Verleihung Frauen-Forschungspreise am Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress 2015

02.07.2015 by

Workshop der Sektion “All Around Women Special” AAWS der Deutschen AIDS-Gesellschaft DAIG vom 24. Juni 2015 im Rahmen des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses 2015 DÖAK in Düsseldorf mit Beteiligung der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Im Rahmen des 7. Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses DÖAK fand zum neunten Mal der “All Around Women Special” Workshop der AAWS-Sektion der Deutschen Aids-Gesellschaft DAIG statt, an dem sich die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW seit 2005 beteiligt.

"All Around Women Special" Workshop am DÖAK Aids-Kongress 2015 in Düsseldorf

Prof. Dr. Sibylle Nideröst, Co-Vorsitzende des “All Around Women Special” Workshops am DÖAK Aids-Kongress 2015 in Düsseldorf.

Dieses Jahr hatte Prof. Dr. Sibylle Nideröst, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Olten/Basel, zusammen mit Ulrike Sonnenberg-Schwan, Vorsitzende der AAWS-Sektion der DAIG aus München und Dr. Ulrike Haars, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie des Universitätsklinikum Düsseldorf, die Organisation und den Vorsitz des Workshops inne.

Unter den eingeladenen Referentinnen waren Jennifer Ebert, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Freie Universität Berlin und Prof. Dr. Luzia Jurt, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Olten/Basel. Jennifer Ebert präsentierte ihre Analyse zu Komorbiditäten von HIV-positiven Frauen über 50 Jahren aus der deutschweiten Studie HIV50plus. Sie zeigte unter anderem auf, dass Frauen im Gegensatz zu Männern häufiger von Lungenerkrankungen und chronischen Schmerzen betroffen sind, und ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität zudem signifikant schlechter einschätzen. Auffallend war, dass HIV-positive Männer häufiger Angebote der Krebsvorsorge in Anspruch nehmen als Frauen. Auch war die Impfungsrate gegenüber Grippe bei den Frauen deutlich geringer.

Wie effektiv der peer-to-peer Ansatz sein kann, zeigte Frau Prof. Dr. Luzia Jurt, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Olten/Basel, in ihrer Präsentation der Ergebnisse der Evaluation eines mit interkulturellen Mediatorinnen und Mediatoren agierenden Projekts der Aids-Hilfe Schweiz zur HIV/STI-Prävention bei Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Afrika auf. Diese ergab, dass die in der Schweiz lebende Bevölkerung aus Subsahara-Afrika über HIV/STI-Risiken und mögliche Schutzmassnahmen sowie zu Präventions- und HIV-Testangeboten gut informiert ist. Trotzdem verwendete nur die Hälfte der Befragten beim Sex mit Gelegenheitspartnerinnen und -partnern konsequent Kondome, und ein Drittel hat bisher sogar noch nie einen HIV-Test gemacht. Obwohl die meisten Befragten eine von HIV betroffene Person in ihrem Umfeld kennen und von deren Diskriminierung wissen, nehmen sie selber häufig stigmatisierende Zuschreibungen bezüglich der Betroffenen vor. Das Präventionsprogramm sollte daher vermehrt der Heterogenität der Subsahara-Bevölkerung Rechnung tragen und auf besonders vulnerable Untergruppen fokussieren. Insbesondere sollen soziokulturelle Faktoren und die Einstellung gegenüber HIV und den Betroffenen berücksichtigt und thematisiert werden.

Gleich zwei Frauen-Forschungspreise verliehen
Zum dritten Mal seit 2009 wurden im Rahmen des Workshops zwei mit je 1 000 Euro dotierten Frauen-Forschungspreise verliehen.

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(v.l.) Dr. Jennifer Neubert, Prof. Dr. Sibylle Nideröst, Ulrike Sonnenberg-Schwan (Co-Chair und Vorsitzende AAWS-Sektion DAIG), Linn Mehnert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der erste Preis ging an Dr. Jennifer Neubert, Kinderärztin, Klinik für Kinder-Onkologie, -Hämatologie und Klinische Immunologie, Universitätsklinikum Düsseldorf für ihre Untersuchung zur postnatalen antiretroviralen Therapie bei Neugeborenen von HIV positiven Müttern. Bei rund 200 Neugeborenen wurden über einen Zeitraum von 15 Jahren anstelle von sechs Wochen lediglich während zwei Wochen oral antiretrovirale Medikamente verabreicht. Durch die zweiwöchige orale Prophylaxe konnte das Übertragungsrisiko in der Gruppe der Neugeborenen mit geringem Risiko auf 0.7 % gesenkt werden. Die Ergebnisse haben bereits Eingang in die aktuellen Leitlinien von 2014 “HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen” gefunden. Die Verkürzung der oralen HIV-Prophylaxe reduziert nicht nur die Belastung der Kinder, sondern auch diejenige der Mütter, da eine kürzere Dauer auch den Alltag der Mütter vereinfacht.

Der zweite Preis ging an Linn Mehnert aus Leipzig für ihre Masterarbeit an der FernUniversität Hagen, in der sie den Effekt von Ähnlichkeit bei Beratungsangeboten für Frauen mit HIV untersucht hatte. Frauen, die mit HIV leben, zeigten eine stärkere Annahmebereitschaft des Beratungsangebots, wenn die Beraterin selber HIV-positiv war. Die HIV-positiven Beraterinnen wurden als empathischer und glaubwürdiger eingeschätzt und wahrgenommen als die Beraterinnen ohne HIV-Infektion, insbesondere von Frauen mit geringem Selbstwertgefühl. Es gilt daher HIV-positive Frauen verstärkt zu Beraterinnen auszubilden und Projekte, die nach diesem peer-to-peer-Ansatz arbeiten, zu fördern und weiter auszubauen.

Mehr über den Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress und die Deutsche AIDS-Gesellschaft DAIG erfahren Sie hier:

www.daignet.de

www.doeak2015.de

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