Kindswegnahmen

11.11.2016 by

Kindswegnahmen_WebFast 600 Kinder wurden zwischen 1926 und 1973 von der Stiftung Pro Juventute mithilfe der Behörden ihren Eltern weggenommen und in Pflegefamilien, Erziehungsheimen, Arbeitsanstalten, psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen untergebracht.

Ziel der Pro Juventute war es, sogenannte Vagantenfamilien systematisch aufzulösen. Solche massiven Eingriffe in die Grundrechte setzen das Einverständnis
der Behörden voraus. Wie sie das Recht auslegten und anwendeten, ist ein zentrales Thema dieser Arbeit.

Die Arbeit zeigt aber auch die Grenzen der Aktion «Kinder der Landstrasse» auf. Die Pro Juventute verfehlte ihr Ziel, die Familien aufzulösen, nämlich weit häufiger als beabsichtigt. Zudem wird das Wirken der Pro Juventute im zeitgenössischen Kontext beleuchtet. Die Autorin zeigt auf, warum die Umerziehungsmassnahmen trotz des sich früh abzeichnenden Scheiterns so lange aufrechterhalten werden konnten, und sie ermöglicht neue Einblicke in Netzwerke, Diskurse und Praktiken der schweizerischen Jugendfürsorge im 20. Jahrhundert.

Galle, Sara: Kindswegnahmen. Das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute im Kontext der schweizerischen Jugendfürsorge. 2016. ISBN: 978-3-0340-1327-7

Kontakt
Dr. des. Sara Galle, wissenschaftliche Mitarbeiterin,
Institut Integration und Partizipation,
sara.galle@fhnw.ch

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