Begabungsförderung? Interessenförderung!

21.04.2016 by

 

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MINT-Förderung
An unsere Ferienplausch-Sonnenforschungskurse melden sich immer wieder erstaunliche Kinder an. Es sind Weltraumfans, die sich bereits intensiv mit Astronomiethemen auseinander gesetzt haben. Sie wissen viel, stellen clevere Fragen und bringen kreativen Ideen ein. Zum Beispiel:

 

Wir könnten ein Raumschiff in die Sonne schicken bis es schmilzt und sehen, bis wann es Bilder schickt (ein 8-jähriges Mädchen).

Nicht die erste Person, die auf diese Idee kommt. Die NASA wird mit der Sonde Solar Probe Plus genau dies tun.

Wir sollten einen Satelliten bauen, der ganz schnell der Erde vorausfliegen und hinter die Sonne blicken kann (ein 7-jähriger Junge).

Diese Idee wurde bereits mit den Satelliten STEREO umgesetzt. Einer der beiden ist hinter der Sonne leider kaputt gegangen (erklärt Kursleiter Marco Soldati).

Könnte man die Sonne nicht einfach röntgen, um zu sehen, wie es darin aussieht? Wie meine Hand? (nochmals die 8-Jährige)

Tricky! Man bräuchte eine riesige Röngtenplatte um das Bild aufzunehmen, viel grösser als die Erde, … (Marco kommt ziemlich ins Studieren).

Kann man ein Material erfinden, dass 6000°C aushält, um es unter die Sonnenoberfläche zu schicken? (ein 8-jähriger Junge)

Keine Ahnung. Das Material mit dem höchsten bekannten Schmelzpunkt ist laut Wikipedia Tantalhafniumcarbid. Es schmilzt bei 4215 °C. Hier am Institut wüssten die Leute von STIX wahrscheinlich mehr (Marco hat recherchiert:-).

Begabtenförderung? Interessenbezogene Förderung!

 

Sind Kinder, die solche Ideen haben, besonders begabt und brauchen darum Begabtenförderung?  Der Begriff gefiel mir ehrlich gesagt nie. Für mich hat er etwas Elitäres. 

Mir ist die Vorstellung von interessenbezogener Förderung lieber. Die meisten Kinder in unseren Kursen haben diesen selber ausgewählt und sind sehr interessiert. Aber nicht unbedingt auf dieselbe Art. Die einen sind von der Schönheit der Phänomene fasziniert, die anderen vom Entdecken der und Denken über die Natur, der mit der Forschung verbundenen Technologie oder den Möglichkeiten der Informatik.

Ich glaube, diese Woche ist es uns  ziemlich gut gelungen, das Interesse unterschiedlicher Kinder an der Sonne zu fördern. Im letzten und freien Teil des Kurses für 10-13 Jährige kategorisierten die einen für das Citizen Science Projekt SunSpotter.org Daten, machten andere mit André Csillaghy und der Software helioviewer.org Videos der aktuellen Sonne, bastelten einen Magnetfeldrahmen, richteten draussen die Sonnenteleskope neu aus, oder guckten sich einfach in all den vorhandenen Materialien um.

Eine Auswahl an Aktivitäten war schon früher Teil unseres Programmes, aber diesmal war sie besser auf unterschiedliche Kinder ausgerichtet.

Der Aufwand für einen solchen Kurs ist relativ gross. Da wir ihn mehrmals durchführen, können wir ihn ständig verbessern.

Im Gegensatz zu Lehrpersonen in Schulen müssen wir nicht täglich etwas Neues bringen, sondern haben den Luxus, uns auf ein Gebiet spezialisieren zu können. Auch müssen wir nicht primär Kompetenzen unterrichten, sondern können uneingeschränkt mit Inhalten arbeiten, was die Interessenförderung vereinfacht.

Interessenförderung könnte eine Art integrierte Begabtenförderung sein, bei der Kinder einfach sich selbst sein können ohne von jemandem als mehr oder weniger begabt definiert zu werden.

 

 

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