Forschungsprojekte mit der EU Teil 4: Wissenschaftsvermittlung

10.11.2014 by

 

TitelbildSathiapal

News aus dem Institut: Die Wissenschaftsvermittlung, die vor wenigen Jahren noch als wenig ernst zu nehmende, freiwillige Aktivität galt, hat an Bedeutung gewonnen. Ein EU-Gesuch ohne einen starken öffentlichen Kommunikationsteil hat kaum eine Chance, finanziert zu werden. (Das gilt übrigens auch für eines ohne genügend grossen Frauenanteil.) 

Die Wissenschaftevermittlerin und Autorin dieses Blogs, Hanna Sathiapal, beantworte hier dieselben Fragen, die sie den Partnern der bisherigen Beiträge der Serie EU-Projekte gestellt hatte.

 

Für welche EU-Projekten haben Sie gearbeitet?

Hauptsächlich für HELIO und HESPE. Die entstandenen Bildungs- und Kommunikationsmodule funktionieren aber auch für andere Forschungsprojekte. Siehe z.B. scienceonatable.org oder sonnenlabor.ch. Ab 2015 kommt unser neues Projekt FLARECAST dazu, wo es darum geht, einen datenbasierten Service zu entwickeln, der es erlaubt, das Weltraumwetter besser beobachten und voraussagen zu können. Hier leite ich ein eigens der Kommunikation gewidmetes Arbeitspaket.

 

Was ist für Sie das Positive an EU-Projekten?

Die EU war offen für unsere Bemühungen, als projektbasierte Öffentlichkeitsarbeit noch nicht ausdrücklich verlangt wurde. Als wir einmal in einer PowerPoint-Präsentation unser Sonnenmodell mit seinen Flecken, magnetischen Bögen und Sonnenstürmen vorstellten, fragten die Projektverantwortlichen in Brüssel, ob diese Sachen tatsächlich existierten – so richtig zum Anfassen, nicht nur als Konzept auf Papier? Sie ermutigten uns, unsere Bildungsmaterialien auf den Markt zu bringen. Wer weiss, vielleicht werde ich den Versuch einmal wagen.

Sonnenmodell

Ein anderes Beispiel ist, als HESPE und das Kommunikations-Exponat Science on a Table 2013 aus Hunderten von Forschungsprojekten ausgewählt wurden, am EU-Tag der offenen Tür teilzunehmen. Ich muss gestehen, dass mir das positive Feedback der EU gut getan und mich ermutigt hat, weiter zu machen.

ilovescienza

Sehr spannend finde ich die Herausforderung, Vermittlungsansätze zu entwickeln für Länder mit unterschiedlichen Bildungssystemen, Strukturen der informellen Bildung und Traditionen der Wissenschaftsvermittlung.

 

Gibt es Aspekte, die Sie schwierig finden?

Die lokale Umsetzung der Vermittlungsprojekte ist nicht immer einfach. In der Schweiz sind Strukturen der informellen Bildung noch wenig ausgebaut. Darunter verstehe ich

  • Science Festivals über einzelne Institutionen hinaus, wie sie in Grossbritannien weit verbreitet sind,
  • ein Netz von Science Zentren, mit denen eine Zusammenarbeit möglich wäre,
  • eine umfassende institutionelle Kultur der Wissenschafts- und Technologievermittlung.

Ebenso fehlen Ausbildungsmöglichkeiten in Science Communication, einem Fachbereich, in welchem man andernorts Master- und sogar Doktoratsabschlüsse machen kann, und zu welchem auch geforscht wird. Im Gegensatz dazu basiert hier die Wissenschaftsvermittlung grösstenteils auf ‚learning by doing’. Das birgt die Gefahr, dass ständig das Rad neu erfunden wird. Es herrscht wenig Konsens sowohl über den Begriff Wissenschaftsvermittlung als auch die dahinter stehenden Konzepte. Entsprechend existiert keine berufliche Dachorganisation. Es gibt noch viel zu tun.

 

Ausblick

Die Abstimmung vom 9. Februar war für mich ein mittlerer Schock, welcher meine bisherige Art der Wissenschaftsvermittlung in Frage stellte und Versäumnisse aufzeigte. Nie war mir so klar, dass Forschung nicht in einem neutralen Raum statt findet, sondern in konkreten, manchmal widersprüchlichen gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen. Und dass es geschehen könnte, dass zumindest gewisse Bereiche der Forschung gar nicht mehr statt finden.

Meine Einsicht daraus ist, dass Wissenschaft und Technik nicht einfach als faszinierende Themen vermittelt werden sollen, sondern als grundlegender Bestandteil unserer Gesellschaft, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muss. Die Wissenschaftsvermittlung muss vermehrt dazu beitragen, Grundlagen für informierte demokratische Entscheidungsfindungen bereit zu stellen. Dazu müssen nicht nur die Inhalte, sondern auch die Bedeutungen der Forschung thematisiert werden und die Bedingungen, unter welcher sie statt findet – oder eben nicht.

Von der Zukunft erhoffe ich mir, dass wir weiterhin die Möglichkeit haben werden, Partner bei EU-Projekten zu sein. Damit wir das, was wir aufgebaut haben, weiter entwickeln und damit noch mehr Leute als bisher an der Forschung teilhaben lassen können.

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Hanna Sathiapal ist die Autorin dieses Blogs und seit 2009 verantwortlich für die Wissenschaftsvermittlung der Forschungsprojekte in Sonnenphysik am Institut für 4D-Technologien, Hochschule für Technik in Brugg-Windisch, das neben Projekten im Weltraumbereich noch andere interessante Forschungsbereiche der Informatik beherbergt und sich in der Lehre engagiert.

Kontakt: hanna.sathiapal@fhnw.ch

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In der Reihe EU-Projekte sind folgende Beiträge erschienen:

Sind wir noch dabei? Aus der Perspektive von Arnulf Bohnacker, Euresearch Contact Point & Forschungs-support FHNW

Was bringen sie? Aus der Perspektive von André Csillaghy, Leiter des Instituts für 4-D Technologien, FHNW

Erfahrungen aus der Praxis. Aus der Perspektive des Informatikers Marco Soldati

Papiertiger EU-Projekt? Aus der Perspektive der Fachperson für EU-Project/Finance Controlling & Administration Katja Lapadula

Zurück in die Schweiz dank EU-Forschungsgeldern. Aus der Perspektive der Wissenschaftlerin Lucia Kleint

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Weiterführende Informationen:

zum Europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 ec.europa.eu/horizon2020

zur Teilnahme der Schweiz am europäischen Forschungsprogramm euresearch.ch

zu unseren EU-Projekten FLARECAST, HESPE, HELIO und CASSIS finden Sie auf der Projektseite dieses Blogs. Falls Sie mehr wissen möchten, gibt Ihnen der Institutsleiter André Csillaghy gerne Auskunft.

 

 

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