Archive for the ‘ Institut Integration und Partizipation ’ Category

«Öfter mal was Neues» − Innovative Angebote in Organisationen entwickeln, aber wie?

04.11.2016 by

Angebote für Klientinnen und Klienten zu optimieren, gehört in vielen Organisationen Sozialer Arbeit zum Alltagsgeschäft. Aber die Möglichkeit, Entwicklungen aktiv, systematisch und methodisch geleitet voranzutreiben, wird in der Sozialen Arbeit noch wenig genutzt.

Bei der Entwicklung neuer oder veränderter Angebote stellen sich Fragen wie zum Beispiel:
– Wie können neue konzeptionelle Ideen und Handlungsalternativen aktiv gefördert und Veränderungs- und Entwicklungsprozesse strukturiert gestaltet werden?
– Wie können Professionelle der Sozialen Arbeit ihre Erfahrungen nutzen, ihr bestehendes Professionswissen mit Best Practices an anderen Orten und mit Forschungswissen kombinieren und auf dieser Basis Neues entwickeln?
– Wie kann unterstützt werden, dass neue Entwicklungen realisierbar sind, auf Akzeptanz stossen und schliesslich erfolgreich implementiert werden?

Das Entwicklungs- und Innovationsprogramm ink+ der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW bietet neu ein modulares System, welches das methodische Know-how zu den typischen Herausforderungen im Entwicklungsprozess bündelt.

ink

Die vier Module («Analyse», «Werkstatt», «Entwicklung» und «Umsetzung») können einzeln oder kombiniert gewählt und flexibel an den Bedarf der jeweiligen Organisation angepasst werden.

Mögliche Ausgangslagen sind beispielsweise:
– Der veränderte Bedarf der Zielgruppe verlangt nach neuen Lösungsansätzen.
– Eine Konzeptidee erfordert die wissenschaftliche Fundierung zuhanden des Leistungsträgers.
– Im Zuge der strategischen Entwicklung wird die Erweiterung des Angebots beschlossen, es fehlt aber an Zeit für ausgedehnte Recherchen und einem geeigneten Gefäss für die Entwicklungsarbeit usw.

Die Kooperation mit der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW unterstützt die Angebotsentwicklung zum einen fachlich, indem eine oder mehrere Fachpersonen zum jeweiligen Thema einbezogen werden. Zum anderen wird auch der Prozess der Entwicklung begleitet und methodisch unterstützt. Die Zusammenarbeit von Fachpersonen der Praxisorganisation und der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW kann man sich als «temporäre Entwicklungsabteilung» vorstellen. Das Dienstleistungsangebot ink+ basiert auf Ergebnissen aus dem Projekt INCUMENT und bietet eine wissenschaftlich fundierte und erprobte Arbeitsform für Entwicklungs- und Innovationsprozesse oder einzelne Phasen daraus.

Weitere Informationen

Kontakt
Prof. Dr. Matthias Hüttemann, Dozent,
Institut Soziale Arbeit und Gesundheit,
matthias.huettemann@fhnw.ch,
Prof. Dr. Anne Parpan-Blaser, Dozentin,
Institut Integration und Partizipation,
anne.parpan@fhnw.ch

Arbeit, Migration und Soziale Arbeit: Prozesse der Marginalisierung in modernen Arbeitsgesellschaften

31.08.2016 by

Die Beiträge des vorliegenden Bandes beschäftigen sich mit Grundlagen und Systematisierungen, Übergangsmanagement, Arbeitsintegration und temporärer Beschäftigung im Kontext von Migration. In besonderer Weise wird dabei die Bedeutung Sozialer Arbeit im Kontext von Arbeit und Migration untersucht.

Migrantinnen und Migranten befinden sich vielfach in prekären, marginalisierten Lebenslagen. Dies gilt insbesondere für den Bereich Arbeit und Migration, weil unter anderem deren Qualifikationen nicht ausreichend anerkannt werden, ihnen der berufliche Aufstieg erschwert wird oder sie rassistischen Formen von Diskriminierung unterworfen sind, etwa bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Zugleich wächst aber auch in den westlichen Arbeitsgesellschaften der Druck, Migrantinnen und Migranten besser als bisher in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung haben dabei Beschäftigungs- und Qualifizierungsinitiativen im Kontext von Migration an Bedeutung gewonnen.

Arbeit, Migration und Soziale Arbeit
Geisen, Thomas/Ottersbach, Markus (Hrsg.): Arbeit, Migration und Soziale Arbeit. Prozesse der Marginalisierung in modernen Arbeitsgesellschaften. 2015. ISBN: 978-3-658-07306-0

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Geisen, Dozent,
Institut für Integration und Partizipation IIP,
thomas.geisen@fhnw.ch

Rückblick 21. Internationale Aids-Konferenz in Südafrika

23.08.2016 by

«Access Equity Rights Now» (Zugang für Alle – Gerechtigkeit jetzt): so lautete das Thema der 21. Internationalen Aids Konferenz. Aus globaler Perspektive wurden die neusten Errungenschaften und Herausforderungen im Bereich HIV/Aids präsentiert und diskutiert. Über 15’000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 153 Ländern trafen sich vom 18. bis 22. Juli 2016 in Durban (Südafrika) – darunter auch zwei Mitarbeitende der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW.

Prof. Dr. Sibylle Nideröst und Christoph Imhof, lic.phil., vom Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW waren vor Ort. Sie präsentierten drei Posterbeiträge aus zwei verschiedenen Forschungsprojekten des Instituts-Schwerpunkts «Menschen im Kontext von HIV».AIDS-Konferenz_2_Web
Forschende, Aktivistinnen und Aktivisten wie auch Betroffene kamen an der 21. Internationalen AIDS-Konferenz zusammen.
(Foto: Christoph Imhof)

Zwei der Beiträge präsentierten die Resultate aus der Studie zur Akzeptanz der PrEP bei Männern, die Sex mit Männern haben. PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe und damit für die Möglichkeit, sich mit der Einnahme von HIV-Medikamenten vor einer Infektion mit HIV zu schützen.

Obwohl die Wirksamkeit der PrEP in mehreren klinischen Studien bereits gut belegt werden konnte, ist die «Pille zum Schutz vor HIV» bisher weltweit nur in acht Ländern, u.a. in den USA und in Frankreich, zugelassen. Auf der Konferenz herrschte der Grundtenor, dass die PrEP als weitere Präventionsmassnahme gegen das HI-Virus eingesetzt werden kann und muss. Gerade für die afrikanischen Länder, wo bisher nur Südafrika und Kenia, etwa für Sexarbeiterinnen, die PrEP eingeführt haben, wird die PrEP als ein wichtiges Mittel im Kampf gegen HIV gesehen – insbesondere für (jüngere) Frauen. Diese haben häufig Probleme mit der sexuellen Selbstbestimmung und können die Verwendung von Kondomen bei ihren Sexpartnern meist nur schwer durchsetzen. Mit der PrEP würde diesen Frauen ermöglicht, sich aktiv und unabhängig vom Verhalten des Partners vor dem Virus zu schützen. Allerdings liegt der Schlüssel zur Wirksamkeit der PrEP in deren regelmässigen Verwendung und gerade diese ist nicht immer gegeben, wie auch die am Kongress präsentierten Ergebnisse aus den ersten demonstration projects zeigten. Ebenso scheinen sich die Befürchtungen mancher PrEP-Skeptiker, dass der Kondomgebrauch mit Gelegenheitspartnern und -partnerinnen abnehmen wird und andere sexuell übertragbare Infektionen in Folge zunehmen werden, zu bewahrheiten. Kritisch kann auch bemerkt werden, dass das Proklamieren einer ganzflächigen Abdeckung durch PrEP nicht einer gewissen Ironie entbehrt, wenn man bedenkt, dass weltweit nur knapp die Hälfte der HIV-positiven Menschen Zugang zur antiretroviralen Therapie hat. Hier gibt es noch viele ungelöste Fragen.

Der dritte Posterbeitrag thematisierte den Zusammenhang zwischen dem geringen HIV-Testverhalten und den starken Stigmatisierungstendenzen bezüglich HIV bei Sub-Sahara Migrantinnen und Migranten in der Schweiz. Der Beitrag bot Anlass zu Vergleichen mit anderen westlichen Ländern in Bezug auf diese Migrationspopulation. So wurden im Rahmen der Konferenz Modelle und Projekte präsentiert, die es ermöglichen, schwer erreichbare Zielgruppen für den HIV-Test zu gewinnen. Diesem kommt eine wichtige Funktion innerhalb der UNAIDS-Strategie «90-90-90» zu, die besagt, dass bis im Jahr 2020 90% aller Menschen mit HIV ihren HIV-Status kennen, 90% aller HIV-diagnostizierten Personen antiretrovirale Medikamente erhalten und 90% aller HIV-positiven Personen unter antiretroviraler Therapie eine supprimierte Viruslast aufweisen. Die in Kenia und Uganda durchgeführte SEARCH Studie konnte aufzeigen, dass mittels eines community-basierten Ansatzes zur HIV-Testung mit unmittelbarem Zugang zur antiretroviralen Therapie bei einer positiven HIV-Diagnose, die relative Häufigkeit der Personen mit supprimierter Viruslast innerhalb von zwei Jahren von 45% auf 81% gesteigert werden konnte und man damit dem UNAIDS-Ziel ein grosses Stück näher gekommen ist. Letztlich wurde auch immer wieder der Fortschritt seit der letzten Konferenz in Durban im Jahr 2000 hinsichtlich des Zugangs zur HIV-Therapie gewürdigt. Gleichzeitig wurden aber auch die Herausforderungen zur Erreichung einer AIDS-Free Generation bis im Jahr 2030 betont, wozu es neben der antiretroviralen Therapie auch den universellen Zugang zur PrEP brauche. Daneben kommt auch dem Kampf gegen Diskriminierung von Männern, die Sex mit Männern haben, Sexarbeiterinnen und Transgender Personen eine zentrale Rolle zu. Angesichts der Tatsache, dass gerade in zahlreichen Ländern dieser Welt Homosexualität und Sexarbeit weiterhin kriminalisiert werden, gibt es noch viel zu tun oder anders ausgedrückt: «The work is far from done».

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Die 21. Internationale Aids-Konferenz fand vom 18. bis 22. Juli 2016 in Durban statt. (Foto: Christoph Imhof)

Kontakt
Christoph Imhof, lic. phil., wissenschaftlicher Mitarbeiter,
christoph.imhof@fhnw.ch,
Prof. Dr. Sibylle Nideröst, Institutsleiterin,
sibylle.nideroest@fhnw.ch,
Institut Integration und Partizipation IIP