Erst agil, dann fragil

04.04.2016 by

Die Studie thematisiert den Übergang vom «dritten» in das «vierte» Lebensalter bei Menschen mit besonderen Schwierigkeiten, auf Veränderungen im Leben zu reagieren.

Die Lebensphase Alter wird länger und vielfältiger. Darum ist immer häufiger von einem «dritten» und einem «vierten» Lebensalter die Rede. Im Zentrum dieser Studie stehen zwei Themen. Zum einen geht es um den Übergang zwischen diesen beiden Lebensaltern. Wie gelangen Menschen vom «dritten» in das  «vierte» Lebensalter und welche Unterstützung benötigen sie dabei? Da das Alter die Lebensphase mit den grössten sozialen Unterschieden ist, verfügen nicht alle Menschen über die gleichen Möglichkeiten, sich Unterstützung zu erschliessen. Das zweite Thema dieser Untersuchung dreht sich deshalb um das Konzept der Vulnerabilität. Welche Menschen sind vulnerabel, haben also besondere Schwierigkeiten, auf Veränderungen im Leben zu reagieren? Aufbauend auf der Theorie des französischen Soziologen Pierre Bourdieu wird ein Modell entworfen, mit dem die Lebenslage vulnerabler Menschen beschrieben werden kann.

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Gasser, Nadja/Knöpfel, Carlo/Seifert, Kurt (Hrsg.): Übergang vom «dritten» zum «vierten» Lebensalter bei vulnerablen Menschen: Erst agil, dann fragil. 2015. ISBN: 978-3-9523476-8-3

 

Kontakt:
Prof. Dr. Carlo Knöpfel
Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung
carlo.knoepfel@fhnw.ch

Alter und Migration – Zur Situation der älteren Migrationsbevölkerung im Kanton Zug

22.04.2015 by

Im Auftrag des Kantons Zug führte das Institut für Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW eine Studie zur Situation der alternden Migrationsbevölkerung durch.

Ziel der Studie war es, Aussagen darüber zu machen, wie Migrantinnen und Migranten im Pensionsalter Angebote im Altersbereich nutzen, Angebotslücken zu identifizieren sowie Vorschläge für einen verbesserten Zugang und eine allfällige transkulturelle Öffnung bestehender Angebote zu machen.

Heterogene Migrationsbevölkerung im Kanton Zug

Die Migrationsbevölkerung im Kanton Zug ist äusserst heterogen, sowohl was die Nationalität, den Aufenthaltsstatus und die Aufenthaltsdauer in der Schweiz, den sozioökonomischen Status, als auch die sozialen Ressourcen und die gesundheitliche Situation betrifft.

Die Gastarbeitenden, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zugewandert sind, sind inzwischen pensioniert und müssen sich entscheiden, ob sie nach der Pensionierung in ihr Herkunftsland zurückkehren, in der Schweiz bleiben oder hin und her pendeln.

Angebotsvielfalt führt zu Überforderung

Die in Auftrag gegebene Studie hält fest, dass die vielfältigen Angebote wie Pflegedienstleistungen, Spitex, Sozialversicherungen und Ergänzungsleistungen, Anmeldung und Umzug ins Alters- oder Pflegeheim bei Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund häufig zu einer Überforderung führen.

Zudem wissen Migrantinnen und Migranten im Pensionsalter oft nicht, an wen sie sich mit ihren Fragen oder Problemen wenden können, oder sie gelangen damit nicht an die richtigen Stellen.

Ähnliche Bedürfnisse wie Schweizerinnen und Schweizer

Andererseits sind aber auch Vorurteile gegenüber staatlichen Institutionen, negative Erfahrungen in der Vergangenheit und Sprachhindernisse ein Grund für die geringfügigen Kenntnisse über die entsprechenden Dienstleistungen.

Die Studie fand auch heraus, dass es im Kanton Zug nicht grundsätzlich an Angeboten für ältere Menschen mit Migrationshintergrund mangelt, denn ihre Bedürfnisse decken sich in vielen Bereichen mit jenen der Schweizerinnen und Schweizer.

Hingegen muss der Zugang zu den bestehenden Angeboten verbessert sowie das Informationsdefizit und die Vorbehalte verringert werden.

Empfehlungen für einen besseren Zugang zu den Angeboten

Die wichtigsten Empfehlungen der Studie legen daher den Fokus auf folgende Punkte:

  • Informationsfluss zwischen Fachpersonen und Migrationsbevölkerung verbessern
  • Informationsgefässe für Fragen rund um die Pensionierung schaffen
  • Transkulturelle Öffnung von Institutionen und Angeboten vorantreiben
  • Erreichbarkeit der Zielgruppe verbessern
  • Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen stärken
  • Einbezug von Angehörigen in die Hilfeplanung
  • Situationsgerechtes Wohnangebot schaffen
  • Unterschiedliche Bestattungsriten anerkennen


Download Studie “Alter und Migration im Kanton Zug” (PDF, 350 KB)

Webseite des Kantons Zug

Kontakt

Luzia Jurt
Institut für Integration und Partizipation
luzia.jurt@fhnw.ch

Befragung “HIV50plus”

14.11.2013 by

Schaerpe1In der Schweiz leben schätzungsweise 6000 bis 7000 Menschen mit HIV, die 50 Jahre und älter sind und seit längerem mit HIV leben. Die Studie HIV50plus befasst sich mit der Lebensqualität dieser Menschen und fragt nach den persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit dem Leben mit HIV ab einem bestimmten Alter verbunden sind. Mehr dazu im Interview mit den beiden Projektverantwortlichen Prof. Dr. Sibylle Nideröst (SN) und Christoph Imhof, lic. phil. (CI).

Mit Eurer Studie sprecht ihr Menschen an, die seit längerer Zeit mit HIV leben und 50 Jahre oder älter sind. Worum geht es da?

SN: Wir möchten gerne mehr über deren Lebensqualität erfahren. Dank der besseren medikamentösen Therapie ist die Lebenserwartung von HIV-positiven Menschen heute gestiegen. Es gibt immer mehr ältere Menschen, die mit HIV leben. In der Schweiz schätzt man, dass etwa ein Viertel der HIV-positiven Bevölkerung über 50 Jahre ist, das sind zwischen 6000 und 7000 Menschen. Aber ein Leben mit HIV konfrontiert die betroffene Person mit spezifischen Herausforderungen, gesundheitlicher wie auch sozialer Natur, was wiederum viele Fragen aufwirft.

Wie ist das zu verstehen?

SN: Gesundheitlich stellen sich heute Fragen, ob und inwiefern HIV positive Menschen früher von Krankheiten, die vermehrt im Alter auftreten, betroffen sind, als nicht HIV-positive Menschen im gleichen Alter. Und aus sozialer Sicht ist eine HIV-Infektion auch heute noch stark mit Stigmatisierung und teilweise auch Diskriminierung verbunden. Indem wir nach einzelnen Aspekten aus dem Leben fragen, versprechen wir uns aussagekräftige Ergebnisse zur Lebensqualität von HIV-positiven Personen in diesem Alter. Darüber weiss man schlichtweg noch zu wenig.

Ist man denn mit 50 schon alt?

CI: Wie man sich fühlt, ist ja immer eine sehr persönliche Sache. Der Begriff 50plus hat sich in den letzten Jahren in internationalen Studien, aber auch in politischen Programmen etabliert, sobald es um Fragen einer älter werdenden Gesellschaft geht. Wir übernehmen in der Studie diese Kategorisierung. Dies erlaubt uns, unsere Resultate mit internationalen Studien zu vergleichen.

Was fragt ihr genau?

CI: Der Fragebogen ist in mehrere Themenblöcke aufgeteilt. Wir fragen zuerst einmal nach dem gesundheitlichen Befinden. Es folgen dann vermehrt Fragen zum Lebensalltag im Allgemeinen und wie die Menschen diesen bewältigen. So möchten wir beispielsweise gerne wissen, wie zufrieden die Menschen ihr Leben gestalten können und wo die hauptsächlichsten Schwierigkeiten liegen. Auch interessiert uns, wie die Menschen sozial vernetzt sind, ob sie beispielsweise auf Freunde und Bekannte zählen können, wenn sie sie brauchen. Dann fragen wir auch nach ihren Erfahrungen mit Diskriminierung wegen dem HIV-Status und wie sie es mit der Offenlegung handhaben. Und da nicht für alle Menschen die gleichen Aspekte im Leben wichtig sind, haben wir eine ganze Reihe von Fragen, die nach der persönlichen Gewichtung von zentralen Aspekten im Leben fragen. Um noch einmal das Beispiel mit den sozialen Kontakten zu nehmen. Für den einen ist es vielleicht sehr wichtig, soziale Kontakte pflegen zu können, für einen anderen ist dies vielleicht nicht so wichtig. Dies hat Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Was macht ihr mit den Ergebnissen dieser Studie?

SN: Wir erwarten, dass die Studie grosse Unterschiede in der Lebensqualität zeigen wird. Es geht nicht darum, die Lebensqualität von Menschen mit HIV über 50 als gut oder schlecht zu bezeichnen. Im Fokus steht das Aufzeigen der Vielfalt in der Lebenslage und der Lebensqualität. So können die Ergebnisse den Professionellen der Sozialen Arbeit und den Ärztinnen und Ärzten Hinweise geben, welche Personen in welchen Bereichen Unterstützung benötigen. Und sie können als Grundlage zur Schaffung von Angeboten für bestimmte Personengruppen genutzt werden. Wir werden daher die Ergebnisse u.a. auch im Rahmen von Weiterbildungen für Fachpersonen vorstellen und in entsprechenden Fachzeitschriften publizieren. Darüber hinaus erhoffen wir uns natürlich auch Anschlussfragen für weitere Forschung in diesem Bereich. Diese Studie ist ja als Pilotprojekt angelegt und wir möchten einige der Fragen gerne im Rahmen eines qualitativ angelegten Forschungsprojekts vertiefen.

Wie lange dauert das Ausfüllen des Fragebogens?

CI: Etwa 20 bis 25 Minuten. Aber man kann zwischendurch natürlich auch Pausen einlegen und dann später wieder weiterfahren.

Wie viele Fragebögen braucht Ihr, um zu Ergebnissen zu kommen?

CI: Wenn 300 Personen den Fragebogen ausfüllen, sind wir sehr zufrieden. Diese Studie läuft ja schon seit Anfang Juni dieses Jahres. Alle Aidshilfen in der Schweiz, viele Ärzte und Ärztinnen und auch manche Alterseinrichtungen haben uns schon tatkräftig unterstützt, indem sie auf die Studie aufmerksam gemacht haben. Und es wurden bereits etliche Fragebögen ausgefüllt.

SN: An dieser Stelle möchten wir uns gleich bei allen herzlich dafür bedanken. Wir sind aber froh, wenn noch mehr Personen den Fragebogen ausfüllen. Deshalb verlängern wir die Erhebungsphase bis Ende Januar 2014.

Wie kann man an der Studie teilnehmen?

CI: Den Fragebogen gibt es Online oder in Papierform. Über die Links  öffnet sich ein Kontaktformular und es kann entweder die Internetadresse, die direkt zum Online-Fragebogen führt oder aber der Fragebogen auf Papier angefordert werden.

SN: Alle Informationen werden selbstverständlich sehr vertraulich behandelt und das Ausfüllen ist anonym. Es wird auf keinen Fall möglich sein, einen Rückschluss auf die Person zu ziehen.

Weitere Informationen finden sich hier.

Die Studienteilnahme ist abgeschlossen. Besten Dank für Ihr Interesse. (6. März 2014)

 

Kontakt: hiv50plus.sozialearbeit@fhnw.ch