Mit Zielen arbeiten trotz widriger Umstände

11.06.2013 by

Zum fünften Mal wird die die Workshop-Tagung Klinische Sozialarbeit durchgeführt. Am 13. und 14. Juni werden an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW in Olten rund 200 Teilnehmende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet. Unterstützt wird die Tagung vom Schweizerischen Nationalfonds SNF und von Avenir Social, dem Berufsverband für Soziale Arbeit.

Die Tagung führt das Institut Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW durch. Der Tagungstitel lautet “Mit Zielen arbeiten trotz widriger Umstände”.

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Soziale Arbeit hilft Menschen in prekären Lebenssituationen, Notlagen oder Krisen. Menschen, die auf die Hilfe Sozialer Arbeit angewiesen sind, befinden sich vielfach am Rande der Gesellschaft, werden diskriminiert, benachteiligt und von wichtigen gesellschaftlichen Prozessen ausgeschlossen.

Es ist ausgesprochen schwierig, unter Bedingungen sozialer Benachteiligung Ziele zu haben oder zu entwickeln, noch schwieriger ist es, Ziele zu verfolgen. Forschungsbefunde weisen jedoch darauf hin, dass sich das Vorhandensein von Zielen global positiv auf die Gesundheit von Menschen auswirkt. Auf der Basis eines verbesserten Wohlbefindens steigen die Chancen auf mehr eigene Aktivität, mehr Selbstvertrauen und mehr eigene Versuche, Schwierigkeiten im Leben zu ändern. Die Aufgabe, eine Gesellschaft so zu gestalten, dass Soziale Gerechtigkeit ein wichtiges Ziel ist, ist politischer Natur. In der Situation des Einzelfalls braucht es individuelle Unterstützung. Hier kommt der Arbeit mit Zielen eine wichtige Bedeutung zu. Schwierige Lebenssituationen ändern sich, wenn es gelingt, trotz vorhandener Schwierigkeiten Ziele zu haben. Ziele können positiv wirken, auch wenn sie noch nicht umgesetzt wurden.

Arbeit mit Zielen beansprucht nicht, eine umfassende Lösung sozialer Probleme zu sein, aber sie kann einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung von Problemen darstellen. Ziele selbst haben daher einen wichtigen Wert in der Arbeit mit Betroffenen. Wie können hilfesuchende Menschen auch unter schwierigen Lebensbedingungen positive Erfahrungen machen? Wie können Betroffene bedeutsame Ziele entwickeln? Ein Ziel haben, bedeutet sich etwas vorzunehmen, damit verbindet sich das Vertrauen, dass es sich lohnen könnte, selbst Einfluss zu nehmen oder auch unter schwierigen Bedingungen einen Sinn zu finden. Die Hilfeleistung Sozialer Arbeit taucht in der Regel dann auf, wenn eben dieses Vertrauen ins Leben gerade erschüttert ist, z.B. nach dem Verlust der Arbeit, nach einer Trennung, mit der Erkenntnis einer Diagnose wie z.B. Krebs oder nach dem Tod von Angehörigen.

Als zentral in dieser Arbeit gilt die Motivation von betroffenen Menschen, die umso einfacher zu wecken ist, je erreichbarer und bedeutungsvoller Ziele sind. Ziele können Vorstellungen, Wünsche, Werte oder andere bedeutsame Inhalte einer Person sein, oft sind sie nicht Gegenstand bewusster Überlegung, es kann beispielsweise der Wunsch sein, eine Beziehung zu haben, ein interessantes Leben zu führen, die Grundlagen der eigenen Existenz zu sichern, eine Arbeit zu haben, angenehm zu wohnen oder das Bedürfnis, sich sicher und aufgehoben zu fühlen.

Schwierigkeiten in der Sozialen Arbeit ergeben sich, wenn gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Klientel zwar Ziele vorsehen, diese aber für die Betroffenen weder attraktiv noch handlungsbedeutsam sind. Ziele haben dann auf Lebenssituationen, zu verändernde Verhältnisse oder zu veränderndes Verhalten keinen Einfluss. Ein generelles Anliegen Sozialer Arbeit – nämlich die Verbesserung von Gesundheit und die Verminderung sozialer Ungleichheit – kann so kaum erreicht werden.

Die Workshop-Tagung führt international Expertinnen und Experten zusammen, die über ausgewiesene Forschungs- und Praxiserfahrung verfügen. Sie sind an verschiedenen Hochschulen Europas und der USA tätig und führen die Diskussion um die Entwicklung von Zielen. Die Tagung richtet sich an Fachpersonen der Sozial- und Beratungsarbeit, der Gesundheit und psychosozialen Praxis.

Weitere Informationen zur Tagung auf www.klinischesozialarbeit.ch.

Kontakt:
Prof. Dr. Günther Wüsten, T +41 62 957 21 58, guenther.wuesten@fhnw.ch

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