BREF-Projekt «Systemische Diagnostik für die Soziale Arbeit»

14.04.2015 by

Soziale Arbeit setzt am Verhältnis von Individuum und Gesellschaft an. Die individuelle Lebensführung ist in vielfacher Weise in soziale Strukturen eingebunden und mit sozialen Systemen verflochten. Eine systemische Diagnostik, die in der Lage wäre, solche komplexen Bedingungsgefüge aufzuschliessen, würde passgenaue und daher vermutlich wirksamere Hilfen ermöglichen und zu nachhaltigen Problemlösungen beitragen. Genau dieses Ansinnen steckt hinter dem BREF-Projekt «Systemische Diagnostik für die Soziale Arbeit».

Die gesellschaftliche Entwicklungsdynamik erzeugt zunehmend komplexe Problemlagen, wodurch die Hilfepraxis in verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit an Grenzen stösst.

In Forschungsprojekten an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW haben wir Menschen über längere Zeit in Beratungs- und Reintegrationsprozessen beobachtet. Dabei konnten wir nachweisen, dass die Komplexität der Problemkonstellationen der Sozialen Arbeit weder in Theorie noch Praxis adäquat wahrgenommen und bearbeitet wird.

Begrenzte Nachhaltigkeit und Effektivität der Lösungsansätze

Die Lösungsansätze basieren daher häufig auf einem unzureichenden Problemverständnis und sind von begrenzter Nachhaltigkeit und Effektivität. Es ist uns auf der Grundlage unserer Forschungsarbeiten in den letzten Jahren zwar gelungen, eine forschungsbasierte Theorie der Sozialen Arbeit mit den Kategorien «Integration» und «Lebensführung» zu entwickeln.

Sie ermöglicht es, die Komplexität und Dynamik von Fällen aus einer systemtheoretischen Perspektive zu fassen (Sommerfeld/Hollenstein/Calzaferri 2011). Im Hinblick auf die Entwicklung einer dem Gegenstand der Sozialen Arbeit angemessenen Diagnostik besteht aber nach wie vor grosser Entwicklungsbedarf.

Systemische Diagnostik für komplexe Fälle der Sozialen Arbeit

Das von der Gebert Rüf Stiftung geförderte BREF-Projekt «Systemische Diagnostik für die Soziale Arbeit» setzt an dieser Stelle an und nutzt das Potenzial der Theorie «Integration und Lebensführung» (Sommerfeld/Hollenstein/Calzaferri 2011) für die Entwicklung und Diffusion einer systemischen Diagnostik von komplexen Fällen in der Sozialen Arbeit.

Dabei sollen Instrumente aus der Forschung (z.B. Auswertung von biografischen Interviews) für die Anwendung in der Praxis weiterentwickelt und an deren Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst werden. Zur Unterstützung bei der Anwendung wird mit der Hochschule für Technik FHNW eine Software zur Modellierung der systemischen Falldynamik entwickelt.

Softwareunterstütze diagnostische Verfahren und Instrumente

Da eine so angelegte Diagnostik hohe Kompetenzen voraussetzt, wird einerseits parallel zur Entwicklung der softwareunterstützten diagnostischen Verfahren und Instrumente ein darauf bezogenes Weiterbildungsangebot ausgearbeitet.

Andererseits wird ein  marktfähiges Dienstleistungsangebot aufgebaut und getestet. Dieses ergänzt die bisherige psychologisch-psychiatrische Gutachtertätigkeit um den Blick auf soziale Problemkonstellationen und ermöglicht, Diagnostik- und Gutachteraufgaben an die Expertinnen und Experten der Hochschule (oder später akkreditierter Expertinnen und Experten) zu delegieren.

Eine Community für Praktizierende und Forschende

Sollte das Projekt gelingen, kann von einem Durchbruch für die Professionalität in der Sozialen Arbeit gesprochen werden. Zwölf profilierte Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis der Sozialen Arbeit sehen dieses Potenzial und den Bedarf für eine systemische Diagnostik.

Die beteiligten Praxispartnerinnen und Praxispartner sollen zudem als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wirken und es soll eine Community von Praktikerinnen und Praktikern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgebaut werden, die sich mit den Fragen einer systemischen und der Komplexität angemessen darstellenden Diagnostik in der Sozialen Arbeit auf Dauer auseinandersetzt.

Weitere Informationen auf www.soziale-diagnostik.ch

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