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6. Deutsch-Österreichischer AIDS-Kongress in Innsbruck vom 12.–15. Juni 2013

02.07.2013 by

DOAK

Bei sommerlichen Temperaturen, umrahmt von schneebedeckten Bergen, zeigte sich Innsbruck am 6. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress von seiner schönsten Seite. Sibylle Nideröst, Daniel Goldberg und Christoph Imhof vom Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW hatten die Gelegenheit, drei wissenschaftliche Beiträge im Themenbereich HIV/Aids einem breiteren Publikum während der Posterausstellung bekannt zu machen.

Der Beitrag von Sibylle Nideröst und Daniel Goldberg stellte ihre Evaluationsergebnisse des EU-Projektes BORDERNETwork dar, das verschiedene Interventionen zur Förderung der kombinierten HIV-Prävention und der interdisziplinären Zusammenarbeit in Ost- und Südosteuropa entwickelt und implementiert hatte.

Die zwei Beiträge von Christoph Imhof, Olivier Favre und Daniel Gredig thematisierten das HIV-Schutzverhalten von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) und leisteten einen Beitrag zur präventionsorientierten HIV-Forschung.

Anlässlich der Posterpräsentationen ergaben sich interessante Gespräche und es war eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Vernetzung. Auffallend war, dass gerade bei den Posterpräsentationen im sozialwissenschaftlichen Bereich die praxisbezogenen Projekte dominierten. Als sozialwissenschaftlich Forschende hätten wir uns natürlich auch noch mehr forschungsbasierte Ergebnisse gewünscht.

DOAK
Christoph Imhof im Gespräch mit Matthias Wentzlaff-Eggebert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

“Unter der Nachweisgrenze geht’s weiter”
Für das Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, das seit über 13 Jahren im Bereich HIV/Aids forscht und lehrt, ist der alle zwei Jahre stattfindende Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress eine bereits etablierte Gelegenheit, um die eigenen Forschungsergebnisse einem deutschsprachigen Publikum bekannt zu machen und sich an den aktuellen Diskussionen im Bereich HIV/Aids zu beteiligen. Nebst Beiträgen aus der Medizin, der Virologie und der Immunologie zeichnet sich der Deutsch-Österreichische AIDS-Kongress auch durch eine starke Beteiligung der Betroffenen aus. HIV-positive Menschen sind Teil des Organisationskomitees, der Planung und der Veranstaltungen.

An diesem Kongress wurde wieder einmal mehr deutlich, dass ein Leben mit HIV, trotz der medikamentösen Therapie, weiterhin mit gesellschaftlichen Ausschlussprozessen verbunden ist. Die medikamentöse Therapie vermag zwar in den meisten Fällen die HI-Viren unter die Nachweisgrenze zu bringen, d.h., dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar sind. Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung sind jedoch weiterhin brennende Themen und nahmen an diesem Kongress einen wichtigen Platz ein und führten teilweise auch zu hitzigen Diskussionen. Abschliessend bleibt festzuhalten, dass das Team des Schwerpunkts „Menschen im Kontext von HIV“ der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW sich auch noch nach dem 6. Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongress gefordert sieht, durch seine Forschungsarbeit einen Beitrag zur Lösung der mit HIV verbundenen Problemlagen zu leisten.

Das Poster “BORDERNETwork: Evaluation eines EU-finanzierten Projekts zur kombinierten HIV-Prävention in Zentral-, Ost- und Südeuropa” finden Sie hier.

Kontakt:
Prof. Dr. Sibylle Nideröst, Daniel Goldberg, M.A. und Christoph Imhof, lic.phil.

Das Verhältnis von Migration und Urbanität

16.06.2013 by

Gwendolyn Gilliéron, wissenschaftliche Assistentin am Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW berichtet aus dem Forschungsprojekt “DACH – Lebensstrategien von (Migrations-)Familien in marginalisierten Quartieren”.

Städte sind heterogene Räume, die stark geprägt sind von Migration. Ihre Strukturen beeinflussen die Bewohnerinnen und Bewohner in vielerlei Hinsicht, so zum Beispiel in den Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten und den sozialen Beziehungen untereinander. Gerade Migrationsfamilien stehen vor einer grossen Herausforderung der Alltagsbewältigung, da sie oft von Arbeitslosigkeit oder Bildungsbenachteiligung betroffen sind.

Unser internationales Forschungsprojekt “DACH – Lebensstrategien von (Migrations-)Familien in marginalisierten Quartieren” fokussiert solche Lebenslagen. Im letzten Beitrag im November diskutierten wir die Umsetzung der ethnografischen Forschung im Projekt. Mittlerweile haben wir die ethnografische Feldforschung abgeschlossen und sind nun daran, die Daten auszuwerten. Erste Ergebnisse weisen auf sehr unterschiedliche Verhältnisse hin. Für den zweiten Schritt in der Datenerhebung, die Gruppeninterviews, sind wir folglich auf der Suche nach möglichst verschiedenen Familien, um dieser Diversität gerecht zu werden.

In der ethnografischen Forschung haben wir gesehen, dass die Quartiersstrukturen vor allem für die ärmere Bevölkerung wichtig sind. Diese Leute haben knappe finanzielle Ressourcen für Freizeitangebote und gehen selten aus dem Quartier in andere Stadtteile, deshalb sind sie besonders auf das Angebot im Quartier angewiesen. Wir haben jedoch festgestellt, dass gerade das Angebot an Spielplätzen und anderen Freizeitmöglichkeiten für Familien im untersuchten Quartier sehr beschränkt ist. Zudem sind sie oft zu teuer für die Familien.

Für gutsituierte Personen ist dies weniger relevant. Sie sind mobiler, das heisst, sie fahren schneller mal mit dem Fahrrad, dem Tram oder dem Auto in umliegende Quartiere, wo sie das vorfinden, was sie benötigen. Gutsituierte, die im Quartier jedoch seltener anzutreffen sind, nehmen dieses Defizit weniger wahr, sie schätzen die zentrale und doch ruhige Lage des Quartiers.

Einen weiteren Punkt, den wir beobachtet haben, ist, dass der schlechte Ruf des Quartiers oft dazu führt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich gezwungen sehen, ihren Wohnort zu rechtfertigen oder Klischees abzuschwächen. Für viele stimmt das äussere Bild des Quartiers nicht mit ihrer Wahrnehmung überein. So ist das “Ausländerinnen- und Ausländerquartier” sehr “multikulturell” und bietet eine grosse Vielfalt in der Bewohnerschaft. Ausserdem werden die billigen Wohnungen oft auch von Studentinnen und Studenten gemietet, die die alternative Szene ins Quartier mitbringen.

Erste Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden an der Migrationskonferenz “Migration und Urbanität” zur Diskussion gestellt.

Auch andere spannende Beiträge zu Migration, Bildung und Arbeit im Kontext der Stadt oder die Repräsentation von Migrantinnen und Migranten in Städten wurden dort präsentiert.

Die internationale und interdisziplinäre Konferenz fand vom 13.–15. Juni in Basel statt, weitere Infos zum Programm finden sich unter www.migrationskonferenz.ch.

Research in Development and Cooperation: Das Projekt SidaCosta der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW und der Universidad Libre de Costa Rica

02.01.2013 by

Prof. Dr. Daniel Gredig berichtet über ein gemeinsames Projekt mit der Escuela de Trabajo Social der Universidad Libre de Costa Rica (ULICORI). Ein Schwerpunkt des Projekts ist nicht nur der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn, sonder auch Unterstützung des Kompetenzaufbaus beim Forschungpartner in Costa Rica.

Am 7. Dezember 2012 fand in Zürich der “5th Information Day on Development and Cooperation” statt, der vom Koordinationsbüro der KFH Development Cooperation veranstaltet wurde. Die KFH Development Cooperation war ein Gefäss, das seit 2007 “Applied Research in Development and Cooperation” von Fachhochschulen gefördert hat und von der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) und der KFH getragen wurde. Dieses Programm stellt die Projektförderung im Sommer 2013 ein. Forschende an Fachhochschulen werden ihre entwicklungsorientierte Forschung künftig über andere Gefässe finanzieren müssen, wie z.B. das “Swiss Programme for Research on Global Issues for Development”, das von der DEZA und dem Schweizerischen Nationalfonds SNF getragen wird.

Die Formel “Research in Development and Cooperation” bringt die Koppelung von Forschungsvorhaben mit Entwicklungsanliegen und Kompetenzaufbau im Sinne von Bildungszusammenarbeit hoch verdichtet auf den Punkt: Projekte der entwicklungsorientierten Forschung verfolgen in der Regel nicht nur einen Zuwachs wissenschaftlicher Erkenntnis. Ihre Ergebnisse sollen zugleich für die Bearbeitung von Herausforderungen von Relevanz sein, denen sich Länder mit mittleren oder tiefen Einkommen gegenüber sehen. Die Projekte weisen deshalb oft eine direkte Verbindung zu Entwicklungszielen wie den Millennium Development Goals der Vereinten Nationen auf. Ausserdem soll die kooperative Anlage dieser Projekte dazu dienen, in der Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten vor Ort die Kompetenzen für Forschung und die Entwicklung von wissenschaftsbasierten Lösungsansätzen für Probleme auf- und auszubauen.

Das Projekt SidaCosta (Conducta de protección frente al VIH/SIDA en jóvenes entre 15 y 24 años de edad en Costa Rica) der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW (HSA FHNW) stellt ein Projekt dar, an dem diese typische Verbindung von Zielsetzungen exemplarisch fassbar wird:

Die HSA FHNW und die Escuela de Trabajo Social der Universidad Libre de Costa Rica (ULICORI) haben sich auf die gemeinsame Durchführung einer Studie verabredet, um Grundlagen für Angebote der HIV-Prävention zu erarbeiten, die in diesem zentralamerikanischen Kontext relevant und realisierbar sind. In wissenschaftlicher Hinsicht bietet das Projekt die Möglichkeit, ein Modell zur Erklärung von HIV-Schutzverhalten auf den zentralamerikanischen Kontext hin anzupassen und zu prüfen, das von Mitarbeitenden der HSA FHNW weiterentwickelt und im europäischen Kontext bereits erprobt worden war. Das Projekt, das aus der gemeinsamen Diskussion mit den Kolleginnen an der ULICORI entstand und zum Teil von der KFH Development Cooperation finanziert wird, trägt zur Realisierung des globalen Ziels der HIV- und Aids-Bekämpfung bei (MDG 6) und ist so eingerichtet worden, dass es erlaubt, die Forschungskompetenzen der Partneruniversität auszubauen. Dies wiederum unterstützt die Escuela de Trabajo Social auf ihrem Weg von einer lehrorientierten Bildungsorganisation zu einer universitären Schule für Soziale Arbeit, an der Lehre und Forschung verbunden werden.

Die Organisation des Projekts sieht das Zusammenwirken von drei Gruppen vor: Im Zentrum findet sich das Kernteam der Forschenden. Dieses Kernteam konsultiert in regelmässigen Abständen eine Begleitgruppe. Diese setzt sich aus Fachpersonen der Sozialen Arbeit zusammen, die in Costa Rica mit Menschen mit HIV arbeiten. Die dritte Gruppe dient der Vernetzung. Sie setzt sich aus Stakeholdern an der Universität,  im staatlichen Gesundheitswesen und in der Politik zusammen.

Cand. Lic. Itzel Granados Valverde (ULICORI), Prof. Dr. Maritza LeBreton (HSA FHNW), Lic. Viviana Solís Lara (ULICORI), Prof. Dr. Daniel Gredig (HSA FHNW)

Das Kernteam setzt sich aus den zwei Forschenden der HSA FHNW und zwei Absolventinnen des Lizentiatsstudiums in Sozialer Arbeit an der Partneruniversität zusammen. Die zwei jungen Forscherinnen können so erste Forschungserfahrungen sammeln, während sie von erfahrenen Forschenden begleitet und weitergebildet werden. Zugleich werden sie in die Dissemination der Ergebnisse in Form von Publikationen und Vorträgen einbezogen. Dies erlaubt ihnen, erste wichtige Elemente eines Leistungsausweises zu erarbeiten, die für ihre weitere Tätigkeit als Forscherinnen günstige Voraussetzungen bilden. Das Projekt profitiert in dieser Konstellation von der Zusammenführung von zwei Expertisen: Der Kompetenz zu forschen einerseits und genaueste Kenntnisse des lokalen Kontextes andererseits. Die Forschenden der HSA FHNW erhalten ihrerseits die Gelegenheit geboten, ihre Kompetenzen in der Nord-Süd-Zusammenarbeit zu erweitern. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden schliesslich dazu beitragen, situationsangemessene Angebote für die HIV-Prävention in Costa Rica entwickeln zu können.