Die Sonne im November 2014

05.12.2014 by

TitelbildNovember

 

Weltraumwetter aktuell

Der November war ein Geschenk für Liebhaberinnen und Liebhaber von Polarlichtern. Beinahe jede klare Nacht bot ein Spektakel an tanzenden Lichtern. Manchmal waren sie sogar tagsüber zu sehen.

Sonnenfleck > Sonnenausbruch > Sonnensturm > Polarlicht; so erkläre ich das Phänomen normalerweise. In diesem Monat produzierten die Sonnenflecken jedoch genau dann, als sie der Erde gegenüber standen, kaum nennenswerten Ausbrüche. Woher also die Lichter?

Der Sonnenwind, der sie verursacht, strömt ständig in alle Richtungen von der Sonne weg. Die Erde befindet sich dauernd in diesem Strom von geladenen Teilchen. Aber nur sehr schnelle Winde bringen die Erdatmosphäre bei den Polen zum Leuchten. Es sind hauptsächlich die folgenden Phänomene und Ereignisse auf der Sonne, die zu schnellen Sonnenwinden führen:

1. Explosionen (Flares) bei Sonnenflecken, die riesige Mengen an geladenen Teilchen in den Weltraum katapultieren können.

2. Massenauswürfe, wenn eine der langfädigen Plasmawolken, die über der Sonnenoberfläche schweben, aufbricht. Dies kann auch an Orten ohne Sonnenflecken geschehen.

3. Sonnenwind, der ungehindert aus sogenannten koronalen Löchern entweichen kann. Dieser ist viel schneller als der ständig strömende Sonnenwind.

Im November waren alle drei Phänomene an den Polarlichtern beteiligt. Zudem hängt es noch davon ab, wo und in welchem Winkel die geladenen Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen, denn diese verbreiten sich nicht einfach frei im Weltraum, sondern … und jetzt wird es kompliziert.

Hier einfach einige Bilder, direkt und unbearbeitet von der Aurora Livecam in Abisko, Schweden.

 

Sonnenflecken

Zwei Fleckengruppen waren auffällig: 2205, die gleich zu Beginn des Monats auftauchte, und ab dem 14. 11. die Gruppe 2209.

SDO HMI Int (2014-11-03 16-55-58 - 2014-12-01 12-51-25 UTC)

Für Video Sonnenflecken im November Bild anklicken

2205 machte sich bereits mit grossen Ausbrüchen bemerkbar, als sie sich noch hinter dem östlichen Sonnenhorizont befand. Nachdem sie endlich aufgetaucht war, ging es weiter: 2-3 grosse M-Flares pro Tag und am 7. November sogar ein riesiger Flare der Kategorie X.

Sobald sich die Fleckengruppe gegenüber der Erde befand und es richtig spannend geworden wäre, weil wir uns quasi in der Schusslinie befanden, ging die Aktivität zurück. Kein Sonnensturm, der uns hätte treffen können.

Mitte Monats tauchte der Riesenfleck 2192 vom Oktober wieder auf, nun als 2209. Immer noch gross, aber weniger komplex, produzierte er gleich zu Beginn drei M-Flares. Dann gab es aber keine grösseren Ausbrüche mehr, bis er nach zwei Wochen wieder hinter dem westlichen Horizont verschwand. Werden wir von ihm einen dritten Umlauf sehen?

Sonnenfleck 2192, 23. Oktober 2014

Sonnenfleck 2192, 23. Oktober 2014

Ehemaliger Sonnenfleck von oben, nun als 2209 am 19. November 2014

Ehemaliger Sonnenfleck 2192, nun als 2209 am 19. November 2014

 

Sonnenausbrüche

Unten alle Sonnenausbrüche (Flares) der sichtbaren Seite der Sonne, aufgezeichnet vom Weltraumteleskop GOES.

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Sonnenfleckenzyklus

Der 24. Sonnenfleckenzyklus ist bisher einer mit zwei Höhepunkten, wie der letzte Zyklus. Der zweite Höhepunkt im Frühjahr diesen Jahres war grösser als der erste in 2011.

Typisch ist, dass die meisten Sonnenflecken des ersten Höhepunktes in der nördlichen Halbkugel der Sonne erschienen und die meisten Sonnenflecken des zweiten Höhepunktes in der südlichen.

Auch wenn die Kurve am Sinken ist, heisst es noch nicht, dass nichts mehr passieren wird. Die grössten Ausbrüche des letzten Sonnenfleckenzyklus ereigneten sich erst lange nach dem Höhepunkt.

sunspot

Sollten Sie diesen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt lesen, finden Sie eine aktualisierte Grafik auf www.swpc.noaa.gov/SolarCycle/

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