Projektstart #Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit

26.06.2014 by

Das Projekt #Schlüsselsituationen lädt Interessierte ins “Network of Practice” ein. Gesucht werden Fachkräfte aus Praxis und Wissenschaft, die interessiert sind, gemeinsam eine Plattform aufzubauen und fachspezifische Communities of Practice zu gründen.

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Stellen Sie sich vor,
es gäbe eine Art Wikipedia mit Situationsbeschreibungen aus ihrem professionellen Alltag. Diese stellen Praxisbeispiele dar, interessante Theorien, neueste Forschungsergebnisse, Erfahrungen anderer Fachkräfte, erforderliche Fähigkeiten, Werte, Qualitätskriterien und mögliche Handlungsalternativen. Vielfältige Beiträge aus Praxis und Hochschule führen zu einem Mehrgewinn an Wissen zu professionellem Handeln. Auf der Plattform könnten Sie selber Situationen reflektieren, Fragen stellen, kommentieren oder mit anderen an ähnlichen Situationen interessierten Fachkräften in Kontakt treten. Sie erweitern so ihr fachliches Netzwerk und entwickeln Ihre eigene Professionalität weiter. Auch Organisationen können sich am Diskurs beteiligen und ihr Können und Fachwissen darstellen.

Unsere Vision:
Eine Plattform und ein Netzwerk für Studierende, Professionelle, Akademikerinnen und Akademiker sowie Organisationen der Sozialen Arbeit aufbauen und durch den Fachaustausch die Professionalität aller Beteiligten weiterentwickeln.

Wir haben das Projekt #Schlüsselsituationen lanciert, das von der Gebert Rüf Stiftung im Rahmen der Förderung “Brückenschläge mit Erfolg” (BREF) und der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW finanziell getragen wird und laden Sie in unser Network of Practice ein. Wir suchen Fachkräfte aus Praxis und Wissenschaft, die interessiert sind, gemeinsam mit uns eine benutzerfreundliche Plattform aufzubauen und fachspezifische Communities of Practice zu gründen, um ihr eigenes Wissen auszutauschen und weiterzuentwickeln und die Qualität von Situationsbeschreibungen zu sichern.


37 interessierte Personen aus Praxis, Hochschule, In- und Ausland fanden sich am 20. Mai zum Projektauftakt ein. Sie haben einen informativen, anregenden halben Tag miteinander verbracht und erste Eindrücke gewonnen, was es heisst, zu einem Network of Practice zu werden. 

Falls Sie sich an dieser innovativen Pionierarbeit beteiligen wollen, freuen wir uns von Ihnen zu hören!

Weiterführende Informationen finden sich auf www.schluesselsituationen.ch/forschungs-und-entwicklungsprojekt.

Kontakt: Prof. Regula Kunz, Studienzentrum Soziale Arbeit SZSA, regula.kunz@fhnw.ch

Sozialbericht 2013 Kanton Solothurn: Herausforderungen und mediale Berichterstattung

29.07.2013 by

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Der Sozialbericht 2013 des Kantons Solothurn wurde am 4. Juli an einer Medienkonferenz präsentiert. Der Sozialbericht 2013 ist eines der Elemente einer periodischen Sozialberichterstattung, wie sie im Sozialgesetz des Kantons Solothurn (§ 20) vorgesehen ist.

Im Sozialbericht 2013 werden die folgenden Herausforderungen für die zukünftige kantonale Sozialpolitik benannt:

– Die Prävention ist zu verstärken. Das bedeutet auch, zur Eigenverantwortung zu befähigen. Weshalb vermehrt auf personenbezogene Hilfestellungen, im Unterschied v.a. zu finanzieller Hilfe, zu setzen ist.

– Familien stärken bedeutet, für eine stabile wirtschaftliche Situation der Familien besorgt zu sein. Insbesondere Personengruppen in schwächeren wirtschaftlichen Verhältnissen, wie Working Poor, alleinerziehende Personen und kinderreiche Familien sind finanziell gezielt zu unterstützen, z.B. durch Ergänzungsleistungen für Familien, die im Kanton Solothurn ausgerichtet werden. Zur Stärkung von Familien und ihrer gesellschaftlichen Funktion zählt auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

– Integration von Personen mit ausländischer Nationalität intensivieren: Denn Personen ausländischer Nationalität zählen, trotz Erfolgen bei der Integration, weiterhin zu den mehrfach belasteten Gruppen. Dies zeigt sich z.B. bei der Arbeitslosigkeit, bei Wohnverhältnissen oder beim Gesundheitszustand.

– Langzeit‐Pflegebedarf bewältigen: Die Zunahme der Zahl pflegebedürftiger Menschen wirft Fragen zu den notwendigen Versorgungsstrukturen auf. Auf gesellschaftlicher Ebene stellen sich Fragen zu Chancen und Risiken einer zunehmenden Lebenserwartung.

– Armut und gestiegene Armutsgefährdung bekämpfen sowie veränderte Integrationskraft des Arbeitsmarktes auffangen: Die Sicherung der materiellen Grundlage der Bevölkerung ist eine vordringliche Aufgabe des Sozialstaats, auch im Hinblick auf die Stärkung der Eigenverantwortung. Verwiesen sei hier auch auf das nationale Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut, das von 2014 bis 2018 vom Bund, den Kantonen und Gemeinden sowie privaten Organisationen umgesetzt wird.

– Entwicklung der Sozialkosten dämpfen: Die Kosten für die soziale Sicherheit sind im Kanton Solothurn im Vergleich zur gesamten Schweiz zwar anteilsmässig unterdurchschnittlich, dennoch belastet das Kostenwachstum den Kanton und die Einwohnergemeinden.

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Die mediale Berichterstattung über den Sozialbericht fokussierte auf die Armut, bei der eine Zunahme festzuhalten ist: So zählen im Jahr 2010 17% zur Gruppe der armutsgefährdeten oder betroffenen Personen, 2002 waren es 12.2%. Dieser Anteil ist höher als in der gesamten Schweiz (14.2%). Diese Entwicklung wird ebenfalls an der steigenden Zahl der Sozialhilfeempfänger/innen, der Bezüger/innen von Ergänzungsleistungen zur IV und zur AHV sowie an den Kosten für die soziale Sicherheit nachgezeichnet. Wobei bei den Kosten für die soziale Wohlfahrt der Kanton Solothurn, trotz Steigerung in den letzten Jahren, weiterhin unter dem schweizerischen Durchschnitt liegt. Weiter wurde über den Anstieg der pflegebedürftigen, vor allem älteren Personen als ein Ergebnis des Sozialberichts berichtet.

Als positive Meldungen aus dem Sozialbericht 2013 wurde medial vor allem der Rückgang bei der der Jugendarbeitslosigkeit und der Jugendkriminalität aufgenommen. Armut und Kosten der sozialen Sicherheit standen also bei der (bisherigen) Berichterstattung über den Sozialbericht 2013 im Vordergrund.

Begründungen und Datengrundlagen für diese und die weiteren Herausforderungen finden sich auf der der Website
www.sozialbericht-so.ch.

Kontakt: Roland Baur, lic. phil. I, dipl. Sozialarbeiter, Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

5. Konferenz der European Survey Research Association (ESRA) in Ljubljana, Slovenien, 15.–19. Juli 2013

23.07.2013 by

Koordinaten 46° 3‘ N, 14° 30‘ O; einfacher Weg von Olten (CH) etwa 800 km. Die Anfahrt über Triest (IT) führte uns durch das bewaldete Mittelgebirge Polhograjsko hribovje direkt ins Herzen Sloveniens: Ljubljana. Die wunderschöne Hauptstadt mit ihren ca. 280’000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt mitten im Becken von Ljubljana und gilt als Hauptader des kulturellen, politischen und ökonomischen slovenischen Lebens (www.ljubljana.si).

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Hier fand im Zeitraum zwischen dem 15. und 19. Juli 2013 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Ljubljana die fünfte Konferenz der European Survey Research Association statt. Eine Mitgliedschaft steht Forschenden aus allen Disziplinen offen, die Interesse an Umfragemethodologie haben oder mit Umfragen arbeiten (www.europeansurveyresearch.org). Die Teilnehmendenliste verzeichnete annähernd 630 Personen aus mindestens 32 verschiedenen Ländern.

Das Konferenzprogramm bot ein reichhaltiges Angebot und liess das Herz eines jeden an Umfrageforschung Interessierten höher schlagen. Es konnte aus sieben Workshops und 160 Sektionen mit für die Umfrageforschung relevanten Themen ausgewählt werden, die von der Angemessenheit von mixed methods über die Nützlichkeit von Pretests, den Einsatz von Teilnahmeanreizen (Incentives) bis zur Konstruktion von Antwortskalen und Formulierung von Fragen reichten. In der Sektion von Geert Loosveldt und Patrick Sturgis zu Interviewereffekten in Umfragen referierte die Autorin dieses Blogbeitrags, Dr. Sigrid Haunberger, über die standardisierte Befragung von 8–11jährigen Kindern.

Mit welcher Software soll ich meine Online-Umfrage erstellen? Eine Antwort auf diese Frage konnten Teilnehmende im Workshop von Katja Lozar Manfreda und Andraz Petrovcic finden und anschliessend ein an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Ljubljana entwickeltes Tool testen: www.1ka.si. Die Software steht nach einer einfachen Registrierung kostenlos zur Verfügung.

In seiner Keynote „Is the sky falling? New technology, changing media, and the future of surveys” referierte Mick P. Couper über Trends, die sich seit geraumer Zeit in der Umfragemethodologie abzeichnen und wies auf damit verbundene Gefahren für die sozialwissenschaftliche Forschung hin. Dies betrifft v.a. grosse, schnell generierte Datenmengen durch Social Media Plattformen, hauptsächlich im Internet generierte, nicht zufallsbasierte Stichproben und Umfragen per Handy.

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Die Beschäftigung mit Methoden der Umfrageforschung sowie mit Qualitätsaspekten von Umfragen ist ein Bereich, der zunehmend wichtiger wird: gerade auch für die Forschung in der Sozialen Arbeit.

1600 km die sich mehr als gelohnt haben: fachlich und kulturell. Die nächste ESRA-Konferenz wird 2015 stattfinden. Zum Zeitpunkt der Konferenz stand das nächste Tagungsland noch nicht fest. Man darf sich schon jetzt darauf freuen.

Kontakt und weitere Auskünfte: Dr. Sigrid Haunberger, Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW