Forschungsprojekte mit der EU Teil 6: Zurück in die Schweiz dank EU-Forschungsgeldern

27.11.2014 by

 

TitelbildKleint

News aus dem Institut: Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (nicht nur) der Sonnenphysik ist es unabdingbar, an einer Forschungsinstitution im Ausland gearbeitet zu haben. Sie können dort Erfahrungen machen, für welche die Schweiz zu klein ist, welche aber notwendig sind, damit die Schweiz bei internationalen Forschungsvorhaben mithalten kann.

Zurück kommen ist alles andere als einfach. Lucia Kleint, die seit Mai 2014 in der Forschungsgruppe Heliophysik arbeitet, hat an zwei der bedeutendsten Forschungslabors der Welt gearbeitet. Ihr ist der Schritt zurück in die Schweiz dank EU-Forschungsgeldern gelungen.

 

Frau Kleint, was haben Sie gemacht, bevor Sie ans i4Ds gekommen sind?

Nach dem Doktorat an der ETH habe ich mit einem Fellowship am High Altitude Observatory in Boulder, Colorado gearbeitet. Dabei habe ich Sonneneruptionen beobachtet mit einer Technik, welche vorher sehr selten dafür verwendet worden ist.

Zur weiteren Erforschung dieses neuen Gebiets schrieb ich einen Antrag an die NASA um Forschungsgelder, welcher glücklicherweise bewilligt wurde. Danach forschte ich am Lockheed-Martin Solar and Astrophysics Laboratory in Palo Alto, Kalifornien, teilweise an meinem eigenen Projekt und ich habe auch bei der IRIS Mission, einem neuen Sonnensatelliten, mitgearbeitet.

Hätten Sie dies nicht auch in der Schweiz tun können?

Nein, erstens war das Gebiet Sonnenphysik leider zu klein in der Schweiz als der Lehrstuhl an der ETH aufgelöst wurde und zweitens ist es in den USA einfacher, auch als jüngerer Wissenschaftler ein eigenes Projekt zu erhalten. Es hat mich auch gereizt, etwas Neues zu erleben und ein anderes Land kennen zu lernen und ich bin froh, dass ich das konnte.

Was hat Sie veranlasst, in die Schweiz zurück zu kehren?

Hauptsächlich persönliche Gründe, mir gefällt es in der Schweiz und ich habe einiges vermisst. Ausserdem musste ich in vier Jahren vier Mal umziehen und immer an einem neuen Ort vor vorne beginnen, weit weg von Freunden und Familie, was mit der Zeit mühsam wird.

Dazu ist es fast unmöglich, in den USA in der Forschung eine unbefristete Stelle zu erhalten, und die Arbeitsbedingungen in der Schweiz sind viel besser.

Für die Zukunft hoffe ich, dass ich entweder beim Sonnensatelliten (STIX, Solar Orbiter) an der FHNW weiterarbeiten kann, oder dass ich mich auf eine Professur in der Schweiz bewerben kann.

Ich stelle mir vor, dass eine schweizerische Wissenschaftlerin, die an einer der renommiertesten Universitäten der Welt arbeitet, sofort wieder eine Stelle in der Schweiz findet. Stimmt diese Vorstellung?

Leider nicht. In der Schweiz gibt es sehr wenige Stellen in der Astronomie und viele davon werden nach politischen Kriterien besetzt. Ich konnte nur dank EU-Forschungsgeldern zurückkommen und weil die FHNW zugestimmt hat, meinen Antrag zu unterstützen und mich im Erfolgsfall anzustellen. Die Erfolgschancen bei einem solchen Antrag sind kleiner als 15%, weil sich so viele Wissenschaftler bewerben.

Das Forschungsgeld der EU ist auf zwei Jahre beschränkt und was danach kommt, weiss ich nicht. Ich mag die Forschung, könnte mir aber auch vorstellen, in der Industrie zu arbeiten, vor allem weil ich sowohl während des Doktorats, wie auch bei Lockheed bei technischen Projekten mitgearbeitet habe (Optik, Instrumentenbau, Testen eines Satelliten). Wie schwierig es wäre, eine solche Stelle zu erhalten, weiss ich (noch) nicht.

Was bedeutet die Forschungsförderung der EU für Sie?
Für mich ist sie extrem wichtig, nur dank ihr konnte ich in die Schweiz zurückkehren.

Vielen Dank, Frau Kleint, dass Sie uns Einblick in Ihre Erfahrungen gewährt haben.

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Dr. Lucia Kleint forscht mit einem Marie Curie Fellowship am Institut für 4D-Technologien an einem eigenen Projekt zur Erforschung von Sonneneruptionen und arbeitet im STIX/SolarOrbiter Team mit.

Kontakt: lucia.kleint@fhnw.ch

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In der Reihe EU-Projekte sind folgende Beiträge erschienen:

Sind wir noch dabei? Aus der Perspektive von Arnulf Bohnacker, Euresearch Contact Point & Forschungs-support FHNW

Was bringen sie? Aus der Perspektive von André Csillaghy, Leiter des Instituts für 4-D Technologien, FHNW

Erfahrungen aus der Praxis. Aus der Perspektive des Informatikers Marco Soldati

Wissenschaftsvermittlung. Aus er Perspektive der Autorin dieses Blogs Hanna Sathiapal

Papiertiger EU-Projekt? Aus der Perspektive der Fachperson für EU-Project/Finance Controlling & Administration Katja Lapadula

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Weiterführende Informationen:

zum Europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 ec.europa.eu/horizon2020

zur Teilnahme der Schweiz am europäischen Forschungsprogramm euresearch.ch

zu unseren EU-Projekten FLARECAST, HESPE, HELIO und CASSIS finden Sie auf der Projektseite dieses Blogs. Falls Sie mehr wissen möchten, gibt Ihnen der Institutsleiter André Csillaghy gerne Auskunft.

 

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