«Einfach leicht verständlich!» – Leichte Sprache am Beispiel des Erwachsenenschutzes

09.06.2015 by

Im Umgang mit Behörden und öffentlichen Diensten nimmt die Leichte Sprache für Menschen mit Lernbehinderungen einen zentralen Stellenwert ein. Das Projekt «ELV – Einfach leicht verständlich» der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW widmet sich daher exemplarisch der Anwendung der Leichten Sprache im Bereich Erwachsenenschutz.

Leicht verständliche Sprache gewinnt in der Schweiz – insbesondere im Zusammenhang mit der Ratifizierung der UNO-Behindertenrechtskonvention und dem zentralen Postulat sozialer Teilhabe – an Bedeutung. Das Konzept der Leichten Sprache ist jedoch älter: Die Forderung nach einer leicht verständlichen Sprache wurde bereits ab den 1960er-Jahren von Menschen mit Lernbehinderungen in Bezug auf ihren Zugang zu relevanten Dokumenten und ihre Möglichkeiten der Selbstvertretung gestellt.

Die Leichte Sprache umfasst neben Sprachregeln auch Rechtschreibregeln sowie Empfehlungen zu Typografie und Mediengebrauch.

Zentrale Dokumente des Erwachsenenschutzes in Leichter Sprache

Das vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) und dem Seraphischen Liebeswerk geförderte Vorhaben umfasst verschiedene Teilbereiche: In Zusammenarbeit mit der Erwachsenenschutzbehörde Region Solothurn sowie den im Projektverlauf geschulten Prüferinnen und Prüfern aus der Zielgruppe (Menschen mit geringen Lesekompetenzen aufgrund von Lernschwierigkeiten oder psychischen Beeinträchtigungen) werden exemplarisch die erforderlichen Abläufe zur Übertragung von Dokumenten in Leichte Sprache entwickelt.

Dabei werden zentrale Dokumente des Erwachsenenschutzes für die Information und für die konkrete Fallarbeit der Behörde bzw. der Mandatsführenden in Leichter Sprache verfügbar gemacht und deren Verwendung vorbereitet.

Begleitende Evaluation der Prozesse

Die Prozesse zur Texterstellung und Textprüfung werden begleitend evaluiert und die Wirkung der Texte in Leichter Sprache unter Berücksichtigung der Partizipation und Mitbestimmung untersucht. Das Projektteam besteht aus Prof. Gabriela Antener, Prof. Dr. Anne  Parpan-Blaser und Annette Lichtenauer, lic. phil., alle vom Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. In loser Verbindung mit dem Projekt wurde zudem das Fachseminar Leichte Sprache konzipiert und im November 2014 erstmals durchgeführt.

Die Teilnehmenden lernten durch Inputs der Kursleiterin Kerstin Matausch (Kompetenznetzwerk KI-I, Linz) sowie Schreib- und Gestaltungsübungen, wie sie Texte in Leichter Sprache verfassen können. Sie setzten sich auch mit der Bedeutung der Leichten Sprache, den verschiedenen Zielgruppen und Anspruchsniveaus sowie den Regeln der Leichten Sprache auseinander. Der Kurs ist gekoppelt an die Schulung von Prüferinnen und Prüfern, die im Fachseminar erstellte Texte auf ihre Verständlichkeit beurteilen.

Kontakt:

Prof. Gabriela Antener,

Prof. Dr. Anne Parpan-Blaser,

Annette Lichtenauer,

Institut Integration und Partizipation IIP

Decent Work! – Internationale Perspektiven im Eingliederungsmanagement

25.03.2015 by

Call for papers zur 4. Fachtagung vom 21./22. Januar 2016 in Olten läuft bis am 20. Juni 2015.

Fragen von Arbeitsintegration und Eingliederungsmanagement haben in den vergangenen Jahren weiter an Bedeutung gewonnen. Insbesondere Unternehmen, Sozial- und Privatversicherungen, Soziale Dienste und andere Institutionen sind angesichts von demographischem Wandel und Fachkräftemangel zunehmend damit befasst, Massnahmen und Aktivitäten zur Reintegration von leistungsveränderten und leistungsgeminderten Beschäftigten zu initiieren und weiter zu entwickeln.

Herausforderungen stellen sich hier vor allem auf Grund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Internationale Studien zeigen, dass es sich hierbei nicht allein um nationale Herausforderungen handelt, sondern dass sich insgesamt für die westlichen Industriestaaten vergleichbare Problemlagen zeigen.

Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen der 4. Fachtagung Eingliederungsmanagement internationale Perspektiven im Eingliederungsmanagement vorgestellt und diskutiert. Dadurch sollen Erfahrungen in der Bearbeitung konkreter Problemlagen im Eingliederungsmanagement zugänglich gemacht und Impulse und Anregungen für die eigene Praxis gegeben werden.

Call for papers

Im Rahmen eines Call for papers sind Interessierte aus Forschung und Praxis eingeladen, Proposals einzureichen – unter anderem zu Eingliederungsmanagement in Unternehmen, wohlfahrtstaatlichen Entwicklungen, Arbeitsintegration, Rehabilitation, Sozialfirmen und Diversity Management.

Die Fachtagung wird gemeinsam von der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW und der Hochschule für Wirtschaft FHNW veranstaltet. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Proposals können bis zum 20. Juni 2015 eingereicht werden. Weitere Informationen unter: www.fachtagung-eingliederungsmanagement.ch

Kontakt

Prof. Dr. Thomas Geisen

Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Benedikt Hassler

Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Prof. Dr. Guy Ochsenbein

Hochschule für Wirtschaft FHNW

 

 

Das Verhältnis von Migration und Urbanität

16.06.2013 by

Gwendolyn Gilliéron, wissenschaftliche Assistentin am Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW berichtet aus dem Forschungsprojekt “DACH – Lebensstrategien von (Migrations-)Familien in marginalisierten Quartieren”.

Städte sind heterogene Räume, die stark geprägt sind von Migration. Ihre Strukturen beeinflussen die Bewohnerinnen und Bewohner in vielerlei Hinsicht, so zum Beispiel in den Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten und den sozialen Beziehungen untereinander. Gerade Migrationsfamilien stehen vor einer grossen Herausforderung der Alltagsbewältigung, da sie oft von Arbeitslosigkeit oder Bildungsbenachteiligung betroffen sind.

Unser internationales Forschungsprojekt “DACH – Lebensstrategien von (Migrations-)Familien in marginalisierten Quartieren” fokussiert solche Lebenslagen. Im letzten Beitrag im November diskutierten wir die Umsetzung der ethnografischen Forschung im Projekt. Mittlerweile haben wir die ethnografische Feldforschung abgeschlossen und sind nun daran, die Daten auszuwerten. Erste Ergebnisse weisen auf sehr unterschiedliche Verhältnisse hin. Für den zweiten Schritt in der Datenerhebung, die Gruppeninterviews, sind wir folglich auf der Suche nach möglichst verschiedenen Familien, um dieser Diversität gerecht zu werden.

In der ethnografischen Forschung haben wir gesehen, dass die Quartiersstrukturen vor allem für die ärmere Bevölkerung wichtig sind. Diese Leute haben knappe finanzielle Ressourcen für Freizeitangebote und gehen selten aus dem Quartier in andere Stadtteile, deshalb sind sie besonders auf das Angebot im Quartier angewiesen. Wir haben jedoch festgestellt, dass gerade das Angebot an Spielplätzen und anderen Freizeitmöglichkeiten für Familien im untersuchten Quartier sehr beschränkt ist. Zudem sind sie oft zu teuer für die Familien.

Für gutsituierte Personen ist dies weniger relevant. Sie sind mobiler, das heisst, sie fahren schneller mal mit dem Fahrrad, dem Tram oder dem Auto in umliegende Quartiere, wo sie das vorfinden, was sie benötigen. Gutsituierte, die im Quartier jedoch seltener anzutreffen sind, nehmen dieses Defizit weniger wahr, sie schätzen die zentrale und doch ruhige Lage des Quartiers.

Einen weiteren Punkt, den wir beobachtet haben, ist, dass der schlechte Ruf des Quartiers oft dazu führt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich gezwungen sehen, ihren Wohnort zu rechtfertigen oder Klischees abzuschwächen. Für viele stimmt das äussere Bild des Quartiers nicht mit ihrer Wahrnehmung überein. So ist das “Ausländerinnen- und Ausländerquartier” sehr “multikulturell” und bietet eine grosse Vielfalt in der Bewohnerschaft. Ausserdem werden die billigen Wohnungen oft auch von Studentinnen und Studenten gemietet, die die alternative Szene ins Quartier mitbringen.

Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden an der Migrationskonferenz “Migration und Urbanität” zur Diskussion gestellt.

Auch andere spannende Beiträge zu Migration, Bildung und Arbeit im Kontext der Stadt oder die Repräsentation von Migrantinnen und Migranten in Städten wurden dort präsentiert.

Die internationale und interdisziplinäre Konferenz fand vom 13.–15. Juni in Basel statt, weitere Infos zum Programm finden sich unter www.migrationskonferenz.ch.