Sozialmanagement in der Praxis – Eine empirische Analyse von Stellenangeboten im Sozialwesen der Schweiz (Amstutz/Zängl 2012)

24.10.2012 by

Ausgehend vom weitgehend ungeklärten Verhältnis von Sozialmanagement und Sozialer Arbeit und mit dem Ziel, Anforderungen von Praxisorganisationen an potenzielle Mitarbeitende zu analysieren, wurden über einen Zeitraum von drei Monaten insgesamt 1084 Stellenangebote auf der grössten Stellenplattform im Sozialwesen (www.sozialinfo.ch) quantitativ ausgewertet.

Eine erste Auswertung zeigte, dass die Praxisorganisationen in den Stellenausschreibungen kaum zwischen HF- und FH-Abschlüssen differenzierten, in den meisten Inseraten ein Beschäftigungsgrad von mindestens 75% angeboten wurde und der grösste Anteil von Stellen in den Arbeitsfeldern Jugendhilfe, Erziehung/Bildung und Behindertenarbeit ausgeschrieben sind. In einem zweiten Schritt wurden die Stellenangebote daraufhin überprüft, welche Aspekte enthalten sind, die dem Handlungsfeld Sozialmanagement zugeordnet werden können, wobei unter Aspekten Aufgaben, Kompetenzen, Erfahrungen, usw. verstanden wurden. Die Ergebnisse präsentierten einen beachtlich hohen Anteil von Sozialmanagement-Aspekten (68.17%), sowie eine aufschlussreiche Aufzählung von Tätigkeiten und Aufgabenbereiche mit Sozialmanagement-Anteilen, wie beispielsweise “Organisation”, “Netzwerkarbeit”, “Innovation” oder “Leitung”.

In der Auseinandersetzung mit der Zuordnung bzw. Abgrenzung von Sozialmanagement-Aspekten kristallisierte sich zunehmend die Kontur eines Sozialmanagement-Verständnisses in der Sozialen Arbeit heraus. Demnach wird Sozialmanagement als ein Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit verstanden, in dem auf organisationaler Ebene optimale Rahmenbedingungen für eine gelingende Praxis realisiert werden. Die Grenzen zwischen Fall- und Organisationsebene sind jedoch fliessend, was eine trennscharfe Abgrenzung erschwert. Folglich zeichnet sich das Verhältnis von Sozialmanagement und Sozialer Arbeit durch seine “Unschärferelation” seiner Tätigkeiten und Aufgabenbereiche aus (siehe Grafik).

Die Analyse der Stellenangebote hat damit sowohl auf der inhaltlichen wie auch auf der definitorischen Ebene wichtige Erkenntnisse generiert.

Schematische Darstellung der Unschärferelation des Sozialmanagements zur Sozialen Arbeit (Amstutz/Zängl 2012):

Rollenselbstverständnisse von Job Coachs erforschen

16.10.2012 by

Coaching als personenorientiertes Beratungsformat ist nicht mehr nur im Sport und der Personal- und Führungskräfteentwicklung zu finden. Mittlerweile gibt es Coaching auch im Kontext von Politik, Bildung, Gesundheit und weiteren Praxisfeldern.

Auch „Job Coaching“ gehört zu dieser aktuellen Entwicklung. Es handelt sich hierbei um ein Coaching-Format, in dem Menschen mit existentiellen Arbeitsplatzproblemen zwecks Re-Integration oder Sicherung der aktuellen Arbeitsstelle begleitet werden. Oft werden Menschen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen mit Job Coaching angesprochen.

Das Thema „Job Coaching“ ist deshalb Gegenstand eines explorativ angelegten Forschungsprojekts, das im Rahmen des Instituts Beratung, Coaching und Sozialmanagement der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW in Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Psychologie ZHAW realisiert wird.

Die Projektleitung wird von Prof. Agnès Fritze (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW) und Prof. Hansjörg Künzli (Institut für Angewandte Psychologie ZHAW) wahrgenommen. Weitere Projektmitarbeitende sind Sarah Marti und Robert Wegener (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW) und Elisa Streuli (Institut für Angewandte Psychologie ZHAW) sowie weitere Personen aus beiden Hochschulen.

Das Forschungsprojekt will die Frage klären, welches Rollenselbstverständnis Job Coachs haben. Damit verbunden sind die Art und Weise, wie Job Coachs die Erwartung der sie umgebenden Akteurinnen und Akteure wahrnehmen und gewichten (u.a. Klientinnen und Klienten, Arbeitgeber/in, Sozialdienste, ärztliche Betreuung) und wie sie das eigene beraterische Handeln bzw. ihre Rolle gestalten und in Konfliktsituationen praktisch durchsetzen.

Als Annäherung an das Forschungsfeld werden Wissen über das Praxisfeld, ein Coaching-Rahmenkonzept und Überlegungen zum Rollenkonzept miteinander verknüpft und durch Interviews mit den Job Coachs laufend ergänzt und angepasst. Die über die fortwährend ausgewerteten Interviews generierten Erkenntnisse fliessen in die weitere Rekrutierung neuer Interviewpartner/innen ein. Ziel ist das Rollenselbstverständnis von Job Coachs zu erfassen, wobei auch die Darstellung verschiedener Typen von Job Coachs herauskristallisiert wird.

Das gewonnene Wissen aus dem Forschungsprojekt soll in die Weiterbildungen der beiden antragsstellenden Institutionen sowie die Entwicklung entsprechender Supervisionsangebote für Job Coachs fliessen.