Systemmodellierung und Real-Time Monitoring, von da aus aber auch Gesprächsführung, Visualisierung der Falldynamik, Gestaltung von Anamnese, Fallbesprechung, interdisziplinärer Zusammenarbeit, Arbeitsbündnis und Nachsorge. Aus Sicht der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW wäre ein integriertes Nachsorgekonzept notwendig. Wichtig wurde für die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW auch die Frage, wie Kompetenzbildungsprozesse im Rahmen kooperativer Praxisentwicklung gewinnbringend organisiert werden können. Gegenseitige Lernprozesse bilden das strukturierende Element im Evaluationsbericht zum Projekt.

Der Evaluationsbericht findet sich unter www.fhnw.ch/ppt/content/pub/evaluationsbericht-casa-fidelio.

Kontakt: Raphael Calzaferri, lic. phil./dipl. Sozialarbeiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung IPW, raphael.calzaferri@fhnw.ch