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Arbeit, Migration und Soziale Arbeit: Prozesse der Marginalisierung in modernen Arbeitsgesellschaften

31.08.2016 by

Die Beiträge des vorliegenden Bandes beschäftigen sich mit Grundlagen und Systematisierungen, Übergangsmanagement, Arbeitsintegration und temporärer Beschäftigung im Kontext von Migration. In besonderer Weise wird dabei die Bedeutung Sozialer Arbeit im Kontext von Arbeit und Migration untersucht.

Migrantinnen und Migranten befinden sich vielfach in prekären, marginalisierten Lebenslagen. Dies gilt insbesondere für den Bereich Arbeit und Migration, weil unter anderem deren Qualifikationen nicht ausreichend anerkannt werden, ihnen der berufliche Aufstieg erschwert wird oder sie rassistischen Formen von Diskriminierung unterworfen sind, etwa bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Zugleich wächst aber auch in den westlichen Arbeitsgesellschaften der Druck, Migrantinnen und Migranten besser als bisher in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung haben dabei Beschäftigungs- und Qualifizierungsinitiativen im Kontext von Migration an Bedeutung gewonnen.

Arbeit, Migration und Soziale Arbeit
Geisen, Thomas/Ottersbach, Markus (Hrsg.): Arbeit, Migration und Soziale Arbeit. Prozesse der Marginalisierung in modernen Arbeitsgesellschaften. 2015. ISBN: 978-3-658-07306-0

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Geisen, Dozent,
Institut für Integration und Partizipation IIP,
thomas.geisen@fhnw.ch

Forschungsbericht «Zusammenarbeit der IV-Stellen mit den Arbeitgebenden» erschienen

09.05.2016 by

Die Zusammenarbeit zwischen IV-Stellen und Arbeitgebenden ist insbesondere seit der 5. Revision des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) im Jahr 2008 von Seiten der IV-Stellen ausgebaut und weiterentwickelt worden. Aber auch Arbeitgende kommen vermehrt auf die IV-Stellen zu, um fallabhängig oder sogar fallunabhängig mit der IV-Stelle zusammenzuarbeiten. Für IV-Stellen und Arbeitgebende ist die Zusammenarbeit für eine erfolgreiche berufliche (Wieder-)Eingliederung von grosser Bedeutung.

Dies sind Ergebnisse einer neuen Studie, die im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) von Prof. Dr. Thomas Geisen und Prof. Dr. Edgar Baumgartner, beide von der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, sowie von Prof. Dr. Guy Ochsenbein, Hochschule für Wirtschaft FHNW, durchgeführt wurde. Die Studie zeigt die Vielfalt der Zusammenarbeits- und Kontaktformen auf und hat dazu eine Typologie entwickelt.

Zur Ausgestaltung der Beziehungen zwischen IV-Stellen und Arbeitgebenden lagen bislang kaum systematische Erkenntnisse vor. Erstmals wurden nun die Kontakt- und Kooperationsformen von IV-Stellen und Arbeitgebenden mit zwei Online-Befragungen umfassend untersucht. Es handelt sich um eine Vollerhebung an der sich 23 von 26 IV-Stellen beteiligten und 109 Arbeitgebende befragt wurden, mit denen die IV-Stellen vorgängig bereits zusammengearbeitet und die sie für eine Beteiligung an der Umfrage vorgeschlagen haben. Darüber hinaus wurden Fokusgruppendiskussionen mit Mitarbeitenden der 23 einbezogenen IV-Stellen geführt.

Perspektive der Arbeitgeber
Die Kontaktaufnahme mit der zuständigen IV-Stelle erfolgt aus Sicht der befragten Unternehmen in erster Linie telefonisch und über Besuche von IV-Mitarbeitenden in den Betrieben. Die Besuche fanden zum Teil regelmässig statt, sowohl fallabhängig und fallunabhängig. Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin erkrankt, ist es meistens der Betrieb selbst, der für die Kontaktaufnahme mit der IV-Stelle sorgt. Die Abläufe bei der Kontaktaufnahme und auch die Zusammenarbeit mit den IV-Stellen beurteilen die Arbeitgeber überwiegend positiv. Eine überwiegende Mehrheit der Arbeitgeber beurteilt die Ergebnisse sowie die Effizienz bzw. Wirksamkeit der Zusammenarbeit als gut. 69 Prozent der Befragten bestätigen, bei Angelegenheiten der beruflichen (Wieder-)Eingliederung (eher oder sehr) gut unterstützt zu werden. Aus Sicht der Arbeitgeber besteht aber auch Verbesserungsbedarf bei der fallbezogenen Bearbeitung, die ihnen oft zu lange dauert. Eine Einschätzung, die auch rund die Hälfte der 23 befragten IV-Stellen teilt.

Perspektive der IV-Stellen
Die Ergebnisse aus der Befragung der IV-Stellen zeigen, dass in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen wurden, um die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebenden zu verbessern. Hierzu gehören vor allem Anpassungen in der Organisations- und Prozessstruktur der IV-Stellen sowie die Einführung neuer Kommunikations- und Arbeitsinstrumente. Ihre Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern wird als in der Regel unkompliziert und wenig formalisiert dargestellt. Von entscheidender Bedeutung für eine gelingende fallabhängige Zusammenarbeit sind ein rascher Kontaktaufbau durch die IV, die persönliche Kommunikation sowie der Wille von IV-Stelle und Arbeitgebern, sich regelmässig auszutauschen.
Insgesamt haben die IV-Stellen ihre Strukturen und Abläufe sowie ihr Kommunikations- und Arbeitsinstrumentarium inzwischen gut auf eine engere Zusammenarbeit mit Arbeitgebern ausgerichtet.

Kontakt- und Kooperationsformen
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die IV-Stellen eine Vielzahl an unterschiedlichen Konzepten, Instrumenten und Massnahmen entwickelt und etabliert haben, die ihnen eine Vertiefung ihrer Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern erlauben. Um die beobachteten Ansätze der Zusammenarbeit zu systematisieren, wurde im Rahmen dieser Studie auf der Grundlage von Idealtypen eine Typologie der Kontakt- und Kooperationsformen entwickelt. Auf Basis der Umfrage und der Diskussionen mit den Fokusgruppen liessen sich mit der innovations-, koordinations- und anforderungsbezogenen Kooperation drei Typen der Zusammenarbeit identifizieren. Bei der innovationsorientierten Kooperation entwickeln oder optimieren IV-Stellen und Arbeitgeber Massnahmen und Angebote der (Wieder-)Eingliederung, die auf das Gesamtunternehmen ausgerichtet sind. Koordinationsorientierte Kooperationen überprüfen primär bestehende Abläufe und Prozesse zwischen IV-Stellen und Arbeitgebern bei der beruflichen (Wieder-)Eingliederung. In der anforderungsorientierten Kooperation schliesslich, unterstützt die IV-Stelle Arbeitgebende bei der konkreten, fallbezogenen (Wieder-)Eingliederung.

Ausblick
Die vorliegende Studie zeigt, dass die Zusammenarbeit der IV-Stellen mit den Arbeitgebern inzwischen vielfältige Formen angenommen und sich in Richtung einer wirksamen Unterstützung der Eingliederungsarbeit entwickelt hat. Entwicklungsbedarf besteht insbesondere bei der fallunabhängigen Zusammenarbeit. Um die Arbeitgebenden in der Bearbeitung komplexer Herausforderungen im Gesundheitsbereich effektiver unterstützen zu können, muss die Beratungskompetenz der IV-Mitarbeitenden vertieft werden.

Neben den Projektleitenden waren an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Pascal Amez-Droz und Roland Baur, Institut Professionsforschung und -entwicklung, sowie Lea Widmer und Cédric Duchêne-Lacroix, Institut Integration und Partizipation, beteiligt.

Zusammenarbeit mit IV-Stellen
Weitere Informationen zum Forschungsbericht.

 

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Geisen,
Institut Integration und Partizipation IIP,
thomas.geisen@fhnw.ch
Prof. Dr. Edgar Baumgartner,
Institut Professionsforschung und -entwicklung IPP,
edgar.baumgartner@fhnw.ch

Mitarbeit in der Arbeitsgruppe zu psychischer Gesundheit des ILO Global Business and Disability Network

13.10.2015 by

Psychische Erkrankungen haben in der Arbeitswelt an Bedeutung gewonnen. Der neue OECD-Bericht «Fit mind, fit job: From evidence to practice in mental health and work (2015)» belegt dies nachdrücklich.

Vor diesem Hintergrund hat das ILO Global Business and Disability Network eine Arbeitsgruppe zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt gegründet. Ziel ist es, bestehende Wissensbestände zu sichten und Wissen über die Bearbeitung von Aspekten psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz zusammenzutragen.

Dabei geht es vor allem darum, Good Practice in Bezug auf Prävention und im Umgang mit Aspekten psychischer Gesundheit zu identifizieren. Darüber hinaus soll geschaut werden, inwieweit Massnahmen und Politiken dazu beitragen, Unternehmen darin zu unterstützen, Beschäftigte mit psychischen Beeinträchtigungen zu rekrutieren, in Beschäftigung zu halten und deren berufliche Entwicklung zu fördern.

Prof. Dr. Thomas Geisen vom Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW ist zur Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe eingeladen worden. Neben Unternehmensvertreterinnen und -vertretern sind auch die International Disability-Alliance, das Business Disability Forum und die Cornell University in New York, USA, in der Arbeitsgruppe vertreten.

Gemeinsam mit der kanadischen University of Northern British Columbia UNBC bietet die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW ein “Degree in Cooperation” an: Das Master of Arts-Studium in Disability Management.

Kontakt
Prof. Dr. Thomas Geisen
Institut Integration und Partizipation IIP
thomas.geisen@fhnw.ch